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Kreis der Betrachtung gezogen. Man ist nicht größenwahnsinnig, ein paar runde Märker sind immer willkommen. Und wenn es nur zu einem Sonntagsausslug langt.

Selbst wenn es aber aus dem Sonntagsausslug nichts werden sollte, mit dem Einsatz kann es immer noch klappen. Der Einsatz ist der sanfte Trost, die zarte Beruhigung für gestrandete Hoffnungen. Und offen gestanden: ich Hobe gar nichts dagegen, mit dem Einsatz herauszukommen. Er ist sozusagen der Sperling in der Hand. Die Taube auf dem Dache werde ich eines Tages sicher noch erwischen. Viel­leicht schon beim nächsten Mal... H. W.

prügel gehören ihm!

Nee, nee", sagte Jochen Scheel eigensinnig,auf meinem Hofe herrscht Ordnung, da befehl' ich und wer nicht gehorchen will, der ...", er macht eine nicht mißzuoerstehende Bewegung mit der Hand.

Aber Mann", lacht die Bäuerin,sei doch kein Narr, wer wird denn immer gleich den Teufel an die Wand malen!"

Ich mal' ihn nicht an die Wand!" erwidert der Bauer verbissen,ich leid' nur nicht, daß der dumme Bub in seinem Unverstand meinen Hof, sein Erbe gefährdet! Und wenn ich ihn noch mal dabei er­wische, wie er mit offenem Licht in den Stall geht ..."

Mein Himmel", fährt die Frau ungeduldig da­zwischen,was macht das schon aus, wenn er sich dabei vorsieht!"

Gegen unglückliche Zufälle nützt alle Vorsicht nichts!"

Außerdem sind wir ja versichert!" trumpft die Bäuerin auf.

Dem Bauer schwillt die Zornesader bei der leicht­sinnigen Rede, aber er beherrscht sich.So", sagt er,wir sind versichert! Und da denkst du, es kann ruhig mal brennen auf dem Hofe! Aber ich will in dem Haus leben, in dem mein Vater gelebt hat, und vor ihm sein Vater und vor dem wieder sein Vater! In meinem Hofe, verstehst du? Und den kann mir keine Versicherung der Welt ersetzen und deswegen" jetzt schreit erkriegt der Bub trotz seiner 19 Jahre ein Tracht Prügel, wenn ich ihn noch einmal mit offenem Licht in den Stallungen erwische."

Der Bauer wußte, warum er so unerbittlich war. Ihm war bekannt, daß der überwiegende Teil aller Brände durch Leichtsinn und Fahrlässigkeit entsteht. Und er wollte nicht, daß auch sein Hof der Gefahr eines Brandes ausgesetzt wird. Wenn nur alle Leute so dächten wie Jochen Scheel!

Brände vernichten Brot! Hilf auch du mit, Brände verhüten. E. F. (RAS)

Vornotizen

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Andalusische Nächte".

Hilde Hildebrand im Sladttheater Gießen.

Die Intendanz des Stadttheaters Gießen hat die Berliner Bühnen- und Filmkünstlerin Hilde Hilde­brand für ein einmaliges Gastspiel am Montag, 29. August, verpflichtet. Die Künstlerin gastiert mit eigenem Berliner Ensemble inHedda Gabler", Schauspiel von Ibsen. Spielleitung: Carl-Heinz Klubertanz. Das Gastspiel beginnt um 20 Uhr.

Hitler-Jugend Bann 116.

Betk.: Deutsche Jugendmeisterschasten am 28. August in Frankfurt a. 21L

Am kommenden Sonntag, 28. August, finden in Frankfurt a. M. die Deutschen Iugendmeisterschaften statt. Der Reichsjugendführer Baldur von Schi- r a ch und der Reichssportführer von Tschammer und O st e n werden am 28. August im Stadion zur Hitler-Jugend sprechen.

Die Teilnehmer des Bannes 116 fahren mit dem fahrplanmäßigen Zug um 9.57 Uhr ab Gießen. Es können sich noch Jgg. an dieser Fahrt beteiligen. Der Fahrpreis beträgt ab Gießen RM. 2,70 (Hin- und Rückfahrt). Die Jgg., die sich an der Fahrt be­teiligen wollen, haben um 9.20 Uhr an der Dienst­stelle des Bannes 116 anzutreten. Eine Ausnahme bilden die Jgg., die unterwegs zusteigen. Die Ge­folgschaftsführer melden sofort die in Frage kom­menden Jgg.

Alles Alieisen dem Vaterland!

Aufruf der Kreisleitung Wetterau.

Der mit der Durchführung des Vierjahresplanes vom Führer beauftragte Generalfeldmorfchall, S2L- Obergruppenführer Hermann Göring, der Schöpfer der neuen deutschen Luftwaffe, hat das gesamte deutsche Volk zu einer umfangreichen

Schrottfammelaktion aufgerufen und die SA. mit deren Durchführung beauftragt.

Ich richte daher an alle Volksgenossen des Krei­ses Detterau die Bitte, stellt alles verfüg­bare Alteifen. wie alte Oefen, Eifenreife,

Personalveränderung im BOM.-Obergau.

NSG. Mit Wirkung vom 15. August 1938 wurde die bisherige Führerin des Jungmädeluntergaues 117, Mainz, Mie Müller, mit der Führung der Jungmädel-Untergaue 81/186, Frankfurt a. M., beauftragt. Den Iungmädel-Untergau Mainz über­nimmt die bisherige Führerin der Jungmädel­gruppe Lollar, Mathilde W i n h e i m , die zugleich die Geschäfte des Untergaues 116, Gießen, führte. Die Verabschiedung bzw. Neueinführung der bei­den Untergauführerinnen fand in Mainz bzw. Frankfurt a. M. durch Obergauführerin Else Riese statt.

Weiterer tatkräftiger Ernteeinsatz.

Die Aufforderung des Kreisleiters zu weiterem Ernteeinsatz für den gestrigen Mittwochnachmittag hat wiederum lebhaftes Echo gefunden. Selbstver­ständlich war die Kreisleitung wieder geschlossen mit dabei. Unter der Mitarbeit der Amtsoorstände setz­ten sich die Behörden mit zahlreichen Beamten und Angestellten ein. Die Polizei trat mit ca. 60 Mann zu Ernteeinbringungsarbeiten im Gut Hennecken an und half auch im Universitäts-Versuchsgut aus. Das Finanzamt stellte zahlreiche Helfer für die Gemeinde Großen-Buseck. Die Stadtverwaltung trat mit etwa 30 Mann in den Orten Lang-Göns und Großen- Linden an. Das Arbeitsamt war wieder in Garben­teich, das Amtsgericht stellte sich mit 30 Mann zur Verfügung. Die Kreiswaltung der Deutschen Ar­beitsfront half in Grüningen, Eberstadt, Bersrod und in Mainzlar mit insgesamt 25 Mann. Das Kreisamt schloß sich ebenfalls nicht aus. Das Kul­turbauamt war beim Ortsbauernführer von Gie­ßen. W, NSKK., NSLB., SA. und HI. fetzten sich nicht weniger gerne ein. Ueberall wurden die Ernte­helfer herzlich willkommen geheißen und allgemein wurde von den Bauern die Mithilfe dankbar an­erkannt.

Leerzug in Gießen

gegen einen Güterzug gefahren.

Heute morgen gegen 4 Uhr ereignete sich in unserem Bahnhof ein Zusammenstoß. Ein Leerzug fuhr bei der Ausfahrt mit einem Güterzug zusam­men. Der Anprall war so stark, daß beide Loko­motiven entgleisten. An beiden Fahrzeugen entstand einiger Sachschaden. Personen wurden glücklicher­weise nicht verletzt.

Hessen-Nassaus Adolf-Hitter-Marsch- teilnehmer in Miltenberg.

NSG. Sechs Marschtage haben die Teilnehmer des Adolf-Hitler-Marsches des Gebietes Hessen- Nassau nun schon hinter sich gebracht, lieber die Grenze ihres Heimatgaues sind sie nun in den Gau Mainfranken hinübergewechselt, wo am Mittwoch ein Ruhetag eingelegt wurde. Von hier aus führt sie der Weg nach Wertheim.

An ihrem letzten Marschtag erlebten sie den Oden­wald, den sie auf einem der schönsten Wege über die Höhen nach dem Maintal querten, einmal von einer anderen Seite. Im Regen verlor sich alle Farbfreudigkeit der schönen Landschaft. Durch die­ses Wetter trugen die Hitlerjungen Hessen-Nassaus

unbrauchbare rNaschinenleile, nicht mehr verwend­bare Pflugscharen und Eggen, eiserne Behälter, alte Eisengitter und dergleichen zurverfügung. In jedem bäuerlichen Betriebe, in jedem haushalte und Gewerbebetriebe läßt sich solches Alteisen fin­den, und fei es auch noch so wenig. Für euch ist dieses Altmaterial wertlos, für das Vaterland aber wertvoll. Darum stellt es bereit und gebt es der S 21., die es in der Zeit vom 22. bis 27. August a b h o l l.

Backhaus, Kreisleiter.

ihre regenschweren Bannfahnen. Als sie in einem Vorort Miltenbergs Quartier bezogen, erlebten sie eine freudige Ueberraschung: Die Filmoperateure der Reichsjugendführung kamen zu Aufnahmen für den ersten Filmen vom Sternmarsch der Jugend nach Nürnberg. Am nächsten Morgen schon begannen die Aufnahmen. Für den Film, der nach den großen Tagen des Reichsparteitags von dem großen Marsch der Jugend künden soll, liegen Regie, Drehbuch­bearbeitung und Vertonung in den Händen der HI. Für die Marschteilnehmer des Gebietes Hessen- Nassau ist es eine besondere Auszeichnung, an der Gestaltung dieses Filmes beteiligt zu sein.

Gießener rvochenmorktpreise.

* Gießen, 25. Aug. Auf dem heutigem Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse C 11^4, Wirsing, kg 8 bis 10, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Ka­rotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 18 bis 25, gelb 20 bis 25, Tomaten 18 bis 25, Zwiebeln 10 bis 15, Pilze 30 bis 60, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 50 Pf., 50 kg 4 bis 4,25 Mark, Falläpfel, Vi kg 12 bis 15-Pf., Brombeeren 40 bis 50, Aepfel 30 bis 40, Birnen 25 bis 50, Pflaumen 40, Zwetfchen 40, junge Hähne 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 5 bis 15, Oberkohl­rabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf.

*

** Vereidigung b e r Sanitättzbereit- schäft. Nachdem alle früheren Verbände, Vereine und Untergliederungen des Roten Kreuzes zu einer Einheit zusammengeschlossen worden sind, findet am kommenden Sonntag, 28. August, vormittags, für die Kameraden und Kameradinnen des hiesi­gen Deutschen Roten Kreuzes eine feierliche Der-

Der Bagger an der Arbeit.

Unser Bild zeigt den Bagger, der gestern in der Sandgrube an der Licher Straße seine Ar­beit ausgenommen hat, um 20 000 Kubikmeter Sand für die Aufschüt­tung der Straßen im Schwarzlachgebiet abzu­bauen. Es ist wohl das erstemal, daß eine der­artige Maschine in un­mittelbarster Nähe unse­rer Stadt in Betrieb zu sehen ist.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

eidigung auf dem Brandplatz statt. Anschließend wird Kreisführer Dr. Lotz auch die Vereidigungen in den Standorten des Kreises vornehmen. Die Bevölkerung ist zu der Feier auf dem Brand herz« lich eingeladen.

** Arbeitsjubiläum. Die Ziaarrenmache- rin Elisabeth Heller aus Garbenteich konnte am 23. August bei der Firma Gg. Heinr. Schirmer, Zigarrenfabriken, Gießen, ihr 25jähriges Axbeits- jubiläum begehen. Aus diesem Anlaß wurde von der Firma ein Betriebsappell abgehalten, bei dem der Jubilarin seitens der Betriebsleitung und der Gefolgschaft Gaben überreicht wurden. Die Feier war umrahmt von einer Ansprache des stellv. Be« triebsführer Dr. Carl Schirmer, des Betriebs« obmanns Otto Rinn und des Vertreters der Deutschen Arbeitsfront Otto P i p p e r , wobei von den drei Herren besonders die Treue, die die Iu- bilarin der Firma in den langen Jahren gezeigt hat, hervorgehöben wurde.

DNB. Meldepflicht für wehrpflich­tige ehemalige österreichische Bundes­bürger der Jahrgänge 1893 bis 1913. Wehrpflichtige frühere österreichische Bundesbürger der Geburtsjahrgänge 1893 bis 1913 (Mannschaften und Unteroffiziere und Beamte gleicher Dienstgrade), die in der ehemaligen österreichischen Wehrmacht ge­dient und ihren dauernden Aufenthalt im Bereiche der Wehrkreis-Kommandos 113 haben, werden aufgefordert, ihre Uebernahme in den Beurlaubten- stand der deutschen Wehrmacht bei der für ihren dauernden Aufenthalt zuständigen Wehrersatzdienst­stelle (Wehrbezirkskommandos ober Wehrmeldeamt) zu beantragen. Die Wehrersatzdienststellen führen alsdann das Verfahren der Erfassung zwecks lieber« nähme in den Beurlaubtenstand der deutschen Wehr­macht im Einvernehmen mit den polizeilichen Melde­behörden durch.

** Obstbaumzählungen. In der Zeit vom 1. bis 19. September wird in den Gemarkun­gen Gießen und Schiffenberg eine Obstbaumzäh- iung durchgeführt, bei der die Zahl der noch nicht tragfähigen, der tragfähigen und der abgängigen Obstbäume festgestellt werden soll. Außerdem soll zahlenmäßig festgehalten werden, wo die Bäume stehen, ob auf Baumstücken, Feldern, Wiesen oder in Plantagen, ob an Straßen oder Wegen oder in Klein- und Hausgärten.

** Grummetgrasversteigerungen der Stadt Gießen finden am kommenden Montag, 29. August, an drei- verschiedenen Stellen statt.

Internationaler Bäderkongreß.

Reichsminisler Dr. Goebbels und Dr. Frick Schirmherren.

Lpd. Bad-Nauheirn, 24.Aug. Für den vom 24. bis 27. September 1938 in Berlin und Bad- Nauheim stattfindenden Internationalen, Bäderkongreß und den in Verbindung damit durchzuführetiden Deutschen Bädertag haben Reichsminister für Volksaufklärung und Prova- ganba, Dr. Goebbels, und Reichsinnenminister Dr. Frick die Schirmherrschaft übernommen.

Zwei hinter Gisela.

Zftoman von Hans Hirihammer.

Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa.

34 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Er machte eine geheimnisvolle Miene.Erdbeeren stehlen!" flüsterte er.

Gisela machte große Augen.Oh kann man bas hier?"

Pst!" machte er und blickte sich vorsichtig um. Ich werde Ihnen den Platz zeigen hinten am Bach. Aber wehe Ihnen, wenn Sie mich verpetzen!"

Sie schwor ewiges Schweigen. Dann holte sie ihre Sandalen, klemmte sie unter dem Arm und so zogen sie los.

Hoffentlich erwischt uns der Gärtner nicht!" meinte Peter besorgt.Die Erdbeeren sind sein besonders gehütetes Heiligtum. Als ich noch -'in Junge war, hat er mich einmal nach Strich und Faden versohlt."

Pah, wir werden uns schon nicht erwischen las­sen!" beruhigte sie ihn.Und wenn wir sind in der Ueberzahl. Erdbeeren stehlen! So etwas habe ich mir schon lange einmal gewünscht."

Er schaute sie begeistert an.Wissen Sie, daß Sie ein entzückendes Mädel sind? Wie ist es, sind

Sie hm eigentlich noch frei?"

,.J wo!" entgegnete sie schlagfertig.Ich bin schon längst verheiratet, habe bereits Kinder und eines ist unterwegs! Jawoll!"

Schade!" lächelte Peter Stoll, indem er stehen blieb und sie bezwingend anblickte.

Plötzlich überzog eine flammende Röte ihr Ge­sicht. Sie fühlte ein Würgen im HalsJetzt müßte ich es ihm sagen!" dachte sie versinkend.Ich muß es ihm doch sagen, die Sache mit Radegast, bevor bevor es zu spät ist."

Ist ist es noch weit zu den Erdbeeren?"

Nur noch ein paar Minuten! Dort ist schon der Vach, sehen Sie! Da müssen wir rüber und bann sinb wir gleich da."

Als sie'am Ufer des Baches standen, kratzte sich Peter bedenklich am Ohr.Früher war da ein dickes Brett, auf dem man hinüber konnte. Ich traue mir den Sprung zu, aber Sie?"

Wozu bin ich barfuß?" lachte sie.Es ist doch nur ein seichtes Wösferlein Springen Sie erst ein­mal aber fallen Sie nicht hinein'"

Er gelangte glücklich aus die andere Seite, und

als er sich umblickte, hatte sie schon das Kleid ge­schürzt und begann den Bach zu durchwaten.

Aber er war doch tiefer, als sie vermutet hatte. Sie hatte die Mitte noch nicht erreicht, da ging ihr das Wasser schon übers Knie.

Lassen Sie Ihr höhnisches Lachen!" rief sie dem Wartenden zu, der ihre Anstrengungen belustigt verfolgte. Aber dann mußte sie selber lachen. Sie raffte das Kleid noch höher, und nach ein paar Mi­nuten stand sie fröhlich an seiner Seite.

Gleich dort hinten! Man riecht es bis hierher! Aber ziehen Sie jetzt die Sandalen an! Das Ge­strüpp ist nichts für bloße Füße!"

Sie ließ sich sofort nieder und streifte die Schuhe über. Dann nahm sie seine Hand, und eine Minute später waren sie am Ziel.

Das Unternehmen erwies sich als voller Erfolg. In dichter Fülle hingen die reifen, duftenden Beeren und schienen längst darauf gewartet zu haben, daß sich jemand ihrer erbarmte.

Als sich die beiden Strauchdiebe übervoll an den köstlichen Früchten gesättigt hatten und gerade den Rückzug antreten wollten, vernahmen sie näher­kommende Schritte hinter sich.

Peter blickte hoch.Ach herrsch, der Gärtner!" flüsterte er erschreckt.Wollen wir uns zum Kampf stellen?"

Nee!" gab Gisela zurück und steckte noch rasch eine besonders große, saftige Beere in den Mund. Los laufen wir!"

Schon rannte sie, was das Zeug hielt, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als hinter ihr drein- zujagen.

Am Bach die Schuhe runter, rein ins Wasser, durch, drüben raus und losgeprescht das war eins.

Peter Stoll hatte bisher geglaubt, ein guter Läufer zu fein. Aber nun wurde der Abstand zwischen ihm und dem Mädchen immer größer.

Das fegte nur Jo, daß die Röcke wirbelten! Heidi ging es einen Hügel hinauf, drüben wieder runter; über Wiesen und Wege dahin, ein herrlicher Anblick!

3n der Nähe des Gutshofes hielt sie endlich an und wartete auf ihn.

Keuchend und pustend kam er angetrabt und stimmte in das Lachen ein, mit dem sie ihn empfing.

Donnerwetter!" sagte er mit neidloser Anerken­nung.Sie können aber laufen!"

Sie atmete tief und selig.Das war schön!"

3a, es war herrlich, Mädel!" Und auf einmal machte er eine Schwenkung und lief davon.

Gisela wollte ihm nachrufen, aber die Kehle war ihr wie zugeschnürt

Sie preßte die Hand an das stürmisch klopfende Herz und schritt langsam dem Hause zu.

37.

Toni Kindlmann war der einzige, den Lore Jasper in ihre Pläne eingeweiht hatte. Und wenn er sich des Auftrages, den sie ihm erteilt hatte, mit dem größten Eifer entledigte, dann geschah es nicht allein, um Peter zu seinem Glück zu verhelfen. Er litt sehr unter dem Zerwürfnis mit dem Vater. Ge­lang es ihm, diesen Radegast zu entlarven, dann war er vor dem Vater gerechtfertigt, und der alte Herr würde nicht zögern, zugleich mit dem wiedergewon­nenen Sohn auch Heli zu umarmen.

Wie aber war diesem Schurken Radegast beizu­kommen? Toni wanderte grübelnd durch seine Stube, las immer wieder den Text jener Heiratsanzeige, die den offensichtlichen Beweis von Radegasts lauterer Gesinnung zu bilden schien.

Sehne mich nach einem Menschen mit künstle­rischem Interesse, am liebsten Kunstgewerblerin, der ich wärmste Förderung ihres Schaffens zusagen würde."

Immer wieder stolperte Toni Kindlmann über diesen Satz. Er fühlte, daß hier die Lösung des Rät­sels verborgen lag.

Warum hatte Radegast diesen Satz eingefügt?

Und plötzlich dämmerte ihm die Ahnung der Wahrheit. Noch war er sich nicht klar, wie sich die Dinge abgespielt hatten, aber eine Stimme in seinem Innern riet ihm, einen Besuch in der Milmersdorfer Straße zu machen.

Dem Entschluß-folgte unmittelbar die Tat. Nun, da er eine Fährte gefunden zu haben glaubte, packte ihn der Jagdeifer.

Frau Kretschmar empfing den jungen Mann mit einigem Mißtrauen.Nein, Fräulein Mertens wohnt nicht mehr hier!" entgegnete sie auf seine Frage.

Sehr schade? Ich wollte sie wegen ihrer Erb- schäft ein wenig ausfragen. Ich bin nämlich von der Presse. Sagen Sie ist denn das wirklich wahr? Einen richtigen Gutshof und einen Haufen Geld dazu? Ich glaubte bisher, daß so etwas bloß in Romanen Vorkommen könnte!"

Frau Kretschmar brauchte eine Zeit, bis sie sich gefaßt hatte.Wie? Davon weiß ich ja gar nichts! Bitte, treten Sie doch näher!"

Als Toni ihre Neugierde befriedigt hatte, saß die gute Frau wie erstarrt.Ei, ei, eir' staunte sie und bann fiel ihr Radegast ein.Da fjat sich ja der Herr, der sie heiratet, fein in den Fettnapf gesetzt!"

Dieser Radegast, nicht wahr? Denken Sie, der Monn mar früher im Notariat in Breslau ange­stellt! (Em merkwürdiger Zufall, finden Sie nicht? Im gleichen Notariat war nämlich das Testament

für Fräulein Mertens hinterlegt. Man möchte fast meinen, daß er nach einem fein ausgeklügelten Plan gehandelt hat. Aber er hat ja ihren Namen erst erfahren, nachdem er schon mit ihr bekannt mar. Man kann ihn nicht verdächtigen!"

So? Man kann ihn nicht verdächtigen?" Frau Kretschmar schien mit einemmal ganz aus dem Häuschen geraten zu fein.So ein Lump! So ein infamer Spitzbube! Kommt zu mir und macht mir einen Schmus vor vonwejen ernste Absichten und so! Und ich helfe ihm noch, diesen Schwindel einzufädeln. Ich quäle sogar noch die Gisela, das arme Mädchen, damit sie nur ja dem sauberen Herrn in die Falle geht!"

Toni Kindlmann hätte die Brave am liebsten in die Arme geschlossen.Das müssen Sie mir ge­nauer erzählen!" forderte er sie mit ernster Miene auf.Und ich glaube, es ist Ihre Pflicht, Fräulein Mertens von diesen Tatsachen zu unterrichten. Es handelt sich um ihr Lebensglück."

Frau Kretschmar nickte zustimmend.Noch heute werde ich ihr schreiben! Sie haben recht! Das könnte ich in meinem Leben nicht verantworten! So ein gemeiner Schwindler! Der gehört ja ins Zuchthaus!"

Sicher wäre das der richtige Platz für ihn!" pflichtete Toni in ehrlicher Ueberzeugung bei.Er fetzte sich vor der Abfassung der Heiratsanzeige mit Ihnen in Verbindung?"

Frau Kretschmar schilderte den Verlaus jenes Be­suches, hielt aber plötzlich erschreckt ein.Ach Herr- jemersch, kommt das nu alles in die Zeitung?"

Erst nachdem sie die Zusicherung erhalten hatte, daß ihr Name nicht erwähnt werden würde, führte sie ihren Bericht, zu Ende.

Toni gab ihr die Anschrift von Lauterbrunn und überlegte, was nun weiter zu unternehmen sei.

Als er gerade die Treppe hinabstieg und zufällig einen Blick durch das Treppenfenster warf, sah er Radegast den Hof durchqueren.Aha!" dachte er, ahnungsvoll durch die Zähne pfeifend.Radegast baut vor. Er mag ahnen, daß hier eine Gefahr droht, sobald Frau Kretschmar von der Erbschaft ihrer Mieterin erfährt!"

Als Radegast ins Haus getreten war, öffnete Tom Kindlmann das Fenster und beugte sich über bje Brüstung. Der andere ging in der Tat vorbei, ohne ihn zu beachten.

Kindlmann hörte, wie oben bei Frau Kretschmar getlingelt wurde. Er hörte ihre Stimme:Ah, Herr Radegast! Nu, Sie kommen mir gerade recht'" Dann wurde die Tür geschlossen.

(Fortsetzung folgt!)

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