Nr. 224
Erstes Blatt
188. Jahrgang Samstag, 24-/5snntag,25. September 1958
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Die Godesberger Besprechung in freundschaftlichem Geist beendet.
Deutsches Memorandum enthält endgültige deutsche Stellungnahme zur Lage. — Der Führer dankt Chamberlain.
Godesberg, 23.Sept. (DNB.) Das Rheinstädtchen Godesberg bot sich auch am zweiten Tage des großen politischen Ereignisses in dem farbenfrohen Glanz eines schönen Herbsttages dar. Der britische Gast und seine Mitarbeiter empfingen in den wenigen Augenblicken der Muße die schönsten Eindrücke der Rheinlandschaft. Zu Tausenden
strömte die Bevölkerung wieder an das Rheinufer, um den britischen Staatsmann bei seiner Anfahrt zu begrüßen. Um 18.15 Uhr kam Bewegung in die Menge. Ein Wagen rollte gegenüber dem Rheinhotel Dreesen an die Rheinfähre. Ihm entstiegen der britische Botschafter in Berlin, Sir Neville Henderson und Sir Horace Wilson vom Stab des Premierministers, um dem Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop einen Besuch abzustatten. Die längere Zeit währende Aussprache diente der weiteren Klarstellung der beiderseitigen Standpunkte, wie sie am Vormittag bereits aus schriftlichem Wesse eingeleitet worden war.
Die abschließende Vesvrechung.
Premierminister Neville Chamberlain traf Freitagabend 22.30 Uhr in Begleitung des britischen Botschafters Sir Neville Henderson und des Chefs des Protokolls, Gesandten F r e i - Herrn von Dörnberg, im Rheinhotel Dreesen zu einer abschließenden Besprechung mit dem Führer und Reichskanzler ein. Der Führer empfing mit dem Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop feinen Gast am Eingang des Hotels und geleitete ihn in die im Parterre gelegene Halle. Line Ehrenwache der ^-Standarte „Brandenburg" erwies dem britischen Premierminister die Ehrenbezeigung.
Die in freundschaftlichem Geiste gehaltenen Besprechungen zwischen dem Führer und dem englischen Premierminister wurden am Freitag mit der lleberreichung eines deutschen Memorandums, das die endgültige deutsche Stellungnahme zur Lage im Sude t e n l a n d enthält, beendet. Der englische Premierminister hat es übernommen, dieses Memorandum der tschecho-slowakischen Regierung zuGib ermitteln.
Chamberlain suchte Freitagabend in Begleitung des englischen Botschafters in Berlin Sir Neville Henderson und Sir horace Wilson den Führer und Reichskanzler in Anwesenheit des Reichsministers des Auswärtigen auf, um sich von ihm zu verabschieden. Der Führer sprach dem britischen Premierminister und der britischen Regierung aus diesem Anlaß seinen und des deutschen Volkes aufrichtigen Dank aus für die Bemühungen zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung der sudelendeutschen Frage.
Die abschließende Besprechung zwischen dem Führer und Chamberlain dauerte etwa drei Stunden. Um 1.30 Uhr verabschiedete sich der britische Premierminister vom Führer, der seinem Gast bis zu seinem Kraftwagen vor dem Portal des Rheinhotels Dreesen das Geleil gab. Der britische Premierminister wird Samstag am frühen Vormittag Deutschland im Flugzeug verlassen, um sich nach England zurückzubegeben.
Chamberlain berichtet heute dem Kabinett.
London, 24. Sept. (DNB. Funkspruch.) In London rechnet man damit, daß Chamberlain sofort nach seinem Eintreffen heute mittag die Mitglieder des sog. Kleinen Kabinetts, d. h. also Außenminister Lord Halifax, Schatzkanzler Sir John Simon und Innenminister Sir Samuel Hoare, zu sich bitten wird, um ihnen über die Gode sberger Besprechungen zu berichten. Allgemein wird erwartet, daß noch Samstag nachmittag oder abends eine B o l l - sitzung des Kabinetts stattfinden wird, bei der Chamberlain ebenfalls Bericht erstatten wird. Die Londoner Blätter rechnen durchweg damit, daß das Parlament Anfang nächster Woche vielleicht schon Montag oder Dienstag zu- sammentreten wird.
Die telephonischen Verbindungen zwischen Godesberg und London waren am Freitag sehr rege. Die führenden Mitglieder des Kabinetts wurden vom Foreign Office telephonisch über die Entwicklung in Godesberg und auch über die Nachrichten aus dem sudetendeutschen Gebiet auf dem laufenden gehakten. Schatzkanzler Sir John Simon begab sich gegen 15 Uhr persönlich in das Auswärtige Amt. Etwas später erschienen dort auch Innenminister Sir Samuel Hoare, Verteidigungsminister Sir Thomas I n s k i p und Kolonialminister Macdonald, letzterer, um die Regierungen der Dominions über den Stand der Dinge zu unterrichten. Auch mehrere ausländische Diplomaten sprachen im Auswärtigen Amt vor. Darunter der polnische Botschafter Graf Raczynski, der den polnischen Standpunkt in der tschechischen Frage im Lichte der neuesten Entwicklung erläuterte. — Ein weiterer Bescher war ver sowjetrusfische Geschäftsträger Kagan.
Benesch ordnet Mobilmachung an.
Panik in der Tschecho-Glowakei. — Wachsende Unzufriedenheit mit den Kriegshetzern in der Prager Burg. — Niemand will für Benesch bluten.
Die Mobilmachungsorder.
Prag, 23. Sept. (DNB.) Staatspräsident Dr. Benesch hat die Mobilmachung der gesamten tschecho-slowakischen Armee angeordnet.
Mißstimmung in allen Sebölkerungskreisen.
Prag, 24. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Die Meldung von der Mobilisation der gesamten tschechoslowakischen Wehrmacht hat im ganzen tschechoslowakischen Staatsgebiet eine ungeheure Panik ausgelöst. Schon gegen Mitternacht sammelten sich in Prag Tausende in den Straßen, um ihrem Abscheu gegenüber den gewissenlosen Kriegstreibern und Kriegshetzern aus der Prager Burg Ausdruck zu geben.
3n den Minderheiten-Gebieten ver- suchten Tausende von Männern sich in Sicherheit zu bringen um nicht gegen ihr eigenes Volk marschieren zu müssen. In Prag schenkte die Menschenmenge, obwohl sofort Abgeordnete als Redner auf die Menge ^inzuwirken versuchten, den Ansagen von der Hilfe keinen Glauben, die der Tschecho-Slowakei angeblich von außen kommen solle. Man erklärte ganz offen, daß die Bevölkerung von Regierung und Rundfunk schon zu oft betrogen und belogen worden sei.
So wird besonders auf den Gegensatz zwischen der Behauptung des Prager Rundfunks, die Besprechung zwischen dem Führer und Chamberlain sei um 11 Uhr ergebnislos abgebrochen worden und der Tatsachenmeldung des deutschen Rundfunks, daß sie um IV2 Uhr morgens erfolgreich beendet worden sei, aufmerksam gemacht. Das sei Beweis dafür, mit welchen Mitteln man dem tschechischen Volk Mut zu machen versuche.
Bei der Arbeiterschaft, insbesondere in den Prager Vorstädten, aber auch in Brünn, Pilsen und anderen Industriegebieten herrscht die Frage vor: Was wird aus dem Arbeiter, wenn Sirovy und seine Kumpane zum Kriege treiben. Sie hätten i h r Millionenvermögen imAusland, hätten Flugzeuge, mit denen sie sich im letzten Augenblick
in Sicherheit bringen könnten, wenn ihre Politik fehlgeschlagen sei. Die Bauern und die Arbeiter aber könnten ihre Höfe und Wohnungen nicht verlassen, sie müßten für die Desperado-Politik der verbrecherischen Gesellen auf der Prager Burg bluten. Ihre Häuser würden vernichtet, ihre Arbeitsplätze zerstört, ihre Familien zerrissen, ihre Kinder einem ungewissen Schicksal preisgegeben. Man versuche sie zu zwingen, hier für etwas zu kämpfen, was sie nie gewollt hätten und auch heute nicht wollten, für ein Phantom.
In den Morgenstunden des Samstag find d i e Züge in der Tschecha-Slowakei für den all- » gemeinen Verkehr f a ft vollkommen g e - sperrt und mitReservisten gefüllt. Wer im Wilson-Bahnhof und im Masaryk- Vahnhof Zeuge der nächtlichen Reservistenverladungen gewesen ist, wer unter diesen stand und sich in ihrer Sprache mit ihnen unterhielt, dem offenbarten sie auch ihr Herz. Es sind nicht wenige unter ihnen, die den Weltkrieg noch nicht vergessen haben, die als Soldaten in der österreichisch-ungarischen Armee bei der ersten Gelegenheit die Waffen fortwarfen und sich vom Gegner internieren ließen, weit es sich für den Staat d«r Habsburger nicht zu kämpfen lohnte, und die ihren Kameraden auch jetzt diese Methode als die sicherste empfehlens aus dem „Wurstkessel", der Tschecho-Slowakei, lebend zu entkommen.
Die Eisenbahnwaggons sind mit Aufschriften ver- sehen: „Wir wollen den Fr jeden", „Fort mit Benesch und Sirovy", „Wir wollen Arbeit und Brot", „Wir wollen kein Kanonenfutter sein". Teilweise sind die Waggons mit Karikaturen von Benesch und Sirovn bemalt, die alles andere als schmeichelhaft sind. Schon in den Nachtstunden setzte die Beschlagnahme aller Motorfahrzeuge ein, so daß in Prag sogar kaum noch Autos zu haben sind. Die Zeitungen sind mit großen Zensurlücken erschienen. Sie dürfen von den ausländischen Meldungen nichts veröffentlichen, insbesondere über die Verhandlungen in Godesberg und das Verhalten Sowjet-Rußlands und Frankreichs nur das bringen, was der tschechische Zensor erlaubt, dessen umfangreiche Arbeit zahlreiche weiße Stellen in den Blättern und die Beschlagnahme mehrerer Zeitungen deutlich machen.
Kein Deutscher wird aus Deutsche schießen
Aufruf Konrad Henleins an die Sudeiendeutschen.
DNv. 24. Sept. Konrad Henlein erläßt an das Sudetendeutschtum folgenden Aufruf:
Benesch hat in seinem Hasardspiel die letzte Karte auf den Tisch geworfen. Er hat, g e st ü h t auf eine verfassungswidrige Militärregierung, die allgemeine Mobilmachung verkündet. Ihr, meine Volksgenossen in der Heimat, wißt, worum es geht. Kein Deutscher wird auf Deutsche schießen, kein Magyare auf Magyaren, kein Pole auf Polen. Benefd) Hal kein Recht, Euch zum furchtbaren Brudermord zu zwingen. Seinem Mobilisierungsbefehl wird kein Deutscher Folge leisten. In kurzer Zeit, werde Ihr frei fein!
Veneschs letzte Karle.
Der Freitag abend, der zunächst sehr ruhig zu. werden versprach, hat einen recht dramatischen Ver-1 lauf genommen. Zur gleichen Stunde, als im Rhein-! Hotel Dreesen in Godesberg die beiden Staatsmänner Englands und Deutschlands miteinander be-1 rieten, verkündete Herr Benesch über den tsche- > chischen Rundfunk die Mobilmachung her: tlchechischen Armee. Eine Minute vor Tores-; schloß machte er, von Moskau getrieben, einen letzten krampfhaften Versuch, eine friedliche Lösung der sudetendeutschen Frage zu verhindern und die Welt in Brandzu st ecken.
Gibt es einen größeren Gegensatz, als die selbstbewußte und sichere Ruhe der freien Staatsmänner in Godesberg und die verbrecherische, von Moskau angezettelte Panikmacherei in Prag? Auf der einen Seits taten sich in Godesberg die Führer von zwei der größten Nationen Europas zusammen, um ihren Völkern den Frieden zu erhalten und das Grauen eines Krieges zu ersparen. Auf der anderen Seite dagegen setzten auf der Prager Burg die tschechischen Machthaber alles auf die letzte Karte, und machten nach einmal den kläglichen Versuch, Mionen von Menschen anderer Völker um chres Machtdunkels. t
und der Aufrechterhaltung brutalen Terrors willen in einen grauenhaften Krieg zu treiben. Man war dabei so erbärmlich feige, daß man dem tschechischen Boltz keinen klaren Wein über die wahre Lage einzuschenken wagte, sondern zu den primitivsten Fälschungen greifen mußte, um wenigstens zu erreichen, daß ein Teil der Reservisten der Einberufungsparole Folge leistete.
Lüge, nichts als Lüge! Lügen mußten dazu herhalten, um die tiefe Depression des tschechischen Volkes und die große allgemeine Unzufriedenheit mit seiner Führung noch einmal zu bemänteln. Sow j etrußland unternahm einen krampfhaften Versuch, der Tschechei militärisch und politisch Hilfe zu schaffen, indem es bei der polnischen Regierung einen Schritt unternahm, mit der Absicht, diese einzuschüchtern. Man war im Kreml auf die mannhafte, feste und energische Antwort Polens allerdings nicht gefaßt. Am Freitag- nachmittag konnte much dieses durchsichtige Manö- or "ls npfcbeitrrt gelten.
Aber Herr Benesch konnte immer noch nicht daran nfmiben, daß die Zeit der Knechtung von acht Millionen Angehörige eines fremden Volkstums durch sieben Millionen Tschechen ein Ende haben sollte. Er glaubte den Versicherungen Moskaus, er möge es nur erst zu einem bewaffneten Konflikt kommen lassen, dann werde allmählich, von selbst sozusagen, ein großer Teil der Welt zum Bundes-genossen der Tschechen werden. Nun: das Godesberger Kommunique hat der Welt über die wirkliche und wahrhafte Friedenspolitik des Führers und des britischen Staatsmannes einen eindeutigen Beweis gegeben. Es steht in krassestem Gegensatz zu der provokatorischen Politik der Panikmacher in Prag und Moskau. Gegenüber dem Verzweiflungsspiel der Herren Benesch, Sirovy und Genossen und seiner Moskauer Hintermänner beharren Deutschland und England auf dem Selbstbestimmungsrecht der Völker und werden sie auch durch solche törichten Täuschungsmanöver wie die später dementierte Reutermeldung über deutsche Angriffsabsichten nicht irre machen lassen in ihrer auf die Sicherung eines hauerbaffen europäischen Friedens hinzielenden Zusammenarbeit.
Es geht um Europa.
Die Ereignisse überstürzen sich. Stand noch das vergangene Wochenende im Zeichen des verzweifelten Versuchs der Prager Regierung, die Sudetendeutsche Partei als die politische Organisation des Sudetendeutschtums mit Hilfe des Standrechts auf die Knie zu zwingen, wozu wesentliche Teile der Verfassung außer Kraft gesetzt und gleichzeitig mit Gendarmerie und Soldateska der in der Roten Wehr militärisch organisierte kommunistische Mob zu einem"wahren Vernichtungsfeldzug gegen das Sudetendeutschtum losgelassen wurde, so bab.cn inzwischen die bisherigen Prager Machthaber eine schwere diplomatische Niederlage erlitten. Mit der wachsenden Unmöglichkeit, die Wahrheit über die Vorgänge der letzten Tage noch länger zu unterdrücken, hat Panik die tschechische Bevölkerung ergriffen, der Stllrm auf die Banken hat die Schließung der Prager Börse notwendig gemacht. Jüdische Geldleute suchen durch eilige Flucht ins Ausland bereits ihr Schällein ins Trockene zu bringen. Neben den Sudetendeutschen melden Polen, Ungarn, Karpathv- Ufrainer ihre Forderung auf ihr Selbstbestimmungsrecht an. Die Soldaten nichttschechischer Nationalität flüchten über die Grenzen, sie'Haden keine Lust, im Befreiungskampf ihres eigenen Volkstums den Kopf für ihre tschechischen Unterdrücker hin- zuhalten. Dem inneren Zerfall des Staates entspricht der moralische Zusammenbruch eines Volkes, dem von seiner Regierung noch bis in die letzten Tage vorgegaukelt wurde, daß überall im Lande Ruhe und Ordnung herrsche und Prag niemals territoriale Zugeständnisse irgend welcher Art machen werde, während in Wahrheit blutiger Terror Tausende von Sudetendeutschen von Haus und Hof trieb und die diplomatischen Verhandlungen zwischen den Westmächten und Prag der tschechischen ■Regierung keinerlei Möglichkeit ließen, der Annahme der englisch-französischen Vorschläge zu entgehen. So mußte die Mitteilung von der Unterwerfung Prags unter den Willen der Westmächte unter der so dreist belogenen und über den Ernst der Lage getäuschten tschechischen Bevölkerung wie eine platzende Bombe wirken. Es ist die Atmosphäre tiefster Niedergeschlagenheit eines Volkes, das aus dem Traum eines angemaßten und ihm immer wieder eingeredeten Herrentums über fremde Volksgruvven sich herabgestürzt sieht in die raube Wirklichkeit eines zerfallenden Staates, dessen Feblkonstruktion auseinanderbricht, sobald die Naturgewalt des Selbstbestimmungsrechts der Völker auch nur einen Stein aus dem Fundament löst.
Das Cbaos, das an die Stelle einer künstlich geschaffenen, nur mit brutaler Gewalt aufrechterhalte, nen Ordnung tritt, läßt Moskaus Stunde schlagen. Nicht umsonst hat die Komintern lange Jahre hindurch das bolschewistische Gift durch die verschiedenartigsten Kanäle dem tschechischen Volk ein- geträufelt. In der Intelligenz, im nationalistischen Bürgertum, das noch der Erinnerung an die pan- slawiftische Idee der Vorkriegszeit huldigt, in her marxistischen Arbeiterschaft, ja selbst im Heer, in dessen höchsten Spitzen die höchst zweifelhafte Tra« hition der durch ihren schändlichen Verrat an Kolt- schak und ihren Raubzug durch Sibirien berüchtigten tschechischen Legionen sich verkörpert, überall haben Moskaus Agenten gante Arbeit geleistet. Das tschechisch-sowjetrussische Militärbündnis bat em übriges getan, den Boden zu bereiten, auf dem Moskau heute zu ernten gedenkt. Nun im Augenblick tiefster Enttäuschung mobilisiert Moskau die Straße. Demonstrationszüge nationalistischer Sa- kolnverbände wechseln mit solchen des fnmmunni« stischen Mobs ab, um von Benesch die Errichtung einer Militärdiktatur zu fordern, die unter den in der Tschecho-Slowakei gegebenen Verhältnissen nur unter bolschewistischem Vorzeichen stehen kann. Die Regierung hrto Generale Sirovn. hie am Donnerstag das Kabinett Hodza abgelöst hat, ist denn auch nichts anderes, als eine durch die Hinzuziehung von Beamten verbrämte Militärdiktatur, die die enge Verbindung mit Moskau schon durch : die Persönlichkeit des neuen Regierungschefs eindeutig dokumentiert. Seine ganze Vergangenheit weist ihn auf eine provokatorische Politik hin. die dem Bolschewismus in die Hände arbeitet bei feinen Bemühungen, eine friedliche Lösung des Pro- । blems her Neuordnung im Raum der bisherigen j tschecho-slowakischen Republik mit allen Mitteln zu hintertreiben und auf einen offenen Konflikt yinzu- fteuern.
„Gewalt um jeden Preis" bat die Pressestelle der Sudetendeutschen Partei die Devise des neuen Prager Kabinetts genannt, und schon hie ersten Stun- den des neuen Regimes haben dieser Prophezeihung in furchtbarster Weise Recht gegeben. Die Sudetendeutschen, die im Egerland und in den anderen sudetendeutschen Grenwebieten den Vereinbarungen mit den tschechischen Behörden auf Uebernabme des Ordnungsdienstes und Alnug der tschechischen Beamten, Gendarmen und Soldaten getraut haben, sind einem schamlosen Täuschungsmanöver zum Opfer gefallen, das die perfide Heimtücke und den fanatischen Haß der Tschechen in ihrer ganzen Ge- meinbeit zeigt. Schon nach wenigen Stunden hoben die tschechischen Truppen, verstärkt durch Rote Wehr, überall kehrtgemacht und haben unter her ahnungslosen, sich ihrer endlichen Befreiung freuenden Bevölkerung mit Panzerwagen und Tanks ein entsetzliches Blutbad angerichtet. Die Hilferufe, die die erneut dem abscheulichen Terror zügelloser HulMnhorden ausgMeferten Bewohner von Gras-


