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lir. ho Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

25./2b.Juni 1938

Aus Oer Stadt Gießen.

Dr. Karl Klingspor.

Verleihung der Ehrenplakette der Stadt Gießen.

Die Presse st elle der Stadtverwal­tung teilt mit: Am heutigen 25. Juni kann der Inhaber der Schriftgießerei Gebr. Klingspor in Offenbach a. M., Dr.-Jng. e. h. Karl Klingspor, seinen 7 0. Geburtstag begehen. Dr. Kling­

spor ist geborener Gießener und hat bis zu seinem 25. Lebensjahr in Gießen gelebt. Dann siedelte er noch Offenbach über und hat dort als Schriftgießereibesitzer eine Fülle herrlicher Druck­schriften geschaffen, die zu den beliebtesten und ver­breitetsten in Deutschland und in der Welt gehören. In Anerkennung dieser seiner wertvollen Leistung hat der Oberbürgermeister unserer Stadt Herrn Dr. Klingspor am Tage seines 70. Geburtstages die Ehrenplakette der Stadt Gießen verliehen. Die Ur­kunde hat folgenden Wortlaut:

Gießen, den 25. Juni 1938.

Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen verleiht dem Sohne dieser Stadt, Herrn Dr.- Jng. e. h. Karl Klingspor, Schriftgießereibe- siher zu Offenbach a. 211., in Würdigung seiner Verdienste um deutsches Schriftschaffen und dessen Weltgeltung die Ehren-Plakette der Stadt Gießen. Der Oberbürgermeister.

(gez.) Ritter.

Oie Goethemedaille

für Dr.-Lng. e. h Karl Klingspor.

LPD. Frankfurt a. W., 24. Juni. Der Füh­rer und Reichskanzler hat, wie aus Berlin berichtet wird, dem Dr.-Ing. e. h. Karl Klingspor in Offenbach aus Anlaß des 70. Geburtstages in An­erkennung seiner Verdienste auf dem Gebiet der deutschen Schriftkunst die Goethemedaille für Kun st und Wissenschaft verliehen.

Oer Kalander.

Der Kalender ist schon leicht verstaubt, die Sonne hat ihn gelbgebleicht, ein Stück, das irgendwie ge­schützt war, leuchtet noch in seiner ursprünglichen Farbe. Im Gegensatz der Farben ist die Spur der Vergänglichkeit ausgezeichnet. Der Kalender, so wie er da hängt, stimmt melancholisch. Es liegt der Schmerz versäumter Dinge darüber.

Etwas von dem Gefühl, daß man diese oder jene Stunde hätte besser anwenden können, oder zu Ge­scheiterem ausnützen.

Auch das Gefühl des sprachlosen Erstaunens. Etwa so: am 24. Mai. Dünne, schwarze, zierliche Buchstaben. Dos war ein ganzer Tag. 24 Stun­den. 24 mal 60 Minuten. Eine Sekunde ist viel,

Popier.

Dornoiizen

wenn sie auf einem Zifferblatt großer Uhren lang­sam vorbeitanzt. Eine Minute kann an einem Ort unendlich sein. In Wartezimmern, beim Stelldich­ein. Wenn der Briefträger über die Gasse steuert. Wenn ein Zug Verspätung hat und man weiß nicht mehr das gute Wort, das man dem Abreisenden jetzt noch sagen konnte, jetzt, da schon olles gesagt ist.

So lang ist eine Minute. Eine Stunde hat sech­zig. Der ganze Tag hat 24 Stunden. Wo ist dieser 24. Mai, oder der 3. Februar, oder der 12. April?

Ich weiß nichts mehr von diesen willkürlich her­ausgegriffenen Tagen. Aber sicher habe ich mich an ihnen geärgert und gesorgt und sicher auch ge­freut, sicher über vieles gestaunt (und wenn es nur Knospen waren, einen Blick, ein gutes Wort, eine Beglückung im Vorübergehen), nun, wo sind diese erregenden Dinge? Ich weiß sie nicht mehr.

Aber ich kann nicht glauben, doß sie verloren sind. Vielleicht fallen Sie mir nach Jahren ein. Wenn ich an einem Haus vorbeigehe, dem die Sonne eine besondere Färbung gibt. Wenn ich den Briefkasten aufschließe und einen Brief mit einer besonderen Farbe herausnehme. Wenn ein Freund mich besucht und über den Regen schimpft. In sol­chen Augenblicken kommen vielleicht jene vergessenen Tage zurück und sind Bindeglied zu Neuem. Ur- sqche für das, was jetzt wird, sind vielleicht grelle Erinnerungen an einen Fehler, oder gutes Auf­atmen:Wie gut, daß du damals nickt ...

Der Kalender wird bald umgedreht. Dann kommt das andere halbe Jahr daran. Schon sind die Sonn­wendfeiern gewesen. In der Mittagshitze ist manch­mal etwas vom Dengeln der Sensen. Hauch und Zauber und Melancholie der Vergänglichkeit, her­vorgerufen durch ein bedrucktes, verschossenes ^Stück

Tageskalender für Samstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Rekrut Willi Win- fie" Zirkus Europa: 15.30 und 20.15 Uhr: Vor­stellungen: Tierschau ab 10 Uhr geöffnet.

Oer Kreistag des Kreises Wetterau in Gießen und Friedberg.

Sammlung und Ausrichtung!

Zum Kreistag der NSDAP.

Ueberall in diesen Wochen rief die Partei in un­serer Heimat zu Kreistagen auf. Ueberall fanden sich Tausende ein, um teilzuhaben an diesen Tagen, die Sammlung und Ausrichtung bedeuten und uns allen erneut bewußt werden lassen, welche Größe und Bedeutung unserer Gegenwart eignet.

Heute und morgen wird nun auch der Kreistag des Kreises Wetterau die Männer vereinigen, die über Jahr und Tag im «Dienst an der Vülksgemein- schaft stehen. Gilt es doch, gerade jetzt, da Haß und Verhetzung die Grenzen unseres Vaterlandes um­branden, diese Volksgemeinschaft zu vertiefen und zu' erhärten, damit sie sich bewähren kann in Zei­ten der Not und der Gefahr. Und dieser Stählung der Volksgemeinschaft soll auch der Kreistag des Kreises Wetterau dienen.

Zwar steht diesmal unsere Stadt Gießen nicht im Mittelpunkt der Ereignisse einen schönen und fast symbolischen Auftakt aber wird der Kreistag da­durch finden, daß die Gauschule heute morgen in Gießen eingeweiht wird, in der die Kämpfer und Mitarbeiter des Führers für ihre Arbeit in kleinem und kleinstem Kreise unserer Volksgemeinschaft das Rüstzeug erhalten sollen.

Dann ist Friedberg der Platz der Heerschau der Partei, ihrer Gliederungen und der angeschlos­senen Verbände. Mit Hingabe hat sich unsere Nach­barstadt den Aufgaben der Vorbereitung für diesen Kreistag gewidmet, und die zahlreichen Gäste aus weitem Umkreis werden die stolze alte freie Reichs­stadt, schon in ihrem äußeren Gewände so vorfin­den, wie es eines Kreistages der Partei würdig ist.

Der Kreistag soll nicht nur ein Beweis für na­tionalsozialistische Kraftenfaltung sein, wie sie allein aus der Idee, die der Führer gab, erwachsen kann, der Kreistag wird vielmehr auch ein Arbeitstag sein für die vielen, die in der Kleinarbeit am 'gro­ßen Werke schaffen. In nicht weniger denn zehn Sondertagungen werden sich die Leiter der einzel­nen Aemter der Partei treffen und Rechenschaft ab­legen: sie werden neue Anregungen erhalten für ihre Arbeit, werden in ihrer weltanschaulichen Hal­tung erneut ausgerichtet und bestärkt werden.

Schließlich wird der Kreistag auch ein machtvolles Bekenntnis zur Volksgemeinschaft sein, das in der Großkundgebung auf der Seewiese, bei der Staats­sekretär Reiner sprechen wird, seinen Ausdruck finden soll.

So wird der Kreistag viel mehr bedeuten als

eine Zusammenkunft vieler Tausender schlechthin der Kreistag soll und wird erneut jedem, der da­bei sein kann, eindringlich zum Bewußtsein bringen, wie wir alle einer Schicksalsgemeinschaft ange­hören, die unter dem Willen eines einzigartigen Mannes, unter dem Willen des Führers, ihren Weg in Jahrhunderte und Jahrtausende vorberei­tet ...

Heute morgen: Kranzniederlegung.

Der 1. Kreistag des Kreises Wetterau der NSDAP, wurde mit einer Gefallenenehrung in Gießen und in Friedberg begonnen. Zur

gleichen Zeit, da in Friedberg ein Kranz am dorti­gen Ehrenmal niedergelegt wurde, trat Kreisleiter Backhaus mit den Führern der Formationen an das Ehrenmal der 116er. Kreisleiter Backhaus ge­dachte der Gefallenen des Weltkrieges und insbeson­dere der SA.-Kameraden, die tm Kampfe für die Freiheit des Vaterlandes ihr Leben opferten. Er sprach in dieser für den Kreis Wetterau denkwürdi­gen Stunde das Gelöbnis aus, daß alle Partei­genossen und mit ihnen das deutsche Volk sich dieser Heldenopfer bewußt bleiben und weiter kämpfen werden, auf daß Deutschland ewig lebe!

Gauleiter Sprenger zum Kreistag der ASDVp.

In allen kreisslädlen wird die Bevölkerung des Gaues hesten-Rastau zum Appell an- frefen. Sie wird damit unter den Fahnen des Nationalsozialismus einen eindrucksvollen Beweis für die Wacht und die Einheit der durch Adolf Hitler geschaffenen deutschen Volks­gemeinschaft erbringen. Jeder Sreisappell ist somit ein Zeugnis der Kraft und der Stärke der nationalsozialistischen Bewegung des Kreises. Der Stolz eines jeden Volks­genossen muß es daher fein, sich für dieses Zeugnis einzüfehen, um es zum besten inner­halb unseres Gaues werden zu lasten.

Sprenger, Gauletter.

Das Geleitwort des Kreisleiters.

Der Kreistag soll eine Heerschau der Partei mit ihren Gliederungen und angeschlostenen Verbänden fein. Am Kreistag soll sich alles zusammenfinden, was nationalsozialistisch denkt, fühlt und handelt. Durch die Tagung der hoheltsträger und die Sondertagungen der einzelnen Aemter soll eine erneute Ausrichtung erfolgen und die innere Geschlossenheit und Einheit der Bewegung neu dokumentiert werden. Die Kundgebung draußen soll die unbändige Kraft und Stärke der Bewegung zum Ausdruck bringen. Die Sportwettkämpfe sollen zeigen, daß die Partei und ihre Gliederungen, insbesondere die S2L, den unerschütterlichen Willen haben, ihre Körperkraft zu stählen und sie im Dienst für's Vaterland jederzeit einzusehen.

Der Kreistag hat aber eine noch viel größere Bedeutung dadurch, daß er durch die Groß­kundgebung auf einem öffentlichen Platz, durch ein Volksfest und durch kulturelle Veran­staltungen die Bevölkerung an die Partei heranführt und mit ihr verbindet.

So möge der 1. Kreistag des Kreises Detterau, der in der schönen alten Reichsstadt Fried­berg stattsindet, unter einem guten Stern stehen und seinen Zweck voll und ganz erfüllen. Allen Teilnehmern aber rufe ich zu ein herzliches Willkommen und heil Hitler!

Backhaus, Kreisletter.

Sie neue Gauschule in Gießen.

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Oben: Die neue Gau­schule Bergwerk-Oberhof.

Ne b e n sie h e n d: Der neuerbaute Gartensaal als Speisesaal für die Gau­schule. (Aufnahmen |2) Neuner, Gießener Anz.)

Tageskalender für Sonntag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Rekrut Willi Win­kte". Universitäts-Sportplatz: ab 10 und 15 Uhr, Leichtathletik - Gaumeisterschaften: 15 Uhr, Fuß­ballspiel Stadtelf gegen Kreiself Gießen. Zirkus Europa: 15.30 und 20.15 Uhr, Vorstellungen: Tier­schau ab 10 Uhr geöffnet.

Gustav Jacoby im Sladtthealer Gießen.

Die Intendanz des Stadttheaters Gießen hat Gustav Jacoby, Deutschlands größten Humoristen, zu einem einmaligen Gastspiel am Freitag, den i 1. Juli 1938, verpflichtet. Alle diejenigen, die Gustav 1 Jacoby einmal im Rundfunk gehört haben, werden zweifellos den Wunsch haben, Gustav Jacoby ein­mal zu erleben! Die Vorstellung beginnt 20.15 Uhr Ende 22.15 Uhr.

Tanzend und singend Volk" beim Gausängertag.

Kaum ist das Regiments-Jubiläumsfest verklun­gen, da rüstet man schon für das große Gau- Sängerfest am 10. Juli. Im Rahmen der Festfolge ist für den Sonntag nachmittag in der Dolkshalle eine Feierstunde vorgesehen. Der hessische Heimat­dichter Georg Heß hat ein Heimatspiel entworfen, das den Titel .Tanzend und singend Volk" trägt und erstmalig zur Aufführung kommt. Es ist ein großer Kreis Mitwirkender aufgeboten, die das chorische Werk unter der Spielleitung von Anton Neuhaus, Spielleiter am Stadttheater Gießen, szenisch gestalten. An Mitwirkenden sind u. a. zu nennen etwa 300 Sänger, ferner die Kreis­kapelle, Turner und Turnerinnen des Turnvereins Wieseck, der Volkstanzkreis des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat", Gießen, sowie auch die TrachtengruppenHüttenberger",Schlitzerländer", Odenwälder" und .Marburger", außerdem eine Bauernkapelle und als Sprecher und Sprecherinnen .Mitglieder des Stadttheaters Gießen. Die Proben l zu dieser volkstümlichen Feierstunde sind im Gange.

Oie Fahrkartenausgabe zum Kreistag.

Die Ortsgruppen und Stützpunkte veranlassen, daß sofort die Fahrkarten für die Sonderzüge zum Kreistag der NSDAP. Wetterau gegen Bar­zahlung abgeholt werden und zwar am Bahnhof Gießen: Sonderzug GrünbergReiskirchenGießen und Sonderzug GießenGroßen-LindenLang- GönsButzbach, sowie die an der Strecke Gießen Hungen liegenden Ortsgruppen. t

Bahnhof Friedberg: Sonderzug Frankfurt a. M. Friedberg, sowie Strecke InheidenFriedberg, außerdem die Ortsgruppe Ostheim. Nicht benutzte Fahrkarten müssen direkt nach dem Kreistag an den betreffenden Fahrkartenschaltern gegen Rück­zahlung des Bargeldes abgegeben werden.

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NS.-GemeinschaflKraft durch Freude".

Betr.: Gastspiel Zirkus Europa.

Der vom 24. bis 26. Iuni 1938 in Gießen gaftie- renbe Zirkus Europa hat uns Verbilligungsscheine zur Verfügung gestellt. Gegen Vorzeigen dieser Scheine gewährt die Zirkuskaste 50 Prozent Preis­ermäßigung auf alle Plätze ab 2. Platz.

Die Betriebswarte werden gebeten, die Scheine und das Propagandamaterial auf der Verkaufsstelle, Settersweg 60, umgehend abzuholen. [4272D

Bereinigung der Neubesitzanleihen der Länder und Gemeinden.

Durch Verordnung des Herrn Reichsstatthalters in Hessen Landesregierung ist zur Durchführung des Reichsgesetzes über die Ablösung öffentlicher An­

leihen vom 16. Juli 1935 bestimmt worden, daß die von Gemeinden und Gemeindeverbänden des Landes Hessen begebenen Anleiheablösungs-Schulden ohne Auslosungsrechte sogenannte Neubesitzanleihen von den Schuldnern am 2. Januar 1970 in einer Summe zum Nennwert einzulösen sind. Mit Rück­sicht auf diese Verordnung hatte der Herr Ober­bürgermeister der Stadt Gießen den Gläubigern der

Dem Auge das Beste!

Lassen Sie sich beraten von

Optiker JKa&nus

dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 ' Kassenlieferant.

Anleihe-Ablösungsschuld ohne Auslosungsrechte der Stadt Gießen das Angebot gemacht, die in ihrem Besitz befindlichen Schuldverschreibungen zum Kurse von 28,25 v. H. in bar anzukaufen. Dieses Angebot ist befristet, die Frist läuft am 30. Juni 1938 ab. In­teressenten werden deshalb darauf aufmerksam ge­macht, falls sie von dem Angebot Gebrauch zu machen beabsichtigen, fristgemäß ihre Anträge bei dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen einzu­reichen.

Schwurgericht Gießen.

Am kommenden Montag beginnt die Tagung des Schwurgerichts in Gießen. Zur Verhandlung gelangen zwei Fälle der Kindestötung. Außerdem werden sich drei Personen zu verant­worten haben, die in einem früheren Strafprozeß Meineide geleistet haben sollen. Weiterhin wird eine Meineidsache verhandelt werden, die von dem Reichsgericht wieder an das hiesige Schwurgericht zurückverwiesen wurde. Außerdem wird sich auch noch ein Angeklagter wegen Totschlags zu verant- ' Worten haben.