Ausgabe 
24.9.1938
 
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wieder einmal die Wahrheit des Sprichwortes er­fahren:Lügen haben kurze Beine".

Wit den gleichen Methoden versuchte der tsche­chische Rundfunk die Erklärung des französischen Ministerpräsidenten D a l a d i e r in eine b e - dingungslose Unterstützung der Tschecho­slowakei umzufälschen, offenbar, um der Bevölke­rung die Mobilmachung zu versähen und ihr die Illusion zu geben, dah sie in einen aussichts­reichen Kampf gehe. 3n Wirklichkeit ist die von Daladier abgegebene Erklärung eindeutig gegen Prag gerichtet, da ausdrücklich be­tont wurde, dah nur im Falle eines un­provozierten Angriffes der Tschecho­slowakei Hilfe werden könne, der Fall der Pro­

vokation durch die Tfchech o - S lo wak ei aber schon seht vor aller Well gegeben ist.

127800 Flüchtlinge

auf reichsdeutschem Gebiet.

Berlin, 23. September. (DNB.) Nachdem der Flüchtlings st rom am Dienstag und Mittwoch langsam abzuebben begann und der Donnerstag in­folge der Freigabe zahlreicher Orte durch die tschechi­schen Sicherheitsorgane sogar zu einer Abnahme der Flüchtlinge von 113 60Q auf 106 200 führte, ist die Zahl der Flüchtlinge seit Donnerstagabend sprung­haft emporgeschnellt. Die Zählung in den Lagern und Durchgangslagern ergab insgesamt am Freitagabend 127800Flüchtlinge.

Tiefe Depression im tschechischen Heer.

Oie Soldaten fremden Volkstums machen nicht mit. - Gänzlich unzulängliche Vorräte an Munition und Proviant. - Oie Befestigungen aus minderwertigem Material errichtet.

lttz und anderen sudetendeutschen Orten in ihrer höchsten Not an den Führer und den britischen Premierminister nach Godesberg richteten, reden eine erschütternde Sprache. Da das Vorgehen der tschechischen Banden überall nach dem gleichen Sy­stem erfolgte, kann es nicht dem geringsten Zwei- fel unterliegen, daß der neue teuflische Vernichtungs­feldzug gegen die im Vertrauen auf die getroffenen Vereinbarungen sorglos gewordenen und in ihr Heim zurückgekehrten Sudetendeutschen von den neuen Machthabern in Prag angeordnet und plan­mäßig ins Werk gesetzt worden ist. Dafür spricht auch die erneute Besetzung der schon verlassenen Verteidigungsstellungen längs der bisherigen Reichs­grenze, 'ja ihre erhebliche Verstärkung namentlich durch Tanks, Panzerwagen und schwere Artillerie, ferner die überall im Grenzgebiet erfolgten Spren­gungen der Eisenbahnbrücken und sonstigen Kunst­bauten, so daß fast alle Bahnlinien, die ins Reich führen,' unterbrochen sind. Sirovy und seine Kum­pane setzen offenbar alles auf eine Karte. In blin­dem Vertrauen auf die Hilfe Moskaus und von Moskaus Agenten ermutigt, steuern sie mit ver­brecherischem Zynismus auf die Katastrophe hin, in dem Wahn, sich durch eine Erweiterung des Kon­flikts vor unpopulären Entschlüssen, wie sie die fran- zösisch-britischen Vorschläge und die seitdem durch bte Anmeldungen der ungarischen und polnischen Forde­rungen weiter verschlechterte Lage der Tschechen von ihnen verlangen.

Angesichts dieser gefährlichen Entwicklung, die alle wahren Friedensfreunde zu gemeinsamen Anstren­gungen für eine gerechte, auch die Keime für künf­tige Konflikte radikal ausräumende Neuordnung auf den Plan rufen sollte, ist es nicht weiter erstaun­lich, daß in England sowohl wie in Frankreich die­selben Hetzer, die schon während des Abessinien­feldzuges und in den Krisen des spanischen Bürger- krieges die demokratisch-bolschewistische Einheits- front gegen die autoritären Staaten forderten und den Kreuzzug gegen denFaschismus" predigten, wieder Morgenluft wittern. Als Chamberlain vor acht Tagen von Daladier ermutigt, mit der glei­chen Vorurteilslosigkeit, die ihm seinerzeit schon ge- halfen hatte, den Konflikt mit Italien zu bereini­gen, nun in einem Augenblick höchster Spannung die Hand zu einer persönlichen Aussprache mit dem Führer bot, haben angesichts der einhelligen Zu- stimmung, die dieser Schritt des britischen Premier­ministers in der Öffentlichkeit Englands sowohl wie Frankreichs fand, weder die radikale Rechte, noch die eingeschworenen Volksfrontpolitiker in Pans und London den Mut gehabt, der auf Bewahrung des Friedens gerichteten Aktion sich in den Weg zu stellen. Nun aber, wo es wieder ungefährlicher scheint zu hetzen, nehmen sie ihre gewohnte TäHg- keit wieder auf und glauben, die gewiß nicht leichte Lage, die von Chamberlain und Daladier größte Derantwortunqsfreudigkeit erfordert, bedenkenlos ausnützen zu können, um vor ihrer Anhängerschaft den klugen Mann zu spielen, der schon immer vor einer Zusammenarbeit mit den autoritären Regie- rungen gewarnt habe und nun von dem- Wege Chamberlains unb Daladiers nur Unheil vorher­sehe. Es finb dieselben kurzsichtigen, in ihren Vor- urteilen befangenen Politiker, die anscheinend die allgemeine Katastrophe der Sicherung eines dauer­haften europäischen Friedens durch eine vernünf­tige, auf dem Volkstumsprinzip gegründete Neuord­nung vorziehen. Es ist das ein erschütternder Bankrott der politischen Vernunft angesichts des nunmehr klar auf der Hand liegenden Zusammen­spiels von Prag und Moskau, das nur ein Ziel haben kann, das europäische Chaos.

Sehr bezeichnend ist für dieses Zusammenwirken dcr dreiste Versuch des roten Kreml, den Prager Schützlingen bei der Abwehr der polnischen Forde- rungen Hilfsstellung zu leisten. Die plumpen Drohun­gen haben, wie zu erwarten war, in Warschau kei­nen Eindruck gemacht, sie zeigen aber schon deutlich, wessen man sich von Moskau zu versehen haben würde, wenn man ihm erlauben wollte, bei der Neuordnung dieser europäischen Wetterecke mitzu- redeti oder gar sich hier in den Tschechen eine Avantgarde der bolschewistischen Weltrevolution heranzudrillen. Grade um dieses für alle Zeiten zu verhindern, müssen die von tiefster Verantwortung für die Konsolidierung des europäischen Friedens durchdrungenen Staatsmänner diesmal ganze A r - beit leisten. Daß die sich überstürzenden Ereignisse schnelle Entschlüsse verlangen, erleichtert vielleicht die Entscheidung, denn der Zwang zu schnellem Handeln bannt die Gefahr des Versackens in lang­wierigen Verhandlungen und schafft die Großzügig­keit der Auffassung, deren Fehlen in den beiden Nachkriegsjahrzehnten so viele Versäumnisse und Halbheiten verschuldet hat, ohne die aber nun ein­mal keine für die Dauer bestimmten Lösungen ge­funden werden. In gewissen Kreisen Frankreichs und Englands bereut man zwar anscheinend schon wieder den Ansatz zu fruchtbringender Zusammen­arbeit aus einem gemeineuropäischen Aspekt, aber die furchtbare Not des Sudetendeutschtums, das sich der haßerfüllten Rache ihrer hussitischen Peiniger nicht mehr zu erwehren weiß, fordert gebieterisch, daß der verbrecherischen Katastrophenpolitik der Prager Desperados ein Ende gesetzt wird und wir sind sicher, daß die Verantwortung für die Zukunft unseres Erdteils diejenigen Staatsmänner zu ge­meinsamem Handeln zusammenführen wird, die nicht gesonnen sind, zu dulden, daß von den Söld­lingen Moskaus die Brandfackel des Krieges unter die europäischen Völker geschleudert wird.

Dr. Fr. W. Lange.

Lügen haben kurze Beine."

Plumpe Fälschungsmetboden des Prager Rundfunks.

Berlin, 24. Sept. (DRV.) Der Prager Rundfunk, dessen Fälschungs- und Täu­schungsmethoden in den letzten Wochen nachgerade sprichwörtlich geworden sind, leistete sich am Freitag in später Abendstunde erneut vor aller Welt eine plumpe und drei sie Fälschung, deren völlige Erfindung allerdings schon nach wenigen Minuten die ganze Welt feststellen konnte.

Um durch den provokatorischen Wobilisations- erlah der Prager Kriegshetzer bie nötige Stim­mung im tschechischen Volk zu erzeugen und die ungeheure Deprimierung und Unzufriedenheit mit der Regierung zu bemänteln, erklärte um 23.40 Uhr der tschechische Rundsunk über Prag I und bald darauf auch über die anderen Sender:Cham­berlain ist vorzeitig nach London zu­rückgekehrt. Die Beratungen führten zu keinem Erfolg." Zur gleichen Zeit aber waren die Besprechungen noch mitten im Gange, und erst in der zweiten Worgenstunde verabschiede­ten sich Lhamberlain und Sir Wilson. Prag hat also

Sine aufschlußreiche Denkschrift.

Prag, 24. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie der Sonberberichterstatter des Zwölfuhrblattes berichtet, ist dem Prager Kriegsministerium eine D e n k - schrift Überreicht worben, in der von zwölf Regi- mentskommanbeuren ganz offen bie Lage, insbe- sonbere ber Trichpenteile, erörtert wirb, beren Re­krutierungsgebiet Minberheitengebiet ist. Es wirb zum Ausdruck gebracht, baß nach ben bis­herigen Feststellungen kaum 60 v. H. ber Wehrpflichtigen ben Gestellungsbe­fehlen Folge leisten mürben, zumal inzwi­schen durch den deutschen Rundfunk auch bei ben Minberheiten bekannt geworden sei, wie gut es ben in Deutschland Internierten, mehr als 1000 tschechischen Beamten unb Solbaten gehe. Die Pa­role: wer überlaufe, behalte sein Leben unb sei in Sicherheit, wer ober ben Gestellungsbefehl'befolge, sei in der Tschecho-Slowakei eingekesselt unb ber ungewissen Zukunft auf Gnabe unb Ungnabe aus- geliefert, beginne seit Tagen verhängnisvoll zu wer­ben. Die Abgänge bei ben Truppentei­len seien noch nie s o gr o ß gewesen, wie ge- rabe in der vergangenen Woche.

Ls wird weiter darauf aufmerksam gemacht, daß unter den Angehörigen der Winderheiten sich Tausende von entschlossenen Wännern be­finden, die im Falle eines Angriffes auf ihr eigenes Volk auch unter Hintansetzung ihres Lebens Sabotage über Sabotage leisten würden und daß die tschechische Armee schon in den Minderheitengebieten nirgends mehr sicher sei, sondern sich wie im Feindeslande befinden würde. Die Ver­proviantierung der Armee fei fo un­genügend, die Munitionsvorräte feien so gering, daß die meiste Truppenteile infolge der außerordentlichen Verkehrs- und Transportschwierigkeiten angesichts der ungün­stigen strategischen Lage der Tschecho-Slowakei schon nach 48 Stunden ohne Muni- tion und Lebensmittel sein würden. Diese Tatsache sei auch den Wannschaften nicht verborgen geblieben und habe selbst bei gutge­sinnten nationalen Tschechen eine tiefe De- pession ausgelöst.

Dresden, 23. Sept. (DNB.) Am Abend des Donnerstag ist insgesamt auf zehn Eisenbahn- strecken zwischen Deutschland und der Tschecho- Slowakei ber gesamte Zugverkehr eingestellt worden. Die Ursache ist in den meisten Fällen die Spren­gung van Eisenbahngleisen und Eisenbahnbrücken. Don Bad Ziegenhals aus ist der Eisenbahnverkehr nadf Troppau und Freiwalda ebenso eingestellt, wie der tschechische Durchgangs- und Korridorverkehr von Troppa über Bad Ziegenhals nach Freiwaldau. Ursache ist bie Sprengung der Eisenbahnstrecke an einer Reihe von Stellen.

Der Eisenbahnverkehr von Zittau nach Reichen­berg, einer Strecke, die der Deutschen Reichsbahn gehört, ist bei Grottau durch Sprengung ber reichseigenen Bahnstrecke durch tschechisches Militär unterbrochen. Die Ausbesserung ber Strecke burch reichsdeutsche Streckenarbeiter würbe am Freitag­vormittag mit Waffengewalt verhindert. Ferner ist auf ber Strecke von Zittau über Warns- borf nach Alt-Eibau, einer Eisenbahnstrecke, bie nur bei Warnsdorf über tschecho-slowakisches Staatsge­biet führt, ber Verkehr unterbrochen, weil vom Bahnhof Warnsborf keine Züge mehr ange­nommen werben unb das Weichen- unb Signal­system von ben Tschechen in Unordnung g e - bracht wurde. Die Strecke ist ebenfalls Eigentum der Deutschen Reichsbahn.'

Der Eisenbahnverkehr von Sebnitz in Sachsen nach Nixdorf in Böhmen ist seit gestern unterbrochen. In dem tschechischen Grenzbahnhof ist Eisenbahn­personal nicht mehr vorhanden. Es heißt außerdem, daß auf tschechischem Gebiet an ber Strecke eine

Rumburg, 23. Sept. (DRV.) Die Bevölke­rung der sudetendeutschen Städte Warnsdorf und Rumburg und der umliegenden Ortschaften, die nach der Annahme der englisch-französischen Vor­schläge durch die PragerRegierung" und den heimtückischen Scheinabzug der tschechischen Staats­gewalt in unbeschreiblicher Freude in ihre Heimat­orte zurückgekehrt war und in der Rächt zum 23. September dann den verbrecherischen Anschlag der plötzlich zurückkehrenden Sirovy-Banden erleben muhte, hat überaus wirkungsvolle Gegen­maßnahmen ergriffen. Ehe die tschechische Sol­dateska in die Ortschaften eindrang, wurden die in diesem Gebiet verbliebenen tschechischen Be-

Es wird bann weiter darauf aufmerksam ge­macht, baß bie französischen Firmen, bie in ben Jahren 1928 unb 1929 mit bem Bau eines großen Teiles ber Befestigungsanlagen beauftragt gewesen sinb, vollkommen mi über­wertige Bauten erstellt hätten unb teilweise statt Zement nur Mörtel verwcmbt worben sei, ber nicht einmal vor Gewehrkugeln Schutz biete. Die Überschüsse hätten bie Direktoren ber Firmen zum Teil in bie eigene Tasche gesteckt, zum Teil hätten sie h o h e O f s i z i e r e b e s Kriegs­ministeriums erhalten. Französische Firmen hätten sich also auf Kosten bes tschecho-slowakischen Staates unb auf Kosten ber Sicherheit ber tschecho­slowakischen Armee bereichert. Die Solbaten kenn­ten biese Befestigungsanlagen aus ben Tagen ber Mai-Mobilisation unb hätten wenig Neigung, sich in biefen Befestigungsanlagen schon burch wenige leichte Artillerieschüsse lebendig begraben zu lassen.

Röslau wühlt.

Warschau, 24. Sept. (DNB. Funksxr.) Die polnischen Blätter sind voll von Berichten über bas stänbig wachsende Chaos, bas sich in der Tschecho-Slowakei entwickelt, dessen ßeibtraaenbe vor allem Angehörige ber nichttschechischen Dolks- gruppen sinb. Berichte ber Polnischen Telegraphen- Agentur aus Prag weisen auf Spannungen hin, bie sich im neuen Kabinett entwickeln. Innenminister Czerny habe den Versuch unter­nommen, gegen den wachsenben Einfluß des Kommunismus vorzugehen. Man müsse damit rechnen, daß, wenn bie Ereignisse sich im Lanbe weiter so entwickeln, bie Vertreter der g er­mäßigten Parteien aus der Regierungkoali-? Hon a u s t r e t e n. Dann werde die Regierung nur noch von ben linken Gruppen unterstützt werben.

Ueberall nähmen bie kommunistischen Einflüsse rasch au. In Prag würben bereits Flugblätter ver­teilt, in denen bie Errichtung einer ausschließ, lich auf bie Sowjetunion gestützten Re­gierung geforbert werbe. In den Flugblättern wirb weiter gegen den Führer ber tschechi­schen Agrarpartei Stellung genommen.

In ber Schwerindustrie von Mährisch-Ostrau, in ber Rüstungsinbustrie von Witkowize unb in zahl- reichen anberen Ortschaften, insbefonbere bes Kar- roiner Kohlenreviers, sei das Chaos burch ben Ausbruch bes Generalstreiks noch vergrößert worben.

Minensperre angebracht worden sei, durch bie jeber Versuch bes Befahrens unmöglich gemacht wird. Der Eisenbahnverkehr zwischen Ebersbach (Kreis Löbau i. Sa.) unb Rumburg in Böhmen ist unterbrochen, weil in Rumburg das gesamte Eisen- bahnpersonal ben Dienst eingestellt unb sich zum Teil ins Innere ber Tschecho-Slowakei begeben hat. Auch hier soll bie Strecke am Bahnhofsausgang von Rumburg mit einer Minensperre versehen worben sein. Der Eisenbahnverkehr von Klingen­thal i. Sa. nach Graslitz in Böhmen ist seit gestern ebenfalls gesperrt.

Im Egerland ist ber Eisenbahnverkehr durch bie militärischen Maßnahmen unb die Unsicherheit ber Lage zahlreichen Störungen unterworfen. Die Züge verkehren nur unregelmäßig. Der Zugverkehr von Eger ins Innere der Tschecho-Slowakei wickelt sich nur unter großen Störungen ab. Bei Eisenstein in Böhmen ist bie Strecke von Zwiesel nach Pilsen burch Zerstörungen im tschecho-slowakischen Teil des Bahnhofes Eisenstein unterbrochen. Nach ben letzten Melbungen Haden um ben Bahnhof in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag hef­tige Kämpfe stattgefunden. Ferner ist der Eisenbahnverkehr von Wien über Reetz nach Znaim in Böhmen seit gestern unterbro­chen. Die Eisenbahnbeamten ber tschechischen Sta­tion Znaim nehmen Züge von ber deutschen Grenz­station Reetz nicht mehr an. Don subetendeutschen Einwohnern bes Grenzgebietes wird berichtet, baß sowohl bie Eisenbahnbrücke, als auch bas Eisenbahn­gleis zum Sprengen fertiggemacht worben feien.

amlen, Zivil- und W i l i l ä r p e r s o n e n , soweit sie nicht mehr hatten flüchten können, sowie die Mitglieder des organisierten roten Pöbels a l s Geiseln verhaftet. Allein auf dem bezeich­neten Gebiet konnten bisher über 600 Tschechen und Kommunisten sichergestellt werden. Bei ihrem Ab­transport kam es zu stürmischen Kundgebungen der Bevölkerung gegen diese ihre Feinde und Peiniger, und die FS.-Männer vermochten das Gesindel nur mit Mühe vor drastischen Vergeltungsmaßnahmen zu beschützen.

Als nun Kundschafter die Rachricht überbrachten, daß die tschechische Soldateska die Geschütze der auf dem Schöberberg befindlichen Panzerforts

gegen die Städte Warnsdorf und Rumburg gerichtet habe und daß ferner e i n Tankregiment im Anmarsch sei, sandten die sudetendeutschen Ordner einen der verhafteten tschechischen Beamten mit einer weißen Fahne ins Lager der anrückenden Mordbande und liehen den Anführern mitteilen, dah die 600 Geiseln so­fort andiewandge st elll würden, wenn die Tschechen ihre Drohung wahr machten. Der drohende Angriff ist unterblieben. Ein Beweis dafür, dah der tschechische Mut nur dort in Erscheinung tritt, wo er einer wehrlosen Bevölkerung gegenüber angeseht wird, nicht aber vor ierrr männlich n Ent­schlossenheit, die gewillt ist, Gleiches mit G1 e i- chen zu vergelten.

Prags Heimtücke entlarvt.

Geheimbefehl Prags deckt alles auf.

W e b n i tz , 23. Sept. (DNB.) Im .Verläufe ber Gegenmaßnahmen, bie von ben subetendeutschen Ordnern gegen bie neue tschechische Terrorwelle un­ternommen würbe, wurde ber in Nixdorf stationierte tschechische Gendarmeriewachtmeister Karl Riege^ als Geisel verhaftet. Der Beamte, der sich ausdrücklich als der tschechischen Nationali­tät zugehörig bezeichnete, gab bei seiner Verneh­mung folgendes zu Protokoll: Allen Genbarmene- becumten sei ein Geheimbefehl der Prager Regierung Vorgelegen, worin sie angewiesen wurden, nicht zu schießen und ihre Funktionen den Ordnern der Subetendeutschen kampflos zu übergeben. Wie zahlreiche an­dere Gendarmen im subetendeutschen Gebiet, so hat auch Riegert diesem Befehl gemäß gehandelt. Durch diese Aussage bes Gendarmen ist einwandfrei be- wiesen, daß' bie Sudetendeutschen durch bie Prager Regierung in eine beabsichtigte Falle gelockt worben sinb. Man hat bie Gendarmen ausdrücklich ermächtigt, ihre Funktionen an die Ordner der Su- detenbeutschen abzutreten unb hat bann gegen die nämlichen Subetendeutschen die mit Maschinenge- wehren und Panzerwagen bewaffneten Horden der Noten Armee eingesetzt, weil sie sich angeblich gewaltsam die Staatsgewalt in ihrem Be- reich angemaßt hätten. Dieser ungeheuerliche ver- brecherische Anschlag, ber allein in der letzten Nacht zahllosen Deutschen bas Leben kostete, wird so be- antwortet werden, wie man von jeher Ver­brechen beantwortet hat, die von heimtückischen Mor- dem unb nicht von Solbaten mrt Ehre im Leibe begangen werben.

Helfen Sie uns!"

Sudetendeutsche Notrufe an den Führer und Chamberlain.

K l i n g e n t h a l, 23. Sept. (DNB.) Die Not der Sudetenbeutschen ist nicht mehr zu ertragen, ber heimtückische UeberfaU ber Hussitenhorben auf ihre Heimatorte hat sie auf bie äußerste Spitze getrieben. Ihren gequälten Herzen machen Sie Luft inTele­grammen an ben Führer unb an ben englischenPremierministerChamber- lain. So haben bie aus Graslitz vertriebenen Einwohner von Klingenthal aus an ben englischen Ministerpräsibenten nach Oobesberg folgenbes Tele­gramm gerichtet:

Die Bevölkerung ber sudetenbeutschen Grenzstadt Graslitz bittet in höchster Not gegen ben bolschewistischen Terror unb gegen bie Be- schießung frieblicher Bevölkerung burch tschechische Tanks bringenb um Hilf e." Für die Frauen der Stabt Graslitz hat bie Vorsitzende des dortigen Frauenvereins an den Führer und an Chamberlain telegraphiert:Frauen und Kinder von Graslitz i n h o ch st erNot:HelfenSieuns!"

Oos ischechi'cke Heer.

Die tschechische Wehrmacht ist außer durch ihre hochgradige Bolschewisierung vor allem auch da- durch gekennzeichnet, baß sie zahlenmäßig in einem phantastischen Mißverhältnis zur Bevölkerung steht. Selbst, wenn man bie Gesamtbevölkerung ber bisherigen Tschecho-Slowakei also einschließlich ber Nationalitäten mit 15 Millionen an setzt unb eine Friebensstärke von 250 000 bis 300 000 Mann annimmt, ergibt sich ber enorme Hunbertsatz von 1,7 bis 2 v. H. ber Gesamtbevölkerung. Die Tsche­chen haben früher bamit gerechnet, daß sie für einen Kriegsfall auf 700 000 bis 900 000 Mann kommen würden. Das ist unter den heutigen Umständen, also nach Ausfall ber Kontingente aus ben Natio­nalitäten ausgeschlossen; auch bie bisherige Deta­chierung sowjetrussischer Einheiten nach ber Tscheche! kann ben Ausfall nicht annähernd ausgleichen.

Gliederungsmäßig besteht das tschechische Heer ; aus 7 Armeekorps mit insgesamt 17 Infan­teriedivisionen zu je 3 Infanterieregimentern. Dazu kommen 4 schnelle, d. h. überwiegend motorisierte Brigaden, 7 gliegerregimenter,'3 Panzerregimenter, ! die Besatzung der Befestigungen und schließlich als Ergänzung Gendarmerie, Zoll- und Grenzformatio- : nen und Wehrverbände. Die Zahl ber einsatzfähigen tschechischen K r i e g s f l u g z e u g e bürste um 1300 herum liegen; bie Zahl ber seit zwei Jahren in ber l Tschechei bestnblichen sowjetrussischen Mili- i tärflugzeuge unb Fliegerformationen ist nicht be­kannt. Die gesamte Armee untersteht ben vier ßan« besfommanbanturen 1. in Böhmen, 2. in Mähren, 3. in ber Westslowakei unb 4. in ber Ostslowakei mit ber Karpatho-Ukraine. An Panzerwagen werben ein Zweitonner, ein Sechs- bis Achttonner unb ein 15-Tonner geführt. Die Wehrverbänbe konzentrieren sich vor allem in dem Sokol mit 760 000 Mitgliedern, darunter 268 000 Männer. Ein großer Teil von ihnen rückt als ausgebildete Reser­visten im Ernstfall zur Truppe ein.

Abgesehen von der schon- erwähnten Tatsache, daß höchsten die Hälfte der bisherigen ©efamtbevöl« ferung als Basis für das tschechische Heer in Frage kommt, muß man für bie Bewertung seiner Kampf' kraft auch noch berücksichtigen, baß bie Armee ia erst knappe 20 Jahre alt, also noch keine Tradition hat. Diese Tatsache spreit auch hinsichtlich des Wer­tes bes Offizierkorps und bes Generalstabes ein? wesentliche Rolle. Dazu kommt bie Tatsache, baB eine Anzahl Truppenformationen, vor allem W der Artillerie, nur durch zahlenmäßig begrenz»? Staber ober Stanbformationcn vertreten ist, was nach Ansicht gut unterrichteter Fachleute für etwa ein volles Drittel ber Artillerie gilt. Diese Dat außerbem Mangel an durchgebilbeten Unterführern und an Pferden. Daß sich der Kampfwert ber sich?' chischen Armee durch die bolschewistischen unb mo- ralischen Zersetzungserscheinungen dieser Tage nid)1 gerade gehoben hat, ist klar.

Eisenbahnverkehr mit -em Reich durch die Tschechen unterbunden. Brückensprengungen und Minensperren. - Bereits zehn Strecken stittgetegt.

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Wirkungsvolle Gegenmaßnahmen gegen die tschechischen Marodeure.