Ausgabe 
25.1.1938
 
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Abend sind neun Doppelkonzerte in den großen oälen unserer Stadt unter Mitwirkung von Chören bis zu 300 Sängern vorgesehen. Der Abend wird in der Volkshalle eine Gau-Feierstunde unter Lei- hing von Gau-Chormeister Professor Dr. Temes- v a r y bringen.

Für den Sonntagvormittag sind Singen auf Straßen und Plätzen, Kirchenkonzerte und in der Volkshalle die Aufführung derJahreszeiten" von Haydn unter Mitwirkung von 400 Sängern unter Leitung von Chormeister Schmidt- Langen vor­gesehen. Gegen Mittag' werden sich die Festteil­nehmer auf einem Sternmarsch zum Oswaldsgarten begeben, wo eine große Kundgebung mit den Glie­derungen der Partei und der Wehrmacht stattfinden soll. Der Nachmittag ist einer volkstümlichen Feier auf dem Festplatz Vorbehalten.

Der folgende Montag wird den Ausklang des Sängerfestes mit einem Volksfest und mit einem großen Feuerwerk bringen.

Zum ersten Male wird unsere Stadt eine derart große Kundgebung des deutschen Männerchor­gesangs erleben.

Gießener Vochenmarktprette.

* Gießen, 25. Ian. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländ. Kühlhauseier 11 bis 12, ausländ. Eier 12%, Wirsing, grün, % kg 10 bis 12, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, Gelberüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosen­kohl 28 bis 30, Feldsalat, Vw 9 bis 10, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 38, Kartoffeln 5, 5 kg 42 Pf., 50 kg 3. bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 20 Pf., Birnen 8 bis 20, Blumenkohl, Stück 45 bis 55,' Salatgurken 15, Endivien 10 bis 25 Lauch 5 bis 8, Rettich 10 bis 35.

** Eine öffentlicheSitzungdesKre i s° ausfchusses Gießen findet am kommenden Dienstag, 1. Februar, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Hans Georg Eise in Lich gegen den Beschluß des Kreisamtes vom 10. 12. 1937 wegen Entziehung des Führerscheins; 2. Klage des Heinrich Berghöfer In Gießen gegen den Beschluß des Kreisamtes Gießen vom 9. 12. 1937, ebenfalls wegen Entziehung des Führerscheins.

**87 Jahre alt. Am heutigen Dienstag, 25. Januar, wird der Schreiner Ä;ristian W e i d i g, Dammstraße 22, in bester Frische 87 Jahre alt. Dem alten Herrn unsere herzlichen Glückwünsche.

** Besuch im GießenerErweiterten K r a n k e n r evie r". In unserem Wort-Bild-Be- richt Dam vergangenen Samstag hat sich im zweiten Satz des dritten Absatzes ein sinnentstellender Setz­sehler eingeschlichen. Der Satz mußte richtig lauten: Der Arzt nimmt in der Revierstunde einen nach dem anderen der jungen Kameraden vot, unter­sucht mit aller Sorgfalt, fragt, rät, befiehlt und hilft den Soldaten, die sich aufgeschlossen und gerne der ärztlichen Untersuchung unterziehen."

** Städtische Brennholzversteige­rung. Bei der jüngsten Brennholzversteigerung im Gießener Stadtwald wurden folgende Durch­schnittserlöse erzielt: Buchenscheiter A 11 bis 12 Mark, Hainbuchenscheiter A 7 bis 8 Mark, Eichen­scheiter A 8 Mark, Buchenknüppel A 8,75 bis 9 Mark, B 6,50 Mark, Hainbuchentnüppel A 9 Mark, Eichenknüppel A 4,60 Mark, Eschenknüppel A 5 bis 6 Mark, Buchenstöcke A 4,70 Mark, je Raum­meter; Buchenreiser III. Klasse 14 bis 15 Pfennig je Welle. Das Holz wurde restlos abgesetzt.

** Verkehrsunfall bei Abend st er n. Auf der Straße zwischen Gießen und Rodheim, unweit von Abendstern, ereignete sich in der Nacht zum Montag ein Derkehrsunfall. Zwei Kraftwagen­führer, die mit einem Personenwagen unterwegs waren, kamen dabei zu Schaden. Der Kraftfahr­zeugführer Konrad Nau von Gießen erlitt dabei Kopfverletzungen und eine leichte Gehirnerschütte­rung, der Beifahrer Helmut Schmidt aus Rod­heim erlitt leichtere Verletzungen. Beide Verun­glückte mußten zur ersten Behandlung in die Chir­urgische Klinik gebracht werden. Der Unfall kam durch einen Reifendefekt zustande, in dessen Folge der Fahrer die Herrschaft über den Wagen verlor und gegen einen Baum fuhr. Der Personenkraft­wagen wurde erheblich beschädigt und mußte ab­geschleppt werden.

Herz und Blutdruck.

Vortrag von Professor Or. K. Bürker.

(Fortsetzung und Schluß aus dem G.A. vom 24. Ian.) Das G e f ä ß s l) ft e m,besteht, wie schon erwähnt, aus den hintereinander geschalteten Schlagadern, Haargefäßen und Blutadern. Die Wand der erste­ren ist viel stärker als die der letzteren besteht sie doch aus drei ineinander geschachtelten Röh­ren, worin sich schon ausdrückt, daß die Schlag­adern einen viel stärkeren Druck auszuhalten haben als die Blutadern. Was die Schlagadern ferner noch besonders auszeichnet, ist der Umstand, daß sie elastische Häute enthalten, wodurch es zu gleichmäßigem Strömen des Blutes kommt, trotzdem dos Blut doch ruckweise vom Herzen aus in diese Gefäße eingepumpt wird. Die Pumpkraft des Herzens wird so nicht gleich in Strömungsarbeit umgewandelt, sondern in Wandspannung, die Wand wird ein Druckspeicher und gibt den Druck allmäh­lich wieder her. Die große Körperschlagader, die Aorta, stellt so geradezu einen Windkessel dar, sie ist auch das einzige Gefäß, bei dem der Quer­schnitt größer ist als der Gesamtquerschnitt der aus diesem Hauptgefäß abgehenden kleineren Gefäße, während es sonst umgekehrt ist.

Durch einen einfachen Versuch mit zwei Spritz­flaschen, von denen die eine ganz mit Wasser ge­füllt ist, die andere nur zum Teil, wird gezeigt, wie beim Hineinblasen in beide Fluschen aus ersterer das Wasser nur mit einem kurzen Ruck ausfließt, aus letzterer aber lange ausströmt, da hier die darüber stehende Luft als elastisches Polster und damit als Druckspeicher wirkt. In einem weiteren Versuch wird eine starre und eine elastische Röhre unter gleichen Verhältnissen gleichmäßig durch­strömt, beide liefern in der gleichen Zeit die gleiche Wassermenge. Wird aber das Wasser rhythmisch in beide Röhren eingepumpt, so geht in der gleichen Zeft durch das elastische Rohr die ungefähr dop­pelte Wassermenge als durch das starre Rohr

Für das Strömen einer Flüssigkeit durch eine Röhre gilt nun das Gesetz, daß das geförderte Volumen dem Druck und der vierten Potenz des Radius der Röhre direkt, der Reibung und der Länge des Rohrs umgekehrt proportional ist. Es spielt damit der Radius bzw. die Weite des Rohrs eine außerordentliche Rolle. Nehmen wir einmal an, es ströme Wasser unter gleichem Druck einerseits durch eine Röhre mit dem Radius 10 und andrer­seits durch eine Röhre mit dem Radius 1 und beide feien gleich lang, fo ist das geförderte Volu­men im ersteren Fall proportional 104 = 10 000, im letzteren l4 1. Nimmt man jetzt hundert enge Röhren, so ist der Gesamtquerschnitt gleich groß wie bei der weiten Röhre, aber gefördert wirb nur das Volumen proportional 100, und man müßte 10 000 Röhren verwenden, um die gleiche Flüssig­keitsmenge wie mit der der weiten Röhre zu erhalten. Nun sind die Haargefäße sogar nur Vioo Millimeter weit und der Strömungswiderstand in ihnen so groß, daß von der gesamten Herzarbeit 99,5 v. H. für die Ueberrotnbung des Widerstandes verbraucht, und nur 0,5 v. H. in Strömungsarbeit umgewandelt wird. Ein gewisser Ausgleich kommt dadurch zustande, daß das Strömungsbett aller Haargefäße zufammen- genommen sehr breit ist.

Die treibende Kraft im Blutkreislauf ist nun der Blutdruck. Könnte man ein Gefäß eröffnen, eine Kanüle einführen und sie mit einem Quecksilber­manometer verbinden, so könnte man damit den Blutdruck in Millimeter Quecksilbersäule messen. Das geht beim Menschen aber nicht an, daher muß man ein indirektes Verfahren benutzen. Man legt um den Oberarm eine Gummimanschette, bläst diese auf und drückt damit die Armschlagader so stark zusammen, daß die vom Herzen ausgehende Druck­welle, der Puls, nicht mehr zur Speichenschlagader an der Daumenseite, wo er gewöhnlich güt zu fühlen ist, gelangt. Jetzt setzt man den Druck in der Manschette langsam herab unter Kontrolle eines eingeschalteten Druckanzeigers und lieft den Druck ab, wenn eben der Puls wieder fühlbar ist, bann ist der Blutdruck gerabe etwas größer als ber Manschettendruck. Man wirb bann gewöhnlich einen Druck entsprechenb 120 Millimeter Quecksilbersäule falben mit einer Schwankungsbreite von 100 bis

Das Herz ist nun in der Laae, von sich aus ohne wesentliche Aenberung der Schlagzahl den Blutdruck je nach Bedarf zu erhöhen. Ist z. B. bas Angebot des Blutes groß, wobei als Stausee für bas Herz bie großey Hohlvenen unb bie mächtige Leber wirkt, so zieht es sich stärker zusammen unb be­wältigt unter größerem Blutdruck die große Blut- menge. Ober ist auf ber anberen Seite bes Herzens ber Widerstanb in den Gefäßen größer geworben, so pumpt es gleichfalls stärker unter erhöhtem Blut­druck. Was den Blutbruck aber besonders steigert, ist Muskeltätigkeit, dabei nimmt ber Druck noch um bie Hälfte bes normalen zu, bie Herzschlagzahl steigt in diesem Fall um bas Doppelte, bas Minu­tenvolumen um das Sechsfache und mehr, ist doch auch ber Gaswechsel babei auf bas Sechsfache unb mehr erhöht.

Bei Arteriosklerose sind durch Einlage­rungen von Kalk in die Schlagaderwände die Ge­fäße starrer, damit ist wegen ber fehlenden Elasti­zität die Blutoerschiebung erschwert, was aber hurch eine Erhöhung des Blutdrucks bis zu einem ge­wissen Grad ausgeglichen wirb. Auch bet Herzfeh­lern kann eine unglaubliche Anpassung des Herzens an bie erschwerten Strömungsverhältnisse stattfin­den dadurch, baß das Herz wesentlich großer unb wandstärker wirb.

Neben bem mittleren Blutdruck ist die Kenntnis der beständig vorkommenden BlutdruckschWan- kungen nötig. Diese Schwankungen sind durch die Herztätigkeit, die Atmung das Herz muß sich mit den Lungen ja in den Brustkorb teilen und durch Gefäßnerven bedingt, welche die Blutge­fäße verengern und erweitern können. Es ist not­wendig, diese Schwankungen genau aufzuzeichnen, was mit Apparaten besonders gut gelingt, die hier in Gießen von Professor 0. Frank, jetzt in Mün­chen, im alten Physiologischen Institut in ber Senckenbergstraße konstruiert wurden unb in aller Welt gebraucht werden. So hat unsere Heimatstadt Gießen einen rühmlichen Anteil an ber Entwicklung dieses Gebiets der Physiologie.

Amtsgericht Gießen

Der R. A. aus Magdeburg hatte durch Straf­befehl wegen Uebertretung ber Reichsstraßenver­kehrsordnung und fahrlässiger Körperverletzung eine Geld st rase von 150 Mark<^ erhalten. Aus seinen Einspruch kam die Sache zur Hauptverhand- lung. Der Angeklagte unternahm am 24. Mai v. I. mit seinen Vorgesetzten in einem Mercedes-Wagen eine Dienstreise von Koblenz nach Fulda. Nachdem man sich dort in dienstlichen Angelegenheiten den ganzen Tag aufgehalten hatte, trat man, obwohl bei den Teilnehmern starke Ermüdung herrschte, noch am selben Abend die Rückfahrt an. Gegen 3 Uhr morgens passierten sie Gießen. Kurz vor Klein-Linden geriet der Wagen in den Graben zwischen Straße und Bahnkörper, rollte dort einige Meter weiter unb prallte dann gegen einen im Graben liegenden dicken Stein. Hierdurch erlitten sämtliche Insassen, außer dem Angeklagten, leichte

Verletzungen, konnten jedoch nach kurzer Behand­lung in der Chirurgischen Klinik die Weiterfahrt antreten. In ber Hauptverhandlung behauptete ber Angeklagte, er sei zwar, stark ermüdet gewesen, habe aber nicht geschlafen. Immerhin mußte er bie Möglichkeit zugeben, baß chm im fraglichen Mo­ment für ein paar Sekunben die Augen zugefallen seien. Er habe aber ben Wägen ohne weiteres wieder auf bie Straße bringen können, wenn eben dieser Stein nicht dort gelegen hätte. Mit Rücksicht barauf, daß durch den Unfall viel schwerere Folgen hätten entftehen können, sah sich das Gericht außer­stande, bie Strafe zu ermäßigen, unb beließ es bei ber im Strafbefehl erkannten Höhe von 150 Mark.

Ebenfalls ohne Erfolg blieb ber Einspruch bes 0. Sch. aus Gießen, ber durch Strafbefehl wegen groben Unfugs in eine Geldstrafe von 10 Mark genommen war. Der Angeklagte kam in ber Nacht zum 21. November v. I. aus einem Lokal und fühlte sich auf ber Straße bemüßigt, in eine

Mamanlen-Komvdie

Roman von Horst Biernach.

39 Fortsetzung. (Nachbruck verboten.)

Humphrey aber erwachte langsam aus seiner seelischen Erstarrung.Also bann ist Martini--?"

stotterte er unb brach ab.Also bann ist Mar­tini", begann er von neuem unb mit aufleuch- tenbem Gesicht,hereingefallen!"

Herrje bauerte bas aber bei Ihnen lange!" bemerkte ber alte Herr.

Hereingefallen!" wiederholte Humphrey. Und nvch einmal:Hereingefallen 1"

Und zum drittenmal: Herein gefallen!" knurrte Zanten.

Hereingefallen!" jubelte Humphrey, plötzlich los.

Raus, Humphrey!" Der Alte schob den junaen Mann zur Tur.Ich muß mich für die lieben Gäste noch ein bißchen fein machen!"

Hereingefallen!" zwitscherte Humphrey und hüpfte vor Zanten her. Den linken Fuß und: Hereingefallen!" Den rechten Fuß und:Her- efngefallen! Fidirälla! Fidiralla!"

Gehen Sie zum Arzt, Humphrey ber ver­schreibt Ihnen was zur Beruhigung!" mahnte ber Alte und warf die Tür zu.

Hereingefallen! Hereingefallen!" Und weiter, im Doppelschritt und Walzertakt an dem grün und grau von ber Brücke heranhastenden Herrn Tweedle vorbei:Hereingefallen! Hereingefallen!" Und in ben Kabinengang hinab, wo er vor der Doppel­kabine Haltmachte, bie Tür öffnete unb, wie ber Kuckuck aus der Schwarzwälder Uhr, seinHerein­gefallen!" auch Herrn Martini entgegenflötete. Zweifellos ein wenig übergeschnappt... Unb so sehr es ihn auch gelüstete, biefes leichtidiotische Spiel fortzusetzen, so verzichtete er, vor Carolas Kabine angelangt, doch darauf und zwang sich zu einer etwas maßvolleren Haltung.

Zum Glück. Denn schon sein Aufzua allein ge­nügte, um Carola aufs heftigste erschrecken zu lassen. Sein Anzug dampfte. Und seine Nase sah nicht weniger furchterweckend aus.

Um's Himmels willen, Humphrey: Was ist mit Ihnen geschehen?"

Nichts von Belang! Gestern in der Dunkelheit im Sturm, verstehen Sie ein bißchen naß

geworden, bie Nase ein wenig bestoßen... Aber das Neueste? Jawohl: Falscher Alarm unb falsche Steine! Ein zwar unverschämter, aber immerhin erfolgreicher Trick ber Minenverwaltung. Zanten einigermaßen blamiert, die Detektive umsonst ge­ängstigt, bie Mitreisenden grundlos verwirrt und er selbst, nun ja, einem Schreckschuß zum Opfer gefallen. Aber Martini hereingefallen! Bis über beide Ohren" hereingefallen! Oder was soll man dazu sagen, wenn ein Mann von Kapstadt nach Europa sährf, um ein paar Kieselsteine in seinen Besitz zu bringen?' Wie? Don Kapstadt nach Amsterdam!"

Er war leicht betreten, als Carola in seine un­bändige Heiterkeit so gar nicht einstimmen wollte. Stellen Sie sich bas doch bloß mal vor!" kicherte er.Wegen einer Handvoll Kieselsteine von Kap­stadt nach--"

Und plötzlich verstand er. Sein Gelächter erstarb. Das letzte Wort blieb in ber Kehle hängen. Sie stand stumm unb mit zuckenden Lippen vor ihm. Eine Träne zeichnete ihre feuchte Spur über ihre Wange. Eine einzige Träne.

Verzeihen Sie, Carola!" sagte er abgeschnürt. Nein, bei Gott, es hatte nicht in seiner Absicht gelegen sie zu verletzen, sie zu bekümmern. Natür­lich: Dieser verdammte Schuft er hatte ja doch gestohlen! Weiß ber Teufel, was er Carola vor- gejchwabt hatte... Unb nun hatte er doch gestohlen! Kieselsteine zwar nur, aber in ber Absicht, Dia­manten zu stehlen! Und ob man nun Rembrandts ober Altpapier, Geldbörsen mit ober ohne Inhalt, Taschenuhren ober Lumpen aus ber Papiermühle stahl, bas war ja an sich einerlei... Die arme Kleine! Wie zerbrochen sie aussah! Wie enttäuscht unb wie zart...Sie haben ihn geliebt?" sagte er fast unhörbar; es war nicht zu unterschoben, ob es eine Frage sein sollte ober eine Feststellung.

Lassen Sie mich, bitte, allein, Humphrey!" bat sie.

Er zögerte. Er sah sie unfifaer an, als spüre er Furcht, sie zu verlassen, um ihrer selbst willen.

Sie schüttelte ben Kopf, als habe sie ihn ver- standen. Sie nickte ihm zu unb^ lächelte mutig.Es ist nicht so schlimm nein..."

Er kam noch einmal zurück. Er griff nach ihrer Hanb.Jawohl!" sagte er wie erstickt.Jawohl!" Und bann, nach einer kurzen Pause, schon halb im Hinausgehen:Wenn es Sie übrigens interessiert, Carola ich habe ihn gestern furchtbar verhauen!"

In ben Gängen unb auf bem Sonnendeck summ­ten die Fahrgäste aufgeregt umher. Noch ein wenig

bleich von den überstandenen Schrecknissen der Nacht. Und auch noch etwas verlegen unb beschämt voreinander, baß ein Schreckschuß sie so kläglich ins Bockshorn gejagt hatte. Aber vereint in ihrer Empörung über den frechen Streich ber Minen- gesellfchaft und hinter ber Entrüstung boch schon wieder erwärmt und bereit, sich in bie große, fröh­liche Schiffsgesellschaft einzuschmelzen. Und schließ­lich, immerhin: Wenn es nun die echten Dia­manten gewesen wären? Im Grunde konnte man ben Erfindern dieses dreisten Manövers nicht ein­mal böse sein!

Konsul Barrett stemmte ben Bauch vor.Die Wächter niedergeschlagen und betäubt!" äußerte er fröstelnd.

Dieser Dierenbrook, was?" murmelte Herr Tupper.

Na, meine Herren, darüber waren wir uns wohl von Anfang an einig!" meinte Herr Scrub und verräucherte die gute Seeluft mit einer ent­setzlichen Zigarre.Gerade vertrauenerweckend sah der Kerl ja nicht aus."

Vertrauenerweckend?" ertönte bie Stimme ber Reverendsgattin fast höhnisch, soweit ihre sanfte Natur einer so üblen Regung überhaupt fähig war. Was habe ich gestern meinem William gesagt? ,Willianü, habe ich gesagt, ,wenn es einer gewesen ist, dann -nur dieser unheimliche Mensch!" Stimmt's ober nicht?"

Gewiß, meine Teure, so haft du gesprochen!" versicherte der gute Reverend mit Nachbruck.

Und ich wäre darauf neugierig", grinste einer ber Hänbler,was bem armen William wohl ge­schehen würbe, wenn er mal bie Tollkühnheit auf­brächte, nein zu sagen!"

Die Herren Ferguson und Hooten aber standen da unb sahen sich an, als wären sie aus einem bösen Traum erwacht. Mit neuer Tatkraft unb frischem Lebensmut ausgepumpt, füllten sie plötzlich ihre Anzüge wieder aus, die ihnen in den letzten verzweifel.en Tagen boch so sichtbar um die Glieder geschlottert hatten.

Blamiert haben sie uns bis auf die Knochen blamiert!" knurrte Ferguson grimmig und boch dufatmenb unb ballte bie Faust in ber Richtung, wo bie Kiellinie berCatharina" in sanfter Kurve weiß durch bie unenbliche grüne See zum bunftigen Horizont lief.

Sie uns? Na, ich weiß nicht mal, ob wir nicht selber die größten Trottel waren... Als ob.

bort vor sich gehende, allerdings harmlose Keilerei,/ bie zubem fast beendet war, einzugreifen, und zwar in einer Weise, daß sich bie Beteiligten genötigt! sahen, polizeiliche Hilfe irt Anspruch zu nehmen. In ber Hauptverhandlung behauptete ber Ange­klagte, er habe lediglich Frieden stiften wollen. Dies wurde jedoch durch die Beweisaufnahme glatt widerlegt, so baß es auch hier bei ber Strafe von 10 Mark verblieb.

Landkreis Gießen

* Treis a. b. L d a., 25. Ian. Am morgigen Mittwoch, 26. Januar, können unsere Einwohner Johannes Weber unb Frau Maria, geb. Kutsch, Hauptstraße 60, ihre silberne Hochzeit feiern.

£ Beuern, 25. Ian. Der Landwirt Heinrich B e l l o s f II. unb seine Ehefrau Katharine, geb. Böcher, feiern am Mittwoch, 26. Januar, das Fest der Silberhochzeit. Wir gratulieren.

* L i ch, 25. Jan. Aus dem Kasten eines Gießener grauen Glücksmannes ber Reichswinterhilfe- Lotterie wurde gestern hier in ber Gastwirt­schaft von Hermann Stein ein Gewinn von 10 0 Mark gezogen.

Es stach ihm in die Augen...

Nächtliche Straße. Ein Mann am Steuer seines Wagens. Plötzlich sticht ihm greller Lichtschein in bie Augen, er muß sie geblendet schließen, verliert bie Gewalt über bas Steuer ein Krach ein Schrei--mieber ein neuer Verkehrsunfall!

Die Straßenverkehrs-Ordnung schreibt ausdrück- lich vor, baß bie Scheinwerfer ben Entgegen- kommenben nicht blenden dürfen. Diese Bestim­mung, untermauert durch technische Vorschriften, ist höchst wichtig, denn ein geblendeter Fahrer kann, ohne eigene Schuld, bas größte Unheil anrichten, weil er ja nichts mehr sieht. Man muß also stets dafür sorgen, daß bie Scheinwerfer richtig stehe n. Schwer ist es nicht, man muß nur eine gute Werkstatt aufsuchen unb bei belastetem Wagen bie Scheinwerfer einstellen. Man hat selbst den Vorteil, benn bas Fernlicht ist bann bestimmt wirkungsvoller. Außerdem ist darauf zu achten, baß bie Scheinwerfer-Birnen entweber beide gelbes Licht oder beide weißes Licht zeigen, nicht eine gelb, bie andere weiß.

Denke daran: Scheinwerfer, die imabgeblenbe- ten" Zustand doch blenden, gefährden Leben, Ge­sundheit und Eigentum deines Verkehrs-Kameraden!

Voras.

Briefkasten der Redaktion.

tRechtsgutachten sinb ohne Derbinblichkeit ber Schnstleitung.)

3. Gießen. Durch Verorbnung des hessischen Gesamtministeriums ist mit Wirkung vom 1. Januar 1931 ber Vermieter berechtigt, bas Wassergelb auf bie Mieter im Verhältnis ber Friebensmiete gegen Nachweis umzulegen. Macht ber Vermieter von die­ser Befugnis Gebrauch, so ermäßigt sich die gesetz­liche Miete um 3 v. H. der Friedensmiete. Abände­rungen der auf Grund dieser Bestimmung erfolgten Regelung sind ohne Zustimmung des Mieters nur für den Beginn eines Kalenderjahres zulässig. Der ßigentüfner ist demnach berechtigt, von sich aus die bisherige Umlage bes Wassergelbes nach Köpfen ' in eine Umlage im Verhältnis zu ber Friebensmiete abzuändern. Entfällt durch -diese Abänderung auf Sie ein größerer Bettag als bisher, so sind Sie ver­pflichtet, diesen Betrag zu bezahlen, andernfalls ber Eigentümer den Betrag einklagen kann.

Rundfunkprogramm

Mittwoch, 26. Januar.

6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh­konzert. In ber Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gym­nastik. 8.30 Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 10: Schulfunk. Ich Han lande vil gesehen... Hörspiel um Walther von ber Vogelweibe. 10.30: Musik zur Werkpause. 11.40: Deutsche Scholle. Geordnete Futterwirtschaft. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. Ein buntes Winterkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Operette, Unterhaltung, Tanz. 15: Volk unb Wirtschaft. Neues von der Zuckerverwertung. 15.45: Eine halbe Stunbe Pimpfenlatein. 16: Aus Kunst unb Kultur. Nach­mittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 19: Nachrichten.. 19.10: Unterhaltungskonzert. 21: Frembensitzung bes Mainzer Carneval-Vereins. 22: Nachrichten. 22.20: Fremdensitzuistz bes MCV. (Fortsetzung.)

Gasparb uns jemals Steine im Wert von einer halben Million nach Hause mitgegeben hätte! Um damit Straßenbahn zu fahren und Eisenbahn dritter Klasse... Furchtbare Idioten sind wir ge­wesen!"

Unb Martini ist also nichts nachzuweisen?" murrte Ferguson nach einfer Pause, bie beide Herren ber Selbsterkenntnis gewidmet hatten.

Kaum... Und selbst wenn er die Steine ge­klaut hat, was Zanten ja offenließ was soll ein Richter mit einem Kerl anfangen, der wegen Dieb­stahls von einem Kilo Kieseln vor ihm steht, hm?"

Vielleicht könnte man ihm wegen Transport­gefährdung eins auswischen? So was gibt's boch, nicht wahr?" v

Quatschen Sie, keinen Blödsinn, Mann! Trans­portgefährdung? Das wäre, wenn er die olle ,Catharina< zu torpedieren versucht hätte ober so was Aehnliches."

Ferguson schüttelte den Kopf:Also Dierenbrook ! Eigentlich will mir's noch immer nicht in ben Schädel."

Weiß ber Teufel, wie der Alte das herausge- knobelt hat, baß Dierenbrook es war, ber uns um­legte!"

... Dierenbrook! Dierenbrodk! Von allen Seiten schwirrte der Name auf Humphrey ein. Er drängte sich zu Zanten durch, ber ruhig wie ein Felsen inmitten seiner aufgeregten lieben Oäste stand.Wie in aller Welt sind Sie bloß darauf ge­kommen, Onkel Paul, baß Dierenbrook tatsächlich ber Kerl war, der Ferguson unb Hooten erledigt hat?" fragte er fast verstört.

Später, Humphrey! Später!" fertigte der alte Herr ihn ab.Ich habe jetzt wirklich keine Zeit, Ihnen die Angelegenheit zu erklären. Sie ist außer­dem ziemlich verwickelt."

Unb babei fällt mir eine Geschickte ein!" er­tönte Dr. Wilkens' immer etwas yeisere Stimme, bie er auf die rauhe Seeluft unb bie Zanten auf bes Doktors Vorliebe für hochprozentige Schnäpse zurückführte... Aber Zum erftenmal gelang es bem Schifisarzt nicht, ben Stapellauf feiner Anekbote glücklich zu beenben.

Denn der Pantrysteward bat mit lieblichem Gong­geläute die werten Herrschaften zu einem wegen des Sturmes verlegten Lunch. Und wie auf ein Zauberwort Drängten bie Reifenben zu den weit geöffneten Türen bes Speisesaals.

Schluß folgt

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