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Ur. 250 drftes Blatt

188. Jahrgang

Dienstag, 25. Oktober 1938

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Auch hankaus Schicksal besiegelt.

Japanische Truppen nur noch wenige Kilometer vor der Stadt. Oie ersten Brände nach umfangreichen Sprengungen. Tschiangkaischek hat Hankau bereits verlassen.

Schanghai. 25. Oft (DRV. Funkspruch.) Das Schicksal hankaus kann nun als besiegelt gel­ten. Motorisierte Schützen der japanischen Truppen standen Dienstag früh bereits vier Kilome­ter nördlich des sogenannten 10-2Neilen-Dam- mes, der sich im Norden um hankau zwischen dem Jangtse und dem hankiang-Fluh herumzieht. 3n der Stadt hankau sind bereits zahlreiche Gebäude gesprengt worden. Unter alle ja­panische Gebäude und unter die Munitionslager von hanyang ist Dynamit gelegt worden, um jeder­zeit weitere Sprengungen vornehmen zu können. Der Verteidigungskommissar von hankau, General Suats chan. erklärte, er allein trage für diese Maßnahmen die Verantwortung. Das Eigentum der Ausländer werde geachtet werden. Jeder, der das Leben eines Ausländers bedrohe, werde sofort er- schossen werden. Ungefähr 1500 Ausländer befin­den sich noch in hankau. Die Ausländer aus wut- fchang und anderen bedrohten Orten find aufgefor­dert worden, in die englische Konzession zu kommen, die von englischen und amerikanischen Marinesolda­ten und durch ausländische Freiwillige bewacht wird. Dunkle Rauchfahnen liegen über der Stadt, die von zahlreichen Bränden Kunde geben.

Die chinesische Bevölkerung ist dabei, die verlorene Stadt zu räumen. Marschall Tschiangkaischek und seine Familie haben die Stadt bereits verlassen. Tschiangkaischek, wang- t s ch i n g w e i und andere chinesische Führer hatten am Montag eine geheime Konferenz in T s ch u ng k i u g, der neuen chinesischen Hauptstadt, um über die folgenschweren Ereignisse der letzten Tage zu beraten. Tschiangkaischek soll in den näch­sten Tagen in Hongkong erwartet werden. Seine Frau soll bereits am Montag incognito in Hong­kong eingetroffen sein. Line Bestätigung dieser Nach­richt war nicht zu erhalten.

Kinton und Hankau.

In der Nacht zum 12. Oktober landeten die Ja­paner ihre ersten Truppen in der Bias-Bucht. Sie schufen sich damit einen Brückenkopf in der Provinz Kwantung und gingen sofort gegen Kanton vor, dos durch eine Eisenbahn mit Hong­kong verbunden ist und der größte Ein- und Aus­fuhrhafen Südchinas sowie sein Hauptumschlagsplatz für Waffen und sonstigen Kriegsbedarf war. Der Landungsplatz in der Bias-Bucht nordöstlich von Kanton war gut gewählt, denn der Süden Kantons wird von dem breiten Delta des Perlflusses einge­nommen, der Eingang zum Hafen Kanton wird vom englischen Hongkong bewacht und im Westen vom portugiesischen Macao flankiert.

Ueberraschend schnell ist die chinesische Verte,D».- gung vor Kanton zusammengebrochen. In drei An­griffskolonnen gingen die Japaner vor. Sie erreich­ten mit der am weitesten nach Osten vordrmgenden Gruppe bei Waitschau den Ostfluß, nachdem Die mittlere Kolonne Tamschui genommen hatte. Schlietz- lich wurde die Bahnlinie KaulunKan- t o n von der dritten Kolonne unterbrochen. Zu­nächst standen den Japanern nur Reste der Kwan- tung-Armee gegenüber, einer Provinzarmee, die schnell geworfen wurde, bann ging die über AZai- tschau vordringende Gruppe bei Tasangschm gegen neu eingetroffene reguläre Truppen Tschiangkaischeks vor und warf sie aus ihren Derteidigungsstellungen.

Eine zweite Kolonne bewegte sich längs der Bahn von Schilung nach Kanton. Die Japaner schemeni m großem Maßstab motorisierte Abteilungen eingesetzt zu haben, denen die Chinesen keine wesentlichen Abwehrkräfte entgegenzusetzen vermochten Die nord- Worts d-- Ostflusses operierende drang

in Wongtong ein, das nur noch> 3o Kilometer von Kanton 'entfernt ist, und war damit inibui 1*6 e Verteidigungslinie von Kanton gelangt. Gleichzeitig wurden längs der Bahn durch Panzerwagen die letz- ten Linien durchbrochen. Das Schicksal Kontons hat sich also überraschenderweise bedeutend schneller vollendet als das Schanghais. ...... hpr

In einem Telegramm an den Prozenten oer Gesetzgebenden Versammlung der Kuomintang, 6un So hatte der frühere chinesische Außenmim fter Eugen' T s ch e n den Marschall T s ch i a n g kat­sch ek angeklagt, sich nur auf die Verteidigung von hankau beschränkt und Kwantung und Kanton von allen Regimentern der Luftwaffe und Kerntrup- pen entblößt zu haben. Er hatte das als einen ,tra gischen Irrtum" bezeichnet, aber noch gehofft er werde ausgeglichen werden konnenDazuistesz spät. Es hätte doch keinen entscheidenden Elnslutz mehr auf den Gang der Ereignisse gehabt zuma auch die Verteidigungslinien von hankau durch brachen worden sind und der Fall der chinesischen Kriegshauptstadt nahe bevorzustehen scheint.

China liegt am Boden, darüber werden auch spätere Kämpfe kaum noch d'uwegtauschen kom,m. Es wird nicht mehr lange dauern, bann tf: bte küste mit tiefem Hinterland ebenso restlos des tz, wie hankau. Mögen die chinesischer».Armeeni m der ür ihr Vaterland schicksalhaften Schlußphase des apanisch-chinesilchen Konflikts noch so tapfer kamp en sie werden doch kaum noch verhindern können. Laß der Wille Chinas im ostasiattschen Spiel der

Kräfte bis auf weiteres ausgeschaltet bleibt. Das große Rätsel liegt darin, warum der Süden nicht geschützt worden ist. Möglich, daß man dazu bereits außerstande war, möglich, daß man nicht daran glaubte, Japan werde, nachdem es zur Beherrschung des weiten eroberten Gebietes schon ganze Armeen als Bewachungstruppe braucht, seine Reserven nach Kanton werfen, möglich, daß es innerhalb der chinesischen Heeresleitung Meinungsverschiedenheiten gab, die so tief gingen, daß sie den Willen zu ent­schlossenem handeln lähmten. Um das Trauerspiel zu krönen, melden sich jetzt alle möglichen Chinesen zum Wort, die schwerste Anklagen gegen Tschiang­kaischek Vorbringen, an sich nichts Ueoerraschendes. hätte er Glück gehabt, dann wäre er selbstverständ­lich der Held des chinesischen Volkes. Die eigent-

Die Stadl Sanfon

Hongkong, 24. Oft. (Europapreß.) Die Stadt Kanton, die vor zwei Tagen von den japanischen Truppen fast ohne Widerstand eingenommen wurde, ist am Sonntag von den Chinesen in Brand g e st e ck t worden. Der Brand brach an vier verschiedenen Stellen gleichzeitig aus und verbreitete sich infolge heftiger Winde mit rasender Schnelligkeit, so daß die in der Stadt noch fremden japanischen Truppen dem Feuer keinen Einhalt gebieten konnten. Nach Berichten von Augenzeugen gleicht die ganze Stadt einem einzigen Flammenmeers Das Feuer findet an den zum arößten Teil aus Holz erbauten chinesischen Wohn­stätten reichliche Nahrung. Die Flammen erreichten auch die Munitionsdepots von Wongscha, die unter ungeheuren Detonationen in d i e Luft gingen und in weitem Umkreis Verwüstungen anrichteten. Diele Häuser, die christliche Kirche und die englische Brücke, wurden zerstört. Das eng­lische Konsulat wurde schwer beschädigt. Alle Fen­sterscheiben in der englischen Konzession wurden durch den Luftdruck und durch Trümmerstücke zer­brochen. Der Stadtteil Wongscha ist ein einzi­ger Trümmerhaufen. An der Stelle der Munitionsdepots ist nur ein riesiger Krater sicht­bar. Das Feuer soll von chinesischen Soldaten und chinesischer Zivilbevölkerung angelegt worden fein, die mehrere Bezirke mit Petroleum übergossen und in Brand steckten. Die Wasserleitung war von den Chinesen zerstört worden, um die Löscharbeiten zu verhindern.

Zavaus plane für die Zukunft Edinas.

Tokio, 24. Okt. (DNB.) Aus Regierungskreisen hört die japanische Nachrichtenagentur Domei, daß Japans Politik nach dem Fall hankaus auf För-

lichen Ursachen seiner Niederlage liegen aber nicht darin, daß er als Feldherr versagte. Er hat sich mit Geschick gewehrt, und seine Krieger haben sich, das ist ihnen von den Japanern wiederholt bescheinigt worden, tapfer geschlagen. Das schließliche Ver­sagen der Verteidigung liegt in der geringen Zeit begründet, die dem Generalissimus zum Ausbau einer leistungsfähigen Wehrmacht zur Verfügung stand. Die Rivalität der Generale unter­einander, das unheilvolle Wirken politischer Fana­tiker und schlechte Ratschläge von außen her haben ein Uebriges aetan, um die noch nicht entwickelte Kampfkraft Chinas in ihren Anfängen zu zerstören. Langsam kommt nun der Zeitpunkt, der die Klärung des japanisch-chinesischen Verhältnisses mit anderen Mitteln als den Waffen erheischt. D. S.

ein Flammenmeer.

derung eines neuen Regimes in China ge­richtet fein werde. Mit diesem sollen die Beziehun­gen auf vollkommen neuer Grundlage aufgebaut werden. Die japanische Regierung sehe die Zusammenarbeit mit Mandschukuo und China als Basis des Fernostfriedens an und werde sich be­mühen, alle früheren Gegensätze zu beseitigen unter gegenseitiger Wahrung der hoheitsrechte und des territorialen Besitzstandes. Besonders aufgeführt werden folgende drei Punkte: 1 Einstellung aller Maßnahmen auf politischem, erzieherischem und wirtschaftlichem Gebiet, die bisher der Freundschaft beider Länder hinderlich waren. 2. Kulturelle Zu­sammenarbeit und gemeinsame Antikom- i n t e r n - P o l i t i k. 3. Wirtschaftliche und indu­strielle Zusammenarbeit. , Japan betrachte es als seine Mission, die Ursachen aller Gegensätze in Ost- asien zu beseitigen, um so zum Weltfrieden beizu­tragen. China müsse alle antijapanischen und kommuni st enfreundlichen Ideen a u f g e b e n und fein Volk in diesem Sinne lenken.

Es heißt dann weiter, daß die militärischen Ope­rationen bis zur Beseitigung jeder politischen und militärischen Machtäußerung Tschiangkai­scheks fortgesetzt werden. Es werde aber nötig fein, darüber hinaus japanische Besatzungs­truppen in China zu belassen, um alle japanfeindlichen und kommunistischen Einflüsse zu zerschlagen, mit. den bolschewistischen Banden auf­zuräumen und Ordnung und Sicherheit aufrechtzu­erhalten. Für den geplanten Wiederaufbau eines neuen Chinas wolle die japanische Regierung alle nationalen Kräfte militärischer, politischer, wirtschaft­licher und kultureller Art mobilisieren. Die Regie­rung werde ferner die militärischen R ü - st un gen weiterhin ausbauen und die Produktionskapazität erhöhen, um allen Schwierigkeiten begegnen zu können einschließ­lich einer möglichen Intervention Dritter Mächte.

Oer Führer wieder auf dem Obersalzberg.

Sei einem Besuch auf dem Kehlstein mit seinen Gästen, Reichsminister Dr Goebbels und Frau mit ihren Kindern Helga, Hilde und Helmut. (Scherl-Bilderdienst-M.)

pariser Erkenntnisse.

Von unserem H B -Korrespondenten

Paris, im Oktober 1938.

heute erklären viele Leute in Frankreich, daß Die Teilmobilrnachung Ende Septem­ber zwar viel Aufregung gebracht und noch viel mehr Geld gekostet, daß sie aber auch etwas Gutes an sich gehabt habe: Sie habe nämlich eine Reihe Fehler, Lücken und Mißstände aufgedeckt. Die Generalstäbler mögen gegenwärtig über den Berichten aus den Grenzbefestigungen, aus den Garnisonen im ganzen Lande und aus den Ver­pflegungszentren sitzen und sie prüfen. Sie würden uns im Rahmen dieses Artikels nicht interessieren, auch wenn sie nicht geheim wären. Wir wollen hier von einigen kleinen Fällen aus dem großen französischen öffentlichen Leben sprechen, die als Teilerscheinungen eines ganzen Systemes gegen­wärtig mehr denn je in der Oeffentlichkeit diskutiert werden.

Die Ausländerfrage spielt wahrscheinlich in keinem anderen Lande Europas eine so große Rolle wie in Frankreich, wo bei ungefähr 40 Mil­lionen Einwohnern über drei Millionen Ausländer wohnen. Als der Krieg Ende Sep­tember hart vor der Türe stand, da stellte man sich in allen französischen Kreisen die Frage, was mit den Ausländern geschehen soll. Die Militärbehörden suchten aus allgemeinen Sicherheitsgründe^ in aller Eile eine Lösung dieses Problemes; der Durch­schnittsfranzose bekam bei dem Gedanken, daß er in den Krieg ziehen, Frau und Kinder zu Hause lassen und -fein Geschäft aufgeben müsse, einen kleinen Wutanfall, der sich aber nur in Einzelfällen, bezeichnenderweise meist gegen frech gewordene Ju­den oder sonstige Emigranten, in Handgreiflichkeiten ausdrückte, so in Dijon, wo mobilisierte Franzosen von einem jüdischen Händler beschimpft wurden und daraufhin aus dessen Geschäftseinrichtung Kleinholz machten. Die Frage Der Internierung brauchte dank Des Münchener Friedens nicht gelöst zu wer­den, aber die Wirtschaft fordert auch heute, daß die Ausländer in den nächsten Jahren mit einer Son - der st euer bedacht werden sollen, als Ausgleich dafür, daß sie nicht in Den Krieg zu ziehen brau­chen unD ihren Geschäften im Kriegsfälle mehr oder weniger ruhig nachgehen können. Es ist sehr wahr­scheinlich, daß es über diese Frage zu Debatten im Pariser StaDtrat unD vielleicht sogar in Der Ab- georDnetentammer kommen wird.

Damit gleitet jede Debatte zwangsläufig auf Naturalisierungen über, unD Der Fall Des Fußballspielers Lehmann beschäftigt nun schon seit Wochen nicht nur Die Sportkreise, sonDern Die verantwortlichen Stellen ganz allgemein. Lehmann war früher Schweizer Staatsbürger. Er wurDe Berufsspieler und fand bei Dem Werkverein von Peugeot, Dem Fußballklub Sochaux, eine ange­nehme Anstellung als Berufsspieler. SeitDem Das Berussspielertum im französischen Fußball herrscht, ist zwar Der Fußball, Der gespielt wird, nicht viK besser, aber Die Zahl Der AuslänDer in ständigem Steigen begriffen. Aus Den mit­teleuropäischen und selbst süDamerikanischen Län- Dern kamen DutzenDe von Fußballkünstlern, Die in Frankreich Das ParaDies ihres ErDenseins zu fin­den hofften. (Nicht alle sahen zwar ihre Hoffnun­gen erfüllt. Manche Berufsspielermannschaften setzten sich zur Hälfte aus Ausländern zusammen. Die französische Fußballbehörde schritt ein, und bestimmte, daß nicht mehr als drei Aus­länder in einer Mannschaft spielen dürf­ten. Die Dereinsleiter, für die großenteils Der Sport nur Geschäft ist, fanDen rasch eineLösung". Sie ließen ihre auslänDischen Berufsspieler natu­ralisieren. Natürlich konnte Dies nicht auf Dem gewöhnlichen Wege geschehen. Denn das hätte viel zu lange geDauert, und ein Vereinsleiter konnte Doch nicht einen Teil seinesKapitals", das Die Berufsspieler Darstellen, brach liegen lassen. Also wurDen Die meisten Ausländer im Schnellzugs­tempo naturalisiert und Die FußdallbehörDe war geschlagen. Sie Drückte ein Auge zu, bis Der Fall Lehmann bekannt wurde.

Lehmann war ebenfalls naturatiffart worDen und hatte sogar im Gegensatz zu einigen seiner MarseillerKollegen", Die sich wegenkörperlichen Schwächen" aller Art zurückstellen ließen, seine Militärzeit absolviert. Das Unglück wollte es, Daß er zur Tranche 3 gehörte, Die in Den Krisentagen mobilisiert wurde. Da vergaß Lehmann seine frisch erworbene Staatsangehörigkeit und Deser­tierte. Von der Schweiz aus schrieb er sogar einen Brief an feinen Verein, Daß man chm Das Gehalt nachbezahlen und in Der Schweiz ihm eine Anstellung besorgen solle. Dieser Brief hat, wie man sich vorstellen kann, die Franzosen besonders gekränkt: Die FußballbehärDe in Paris disquali­fizierte Lehmann auf Lebenszeit und stellte den gleichen Antrag an dieFifa". Da ein anderer naturalisierter Fußballspieler von Sochaux sich während der Krisenlage ganz zufälligerweise das schöne Holland näher anschaute, aber in den ersten Oktvbertaaen wieder nach Frankreich zurück­kehrte, ist die Klubleitung gegenwärtig in starker Verlegenheit, und die Oefientlichkeit nimmt ganz allgemein gegen derartige Naturalisierungen Stel­lung. Denn nicht nur der Sport kennt diese Zweck­naturalisierungen, sondern noch viel mehr die Po­litik und auch die Kunst. Emigranten brauchen nur Den kleinen Finger zu heben, und schon sind sie Fran­zosen. Diele solcher Naturalisationen sind schon er­folgt, und eine Reihe weiterer voninternatio­nalen Prominenten" liegen in der Luft.

Man weiß, daß Frankreich seit Jahrzehnten an ein<>m Geburtenrückgang leidet. Die Zahl der jährlichen Geburten, Die im Jahre 1876 noch