Ausgabe 
25.1.1938
 
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Nr.20 Zweites Blatt

GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 25.)anuar 1958

Warum kann die Maul- und Klauenseuche nicht unterdrückt werden?

Von Geheimrat Prof. Or. Ott.

Aus der Stadt Gießen.

Gartenarbeit und Gesundheit.

Man sagt: die vom andauernden Sitzen steifge- Aordenen Glieder werden ähnlich wie durch Aus­übung eines körperlichen Sports durch Garten­arbeit wieder gelenkig; man ermüdet, schläft dar­aufhin besser, der Appetit hebt sich, die Gesichts­farbe wird besser, und die verstaubte Lunge pumpt sich in der reinen, staubfreien Luft gründlich aus; durch Schwitzen wird der Körper von allerlei Schlacken befreit, kurzum, es geht das vor sich, was manAusarbeiten" nennt. Dabei härtet man sich ab, hat später weniger von Erkältungen zu leiden, und was dabei auch noch mitspricht, ist der Um­stand, daß man seinen hübschen Garten in Ord­nung bekommt, ohne tage- und wochenlang auf den bestellten Mann wgrten zu müssen.

Das alles und noch manches andere trifft aber^ nur für denjenigen zu, der an körperliche Arbeit und an den Aufenthalt im Freien gewöhnt ist. An­dernfalls kann sich die Wohltat in das Gegenteil umkehren. Man bekommt leicht Freude an der Ar­beit, fühlt sich wohl und leicht, wenn die Arbeit vonstatten geht, und vergißt dabei, daß das Herz überanstrengt wird und Muskeln in Tätigkeit ge- setzt werden müssen, die schon verkümmerten. Kommt sonst noch eine Unvorsichtigkeit hinzu, so können Folgen eintreten, die hier nicht angedeutet zu werden brauchen. Ganz besondere Vorsicht ist für etwas beleibte Personen am Platze. Man "hüte sich vor zu vielem Bücken! Arbeiten mit Spaten und Hacke müssen öfter unterbrochen werden und mit leichteren Beschäftigungen abwechseln. Wenn einmal die physischen Kräfte nicht vorhanden sind, arbeite man nur bei gutem Wetter und zunächst nur wenige Stunden. Auch wenn der Haus- oder Kleingarten nicht mehr im Herbst fertig wird und weniger geordnet aussieht, als der des Nachbarn, ist es nicht schlimm. Selbst das Umgraben des Gar­tens läßt sich bei warmen Sonnenschein im Früh­jahr noch nachholen, in schwerem, zähen Boden ist es manchmal sogar besser. Ganz schwere Arbeiten, wie Roden von Bäumen und Sträuchern, Rigolen verwurzelten Bodens, Karren von Erde und Stei­nen, lasse man sein, bis man sich dafür gekräftigt fühlt, was mit der Zeit kommt. Man kleide sich auch zur Gartenarbeit der Jahreszeit entsprechend. Bei naßkaltem Wetter werden auch durch Garten­arbeit die Füsse nicyt warm.

Darum: Was der Jugend eine Wohltat bedeutet, kann dem Alter schaden. Es gibt Liebhabereien, die man ungestraft nicht übertreiben darf. Zu diesen gehört auch die Gartenliebhaberei! R.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrAnna Maria". Gloria-Palast (Seltersweg):Zweimal Zwei im Himmelbett". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Kameliendame". Oberhessischer Kunstverein, Turnst)aus am Brand:Frankfurter Künstler der Gegenwart", Besuchszeit: 17 bis 18 Uhr.

Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute -abend findet die effte Aufführung der Ur­fassung vonAnna Maria", Drama in 16 Bildern von Müller-Scheld, statt. Wilhelm Müller- Scheld ist ein Dramatiker unserer Landschaft. Er wurde in Grebenroth bei Bad Schwalbach geboren. Hier entstand auch die Urfassung seinerAnna Maria". Der Dichter, der früher Leiter der Landes- Stelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda in Frankfurt war, wurde in den Präsidialrat der Reichstheater­kammer und in den Senat der Reichskulturkammer nach Berlin berufen. Bühnenbilder: Karl Löff­ler. Die^ Vorstellung findet als 17. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20, Ende 22.30 Uhr.

In Abständen von nur wenigen Jahren breitet sich die Maul- und K l a k e n s e u ch e immer wieder über Länder und ganze Kontinente unauf­haltsam aus. Ein großer Teil unserer Tierbestände wird zwar durch die veterinärpolizeilichen Maß­nahmen gegen die Seuche geschützt, aber wir sind nicht imstande, der schrankenlosen Ausbreitung wirksame Dämme entgegenzusetzen. Auch die Immu­nisierung der Tiere in einem Ring um Seuchen­herde führt nicht zum Ziel. Die Sperrmaßnahmen tragen allen denkbaren Verschleppungsgelegenheiten des Ansteckungsstoffes dyrch Menschen Rechnung, und dennoch breitet sich die Aphthenseuche wie ein Lauffeuer weiter aus.

Auf einem internationalen tierärztlichen Kongreß in Baden-Baden. erklärte 1901 der Vertreter Eng­lands, sein Land sei an der Beratung über die in Rede stehenden Seuchen nicht interessiert, die Ein­fuhrsperre gegen Haustiere schütze England vor Tierseuchen. Diese Maßnahme war viele Jahre hin­durch auch gegen Maul- und Klauenseuche wirk­sam, aber der jetzige Seuchengang sprang auf das Jnselreich über und raffte bis Ende Dezember 1937 30 000 Rinder hinweg. Vögel sollten den An- steckungsstoff dorthingetragen haben? Niemand er­wähnte, daß im Zusammenhang mit dem umfang­reichen Schiffsverkehr der Krankheitserreger den Weg nach England gefunden haben möchte. Be­kanntlich vollzieht sich durch Handelsschiffe unter den Ländern ständig ein wenn auch ungewollter, so doch recht lebhafter Austausch von Ratten, die genau wie Menschen den Weg über die Planken besonders nachts von und zu Schiff einschlagen.

Die Ratten beladen sich in den Futterkrippen verseuchter Tierbestände mit dem Krankheitsstoff, ja sie erkranken selbst wenn auch nur leicht an der Seuche, und verschleppen diese von Gehöft zu Gehöft und durch ganze Flußgebiete. So sind viele Millionenverluste bei Seuchengängen auf den verhängnisvollen Einfluß der Ratten zu beziehen. Der Schaden des Seuchenganges 19 21/22 bezifferte sich im Reich auf 480 Millionen Mark. Angesichts der ganz außergewöhnlich hohen Sterb­lichkeit wurden Stimmen laut, die R i n d e r p e st wüte. Die württembergische Regierung hatte mich

NSDAP., Amt für Beamte.

Am 31. Januar, 20 Uhr, findet im Cafe Leib in Gießen ein Gemeinschaftsabend für die Kreis­abschnitte Gießen, Hungen, Grünberg, Allendorf a. d. Lda. und Lollar statt.

NG.-Lehrerbund,Kreis Wetterau.

Fachschaft körperliche Erziehung.

Arbeitsgemeinschaft Knabenturnen.

1. Arbeitsgemeinschaft für Knabenturnen am Mittwoch, 26. Januar, 15:30 Uhr, in der Neuen Pestalozzischule. Wintergerätewettkämpfe und Spiele. Der neue Turnlehrplan (II. Stufe, 10. bis 14. Le­bensjahr).

2. Durch Freundschaftsspiele soll der Spielbetrieb neben dem Wintergeräteturnen gepflegt werden. Eine Zusammenstellung der ausgetragenen Spiele erbittet der Sachbearbeiter am Ende des Schul­jahres.

ZM.-Untergau 116, Gießen.

Dienstbefehl!

Betr.: Freiwillige Sportdienst - gruppe R o lIf ch uh l a u f".

Heute, 25. Januar, treten alle Jungmädel, die sich zu der Freiwilligen SportdienstgruppeRollschuh-

daher beauftragt, das Land zu bereisen und über diese Frage ein Gutachten zu erstatten. Es handelte sich zweifelsfrei um reine Maul- und Klauenseuche, aber von einem so bösartigen Charakter, daß in gar manchem Bauernhof mit zwanzig und mehr Rindern alle Stücke hinweg- gerafft worden waren.

Nach einem von Professor Ernst (München) er­mittelten Verfahren wurde zwar dem tödlichen Ver­lauf der Krankheit vorgebeugt, aber gegen ihre Ausbreitung gibt es heute noch kein Mittel. Für die Verschleppung der Seuche in benachbarte Ge­höfte kommen außer den Menschen hauptsächlich die Katzen in Frage; aber die Seuchenoerbreitung nach entlegenen Ortschaften und über ganze Länder erklärt sich nur aus dem Wandertrieb derRatten, die endlich als die allergefährlich st en Keimträger erkannt werden sollten.

Im August ,1937 ereignete sich der Seuchenein­bruch vom Elsaß nach Baden, und anschließend folgten weitere Fälle längs der Westgrenze des Reiches bis zur See. Am 1. September waren 7 Gehöfte verseucht, am 1. Oktober 199 und einen Monat später 2510, zur Jahreswende 7771 und Mitte Januar 1938 9268. Es fällt auf, daß die Verschleppung der Seuche außergewöhnlich rasch abläuft, obwohl die Unterdrückungsmaßnahmen mit besonderer Umsicht gehandhabt werden. Der Er­reger soll sehr flüchtig fein. Wenn auch feine Eigen­schaften zeitig wechseln, so ist doch die rasche Aus­breitung in der Hauptsache von äußeren Umständen abhängig und zwanglos zu erklären. In den beiden letzten Jahren haben sich die Ratten außer- geryöhnlich stark vermehrt und den Boden für die Ausbreitung der Aphthenseuche verhängnis­voll vorbereitet. Diesen Faktor hat man bei der Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche bisher überhaupt nicht gekannt.

Nach umsichtiger Schätzung wird der alltägliche Rattenschaden im Reich auf 1,3 Millionen Mark beziffert. Die durch Uebertragung ri» Krankheiten des Menschen und der Haustiere verursachten über­aus hohen Verluste lassen sich nicht erfassen, und sind hier nicht in Rechnung gestellt.

lauf" gemeldet haben, zum Uebungsnachmittag in der Turnhalle des VfB.-Reichsbahn, von 16 bis 17 Uhr, an. Bei evtl. Verhindertsein ist unbe­dingt vorher bei der Uebungsleiterin zu ent­schuldigen.

Die Kampflieder der Bewegung.

helft die Geschichte ihrer Entstehung erforschen.

DNB. Die Reichspressestelle der NSDAP, ver­öffentlicht folgenden Aufruf des Hauptarchivs der NSDAP.:

Helft die Geschichte des Kampfliedes der Be­wegung zu erforschen! Ein Notenblatt, nie gelesen und vergilbend im Schreibtisch, kann hier lebendige Quelle sein und beweisendes Dokument werden. Ein Liederheftchen, in der Hand des einzelnen ein be­langloser Besitz, kann den wertvollen letzten Stein bilden im Gesamtbau einer quellenkundlichen Arbeit.

Das Hauptarchiv der NSDAP. München sucht Liedertexte, Liederkarten, Noten- und Textblätter aus der Kampfzeit, herausgegeben von einzelnen Stürmen und Ortsgruppen, das Liederbuch der NSDAP., 2. bis 32. Auflage, im Handel nicht mehr erhältlich, Schallplatten von Liedern und Märschen aus der Kampfzeit. Gesucht werden ferner^ngaben über uybekannt gebliebene Verfasser von Melodien und Texten, Berichte aus der Kampfzeit über Ent­stehen und erstes Singen des Kampfliedes.

Goethe-Bund.

Wilhelm Müseler:

Geist und Antlitz deutscher Epochen.

In einem vom Goethe-Bund, dem Kaufmänni­schen Verein und der Volksbildungsstätte der NS.- GemeinschaftKraft durch Freude" veranstalteten Lichtbildervortrag in der Neuen Aula sprach gestern abend Wilhelm Müseler, Verfasser der in hoher Auflage verbreitetenDeutschen Kunst im Wandel der Zeiten", über (Seift und Antlitz deut­scher Epochen. Müseler baute seine von einem reichen, geschickt ausgewählten und ausgezeichnet wiedergegebenen Anschauungsmaterial unterstützte Betrachtung auf der Deutung und Gegenüberstel­lung der beiden großen Kultur- und Erlebniskreise des Romanischen und des Gotischen in der Ge­schichte der deutschen Kunst auf. Ausgehend von einer Darlegung der Begriffe des Volks- und Zeit­stiles, wie er sich aus dem Lebensgefühl und der Weltanschauung einer Epoche natürlich entwickelt und ablesen läßt, gab der Vortragende zunächst einen allgemein geschichtlichen und kulturgeschicht­lichen Ueberblick über die romanische Zeit, die mit der Blütezeit des deutschen Kaisertums zusawmen- fällt. Daß apch das Romanische, dem irreführenden Namen zum Trotz, ein rein deutscher Stil ist, zeigte bann die Betrachtung und Gegenüberstellung cha­rakteristischer Werke der Epoche im einzelnen, wo­bei mit gutem Grunde auch die Parallelen zur gleichzeitigen Dichtkunst wie zur politischen Ge­schichte und ständischen Gliederung, soweit sie auf die Stilbildung als Ausdruck von Welt- und Le­bensgefühl Einfluß hatten, in den Kreis der Be­trachtung gezogen wurden. Der ritterlich-männliche Grundzug des romanischen Stiles wurde entwickelt an einem ausgebreiteten Bildmaterial zunächst aus der romanischen Baukunst, vor allem an den maß­gebenden und charakteristischen Beispielen eines mo­numentalen Kirchenbaustils; hier konnte das im Romanischen sich äußernde Raumgefühl gezeigt werden, die Auffassung der Kirche als der Burg Gottes, die Spiegelung des mittelalterlichen Zen­tralproblems der Auseinandersetzung zwischen welt­licher und kirchlicher Macht. Sehr bemerkenswerte Gesichtspunkte im gleichen Sinne ergab tue Be­trachtung der romanischen Plastik, der Stilmerk- male etwa der bedeutenden Christus-, Apostel-, Kai­ser- und Stifterfiguren der Zeit. Der Vortragende war allenthalben sichtlich bemüht, den immerhin nicht einfachen Stoff so klar, anschaulich, voraus­setzungslos und allgemeinverständlich wie möglich

darzubieten; vielleicht hätten gewisse, unumgäng­liche Fachbegriffe, die möglicherweise nicht jedem Hörer ohne weiteres gegenwärtig waren wie etwa Vierung, Lettner und Kapitell im Vor­übergehen und mit entsprechenden Hinweisen auf bas Bild kurz erläutert werden können. Im übrigen war die Heranziehung zahlreicher großer Detail­aufnahmen sehr förderlich und zu begrüßen: sie ließen Stilelemente, Unterschiede und Beziehungen mit erfreulicher Deutlichkeit erkennen. Es konnte auch in diesem Ueberblick, der Standardwerke mit minder bekannten, aber nicht weniger typischen Ar­beiten zusammenstellte, eingegangen werden auf das Verhältnis von Architektur und Plastik, auf Ent­wicklung und Einflüsse (Byzanz), auf die sich anbahnenden Uebergänge zum Gotischen hin, puf die Abweichungen von Auffassung und Stil in der außerdeutschen Kunst. Nachdrücklich und immer wie­der betont und herausgearbeitet wurde in der Ge­samtdarstellung der Epoche und in allen Einzelzügen, wie der Stil der romanischen Zeit dem Lebensgefühl und dem Geist eines großen deutschen Zeitalters ent­sprang und entsprach.

Nach einer kurzen Pause deutete der Vortragende, unter den gleichen Gesichtspunkten und mit einem ebenfalls außerordentlich reichen und schönen Bild­material, die Kunst der Gotik als Ausdruck und Erlebnis der Zeit etwa von 1250 ab, dabei von Anfang an darauf bedacht, die Gegensätze nicht der Qualität, sondern des Stils und der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten zum Romanischen aus einer grundsätzlichen Wandlung des deutschen Le­bensgefühls erkennbar und begreiflich zu machen, wobei die häufige Heranziehung zuvor bereits ge­zeigter Werke des romanischen Kreises zum Ver­gleich überaus lehrreich war. Die überwiegend ganz hervorragenden Aufnahmen sprachen großenteils schon für sich selbst. Müseler betonte für die Ent­wicklung vom Romanischen zum Gotischen vor­nehmlich den wachsenden und immer mehr über­hand nehmenden Einfluß der Kirche, den neu er­wachenden Sinn für Realistik, die Auffassung und Darstellung des Schmerzes, des körperlichen Lei­dens und der Klage, wie sie sich beispielsweise in den Kruzifixusplastiken, den Marien- und Vesper­bildern und Beweinungen zu erkennen geben. Der bei aller gebotenen Zusammenfassung des Ueberblicks und der Einzeldarstellung recht ausführ­liche, klare, vielfältig aufschlußreiche und anregende Vortrag fand die ungeteilte Aufmerksamkeit und wohlverdienten Beifall einer zahlreichen Hörerschaft.

Hans Thyriot.

Rudolf Alexander Schröder 60 Jahre all.

Am 26. Januar 1878 erblickte Rudolf Alexander Schröderdas Licht der Welt und der Kind­heit" in der alten Hansestadt Bremen in einer der vielen, engen, hochgiebligen Straßen. Von seinem äußeren Leben ist wenig bekannt geworden. Um die Jahrhundertwende gehörte er zu den Begrün­dern der ,J n s e l', aus der der Insel-Verlag her- oorgegangen ist. Früh beschäftigte er sich mit frem­den Literaturen; u. a. veröffentlichte er wertvolle Neuübertragungen von Homers Odyssee, Vergils Georgika, Ciceros Reden und Catos Rede über das Greisenalter. Zu nennen sind noch die von ihm übersetzten Gedichte des flämischen Lyrikers Gezelle.

Natürlich blieb diese Beschäftigung nicht ohne Ein­wirkung auf Schröders eigene Arbeiten, denen man die Läuterung durch antike Form und Sprache an­merkt; man lese in der SammlungElysium", die­sem ergreifenden Klagelied, die Verse:

Alle Träume, die entschwunden waren, Kehren wieder, kehren immer wieder;

Und es kommen mit den holden Scharen, Auf dem stillen Flusse alle Lieder.

Doll ist nun mein Wald von Nachtigallen, Die nur einen Namen immer fingen.

Mit den Träumen, mit den Liedern allen, Kann ich, Seele, dich nicht zu mir bringen.

Wie deutsch des Dichters . Wesen ist, bezeugen seine bereits vor dem Weltkriege erschienenen Deutschen Ode n". Mit ruhigen, doch sehr ein­dringlichen Worten tadelt er Untugenden und hebt das Gute heraus. Er nennt DeutschlandVölker- Herz, Urland und Stammland und Europens heili­ger, götterbesuchter Herdraum", warnt vor geistlosem Getändel und vor Ueberschätzung alles Fremden, tritt ein für die Würde der Mutterschaft und mahnt die Jungen:

Vergeßt euch selber? Lernet Bescheidenheit, Lernt, daß nicht Fordern, sondern Gehorchen frommt!

Euch wägt nicht Eigenlob und Tadel, Sondern die allen gemeine Notdurft.

An anderer Stelle fragt er:Habt ihr stets das Eure über gemeinsamer Not vergessen?"

Sendet darum alles, was hier gebraucht wird, an das Hauptarchiv der NSDAP., Abteilung IV b. 1, München 33, Barerstraße 15/4."

Vtt-Nummernschilder anbringen.

Letzte Frist

für kraflfahrzeugbesiher aus dem kreise Gießen.

Die Aufforderungen an die Kraftfahrzeugbesitzer zur Umnummerierung ihrer Kennzeichen von Vo­rn V H sind ergangen. Mit dem 31. Januar 1 9 3 8 so teilt uns das Kreisamt Gießen mit muß die Umnummerierung beendigt sein. Kraftfahrzeuge, die nach diesem Termin noch benutzt werden, ohne daß ihre Kennzeichen vor­schriftsmäßig geändert sind und der zugehörige Kraftfahrzeugschein amtlich berichtigt ist, werden aus dem Vorkehr gezogen. Außerdem haben die Säumigen Bestrafung zu erwarten.

Zweifel bei der Feiertagsbezahlung.

Der Reichstreuhänder gibt Auskunft.

Fwd. Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen, Dr. S ch m e l t e, teilt mit: Meinem Amte wurden eine Reihe von Fällen be­kannt, in denen in einzelnen Betrieben Zweifel dar­über entstanden sind, ob und in welchem Umfange die Anordnung zur Durchführung des Vierjahres-

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planes über die Lohnzahlung an Feiertagen vom 3. Dezember 1937 zur Anwendung kommt. Insbe­sondere sind über die Höhe der Berechnung der Be­zahlung Unklarheiten entstanden. Ich nehme daher Veranlassung, Betriebsführer und Gefolgschaftsmit­glieder darauf hinzuweisen, sich zur Klärung solcher Zweifelsfällr und zur Vermeidung von Arbeits­gerichtsprozessen sofort an mein Amt, Frankfurt am Main, Moselstraße 62, zu wenden.

Unsere 116er bringen Massenszenen ausWallensteins Lager".

Bei der Feier des 125jÜbrigen Bestehens unseres Infanterie-Regimentes 116, die wie wir gestern bereits berichteten vom 18. bis 20. Juni ftatt= finden wird, beabsichtigt das Regiment im Rahmen seiner großen Darbietungen auf dem Trieb eine Aufführung von Massenszenen ausWallensteins Lager", die wirkungsvolle Bilder bringen soll. Außerdem wird, wie im Vorjahr, auch diesmal wieder ein großes Wehrsportfest des Regiments die sportliche Leistungsfähiakeit unserer Infanteristen unter Beweis stellen. Sie von auswärts und aus der Stadt Gießen als Besucher erwarteten alten 116er wird es noch besonders interessieren, daß die Feier am Samstag, dem Vorabend des Haupt­tages, eine Weihestunde am 116er-Denkmal bringen wird. Anschließend soll ein Kameradschaftsabend in der Volkshalle folgen. Der Sonntag wird voraus­sichtlich eine Paradeaufstellung des Regiments, außerdem die gewohnte Kasernenbesichtigung, ferner gemeinsames Essen aus der Feldküche bringen.

Artillerie-Scharfschießen am Gleiberg.

Am kommenden Freitag, 2 8. Januar, wird unsere Gießener III. Abteilung/Artillerie-Regiment 9 in dem Gelände beim Gleiberg während der Zeit von etwa 9 bis 14 Uhr ihr Scharfschießen mit Uebungsmunition durchführen. Die Batterien werden 1,2 Kilometer südostwärts von der Kirche Gleiberg in Feuerstellung stehen und in Richtung nach dem Atzbacher Waldrand feuern. Das gefähr­dete Gelände wird in weitem Umkreis durch Posten

Rudolf Alexander Schröder blieb sich treu von feiner ersten Ode bis zu der kürzlich erschienenen Ballade vom Wandersmann" und gehört zu den deutschenWortverkündern". Was er in dem Buche Heilig Vaterland" den deutschen Kämpfern sagte, beherzigt auch er selbst:Das Diele fährt zu­grund; es bleibt das Eine!" Hans Sturm.

Schachpartie nach 22 Jahren beendet.

An einem der letzten Abende ging in Hüll in England eine Schachpartie zu Ende, die vor 22 Jahren begonnen wurde. Der Verlauf hing mit den damaligen weltgeschichtlichen Ereignissen zusammen. Begonnen wurde die Partie von zwei englischen Seeoffizieren, George MacNamee, der als "Lehrer an einer der großen englischen Schiffahrtsschulen wirkte, und dem Kommandanten James George Rogers. Sie wurde brieflich ausgetragen, wobei natürlich jeder der beiden Gegner die Züge auf fei­nem Schachbrett ausführte. MacNamee war am 26. Zuge, als er plötzlich auf fein Schiff, dieQueen Mary", zurückberufen wurde, die zum ersten Schlachtkreuzergeschwader be'r englischen Heimat­flotte gehörte und die in der Schlacht am Skagerrak mit 57 Offizieren, darunter MacNamee, und 1209 Mann Besatzung von der deutschen Flotte versenkt wurde. Sv war Rogers, der gleichfalls am Kriege teilgenommen hatte, feines Mitspielers beraubt, aber er trat nach dem Friedensschluß mit der Fa­milie MacNamees, dessen Anschrift ihm verloren* gegangen war, in Verbindung und fragte, ob nicht eins ihrer Mitglieder die Partie zu Ende spielen wollte. Damals war kein Gegner vorhanden, aber als die Tochter des gefallenen Seeoffiziers, Miß Ellen MacNamee, heranwuchs, beschäftigte sie sich eifrig mit Schach und studierte genau die angetan» gene Partie. Vor einigen Tagen fuhr sie von Lon­don, wo sie wohnt, nach Hüll,' begab sich zu Rogers und führte einen Zug aus, der mit einem Schlage den Gegner in Schwierigkeiten brachte. Rogers ver­brachte Stunden damit, die Lage zu prüfen, dann erklärte er der jungen Dame, daß sie die würdige Tochter ihres Vaters fei, und gab die Partie auf. Die gute Schachspielerin aber fuhr befriedigt nach London zurück, wo sie in einem großen Hotel den Fernsprecher zu bedienen hat.

Hockschulnachrichten.

Der nb. ao. Professor Dr. Wilhelm Engel an der Universität Berlin wurde zum Ordinarius für mittlere Geschichte an der Universität Würz­burg ernannt.