Ausgabe 
25.1.1938
 
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der Abteilung adgeiperrt. Das Betreten des ab» gesperrten Geländes sowie der durchführenden öffentlichen und privaten Wege ist für die Dauer der Absperrung wegen der damit verbundenen Lebensaefahr verboten. Den Anordnungen der Ab­sperrposten ist unbedingt Folge zu leisten. Etwa aufgefundene blindgegangene Geschosse oder Ge­schoßteile (Zünder ooer Zündladungen) dürfen nicht berührt werden, weil dies mit Lebensgefahr ver­bunden ist. Der Finder hat lediglich die Fundstelle zu kennzeichnen und den Fund unverzüglich der zu­ständigen Polizeibehörde zu melden. Es ist auch verboten, tief in die Erde eingedrungene Geschosse auszugraben oder freizulegen.

6158 Wettkämpfer.

Die Beteiligung am Reichsberufswcttkampf 1938 im Kreise Welterau.

Die Zusammenstellung der Meldungen für den Reichsberufswettkampf 1938 in 29 Wettkampforten ergab die stattliche Anzahl von 6158 Wettkämpfern. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahre eine über fünfzigprozentige Steigerung. Es ist erfreulich, daß der Appell an die Schaffenden im Kreise Wetterau über 6000 Volksgenossen und Volksgenossinnen be° reitfiudet, an diesem friedlichen Kampf um die beste Leistung teilzunehmen.

Auftakt zur Verbreiterung der Licher Straße und der Kaiserallee.

Gestern nachmittag wurde an der Ecke Ludwigs- platz/Kaiserallee vor der Drogerie Noll eine Maßnahme getroffen, die als Auftakt für die vor- aesehene Verbreiterung der Kaiserallee und der Licher Straße angesehen werden kann. Die Tank­stelle, die sich bislang vor der Drogerie Noll auf dem Bürgersteig befand, ist entfernt worden. In umfangreicher, schwieriger Arbeit wurden die beiden Tanks, deren jeder 3000 Liter Benzin fassen konnte, ausgegraben und entfernt. Der eine Tank kommt zu Appel in der Kaiserallee, der andere zu Scheppelmann in der Rodheimer Straße.

Vortragsabend

der Frauenschast Gießen-Ost.

Im Gymnasium veranstaltete die Frauenschast Gießen-Ost ihren Pflichtabend, der sehr gut besucht war. Nach einem Vorspruch von ©trift Moritz Arndt sprach Amtsgerichtsrat i. R. Gros über das ThemaAus Gießens vergangenen Tagen." In Anlehnung an seinen vor kurzem in der Aula ge­haltenen Vortrag schilderte der Redner in humor­voller Weise bei einer Wanderung durch die alten Straßen und Gassen der Stadt das Schicksal der Häuser und ihrer Bewohner. Schnurrige Käuze und Originale wurden da in der Erinnerung wie­der lebendig, berühmte Professoren und lustige Studenten stiegen empor aus der Vergangenheit. Die Lichtbilder der alten Straßen und Plätze, die man kaum wiedererkannte, ergänzten die charakte­ristische Schilderung. Da sah man noch eine Haus­wand mit den berüchtigtenSchwalbennestern" und schauderte vor der Hygiene der so oft gerühm­tenguten alten Zeit." Wacklige, baufällige Häus­chen und Mauern mußten' weichen, um Platz zu schaffen für neue Straßen und neue Bauten. Der Vortrag und die Bilder gaben einen klaren lieber» blick über den Fortschritt und die vorteilhafte Ver­änderung des Stadtbildes von Gießen. Die Frauen folaten dem Redner mit dankbarer Aufmerksamkeit.

Den musikalischen Teil des Abends hatten Frau Fischer (Klavier) und Musiklehrer Mürrle übernommen. Sie spielten den 1. Satz aus einem Violinkonzert von Divaldi und ein Andante von Mozart und ernteten lebhaften Beifall. F. K. Hauviverkammluna^er Stenographen

Arn Samstag vereinigte der Ortsverein Gießen der Deutschen Stenographen- schalt seine Mitglieder in derStadt Lich" zu einer Jahreshauptversammlung, in welcher ein um­fassender Rückblick auf die Arbeit des Jahres 1937 gegeben wurde.

Stellvertretender Ortsvereinsleiter Merle gab in seinen Begrüßunhsworten der besonderen Freude darüber Ausdruck daß er neben dem Kreisver- banbsleiter K. H. Kuhl eine ganze Reihe alter Ehrenmitglieder willkommen heißen konnte. Er gab bann einen kurzen Ueberblick über die ftenogra-, phische Entwicklung im Jahre 1937 hinsichtlich der Unterrichtstätigkeit bzw. der Zusammenarbeit mit der Deutschen Arbeitsfront in denHäusern der

Nationalsozialistische Volksführung.

Gauschulungsleiter Nuder spricht vor der Ortsgruppe Gießen-Güd.

Die Ortsgruppe (Dießen-Süd der NSDAP, ver­einigte am gestrigen Montagabend zahlreiche Volksgenossen der Ortsgruppe zu einer Versamm lung. Der Besuch mar so stark, daß der große Saal des Studentenhauses am Leihgesterner Weg kaum ausreichte, um alle Zuhörer zu fassen.

Ortsgruppen-propagandawartBlinzig eröffnete nach dem Einbringen der Fahne die Ver­sammlung, erinnerte an das Jahr 1937 als an ein Jahr des Erfolges, das Deutschland stolz, mäch- tig, gleichberechtigt unter den Völkern, national und sozial gefestigt sah. Die Ortsgruppe Gießen-Süb habe zu ihrem Teil zu den Erfolgen beigetragen. Der Provagandawart bat abschließend die Mitar­beiter, nicht müde zu werden im großen Dienst, den neuen Mitgliedern gegenüber sprach er die Er­wartung aus, daß sie bald tätig werden möchten.

Nachdem gemeinsam der erste Vers des Liedes Volk ans Gewehr" gesungen war, sprach der

(Sauschulungsleiter HuOcr.

Er sprach zunächst von dem nahe bevorstehenden Tag der 5. Wiederkehr der nationalsozialistischen Revolution als von einem Tage des Stolzes, der Freude, der Besinnlichkeit und der Rückschau. Er erinnerte an die Tage der Entscheidungen bei der Machtübernahme, an die Größe der Aufgaben von damals und an die damaligen Gegnerschaften mit all ihren Vorurteilen gegen die nationalsozialistische Idee und an den Kampf um die Seele des Volkes in den vergangenen Jahren.

Dann griff der Vortragende weit zurück in die deutsche Geschichte, sprach von der Uneinigkeit des deutschen Volkes über Jahrhunderte, ging den Gründen dieser Uneinigkeit nach, sprach von den Ursachen mancher tiefer Zerwürfnisse in unserem Volke, aber auch von den Männern, die immer wie­der um eine Einigung bemüht waren. Er umriß die verhängnisvollen Auswirkungen des Partiku» larismus in Deutschland, durch den unser Vater­land immer tiefer zerrissen wurde, während sich außerhalb-unserer Grenzen die anderen Völker die Erde teilten. Der Redner sprach aber auch von der zweiten Ursache unserer völkischen Uneinigkeit in der Geschichte, von der Gegnerschaft der Konfessio­nen, und betonte, daß es heute keine Zeit mehr geben könne, in der sich das deutsche Volk 30 Jahre lang «um irgend eines Dogmas willen zerfleischen dürfe. Von der Religion her dürfe unser Volk N'cht wieder in Gefahr geraten, lieber allem stehe die

Einheit des Volkes! Schließlich sprach der Redner noch über die Auswirkungen des Klassenkampfes und bewies dabei, wie notwendig es war, daß der Nationalsozialismus zur Macht kam und dem Volke eine klare politische Zielrichtung gab-

Dann wandte sich der Gauschumngsleiter den Fragen der Erziehung des nationalsozialistischen Führernachwuchses zu und schilderte in (Einzelhei­ten, wie sich die Erziehung der Jüngerschaft des Führers aus einer harten Auslese heraus gestaltet. Er kennzeichnete insbesondere die Arbeit der Or­densburgen Crössinsee, Vogelsang, Sonthofen und Marienburg und ließ feine Zuhörer wissen, daß dort ein Führerkorps geschmiedet werde, mit dem jede Aufgabe unseres Volkes zu lösen fein werde. Die Zeit unseres Aufstieges dürfe nicht wieder, wie früher stets in der Geschichte unseres Volkes, ein Niederbruch folgen.

Dann wandte sich der Redner den Fragen der Weltanschauung und der Kirchenfrage zu un^ brachte den Punkt 24 des Parteiprogramms in Er­innerung, nach der die Freiheit des Bekenntnisses jeder Kirche festgelegt ist, die nicht gegen das Staatsinteresse handelt. Er stellte ferner dem Vor­wurf, den Nationalsozialisten mangle es an Gläu­bigkeit, die tatsächliche Gläubigkeit der National­sozialisten an ihre völkische Mission und an den Führer gegenüber, und erinnerte in diesem Zu­sammenhang daran, daß der Eid auf die Fahne und den Führer unter Anrufung Gottes geschworen werde. Der Gottlose gehöre nicht in die Gemein­schaft der Nationalsozialisten! Gottgläubigkeit be­dürfe abet nicht unbedingt der Bindung an die Kirche!

In seinen abschließenden Darlegungen wandte sich der Vortragende den Aufgaben des Vierjahres­planes zu, sprach von den sozialen Maßnahmen der Zukunft, insbesondere von der 'erstrebten Sicherung des Lebensabends des schaffenden Menschen, von dem Recht des deutschen Menschen an den Boden (Siedlunasprogramm), von den Hilfsmaßnahmen für die Kinderreichen und von der großen Auf-, gäbe, unserem Volke den Raum zu schaffen, dessen es bedarf. Er rief den großdeutschen Gedanken in den Herzen feiner Zuhörer wach und schloß seine eindrucksvollen Darlegungen mit dem Hinweis, daß alle unsere großen Zukunftsaufgaben gelöst werden können, wenn wir dazu den politischen Willen haben. (Anhaltender Beifall:)

Der Gruß an den Führer und der gemeinsame Gesang der beiden Nationalhymnen schlossen die Kundgebung.

Kurzschrift" Nachdem der Vertrag mit der Deut­schen Arbeitsfront außer Kraft gesetzt ist, bestehen seit Anfang Januar wieder eigene Lehrgänge der Deutschen Stenographenschaft. Herr Merle teilte ferner mit, daß der seitherige Ortsvereinsleiter Graf fein Amt niedergelegt habe, und es fei im Laufe des Abends die Aufgabe, einen neuen Orts­vereinsleiter zu wählen. Er dankte an dieser Stelle Herrn Graf für feine Tätigkeit als vorbildlicher Ortsvereinsleiter Er habe sich so intensiv seinen Ar­beiten gewidmet, daß er ihn als Vereinsleiter sehr ungern scheiden sehe.

Sodann erstattete der erste Schriftführer Wer- n e r den Jahresbericht Nachdem der Redner die erzieherischen Werte der Betätigung in der Kurz­schrift herausgestellt hatte, gab er einen ausführ­lichen Bericht über die stenographische Entwicklung im Jahre 1937. Ferner berichtete er über die ver­schiedenen Wettschreiben des Jahres. Mit großem Interesse wurden die Erfolgszahlen ausgenommen, die der Schriftführer als äußeres Ergebnis der Lei­stungen verlesen konnte. Nachdem er noch über ein­zelne gesellige Veranstaltungen berichtet hatte, schloß er seine Darlegungen mit dem Hinweis, daß das Jahr 1937 ein Jahr guter Leistungen gewesen und in treuer Einsatzbereitschaft und Kameradschaft gearbeitet worden fei. Im neuen Jahre habe der Ortsverein Gießen bereits mit der Unterrichtstätig­keit begonnen. Der außerordentlich gute Besuch der Lehrgänge gebe die Gewißheit, daß der Ortsverein Gießen weiterhin wachsen blühen und gedeihen werde.

Kassenführer Heß erstattete den Bericht über die Kasse, die einen befriedigenden Stand aufweist. Der Kassenbericht wurde, nachdem die Kassenprüfer Be­richt erstattet hatten, gutgeheißen. Dem Rechner

wurde für seine sorgfältige Kassenführung Dank ge- sagt. ,

Die Zusammensetzung des Führerrates erfuhr eine Aenderung insofern, als das Amt des Orts- Vereinsleiters neu besetzt wurde. Der seitherige Schriftführer Hans Werner wurde einstimmig zum Ortsvereinskeiter gewählt, nachdem Herr Graf sein Amt niedergelegt und eine Wiederwahl be­stimmt abgelehnt hatte. Der neue Ortsvereinsleiter berief die seitherigen Mitarbeiter auch für 1938 in den Führerrat.

Bei PunktVerschiedenes" kam Herr Kuhl auf die große Bedeutung der Handelskammerprüfungen zu sprechen. Er teilte ferner mit, daß die diesjährige Gaumeisterschaft in Kurzschrift und Maschinenschrei, ben im Mai und Juli in Frankfurt a. M. ausge­tragen wird. Der Deutsche Stenographentag wird im August in Hamburg abgehalten. Es wird vor- geschlagen, daß bei dem Ortsverein Gießen Reise­kassen dafür eingerichtet werden.

Mit der Erledigung einiger kleinerer geschäftlicher Mitteilungen, die die neue Arbeit im Jahre 1938 betrafen, fand der offizielle Teil des Abends fernen Abschluß

Gießener Medizinstudenten auf Besichtigungsfahrt.

Nach Besichtigung der Kureinrichtungen und -an- lagen von Nauheim, Homburg und Wiesbaden im November des vergangenen Jahres folgte die Medi­zinische Fachschaft der Universität Gießen wie man uns berichtet am Freitgg einer Einladung der Pharmazeutischen Werke E. Merck nach Darm­stadt. lieber die Reichsautobahn, am Weltflughafen Rhein-Main vorbei, war Darmstadt schon nach ein-

Oie ägyptische KSuigShachzeit.

Unsere soeben in Deutschland eingetroffene Auf­nahme zeigt König Faruk von Aegypten und Königin Farida nach der Trauung vor dem Kubleh-Palast in Kairo. (Presse-Foto°M.)

einhalb Stunden erreicht. Dort begrüßte zunächst der Seniorchef der Firma E. Merck, Dr. Karl Merck, die Gäste und gab einen kurzen geschicht­lichen Ueberblick über die Entwicklung der - Firma, wie der pharmazeutischen Industrie überhaupt. Hier­an schloß sich eine dreistündige Besichtigung der Werksanlagen und der wissenschaftlichen Forschungs- stellen, die die Mediziner natürlich im besonderen interessierten. So erhielten sie zunächst einen lehr­reichen Einblick in die Pharmakologische, die Expe­rimental-Therapeutische und die , Bakteriologische Abteilung, wo in unermüdlicher und streng wissen­schaftlicher Arbeit sämtliche neuen Präparate im Tierversuch zuerst kontrolliert, ihre endgültige Dosie­rung bestimmt, Vorteile und eventuelle Schäden genaueftens gegeneinander abgewogen und darüber hinaus immer neue Forschungen betrieben werden. Peinliche Sauberkeit herrschte überall, was man besonders irrt Herstellungsraum der organischen Tierpräparate feststellen konnte, dem man an­schließend einen Besuch abftattete. Mit großem Interesse verfolgte man bann die eigentliche Her­stellung der gesamten pharmazeutischen Präparate, sei es in Form von Pillen, Tabletten, Ampullen ober bgl. Wenn dies auch zum größten Teil maschinell abläuft, so bedarf es doch dauernd der Kontrolle und Aufsicht durch Fachkräfte. Weiter führte der Weg durch baseigentliche Herz" bes ganzen Betriebes: bie chemischen Forschungsstellen unb Laboratorien, in benen die neuen Präparate in ihrer rein wissenschaftlichen Zusammensetzung entstehen. In ben Magazinen uhb Exportstellen bie man zum Abschluß besichtigte, bekam man noch­mals einen genauen Einblick in bie gewissenhafte Kontrolle, unter der alle Arbeit bort oonftatten geht. Einen kurzen Blick warf man noch in die aus­gedehnte Bibliothek und das Archiv, worauf sich im Werkskasino ein gemütliches Zusammensein mit dem Gastgeber anschloß.

3. Hessisches Gausängerfest in Gießen.

Vom 9. bis 11. Juli wird in Gießen bas 3. Hessische Gau-Sängerfest ftattfinben. Wie in ber Sitzung bes Festausschusses mitgeteilt mürbe, wer­den zu dieser Veranstaltung etwa 10 000 Sänger unsere Stadt besuchen.

Den Auftakt der Deranstaltungsfolge wird am 8. Juli ein Begrüßungsabend bilden, bei dem der Sängerkreis Gießen, unter Hinzuziehung der be­nachbarten Sängerkreise Wetterau und Solms- Wetzlar, die Darbietungen des Abends unter Lei­tung von Kreischormeister Blaß-- Gießen bestreiten wird.

Der folgende Tag, 9. Juli, wird am Vormittag den Zusammentritt des Gau-Sängertages bringen, anschließend um die Mittagszeit die öffentliche Bannerübergabe. Vom Nachmittag bis zum frühen

©er junge Gärtner.

Don Andreas Stifter.

Eines Morgens im Winter, nach einer bitter­kalten, sternklaren Nacht, in ber ein fegender Sturm die dünn beschneiten Aecker wieder entblößt hatte, erwachte Josef, ber Gärtner, in feiner einsamen Hütte weit braußen vor ber Stabt zeitiger als sonst.

Er fuhr heftig im Bett auf; es war ihm, als hätte ihn jemand gerufen, unb in feiner Schlaf­trunkenheit rief er selber etwas. Als er bann völlig munter geworden war, tastete er mit frofttlammen Fingern nach ben Streichhölzern und zündete die Petroleumlampe an, die neben ihm auf dem Stuhl stand.

Nachdem er sich kopfschüttelnd in ber Stube um» gesehen unb eine Weile angespannt nach braußen gehorcht, aber nichts Verdächtiges vernommen hatte, saß er unschlüssig ba.

Er war allein. Lena, seine junge Frau, wohnte schon seit einigen Tagen nicht mehr bei ihm. Seine Mutter, bie ben beschwerlichen weiten Weg nicht gescheut hatte unb in ber letzten Zeit verschobene Male zu ihnen in bie Einöde gekommen war, hatte fast mit Strenge barauf gedrungen, daß Lena ihrem Kinde in einer wärmeren unb behaglicheren Behausung bas Leben gebe. Sobald die Anzeichen sich mehrten, daß bie Geburt herannahte, hatte sie denn auch bie Schwiegertochter kurzerhand zu sich in bie Stadt geholt. Nach ihrem Willen sollte die junge Wöchnerin mit dem Neugeborenen für ben Rest bes Winters bei ihr bleiben Lena hatte sich gern barein gefügt; bie Gegenwart unb bie Hilfe der lebensfunbigen, starken Frau taten ihr wohl. Joses inbessen war nur widerstreben!) damit einver­standen gewesen. Er hing an seinen Träumen, hatte seinen Stolz und seinen festen Glauben an seine Arbeit und wollte nichts geschenkt haben. In seiner Ratlosigkeit vor dem Schweren jedoch, das Lena beoorftänb, hatte er alle Einwände lieber für sich behalten unb nur bann unb wann, wenn es ihm in ben Sinn kam, daß fein Kind nun unter einem fremden Dach geboren werde unwirsch gebrummt

Er rieb sich mit dem Daumen nachdenklich nnterm Ohr und mochte sich nicht wieder hinlegen.

Es war ihm ganz ungewohnt bange zumute.

Am Tage vorher, um die Mittagszeit, hatte er Lena bas letztemal besucht Sie saß rückensteif im weißen Sonnenlicht am Fenster in ber Wohnstube seiner Eltern unb nähte. Gelegentlich sah sie ba= zwischen einmal auf bie Gasse hinaus, wo zu bieser Stunde reges Treiben herrschte. Ihre Augen hatten hinter bem müden, heißen Glanz durchwachter Nächte eine glücklich-wissende Tiefe. Hin unb wieder preßte sie bie flache Hanb kühlenb auf die Stirn, bie unter bem stark entfachten Rot ihres Haares so erblichen war, baß bie Sommersprossen darauf wie dunkle Tropfen hervortraten, unb seufzte. Aber wenn Josef dann besorgt fragend aufblickte, tat sie lächelnd, als habe fie nur gerade eine ungebärdige Locke zurechtschieben müssen, und sagte, mutig und ruhig, wie sie es hier geworden: ...Es läßt sich halt Zeit!"

Mußte sie jetzt leiden?

Er stand auf, versorgte seine Tiere unb machte sich banach eilig auf ben Weg.

Der Morgen war noch fast nachtbunkel. Aber über ber an ein paar eng beisammen stehenden Lichtpünktchen kenntlichen Stabt, bie weit, weit fort über einen Sunb voll brohenben schwarzen Gewoges entrückt zu sein schien, unb über dem zu einem einzigen mächtigen Rücken verwachsenen Ge­birge nahte der Tag. Drei, vier, ungefähr gleich lange, grünlich silberne Streifen, schmal wie Lan­zenspitzen, bildeten dort dem noch unsichtbar stei­genden Sonnenball eine aufwärts verschwimmende Treppe in ben kaum erblaßten Himmel, an bem noch helle Sterne blitzten

Josef war noch nicht lange auf bem nackten, schlackengrauen Damm zur Seite bes Flusses ge­gangen, wo sich ihm bie Luft schneibend ins Gesicht warf, ba sah er in der Ferne, von der Brücke her, eine hohe, dunkle Gestalt rasch auf sich zu- kommen. Es war ein Mann, unb als bie Dämme­rung ihn endlich bergab unb Josef ihn erkannte, schrak er zusammen unb begann, was er nur konnte, zu laufen. Und noch im Laufen schrie er schon von weitern, baß es burch bie Stille hallte:

Vater! Vater!"

Tatsächlich war es sein Vater, der ihm allein, den Rockkragen hochgestellt, übernächtig, aber frohen Blickes entqegeneilte.

Du bist bas9" rief er überrascht und trat zur Vorsicht vor bem Heranstürzenden beiseite.Wie

kommt es, daß du mir den halben Weg abnimmst? Hat es dich denn nicht mehr schlafen lassen?"

Joses kam knapp vor ihm zu stehen.

Ist das Kind da?" stieß er keuchend heraus, und der jählings aufsteigende Jubel in seiner Brust ließ ihn ganz des Grußes vergessen

Ja, freue dich, es ist alles gut gegangen!" nickte der Dgter mit heitrem Ernst unb streckte, währenb jenem die Augen zu schwimmen anfingen, bie Hanb zum Drucke aus:Du hast einen Sohn!"

Josef fächelte unb atmete tief. Unwillkürlich brehte er sich um unb tat einen langen Blick zurück. Ge- rabe noch erkennbar lag fein Häuschen am anderen Ende des Dammes. Ein graller Würfel war es nur im schwachen Licht ber Morgendämmerung, ein recht unansehnlicher, eigentlich gar nicht wie eine menschliche Behausung anmutenber Klotz mit ber Andeutung eines Fensters und mit einem Stückchen Zaun davor. Aber Josefs Auge gewahrte nicht bie nüchterne Wirklichkeit. Aus seinem beglückten ju­gendlichen Herzen hingezaubert, war für ihn alles dort schon so, wie er es seit Jahren träumte. Die Gärtnerei sah er, bie er in verbissener Arbeit aus bem verwahrlosten Exerzierplatz machen wollte, feine Gärtnerei mit einem neuen, schmucken Wohn­haus an Stelle bes kalten unb engen ehemaligen Gewehrschuppens, mit einem heizbaren Gewächs­haus, vielen glasüberberften Frühbeeten, einer regelrechten Wasserleitung und einer Umzäunung aus orbentlichen Latten! Nicht ben leisesten Zweifel hegte er in diesem Augenblick, baß sein unermüb» licher täglicher Kampf einmal biefen Lohn finben würbe. Ja, ber Sohn sollte ba draußen einst ein Grundstück bekommen, bas zu bebauen eine wahre Lust für ihn werben mußte'

Der Alte erriet feine Gedanken, unb es kostete ibn Mühe, bie Bewegung, bie ihn, ben erfahrenen Greis, bei dieser wunderbaren Zielgewißheit ber Jugenb zu übermannen drohte, zu verbergen und ein lachendes Gesicht zu bewahren.

Komm?" sprach er ruhig unb freunblid), als er merkte, baß Josef bloß eine Joppe trug unb in bem eiligen Wind erschauerte.Sag' beinern Jungen .Grüß Gott'!" 1

Er machte seinen langschössigen warmen Flausch weit auf, fuhr aus dem einen Aermel, legte bem kleinen Gärtner, der es wie benommen geschehen ließ unb nur erstaunt ausjah, seinen Arm um die

Schulter, zog ihn an sich unb schlug bie leere Man­telhälfte fest um ihn.

So schritten sie vornüber gebeugt und stumm in ber rasch zunehmenben Helle stadtwärts.

Neue Hollywood-Filme.

Trotz ben Mitteilungen über Einsparungen, die auch in Hollywoob infolge ber wirtschaftlich schwie­rigeren Lage in ben Vereinigten Staaten vorge- nommen werben müßten, lassen bie Filme, bie für 1938 in Aussicht stehen, kaum eine Verringerung bes Aufwanbs erkennen. So hat Darryl Zanuck nicht weniger als 1750 000 Dollar für bie Her­stellung bes FilmsIn Old Chicago ausge­geben, ein Riefenfchaufpiel, bas feinen Höhepunkt in bem großen Brande von Chikago von 1871 finbet Da bie lleberlieferung ist, daß bas Feuer ausbrach, als eine rote Jersey-Kuh eine Laterne in einer Scheune überrannte, so würbe eine solche nach HoShwoob geschafft unb spielt unter bem Namen Daisy ihre Rolle. Unter ben anberen Stars wirb man auch ein neues Gesicht sehen, Phylles Brooks. Noch mehr, über 2 Millionen Dollar, erforberten bieGoldwyn-Follies, ein rie­siges musikalisches Schauspiel, zu bem bie Mit- roirtenben von überall her aus amerikanischen Theatern, Opern unb Varietes, vom Ballett unb vom Rabio zusammengeholt würben; auch Adolphe M e n j o u spielt mit und ein neuentdeckter Star, Andrea Leeds. Der dritte große Film, von dem viel gesprochen wird, istT o w a r i t s ch", ber bie Geschichte zweier verarmter russischer ^.Aristokraten erzählt; ©laubette (Tolbert unb Charles Boyer ftnb hier bie Stars. (Wir kennen ben Stoff aus der Komödie von Deval und Curt Goetz.) Das er­staunliche Leben bes alten Seeräubers Jean Lafitt bilbet ben Inhalt eines großen FilmsB u c c a - n e e r" mit Frebrick March unb Franziska Gaal. Shirley T e m p l e erscheint in einem neuen Film Rebecca of Sunnybrook Farm; neben ihr wirb man zum ersten Male einen neuen kinblichen Star, ben zwölfjährigen Tommy Kelly, ber aus dem Osten Neuyorks kommt, in einem Film ..The Adventures of Tom Sawyer sehen. Und schließlich wird berichtet, daß Sonja H e n i e, die einen neuen Kontrakt abgeschlossen hat, nachdem sie drei Filme im Jahr für ie 125 000 Dollar drehen wirb, in einem Film »Happy Landing erscheinen wirb.