unter uns!"
auf der Stätte von
WeiterelMillionMk. fürdie Frankfurter Altstadtsanierungsmaßnahmen.
LPD. Frankfurt a. M., 24. Juni. Mr die Durchführung weiterer Altstadtgesundungsmaßnah' men ist ein Betrag von 1 Million Mark in den außerordentlichen Haushaltsplan für 1938 eingestellt worden. Von diesem Betrag werden rund 270 000 Mark für Kostenerhöhungen und erweiterte Ausführungen in dem zur Zeit in Durchführung befindlichen ersten Bauabschnitt der Altstadtgesundung benötcht.
auch Deutsch gelernt, und einen gewissen Wortvorrat handhabt er immer noch ganz gewandt, z. B.: „Nun ist der gute alte Hindenburg auch nicht mehr •" — Er wohnt in einer großen Tembe _ i Alt-Jringa, 15 Kilometer von der Station, die Tom von Prince nach der Nieder
hof Jehol besitzt drei Gastzimmer, die von den ehrenwerten Reisenden am besten telegraphisch voraus bestellt und belegt werden. Außerdem..." „Um Gotteswillen, hören Sie auf", sage ich, „Sie schlagen ja die Reiseromantik mit Knüppeln tot!" — Aber das versteht der Mann vorn Reisebüro nun auch wieder nicht. Im Gegenteil — plötzlich ist er schrecklich stolz auf diese neue Bahn, die er da eben in seiner Fahrplansammlung entdeckt hat und mit besonderer Liebe und Sorgfalt schreibt er die Fahrkarten aus. Aber jo „richtig" scheint er von der Existenz dieser geheimnisvollen Bahn, die da so geheimnisvoll in seinen Büchern aufgetaucht ist, ebenso wenig überzeugt zu sein wie ich selber — nun! Wir werden ja sehen! Denn um 17.50 Uhr soll die Reise nach dem neuen Peking auf neuen Wegen beginnen und dann wird sich alles weitere historisch entwickeln.
Wiesiehtes in deriMttschaftaus?
Von den Veränderungen, die die soeben erschienenen Mai-Bilanzen der Banken ausweisen, verdient Interesse das Konto „Schatzwechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen des Reichs und der Länder". Die in dieser Form angelegten Mittel der Banken haben sich im Mai um 282 Millionen Reichsmark erhöht, während zugleich die Eigenbestände der Banken an Reichsanleihen um 153 Millionen Reichsmark verkleinert wurden. Bis vor kurzem fand jeder neue Einlagenzustrom zu den Banken seinen Niederschlag in erster Linie in einer Erhöhung des Wechselbestandes, öie' bei Auflage einer Reichsemission vorübergehend von dem Erwerb von Reichsanleihen unterbrochen wurde. Diesmal haben sich die Wechselbestände Der Banken dagegen nur um 167 Millionen Reichsmark erhöht. In dieser Verlagerung der Anlagemteressen der Banken von den Wechseln auf die Schatzanweisungen findet die neue Finanzierungsmethode für die Staatsaufträge ihren deutlichen Ausdruck. Es ist anzunehmen, daß es sich -bei den in so beträchtlichem Umfang von den Banken neu erworbenen Schatzanweisungen in erster Linie um Lieferschatzanweisungen handelt, die an die Stelle der früher bei der Vergebung von Reichsaufträgen benutzten Sonderwechsel getreten sind. Möglich wurde den Banken die beträchtliche Ausdehnung des Wechsel- und Schatzanweisungsbestandes durch einen neuerlichen Rückgang der Direktausleihungen an die Wirtschaft, die sich im Mai insgesamt um 127 Millionen Reichsmark verminderten. Dor allem aber haben sich die Einlagen erneut ansehnlich erhöht, und zwar stiegen die Einlagen von Kreditinstituten um 237 Millionen, die „sonstigen Gläubiger" um 120 Millionen und die Spareinlagen um 16 Millionen Reichsmark. Die überwiegend kurze Befristung dieser neuen Einlagen läßt erkennen, daß es sich hierbei um Liquiditätsreserven der Wirtschaft handelt, die also über den Sammelapparat der Banken für die Finanzierung der Staatsaufträge fruchtbar gemacht werden konnten.
Wenn die D e u t s ch e Lufthansa ihren Geschäftsbericht vorlegt, so steht für die, Oeffentlichkeit naturgemäß das im Vordergrund, was in der Entwicklung des Luftverkehrs erreicht wurde und noch geplant ist. Im Jahre 1935 hatte sich das Verhältnis zwischen Eigeneinnahmen und Beihilfen auf 56,82 zu 43,18 Prozent verbessert, wobei erstmalig die Eigeneinnahmen mehr als 50 v. H. erreichten. Das Jahr 1936 brachte einen langsamen Fortschritt auf 57,62 zu 42,38, und das Jahr 1937, über das nunmehr berichtet wird, läßt eine weitere Besserung auf 59,37 zu 40,63 Prozent erkennen. Dieses verhältnismäßig langsame Vorankommen auf dem Wege zur Eigenwirtschaftlichkeit erklärt sich ohne weiteres aus den öffentlichen und namentlich den Pionieraufgaben, die von der Lufthansa, als der Trägerin der deutschen Luftfahrt, nun einmal übernommen werden müssen. So ist der Weltverkehr im Jahre 1937 mit allen Mitteln ausgebaut worden: Nachdem die Süd-Atlantik-Strecke für den regelmäßigen Luftpostverkehr bereits vor einigen Jahren erschlossen wurde und die Versuche für einen planmäßigen Nordamerikadienst eingeleitet wurden, galt die Arbeit im verflossenen Jahre der Erkundung eines neuen Luftweges nach dem Fernen Osten. Als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben
werfung der Wahehe baute und um die sich das jetzige Neu-Jringa gebildet hat. Von der alten Befestigung find noch halb niedergetretene Reste der
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XVI. Hanifa hat geknipst.
I ri n g a, Ende Mai 1938.
Wir haben heute einen Besuch bei Sapi gemacht. Sapi ist Chief — O b e r h ä u p t l i n g der Wahahe, von den Engländern als solcher eingesetzt und mit einigen Hundert Schillingen monatlich dotiert. Sein Vater war der berühmte Quawa, der bis zu seinem bitteren Ende die Unterwerfung unter die deutsche Macht verweigerte. Als seine feste Tembe in Jringa erstürmt war, verbarg er' sich eine Zeitlang im Busch, und als er keinen Ausweg mehr sah, tötete er sich selbst. Die Wahehe sind seltsam schnell bei der Hand, selbst ihrem Leben ein Ende zu machen, wenn sie sich in ihrer Ehre gekränkt sehen. Dieser Tage, hörten wir bei Gast- freunden, daß ein ihnen bekannter Mhehe (Einzahl von Wahehe), der seine Frau auf Pfaden der Untreue ertappt hatte, erst das Weib, Dann alle ihre Verwandten erschlagen und, nachdem er seine Rache gehabt hatte, sich selbst erhängt habe. Früher waren sie gefürchtete Krieger: ihrem Ansturm mit dem kurzen Stoßspeer, den sie von den Zulus angenommen hatten, widerstand nichts. Auch jinjere Truppe hat früher schwere Verluste durch sie erlitten.
Seit Der Besiegung Quawas hielten Die Wahehe Ruhe. Sie sind jetzt gute Arbeiter, wenn man sie richtig behandelt und ihren Stolz schont. Sapi war als junger Mensch einige Jahre bei den Benediktinern von St. Ottilien 'in Oberbayern. Dort hat er
Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil Briefe von einer Afrika-Reise.
Don Or. Paul Rohrbach.
bezeichnet der Bericht den Poststreckendienst, desjen weiterer Ausbau insbesondere für Die Strecke Berlin-Wien vorgesehen ift.*
Der Geschäftsbericht Der größten Deutschen ReeDe- rei, Der Hamburg - Amerika - Linie, betätigt Das günstige BilD, Das sich bereits aus Dem LloyD-Bericht ergab. GrunDsätzlich stellt Die Verwaltung Die ForDerung auf, Daß in Den fommenDen Jahren Der Ersatz Der zahlreichen Nach- kriegsbauten erforDerlich sein werDe. Doch werbe sich Die Durchführung des Neubauprogramms auf einen längeren Zeitraum verteilen. Im letzten Jahre murDen in Durchführung des Neubauprogrammes zehn Frachtschiffe von zusammen 48 000 Bruttoregistertonnen in Auftrag gegeben. Die Gesamtflotte umfaßt per 1. Januar D. I. 247 Einheiten mit 717,389 Bruttoregistertonnen. Die Verwaltung glaubt auch fernerhin Das Neubauprogramm aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Das Fracht- unD Passagegeschäft roirD als gesteigert, Doch als ungleichmäßig bezeichnet. Die Bilanz der Hapag zeigt Daß Das Ziel Der Verwaltung neben Der Her- auswirtschaftung hinreichenDer Abschreibungen Die Senkung Der besonDers Drückenden Verbindlichkeiten gewesen ist.' Das gesamte Neubauprogramm Der Gesellschaft umfaßt 21 Einheiten mit 122,700 Tonnen, Das ganz aus eigenen Mitteln finanziert roirD.
Der Bekleidungsumsatz, der 1932 noch 900 Millionen Mark betrug, ist im Jähre 1937 auf 1,8 Milliarden Reichsmark angestiegen. Die Steigerung hält auch in diesem Jahre weiter an und Dürfte etwa 15 v. H. über Der Des Vorjahres liegen. Durch Die neuen Werkstoffe ist es möglich gewesen, neuartige Artikel zu produzieren, Die sowohl was Zweckmäßigkeit als Schönheit anlangt, Die Erzeugnisse aus Den alten Stoffen oft übertreffen. Die wirtschaftliche Lage Der BekleiDungsinDustrie ist, wie sich aus Dem Bericht ihrer Wirtschaftsgruppe ergibt,
in Sapis Wohngemach etwas zu Dumpf war, ließ er Die Liegestühle — Dies Möbel hat sich Durch ganz Afrika bei Den Schwarzen eingebürgert — auf Den Hof bringen, unD Die Unterhaltung ging beim Bambuswein weiter. Die KinDer Drängten sich lustig näher heran, die Frauen aber zeigten sich kaum: ganz scheu nur sah man gelegentlich etwas Weibliches im Hintergründe eircherhujchen.
Nun kam der große Moment des Photographie- rens. Sapi setzte seinen Truppenhut zurecht, zog seinen Rock glatt, und wir gruppierten uns, Der Landsmann, mein Sohn und ich zur Rechten und Linken, Sapi in Der Mitte. Zum Unglück aber hatte gerade Der Selbstauslöser versagt — wer sollte knipsen? Wir musterten Die Schar Der Sprößlinge Daraufhin, wem wohl Die Knipserei am besten be- gr ei stich gemacht roerDen könnte,, und fanDen, Daß ein etwa zehnjähriges MäDelchen eine recht intelligente kleine Visage hatte. „Wie heißt Die, Sapi?" „Die heißt Hanifa!" — „Kannst Du ihr in Deiner Sprache übersetzen, was wir ihr jetzt erklären wollen?" Sapi war sichtlich erfreut Darüber, roas man seiner Tochter zutraute, aber Das Schauri am aufgebauten Apparat dauerte Doch ziemlich lange, bis Hanifa Den Mut faßte, probeweise zu Drücken. Im entscheiDenDen Augenblick war sie aber tapfer unD ganz bei Der Sache, nahm auch Die Ovationen, Die ihr für Das gelungene Experiment dargebracht mürben, vergnügt-verschämt entgegen. Die kleine schwarze Eva in ihr regte sich schon sichtlich.
Sapi geleitete uns höflich ein Stück Weges bis an unser Auto unD murDe roieDer leise politisch: Das M a n D a t sei doch gar nicht schön, niemand wisse, woran er sei! Beim Verlassen Der Tembe kamen wir an einem großen halbDunklen Raum vorbei. „Wozu dient Der, Sapi?" „Hier kommen die Wahehe her, Bier zu trinken." Also, Die Halle für Die großen Gelage beim Pombetrinken mit Dem Häuptling. Es war nur gut, Daß er uns Bambussaft, nicht Pombe, das trüb ausfehenDe, berauschende, Hirsebier kredenzt hatte!
vollkommen gesund. Auf dieser Grundlage ist eine weitgehende Modernisierung Der Betriebe Durchgeführt. *
Unberührt von den Rückschlägen Der Weltkonjunktur nimmt Der z^v ischenstaa11 iche Han - Del in Kriegsmaterial — so fuhrt Das Institut für Konjunkturforschung in seinem neuesten Wochenbericht aus — weiter rasch zu. Abgesehen von Der Ausbreitung kriegerischer Konflikte in Der Welt — ncuerDings bilDet Ostasien einen wichtigen Absatzmarkt für Kriegsgerät — hat Die Durchführung großer Rüstungsprogramme fast allenthalben die Nachfrage nach Waffen, Munition, Flugzeugen und Kriegsschiffen stark belebt. In LanDeswäh- rungen berechnet beträgt Die Zunahme binnen Jahresfrist 42 v. H. Der WelthanDel in Waffen, Munition, Flugzeugen unD Kriegsschiffen ist Damit schon 1937 runD 28 v. H. größer als 1929; Die Rückgänge Der Krisenjahre 1929/32 finD voll über- rounDen. Die Zunahme des Kriegsmaterialexports erstreckt sich auf alle Warengruppen; nach wie vor die größten Fortschritte hat aber die Ausfuhr von Flugzeugen gemacht. 1937 kam zum ersten Male ebensoviel Fluggerät in den WelthanDel wie Waffen unD Munition zusammengenom- men. Das meiste in Der Welt gehanDelte Kriegsgerät ist heute amerikanischen Ursprungs; zum erstenmal seit dem Kriege ist Großbritannien in Der Rangliste Der KriegsmaterialexportlänDer an Die zweite Stelle gerückt. Per Dritte Platz wird gegenwärtig Frankreich von Den rasch aufftrebenDen tschechoslowakischen Exporten streitig gemacht. Besonders bemerkenswert ist Die Entwicklung im laufenden Jahr. WöhrenD Der WelthanDel in allen Waren vorn 1. Vierteljahr 1937 zum 1. Vierteljahr 1938 um 3 v. H. zurückgegangen ist, ist Die Ausfuhr Der wichtigsten LänDer an Kriegsmaterial nochmals um 82 v. H. gestiegen.
geschleiften starken Lehmmauern zu sehen7 Als wir Darüber gingen, sagte Sapi: Das hat noch mein Vater gemacht, es war aber nur ein Miß - oerftänDnis von meinem Vater, Daß er gegen Die Deutschen kämpfte, eigentlich wollte er es nicht!
Sapis komisch gesuchte Deutsche AusDrucksweise erinnerte mich an Den Hoitentottenkapitän Cornelius von Bechanien, Der auch Deutsch konnte, und wenn er etwas nicht ganz begriffen hatte, zu sagen pflegte: Ich bin noch nicht ganz im BilDe! Sapis Drittes Wort war: Jawohl, - mein Herr! Wenn er Damenbesuch hat, soll er sagen: Jawohl, meine gnädige Frau!
Durch unseren LanDsmann, Der uns Den Besuch bei Sapi vorgeschlagen hatte, waren wir auf Diesen merkwürDigen schwarzen Häuptling vorbereitet. Sapi trug eine Art Khakiuniform nach englischem Schnitt, aber einen Hut mit breiter, einseitig auf- geschlagener Krempe nach Dem Muster Der Heimat- uniform Der weißen Chargen bei unserer alten Schutztruppe. Auf Diesen Hut schien er besonderen Wert zu legen. Er hatte auch nichts Dagegen, daß wir ihn, nach altem deutschen Brauch im Verkehr mit Eingeborenen, mit „Du" anrebeten. „Sapi", sagte unser Gastfreund, „die zwei Herren sind aus Deutschland gekommen und möchten Dir guten Tag sagen!" Sapi machte sein freunDlichstes Gesicht, zeigte zwei Reihen blenDenD weißer Zähne unter seinem kleinen, pechschwarzen Schnurrbart und erzählte gleich allerlei von seinem Aufenthalt in Deutschland. Dann ließ er Bambuswein, den gegorenen Saft junger Bambustriebe, kommen. Einige sehr schmutzige Gläser wurden Durchgetragen, kamen aber zum Glück sauber gewaschen roieDer. Der frisch gegorene Bambussaft ist leicht alkoholisch, roohl- schmeckenD, nur etwas zu süß. Sapi sagte: Prosit! und meinte, Münchener Bier schmecke besser, aber Dies Getränk sei Doch auch nicht schlecht.
Leichte Versuche, Das Gespräch auf politische Dinge hinüberzuspielen, überhörten wir unD erfunDigten
uns lieber nach Sapis persönlichen Verhältnissen. Aus Die Frage, wieviel Frauen er habe, sagte er: Acht, und einundzwanzig KinDer. Dabei zog er ein stark zerblättertes Heftchen aus Der Rocktasche und zeigte uns Das sauber geschriebene Register Der Söhne unD Töchter. Von Der ältesten Tochter hat er schon fünf Enkel (er selbst, ist einige fünfzig Jahre alt). Von Den jüngeren Sprößlingen trieb ich ein ganzes Rudel, Knaben und MäDchen, auf dem Hof der Tembe umher. Sie waren alle ganz gesittet, nur furchtbar neugierig, was bei dem Beuch wohl alles passieren würde. .
Sapis Tembe — er besitzt Dereu Zwei — war gut gebaut. Eine Tembe ist ein großes Vlereckshaus mit festen LehmwänDen unD, vielen Kammern, Die um einen geräumigen .Hof herum gebaut finD. Cs gibt zu Der ganzen Anlage nur einen einzigen Eingang, unD wenn oben in Den Mauern Scharten angebracht sind, ist solch ein Bau für afrikanische Verhältnisse leicht zu verteidigen. Die Wahehe sind Meister im Tembenbau, und von ihnen hat sich diese Bauweise weit nach Süden verbreitet. Da es
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Land der Gegensätze. -
Von unserem fl -Korrespondenten.
Neuyvrt, im Juni 1938.
In den meisten Amerikanern lebt Die Vorstellung, daß Die Deutsche Geschichte aus einer langen Kette von Eroberungskriegen bestänDe. Daß Das Deutsche Reich an seinen sämtlichen Grenzen Gebiete liegen hat, Die uns im Laufe einer wechselreichen Vergangenheit verloren gingen, ist ihnen unbekannt. Wenn man ihre eigene Geschichte zum Vergleich heranzieht, läßt sich cinroanD- frei nachweisen, Daß Die Dinge g e rabe umgekehrt liegen. In einer Zeit von rund anderthalb 'Jahrhunderten wurde Der Flächeninhalte Der Vereinigten Staaten u pi mehr als das Achtfache vergrößert.
Nachdem die dreizehn am Atlantischen Ozean gelegenen britischen Kronkolonien, Die von Maine bis nach Georgia hinunter einen schmalen Streifen bil- Deten, ihre Unabhängigkeit erkämpft hatten, dehnten sie sich noch im Jahre 1776 weit über die Berge hinaus nach Westen aus, deren Hauptkette Die Alleghanis bilden, jo daß Der Bevölkerung Der jungen Vereinigten Staaten Damals ein Gebiet von ungefähr Der Doppelten Größe Deutschlands zur Verfügung stand. Schon gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts waren' die ersten wirklichen E r - oberungen zu verzeichnen, da Den Franzo - f e n Das „Nordwest-Territorium" und Das „Territorium jüDlich des Ohio" abgenommen murDe, Die, roh gerechnet, Dreimal fogroß roie Deutschland waren. Nachdem Die Grenze Der Vereinigten Staaten Damit bis an Den Mississippi vorgeschoben war, verkaufte Napoleon im Jahre 1803 Den gewaltigen, westlich sich anschließenDen Gebietsstreifen, Der Die Grenzen Des Landes, dessen Flächeninhalt auf einen Schlag oerDoppelt wurde, bis an Die Rocky Mountains vorschob. Im Jahre 1818 rourDe Den Spaniern FloriDa entrissen, so Daß man, Da Die EnglänDer gleichzeitig eine verhältnismäßig geringe Abtretung im NorDen machten, zum ersten Male von einer AbrunDung Des Gebietes der Vereinigten Staaten sprechen konnte.
Im Jahre 1846 verzichteten bie Engländer, Die Damit Dem russischen Beispiele folgten, auf ihre Ansprüche auf das im NorDwesten gelegene Oregon Country, aus dem bie Staaten Washington, Oregon und Idaho hervorgehen sollten. NachDem so Der Stille Ozean erreicht war, ging man Daran, die Vereinigten Staaten enDgültig abzurunDen. Bis 1853
mußten bie Mexikaner nacheinanber ein Gebiet ab- treten, Das etwa fünfmal fo groß roie DeutschlanD ist. In Den amerikanischen Geschichtsbüchern spricht man zwar von einem Kauf, in Wirklichkeit mußten Die Merikaner unter Zwang auf ein Gebiet verzichten, in Dem sich heute bie Staaten Kalifornien, NevaDa, Telle von Colorabo, Utah, Arizona, Neu-Mexiko und Texas befinben.
Aber bie Vereinigten Staaten, Deren Grenzen Da- mit enbgültig festgelegt waren, bauten sich auch ein Kolonial-Reich auf. Im Jahre 1867 er- roarbei sie für einen Spottpreis von Rußland bas Territorium Alaska, das wahrscheinlich einmal der 49. Staat der Union werden dürfte. Später wurde ein Teil der Samoa-Inseln amerikanischer Besitz. Im Jahre 1898 mußten die Spanier, die den Krieg mit öert Vereinigten Staaten verloren hatten, Puerto Rico, die Philippinen und Gua ni abtreten, während gleichzeitig Hawai annektiert wurde. Es folgte der Erwerb der Panama-Kanalzone im Jahre 1904 und schließlich während des Weltkrieges die Abtre- tnng Der Virgin-Jslands Durch Dänemark.
Die Vereinigten Staaten haben heute ohne ihre Besitzungen und Das Territorium von Alaska einen Flächeninhalt von Drei Millionen OuaDratmeilen. Auf diesem gewaltigen Gebiete, Das ungefähr siebzehnmal so groß ist wie Das Des Deutschen Reiches, wachsen im Süden Palmen und Kakteen, währenD im NorDen ein Klima herrscht, Das Dem Deutschen ähnelt. Alle Früchte und AckerbauproDukte geDeihen hier in Hülle und Fülle. Der Boden birgt ungeheure Schätze. Nur ganz wenige Rohstoffe fehlen dem Lande. Seinen annähernd 130 Millionen Einwohnern stehen 359 Millionen Acres AckerbauboDerf, eine Milliarde Acres Weideflächen und eine halbe Milliarde Acres Wälder zur Verfügung. Infolge Der ungeheuren Weiten, die es hier gibt, trieben die Amerikaner bisher einen Raubbau ohne gleichen. Sie verfügen über einen fo gemalten Ueberfchuß an Lebensmitteln, daß hier Millionen und aber Millionen weiterer Menschen ohne Schroie- rigteiten ernährt werden könnten, besonders bann, wenn man endlich dazu überginge, die von Jahr zu Jahr gefährlicher werdende Bodenerosion aufzuhalten, die eine Folge des Raubbaues und der planlosen Abholzung Der WälDer ist.
Die amerikanische ErDe birgt Kohlenbestände, Die für Die Bevölkerung Der Vereinigten Staaten für zwei JahrtausenDe ausreichen. An Eisen liegen noch viereinhalb MilliarDen Tonnen in Der- Tiefe, Die für Jahrhunderte genügen. Obwohl Die Vereinigten Staaten 25 Millionen Personenautos und vier Millionen Lastautos besitzen, hält Das Petroleum, selbst wenn keine weiteren Oelquellen mehr entdeckt werden sollten, noch für ein halbes Jahrhundert an. Es gibt hier 170 000 Fabriken, deren Räder von 25 Millionen Pferdekräften in Bewegung gehalten roeröen-, 250 000 Meilen an Eisenbahnstrecken und eine Million Meilen guter Auto- und Landstraßen. Aus dem Wasser werden augenblicklich 54 Millionen Kilowatt elektrischer Kraft* gewonnen. Aber diese Ziffer wird sich verdoppeln, sobald die gewaltigen, bereits in Angriff genommenen Pläne zur Ausnutzung des Wassers, wie beispielsweise im Tennes- see-Tal, durchgeführt wird.
Mehr als 95 Prozent- dessen, roas der Amerikaner ißt, wird im eigenen Lande erzeugt, während ein Drittel der Ausfuhr der Vereinigten Staaten aus Farmprodnkten besteht. Sie besitzen nahezu 70 Millionen Stück Rindvieh und 33 Millionen Schafe. Trotz der unter Roosevelt eingeführten Ackerbaubeschränkung, durch die ein Anziehen der Farmpreise erreicht werden sollte, wurden hier im letzten Jahre 887 Millionen Bushel Weizen, Zweieinhalb Milliarden Bushel Mais, 18 Millionen Bushel Baumwolle und eine Milliarde Pfund Tabak geerntet. Dennoch geht,es den Farmern schlecht. Im vergangenen Jahre entfiel auf sie nur ein Neuntel des Nationaleinkommens, obwohl sie mit ihren Familien 25 Prozent der Bevölkerung der Vereinigten Staaten ausmachen. Amerika besitzt vier Millionen Arbeiter, die in der Auto-Industrie und Denjenigen Betrieben arbeiten, Die Zusatzteile für Die Autos Herstellen, aber nur zehneinhalb Millionen Farmer und LanDarbeiter. Die amerikanischen Großstädte mit ihren Wolkenkratzerfassaden, hinter Denen sich häufig schreienDes Elend verbirgt, haben ungeheure Ausmaße eingenommen. Die Landbevölkerung aber wird dauernd geringer, ohne daß bisher ein wirklich ernstlicher Versuch gemacht wäre, diese Entwicklung aufzuhalten.
Z ro e i D r i 11 e I des Gebietes der Vereinigten Staaten ist kaum bewohnt, Das Land ist teilweise noch so unerschlossen, daß es sogar Wr an der Ostküste in unmittelbarer Nähe von Neuyork Berge gibt, die bisher kaum von einem Menschen betreten wurden. Uebcrall machen die Forsten einen urwald- artigen Eindruck Alle paar Jahre wird besonders in Den Steppengebieten Des SüDwestens ein neues
NaturwunDer entDedt. Gewiß sind Dort weite Strecken vollkommen oder nahezu unfruchtbar. Aber ein Volk auf knappem Raum würbe schon längst Durch künstliche Bewässerungssysteme dafür gesorgt haben, sie in Felder und Weiden zu verwandeln. Erst unter Präsident Roosevelt ging man an Den Bau gewaltiger Dammprojekte, um so Steppen und Wüsten zu Äcker- und Weideland zu machen.
Wenn man auf einer Autofahrt nach dem Westen die Den Rocky Mountains vorgelagerte Hochebene erreicht, kayn man, wenn man will, ganze Strecken zurücklegen, auf Denen man, obwohl sie der. Entfernung von Königsberg nach Köln ober von Hamburg nach München entsprechen, nicht auf eine einzige wirkliche Ortschaft stößt. An Der Dierswatenecke Des SüDwestens, an Der sich Utah, ColoraDo, Arizona und Neumexiko treffen, -gibt es, um nur ein Beispiel anzuführen, ein Gebiet von 36 QuaDrat» meilen, in Dem man vergeblich nach Wegen und Straßen, geschweige Denn Häusern unD Hütten sucht. Dort lebt Der einzige noch wirklich wilde Indiane r st a m m Der Vereinigten Staaten, Der aus 200 Köpfen besteht. Oft vergißt man in jenen Gebieten, Daß man sich in einem LanDe befinDet, Dessen Osten und Westen mit seinen GroßstäDten Neuyork, Boston, PhilaDelphia, Chikago, Detroit und Pittsburgh, San Franzisko und Los Angeles völlig überzivilisiert finD.
Amerika ist in jeder Hinsicht das Land der Gegensätze. Es verfügt über eine Goldreserve von dreißig Milliarden Reichsmark oder iund fünfzig Prozent des Goldbestandes der Welt und hat gleichzeitig mindestens elf Millionen Arbeitslose. In Deutschland lebt ein Polk auf engstem Raume, das durch Krieg, Jnfla- flon, durch ein anderthalb Jahrzehnte lange Ausplünderung seiner Feinde und die Mißwirtschaft Der Systemzeit bis aufs Hemd ausgepowert wurde. Dennoch gibt es bei uns keine Not, während man in Den amerikanischen Großstädten, in Denen lieber» fälle gang unD gäbe finD, überall zerlumpte Gestalten treffen kann, Denen Das ElenD im Gesicht geschrieben steht, so Daß sie glücklich sind, wenn man ihnen einen Nickel für eine Taffe Kaffee in die Hand Drückt. Wohl sind bei uns feine Riesenver- npgen im amerikanischen Sinne vorhanden, auch sind Die Deutschen Einkommen vielleicht nicht so hoch roie viele amerikanische. Dafür aber gibt es bei uns keine Arbeitslosen und keine Bettler. NirgenDs kommt einem Deutschen Die gewaltige Leistung, Die in Der Heimat in Den letzten fünf Jahren vollbracht rourDe, so stark zum Bewußtsein wie hier in Amerika, in Dem man oft Das Gefühl hat, Daß sein Volk in feinem GolDe unD Ueberfluß erstickt.


