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Dent von Imredy, Außenmimster von Kanja, Honvedminister v o n R a tz. der Chef der Kabinetts- kanzlei des Reichsoerwefers Dr. von U r a y, der Chef der Militärkanzlei des Reichsoerwefers, Feld- marfchalleutnant von I a n y i; von deutscher Seite Reichsaußenminister von Ribbentrop, Reichsminister Dr. Goebbels, Reichswirtschaftsminister Funk, Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei Himmler und weitere Mitglieder Der Reichsregierung und der Reichsleitung der NSDAP., der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Raeder, der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel, als Vertreter des Oberbefehlshabers der Luftwaffe der Kommandierende General der Luftwaffe, General der Flieger Zander. Mit Reicksstatthalter Gauleiter Kaufmann begeben sich die in seiner Begleitung befindlichen führenden Männer Hamburgs an Bord der Staatsjacht.
Die Hafenrundfahrt führt zunächst elbaufwärts bis zum Segelschiffhafen, nack Finkenwerder, Kirchwerder und abschließend zu Den Werftanlagen von Blohm und Voß, wo eine eingehende Besichtigung stattfindet. Beim Betreten des Werftgeländes werden die hohen Gäste von den Gebrüdern Blohm und Betriebsobmann Pauli herzlich willkommen geheißen. Männer der Werkscharen Der Werft haben Aufstellung als Ehrenformation genommen. Mit großer Anteilnahme und lebhafter Anerkennung für den hohen Stand deutscher Sckiffsbaukunst besichtigt Admiral von Horthy die Einrichtungen der Werft und die auf ihren Helligen emporwachsenden Reuoauten.
Die Gattin des Reichsverwesers hat sich inzwischen von Bord der „Patria" an Land begeben, um, von der Hamburaer Bevölkerung mit lebhaften Huldigungen empfangen, eine Besichtigungsfahrt durch die Hansestadt anzutreten. In ihrer Begleitung be- finden sich von Hamburger Seite Staatssekretär A h r n ß , von ungarischer Seite Legationsrat von G h y c z y und der Flügeladjutant des Reichsoer- wesers Oberstleutnant von Gerloczy.
Dichtung Nürnberg.
Der diesjährige Reichsparteitag der NSDAP, ist die 10. Reichstagung Der Partei in ihrer Ge- schichte.
Im Januar 1923 fand in München der erste Parteitag der nationalsozialistischen Bewegung statt, ver- bunden mit Der Weihe Der ersten vier SA.-Stan- darten. 6000 Mann nahmen teil. Es sollten Drei Jahre vergehen, bis die Getreuen Adolf Hitlers wieder zusammentreten konnten.
1926 fand in Weimar der zweite Parteitag statt. Hier wurde zum ersten Male die Bezeichnung „Reichsparteitag" gegeben. Die Tagung war der Ausdruck ungebrochenen Kampfwillens. 500 Fahnen wurden in den Marschkolonnen an dem Füh- rer Adolf Hitler vorbeigetragen.
1927 war der dritte Reichsparteitag, erstmals war Nürnberg die Stadt dieses Treffens. 30000 SA.-Männer marschierten an dem Führer vorbei, der im Luitpoldhain 12 neue Standarten weihte.
Der vierte Reichsparteitag 1929 sah in Nürnberg über 100 000 Nationalsozialisten aus allen (Bauen des Deutschen Reiches. Die vorwärtstreibende Kraft der Bewegung wurde in dieser machtvollen Kundgebung auch den Gegnern offenbar. Es folgten die Jahre des Kampfes, Der Siege und der Opfer. In dieser Zeit blieb für große Reichstagungen wenig Raum, so daß erst im Jahre 1933 wieder ein Reichsparteitag stattfand.
Der fünfte Reichsparteitag des Sieges 1933 stand im Zeichen der Machtergreifung Adolf Hitlers und vollzog sich in Den inzwischen traditionell gewordenen Formen.
Der sechste Reichsparteitag 1934 führte den Titel „Triumph des Willen s". Erstmals zog der Arbeitsdienst mit 52 000 Mann in Nürnberg auf.
1935 fand der Reichsparteitag der Freiheit statt. Er erhielt seine historische Bedeutung durch die in Nürnberg vom Deutschen Reichstag beschlossenen Nürnberger Gesetze.
Der achte Reichsparteitag, der Parteitag der Ehre, brachte 1936 die Kampfansage gegen den Bolschewismus. 10 000 Arbeiter aus dem ganzen Reiche nahmen als Gäste Der Deutschen Arbeitsfront daran teil.
1937 fand der neunte Reichsparteitag der A r - beit statt. Er wurde zum ersten Male verbunden mit den NS.-Kampfspielen. Hier wurde im festlichen Rahmen auch Der Deutsche Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft verliehen. Die Proklamation des Führers stellte fest, daß das Diktat von Versailles beseitigt ist.
Seit 1934 steht Die Wehrmacht neben Den politischen Soldaten der nationalsozialistischen Bewe- gung im Nürnberger Aufmarsch.
Mit neuer Spannung blickt das deutsche.Volk dem 10. Reichsparteitag der NSDAP, entgegen, Der wiederum das imposanteste politische Ereignis dieses Jahres für unser Großdeutsches Reich fein wird.
150 000 politische Leiter marschieren ans.
Auf dem diesjährigen Reichsparteitag werden nach einer Meldung Der NSK. rund 150 000 Politische Leiter den feierlichen Höhepunkt eines arbeitsreichen Jahres politischen Alltageinsatzes erleben. Unter ihnen befinden sich 10 000 Kämpfer aus Den neuen Ostmarkgauen. Das gewaltige Aufgebot Der Politischen Leiter wird zur Hälfte in 17 Lagern am Rande der Stadt untergebracht, während die anderen Teil- nehmer über Nürnberg und Fürth verstreut in Schulen und Sälen Quartier beziehen werden. "Am Donnerstag, 8. September, werden 26 000 Politische Leiter dem Führer einen Fackelzug vor dem Deutschen Hof darbringen. 10 000 Mann neh- men dabei als Spalier mit Fackeln längs den Straßen Aufitellung. Tags darauf wird der Großappell der Politischen Leiter mit 110 000 Marschteilneh- mern und 36 000 Fahnen aus dem Zeppelinfeld Durchgeführt. Wie im Vorjahre übernehmen Die Po- utischen Leiter am Tage Des Appels unD großen Vorbeimarsches Der GlieDerungen wieder den Spalierdienst in Nürnbergs Straßen.
Anhaltende Zunahme der Eheschlieftungen in Wien.
Wien, 24. Slug. <DNB.) Einen aufschlußreichen Beweis für bie seit dem Umbruch neuerwachte Lebenskraft Des deutschen Volkes in der Ostmark und für das Vertrauen der Bevölkerung in die national- sozialistische Sozialpolitik geben die Ziffern über die in Wien seit dem 1. April vollzogenen Eheschließung e n. War schon die Zahl Der Eheschließungen vom 1. April bis 30. Juni 1938 mit 5483 um 1099 hoher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres so stieg die Ziffer im Juli 1938 gegenüber dem Juli 1937 sogar um Das Vierfache; 4126 Eheschließung wurden im Juli 1938 gegenüber 1092 ein Jahr zu- vor gezahlt. ' 0
politische Gewitterwolken über Frankreich.
„Aktion zur Verteidigung der Vierzig-Gtunden-Woche."
Marseiller Streik auch in Oran.
Sabotageorganisation
in allen Mittelmeerhefen Frankreichs?
Paris, 24. Aug. (DNB.) Aus Oran wird dem „I o u r" gemeldet: Auf eine Marseiller Order hin weigern sich die Hafenarbeiter von Oran seit Montag, Ueberftunben oder Nachtarbeit zu machen. Da die algerischen Hafenarbeiter die gleiche Haltung einnehmen, könne man daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß der Mittelmeeroerband der französischen Hafenarbeiter eine Ausdehnung des Konfliktes auf sämtliche französischen Mittelmeerhäfen beschlossen habe. Der Hafen von Dran werde hierdurch besonders in Mitleidenschaft gezogen, Denn zahlreiche italienische Schiffe hätten Die Gewohnheit, nachts in Dran anzulegen, um ihre Kohlenladung zu erneuern. Man müsse damit rechnen, daß diese italienischen Schiffe künftighin Dran nicht mehr anlaufen werden. Unter Der algerischen Bevölkerung mache
Kommunisten Hetzen in den pariser Gewrrkschasten
Marxistischer Vorstoß gegen Daladier.
Einsatz von Senegallruppen beim hafenarbeilerslreik in Marseille.
Das immer bedrohlicher werdende Ausmaß des Hafenarbeiterstreiks in Marseille hat die französische Regierung, um weitere Millionen Verluste zu vermeiden, zu energischen und schnellen Maßnahmen gezwungen. So wurden jetzt zur Löschung der besonders dringlichen Fracht Senegalsoldaten eingesetzt (unser Bild). — (Associated-Preß-M.)
sich unter diesen Umständen eine wachsende Mißstimmung bemerkbar, Denn durch eine solche Gefährdung der algerischen Häfen würde die gesamte Wirtschaft -- d e s nordafrikanischen Landes gefährdet.
Das letzte Mittel.
In Marseille wird seit geraumer Zeit gestreikte Nicht zum erstenmal. Dieser Hafen ist schon oft von den Sendboten Moskaus, bie im Volksfront- geroanbe auftreten, heimgesucht worben. Unb immer Dann, wenn Norbafrika sich anschickte, seine Ernten nach Frankreich zu verschiffen. So liegen auch jetzt wieber große Lebensmittelvorräte im Hasen, bie ver- Derben, weil sich bie Arbeiter weigern, bie Schiffe zu entloben. Jetzt will bie Regierung energisch werden, sie will, nachdem alle Einigungsbemühungen gescheitert sind, bas letzte Mittel anroenben unb ben Hasen militarisieren, also bafür sorgen, baß überall Militär an bie Stelle ber Hafenarbeiter
Paris, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) In unterrichteten Kreisen neigt man in ben späten Abenb- ftunben bes Dienstag zu ber Ansicht, daß Ministerpräsident Daladier Die von ihm geplanten sozialpolitischen Maßnahmen im Zusammenhang mit Der 40-Stunben-Woche auf Dem Verord - nun gsro e ge durch den Ministerrat annehmen lassen werde, ohne auf den legislativen Weg zurückzugreifen, der die Einberufung des Parlaments zu einer außerordentlichen Sitzung erforderlich machen würde. In politischen, wie in Regierungskreisen herrscht bie Ansicht vor, baß eine Einberufung Der Kammer nicht notwendig sei.
Dienstag abend hielt der Verband der P a r i s e r Gewerkschaften eine Protestoersammlung gegen die von Ministerpräsident Daladier geplanten Maßnahmen ab, in deren Verlauf sich mehrere Redner mit scharfen Worten gegen das Regierungsoberhaupt wandten. Mehrfach wurde darauf hingewie- fen, daß Daladier bei den Wahlen 1936 mit einem Volksfrontprogramm gewählt worden sei, das er heute verrate. Einer ber aus dem kommunistischen Lager kommenden Führer der CGT.-Ge- werkschaft erklärte, Die augenblickliche Lage lasse „äußerst gefährliche soziale Schwierigkeiten" voraus- sehen. Die CGT.-Gewerkschaft sei entschlossen, m i t allen Mitteln ben Angriffen Der Dligarchie und den Herausforderungen Des MinisterpräsiDen- ten Widerstand zu leisten. In einer Entschließung wurde dann die Haltung Daladiers verurteilt, weil sie in förmlichem Widerspruch mit den Sozialgesetzen stehe. Nack dem Hinweis darauf, daß die Pariser Gewerkschaften bie Haltung der im Marseiller Hasen Streikenden gutheißen, endete die Entschließung mit dem Aufruf zur Teilnahme an einer Massenversammlung im Pariser Waqramsaal am 26. August.
In ber Pariser Morgenpresse ist bie Tatsache ber Regierungsumbildung selbst jetzt gegenüber den entstehenden sozialpolitischen Schwierigkeiten völlig in ben Hintergrund) getreten. Während bie weitaus überroiegenbe Mehrzahl aller Blätter, von ber royalistischen „Action Fran^aise" über bie nationalistischen Zeitungen bis zu Den ra- dikalsozialen Blättern Den MinisterpräsiDenten zu einem entschlossenen Vorgehen einstimmig beglückwünscht, wird die Opposition in Der marxistischen Presse immer heftiger und herausfordernder. Besonders Die SozialDernotraten Zeigen sich wieder einmal päpstlicher als der Papst
und fordern die Volksfront auf, Daladier die Gefolgschaft zu verweigern. Der sozial- demokratische „Populaire" schreibt am Mittwoch, Die Verteidigung der Sozialgesetzgebung organisiere sich. Der ehemalige Staatsmi'nister Paul Fabre erklärt in einem Leitaufsatz, Daladier habe eine politische und soziale Lage geschaffen, die sich die Sozialdemokraten zu unterschreiben weigerten. Nur die V o l k s f r o n t p o l i t i k sei in Frankreich möglich. Keine andere Politik dürfe und könne gebildet werden. Die Demokratie werde sich gegen jede andere Politik auflehnen. In einem Maueranschlag der Sozialdemokratischen Partei heißt es, Daladier habe sich geirrt. .Die Volksfront verweigere ihm die Gefolgschaft!
Die kommunistische „Humanitö" ist durch den sozialdemokratischen Angriff gegen die Regierung offenbar so beeindruckt, daß sie es für überflüssig hält, auch noch nachdrücklich in die gleiche Kerbe zu schlagen. So ergibt sich das seltsame Bild, daß Der sozialdemokratische „Populaire" sehr viel schärfere und heftigere Angriffe gegen die Regierung Daladier führt, als etwa die kommunistische „Huma- nite". Unentschieden ist nach wie vor das radikalsoziale kommunistenfreundliche „Oeuvre", das durch den ganzen Streitfall mit seiner politischen Haltung in eine recht peinliche Lage gekommen ist. Die radikalsoziale „Ere Nouvelle" stellt sich ganz hinter die Regierung und schreibt, Der Führer' Der SozialDemokraten habe nicht verhehlt daß seine Politik eine K l a s s e n p o l i t i k sei, während Ministerpräsident D a l a D i e r ihm klar beweise. Daß er nur eine nationale Politik wünsche. Dar- aus könne man ersehen, daß es für Blum nur eine Klassenpolitik gebe, Die jeher nationalen Politik über- geordnet werden solle.
Für Einberufung des Linksausschuffes.
Blum unterstützt die Kommunisten.
(DNB.) Wie verlautet, hat ßch °er sozialdemokratische Parteiführer Blum dem Wunsche des kommunistischen Abgeordneten und Dlzeprasidenten der Kammer, Duclos nach sofortiger Einberufung des Linksausschusses der Kammer angeschlossen. M-
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H. B. Paris, 24. August.
Die Teilkrlse, die am Montagvormittag ganz plötzlich innerhalb des französischen Kabinetts ausgebrocken ist und durch die Ersetzung des bisherigen Ministers für öffentliche Arbeiten Froffard durch Den früheren Minister De Monzie sowie Des Arbeitsministers R a m a d i e r Durch den Abgeordneten P o m a r e t nach einigen Stunden gelöst wurde, war das erste Anzeichen Der für diesen Herbst unausbleiblich scheinenden großen Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaftsbewegung und der Regierung Daladier. Die Gewerkschaftsbewegung stützt sich dabei auf die marxistischen Parteien im Parlament, während die Regierund, so nimmt man wenigstens gegenwärtig in politischen Kreisen an, auf die Unterstützung des größten Teiles des Bürgertums und der Industrie rechnen kann.
Diese Abzeichnung ber beiden Lager erhellt blitz- artig Die neue politische Lage, in der sich Frankreich befindet. Seit Monaten, d. h. seit Be- enDiguna Des mißglückten zweiten Volksfrontexperiments L6on Blums am 8. April dieses Jahres, entwickelt« sich langsam eine von den politischen Verhältnissen im Mai 1936 grundverschiedene Lage.
Mai 1936 bedeutet, wie nunmehr erinnerlich, den Sieg der Volksfront und gleichzeitig Damit die Unterwerfung der bisher größten und mächtigsten Partei Frankreichs, der Radikalsozialisten, unter das Joch der marxistischen Parteien. Die Sozialisten L6on Blums übernahmen Die Führung.
Aber bald zeigte sich, daß die wirkliche Führung in Den Händen Der Kommuni st en lag. Bei der großen Auseinand-ersehung über die Sozialreform leiteten die Kommunisten im Hintergrund, aber darum um so sicherer, Die Debatten im Parlament. Desgleichen hetzten die Kommunisten im Lande Die Arbeiter zum Klassenkampf auf. Die Auswirkungen dieser kommunistischen Führung hinter den Kulissen des Parlamentes und Der Oeffentlichkeit sind noch in aller (Erinnerung. Ein Streik löfte den anderen ab.
Die Sozialgesetze wurden, ohne auf ihre Auswirkungen durchdacht zu sein, verabschiedet. Die Volksfrontmehrheit verlor im Rausche ihres „Sieges" jedes Maß für die Wirklichkeit und die Notwendigkeit der Stunde, lieber die Folgen hat Ministerpräsident Daladier in feiner großen Rundfunkansprache am vergangenen Sonntag einige Zahlen angegeben: Das französische Nationaleinkommen, das im Jahre 1914 = 38 Milliarden Goldfranken betrug und im Jahre 1931 bis auf 49 Milliarden gestiegen war, fiel im Jahre 1937, ein Jahr nach Dem Beginn des Dolksfrontexperimentes, auf mehr als die Hälfte, nämlich auf 22 Milliarden Franken zurück; davon nahmen Staat und Gemeinden -über 10 Milliarden Goldfranken als Steuern weg. Der französische Franken ist, wie er hätte hinzufügen können, seit Bestehen der Volksfrontherrschaft um rund 100 Punkte, von 79 Franken auf 179 Franken für das englische Pfund im Werte gefallen. Ende 1931 besaß Frankreich noch 5750 Tonnen Gold; gegenwärtig besitzt es nur noch etwa 2200 Tonnen. Die nationale Produktion ist gegenüber 1928 um 15 bis 20 v. H. gefallen. Die Steuern sind um Die Hälfte, Die Löhne und die Lebenshaltungskosten etwa um das Doppelte gestiegen.
Das ist das Werk der von ben Kommunisten geleiteten Volksfront. Die R a d i k a l s o z i a l i st e n sahen Der Entwicklung Der Dinge lange untätig zu, und, um sich den nötigen Mut zu machen, verkündigten sie von Zeit zu Zeit ihre unverbrüchliche Treue gegenüber der Republik und den demokratischen Grundsätzen und glaubten nun plötzlich, an der Spitze des sozialen Fortschrittes zu marschieren, nachdem sie jahrzehntelang gegen jede soziale Erneuerung sieft blind gezeigt hatten. Sie rafften sich zum ersten Male auf, als Die Sozialisten sich weigerten, in Die Regierung DalaDier Vertreter zu entsenden. Die Treue zur Volksfront wurde nur noch um des Grundsatzes willen Betont. Aber der Riß war nicht mehr aufzuhalten. Gewiß hat es auch Ministerpräsident Daladier, man weiß nicht recht, ob aus Ueberzeugung ober um ben inneren Frieben nicht zu stören, versucht, einen offenen Konflikt mit ber marxistischen und bolschewistischen Linken zu vermeiden, und Die Rechte hat ihn deswegen oft der Schwächlichkeit angetlagt. Aber Die innen« und außenpolitischen Ereignisse erforderten eine Entscheidung.
Ministerpräsident Daladier hat in seiner jüngsten Ansprache sich den Anschein gegeben, als ob er diese Entscheidung getroffen habe: Er hat das Zurück zu gesunden Wirtschaf ts Methoden und zur intensiven Arbeit ausgerufen, aber bisher nur Maßnahmen angetünbigt Die gesamte marxistische Linke unb bie G e - werkschaft so rganisativnen haben in dem Aufruf eine Kampfansage erblickt. Sie haben ofort ein Schlagwort gefunden, mit dem sie glauben. Die gesamte Arbeiterschaft hinter sich zu bringen: „Daladier will uns unsere sozialen Errungenschaften wieder nehmen!" Sie stempelten Daladier zu einem „Schützling der Reaktion und der Hochfinanz". In einem demokratisch regierten Lande wie Frankreich ziehen solche Schlagworte noch ganz gewaltig, ganz abgesehen davon, daß es gerade in dem „bemokrati- chen" Frankreich noch Kreise gibt, die für Sozialreformen, selbst wenn sie vernünftig angewandt werden würden, absolut kein Verständnis aufbringtn.
Die Stellungen sind also bezogen. Daladier fordert Abänderung in dem Gesetz über bie 40-Stunben- Woche; er fordert die 4 8- Stunden-Woche in den für die nationale Verteidigung arbeitenden Industrien und für alle anderen Betriebe die Möglichkeit, die Arbeitszeit den vorliegenden Aufträgen an= zuvassen.
Wie grotesk die gegenwärtige starre Arbeitsregelung ist. geht aus einer Erklärung bes Ministerpräsidenten hervor. Daladier. nannte ben Fall eines großen französischen Metallwerkes, das einen von amerikanischer Seite gegebenen dringenden Auftrag über 15 Millionen Franken verweigern mußte, weil )ie Arbeit in ber geforberten Frist nur burch lieber« tunben hätte ausgeführt werden können. Die Ar. beiteroertreter verweigerten unter Hinweis auf bas Gesetz bie Ueberftunben, und der Auftrag wurde zurückgezogen. Die Gewerkschaften sind zwar im Prinzip bereit, von Fall zu Fall in Ueberftunben elnzuwilligen. Die Praxis hat aber bereits gezeigt, ba& es bazu langwieriger Verhandlungen bedarf. 2IuBeroeni fordern die Gewerkschaften übertrieben höbe Ueberstundsnlöhne, so baß für viele- Unter« nehmen bie Uebernahme von Aufträgen bereits an ber Preisfrage scheitert.
Die Frage^bie alle Gemüter beherrscht, ist nun, ob es der Mimsterpräsibent auf einen offenen Kampf mit den Gewerkschaften unb den
hinter ihnen stehenden linksrabikalen Parteien an» kommen lassen wirb. Wird er es wagen, die von ihm angekündigten Maßnahmen wirklich zu verordnen? Werden dann bie Gewerkschaften vor dem Machtwort des Ministerpräsidenten und den von ihm entwickelten außenpolitischen Argumenten, die in ben kommenden Tagen sicherlich eine nicht geringe Rolle spielen werden, zurückweichen, ober werden sie ihre bereits zu verschiedenen Malen ausgesprochene General ft reikdrohung wahrmachen? Es ist wahrscheinlich, daß versucht werden wird, zu einem Kompromiß zu kommen. Aber wird dabei der Ministerpräsident vielleicht nicht ein Stück seiner Autorität verlieren?
Der Kampf wird diesmal nicht im Parlament mit Reden und Demissionsschreiben ausgetragen,.sondern im 'Lande selbst, unb manche befürchten bereits auf ber Straße, wie vor zwei Jahren. Schon wirb eine „Aktion zur Verteibigung ber Vier- zig-Stunden-Woche" angefünbigt, während
sich zu ben Streikenben in Marseille und den ausftänbigen Bauarbeitern in Lyon bie Grubenarbeiter in Norbfrankreich gesellen wollen, ganz zu schweigen von ber rabifalifierten 300 000.Köpfe starken Pariser Metallarbeiterschaft, bie man zur Zeit mit allen Mitteln bemagogischer Künste bearbeitet Immer stärker wirb bie von ben Gewerkschaften angeschlagene Tonart, die erkennen läßt, baß man sich der sozialen Vernunft nicht widerstandslos beugen will. Möglich, daß noch einige Zeit ins Land geht, bis die Erregung innerhalb ber Arbeiterschaft, die vielleicht zur Zeit noch gar nicht überall vorhanden ist, dafür aber künstlich geschürt wird, den Grab erreicht hat, ber neue Streiks großen Umfangs gestattet. Die Drohungen der französischen Gewerkschaften sind jedenfalls nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Doch Daladier dürfte nicht unüberlegt unb unvorbereitet daran gegangen sein, die Sozialpolitik der Volksfront einer gewissen Korrektur zu unterziehen.


