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24.10.1938
 
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Er. 249 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Montag, 24. Oktober 1938

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die Armee der deutschen Arbeit.

Deuischland wird künftig den besten Facharbeiter der Welt stellen.

Mehr Leistung - mehr Freude.

Dr. Ley

auf dem Leipziger Gauappell der DAF.

Leipzig, 24. Oktober. (DNB.) In der großen Feiechalle der Deutschen Arbeit auf dem Messege- lande zu Leipzig hatte die Gauwaltung der DAF. die Schaffenden zu einem G a u a p p e l 1 aufge­boten, der der fachlichen Ausrichtung der Wer k- scharen und Werkfrauengruppen galt. Reichsorganisationsleiter und Leiter der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley zeigte die Lage unseres Vol­kes angesichts der neuen Aufgabe. Den Mangel an Rohstoffen könne Deutschland bereits beheben.

Die Frage nach dem genügend großen Heer sch a ff enber Menschen sei ein Problem nicht des Geldes, sondern wie alles ein Problem des Wollens und der Kraft:Wir haben in den fünf fahren seit der Machtübernahme gezeigt, daß wir auf völlig neuem, revolutionären Wege mehr Leistung aus uns herausholen als je zuvor, und ich glaube fest daran, daß wir in we­nigen Jahren aller Welt in der schöpferischen Arbeit Mit voraus sein werden. Spornen wir das Sol­datische in unserem Volke an, so wird es Stiftungen vollbringen, wie sie die Welt noch nie gtiehen hat."

Der Reichsorganisationsleiter erklärte eine w e i t- fichtige Berufsplanung für notwendig. Air muffen heute schon wisien, welche Facharbeiter mir in 5 oder 6 Jahren brauchen.

Bereits im 7. Schuljahr müsse man bie tön f- llgen Facharbeiter erfassen, unb im 8. Schuljahr habe bie Lehrzeit einzufehen in Berbinbung mit bem Schulplan. Nach der Schulzeit müssen zwei Jahre genügen, am ben jungen Menschen zu einem Facharbei­ter zu machen. Darauf sehe bie B erufser-

I ziehung ein. Der Musterbetrieb von heute werde badurch besonbers gekennzeichnet, baß ber Betriebsführer seine Männer unb Frauen mit ben Fortschritten ber Technik vertraut macht unb ihnen Materialkunbe beibringt. Die Lehrwerkstätten, bie heute bie Zahl von 2600 gegen 80 bei ber Machtübernahme er­reicht haben, müssen weiter ausgebaut werben.

Aach das Handwerk erkenne, daß alles davon ab» hängt, daß wir den de st en Facharbeiter der Welt haben. Der Berufswettkampf m.'fse mit der Zeit alle Schaffenden umfassen. Aus dem Berufswettkampf heraus werde eine groß- ji gige Begabtenförderung aufgebaut wer- bin. Schon in den nächsten Wochen würden die brarbeiten dafür beendet sein. Von den Wissen­schaften müsse die Technik besonders ge­pflegt werden.

Ls gebe noch Millionen Menschen, deren Ka­pazität nicht vollkommen ansgenuht werde, hier fei eine großzügige Umschu­lung erforderlich, hunderttausende gebe es noch, bie als Arbeitslose nicht in bie Erschei­nung traten, nichtsbestoweniger aber nichts tun. hier hätten wir ein Reservoir, aus dem wir viele Menschen an bie praktische Tätigkeit her­anbringen könnten. Auch bie Durchkäm­mung mancher Amtsstuben würbe er­geben, baß In ihnen viele Menschen fehlam Platze finb, bie an anderen Stellen positive Arbeit leisten könnten. Der Leiftuugs- kampf werde in diesem Jahre diejenigen tech­nisch gut eingerichteten Unternehmungen aus- zeichnen, die mit der geringsten Zahl an Arbeitskräften die bestmögliche L e 1 st u n g erzielen. Er sei überzeugt, erklärte Dr. Ley, daß wir bann hunberttausende, viel­leicht Millionen frei bekommen, die wir auf die Gebiete umschulen können, wo wir sie benötigen. An Werkstätten und Einrich­tungen werde es in Kürze nicht mehr mangeln, und wenn wir dann weiter unsere Fabriken danach ordneten, daß wir zu den gelernten Facharbeitern eine Anzahl angelernte Arbeiter bringen, die in den Fabriken weiter geschult werden, so könnten wir dieZahlder Fabriken auf besonderen Gebieten von Eisen und Metall nicht nur verdoppeln, sondern verfünffachen.

Lach die Durchorganisierung der Heimindu­strie i n l ä n d li ch e n Gegenden, wo ;m Win­ter weniger zu tun sei, würde angepackt. Als letzt Maßnahme zur Gewinnung neuer Arbeitskräfte bezeichnete Dr. Ley die H e i m k e h r v o n D e u t- Idjen aus dem Ausland. Das befreundete Italien schließlich helfe mit, den Mangel an Men­schen zu beheben.

Diese Maßnahmen zur Menschengewinnung «nässen durch die Schaffung von m e n s ch e n wür­digen Arbeitsmethoden ihre volle Durch- ichlagskraft erhalten. Der Befehl laute das Ar- de tsverfahren zu finden, das den Maschinen und den Menschen Höch sie Aufgaben stellt, o h n e lie aber auszubeuten. Im Mittelpunkt des d-nkens jedes Betriebsführers muß der Mensch 'ichen, der gesund und froh erhalten werden muß.

Wir sind auf dem Wege dazu, das beste Arbeits­system für unsere deutschen Menschen zu finden! Erfahrungen aus 250 Betrieben Deutschlands lie­gen bereits vor. Um 60 bis 100 v. H. konnte teil­weise die Produktion dieser Betriebe gesteigert wer­den, mindestens aber um 30 v. H. Wo das Leben am schwersten ist, dorthin muß man den größ­ten Sonnenschein lenken. Wir müssen den arbeitenden Menschen teilnehmen lassen an allen Kulturgütern unseres Volkes. Wenn

wir dem Arbeiter klar machen, daß die Arbeit keine Last, sondern eine Ehre ist, und wenn wir auf diese Weise unsere Kräfte verdoppeln und verdreifachen, müssen wir auch die Freude verdrei­fachen. Hier hat auch die Deutsche Arbeitsfront mit ihren Bauten selbst eingegriffen." Das Volks­wagenwerk, so setzte Dr. Ley hinzu, werde außer­dem erreichen, daß das Volk motorfreudig würde und damit die letzten Reste der Maschinenfeindschaft be­seitigt werden.

Der Staat als Förderer der Kunst.

Reichsminister Dr. Goebbels in der Hamburger Staatsoper.

Hamburg, 22. Okt. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels nahm an einem Jubiläumsempfang aus Anlaß der 260-Jahrfeier der Ham­burger Staatsoper teil. Festlich erklang der erste Satz aus der O-ciur-Symphonie von Haydn, gespielt vom Hamburger Kammerorchester. General­intendant S t r o h m sprach Worte der Begrüßung.

Reichsminister Dr. Goebbels

nahm dann Gelegenheit, bie Grundgedanken natio­nalsozialistischer Kulturführung zu umreißen. Das Theater sei seit jeher jene Kunstgattung, die in den engsten Beziehungen zum Volk stehe und am stärk­sten formen- und typenbildend für eine Zeit wir­ken kann. Df Goebbels verwies darauf, daß in fast allen deutschen Städten jetzt die Theater über­füllt sind, daß der deutsche-Spielplan größte Viel­gestaltigkeit aufweist, daß es gelungen ist, den deut­schen Künstler vor allem gesellschaftlich zu heben, daß durch eine großzügige Reform ein soziales Aufbauwerk in Angriff genommen fei, das den Schauspielern vor Jahren und Jahrzehnten als eine unerfüllbare Illusion erschienen war.Der Staat sieht m der Kunst", erklärte Dr. Goebbels, nicht eine ihm fremde und neutrale Funktion un­seres öffentlichen Lebens; er sieht darin ein gewich­tiges Teil unseres Volkslebens selbst." Ich bin davon überzeugt, betonte der Minister, daß bas, was wir auf kulturellem Gebiet geschaffen haben und noch schaffen werden, am stärksten in die Jahr­hunderte wirken und am tiefsten von der Arbeit des Nationalsozialismus auch in der Zukunst zeugen wird. Mit dieser Einstellung zur Kunst gewinne die nationalsozialistische Staatsführung auch ein ganz anderes DerhAtnis zu den Künstlern selbst; durch

diese aus echter Herzenswärme kommende Behand­lung vor allem sei der Künsller schon früh vollkoim- men in ben Staat hineingerückt.

Dr. Goebbels schilderte in tief empfundenen Wor­ten die überragende Kunstliebe des Führers. Man könne mit Recht davon sprechen, daß heute wieder eine mäzenatische Zeit angebrochen sei.Nichts anderes wollten wir", so stellte Dr. Goebbels unter stärkster Zustimmung fest,als warmherzige Förderer der deutschen Kun st sein! Wir sind berufen und in der Lage, die Pläne und das Streben der deutschen Künstler auf das Volk hin zu fördern und zu unterstützen. Denn ge­rade wir kennen das Volk, vor allem auch die deutsche Jugend! Wenn sich heute die Tore der deutschen Theater wieder weit öffneten, insbesondere der deutschen Jugend, so sei dies einzig und allein der Kulturpolitik des Nationalsozialismus zu dan­ken." Der Minister bezeichnete es unter stürmischem Beifall als ein Symbol neuen deutschen Kulturwil­lens, daß die 260-Jahrfeier der Hamburgischen Staatsoper, der ältesten deutschen Oper überhaupt, so sinnfällig verbunden werde mit den Reichs« theatertagen der Hitler-Jugend.Wir pflegen nicht nur die hohe künstlerische Tradition der deutlichen Theateroergangenheit. Wir wagen ebenso den Schritt in die jugendliche Zukunft hinein!"

Dr. Goebbels schloß seine Darlegungen mit herzlichen Grüßen an die Hamburgische Staatsoper. Aufgabe der Hamburgischen Staatsoper wie des ganzen deutschen Theaters fei es, dem deutschen Volke Stätte der Krastschöpfung und Erbauung, der Bewährung und Unterhaltung für Seele und Geist zu sein.

Vekennims der deutschen Zugend zum Theater.

Baldur von Schirach eröffnet die Reichstheatertage der HZ. in Hamburg.

Hamburg, 23. Okt. (DNB.) Die Reichs- theatertage der Hitler-Jugend Ham­burg 1938, die unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Dr. Goebbels und des Reichs­jugendführers Baldur von Schirach stehen, wurden im Thalia-Theater mit der Uraufführung des DramasDer Untergang Karthagos" von E. W. Möller eröffnet, wobei der Jugend- führer des Deutschen Reiches, Baldur von S ch i - rach, in einer bekenntnishaften Rede die Stellung der deutschen Jugend zum Theater und zur Kunst schlechthin darlegte.

Reichsjugendführer Baldur von Schirach

ging davon aus, daß es auf allen Gebieten des Lebens schöpferische und unschöpferische Menschen aller Grade gibt. Diele hätten den Konttapunkt studiert, ohne Künstler geworden zu sein. Der Reichsjugendführer würdigte die schöpferische Lei­stung der jungen Liederkomponisten, von denen er Baumann, Blumensaat, Spitta und Napiersky als einige von vielen nannte, und erklärte:Gegenüber allen trockenen Musikphilistern bekennen wir ganz klar und begeistert: Am An - fang war das Lied!" Dann wandte er sich der Anteilnahme der Jugend an der Entwicklung des Theaters seit 1933 zu. Er schilderte dabei so­wohl die Steigerung des Besuches der Theater durch Jugendliche, wie er durch den Veranstaltungs­ring der HI. planmäßig gefordert wird, und andererseits den Beitrag der Jugend an drama­tischer Kunst für die Bühnen der deutschen Theater selbst. In humorvollen Ausführungen sprach er von echter und unechter Kunst und wandte sich gegen die Nachahmer des wirklich schöpferischen Ausdrucks jungen Künstlertums. Mit beißendem Humor rech­nete er mit den Konjunktur-Dichtern ab, die in tönenden Schlagworten aus dem Leben der Be­wegung geschäftstüchtig einen unverdaulichen Brei zusammenmixten. Wenn die Autoren solcher Pro­dukte zu ihrer Entschuldigung sagten, sie hätten es qut gemeint, so meinen wir es mit unserem Volke besser, indem wir es mit solchen Blechschmieden schlecht meinen. Solcher Kitsch sei ein Aergernis für alle, die den Versuch unternehmen, als schöpfe­rische Menschen den deutschen Namen in der Welt ernsthaft zu repräsentieren.

Aufgabe des Theaters sei es nun, die Jugend in ihrem Nationalbewußtsein zu festigen und zu stärken.Es soll ihr die großen Träger des Ge» schehens so darstellen, daß sie vor ihrer Größe Ehr­

furcht empfindet. Für den Erzieher ift die Schau­bühne stets eine moralische Anstalt/ Diese Fest­stellung habe nichts mit Prüderie zu tun, was man einer Jugendbewegung wohl gewiß nicht vorwerfen könne, die auf dem Gebiet der modernen Leibes­erziehung durchaus erziehend gewirkt habe.

Der Reichsjugendführer schilderte dann die Tättg- feit des Veranstaltungsringes der HI. im Jahre 1937 und stattete feinen Dank denjenigen Männern ab, die der Jugend die Möglichkeit gegeben hätten, an der Neugestaltung unseres Theaterlebens mit­zuwirken. Er dankte Reichsminister Dr. Goeb­bels, dem Reichsdramaturgen Obergebietsführer Schlösser und seinem Mitarbeiter Obergebiets­führer C e r f f, dessen erfolgreiche Arbeit der kultu­rellen Leistung der HI. überall einen unbestrittenen Ruf verschafft habe.

Reichsberufswettkampf und Adolf-Hitler-Marsch, militärische Ertüchtigung und musische Uebung stellen im neuen deutschen Erziehungssystem ein unteilbares Ganzes dar. Wenn wir im Zuge dieser Erziehung die Jugend nunmehr zum Theater, ich möchte lieber sagen: zum Drama führen, so erfüllen wir damit eine uns durch unsere Weltanschauung auferlegte nationale Pflicht. Die Jugend möge sich schon in ihrem ersten Auftreten mühen, den Willen des Schöpfers zum Ausdruck zu bringen, und sie soll seinem ewigen Werk ohne Rücksicht auf Beifall zu dienen versuchen. Und das ein tapferes Leben hindurch bis zu jenem Akt, nach dem nicht nur der rauschende, bunte, nein auch der eiserne Vorhang fällt!"

Nach diesen mit langanhaltenden Zustimmungs­kundgebungen aufgenommenen Ausführungen er­klärte der Reichsjugendführer die Reichstheatertage für eröffnet. Es begann die Uraufführung des SchauspielsDer Untergang Karthagos" des jungen Dramatikers Eberhard Wolfgang Mol» l e r. Das Werk in der kraftvollen Inszenierung von Weißbach wurde mit stürmischem Jubel aus­genommen.

Philharmonisches Konzert

unter Furtwängler im Deutschlanbsenber.

Der Deutschlandsender überträgt am Montag, 24. Oktober, 20.10 Uhr, das erste Philharmonische Konzert unter Leitung von Wilhelm F u r t m ä n g« l e r. Die Dortragssolge beginnt mit der Suite für Streichorchester aus der OperKönig Arthur" von Purcell (1691). Es folgen Mozarts Symphonie G-moll und die Symphonie Nr. 1 von Brahms.

Gefesseltes Memelland.

Die im Dezember dieses Jahres bevorstehenden Wahlen zum m e m e l l ä n d i sch e n Land­tag, für die die Deutschen bereits eineMemel­deutsche Liste" aufgestellt haben, lenkt wiederum das Interesse einer breiteren Oeffentlichkeit auf den hartnäckigen und schweren Kampf der Memelländer für ihre Selbstverwaltung. Wahlen im Memelland sind infolge elfter sehr komplizierten Wahlordnung immer schon eine schwierige Angelegenheit gewesen, zumal die einzelnen Bestimmungen ganz deutlich darauf zugeschnitten find, dem Lituanisierungs- prozeß die Wege auch in die Selbstverwaltungs- körperschaft zu erleichtern. Wenn in letzter Zeit ge­wisse Aenderungen dieser Wahlordnung vorgenom» men wurden, so haben dieseVerbesserungen" nur die allergröbsten Mißstände zu beseitigen vermocht, während auch in Zukunft die Tendenz dieses Ge­setzes noch dahin geht, den Deutschen die Ausübung ihres Wahlrechtes zu erschweren.

Daß die Memelländer in ihrer erdrückenden Mehrheit deutsch gesinnt sind, haben sie in zahlreichen vorangegangenen Wahlen bewiesen. Selbst die Statisttken der Vorkriegszeit, die noch einen Prozentsatz von 47 v. H. für die Memelländer litauischer Muttersprache auswiesen, haben sich hin­sichtlich der Feststellung der Nationalität als unzu­träglich erwiesen. Für viele Deutsche, besonders auf dem Lande, ist eben diese Sprache nur der Haus­dialekt, während sie sich im übrigen, d e m deut­schen Volkstum zugehörig fühlen. Wenn man bedenkt, daß das ganze Memelland einen Raum von kaum 2700 Quadratkilometer ausmacht, auf dem noch nicht 150 000 Menschen leben, muß man die Zähigkeit der Memelländer bewundern, mit der sie für die Erhaltung oder besser gesagt Wiedergewinnung ihrer Rechte kämpfen. Bisweilen gingen die Wogen dieses Kampfes recht hoch, und die' Unterdrückungsmethoden äußerten sich befvn- ders in Strafprozessen, in denen für die Bekundung deutscher Gesinnung sehr schwere Strafen verhängt wurden. Es waren die Besten unter den Memel- ländern, die die litauischen Gefängnisse füllten. Dann wieder konnte man, offenbar unter der Ein­wirkung der öffentlichen Meinung des Auslandes, ein Ab ebb en der Unterörücfungsflut beobachten, be­sonders harte Bestimmungen wurden gemitoert, verurteilte und gefangene Memelländer wieder im Wege einesGnadenaktes" entlassen. Aber im all­gemeinen kann man von einer Erleichterung der Lage im Memelgebiet noch nicht sprechen.

Seit 12 Jahren herrscht hier der Kriegszu­stand mit allen seinen gesetzlichen Folgen der Zensur von Druckerzeugnissen und Zeitungen, des Verbots von Kundgebungen und Versammlungen, der Aussetzung der ordentlichen Strafgerichtsbarkeit und vielem anderem mehr. Schon vor längerer Zeit hatte die litauische Regierung in Kowno, da sie sich offenbar den Auswirkungen des schlechten Eindrucks, den dieser Zustand machte, nicht ent­ziehen konnte, das Versprechen abgegeben, die Aus­nahmebestimmungen aufzuheb^n. Die Durch­führung dieses Versprechens allerdings wird in seltsamer Weise vorgenommen. In der letzten Sitzung des litauischen Sejms wurde gegen den Protest der memeldeutschen Abgeordneten in Kowno ein Staatsschutzgesetz angenommen, in das sämtliche Ausnahmebestimmungen, die der bisherige Kriegszustand mit sich brachte, wieder über­nommen wurden, vielleicht mit der einen Aende- rung, daß an Stelle des Kriegskommandanten nun­mehr der litauische Gouverneur im Memelland Vollstrecker dieser Ausnahmebestimmun­gen wird. Welche Gefahren unter diesen Umständen ür eine ordnungsmäßige Durchführung der bevor- tehenden memelländischen Landtagswahlen gegeben int), braucht man nicht weiter auszuführen.

Auch der Gouverneur des Memellandes hat durch eine ausgedehnte Veto-Politik gegenüber den gesetz­geberischen Arbeiten des memelländischen Landtags wiederholt zu erkennen gegeben, worin er feine eigentliche Aufgabe erblickt, nämlich in der weiteren ßituanifierung des Landes und in der Hintanhaltung aller Gesetze, die den Schutz der eingesessenen Ar­beiter des bodenständigen Bauerntums und des einheimischen Handwerks und Handels bedeuten. Alle diese Schutzgesetze, die der Landtag mit er­drückender Mehrheit beschlossen hatte, konnten b i s» her. nicht durchgeführt werden, weil der Gouverneur ihnen sein Veto entgegensetzte Memelländische Arbeiter werden auch weiterhin durch zugewanderte Litauer aus ihren Arbeits­stellen verdrängt, memelländische Bauern, von Haus und Hof oertrieben, müssen litauischen Siedlern Platz machen, und das immer stärker zuströmende Judentum macht dem einheimischen Gewerbe schmutzige Konkurrenz.

An sich besitzt das Memelland ein Autono­mie st a t u t, das geeignet wäre, den berechtigten nationalen Wünschen der Memeldeutschen voll Ge­nüge zu tun. Aber dieses Statut wird nicht eingehalten, es wird umgangen und, wenn es nötig ist, direkt gebrochen. Mit engelhafter Ge­duld haben die Memelländer immer wieder den Weg der Verhandlungen mit Kowno betreten, aber immer wieder find sie enttäuscht worden. Wie die bevorstehenden Wahlen ausfallen werden, darüber besteht schon heute kein Zweifel mehr. Man darf nur hoffen, daß auch die litauische Regierung sich endlich einmal dem Gesetz der Tatsachen beugen und dem Selbstverwaltungswillen der Memeldeut- schen sein Recht geben wird. Kr.

Das Memelland gegen die neuen litauischen Staatsschuhgesehe.

Memel, 22. Okt. (DNB.) Die ursprüngUch fütf den 21. Oktober anberaumte Sitzung des Memel« ländischen Landtages, bie* aus technischen