Gründen verschoben wurde, ist nunmehr endgültig für kommenden Mittwoch, 26. Oktober, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht wiederum der P rote st gegen die neuen litauischen Staatsschutzgesetze, die für das Memelgebiet nur eine Verewigung des statutwidrigen Kriegszustandes bedeuten würden. Es ist damit zu rechnen, daß der Landtag am Mittwoch auch gegen die neuenDetomaßnahmendeslitauifchen Gouverneurs Stellung nehmen wird. Der Gouverneur hat nämlich dem Direktorium des Memelgebietes mitgeteilt, daß er gegen die am 6. Oktober vom memelländischen Landtag dringlich erlassenen Gesetze zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Memelgebiet und über die selbständige Ausübung eines Handwerks als stehendes Gewerbe rm Memelgebiet sein Veto aus den gleichen Gründen wie am 25. Juni bzw. 6. August d. I. einlegt.
Oie Bocca-Tigris-Foris genommen.
Tokio, 24. Okt. (DNB. Funkspruch.) Das japanische Oberkommando meldet, daß die japanischen Marinetruppen nach heftigen Kämpfen die Bocca- Tigris-Forts zu beiden Seiten des Perl-Flusses eingenommen hätten. Die japanischen Marinetruppen seien bei ihrem Vorgehen wirkungsvoll von der japanischen Schiffsartillerie und von Marinefliegern unterstützt worden.
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lieber den Aufenthaltsort des Marschalls Tschiangkaischek herrscht in Honakong nach wie vor Rätselraten, nachdem von chinesischer Seite in Abrede gestellt wurde, Tschiangkaischek halte sich in Hongkong auf, um hier mit dem englischen Botschafter Sir Archibald Kerr über einen englischen Vermittlungsschritt zur Beendigung der Streitigkeiten zu beraten. Die Stellung Tschiangkaischeks scheint nach den Ereignisien der letzten Tage immer mehr gefährdet zu sein. Dies geht auch deutlich aus einer Aeußerung des radikal japanfeindlichen südchinesischen Politikers, Eugen T s ch e n, hervor, der Tschiangkaischek offen des Landesverrates beschuldigte und seinen sofortigen Rücktritt verlangte, andernfalls sich das chinesische Volk selbst einen neuen Führer auserwählen müsse.
Die „News Chronicle" meldet aus Schanghai, daß Tschiangkaischek seinen Rücktritt unter der Be- dinguna beschlossen habe, daß eine neue Regierung unter oer Führung Wangtschingweis, den früheren Präsidenten des Zentralpolitischen Rates, gebildet werden könne.
„Daily Mail" redet heute den Chinesen zu, doch endlich Frieden zu machen. Vor neun Monaten hätten die Japaner ihre Bedingungen bekannt- gegeben, unter denen sie bereit seien, zu verhandeln. Tschiangkaischek habe sich damals glatt geweigert, diese Bedingungen anzunehmen. Alle Vermittlungsversuche seien ergebnislos verlaufen. All das sollte China doch endlich davon überzeugen, daß es o o n Europä und Amerika nichts anderes mehr erhoffen könne als Sympathie. Die chinesische Staatsführung müsse jetzt einsehen, daß es vernünftiger sei, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um den Opfern ein Ende zu setzen.
Llngarisch-Wechischer Rotenwechsel.
Ein ungarischer Gegenvorschlag in Prag überreicht.
Budapest, 24. Okt. (DNB.) Die ungarische Regierung hat den in der Nacht zum Sonntag hier emgetroffenen sogenannten vierten Lösungsplan der Prager Regierung für unannehmbar erklärt, da er den ethnographischen Prinzipien im Sinne der Münchener Viermächteeinigung nicht Rechnung trage. Dieser Plan könne von Ungarn nur dann als Derhandlungsgrundlage angesehen werden, wenn die tschecho-slowakische Regierung die Abtretung auch der größeren von einer ungarischen Mehrheit bewohnten Städte an Ungarn nicht länger aus strategischen, verkehrspoliti- schen bzw. wirtschaftlichen Gründen verweigere. Es handelt sich dabei vor allem um die Städte Preßburg, Neutra, Kaschau, Ungvor (Uzhorod) und Munkacs. Die ungarischen Gegenvorschläge würden mit größtem Nachdruck betonen, Ungarn sei unter keinen Umständen bereit, vom volkskundlichen Grundsatz abzugehen. Um so weniger als auch Ungarn ein Opfer auf sich nehme, da es auf das Prinzip der h i st o r i s ch e n Grenzen verzichtet und auch seinerseits sich bereit erklärt habe, seine neuen Grenzen nach dem volkskundlichen Grundsatz au bestimmen. Dabei müsse aber Ungarn darauf beharren, daß die volkskundliche Grundlage ohne Vorbehalt und in jeder Hinsicht zur Geltung gebracht werde. Die ungarische Regierung fordere nunmehr den raschesten Abschluß der diplomatischen Besprechungen und die unverzügliche Anerkennung der berechtigten ungarischen Ansprüche.
Ministerpräsident Jmredy, Außenminister v. Kanya und Kultusminister Teleki haben Sonntognachmit- tag die Antwortnote an Prag ausgearbeitet und in den späten Abendstunden durch einen Sonderkurier abgeschickt. Die Antwortnote wird der ungarische Gesandte von Wettstein am Montagoormittag dem tschecho-slowakischen Außenminister überreichen.
Die Deutschen in der Karpatho-Maine.
Uzhorod, 24. Okt. (DNB.) Die autonome Regierung der Karpatho-Ukraine will der deutschen Volksgruppe der Karpatho-Ukraine ein für alle deutschen Belange zuständiges Staatssekretariat emrichten mit der Befugnis v o l l e r S e l b st- verwaltung des Schul- und Kulturwesens und weitgehender Betreuung der Deutschen aus wirtschaftlichem und sozialem Gebiet. \
Mehrere tausend Deutsche aus Munkacz und 20 umliegenden Gemeinden versammelten sich in U3borob zu einer großen Kundgebung, die in vor- budlicher Disziplin verlief und mit einer Treue- kundgebung für Heimat und Adolf Hitler unter dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes abgeschlossen wurde. Landschastsleiter Hauptmann a. D. K a r ft e n machte die Mitteilung, daß die Deutschen der Karpatho-Ukraine, etwa 20 000 an der Zahl in der Deutschen Partei zusammengeschlossen seien. Der ukrainische Bezirksobmann K o m a r i n s k i und Vertreter der Regierung sowie des ukrai- Nischen Nationalrates brachten herzliche Wunsche der ukrainischen Bevölkerung zum Aus- druck. Der neuernannte Inspektor für das deutsche Schul- und Kulturwesen, Thomas, sprach über
den bisherigen Schulkampf und die Kulturwerte des Deutschtums. Von dem Bezirkswalter der Deutschen Partei Biehal wurde auf die kommenden Aufgaben der deutschen Volksgruppe in der Karpatho- Ukraine nach Zuerkennung der Selbstverwaltung hingewiesen. Die Pflicht jedes Deutschen fei es, m nationalsozialistischem Geist in der Volksgemeinschaft seinen Mann zu stellen und durch friedliche Zusammenarbeit mit den anderen Volksgruppen zum Frieden beizutragen.
Oie neue Polizeiorganisation
im Sudetenlande.
Befehlshaber der Sicherheitspolizei unterstehen die Staatspolizeistellen und die Außenstellen der Reichskriminalpolizei. In Reichenberg ist eine Staatspolizei-Leitstelle, in Karlsbad und Troppau je eine Staatspolizeistelle errichtet worden.
Oie Wehrmacht dankt der NSD.
Berlin, 22. Okt. (DNB.) Hauptamtsleiter H i l g e n f e l d t ging vom Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, ein Schreiben zu, in dem es heißt: Die NSV. hat die fudetendeutfchen Flüchtlinge in ihre treue Obhut genommen, sie versorgt und sie dann wieder in ihre
Heimat zurückgeleitet. Sie hat ferner durch ihre hinter den vordersten Truppen einrückenden Kolon-
NSV. auch dem letzten Volksgenossen ein Ansporn sein, sie stets nach Kräften zu unterstützen. Ihnen, Ihren Mitarbeitern und allen Ihren Helfern gilt mein herzlicher Dank.
Berlin, 22. Okt. (DNB.) Mit der Uebernahme der Ziviloerwaltung im Sudetenland durch den
I gäbe der Betreuung der Bevölkerung weiter er- leichtert. Möge diese segensreiche Tätigkeit der
der Ziviloerwaltung im jöuoetemano ourcg uen nen mit Verpflegung und Bekleidung die Not der Reichskommlssar HenlelN lst die Sorge der Ordnung Bevölkerung rasch und tatkräftig lindern helfen, und Sicherheit IM Sud-t-nlande IN die Hande Bie NSV. hat sich damit in ihrer Gesamtheit als d ° r Pol lze. überlangen. Sei d» Dienststelle ^„rüstiger Künder n a t i o n a l s ° z i a . des Rerchskommlssars sind zur Wahrnehmung ber r. . f ' nnferbereitfdiaft erneut be- polizeilichen Aufgaben zum Befehlshaber' ^er Ord-! und die mir vom Führer übertragene Auf- nungspolrzel der Generalmajor der Ordnungspolizei । - — - ■ ~
Pfeffer-Wildenbruch und 5 bober der Sicherheitspolizei der ^-Oberführer Oberregierungsrat Jost ernannt worden. Dem Befehlshaber der Ordnungspolizei unterstehen in den drei künftigen Regierungsbezirken Troppau, Aussig und Kar ls bad die zuständigen Abschnittskommandeure der Ordnungspolizei. Dem
Grundzüge der neuen tschecho-slowakischen Verfassung.
Prag, 23. Okt. (DNB.) Die „Narvdni Listy" veröffenttichen die Grundzüge der neuen Verfassung. Strittig ist noch die offizielle Bezeichnung der Republik. Wahrscheinlich wird das Beispiel der Serben, Kroaten und Slowenen zum Muster genommen werden, die gemeinsam den jugoslawischen Staat gebildet haben. Es wird erwogen, statt des langen Namens „Tschecho-Slo-wakifch- Karpathorussische Republik" die Bezeichnung „M i t - telflaroien" oder „W estslawien" zu wählen. Die Teilung der Staatsgewalt in vollziehende, gesetzgebende und rechtsprechende Gewalt bleibt ebenso aufrechterhalten wie das par- lamentgrische Regime aus der Grundlage des allgemeinen Stimmrechts und der Grundideen der Demokratie. Träger der Regienungs- und Vollzugsgewalt bleiben der Präsident der Republik und die Regierung. Der Präsident soll ein Vetorecht gegenüber Beschlüssen des Parlaments und ein Notverordnungsrecht für Zeiten eines parlamentarischen Interregnums erhalten. Der Präsident wird wie bisher von der Nattonaloersammlung gewählt.
Die Regierung wird sich zusammensehen aus dem Ministerpräsidenten, den Stellvertretern des Ministerpräsidenten, den drei gemeinsamen Ministern (für das Aeußere, die Nationalverteidigung, die gemeinsamen Finanzen), acht Ministern für das Böhmisch-Mährische Land, fünf Ministern für die Slowakei und drei Ministern für Karpatho-Rußland. Die böhmisch-mährische Regierung wird über die Verwaltung der Landesangelegenheiten hinaus gewisse gesamtstaatliche Kompetenzen Haven. So wird ihr die Aufgabe zufallen, im Einvernehmen mit den slowakischen und den karpatho-russischen Ministern Gesetzanträge für das Zentralparlament vor- zubereiten, das neben den gesetzgebenden Körper
schaften für das Böhmisch-Mährische Land, für die Slowakei und für Karpatho-Rußland gemein- s a m geben wird. Dieses Parlament wird sich xu» sammensetzen aus 140 Mitgliedern des böhmischmährischen Parlaments, aus 50 Mitgliedern des slowakischen Parlaments und 10 Mitgliedern des karpatho-russischen Parlaments. — Damit die 60 Abgeordneten der Slowakei und Karpatho-Rußlands von den böhmisch-mährischen Abgeordneten nicht überstimmt werden können, wird eine zweite Kammer (Senat) errichtet, die aus 24 Mitgliedern besteht. Von diesen werden je acht auf jedes Land entfallen. Zwei Drittel der Senatoren werden von den Landesparlamenten gewählt, ein Drittel vom Präsidenten der Republik ernannt. Der Senat kann gegen Gesetze, die vom Abgeordnetenhaus beschlossen wurden, Widerspruch erheben. Beharrt das Abgeordnetenhaus auf seinem Beschluß, so entscheidet der Präsident der Republik, indem er den neuerlichen Beschluß des Abgeordnetenhauses unterzeichnet, wodurch dieser zum Gesetz erhoben wird, oder den Gesetzentwurf zur neuerlichen Ausarbeitung zurückgibt.
Die Wahlordnung wird wesentliche Abweichungen vom jetzigen Recht aufweisen. Das Listenwahlrecht wird aufgehoben. Die Abgeordneten werden einzeln in Wahlkreisen nach dem Mehrheitsgrundsatz gewählt. Auf 60 000 bis 80 000 Einwohner kommt ein Mandat. Der Wähler wird fernen Stimmzettel für einen Kandidaten und nicht mehr für eine Partei abgeben. Das Oberste Gericht, das Oberste Verwaltungsgericht und das Oberste Militärgericht werden für den ganzen Staat gemeinsam sein. Der Sitz eines dieser obersten Tribunale wird Preßburg sein. — Diese Veröffentlichung ist erst ein erster Entwurf, der sicher noch manche Aenderung erfahren wird.
Leichter Rechtsruck bei den Genatswahlen in Frankreich.
Paris, 24. Okt. (DNB.) Am Sonntag fanden in ganz Frankreich Nachwahlen zum Senat statt. Nach einer vom Innenministerium ausgegebenen abschließenden Uebersicht über das Wahlergebnis ergibt sich folgendes Bild: Rechtsrepublikaner 27 (+ 9), Linksrepublikaner 10 (—), Unabhängige Radikale 9 (—1), Radikalsoziale 41 (—6), Republikanische Sozialisten 4 (—4), Sozialistisch-Republikanische Vereinigung 2 (+1), Sozialdemokraten 4 (+ 1). Die kommunistischen Kandidaten wurden überall geschlagen. Die Sozialdemokraten haben einen ihrer bisherigen Sitze verloren, dafür aber durch den Bürgermeister von Marseille, Tasso, und den ehemaligen Innenminister Dormoy zwei neue erobert, im ganzen also einen Sitz im Senat mehr als bisher. Die Sozialistisch-Republikanische Vereinigung hat die beiden Sitze wieder gewonnen, die sie durch den Austritt zweier Senatoren aus ihrer Grupve eingebüßt hatte. Diese beiden Senatoren, die sich seit der Absplitterung als Unabhängige Sozialdemokraten bezeichneten, wurden geschlagen. Da sich zwischen diesen beiden Gruppen Gewinn und Verlust ausgleicht, ist auf der Linken lediglich der eine von den Sozialdemokraten gewonnene Sih als Plus zu verbuchen. Bezeichnenderweise sind in den meisten Fällen, in denen volksfrontfreundliche radikalsoziale Kandidaten gegen ihre eigenen Parteifreunde, die von der Volksfront nichts mehr wissen wollten, aufgestellt worden waren, letztere gewählt worden.
Die Rechtspresse verzeichnet mit größter Genugtuung einen Sieg der nationalen Parteien gegen
die sozialdemokratischen Feinde des Senats. So schreibt die nationalistische „Epoque", die Volksfront habe keine Wirkung gehabt, die Nadikalsozialen der Volksfront seien überall geschlagen worden. Der „Jour" unterstreicht den Mißerfolg derjenigen maßgebenden Senatoren, die seinerzeit das Kabinett Blum unterstützt haben und sagt, der gesunde Menschenverstand der Franzosen habe dem Marxismus gegenüber einen unüberwindlichen Wall errichtet. Das „Journal" hebt hervor, daß von den zwölf Senatoren. die im April d. I. bereit waren, Leon Blum Sondervollmachten zuzubilligen, nur fünf wieder gewählt worden frnb. Das „Petit Journal" de la Rocques fragt, ob das Ergebnis der Senatswahlen einen Einfluß auf den Radikal- sozialen Parteitag haben werde, zumal die Wahl gezeigt hätte, daß die Radikalsozialen aufhören müßten, sich allzusehr nach links hin auszurichten. Das „Ordre" meint, daß die Wahlmänner für. bie Außenpolitik der Regierung gleichzeitig' aber gegen d i e Innenpolitik der voran- gegangenen Kabinette gestimmt hätten. Die links- radikale „Ere Nouvelle" erklärt, daß die Senats- wähl den festen Willen des Landes zum Ausdruck bringe, mit der Demagogie von 19 3 6 Schluß z u machen. Das Blatt fordert im übrigen auf Grund des Wahlergebnisses soforttge Auflösung der.Kammer und Neuwahlen. Der gleichen Ansicht ist auch der „Mattn". Der sozialdemokratische „Populair" unterstreiecht den Sieg des ehemaligen Innenministers Dormoy über den radikalsozialen Senator Regnier, der als unversöhnlicher Gegner der Volksfront bekannt war.
Deutschland und Frankreich ergänzen sich auf dem Weltmarkt.
Ein Gespräch mit RrichewirtschastSminister Funk.
Paris, 22. DEL (DNB.) Der „Paris Midi" veröffentlicht eine Unterredung, die Reichswirtschaftsminister Funk mit dem Berliner Vertreter des Blattes hatte. Man sei zuerst auf die Frage des Warenaustausches zwischen Deutschland und Südosteuropa gekommen. Der Minister er= Harte, gerade in den Gebieten Südosteuropas sei alles das im Ueberfluß vorhanden, was in Deutschland f e h l e. Schon die Landwirtschaftsprodukte des Südostens eröffneten einen beachtlichen Markt. An anderen Rohstoffen, wie Eisenerz, Kupfer usw. werde das Reich bei weitem genug haben, um seinen unmittelbaren Bedarf zu decken, vorausgesetzt, daß man Deutschland an der Ausbeutung dieser unerschöpflichen Quellen teilnehmen lasse. Deutschland biete zum Ausgleich die Erzeugnisse seiner hochentwickelten Industrie, die sich mit iliren Fabrikaten neuen Weltruhm geschaffen habe.
Der Berichterstatter leitete bann das Gespräch
auf bie Gestaltung ber Wirtschaftsbeziehungen Zwischen Deutschlanb und England und Frankreich. Der Minister habe bemerkt, daß es für das Reich keinen anderen Wunsch geben könne, als mit diesen Ländern zufammenzu- arbeiten. Deutschland habe keineswegs bie Absicht, biegen Ländern irgendwelche wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Weg xu stellen. „Wie sollten übrigens', so fuhr ber Minister bann fort, „unsere Interessen im Sübosten aufeinanderstoßen können? Ist es nicht burch die Ziffern erwiesen, baß ber französische unb englische Handel im Balkan und in Mitteleuropa praktisch — ich unterstreiche praktisch — nicht gegen den deutschen Handel kämpfen können? Wir fürchten auch keineswegs den Abschluß eines Handelsabkommens zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir sind weit davon entfernt, zu behaupten, daß ein derartiger Vertrag mit den von
Das deutsch-englische Verhältnis
uns empfohlenen Mechoden unvereinbar wäre. würden einem solchen Vertrag sogar sehr gut beitreten können."
Der Reichswirffchaftsminister Funk habe ferner mit aller Bestimmtheit erklärt, daß sich Deutsch, land und Frankreich auf dem Weltmarkt nur ergänzen können. Das französische Eisen, erz, die französischen Landwirtschaftserzeuanisse und Luxusarttkel sowie bie beutsche Kohle unb die chenü. schen unb pharmazeutischen Erzeugnisse bes Reiches würben als Grunblage bereits genügen. Der Mini, fter fragte: „Sollte es nicht z. B. ein Mittel geben um einen Teil Europas mit einem großen Netz von Autostraßen zu versehen?" Deutschland werbe immer bereit sein, den Arbeitsfaktor hierfür zu liefern. Gerabe mit unseren Arbeitsmöglichkeiten werbe man viele Dinge unternehmen können; vor. ausgesetzt Natürlich, baß man in einer gesun- ben Atmosphäre unb fr ei von politj, schen Unsicherheiten lebe. Auf jeden Fall verlange Deutschlanb nichts anberes als mit aller Welt im Interesse ber ganzen Wett si ch zu ver- st ä n b i g e n. Zum Schluß trat ber Reichsminister ber Auffassung entgegen, daß bie Kolonialfrage auf wirtschaftliches Gebiet verlegt werden könne. Für Deutschlanb sei bas Kolonialproblem vor allem anderen eine Frage des Ansehens und der Ehre.
Oer franzö iscke Oiptomatenschub.
Paris, 22. Okt. (DNB.) Man erfährt aus gut unterrichteten Kreisen, daß ber jetzige französisch, Botschafter in Barcelona, L a b o n n e, zum Gene, ralresidenten in Tunis ernannt morgen fei; an Stelle Labonnes gehe ber augenblickliche Kabinetts, chef bes französischen Außenministers, Jules Henry, als Botschafter nach Barcelona. Zum , Nachfolger bes Botschafters in Moskau, (Sou. I o n b r e, soll ber bisherige französische Botschafter in China, N a g g i a r, ernannt worben sein. An die Stelle bes ,zum Botschafter in Ankara ernannten bisherigen Direktors für politische Angelegenheiten im Quai d'Orsay, Massigli, tritt der jetzige stell- vertretende Direktor für politische Angelegenheiten, Chaveriat, dessen Posten wiederum der bis. herige Direktor für europäische Angelegenheiten, Rochat, übernehmen wird. Der frühere franzö. i fische Gesandte in Wien, Puaux, soll zum Ober- kommissar in Syrien ausersehen sein. Der bisherige Botschafter in Ankara, P o n s o t, hat die Alters- grenze erreicht. Der zum Nachfolger Comert's als Leiter der Presse- und Informationsabteilung des Quai d'Orsay bestimmte Pierre B r e s s y wird in seiner bisherigen Dienststellung als stellvertretender Direktor der Verwaltungsangelegenheiten durch Thierry abgelösL Von einer weiteren Derwen- düng des bisherigen Kommissars in Syrien, bt Märtel, ist bisher noch nicht die Rede.
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Wie kann das Münchener Abkommen fruchtbar gemacht werden?
London, 22. Okt. (DNB.) Lord Allen of Hurtwood sagt in einer Zuschrift an den Manchester Guardian, England müsse daran denken, wenn es heute den Frieden, wie manche behaupteten, mit „Unehre hätte kaufen" müssen, so deswegen, weil England selbst vor 20 Jahren einen ehrlosen Frieden diktiert habe. Wenn das deuts.he Volk unter dem Einfluß leidenschaftlicher Empfindungen stehe, so gehe das zum Teil auf bas xurikf, was die Alliierten in Versailles getan hätten, und noch mehr darauf, daß sie dieses Unrecht in ben folgenden Jahren nicht wieder gut gemacht hätten. Der Premierminister habe in München recht gehabt, als er sich geweigert habe, dieser Tragödie eine noch größere hinzuzufügen, nämlich die eines Weltkrieges im Namen ber Ehre. Der Premierminister habe sich ber Tatsache gegenüber- gesehen, baß das Kollektivsystem keine entsprechende Macht besessen habe, um einen Krieg zu verhindern. Entweder hätte er gegenüber unangebrachten Drohungen zugestehen müssen, als er wünschte, um ein zu lange ertragenes Hebel wieder gut zu machen, oder aber er hätte sich für ben Weltkrieg entscheiden müssen. Er, Lock» Allen, zweifele nicht daran, daß Adolf Hitler in diesem Augenblick das Risiko eines Krieges auf sch genommen hätte. Der Premierminister habe also recht gehandelt, wenn er sich gegen die schreckliche Katastrophe eines Krieges entschieden habe. Man müsse sich nun dazu durchringen, ben latenten Kon- flikt zwischen 75 Millionen Deutschen im Herzen Europas unb bem britischen Commonwealth zu b es e i t i g e n. Es sei babei Englands Sache, von sich aus wirtschaftliche unb koloniale Wiebe rgutmachung zur Erörterung xu stellen. England sei verpflichtet, jede Wiederherstellung ber Souveränität ober jede [Übergabe eines Man- bat es von einer enbgültigen Friedens- r e g e I u n g abhängig zu machen. Diese Regel"ng sollte bie Rüstungsbegrenzung und bie Be- Handlung ber Eingeborenen einschließen. Schließlich müsse Englanb sich barum bemühen, alle Länder in einen Völkerbunb zu bringen. Vielleicht werbe das bebeuten, baß man den Text der Satzung opfern müsse. Dann soll man es tun.
Englands Zug end für eine VerständWng.
London, 22. Okt. (Europapreß.) Auf die Bedeutung einer deutsch-englischen Verständigung wird von Studenten des Magdalen-College in Oxford in einem Brief an den Herausgeber ber „Yorkshire Post" hingewiesen, bie dem verstorbenen Schwiegervater des ehemaligen englischen Außenministers Eden gehört hat und auch heute noch als Sprach' rohr Edens gilt. In bem Brief wirb barauf hin' gewiesen, baß ber Grund für die Krise ber letzten Woche nicht etwa in bem Schicksal ber fubeten* beutschen Volksgruppe ober in bem „militaristischen" Deutschlanb zu suchen sei. Der Anlaß sei vielmehr einzig unb allein ber Versailler Vertrag- Das Abkommen von München sei nicht ein Verrat an ber Tschecho-Slowakei, es habe lediglich bie Re« Organisierung biefes Staates festgelegt, was auch Lorb Runciman empfohlen habe. Das Münchens Abkommen sei ber Beginn einer neuen EpaA internationaler Derha.iblungen und ein BeisPM' wie Streitfragen in Zukunft auf gerechte Weist geregelt werben können. „Die deutsch-englischen Ziehungen sind seit langer Zeit der Schlüssel fuk den Frieden in Europa gewesen. Es ist ein Fehler, nicht einzusehen, daß der Weltkrieg nur möglich war, weil es an dem guten Einvernehmen zwischen Deutschland und England fehlte. Die deutsch-eng' lische Freundschaftserklärung von München ist vPN der allergrößten Wichtigkeit,, man darf W
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