Ausgabe 
24.8.1938
 
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Arttlleneschießen in der Ostsee.

Zerstörerdivision übt für die Herbstmanöver.

Von unserem Äerichieritaiier Or. Hagemann.

An Bord des Z e r st ö r e r SP a u l I a c o b i". lieber der weiten Bucht von Saßnitz steigt ein strahlender Morgen empor. Die Sicht ist klar, das Meer ruhig, ein ideales Wetter für artilleristische Hebungen. Am Vortage ist die 2. Zerstörerdivision vor Saßnitz eingetroffen, die schnittigen grauen Schiffe ankern draußen auf der Reede, dünne Rauchschwaden kräuseln sich über den Schornsteinen.

Der Hafen schläft noch, als uns ein Motorboot an Bord des Divisionsführerschiffs bringt.Paul Jacobi" steht in . goldenen Lettern am Bug, eben gibt ein Matrose mit dem. Scheuertuch den Buch­staben ihren letzten Glanz. Es ist der Name eines deutschen Torpedobootskommandanten, der an Bord von 5 90 mit seiner Mannschaft 1917 vor dem Feind geblieben ist. Die Marine hält ihre Traditionen hoch, auch die Zerstörerwaffe hat ihre ruhmreiche Geschichte, so jung sie auch ist. Den Zerstörern ist eine besonders wichtige und vielseitige Aufgabe zu- gedacht: sie sind nicht nur Torpedoträger wie das U= und T-Boot, sie müssen durch ihre artilleristische Feuerkraft Ueberraschungsangriffe kleinerer Fahr­zeuge abwehren und den Marsch der Kampfflotte sichern. Etwa dreimal so groß als Torpedoboote sol­len sie es mit diesen trotz artilleristischer Bestückung an Schnelligkeit und Wendigkeit aufnehmen.

Die Zerstörerdivision hat ihren großen Tag. Der Generaladmiral, begleitet vom Flottenchef, Admiral Earls, und dem Führer der Torpedoboote, Konter­admiral Lütjens, will persönlich dem Artillerie­schießen der Zerstörer beiwohnen. Kaum sind wir an Bord desPaul Jacobi", da geht am Mast der Divisionsstander nieder, und die Generaladrnirals- slagge wird gesetzt. Ein Flottenbegleitboot hat längsseits festgemacht, die hohe Admiralität geht an Bord und wird auf die Kommandobrücke ge­leitet. Der Anker wird gelichtet, die Division setzt sich in Marsch.

Mit nordwestlichem Kurs geht es an den weißen Kreideklippen von Stubbenkammer vorüber in die Ostsee hinaus. Weit draußen liegen die Kreuzer Nürnberg",Köln" undLeipzig" vor Anker, die erst am Nachmittag zu ihren Hebungen auslaufen sollen. Noch ist der Horizont belebt mit zahlreichen Fischdampfern und Frachtschiffen, denn wir befin­den uns auf einer der verkehrsreichsten Routen der Ostsee. Aber der nördliche Horizont ist klar, nur ein paar Mastspitzen ragen über die Meeresfläche. Mit hoher Geschwindigkeit eilen wir diesem Punkt ent­gegen, und bald unterscheidet das Fernglas deutlich die aufsteigenden Hmrisse von Schiffsaufbauten. Es ist dieHessen", eines der beiden Zielschiffe der Kriegsmarine, dessen.ferngelenkte Einrichtungen ein Wunderwerk der Technik sind. Wir können deutlich beobachten, wie das Führungsboot von dem Geister­schiff ablegt, das nun ohne Besatzung, nur durch Fernsteuerung regiert, seinen Kurs nimmt.

Die Geschützmannschaften haben ihre Plätze ein­genommen, auf der Brücke drängen sich die Offi­ziere mit den breiten goldenen Äermelstreifen. Die Rohre gehen hoch, werden in Richtung gebracht, näher rückt der Angreifer dem schwimmenden Ziel. Fertig!" Die erste Salve hallt über das Deck, eine Pulverwolke weht über uns hin, und gespannt rich­ten sich hundert Augen auf das Ziel. Nach unend­lich scheinenden Sekunden steigen die grauen Wasser­fontänen hoch, knapp vor derHessen". Sieh da, das Geisterschiff antwortet, man sieht zahlreiche Mündungsfeuer, die von weißen Rauchwolken ver­schlungen werden. Die Illusion des artilleristischen Zweikampfes erscheint vollkommen. Wieder erzittert unser Schiff unter einer Salve, und nun folgen sich Schlag auf Schlag Abschüsse und Einschläge. Dann wieder große Stille. In Rauch gehüllt, aber schein­bar unbeschädigt, zieht dieHessen" ihren Weg, sie ist unsinkbar gemacht und hat schon manchem Gra­natregen standgehalten. Die Hebung ist beendet. Die Zielresultate werden der Divisionsführung später übermittelt werden. In weitem Bogen kehren die Zerstörer in die Saßnitzer Bucht zurück, die Admi­

ralität geht von Bord, und die Division kann vor Anker die wohlverdiente Mittagspause machen.

Die dienstfreien Mannschaften genießen an Deck die schöne Mittagssonne oder weilen plaudernd in den Schlafräumen. Hier, ist alles viel geräumiger und bequemer eingerichtet, als auf den alten Tor­pedobooten, wo jeder Winkel sparsamst ausgenutzt mar. Die Schlafnischen sind wie in den Bahn­abteilen durch das Hochklappen der Betten in Auf­enthaltsräume umgewandelt, in die das helle Ta­geslicht fällt. Helle, saubere Wasch- und Duschräume, eine behagliche Hnteroffiziersmesse, saubere, ge­schmackvolle Kabinen, das alles macht den Eindruck der Wohnlichkeit und verständnisvollen Pflege. Drei­hundert Mann leben an Bord, und doch ist nir­gendwo Beengtheit ober Gedränge. Noch schnell einen Blick in die Schiffsküche. Sie ist Nein, aber praktisch, mit den modernsten Hilfsmitteln ausgestat­tet. Hier beziehen Offiziere und Mannen ihr Essen aus der gleichen Küche. Ein kleines, aber doch wich­tiges Mittel für das Gemeinschaftsgefühl, das alle, vom Kapitän bis zum jüngsten Matrosen, ver­bindet.

DieseBlauen Jungens" sind prächtige Kerle. Be­geistert erzählen sie von den schönen Fahrten, die sie an Bord desPaul Jacobi" in die norwegischen Fjorde und bis an die Küsten Islands machen durf­ten. Es ist immer das Gleiche: wo deutsche Schiffe, deutsche Matrosen im Ausland erscheinen, da er­obern sie sich im Sturm die Herzen und verscheuchen die bösen Schwaden des Mißtrauens und der Ab­neigung, die man so geschäftig gegen das Dritte Reich braut Bon überall her kommen sie, diese jun­gen Freiwilligen der deutschen Marine, aus Bayern. Schlesien und von derWaterkant". Die Bord­gemeinschaft ist ein Symbol des einigen Reiches, das hinter dieser Flotte steht. Nicht lange und auch die Söhne der deutschen Ostmark wird man hier finden. Der Höhepunkt dieser Freizeit an Bord ist das Freischwimmen. Wer immer dienstfrei hat, nutzt den schönen Tag und die stille See, und bald ru­dern um das graue Schiff Dutzende von kräftigen jungen Männern, und die Zuschauer an der Ree­ling packt die Lust, es ihnen nachzutun.

Lauban den Namen der Stadt an der Bahn­linie BerlinGörlitzHirschbera hat mancher schon gelesen, ohne dabei zu ahnen, daß diese Stadt mit ihren über 16 000 Einwohnern in der ganzen Welt bekannt ist. Bekannt, weil von hier die Welt mit Taschentüchern versorgt wird. Daß der SpruchLauban putzt der Welt die Nase" keine übertriebene Behauptung ist, beweist jeder Besuch in einer Taschentuchfabrik. Schon mefm man durch die Straßen dieser Stadt wandert, fällt einem auf, daß fast jedes zweite Haus ein Schild an feiner Tür hatMechanische Taschentuchweberei". Aber außer den in den Fabriken beschäftigten Arbeitern findet noch eine große Zahl von Heimarbei­tern ihren Erwerb durch die Taschentuchher­stellung.

8 0 0 0 0 Meter lang ist ein Faden, der auf der Drosselkapsel aus der Spinnerei kommt, und der nun in der Weberei zunächst einmal aufgespult werden muß. Wie die Orgelpfeifen stehen zu diesem Zweck die Spulen neben- und untereinander auf großen Gestellen, von denen sie dann wie es in der Fachsprache heißt auf die Zettelbäume aufgesteckt werden. So kommen bann 500 bis 600 Fäden auf die sogenannte Kette, von denen dann wieder sechs bis neun auf einen Baum zusammen­gebracht werden. Uni) von hier aus entwirren sich nun sowohl wörtlich wie auch in unseren Begriffen die Fäden langsam zu einer etwas greifbarer wer-

Der Abend sinkt, graue Wolken sind am Hori­zont aufgestiegen. Punkt 19.45 Uhr werden die Anker gelichtet. Wieder geht es in die See hinaus, zum Nachtschießen, dem Abschluß der heutigen Tages­arbeit. Nun ist alles anders. Bald vermag das Auge nicht mehr Wasser und Himmel zu unter­scheiden, von Rügen her blitzen in langen Reihen die Lichter der Badeorte uni) die Leuchtfeuer auf, und aus dem dunklen Meereshorizont schimmern hier und da noch die Positionslaternen heimkehren­der Schiffe. Angestrengt suchen die Ferngläser das Dunkel zu durchdringen, um das Ziel zu finden, dem sich der Zerstörer in schneller Fahrt zu nähern scheint. Nicht ein Zielschiff, sondern eines jener schwimmenden Ziele, die wir beim Ausfahren in der Morgenfrühe im Saßnitzer .Hafen in langer Reihe liegen sahen, wird das Objekt der Rohre des Paul Jacobi" fein. ,

Das Schiff fährt abgeblendet, ganz in Dunkel gehüllt, nur schwaches Licht fällt aus dem Ruder­haus auf die Apparaturen der Kommandobrücke, auf der die Schlachtenbummler das nächtliche Schau­spiel erleben sollen. Da plötzlich zischt eine Rakete in die Nacht, und dann donnert aus allen Rohren eine Salve in die Dunkelheit. Ganz schwach hatte man zuvor die schwarzen Umrisse eines schwimmen­denEtwas" in der Ferne ahnen können. Nun, vom Lichffchein geblendet, verfolgen die ungeschulten Augen ziemlich hilflos den Weg beti Geschosse burch die Nacht Salve um Salve, bann roieber tiefe Stille.

Das Schiff dreht ab, mit langsamer Fahrt fahrt es dem Ziel entgegen, und im Kegel seiner Schein­werfer werden von Bord des Schleppbootes aus die Treffer gezählt. Die Leinwand zwischen den hohen Holzrahmen der Zielfloße ist stark durchlöchert, Fetzen hängen herab, ein Holzrahmen ist gespalten: Achtzehn Treffer sind ins Ziel gegangen. Hätte hier ein Schiff gestanden, so wäre von ihm nicht viel mehr übrig geblieben. Das Tagesziel ist erreicht, befriedigt können Offiziere und Mannschaft schlafen gehen.

Es ist spät in der Nacht, als wieder vor Saßnitz der Anker in die Tiefe rollt. Mit einem kühlen Trunk und einem wahren Händedruck nehmen die Gäste Abschied von dem gastfreundlichen Schiff. Auf Wiedersehen bei den Manövem!" Noch steht der Kriegsmarine die Hauptarbeit bevor, denn die alljährlichen Herbstmanöver werden erst die eigent­liche Probe auf die Leistung unserer Blauen Jun­gen und chrer tüchtigen Schiffe sein.

denden Gestalt. Die einzelnen Fäden liegen nämlich jetzt dicht beieinander, wenn sie in die Schlichte­re i kommen, wo man die Fäden, während sie mehrere Trommeln durchlaufen, haltbar macht.

Endlich ist es dann so weit, daß mit der eigent­lichen Weberei begonnen werden kann. Im Web­saal empfängt uns der Lärm von 286 mecha­nischen W e b st ü h l e n , die ihke Schiffchen hin- und hersausen lassen, und dabei enffteht auf eine für den Laien unbedingt geheimnisvolle Weise ein Taschentuchstück nach dem anderen, so wie es ge­wünscht wird, entweder einfarbig weiß, nur mit einem schmalen Streifen, oder aber mit bunten Kanten. Und bann ist das Taschentuch fertig, dann wird es abgeschnitten, und wir können es sogleich benutzen? Nein, so einfach ist das nicht.

Gewebt ist ba.5 Taschentuch freilich, aber ehe wir uns versehen ist ber lose Ballen, das Stück, das aus dem Stuhl gekommen ist, ergriffen und in einen kleinen Raum getragen, in dem es unter einem Zählwerk hindurchläuft, geprüft und gleich­zeitig gezählt und gemessen wird. Dann geht es weiter in die Bleicherei, in die Wäscherei und schließlich in die Egalisier- maschine, die die Taschentücher roieoer auf die ursprüngliche Breite zieht. Während wir diesen letzten Borgang beobachten, warten draußen schon die Heimarbeiterinnen, an die die Taschentücher jetzt ausgegeben werden, damit sie gelegt und umge-

Lauban putzt der Welt die Nase."

300 000 Taschentücher an einem Tage.

näht werden. Doch die Fabrik besitzt auch selbst eine. Näherei. 300 Nähmaschinen rasseln in einem großen Saal, in dem. sich die Hohlsaum- näherei befindet. Zuletzt werden die Taschentücher auch noch geplättet und zu großen Bergen getürmt. Das geschieht in der Versandabteilung.

Die Tagesproduk tion dieser einzigen Fcwnk beträgt 300 000 Stück. Und Dutzende von Händen stehen zur Verfügung, die für die Ver­packung der Taschentücher in große und kleine, ein­farbige und bunte Kartons mit deuffcl>en und fremd­ländischen Aufschriften sorgen. Selbst diese einfachen Tücher sind aber der Mode unterworfen. In jedem Jahr gibt es neue Muster, ändern sich die Farben und auch die Größen. Den Wünschen der Kunden, aus aller Welt muß Rechnung getragen werden, denn in Havanna putzt man sich mit diesen Taschen­tüchern genau so säuberlich die Nase wie in Eng­land, Australien oder im schwarzen Erdteil. P. H.

Neuheiten für den Briefmarkensammler

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Oben: ein 1,50 + 1^50-Dinar-Wert aus der neuen jugoslawischen Serie mit einer Ansicht des geplanten Krankenhauses an der Donau. Unten: eine neue französische 3-Frank-Marke, deren Bild einen Blick auf die Burg der Päpste in Avignon ver­mittelt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Briefkasten der Redaktion.

D. in G Die Kosten der Vertreibung der in der Küche befindlichen Ameisen hat, soweit nicht ver­tragliche Abmachungen entgegenstehen, der Ver­mieter zu tragen, da er die Wohnung ungezieferfrei zu überlassen und während der Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten hat.

W. L. Der Nachbar kann die Entfernung der Bienenstöcke von Ihrem Grundstück nicht verlangen. Wird jedoch durch die Bienen der Körper ober bie Gesundheit eitles Menschen verletzt ober eine Sache deschäbigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, im Fragefall also Ihr Bekannter, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu er­setzen.

F. TB. Der Vermieter ist verpflichtet, dem Mieter die vermietete Sache in einem zu dem vertrags­gemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu über­lassen und sie während der Mietzeit in diesem Zu­stand zu erhalten. Da als allgemein gültiges Er­fordernis für eine Mietwohnung deren Ungeziefer­freiheit aufzustellen ist, muß Der Vermieter auf seine Kosten die Wohnung vergasen lassen, auch wenn bereits vor drei Jahren eine Vergasung vor­genommen wurde. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, so haftet er für jeden Ihnen hieraus entstehenden Schaden. Im übrigen sind Sie von der Entrichtung des Mietzinses insoweit und solange befreit, als die Vergasung nicht vorgenommen wird und die Tauglichkeit der Mieffache dadurch aufge­hoben ist.

Elegie auf einen Bollbart. I

Von Sigismund v. Nadecki.

s

Alle Wehmut der Nichtoerwirklichung umweht ; ihn, meinen Bart, der Nacht für Nacht davon : träumt, seinen Weg in die Welt zu machen, und Morg-n für Morgen dazu verdammt ist, mit dem j Inhalt des Waschbeckens in den Orkus abzufließen. , Gespenstisch klagend steht er vor mir wie eine un- gefreite Braut, wie ein ungeborener Sohn... Keimhaft ruht er im Schoße meiner Wangen als Inbegriff jener Möglichkeit, der die Realisierung versagt bleibt, so daß er sich mit bitterem Humor entschloß, nur noch an alten Witzen zu wachsen, weil wenigstens diese ihn ungeschoren lassen. An ihnen aber zeigt er mit einer gewissen Bravour, was er alles hätte werden können: Bettvorleger, Springschnur und Matratzenpolster, denn nur die Phantasie vermag ihn für den ewigen Herbst seiner Stoppeln zu entschädigen. Als Myriaden schwarzer Punkte im Seifenschaum vergeht er, der doch eins werden wollte, ein Reiz und eine Zier wie sie jeder Ziegenbock hat, jedes Walroß, ja jeder Schlüssel, und hofft dennoch immer wieder, daß ich einmal ein Auge zudrücken und ihm die schmerzlich ent­behrte Materialisierung gönnen werde. Doch erst wenn man mir beide' Äugen zudrückt, bann ist's soweit bann ist mir schon alles eins, unb ich halte still und lasse ihn wachsen. Aber ach, gerade dann wird ihn niemand mehr erblicken!

Allein es könnten sich Situationen ergeben, wo ich ihn noch bei Lebzeiten auferstehen lasse, wo ich ihm um den Bart gehe, weil's um mein Leden geht: damit man nicht mich sieht, sondern gerade ihn? Sollte ich je defraudieren, so werde ich mein Gesicht mit Haaren vernebeln und in meinem Barte verschwinden. Unb bann, wenn er mich unsichtbar gemacht hat, werbe ich ihn enblich sehen, meinen Bart: er wirb meine Krawatte verhängen, bei jebem gesprochenen Wort mitzittern unb nach Bab unb Suppe abgetrocknet sein wollen. Die äußerste Tarnung wäre ja, enblich auch noch seinen Bart zu färben. Aber man muß ba vorsichtig sein. Ein russischer Emigrant ließ seinen Bart wachsen unb schlich sich nach Sowjetrußlanb ein. Balb hatte er bas gewisse ungewisse Gefühl, beobachtet, zu fein. Er floh ans Enbe ber Stabt unb betrat einen kleinen Friseurlaben, um sich seinen Bart färben zu lassen. Der erschreckte Barbier konnte nur burch Gelb beruhigt werben: enblich braute er eine Tinktur zusammen unb machte sich ans Werk. Doch als unser Mann aufstand, um den neuen Bart im Tageslicht zu betrachten, lad er zu seinem Ent­setzen, baß dieser grün gefärbt mar Unb je mehr man wusch, um so grüner wurde er fanatisch,

wie die Fahne des Propheten! Der Mann hätte I ebensogut als Zebra in der Stadt spazieren können. Halb ohnmächtig ließ er sich in den Friseursessel fallen und befahl düster:Jetzt nehmen sie mir den Bart ab!..." Denn schließlich ging es ja um den Kopf. So treulos können sie sein, die Bärte. Heber­haupt nehmen sie neuestens gern die Seite der Un­moral, und ich muß fesfftellen, daß die Bösewichter in den amerikanischen Filmen meist unrasiert sind. Ach, der Bart, bei dem man einst schwur, er wurde zum Spott und zum Sport des sogenannten Biber­schießens, wo derjenige den Einsatz gewinnt, der bie längsten Bärte auf bem Trottoir gesichtet hat. Unb ber bebrillte Doll- unb Ganzbart einer über- rounbenen liberalistischen Epoche entartete zum Faschingsbart mit rotgeguoüener Pappnase. Als Strafe für seine Lebensfremdheit wuchert er nun­mehr im Maskenverleih und im Theaterfunbus. Es gab einen gewissen Theaterbirektor, ber war so be­geistert fürs Spielen, daß er zuweilen mitwirkte, aber nur als Statist mit Umhängebart. Ein Harun al Raschib, mischte er sich heimlich unter bie Kom­parserie. Doch biese schimpfte natürlich (wie immer) auf alles, auf ben Direktor unb auch auf ben neuen bärtigen Kollegen. Bis ber's nicht mehr aushielt. Sprechen Sie nicht so, ich bin ber Direktor!!" brüllte er, zog zum Beweis blitzschnell seinen Um­hängebart am Gummiband herunter ünb ließ ihn wieder zurückschnellen. Da schwiegen sie entsetzt stille. Welch ein ergreifend symbolischer Vorgang!... Ja, wie der Haremsschleier die Glutaugen, ließ der Vollbart bloß Nase und Brille frei, und machte einen auf das übrige krampfhaft unneugierig. Der Bart ist das, was wir mit unseren Mitmännern gemein haben, weshalb ihn der individualistische Europäer um des persönlichen Kinnes willen ab­rasierte: auch empfand er es peinlich, sekundäre Geschlechtsmerkmale mitten im Gesicht zu tragen. Andererseits bietet einem der Bart den nicht zu unterschätzenden Vorteil, sich nach einem vorhande­nen Ideal ausrichten zu können, und während ein Knebelbart samt streng gewichsten Schnurrbart­enden dem Reiche Napoleons III. den Stempel auf­brückte, blieb an einem anberen Jbeal zuminbest basEs ist erreicht!" erreichbar. Allein auch an bem individualistischen Kinn könnte man bei man- gelnber Persönlichkeit ein Haar finben, weshalb bann ber, ber etwas ganz Besonberes sein will, sich ; ben Vollbart roieber wachsen läßt. Solches tat einst ) ein bekannter Dramatiker, unb ihm wuchs ein 1 assyrisches Monstrum, wie es Salmanassar in seinen > besten Tagen nicht verschmäht hätte Dieses Schön- i bartspiel ließ ben Karikaturisten Gulbransson nicht - schlafen, unb er zeichnete ben bekannten Dramas r tiker (I.) mit Bart sowie ben bekannten Drama- , tiker (II.) ohne Bart, wie er gerade verdutzt feinen

abgenommenen Haarsack betrachtet...Es war ein so entlarvender Steckbrief, daß der Bart untrag­bar mürbe: ber Mann nahm ihn sich wirklich ab vielleicht nur um zu beweisen, baß das bahinter gar nicht so sei. Unb es war auch gar nicht so.

In ber Tat, wozu brauche ich ein Ornament in meinem Gesicht, ba doch Ohrringe und Tätowierung längst abgekommen sind? Warum soll ich mir ben Wald wilo aus den Augen wachsen lassen wie ein Drahthaarterrier? Weil er Natur ist. Der Pfau hat fein Rab, ber Löwe feine Mähne unb ber Mann seinen Bart. Allein von allen Naturwesen hat nur ber Mensch die tragische Gabe, die Natur vernichten zu können, und also auch seinen Bart aber soll man gerade dessen Verlust ttagisch neh­men? Immer wieder wirft ihn die Mode hinaus unb immer roieber kehrt er als Mode zurück: meist nach Kriegen unb Revolutionen. Unb ließen nicht auch bie klassischen Griechen ihren Bart wachsen? Ist nicht auch heute noch ber griechische Priester ohne Bart unbenEbar?

So schwankt ber Streit um des Menschen Bart unentschieden hin unb her. Und bieser Streit tobt in jebem einzelnen Menschen, Morgen für Morgen, benn entroeber hat man selbst bie blutige Mühe bes Rasierens, ober man muß sich sein Gesicht von frem- ben Finaern betasten lassen. Jawohl, jeben Morgen beginnt dieser Kampf gegen etwas, das nicht dazu­sein hat und von Natur doch da ist. Wir sind die Mucker des Bartwuchses. Dabei liebe ich das Rasieren, denn ich kann es. Wer nach zehnjährigem Bartkampf nicht Meffter in dem Fach geworden ist, ber verhülle sein Antlitz mit Haaren, benn er ist unbegabt. Doch wie jeber Meister lernt man immer roieber etwas zu: Welch ein Ereignis, als ich mir vor Jahren ben Griff ber linken Hanb, hinterm Nacken vorbei, an bie rechte Wange erfanb er machte Epoche in meinem Rasierleben, unb ich nannte ihn ben kleinen Moritz-Griff. So verbanken wir bem Bart bas rastlose Streben nach Voll­kommenheit in seiner Vernichtung, unb bas ist auch etwas. Jebenfalls wirb sich bie Bartlosigkeit weiter behaupten solange es nämlich vorteilhafter ist, Rasierklingen unb -creme zu probuzieren als Bart- rouchspomabe, unb es i st vorteilhafter. $in Bart ist ba unb kostet nichts. Damit bürste sein Schicksal besiegelt sein.

Unb nun, nach bieser Ueberlegung, nehme ich Ab­schieb von bir, mein starker Bart.Der Bart hat's in sich", meinte ein Berliner, Friseur, unb ich, ich habe bich in mir. Du vollbringst bas schwierige metaphysische Kunststück, nämlich ba unb nicht da zu sein. Wärst du doch oben, Stroh auf dem Schädeldach, und nicht bloß eine bläuliche Wangen­glatze, wie würde ich dich pflegen! So aber bleibst du mein verborgenstes. Geheimnis.

Das Windbeinkleid.

Von Oskar Iancke.

Die Windhosen wollen ihren Namen ändern und in Zukunft Windbeinkleider genannt werden. Der Beschluß darüber wurde nicht etwa von heute auf morgen im launigen Monat April gefaßt, sondern erst zu Anfang des Wonnemonats Mai nach langen, oft sehr heiklen Beratungen, die sich über Jahre hi»- gezogen hatten.Nicht, was gefällt, sondern was sich ziemt, ist erlaubt", sagte bie holdselige Winds­braut errötend und gab mit ihrer Stimme für die 'Namensänderung den Ausschlag. Damit war ber Anschluß an eine Lage vollzogen, beren Entwicklung zweifellos zu den erregenbften Kapiteln ber deutschen Sprachgeschichte gehört.

Erlaubt ist, was gefällt", bas waren nämlich so­zusagen bie Hosen geworben. Obgleich man sie nicht entbehren konnte, schien es ein'es Tages unmöglich, sie auszusprechen, eine Tatsache, bie eigentlich in die Skandalchronik des 19. Jahrhunderts gehört und jedenfalls Nietzsches Kritik an seinen Zeitgenossen, wenn auch nur in einem Nebenpunkte, bestätigen kann. Es gehört zu den erquicklichen Komödien die­ser Zeit, daß man das, was man unausgesprochen an bemunaussprechlichen" Worte verpönte, in die herrliche Hmschreibungbie Hnaussprechlichen" hineinbrachte.

Schließlich aber würbe aus ber Hose ganz sach­lich bas Beinkleid. Das Beinkleib, bie Bekleidung, bas Kleib bes Beines, nicht nur von sachlichem Klang, fonbern geschäftlich im Beiklang, gerabezu von inbustriellem Beigeschmack, das war in der Tat bie zeitgemäße Lösung bes Hosenproblems, nachbem bieHnaussprechlichen" boch versagt, hatten, eine Lösung, bie in ber Fußbekleibung, in ber Kopfbekleibung, im Beleuchtungskörper Entspre­chungen fanb unb sozusagenim Zuge" ber Sprach­entwicklung lag

Dennoch ist es notwendig, das Rad dieser Ent­wicklung rückwärts zu drehen und bie Losung au*- zugeben: zurück zum Ursprung! Zurück zu ben Hosen, Hüten, Schuhen unb Lampen! Von bet Umschreibung zurück zum Wort! Was man nicht hat, versucht man zu ersetzen, aber was man hat, wirst man nicht weg, es sei benn, man kann Besseres bafür erlangen. An echtem Sprachgut haben wir nicht zuviel, unb bas sollten wir, auch wenn es sich nur um Hosen hanbelt aber es geht um eine Richtung in ber Sprachentwicklung, nicht burch Talmi ersetzen.

Das ist zwar gegen ben Winb geredet, aber hoffentlich nicht in den Wind, und möchte die Wind- Hosen überreden, ihren Beschluß sofort rückgängig zu machen.

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und, nach eU er B. emporn der ge! Kinder!

Bon war erschien nie! un aengulr Behag" ten seine Mlan> ahnten hungrig/" fcj llnbe MerM Bgen-olli Sprung ir

Um so fferne und täglich bei 6in winz> feite, sch'e Wunderlai bald seine kleine Sp< dort schier noch eint Eltern im dieses hin

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