Ausgabe 
24.9.1938
 
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Glaube gegen Nervosität.

Auf der Nheinterraffe von Godesberg.

yon unserem O.S.-Sonderdenchterstatier.

Im Städtchen Godesberg wurde zwar in diesen Tagen große Politik gemacht, aber, soweit die deutsche Seite in Frage kommt, in harmonischer Hebereinstimmung mit dem Frieden, der über dieser schönen deutschen Landschaft rund um das Sieben­gebirge liegt. Fährt man im Auto in die waldige Umgebung oder schlendert man die Promenaden am Rheinufer entlang, dann fühlt man sich in die schönsten Ferienzeiten eines ausklingenden Som­mers zurückversetzt. Ausflügler sind überall unter­wegs, zumeist in Richtung Godesberg, um, wenn möglich, den Führer zu sehen, dem eine nach vielen Zehntausenden zählende Menge bei seiner Ankunft eine imposante Huldigung bereitete. Auf dem Rhein selbst herrscht lebhaftes Getriebe. Handels­schiffe kommen vom Schwarzwald her und streben der Nordsee zu, schwere Frachter ziehen flußauf­wärts. Dazwischen huschen Motorboote hin und her. Dann wieder ziehen schöne Vergnügungsdampfer über den Rhein, die an Bord fröhliche Menschen tragen. Ueberall herrscht tiefster Friede, herrscht vor allem eine Zuversicht, die, politisch gesehen, für manches fremde Volk eine unbekannte Große ist.

Diese Ruhe und Behaglichkeit, die von allen Men­schen in und um Godesberg Besitz ergriffen hat, fehlt indessen der Schar der ausländischen Bericht­erstatter, die bald zum Petersberg hinaufeilen, bald wieder in ihrem Hotel zusammenhocken, nicht aber, um sich der gleichen Zuversicht hinzugeben, die ganz Deutschland beherrscht, sondern um in altgewohnter Manier alle möglichen Parolen auszugebe'n, die na­türlich in keinem Falle etwas Gutes sagen. Fühlt man dem einzelnen Auslandsjournalisten auf den Zahn, dann stellt sich dabei heraus, daß er selbst nichts über Gang und Inhalt der deutsch-engli-

schen Unterhaltung weiß, die sich am Freitag zum größten Teil in schriftlicher Form abwickelte. Man r o m b i n i e r t, man vermutet, man begibt sich dabei auf alle mögliche Abwege, die in die Irre fuhren, und die ganze Kolonne der ausländischen Berichterstatter ohne Not und ohne Grund nervös machen. Diese Vertreter ausländischer Sensations­blatter taten besser daran, nicht jedes Motorboot, das den Rhein überquert, mit dem Fernglas zu verfolgen und nicht von ihren Stühlen auf der Rheinterrasse aufzufahren, wenn ein Regierungs- auto die abgesperrte Straße entlangfährt. Ihre Un­ruhe hat allerdings insofern einen Grund, als sie selbst einsehen, daß die Tschechen durch die Bildung einer roten Militärdiktatur und durch die unerhörte Steigerung des Blutterrors die Aufgabe Chamber­lains noch mehr erschwert haben. Der britische Mi­nisterpräsident hat denn auch in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag und am Freitag selbst in einem ständigen Gedankenaustausch mit London ge­standen, ausgelöst durch die Vorgänge in der Tschechen

Aber die Unruhe bei dep Ausländern vermag niemanden in Godesberg zu beeindrucken. Hier herrscht jene vertrauensvolle Zuversicht, die unsere Nation seit dem 30. Januar 1933 beseelt. Das deutsche Volk hat immer wieder erleben dürfen, daß es von einem Manne geführt wird, der einen klaren Blick für die Realitäten besitzt und der weiß, was er will. So liegen auch jetzt die Dinge. Der Glaube an den Führer beherrscht alle Deutschen, er bildet die beste Gewähr dafür, daß die politischen Verhandlungen der letzten Tage eine Lösung brin­gen, die der Führer anstrebt und die er auch er» reichen wird.

polen weist dreiste Drohung Moskaus zurück.

Warschau, 23. Sept. (DNB) Der stellvertre­tende Volkskommissar für Aeußeres Potemkin erklärte am Freitag dem polnischen Ge­schäftsträger in Moskau, daß die Sowjet- regierung aus verschiedenen Quellen Informationen erhielt, wonach polnische Truppenteile an der polnisch-tschecho-slowakischen Grenze zusammengezogen sind, um die gewalt­same Besetzung des tschecho-slowakischen Ge­bietes vorzubereiten. Diese Nachrichten seien bisher von der polnischen Regierung unwidersprochen ge­blieben. Die Räteregierung erwarte, daß dies un­verzüglich erfolge. Wenn dies nicht geschehe und wenn die polnischen Truppen das Gebiet der Tschecho- Slowakei besetzen sollten, dann halte es die Räte­regierung ihrerseits für nötig, die polnische Regie­rung zu warnen unter Hinweis darauf, daß auf Grund des Art. 2 des Nichtangriffspaktes aus dem Jahre 1932 die Regierung der Sowjet­union angesichts des erfolgten Angriffes genötigt wäre, den erwähnten Pakt ohne Warnung zu kün­digen.

In Beantwortung hierauf ist der polnische Geschäftsträger in Moskau beauftragt wor­den zu erklären:

1. Die zum Schutze des Staates notwen­digen Maßnahmen gehen lediglich die polnische Regierung etwas an, die n i e- m a n t> e n gegenüber zu Erklärungen hierüber verpflichtet ist.

2. Die polnische Regierung kennt die Texte genau, die sie geschlossen hat.

Weiter erhielt der polnische Geschäftsträger den Auftrag, die V e r m u n ö e r u ng der polnischen Re­gierung über diese Demarche zum Ausdruck zu brin­gen, da an der polnisch-sowjetrussischen Grenze von polnischer Seite keine besonderen Maß­nahmen erfolgt sind.

Die sowjetrussische Demarche in Warschau ist nichts weiter, als ein großangelegter Bluff, der Ne Polen einschüchtern will und gleichzeitig den Tsch. chen zei­gen soll, was sie für einen tüchtigen Bundesgenos­sen besitzen. Mit solchen lächerlichen Mätzchen wird der Kreml heute nirgends mehr Eindruck schinden, am wenigsten in Warschau, was ja schon aus der polnischen Antwort auf die plumpen Drohungen der Sowjets heroorgeht, die Antwort läßt an Deut­lichkeit nichts zu wünschen übrig, sie zeigt, daß Polen sich stark genug fühlt, mit allen ihm geboten erscheinenden Mitteln für sein gutes Recht sinzn- treten.

polens Einheitsfront

im Kampf um seine Volksgenossen in der Tschechei.

Warschau, 24. Sept. (DNB. Funkspr.) lieber die in der Nacht abgeschlossene Konferenz in Godes­berg berichten die polnischen Blätter " in größter Aufmachung.Expreß Poranny" schreibt, seit eini­gen Wochen sei man Zeuge eines dramatischen Wettlaus zwischen de'r Diplomatie und dem Ereignissen gewesen. Europa habe diesen Wettlauf mit wachsender Beunruhi­gung beobachtet. Diese Unruhe habe man aber in Polen nicht geteilt. Im Bewußtsein der eigen en Kraft und des guten Rechts der eigenen Sache habe man kaltes Blut bewahrt. Die Ereignisse hätten Polen nicht überrascht. Kurjer Poranny" unterstreicht vor allem, daß die gesamte polnische Nation einig und gesch los - sen ruhig den kommenden Dingen entgegensahe. Es gebe keine Meinungsverschiedenheiten in der tschecho-slowakischen Frage. Die Ansichten der Po­len, die überall selbst in den entlegensten Winkeln des Landes für die Befreiung ihrer Volksgenossen in der Tschechei in mächtigen Kundgebungen em- treten, seien der schlagendste Beweis dafür, daß die

Einheit der Front keine Redensart fei. In diesem wirklich geschichtlichen Moment sei die Hauptsache: Ruhe und Besonnenheit zu bewahren. In soldatischer Bereitschaft, diszipliniert und innerlich geschlossen stehen alle Polen Marschall Rydz-Smigly zur Verfügung, der heute für alle Polen das Symbol der Einheit und Kraft sei.

Am Freitag fanden im Warschauer Schloß wich­tige Beratungen statt. Der Staatspräsident empfing Marschall Rydz-Srnigly, den Mi­nisterpräsidenten General Skladkowski und den polnischen Außenminister Beck.

Wie Europapreß aus Warschau meldet, fanden im polnischen Außenamt am Freitag Besprechun­gen zwischen dem polnischen Außenminister Beck und den Botschaftern Großbritanniens, Frankreichs und Japans statt. Die Bespre­chungen wurden in politischen Kreisen mit dem Meinungsaustausch zwischen Polen und Sowjettuß- land in Beziehung gebracht.

Paris überrascht.

Paris, 24. Sept. (Europapreß.) Die Stim­mung in Paris war um Mitternacht vor allem nach den aus Prag einlaufenden Meldungen sehr er­regt. Nachdem dev Mobilmachungsbeschluß der Prager Regierung bekannt geworden war, drückte man sich in der Umgebung des Quai d'Orsay über diese Maßnahme sehr vorsichtig aus, gab jedoch zu verstehen, daß man durch den Beschluß der Prager Regierung überrascht worden sei. Die Blätter, die fast alle vor Bekanntwerden des Godesberger Schlußkommuniquös gedruckt worden sind, unter­streichen die Bedeutung der Prager Mobilmachung. Befriedigung drücken jedoch nur die kommunistische 5)umanit6" und die nationalistischeEpoque" aus. Die Bekanntgabe des Godesberger Schlußkommu- niquäs wurde in politischen Kreisen mit Erleich­terung aufgenommen, nachdem man vorher eine ziemliche Nervosität an den Tag gelegt hatte.

Tschechische Pioniere sollten auch auf reichsdeutschem Gebiet

Brücken sprengen.

Neustadt (Dberfd;!.), 23. Sept. Bei Neustadt in Oberschlesien gerieten tschechische Pioniere mit einem Lastkraftwagen voll Spreng« material versehentlich auf reichsdeutsches Ge­biet. Sie wurden fe ft genommen und der Grenzpolizei zugeführt. 2),er Lastkraftwagen mit dem Sprengmaterial wurden beschlagnahmt. Die Festgenommenen hatten den Auftrag, die Brücken in Hennersdorf zu sprengen. Sie hatten ferner gleichzeitig Sprengaufträge auf reichs- deutschem Gebiet. Es wurde sofort eine strenge Untersuchung deswegen gegen sie ein­geleitet.

Wieder vier Sudetendeutsche standrechtlich erschossen.

Reichenberg, 24. Sept. (DNB.) In der Ka­serne des Infanterieregiments 44 wurden am Frei­tagabend vier sudetendeutsche Soldaten standrecht­lich erschossen. Es handelt sich um Karl Kit - t e l aus Kukan, Wagner aus Bodenbach, Lehrer Jäger aus Rochlitz und Alfred Krause (Wohn­ort noch nicht sestgestellt).

Ostpreußische Herbstmanöver.

Don unterem Sonderberichterstatter

bewußte feste Ordnung in dem Augenblick, in dem die bewaffnete Macht der Tschecho-Slowakei in

Steg eines Wehres und geroaenen so das rechte Flußufer.

Besondere Aufmerksamkeit verdienten die Be­wegungen und Kämpfe der 1. K a v.- B r i g a d e, der einzigen deutschen Kavallerie-Brigade. Das Pferdeland Ostpreußen stellt den Reitern in dem edlen Ostpreußen, dem Trakehner, ein hoch­wertiges und kaum zu übertreffendes Reitpferd. In treuer Kameradschaft mit den Radfahrerschwadro- ncn verstanden es die Reiter, im beweglichen Ge­fecht den stark überlegenen blauen Gegner aufhalten. Schnell setzten sie sich vom Feinde ab, und nach wenigen Minuten schon schufen sie sich einige Kilo­meter rückwärts eine neue Widerstandslinie, die den Angreifer von neuem zwang, seine schweren Begleit- wasfen herbeizuholen und einzusetzen. Immer wieder wurde so der blaue Angriff gedämpft und abgestoppt.

Auch die Nachfolger der schweren Schlachten- kavallerie, die Kampfwagen, wirkten entschei­dend in diesen Tagen mit. Spielend nahmen ihre Raupenbänder die Höhenkuppen bei Kruken. Unbe­irrt durch die heftige feindliche Abwehr brachen sie mit unwiderstehlicher Wucht heran. Puloerdampf legte sich um die Türme der Stahlkolosse, der aus dem Laufe der unermüdlich arbeitenden MGs. der Panzerkampfwagen stammte. Plötzlich zog sich eine mehrere Kilometer lange Nebelwand durch das Ge­lände. Flugzeuge kreisten über der gepanzerten Linie der Angreifer aus den undurchsichtigen, fast starren Nebeschwaden verriet nur der zu einem wahren Orkan anschwellende Gefechtslärm, daß ein erbittertes Ringen sich hier abspielte bis langsam der Hexenlärm abebbte. Das dramatische Gefecht war beendet.

DieserManöverkrieg" auf einem alten Schlacht­felde hatte viele Zuschauer angelockt. Die Landleute, die bei der Bergung ihrer Kartoffeln auf den Fel­dern arbeiteten, ließen oft die Forke ruhen und

einen Auflösungszustand eintritt und ein bisher schamlos geknechteter Teil dieses politischen Zwangs- gebildes, der Stamm der Sudetendeutschen, sich an­schickt, notfalls mit der Waffe in der Hand fein ihm vorenthaltenes Recht auf Selbstbestimmung, seine Freiheit und seine Existenz zu verteidigen.

Dieser Vergleich und diese Gedanken drängten sich dem Beobachter auf dem Uebungsgelänbe während der ostpreußischen Herbstmanöver durch die Sprache und die Geschichte der dortigen Landschaft auf. In dem Raume Angerapp (früher Darkehmen) Gol- dap Treuburg spielten sich diese Hebungen ab. Manche alten Soldaten aus dem Weltkriege werden beim Klange dieser Namen aufhorchen. Erinnert doch der Name Angerapp an die schweren Kämpfe in den Wintermonaten 19 14/15, als die 8. Arme hinhaltend die Angerapp-Linie verteidigte zur Vorbereitung der Endschlacht im Februar 1915, in der endgültig die eingedrungenen Russen aus Ostpreußen hinausgeworfen wurden.

Um manche Dörfer auf dem damaligen Schlacht­felde, wie z. B. um Gawcriten (heute Herzogswalde) tobten schon in den Anfangstagen des Krieges heiße Kämpfe. Am 20. August 1914, während der Schlacht von Gumbinnen, schüttelte hier das I. Res.-K. die verderbendrohenden, -überraschend einsetzenden An- griffe der Russen in der Flanke und im Rücken ab. An jene schwere, ernste Zeit mahnen die würdig gehaltenen und liebevoll gepflegten Heldenfriedhöfe, wie etwa der in herrlicher Lage gelegene Krieger­friedhof am Schwenzaitsee.

Treu dem Vermächtnis der Streiter aus dem Weltkrieg bewiesen auch die jungen Soldaten unse­rer heutigen stolzen Wehrmacht ihre Zähigkeit und ihre straffe Pflichtauffassung. Die Truppen hatten bereits vor Beginn der eigentlichen Korpsmanöver, die vier Tage, vom 18. bis 22. Sept., umfaßten, an­strengende Tage hinter sich. Die Teile des I. AK., die 1., 11. und 21. ID. hatten bereits, wie eben­falls die 1. Kav.-Brigade, eigene Hebungen im Divisionsrahmen durchgeführt. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von B rauch it sch, der ja mehrere Jahre hindurch das ostpreußische Armeekorps geführt hat, weilte per­sönlich auf dem Hebungsgelände und hatte dort mehrfach Gelegenheit, sich von dem frischen, unver- brauchten Zustand der Truppen zu überzeugen. Die Leitung der Hebung lag in den Händen des Kom­mandierenden Generals des T. AK., General der Artillerie von Küchle r. Mehrere höhere Offiziere

folgten den verschiedenen Abschnitten des Kampfes. Mit herzlicher Freude nahmen sie des Abends die ins Quartier kehrenden Einquartierungen. Die ältere Generation kann sich noch sehr genau auf die Schrecken des russischen Einfalls besinnen, und sie weiß sehr wohl, daß ihre Arbeit und ihr Wohl­ergehen dem Schutze eines starken, achtunggebieten­den Heeres anoertraut ist. Durch die liebevolle Auf­nahme der Feldgrauen drückten sie ihren Dank an die Wehrmacht aus. Der Soldat weiß auch sehr gut, daß besonders in dem Soldatenlande Ostpreu­ßen ihm stets ein herzlichesWillkommen" überall entgegenschallt. Erwin Scharfenorth.

Angerapp, September 1938. i befreundeter ausländischer Mächte wohnten diesen Während die Welt unter dem Druck einer scharfen Hebungen als Gäste bei.

politischen Hochspannung steht, die ihre Wellen auch! Der Kampf drehte sich zunächst um die Beherr- auf die Leitung der verschiedensten Armeen über- schung der Angerapp-Linie. Die aus dem trägt bekanntlich wurden ja die geplanten und Raume Insterburg Gumbinnen heroorbrechende bereits laufenden französischen Manöver abgebro» blaue Partei setzte sich sehr schnell in Besitz eines chen vollzogen sich in aller Ruhe planmäßig die Brückenkopfes bei Angerapp (früher Darkehmen). Herb st Übungen des I. A K. in Oftpreu»; Hierbei zeichneten sich besonders die Drtelsbur« feen. Die durch den Obersten Befehlshaber der g e r Jäger, die Hüter einer stolzen Tradition, Wehrmacht Adolf Hitler neu geschaffene deutsche | aus. Als Rot die dortige Brücke hochgehen litfe, Wehr beweist durch diese sichere Haltung ihre traft», übertlettertenjie in stockdunkler Nacht den schmalen

Fronikämpferkanieradschast.

Das deutsch-englische Frontkämpfertreffen fand am Freitagabend feinen Höhepunkt mit einem ge­meinsamen Essen im Parkley-Hotel, in dessen Verlaus Reichsführer der NS.-Krieasopferversor- gung Oderlindober dem Vorsitzenden der British Legion, Sir Frederick Maurice, eine Bronze-Plakette überreichte. Die Plakette, auf der zwei deutsche Soldaten einen verwundeten Englän­der führen, betonte Oberlindober, sei ein Aus- druck der Kameradschaft zwischen den deut­schen und den englischen Soldaten. In feiner Dank­rede erklärte Sir Frederick Maurice, es gebe kein schöneres Symbol für die deutsch-englische Kamerad­schaft, als die Gabe der deutschen Frontkämpfer. Maurice streifte dann die internationale Lage, wo­bei er der Hoffnung Ausdruck gab, daß der Geist, der aus dem Geschenk spreche, die Beziehungen der beiden Völker und ihre beiden großen Führer be­seelen möge. Es sei kein Grund vorhanden, schloß Maurice, weshalb das autoritäre Deutschland und das demokratische England nicht trotz allen Verschie­denheiten ihrer Tradition und Geschichte zum Segen der Völker Zusammenarbeiten könnten.

Wenn zu einem Zeitpunkt, da nach schärfsten inter­nationalen Spannungen die Entscheidung nicht nur über das künftige deutsch-englische Verhältnis, son­dern auch über die wichtigsten allgemein-europäischen Fragen heranreift, 800 Mitglieder des Deutschen Reichskriegerbundes nach den britischen Inseln hinübergefahren sind, um dort als Gäste der British Legion kameradschaftliche Ge­spräche zu führen, so ist in diesem Vorgang natür» lich keine absichtlich herbeigeführte Parallele zur aktuellen hoben Politik, wohl aber ein symbolisches Zeichen bes/©elftes zu erblicken, der unseren Erd­teil allein aus seiner geschichtlichen Krise herauszu- führen vermag. Die ehemaligen deutschen und bri­tischen Soldaten, die sich einst als Gegner im Feld gegenüberstanden, können sich heute verstehen und verständigen, weil sie Frontkämpfer, weil sie trotz aller Feindschaft ritterliche Gegner waren. Sie würden sich gegenseitig nicht achten und nicht ver­söhnen können, wenn der eine ober ber anbere Teil von i^neji währenb bes Weltkrieges als Halunken« banbe erkannt worben wäre. Mit Deserteuren, Drückebergern und Etappenschweinen kann man auch später keine Kameradschaft pflegen und keinen Frie­den aufbauen. Die Nutzanwendung auf bas Tsche­chenvolk ist überzeugend. Die tschechischen Legionäre haben sich im Kriege niemals als tapfere Gegner, fonbern immer nur als feige Verräter unb Maro­deure ausgezeichnet. Mit ihnen kann es beshalb auch feine Frontkämpfer-Kameradschaft und feine Frie­densgemeinschaft geben. Das tschechische Volf wird

sich die internationale Achtung nicht anders zurück- erobern können, als wenn es den ganzen verräte­rischen Klüngel um Benesch, Syrovy und seine Le­gionäre zum Teufel jagt. H. Ev.

Araber-Streik in Palästina.

Jerusalem, 24. Sept. (Europapreß.) Die an- haltenden Hnruhen führten am Freitagabend zur Ausrufung eines allgemeinen Streiks der Araber in Jerusalem, Nazareth, Haifa, Nablus unb anderen arabischen Städten. Der Streik, an dem sich sämtliche Araber mit Ausnahme der Beamten der Mandatsregierung beteiligen, ist ein Protest gegen öie Erschießung arabischer Freischärler sowie die immer größere Aus­maße annehmenden Verhaftungen. Aus Jaffa und Haifa kommen Meldungen über die Erschießung arabischer Polizisten, während in Nezziona die Villa eines reichen Arabers in Brand gesteckt wurde. In Jaffa wurde außerdem ein jüdischer Ge­fängniswärter erschossen. In der Nähe von Zabad wurden in einem Gefecht mit arabischen Freischärlern drei englische Soldaten verwundet. Auf dem Verdeck eines einem Juden gehörenden Autobus wurden zwischen Haifa und Tel Awiw in einem Koffer 11 Maschinenpistolen und 1200 Schuß dazugehöriger Munition gefunden. Da der Eigen­tümer nicht festgestellt werden kannte, wurden sämtliche Insassen des Autobus verhaftet.

ffiefferberidyt

Nachdem es am Freitag in unserem Gebiet trotz Wahrung des freundlichen Witterungscharak­ters vielfach zu Bewölkung kam und nördlich des Taunus vereinzelt sogar zu Gewitterbildungen ge­kommen war, hat sich zur Zeit der Hochdruckeinfluß wieder verstärkt. Er wird vorerst auch bestimmend bleiben.

VorhersagefürSonntag: Vielfach Früh­nebel, sonst trocken und meist heiter, mittags warm, Winde aus Ost und Süd.

Vorhersage fürMontag: Im wesentlichen freundliches Wetter._________________________________

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik unb für bie Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigenTeil: ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Sin­nigen: Theoder Kümmel. D. 21. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Drühlsche Hniversitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig

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