Ausgabe 
24.8.1938
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 197 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Mittwoch, 24. August 1938

Aus Natur und Technik.

nicht mehr wissen, wie sie ihr geliebtes Spielzeug heroorholen sollen und können. Miauend locken sie die Mutter herbei: ein Blick genügt der alten Katze, sie streckt sich flach am Fußboden aus und holt mit ,,langem Arm" die Garnrolle unter dem Trittbrett hervor. Wie nun aber die Jungkätzchen ihr Spiel­zeug gierig wieder packen wollen, gibt die Mutter jedem eine ganz richtige Ohrfeige und schiebt die hölzerne Rolle von neuem unter die Nähmaschine. Ich glaube, niemand wird mich der Vermensch­lichung von Tiere zeihen, wenn ich diese Handlung also deutete:Ihr dummen Kinder, so müßt ihr es machen-, nun lernt und bemüht euch selber!"

Ja, doch wer hat einer anderen Katze mit­geteilt, daß mutterlose Hühner-Küken frieren? Ich bekam von sehr zuverlässiger Quelle erzählt, daß eine Hauskatze regelmäßig ein solches Hühnchen ins Maul nahm, nicht um es zu verspeisen, sondern um das fremde Tierkind zu wärmen, das sehr wahr­scheinlich dadurch gesund blieb und normal wach-

Erlebnis zu, das ich selbst vor zehn Jahren in einem außerdeutschen Zoo beobachten konnte. Da saßen Käfig an Käfig eine, erwachsene Schimpansin und ein kleiner Schimpansenjüngling. Beide wur­den gleichermaßen vom Pfleger gefüttert mit fri­schem Obst und rohem Gemüse. Der kleine Schim­panse hatte schnell alles gufgegessen, während die Schimpansin zwei Bananen übrig ließ und hinauf­trug aufs oberste Querbrett ihres Wohnraums. Eine Stunde verging; ich stand noch immer in jenem Menschenaffenhaus, weil mich der besonders große Orang-Utan interessiert; da weinte plötzlich' der junge Schimpanse. Ich weiß nicht, ob er sich beim Spiel nttt der Holzkugel wehtat oder ob er nur Lange­weile hatte; jedenfalls schrie er immerzu und hielt beide Hände vors Gesicht; , er sah sehr jammervoll aus. >

früher legte ein Segelflugzeug von einer einen Me­ter hohen Erhebung eine Strecke von zwölf Meter zurück, heute fliegt es von derselben Höhe 30 bis 40 Meter weit.

Ein Segelflieger, der im Thermikflug in eine Wolke geraten ist, hat durch die undurchsichtige graue Masse, die ihn und seine Maschine einhüllt und ihn jeder Sicht und Orientierung beraubt, keinerlei Vor­stellung über seine augenblickliche Fluglage. Er kann auf dem Rücken fliegen oder sich überschlagen, er weiß es nicht, und er kann auch seine Maschine nicht wieder in die Normallage bringen, für die er keinerlei Anhaltspunkte bat. Oft endet ein solcher Wolkenflug mit dem Absturz der Maschine. Nun erreichen die heutigen Segelflugzeuge ihrer aerodynamisch äußerst günstigen Form wegen bei einem solchen Absturz Geschwindigkeiten bis zu 400 Stundenkilometer. Dem ungeheuer großen Druck, der bei einer derartigen Geschwindigkeit auf ein solches Segelflugzeug einwirkt, ist es aber nicht ge­wachsen; die Tragflügel werden glatt abgedreht. Doch auch gegen solche Gefahren ist man heute ge­feit. Es wurde in Darmstadt eine Sturzflug- bremse konstruiert, die die Geschwindigkeit auf 200 Stundenkilometer reduziert, die für die Maschine

In Kenya (Ostafrika) ist von Professor George G o o d w i n , dem Kurator der Säugetier-Abteilung im Amerikanischen Naturhistorischen Museum, die erste weiße Giraffe beobachtet worden, von der bis­her je berichtet worden ist. Das Tier wurde von Pro­fessor Goodwin während einer großen zoologischen Expedition nach Britisch-Ostafrika, von der er soeben nach Neuyork zurückkehrte, photographiert.Es war ein fast rein weißer Bulle", teilte der Forscher mit, aber da seine Augen dunkel erschienen, glaube ich nicht, daß er als ein Albino angesehen werden darf. Das Tier war voll ausgewachsen und in Gesellschaft eines Weibchens von normalem Aussehen. Ich sah die weiße Giraffe völlig deutlich aus einer Entfer­nung von etwa 40 Meter. Weiße Jäger in dieser Ge­gend, die ich darüber befragte, sagten mir, daß sie

Schon wollte ich den Wärter rufen, als die Schimpansin nach oben stieg, eine Banane aus ihrer Vorratskammer holte und den Leckerbissen mit weit ausgerecktem Arm dem kleinen Vetter lockend hin- ..... ~ ' * ~ ' t und hörte

Voll Leichtigkeit und Grazie schwebt das . Segelflugzeug hoch in der blauen Luft, blitz­schnell und wendig vollführt der Jagdeinsitzer mit aufheulendem Motor seine Kunstflug­figuren, und ruhig und sicher zieht das Ver­kehrsflugzeug über Taufende von Kilometer feine gewohnte Bahn. Eine Selbstverständlich­keit ist das heute. Niemand denkt weiter dar­über nach. Die Geschicklichkeit des Piloten wird bewundert, und vielleicht fällt von dem Lob auch für den Konstrukteur etpa ab. Wer aber erinnert sich an den, der den Menschenflug in seiner höchsten Vollendung erst möglich macht: den Forscher?

Abseits vom Trubel der Flugveranstaltungen und nicht belohnt vom (Siegespreis eines Flugwettbe­werbes schaffen die Forscher in der Stille der For­schungsanstalten die Voraussetzungen für die fliege­rische Betätigung der Ncrtion. Sie finden die gün­stigste aerodynamische Formgebung und Konstruk­tion der Flugzeuge, prüfen Werkstoffe auf ihre Zer­reiß- und Bruchfestigkeit, schaffen am Zeichentisch und in der Werkstatt Flugmotoren, die bei größter Wirtschaftlichkeit höchstmögliche Leistungen vollbrin­gen, und konstruieren Flugfunkgeräte, die für die Sicherheit der Fliegerei unumgänglich notwendig und aus ihr nicht mehr fortzudenken sind.

Zentrale des Segelfluges.

In der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug in Darmstadt schaffen die ältesten und erfolgreichsten Pioniere der Segelfliege­rei: Professor Georgii und Lippisch, und be­kannte und weltberühmte Segelflieger wie Hanna Reit sch, Heini Dittmar und Fritz St am er haben sich hier in den Dienst der Forschung gestellt.

Darmstadt ist heute der Mittelpunkt der Segel­flugforschung, hier werden neue Typen entworfen, gebaut und weiterentwickelt und schließlich im Flug praktisch erprobt. Bei dieser fliegerischen Erprobung werden nicht selten neue Arten und Methoden des Segelfliegens entdeckt, wie z. B. der Thermik - flug.

In den Anfangsjahren des Segelfluges nutzte man zum Fliegen die aufsteigenden Luftströmungen an den Windseiten von Hügeln und Bergen ans und war so an einen bestimmten Ort gebunden. Heute hat man erkannt, daß auch z. B. über sonnenbeschie- nenen Sandflächen oder Getreidefeldern starke Auf­winde anzutreffen sind, weil die Erde die aufge­speicherte Wärme wieder abgibt. Jetzt kann der Segelflieger je nach der Stärke dieserBodenther­mik" längere Zeit über größere Strecken stiegen

den können. Und schließlich nimmt noch eine auto­matische Filmkamera die Luftströmungen auf, die am Flugzeug auftreten. Sichtbar werden diese Luft­strömungen durch kleine Wollfädchen gemacht, tue am Flugzeug befestigt sind und vom Fahrtwind be­wegt werden.

Mannigfaltig und vielseitig ist das Gebiet der Segelflugforschung und diejenigen, die hier schaffen, forschen in Neuland. H. G. Raths.

Eine weiße Giraffe.

Wolken helfen fliegen.

Als eines Tages ein schwachmotoriges Sportflug­zeug der Forschungsanstalt unmittelbar unter Schön­wetterwolkenCumuluswolken" nennt sie der Meteorologe mit abgestelltem Motor längere Zeit zu segeln begann, da entdeckte man, daß die Thermik am stärksten unter diesen Wolken und, wie sich spä­ter herausstellte, auch i n ihnen anzutreffen ist. Fast alle neueren Rekordflüge von Segelflugzeugen über Hunderte von Kilometer werden heute mit Hilfe dieser Wolkenthermik aufgestellt.

Lippisch mar der Erste, der einen allmählichen Uebergang zwischen Tragflügel und Flugzeugrumpf schuf, denn bei den bisherigen .Segelflugzeugen wurde der Tragflügel ohne jeden Uebergang ,am Rumpf befestigt. Er schuf damit eine Form, ohne die eine Hochleistungsmaschine heute nicht mehr vorstell­bar ist. Der Flugzeugrumpf ist-nun nicht mehr ein Teil, der nur einen schädlichen Luftwiderstand er­zeugt, sondern er wird durch die Verschmelzung mit dem Tragflügel in diesen mithineinbezogen und da­durch selbst zum tragenden Flugzeugteil. Derart aerodynamisch durchkonstruierte Segelflugzeuge be­sitzen heute einen Gleitwinkel von 1 :30 bis 1 :40, während noch vor einigen Jahren Segelflugzeuge einen Gleitwinkel von 1 :12 hatten. Das bedeutet:

großen Luftwiderstand die Geschwindigkeit abbrem* sen.

(Generalprobe im Wmdfanai.

Die unbedingte Voraussetzung für die Entwicklung und Konstruktion von Flugzeugen ist die Kenntnis der Gesetze der Luftströmungen und des Luftwider­standes. Wichtigstes Hilfsmittel hierfür ist der Windkanal: durch ein Rohr wird durch eine Luftschraube ein Luftstrom geblasen, der eine sehr hohe Geschwindigkeit besitzt. Soll nun ein neues Flugzeug oder ein Flugzeugteil gebaut werden, so entsteht es zunächst in maßstabgerechtem Modell. An diesem Modell kann im Windkanal durch Mano­metermessungen festgestellt werden, wie sich die Druckkräfte verteilen und welche Luftwiderstände an ihm auftreten. Der Wind übt auf das Modell den gleichen Druck und Widerstand aus, wie er ihn in der Natur auf ein Flugzeug ausüben würde.

Die Versuchsanstalten für Luftfahrt besitzen teil­weise Windkanäle, d'ie einen Durchmesser von meh­reren Meter und die Höhe eines Hauses haben. In diesen riesigen Anlagen läßt man Modelle von eini­gen Meter Spannweite frei fallen und kann dann feststellen, wie sie sich in den verschiedensten Flug­lagen verhalten. Messungen an derart großen Mo­dellen sind besonders aufschlußreich.

Die Schwierigkeit bei den bisherigen Windkanälen bestand darin, daß man die Luftströmungen, die an . Flugzeugteilen und Tragflügeln auftreten, nicht oder nur sehr schwer sichtbar machen konnte. In der Forschungsanstalt Darmstadt hat man deswegen jetzt einen Rauchkanal konstruiert, in den durch eine Düse Rauch geblasen wird. Durch ein beson­deres Verfahren zerfließt ö*r Rauch aber nicht, son­dern zieht sich in langen Fäden, die nicht abreißen, durch den ganzen Kanal. Durch eine in die Wan­dung des Windkanals eingelassene Glasscheibe und eine Beleuchtungsanlage kann man den Strömungs­oerlauf an dem betreffenden Gegenstand deutlich er­kennen. Auch photographische Ausnahmen dieser Strömungen lassen sich machen.

Film im Dien I des Segeifluges.

In der Forschungsanstalt Darmstadt bedient man sich bei der Erprobung neuer Segelflugzeuge der Filmaufnahme. In tausend Meter Höhe flie­gende Maschinen werden in allen Fluglagen ge­filmt, und später kann man dann auf Millimeter­papier -Sie einzelnen Phasen des Fluges in mathe­matischen Linien und Kurven wiedergeben. Alle Fluglagen und Flugzustände, die das Segelflugzeug durchgemacht hat, lassen sich aus diese Art berechnen. Auch die Maschine selbst führt eine Anzahl von Jn- : ftrumenten mit, die jede Vibration oder Verdrehung : der Flugzeugteile aufzeichnen. An Hand dieser Meß- . streifen läßt sich feststellen,, ob diese Schwingungen normal waren oder bereits hätten gefährlich wer-

Slurzslugbremsen Md Windkanäle.

Hinter den Kulissen des Segelfluges. - Filmen in 1OOO Meter Höhe. - Ein Besuch in der Forschungsanstolt für Segelflug in Darmstadt.

Wie verständigen sich die Tiere?

Don Paul Eipper.

Der Mensch sieht, was um ihn geschieht und er macht sich Gedanken über das Geschehene. Ich stecke seit Wochen im Hohen Schwarzwald, bin eingehüllt vom Grün der Tannen, des Beerengestrupps und der Schachtelhalme; immer wieder treffe ich auf meinen Beobachtungsgängen die großen dunklen Waldameisen.

Gestern trat ein Menschenfuß unvorsichtigerweise in eine Burg, die eben angeschmiegt an einen Findlingsblock aus Urgestein von diesen Ameisen gebaut wurde. Im Bruchteil einer Sekunde stürzten oon allen Seiten und aus weitem Umkreis die schwarzen Kerbtiere herbei, selbstverständlich und mutvoll entschlossen, ohne Rücksicht auf die dem Einzelwesen drohende Gefahr das Gemeingut zu schützen, die werdende Heimatsiedlung.

Aber mitten im richtungsklaren Eillauf bogen drei Ameisen ab; sie rannten seitwärts, stiegen über die weiterhastenden Kameraden hinweg, so daß sie meinem Menschenauge unbedingt auffallen mußten.

Wohin liefen die drei? Schräg links von unten stieg eine Ameise rückwärts bergan; sie hielt in ihren Zangen eine blaßgrüne Raupe fest, schleppte sie mühsam über welke Nadeln und dürre Aestchen; die drei Brüder oder Schwestern halfen nun schie­bend und stoßend, damit trotz der allgemeinen Auf­regung die Beute, die wahrscheinlich den jungen Larven als Nahrung dienen sollte, sicher in die unterirdischen Kammern der Burg gebracht werden konnte.

send sich entwickelte. L--y--------- -

Hier spricht ganz sicher die Allgewalt des Mutter- überreichte. Er nahm die frucht triebes mit, und vielleicht trifft das auch für ein1 augenblicklich auf zu meinen.

Es gelang; ich, der Mensch, frage mich nun, wer hat im Augenblick der Gefahr (hervorgerufen durch den Fußtritt eines Menschen!)-diesen drei Ameisen mitgeteilt, daß sie über die allgemeine Pflicht der Landesverteidigung" hinaus eine Sonderausgabe zu erfüllen haben: die Sicherstellung der zukünfti­gen Ernährung des tief im Bau steckenden Jung­volks?

Natürlich kenne ich die gelehrten Werke über das Staatengebilde der Ameisen und der Bienen, weiß, daß diese nur körperlich kleinen, imsozialen Sinn" hochentwickelten Tiere sich durch Fühlerschläge oder andere Berührungen verständigen können; dennoch, auf menschliche Maße übertragen, war diese Ver­ständigung in Anbetracht der erregten Gesamt­situation für mich ein kaum begreifbares Wunder.

Aber ich schäme mich keineswegs, einzugestehen, daß ich' je mehr ich die Tiere beobachte um so häufiger solche Wunder antreffe in der leben­digen Natur. Weil ich glaube, daß wir Menschen auch in dieser Beziehung nur durch den Zusammen­schluß weiterkommen, will ich ein paar Beispiele der Verständigung zwischen Tieren erzählen; sie sind entweder von mir selbst beobachtet oder von solchen Menschen, die ich für unbedingt glaubwürdig halte. Vielleicht werden die Leser dadurch angeregt zu eigener Beobachtung, damit uns Menschen eines Tages nicht nur unzweifelhaft klar ist, daß Tiere sich verständigen können, sondern damit mir auch ergründen, auf welche Weise dies geschieht.

Ein Tierfreund hatte einen Hauskater und einen Angorakater, die, sehr befreundet, sich beide auf dem Hof bewegen. Eines Tages hocken sie sich in angemessener Entfernung vor die Hundehütte; der von uns Menschen zum Todfeind der Katze abge­stempelte Hund knurrt am ersten Tag und auch an den nächstfolgenden; aber es kommt eines Mor­gens, da geht der Hund aus feiner Hütte heraus, und die beiden Katzen legen sich aufs weiche Stroh. Nach einiger Zeit kehrt der Hund von feinem frei­willig unternommenen Ausflug zurück; die Katzen überlassen ihm ohne Zögern die Hütte. Und so ge­schieht es fortan Tag für Tag, daß die Kaier mit gütlicher Duldung des Hundes für ein ober zwei Stunden dessen Hütte beziehen. Wie kam bie Der- ftänbiqung zustande?

Das nächste Beispiel ist leichter zu verstehen für uns Menschen: zwei junge Katzenkinder spielen mit einer Garnrolle, die schließlich so unter das Tritt­brett der Nähmaschine trudelt, daß die kleinen Tiere

nicht mehr gefährlich ist. Die Sturzflugbremse be­steht aus Klappen, die am Flügel befestigt sind, sich beim Absturz selbsttätig öffnen und durch ihren! nie von einem solchen Tier gehört hatten.

kaltes Licht aus,

------1-7-/-- -- . halten. ~ r0 D,e|e Dinge Beispiele in der Natur finden; Das Glühwürmchen ist ein unerreichtes.Nea i < Menlch^ist ein Stück Naiur und mutz nut

sur,un,°r^°chnck°r. D°nn Kaf^strnh» denn^ Natur.

hinausgeschnellt wird. ,

Dosen und Schachteln kennt der Mensch auch noch nicht so lange. Die Natur bildet sie schon seit un­denklicher Zeit in Form der Samenhüllen Das Scharnier, mit dem wir unsere Türen beweglich oe- feftigen, hat sein Vorbild in der Muschel, die ihre Schalen auseinander klappen fanrr

Eigentlich ist es ja auch kein Wunder, daß wir ? . / As- _. sUrihtr firmen

Erfinderische flatur.

on Karl Stahl.

Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Technik. Eine Unmasse Dinge wurden erfunden Was gestern noch als unmöglich verlacht wurde, ist heute schon eine Selbstverständlichkeit. Und heute da getrauen wir uns bald nicht mehr über eine Zukunftsphantasie zu lachen: wer weiß, vielleicht taucht morgen schon der Teuselskerl auf, der sie verwirklicht.

Oder vielleicht ist sie schon verwirklicht, und zwar von der Natur selbst. Das ist nämlich ganz sonder­bar: wenn man sich in der Natur genau umschaut, bann entdeckt man eine Menge Dinge, bie za er­stirben ber Mensch lange Zeit gebraucht hat. Und dabei hätte er nur die Augen aufzumachen brau­chen, denn sie waren schon lange da. Wir wollen

heute heraus, wie. Die Tiefseefische tragen Glüh­lampen mit sich herum.

Dor nicht langer Zeit wurden die Leute bei Krankheiten geschröpft. Das war so ein Allheilmit­tel, bas beinahe immer herhalten mußte: den Leu­ten wurde Blut, das man für verdorben hielt, ent­zogen. Das geschah entmeber mit Blutegeln, also Tieren, ober mit einer Nachahmung der Blutegel, mit Schröpfköpfen. Als Lehrmeisterin für diese Ope­ration hätte man auch den Tintenfisch nehmen kön­nen, dessen Fangarme mit zahlreichen «Saugnäpfen besetzt sind. Diese werden glatt und fest auf den ge­packten Gegenstand aufgepreßt, bis sich keine Luft mehr dazwischen befindet, und dann langsam in der Mitte von innen gehoben, so daß der Rand vom Luftdruck außen immer stärker aufgepreßt wird. So kann der Tintenfisch mit seinen Armen Gegen­stände festhalten und bewegen, die viel großer sind als er.

Denken wir uns den mittleren Teil des Saug­napfes noch beweglich, so haben wir einePumpe. Aber wir brauchen gar nicht so weit zu gehen, denn wir tragen ja das Muster einer unerreicht leistungs­fähigen Pumpe in uns, das Herz.

Wir sehen, die Zahl der Vorbilder ist unendlich. Die Kunst des Webens wird von den Weber­vögeln geübt. Von Spinnen und Motten hätten wir die Spinnerei lernen können. Der Schneideroogel baut sich als Meister der Nadel sein Nest aus Blat­tern und Fäden. _ ,

Die Flugzeuge wurden in enger Anlehnung an bie Natur erfunben. Aber auch ber Luftballon hat ein Gegenstück in ber Natur, allerbings nicht m der Lust, sondern im Wasser. Der Kugelsstch t-bt am Grunde des Atlantischen Ozeans, bei drohender Ge­fahr bläst er sich einfach auf, so daß er vom Aus­trieb hochgerissen und oft sogar über das Wasser

einige Beispiele betrachten.

Nehmen mir di- Z a n g e. Da gibt --ganz seine, glitzernde Dinger, mit denen der Arzt die Knochen­splitter entfernt; dann gehören die großen Klemm­zangen hierher, mit denen der Schlosser seine Cisen- rohre beim Schneiden hält; die riesigen Greifer an Kranen sind auch nichts anderes als Zangen. Jmo ständen wir heute, wenn wir die Zangen nicht hat­ten! Es war also wirklich ein großer Erfinder, der sie schuf aber die Natur war schon langst da. Unser Daumen und die gegenüberliegenden Finger bilden eine Zange vielleicht waren sie bas Vor- bilb für ben Erstnber. Viele Tiere verfugen über Zangen. Die Schere ist natürlich aus ber Zange entstauben. Unb fonberbar: bei Naturvölkern fehlt die Schere völlig. Niemals ist ein Naturvolk von sich aus auf den Gedanken gekommen, die Scharfe des Messers mit der Hebelkraft der Zange zu ver­binden, obwohl die Mundwerkzeuge vieler Insekten, die Schnäbel der Vögel genug Vorbilder boten.

Wie langsam entwickelte sich die Baukunst^ Die Griechen überdeckten ihre Tempel noch nur waagerechten Balken, erst die Römer erfanden das Tonnengewölbe. Und alle diese Bauformen sind schon im menschlichen Körper enthalten

Technik und Walfang.

Don Joachim Boehmer.

Die Schaffung deutscher Walfangflotten hat bas Interesse der Öffentlichkeit auf das Vorkommen der riesengroßen Meerestiere gelenkt und ihre Be­deutung für die Fettversorgung in den Vordergrund gerückt. Eine wirtschaftliche Walfängerei läßt sich nur betreiben, wenn die Verarbeitung der, gefange­nen Tiere unmittelbar nach dem Fang auf hoher See erfolgen kann. Aus diesem Grunde hat Deutsch­land eine Reihe von Walkochereien geschaffen, die im südlichen Polarmeer mancherlei Walarten auf Oel und Fleischmehl verarbeiten. An das technische Rüstzeug, das zum erfolgreichen Walfang erforder­lich ist, werden außerordentlich hohe Anforderungen gestellt. Denn es kommt darauf an, die riesigen Tiere, die. bis zu 150 000 Kilogramm wiegen, in kürzester Frist an Bord zu verarbeiten, und auch fähig zu sein, den während der Fangtage ununter­brochen eintreffenden Fang hintereinander zu ver­werten. So ist die modernste deutsche Walkocherei, dieWalter Ra u", in der Lage, in 24 Stun­den 22 Wale zu verarbeiten.

Während man früher vorhandene Schiffe in Wal­kochereien umbaute, sind von Deutschen und Nor­wegern neuerdings besondere Schiffstypen geschaffen und als Neubauten auf Kiel gelegt worden. Die KochereienWalter Rau" undUnitas" sind eigens zu diesem Zweck gebaute Schiffe. Dagegen ist ber WaldampferJan Wellern" aus dem früheren Ha- pag-DampferWürttemberg" entstanden. Die neuen Walkochereien sind so eingerichtet, daß im Achter­schiff eine schiefe Ebene eingebaut ist, über die die gefangenen Tiere mit Winden an Deck geschleppt werden. Dort werden zunächst die Speckteile ab­getrennt und zerkleinert und in die unter Deck stehenden Speckkocher gebracht. Auf dem im Vor­schiff liegenden Fleischdeck werden Knochen und Fleisch verarbeitet. Da ber Speck unter Zusatz von Dampf mehr als eine Stunbe bei Temperaturen oon 130 Grab gekocht werben muß, müssen an Borb ber Kochereien genügenb große Kessel vorhanben sein. Auch für bie Aufbereitung von Fleisch unb Knochen werben große Damvfmengen benötigt. Man bat es bei diesen Walkochereien also mit sehr sorg­fältig organisiertenFabriken" zu tun, deren Durch­

bildung besondere Beachtung erfordert, da der ver­fügbare Raum auch bei Schiffen von mehr als 20 000 Tonnen naturgemäß beschränkt ist. Das Er­gebnis der Verarbeitung ist hauptsächlich ein g e - reinigtes Oel, das in den Ladetanks in den Heimathafen gebracht wird. Werden Fleisch unb Knochen zu Mehl verarbeitet, sind befonbere Pres­sen unb Trockenvorrichtungen erforberlich

Mit bem Fang haben bie Kochereischiffe nichts zu tun. Die Jagb auf bie Wale unternehmen beson- bere Fangdampfer, von benen jeweils mehrere zu einer Kocherei gehören. Die Größe ber Fang- bampfer entspricht ben Ausmaßen von Hochsee­fischdampfern. In ber äußeren Form unterscheiden sie sich von diesen vor allem dadurch, daß der Bug sehr hochgezogen ist, weil auf ihm die Walkanone steht. Diese Kanone schleudert die Granatharpune, die ein etwa 1000 Meter langes Tau nach sich zieht, gegen den Wal, der zum Luftholen in 40 bis 60 Meter Entfernung vom Fangdampfer an die Oberfläche kommt. Welche Ansprüche an die Festig­keit der Harpunenleine und an die Manövrier­fähigkeit der Fangdampfer gestellt werden, erläu­tert die Beobachtung, daß ein getroffener Wal mit­unter einen mit Volldampf rückwärts arbeitenden Fangdampfer noch vorwärts zieht. Selbst bei einem guten Schuß kann ber Fang verloren gehen, wenn das getroffene Tier nicht in der Nähe der Ober­fläche bleibt, sondern senkrecht nach unten stößt. Geht es in große Tiefen von 1000 Meter und mehr, muß die Harpunenleine getappt und damit preis­gegeben werden. Die erlegten Tiere werden vom Fangdampfer aus mit Lust aufgeblasen und durch eine Flagge gekennzeichnet, um sie mit Einbrechen ber Dunkelheit roieber aufzufinbcn unb zur DZal- kocherei zu schleppen.

So müssen auch bie Fangbampfer mit gutem technischen Rüstzeug versehen sein, um ben in Aus­sicht stehenden Fang, der je Tier einen Wert von etwa 20 000 Mark darstellt, sicher einzubringen. Die vor etwa sechzig Jahren von dem Norweger F o y n erfundene Granatharpune ist heute noch immer in Anwendung. Seit mehreren Jahren sind auch Ver- suche im Gange, die Wale durch eine elektrische Har- pune zu töten. Hierbei stellt bas Meerwasser ben einen und die Harpune den anderen Pol eines Stromkreises dar, der durch das Eindringen ber Harpune in den Wal geschlossen wird, so daß die