Ausgabe 
25.5.1938
 
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Mittwoch, 25./Donnerstag, 26. Mai 1938

MU2l Erstes Blatt

188. Jahrgang

DieDorgänge beiVernhardslhal

Wie eine Brückens^prengung

von und

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto:

Zrantfurt am Main 11686

diesem über die letzten Zwischenfälle in Brüx Umgebung unlerxjchlet wurde.

Zollwache ein, die sofort eine gründliche Unter­suchung durchführte. Hierbei fand man unter jedem Pfeiler der etwa 30 Meter langen Brücke mit Ekrasit gefüllte Sprengpatronen, die bei 'ihrer Entzündung ohne Zweifel das- gerne Bauwerk zerrissen hätten. Nach etwa einer Stunde erschien an der Brücke ein tschechischer Gen­darmeriebeamter, der sogar noch die Unverfroren­heit besaß, die Sprengladung von insgesamt zehn Kilogramm Gewicht zurückzuverlangen.

Wachsende Spannung an der Grenze

Tschechische Flakstellungen und MG.-Aester am Taya-Fluß.

Oie paläsiinafrage.

Ausnahmezustand in Jerusalem.

Gegen den englischen TeilungDPlan.

Jerusalem, 24. Mai. (Europapreß.) Im Herzen» von 'Jerusalem kam es am Dienstag zu einer Reihe von Ueberfällen und Zusammenstößen, wobei zwei Juden getötet wurden. Zwölf Araber, fünf Juden und eine russische Nonne wurden ver» letzt. Der erste Zwischenfall ereignete sich in den Morgenstunden, als zwei Araber, die durch die Hauptstraße ritten, aus einem Haufe beschossen wurden. Einer der Araber wurde dabei schwer verwundet. Fast gleichzeitig wurden an zwei verschiedenen Stellen. vier weitere Araber Überfällen und durch Steinwürfe und Schüsse ver­letzt. Diese Zwischenfälle wurden dann zum Auftakt, für weitere Zusammenstöße, bei denen arabische Autobusse beschossen und arabische Menschenansamm­lungen mit Bomben beworfen wurden. Hierauf kam es auch zyr Beschießung von jüdischen Autobussen. Die Verschärfung der Lage führte zur Verhängung des Ausnahmezustandes.

Von dem Emir Abdullah von Trans­jordanien ist der englischen Technischen Kom­mission, die sich in Jerusalem aufhält, eine Denk­schrift überreicht worden, in der eine weitgehende Aenderung in dem Status des Heiligen Landes gefordert wird. Der Emir dementiert die Gerüchte, als ob er sich mit dem Dreiteilungsplan oder dem Vorhaben, Palästina und Transjordanien unter ägyptischer Oberherrschaft zusammenzusassen, ein­verstanden erklärt habe. Er forderte vielmehr einen solchen Zusammenschluß unter arabischer Herrschaft. Den Juden solle eine Art Selbst­verwaltung zugestanden werden, aber nur in Ge­bieten mit rein jüdischer Bevölkerung. In dem Parlament des neuen Staates sollten die Juden im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl vertreten fein, ebenso in der Regierung. Die Gebiete der jüdischen Selbstverwaltung sollten einer beschränk­ten jüdischen Einwanderung offenstehen. Außerhalb des ihnen zugestandenen Gebietes sollte es den Juden verboten sein, Landankäufe zu tätigen. Dieser Plan solle innerhalb einer Frist von zehn Jahren verwirklicht werden. Bis zu diesem Zeitpunkt solle die Mandatsherrschaft bestehen bleiben.

Der Führer

ehrt die Blutzeugen von Gger.

Prag. 24. Mai. (DNB.) Am Mittwoch, dem 25. Mai. findet vormittags in Eger die Begräbnis­feier für die von tschechischen potizeiorganen am 21. Mai erschossenen sudetendeutschen Landwirte statt. 3m Namen des Führers und Reichskanzlers wird der deutsche Militär- attache Oberst Toussaint in Begleitung des deutschen Luftattaches Major Möricke an den Särgen der Erschossenen je einen Kranz niederlegen. Alle Vorbereitungen für eine würdige Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten sind getroffen worden.

kämm eine ganz klare Grenzscheide darstellt und die Sicht unbehindert war.

Sudetendeutscher Abgeordneter überfallen.

Prag, 24. Mai. (DNB.) 3n Brüx wurde vor dem Sfabfamrber Abgeorbnete Lubwig Eich­holz der Subetenbeutschen Partei angefallen, als er einen Bekannten nach Art ber Subetenbeuk- schen Partei grüßte. DieZeit" schreibt, ber Vor­fall habe sich zu einer Zeit abgespielt, als Lanbes- präsibent Dr. S o b o t k a in Brüx weilte unb bei der Bezirksbehörbe in Anwesenheit bes Bezirks- Hauptmannes unb bes Polizeibirektors eine

verhindert wurde.

Bernhardsthal (Niederösterreich), 24. Mai. (DNB.) Die Spannung an der Reichsgrenze hat sich dadurch gesteigert, daß die Tschechen die Zoll­beamten überall durch reguläres Militär und Reservisten ersetzt haben. Mit bloßem Auge kann man Jen feite des Thaya-Flusses auf mährischem Boden die betonietten Flak­stellungen und Maschinengewehr - n e st e r erkennen,. die vor dem Waldrands, dicht hinter der Grenze, in kurzen Abständen errichtet worden sind. Beton und Stahl grenzt die Linie ab, über die noch vor kurzem friedliche deutsche Bauern schritten, um ihre jenseits der Grenzen gelegenen Felder zu bestellen und ihr Vieh weiden zu lassen.

Um so empörender mutet daher der Versuch an, die hölzerne Brücke bei Bernhardsthal zu sprengen. Samstags gegen 14 Uhr, so berichtet der eine der deutschen Grenzwachbeamten, als ich auf meinem Patrouillengang mich in der Mitte der Brücke befand, machte mich ein Bauer darauf auf­merksam, daß sich tschechische Soldaten in auffälligerweise Weise unter der Brücke zu schaffen machten. Als die Tschechen meiner an­sichtig wurden, kletterten sie wieder auf die Brücke,

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis8'/.UHr des Vormittags

Grundpreise für i mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Text- anzetgen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrif1 nach oorh.Dereinbg.25"/a mehr.

Ermähtgte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein» Ipaltige GelLgenheitsanzei» gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichte- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Zusammenbruch einer Verleumdung.

Berlin. 24. 2Nai. (DNB.) >Dle brafiHa- nlfche Regierung hat der brasilianischen presse ein Kommunique übermittelt. Darin heißt es: Lin Teil der brasilianischen presse hat behaup­tet, deutsche Firmen und deutsche Reichsangehörige feien an den revo­lutionären Vorgängen des 11. Mai in Rio de Janeiro, die den Sturz der Regierung zum Ziele hatten, beteiligt gewesen und ^hätten die Revolutionäre begünstigt. Abschließend wird nun­mehr von autorisierter Seite amtlich mitgeteilt. die zuständigen brasilianischen Behörden besähen kei­nerlei Beweise für eine derartige Behaup­tung.

Unterredung mit dem Landesausfchuß- beifihenden der SDP., Dr. Fühl, hatte und

Hodza-Henlein, Hodzas Zugeständnisse seiensehr weitreichend". Doch in einem Prager Bericht meldet dieTimes", daß Hodza Henlein den Entwurf des Nationalitätenstatuts, um den es ja geht, gar nicht vorgelegt und mit ihm keinerlei Einzel­heiten besprochen habe.

Die Gesandten Frankreichs und Englands bei Hodza.

Prag, 25. Mai. (DNB.) Ministerpräsident Hodza hatte Dienstag vormittag mit dem fran­zösischen Gesandten eine Besprechung über aktuelle Fragen. Nachmittags stattete der eng­lische Gesandte dem Ministerpräsidenten einen Besuch ab. Dienstag vormittag fand eine Sitzung des Ausschusses der politischen Minister unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten und unter Teil­nahme des Ministers für auswärtige Angelegen­heiten Dr. Krofta statt. Die Sitzung befaßte, sich auch mit der internationalen Lage. Der tsche­chische Gesandte in Paris ist am Dienstag­nachmittag nach Prag abgereist. Man nimmt an, daß er seiner Regierung verschiedene Anregungen der französischen Regierung überbringen werde.

Prag hat das Wort

Daily Mail warnt vor neuen Ausschreitungen gegen die Subetenbeutschen

Prag, 24. Mai. (DNB.) Das Presseamt der SDP. teilt mit: Prager Abendblätter vom 24. Mai berichten aus London, daß der Prager Korrespon­dent desDaily Telegraph" erklärt habe, er sei in ber Lage, eine Reihe von Details aus dem Ent­wurf des Nationalitäten st atuts mitzu­teilen, die Dr. Hodza Konrad Henlein zur Be­ratung vorgelegt habe. Hierzu muß festgestellt wer­den: Ministerpräsident Dr. Hodza hat Konrad Hen­lein anläßlich ihrer Besprechung am 23. Mai w e - der den Entwurf des Nationalitäten­statuts vorgelegt, noch Konrad Henlein mit Einzelheiten seines Inhaltes be­kannt gemacht. Der Prager Berichterstatter des Daily Telegraph" scheint demnach das Opfer einer jener bedauerlichen Mystifikationen geworden zu fein, die vor allem in ihrer Wirkung auf das Aus­land dazu geeignet sind, die ohnedies ernste Lage durch eine unzutreffende Berichterstattung zu ver - wirren und zu erschweren.

Konrad Henlein hat Prag wieder verla s.- s e n. Im Sinne der Verlautbarung vom Montag, die die Forderung der SDP. nach Wiederher­stellung normaler Verhältnisse zum Inhalt hat, werden die parlamentarischen Vertreter der SDP. den Kontakt mit Ministerpräsident Dr. Hodza unb den zuständigen Regierungsmit­gliedern aufrechterhalten. Trotz der gestrigen Verhandlungen ist es n i ch t zu der erwarteten Ent­spannung gekommen. Aus den verschiedenen von Sudetendeutschen bewohnten Landesteilen und vor allem auch aus den Grenzgebieten liegen Mitteilun­gen über neuerliche Zwischenfälle vor. Aus ihnen ist ersichtlich, daß die durch die tschechi­schen Maßnahmen hervorgerufene Nervosität anhält. Insbesondere geht aus diesen Mitteilun­gen hervor, daß die laut einer amtlichen tschechischen Meldung von der Regierung angeordnete Ent-, waffnung der tschechischen Privatoerbände nicht überall durchgeführt wird.

Ein Augenzeuge berichtet.

Die ganze Tschechoslowakei ein Heerlager.

Berlin, 24. Mai. (DNB.) Das Berliner Tageblatt bringt den Bericht eines soeben aus der Tschechoslowakei zurückgekehrten deutschen Reisenden, der den Umfang der tschechischen Mobilisierung be­leuchtet.

Am Samstagnachmittag durchfuhren wir im Auto die Umgebung von Prag. Die Stadt war mit einem regelrechten Ring von Truppen umgeben. Man sah starke Panzerformationen, dazwischen Maschinengewehrabteilungen. Fast über­all erfolgten dann Untersuchungen des Wagens, Fragen nach dem Zweck der Reise und vor allen Dingen immer wieder dieselbe Frage: Tscheche oder Deutscher? Bei der Mobilisierung hatte offenbar das Telephon- und das Verkehrswesen versagt. Ein höherer Ofstzier, der in einem Gasthaus an der Straße fein Quartier hatte, bat uns jedenfalls, ihm zu sagen, was eigentlich in Prag vorgehe er warte seit sechs Stunden vergeblich auf eine Ver­bindung mit der Hauptstadt. Von anderer Sette hörten wir, daß auch der Stadtkommandant von Außig sich bei Touristen Aufklärung über die Lage erbeten habe. Auf der Eisenbahn verstopften Muni­tionszüge vollkommen die Sttecken. Personenzüge ins Randgebiet, z. B. nach Komotau, wurden über­haupt nicht abgefertigt. Eine weitere Störung der Derkehrsverbindungen im Grenzgebiet verursachte eine Zugentgleisung 'bei Pilsen. Für den Ab­transport der tschechischen Zivil-, bevölkerung aus dem sudetendeutschen Gebiet wurden sämtliche privaten Lastkraftwagen kurzer­hand requiriert, lieber, die Verteilung der Truppen an der Nordböhmischen Grenze hört man folgendes: Tschechische Regimenter in der ersten, eigentlichen Besestigungslinie, in der zweiten Linie Ungarn und Slowaken. Ungarische und slowakische Regimenter waren auch in Prag konzentriert. Die vorwiegend deutschen Formationen waren zumeist nach Kaschau oder nach Karpathorußland beordert..."

Tschechisches MltärsllWeug über deutscher Grenzstadt.

Zahlreiche Augenzeugen

für die eklatante Grenzverletzung.

Annaberg, 24. Mai. (DNB.) Zu der schweren Grenzverletzung durch ein tschechisches Flugzeug bei Bärenstein im Grenzgebiet werden jetzt von zahlreichen Augenzeugen Einzelhei­ten bekannt, aus denen sich ganz offensichtlich ergibt, daß es sich um einen Erkundungsflug eines tschechischen Militärflugzeuges über deutschem Gebiet handelte, zumal die In­sassen auch photographische Aufnahmen gemacht haben. Das Flugzeug flog' sehr niedrig, und die Besatzung schien genaue Geländefeststellungen zu treffen. Man konnte die beiden Insassen sehr genau erkennen, i>ie sich weit aus dem Flug­zeug beugten und einen Gegenstand aus dem Flugzeug hielten, der eine Photokamera ge­wesen sein dürfte. Den Insassen des Flugzeuges, dessen Maschinengewehr man ganz genau erkennen konnte, kam es sichtlich darauf an, sich Einblick in die Straßen von Bärenstein zu verschaffen. Schließ? lich beschrieb die Maschine eine Kurve und flog zur

Noch keine Entspannung.

Oer Entwurf des Nationalitatensiatuts noch nicht bekanntgegeben

London, 25. Mai. (Europapreß.) Die sudeien- deutjche Frbge bleibt weiter im Blickfeld der eng­lischen Beobachter. Wenngleich auch an vielen Stellen die Kommentierung und Berichterstattung ganz unsachlich und einseitig sind, so scheint sich doch vielerorts die Ansicht durchzusetzen, daß Prag nunmehr das Wort hat nicht nur bei den Verhandlungen mit der Sudetendeutschen Partei, sondern auch in der Behandlung der Be­völkerung in den sudetendeutschen Gebieten. Meldungen über Zwischenfälle werden hier mit Unbehagen ausgenommen. Man betrachtet sie als Willkürakte, deren Verhinderung die erste Pflicht Prags sei.Falls die Gespräche zwischen dem tschechischen Ministerpräsidenten und den sude­tendeutschen Führern unter friedlichen Bedingun­gen vor sich gehen", heißt es in derDaily Mail", können sie zu einem Ergebnis führen. Leider aber halten tschechische Ausschreitungen kleinerer -Art gegen die deutsche Bevölkerung in den Randgebieten an." Eine solche Haltung Prags müsse erschwe­rend wirken und könne zu Zwischenfällen un­glücklicher Art führen. Es wird daher angenommen, daß bei der heute vormittag stattfindenden regel­mäßigen Kabinettssitzung neue Schritte in Prag erörtert werden.Daily Mail" spricht sogar vonWarnungen", die erneut bei Dr. Hodza vor- aebracht werden würden. In welcher Form neue Vorstellungen erfolgen werden, ist noch nicht be­kannt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dem am Donnerstag für mehrere Tage nach Prag reisenden hiesigen tschechoslowakischen Gesandten Dr. M a - saryk englischeErmahnungen" mit auf den Weg gegeben werden.

Der größte Teil der übrigen Presse Londons setzt die einseitigen Manöver fort, die von bet' deutschen Presse bereite zurückgewiesen wurden. DieTimes" schreibt, man spreche in Berlin vondiplomatischen Manövern", durch die England eine Medaille für die Rettung eines Friedens gewonnen habe, der tat­sächlich durch Deutschland nicht bedroht gewesen sei. DerDaily Telegraph" muß die Berliner Auffassung registrieren, daß Chamberlain nicht die ganze Wahrheit gesagt habe, daß ber englischen Öffentlichkeit die tschechischen Provoka­tionen vorenthalten würden, und daß man der Ver­breitung von Lügen über Deutschland freien Lauf gelassen habe.Time s" sagt zu der Besprechung

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Zernsprechänfchlüfse

unter Sammelnummer 2251

' Hat England

den Frieden gerettet?

Durch den Propaganda-Apparat ber Entente wird ein Märchen um den Erdball geschickt, in dem, es heißt, daß Deutschland im Begriffe war, einen Krieg vorn Zaune zu brechen, und daß die entschlossene Haltung Englands' es gewesen sei, die die Welt vor einer Katastrophe im letzten Augenblick bewahrt habe. Die Verbreitung dieses Märchens ist so gut eingefädelt worden, daß man sogar Glückwünsche nach Prag und London schickt, und daß man in der schweizerischen Presse unb anderswo die Engländer als Friedensretter preist.

Die englische Regierung war wieder einmal so gutgläubig, daß sie die böswillig ausgestreuten Ge­rüchte von deutschen Truppenbewegungen an der tschechischen Grenze für bare Münze hielt, daß sie nachposaunte, was ihr aus unkontrollierbaren Quel­len über die Kriegsstimmung des deutschen Volkes mitgeteilt wurde. Von langer Hand ist dieses Mär­chen vorbereitet. Man konstruierte, es als Anlaß zu einer Initiative für England. Die englische Regie­rung hat. auch nichts dagegen Unternommen, daß die Presse ihres Landes die angeblichen deutschen Truppenverschiebungen mit dicken Schlagzeilen auf­machte. Deutscherseits ist dem englischen Botschafter die ausdrückliche Garantie gegeben worden, daß diese Gerüchte jeder realen Grundlage entbehrten, und man gab den in Berlin an­wesenden englischen Journalisten sogar Gelegen­heit, sich im deutsch-tschechoslowakischen Grenzgebiet davon zu überzeugen, daß solche Truppenbewe­gungen tatsächlich nicht ftattfanben. So konnten denn auch diese Zeitungsleute in -ihre Heimat tele­graphieren, daß die deutschen Soldaten mit ihren Mädeln genau so spazieren gehen wie immer unb daß feinem Soldaten von einer Alarmierung oder Inmarschsetzung etwas bekannt geworden war. Was also kann London schon gerettet haben? Den Frie­den bestimmt nicht, denn von deutscher Seite aus war er gegeben und angeboten. Von tschechoslowa­kischer Seite wird er leider bis zur Stunde noch nicht respektiert.

Es ist also vollkommen unsinnig zu behaupten, daß es England war, was den Frieden gerettet .habe. Wenn das Pulverfaß bislang nicht explo­dierte, so war das einzig und allein auf die ein­mütige Disziplin der sudetendeutschen Bevölkerung und Die verantwortungsbewußte Haltung der Reichs­regierung zurückzuführen. Die Tschechoslowakei war es, die mit Brückenanschlägen unb Grenzverletzun­gen Hand an den Frieden legte, die mit der Nieder- schießung zweier Deutscher in Eger ein gefährliches. Spiel mit dem Feuer trieb. Diesen Tatsachen hat sich die englische Regierung bisher leider verschlossen. Sie hat bei dem ganzen Konflikt nur mit einem , Auge hingesehen, und so ist sie in ihren Darstellun­gen und Ausführungen einseitig geblieben. Die Welt möge sich also gesagt sein lassen, daß die eng­lischeFriedensrettung" ein aufgelegter Bluff ist, weil Deutschland weder gewollt noch gefordert hat. daß das tschechoslowakische Problem im Wege einer kriegerischen Auseinandersetzung gelöst wird. Aber Deutschland fühlt sich stark genug, f bie Interessen von 3,5 Millionen Deutschen zu schützen, wenn ein diplomatischer Ausweg sich nicht mehr bieten sollte.

B.R.

Kammhöhe in Richtung der tschechischen Grenze davon. Man hörte, daß plötzlich die Motoren aus­setzten. Es hatte aber den Anschein, als ob die Piloten mit allen Mitteln bestrebt", waren, auf tschechisches Gebiet zu gelangen, da eine Not­landung auf deutschem Gebiet die Feststellung von Photogeräten an Bord für die tschechische Regie­rung besonders peinlich gewesen wäre. Die Bauern sahen, wie das Flugzeug in etwa 30 Meter Höhe die Grenze kreuzte und dann tausend Meter jenseits der Grenze beim AusflugslokalWiener Wald" gegen den Hochwald flog. Es war auch ein starkes Krachen hörbar, und es konnten einzelne Explosio­nen unterschieden werden, die pffenbar von der Munition für das Maschinengewehr herrührten. Man sah dann, daß Passanten auf die Unfallstelle zuliefen. Die Hunderte von Zeugen aus reichs­deutschem Gebiet haben sämtlich den Eindruck ge­habt, daß die Insassen des Flugzeuges militä- rischeBewegungen fest st eilen sollten. Ein Verfliegen ist völlig ausgeschlossen, da der Gebirgs-

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General-Anzeiger für Oberhessen

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