Nr. 70 Zweiter Blatt
siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 24. März l9Z8
Aus der Stadt Gießen.
Das „innere Verhältnis".
Im Feld blitzt die Pflugschar. Ueberall regt sich neues Leben. Das Licht der Sonne fließt wie Gold über die Erde, auf die Bäume und Wiefen und vergoldet Himmel und Häuser. Die Fenster leuchten und blitzen im Widerschein der Strahlen.
Das perlende Lied der Amsel steigt in die Luft. Langsam, mit dem Wachsen des Tages, sind die Nebel verschwunden, die die Erde einqewickelt haben. Vogelgezwitscher kommt von den Ääumen.
Nun erfüllt Unruhe unser Herz. Wir staunen die ersten Blumen an, wir horchen auf den Gesang der Lerchen. Versteckt im Grase, noch halb überdeckt mit altem Laub, schauen einige Veilchen hervor, umsummt von fleißigen Bienchen. Und der Rain am Feldweg ist wie mit Sternen übersät. Gänseblümchen. Still und bescheiden stehen sie da. Aber auch sie künden den Frühling, genau so, wie der goldgelbe Zitronenfalter, der sich im Sonnenschein schaukelt...
Wir wissen, daß noch Stürme kommen und Regenschauer herniederbrausen werden. Das macht uns aber nichts aus. Wir erleben die ersten Frühlingstage, nehmen sie wie ein Geschenk und schauen Über die schlimmen Tage hinweg zur Sonne und zum blauen Himmel.
Die Sonne erfüllt unser Herz, wir sind wieder fung geworden.
Wir können den Frühling nur s o erleben, wir müssen das „innere Verhältnis" finden, sonst prallt alles Schöne an uns ab. Wenn wir uns nicht eins fühlen mit Wald und Feld, mit den blühenden Blumen, mit den jubilierenden Vögeln und den gaukelnden Schmetterlingen, wenn wir nicht fühlen, daß wir Menschen doch nur ein Teil des großen Ganzen sind, dann sehen wir wohl den Frühling, aber er zieht nicht in unser Herz ein, wird nicht zum Erlebnis. Dann fehlt das innere Verhältnis.
Wir müssen diese Tage in uns aufnehmen wie die Kinder, die mit Jauchzen die blumenreichen Wiesen umarmen möchten. Schmetterlinge, Vögel, Blumen, Bienen, Sonnenschein und ziehende Wolken müssen unsere Kameraden werden.
Wir sind, indem wir so rechte „Frühlingskinder" Werden, innerlich reicher, und unser Lebensgefühl wird gesteigert. Eine warme Welle der Freude durchflutet unser Herz, wenn wir am Waldrand stehen und voll Andacht dem Gesang der Lerchen lauschen. All unsere Liebe zur Natur, unsere Begeisterung für das Schöne, leise vermischt mit Sehnsucht und Wehmut, werden lebendig. Wir stehen ganz im Banne der Natur.
Es ist kein oberflächliches Schauen, kein flüchtiges Betrachten, sondern ein Sichversenken in all das Schöne, das uns der Frühling darbietet. Dieses Frühlingserleben wandelt und läutert unser Herz. Wir verletzen den Jubel der kleinen Sänger, wir genießen den Duft der Blumen und summen irgendein frohes Liedchen. Wir schauen hinein in eine schönere, lichtere Welt.
So kann der Frühling Wunder an uns tun, wenn wir nur das innere Verhältnis gefunden haben. H.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Stadttheater, 20 bis 22 Uhr: „Eine Fahrt tAs Blaue". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Die verschwundene Frau". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Maienzeit". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. — Soldatenbund, Kameradschaft AR. 9 und Artilleristen-Kameradschaft 1895 Gießen: 20.30 Uhr Appell im „Burghof".
Zugunsten des Winlerhilfswerkes „Großer bunter Abend".
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute um 20 Uhr findet zugunsten des Winterhilfswerkes ein großer bunter Abend statt. Der Abend bringt „Eine Fahrt ins Blaue", Frühlingszug im
Arbeitskameraden!
Der Führer hat das Land Oesterreich zum deutschen Mutterlande zurüägeholt. Lin tausendjähriger Traum ist durch die Tatkraft des Führers in Er
Wann und wo wirdamWochenendegefammelt?
Schaffende sammeln, Schaffende geben?
Aufruf zur 6. Neichsstraßensammlung der DAF. für das WHW. 1937/38
füllung gegangen. 6,5 M.llionen deutsche Volksgenossen bekennen sich freudig zu Adolf Hitler.
Während im alten Reichs-^biet die Arbeitslosigkeit beseitigt worden ist, herrscht lm deutschen Oesterreich Not und Llend. Unsere österreichischen Volksgenossen sehen voll Zuversicht auf uns. Wir müssen und wollen ihnen schnellstens helfen. Durch die Tat wollen wir den Beweis liefern, daß wir eine große Schicksalsgemeinschaft geworden sind.
Arbeitskameraden! Was wir opfern, geben wir unserem Volke! Daran wollen wir denken, wenn wir am 26. und 27. März unsere Spenden in die Sammelbüchsen geben.
heil Hiller!
kreiswaltung Wetterau:
Wagner, Kreisobmann der DAF.
Kreisleitung Wetterau:
Backhaus, KreisleiLer.
NSG. Bei der letzten Reichsstraßensammlung, die am nächsten Samstag und Sonntag von der Deutschen Arbeitsfront für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1937/38 durchgeführt wird, werden die schönen Frühlingsblumen in den Betrieben, auf den Straßen und in den Gaststätten angeboten. Die Sammlung in den Betrieben findet am Samstagvormittag statt. Die Gaststättensammlung ist für Samstag von 21 bis 24 Uhr festgesetzt. Am Samstag von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 bis 19 Uhr bieten die Sammler der DAF. die hübschen Abzeichen, die den Weg zu den Herzen aller Volksgenossen finden werden, auf allen Straßen an.
Die Sammlung wird von den Amtswaltern und -warten der Deutschen Arbeitsfront, Werkscharführern und -männern, Betriebsführern und -ob- männern, Lehrkräften des „KdF."-Sportamtes und Künstlern des Amtes Feierabend durchgeführt. Alle diese Männer sind zum selbstlosen Einsatz bereit. Selbstverständliche Pflicht jedes Arbeitskameraden und Volksgenossen sollte es sein, nach seinem wirtschaftlichen Können den höchstmöglichen Beitrag für das große nationalsozialistische Hilfswerk zu geben.
Der Autounfalt im Schiffenverger Weg!
Bei dem gestern von uns bereits gemeldeten schweren Autounfall im SchiffenbergerWeg wurde der Oberarzt in der Chirurgischen Klinik Dr. T i m p e durch Brandwunden so schwer verletzt, daß er leider am gestrigen Mittwochnachmittag in der Chirurgischen Kli- 'nik verstorben ist. Seine Mitfahrerin hat Brandwunden zweiten Grades erlitten. Ihr Befinden ist den Umständen entsprechend befriedigend. Unser Bild zeigt einen Blick auf die Unfallstelle mit dem völlig zerstörten Krraftwagen.
(Aufnahme: Neuner. Gießener Anzeiger)
100-Kilometer-Tempo mit bunten Stationen. Fahrtdienstleiter sind Hans Geißler,. Karl-Ludwig Lindt. Für die Musik sorgen: Heinz Markwardt und Joachim Popelka. Vergnügungsbeamte sind: das Solopersonal, die Tanzgruppe, der Chor und das Städtische Orchester. Der bunte Abend endet um 22 Uhr und findet außer Miete statt.
„Kampf um Kraft".
Unter diesem Titel wird ein Tonfilm für Kraftfahrer am kommenden Sonntagoormittag im Gloria-Palast zur Vorführung kommen.
Bund Deutscher Mädel.
Wädelgruppe 1/116.
Am Donnerstag, 24. März, treten alle Mädel (auch die beurlaubten Mädel) um 20 Uhr am
„Hessischen Hof" zum Gruppenappell an. Entschuldi- gun-gen, nur in dringenden Fällen, sind an die Gruppenführerin zu richten.
Hitler-Zugend.
Unterbann IV/116.
Am 27. März, 9.15 Uhr, findet die diesmonaUge Führerschulung des Unterbannes IV/116 im HJ.° Heim in Lollar statt. Es treten hierzu alle Führer des Unterbannes IV/116 an. Die Vorbereitungen sind von der Gefolgschaft 10/116 zu treffen.
Oesterreichische Wahlberechtigte, Achtung!
Der Oberbürgermeister (Wahlamt) fordert heute in einer Bekanntmachung alle in Gießen wohn
haften österreichischen Wahlberechtigten auf, sich so« fort bei dem Wahlamt der Stadt Gießen zur Teilnahme an der österreichischen Volksabstimmung anzumelden. Die Bekanntmachung sei den österreichischen Volksgenossen dringend zur Beachtung empfohlen.
NSG. „Kraft durch Freude", Kreis Gießen.
Theatervorstellung.
Am Samstag, dem 26.3.1938:
„Clivia."
Operette von Nico Doftal.
Karten zu 1,— RM. in der Verkaufsstelle Seltersweg. 18620
Wie behandele ich meinen Hund richtig?
Ein Tierfilm im Auftrag des Reichstierschuhbundes.
Lpd. Der Tierfilmregisseur Toni Altenberger stellt im Auftrage des Reichstierschutzbundes ein Filmwerk her, das völlig unter dem Gedanken des Tierschutzes steht. Mit diesem Filmstreifen, betitelt „Der Hund in Stadt und Land", wird gewissermaßen ein Bildlexikon des Tierschutzes geschaffen. Darin wird man nicht nur die Treue und
— .. non gcM,teil*
Anhänglichkeit der vierbeinigen Hausgenossen bewundern können, sondern man wird auch ihre nur zu oft zu beobachtende unrichtige Behandlung durch den Menschen und die notwendige Abhilfe sehen. Attenberger will mit diesem Film, der in Frankfurts Umgebung gedreht wird, den Begriff „tter- würdig" allen Volksgenossen deutlich vor Augen führen. Im einzelnen wird der unter dem Protektorat des Reichstierschutzbundes stehende Film den Hund als Freund des Menschen und seine vielseitige Verwendung zu allerlei Diensten zeigen. Neben der Kritik an der schlechten Behandlung wird dargestellt, wie es richtig gemacht werden muß. Ein besonderes Kapitel ist dem Los des Kettenhundes gewidmet. Auch die Körperpflege des Hundes erscheint in einprägsamen Bildern. Außerdem ist die Führung und Behandlung des Hundes auf der Straße, im starken Verkehr, beim Warten vor Geschäften usw. aufgenommen. Dieses Filmwerk wird nicht nur den organisatorisch zusammengeschlossenen Tierfreunden wertvoll fein, sondern jedem, der Ehrfurcht vor den Lebewesen empfindet, als belehrende und gern aufgenommene Schau dienen.
Erneuerungen in der Iohanneskirche.
In der Zeit vom Juli bis August des kommenden Sommers wird das Innere der Johanneskirche, an dem seit der Einweihung der Kirche am 30. November 1893 keine Unterhaltungs- und Erneuerungsarbeiten mehr vorgenommen wurden, einer gründlichen Wiederherstellung unterzogen. Dadurch sollen die gegenwärtig reichlich schadhaften und zum Teil fast schwarzen Decken und Wände wieder in einen einwandfreien und würdigen Zustand versetzt werden. Die Neuausmalung des Kirchenraumes ist dem bekannten Kunstmaler Veite anvertraut worden, nachdem Kitchenbaurat Meyer und der Denkmalpfleger für die Kirchen in Hessen, Professor Dr. Gruber von der Technischen Hochschule Darmstadt die Kirche wiederholt besichtigt und letzterer
Gießener Stadttheater.
Franz Lehär: „Das Land des Lächelns."
Diese Operette war einer der stärksten und nachhaltigsten Theatererfolge des vergangenen Jahrzehnts. Wir haben schon bei der Besprechung der letzten Gießener Aufführung (1934) darauf hinge- rviesen, daß ein solcher Erfolg um so bemerkenswerter sei, als sich mit dem „Lande des Lächelns" ein neuer Operettenstil durchzusetzen schien. Die Erfahrung hat zwar gezeigt, daß die neue Form keine Nachfolge gesunden hat; immerhin sind der Bruch Mit der gerade bei dieser Gattung äußerst starren Tradition und die Annäherung des Librettos wie der Partitur an die Oper im allgemeinen wie Anklänge an die „Butterfly" im besonderen schwer zu bestreiten.
Bisher hatte doch gegolten, daß der Erfolg einer Operette — wie im Lustspiel — wenn nicht durch das happy end bedingt, so doch vom guten Ausgang wesentlich mitbestimmt sei. Lehar hat den schlagenden Gegenbeweis geliefert mit diesem „Lande des Lächelns", das mit dem gleichen, ja mit größerem Recht ein Land der Tränen genannt wer- werden könnte.
Die Tränen fließen hier sowohl auf als auch vor der Bühne. Sie kriegen sich nicht; weder das Hauptpaar noch das zweite Paar: sie nehmen am Ende, während im Parkett diskret die Taschentücher hervorgekrabbelt werden, einen bewegten Abschied auf Nimmerwiedersehen voneinander. Das war, soweit wir sehen können, in der Operette noch nicht da, oder doch nur sehr selten und jedenfalls nicht mit so stürmischem Erfolge, der mühelos die Jahre überdauert.
*
Zwar: „Meine Liebe, deine Liebe sind sich beide gleich", aber — das ist wohl, was Lehar romantisch nannte — zwischen Europa und China, zwischen Peking und Wien sind auf die Dauer keine Brücken zu schlagen: zwei Kontinente, zwei Rassen,-zwei Kulturkreise stehen einander im tiefsten Wesensgrunde fremd gegenüber; die österreichische Aristokratin kann an der Seite des exotischen Prinzen das Glück nicht finden, das sie nach uraltem chinesischen Gesetz mit vier Mandschudamen teilen müßte. Und umgekehrt bleibt auch des Prinzen kleine Schwester, die ihr Herzchen an den Wiener Dragonerleutnant verloren hat, unter Tränen im Lande des Lächelns allein. —
*
Herr Lindt hatte die Spielleitung; die allenthalben dankbaren, stellenweise heiteren, zuletzt sogar
spannenden Elemente der Fabel waren mit gutem Gefühl für die rechte Mischung herausgearbeitet, Die Tanzgruppe (Leitung: Irmgard Zenner) durfte durch eine stilgerechte Einlage die Szene gefällig beleben und auflockern. Herrn Löffler bot der fernöstliche Schauplatz reiche Anregungen für eine stimmunggebende Einkleidung und Raumaufteilung; nur hätte die Palette des Bühnenbildners im dritten Akt etwas sparsamer sein dürfen. Das Orchester klang unter Herrn Popelkas ^Führung angenehm weich und voll und ließ eine saubere Abtönung und Ausprägung der dynamischen Werte der Partitur erkennen. Auch die Chöre (Heinz Markwardt) liehen nichts zu wünschen übrig.
*
Steffi Domes-Orth spielte die Lisa auf Anstellung: eine ansprechende, bühnengerechte Erscheinung, die sich sehr sicher und ungezwungen im fremden Ensemble bewegte; gesanglich mit kräftigem Einsatz und, wie uns schien, in der mittleren Lage am ergiebigsten; darstellerisch mit viel Temperament und ausgeprägter Pointierung. — Den Prinzen Sou-Chong sang Herr Müller; die große Partie gab ihm reichlich Gelegenheit, seine guten natürlichen Mittel zu entfalten; sein weicher, nicht übertrieben hoher Tenor ist der Gefühlslage seiner Rolle angepaßt und, wie sich erwies, auch schöner, müheloser Steigerungen fähig. Die mimisch-darstellerische Unbewegtheit mag der Figur entsprechen; die textlichen Unsicherheiten werden sich wohl in späteren Aufführungen ausgleichen. Die Glanzstücke der Partitur waren natürlich die Höhepunkte seiner Leistung; „Dein ist mein ganzes Herz" mußte gleich zweimal wiederholt werden.
*
Die kleine Mi sang Ellen Haack-Bittler, Darmstadt, a. G.: anfänglich mit kindlich-heiterer Unbefangenheit, zuletzt im verhaltenen Abschiedsschmerz, rührend, ohne Uebertreibung. Reizend kam das Duett mit dem Leutnant Gustl heraus, den Herr Lindt mit einer sympathischen Treuherzigkeit als netten Kerl und guten Kameraden spielte. — Mit hübschen Leistungen sind vom Ensemble noch die Herren Kühne (Tschang), v. Gschmeidler (Lichtenfels) und Paschen (Obereunuch) zu nennen.
*
Starker Besuch, rauschender Beifall, Wiederholungen und Blumenspenden. — Im Foyer sah man eine neue kleine Ausstellung hiesiger Maler: Landschaften, Porträts und Stilleben von W. V i e h- mann und Gustav Rohrbach.
Hans Thyriot.
©er Mann, der Nansen rettete.
Nach einem abenteuerreichen Leben ist in seinem Hausboot auf der Themse Major Frederick George Jackson im Alter von 78 Jahren gestorben. Er hat die ganze Welt durchstreift und auch viele wissenschaftliche Expeditionen ausgeführt, die manches wertvolle Ergebnis besonders aus dem Polargebiet brachten, aber allgemein bekannt geworden ist sein Name durch seine Beziehung zu Fridtjof Nansen, den er in einem für den großen Polarforscher kritischen Augenblick traf und rettete. Jackson war am 6. März 1860 in Celtenham geboren, hatte kurze Zeit die Universität bezogen, war dann aber hinausgezogen in die Welt, und in einem Alter, in dem seine Kameraden noch studierten, war er auf Farmen in Australien und arbeitete mit wilden Pferden und Rindern. Hier erhielt er ein Gefühl dafür, wie erstaunlich fräftig sein Körper war, und in ihm erwachte der Ehrgeiz, ihn an den Unbilden der Arktis zu erproben. Er ging nach Grönland und erwarb sich Erfahrungen auf einem Walfischfänger; als Nansen seine berühmte „Fram"- Expedition ausrüstete, bot er ihm seine Dienste an. Da Nansen ablehnte, beschloß Jackson, selbst eine Polarfahrt zu machen, und er unternahm einen abenteuerlichen Vorstoß von der Kara-See nach Archangel und dann mitten im Winter quer durch Lappland. Nach seiner Rückkehr nach England beschloß er, eine Expedition nach Franz-Joseph-Land zu organisieren, das damals noch durch einen weißen Fleck auf der Karte dargestellt wurde. Im Jahre 1894 brach er zu einer dreijährigen ereignisreichen Expedition dorthin auf. Nansen hatte unterdessen seinen denkwürdigen Versuch, das Nordpolarbecken unter Benutzung einer günstigen Strömung zu durchqueren, unternommen, und man hatte lange Zeit keinerlei Nachricht von ihm erhalten. Schon herrschte in der aanzen Welt die größte Besorgnis über das Schicksal des Forschers, als im August 1896 ein Telegramm bei der englischen Geographischen Gesellschaft einlief, das Nansens glückliche Heimkehr mit Jackson mitteilte. Jackson hat in seinem Buche „The Lure of Unknown Lands“ geschildert, wie Nansen und Johansen, nachdem sie 15 Monate lang nach dem Verlassen der „Fram" getrieben waren, um zum Pol zu gelangen, von der Jackson-Expedition aufgefunden mürben, als sie fast am Ende ihrer Kraft waren. Jackson sagt deutlich, daß Nansen sonst nicht wieder nach Hause gekommen wäre.
Nachdem Jackson im südafrikanischen Kriege Dienst getan hatte, in dem er Major und mehrfach verwundet wurde, beschäftigte er sich mit Plänen zu einer Südpolarexpedition, bei der ihm jedoch Scott
zuvorkam. Nach dem Weltkriege unternahm er noch einmal eine Expedition nach Zentralafrika, auf der er das wenig bekannte Ruanda-Gebiet westlich vom Viktoria-See erforschte und die vulkanischen Vi- runga-Berge besuchte. Dann drang er in dem Kongo-Urwald ein, wo er mit den Pygmäen jagte, und fuhr die ganze Länge des Kongo hinab bis zum Meer. Jackson war ein Mann von einer außerordentlichen Energie mit großartigen Führerfähigkeiten, ein hervorragender Schütze und Jäger, der vor keiner Gefahr zurückschreckte. Er hat eine Reihe von Büchern geschrieben, in denen er die Erlebnisse und Beobachtungen während seiner Fahrten niedergelegt hat.
Zeitschriften.
— Das Märzheft der Zeitschrift „Der Bergsteiger" (Verlag F. Bruckmann, München) ist in Text und Bild zum Teil noch winterlichen Schi- und Bergfahrten gewidmet, während die Betrachtung „Frühling im Hochgebirge" und wundervolle Frühlingsbilder auf die kommende Jahreszeit überleiten. Von allgemeinem Interesse ist der Beitrag von Rudolf Hannich über Bergbewohner mit Aquarellen des Verfassers und ein namenkundlicher Aufsatz über öen Mount Everest. Weiter schildert ein Holländer die Ersteigung der höchsten Gipfel von Neu-Guinea, von der Urwaldzone bis zum Gletschergebiet, Otto Stolz erzählt über die Aufdeckung der Römerstraße am Brenner und Karl Springenschmid hat eine Kurzgeschichte beigesteuert.
Hochschulnachrichten.
Dem Staatsarchivrat und nb. ao. Professor Dr. Eugen Franz wurde unter Ernennung zum Dr- binarfes mit Wirkung ab 1. Januar b. I. ber Lehrstuhl für neuere Geschichte an ber Universität Würzburg übertragen.
Dem Professor Dr. Kurt N e u b e r t in Würz- bürg würbe ber Lehrstuhl für Anatomie an ber Universität R o st o ck übertragen.
Der Dozent Dr. C. August Weber an ber Universität Göttingen ist zum orbentlichen Pro- fessor für englische Philologie an ber Universität Tübingen ernannt worden.
Der hervorragenbe Hygieniker ber Universität £ r e i b u r g , Geh. Rat Prof. Dr. Paul Uhlen- h u t h , würbe in Anerkennung seiner Forschungsarbeiten zum korresponbierenden Mitglied ber Königlich Belgischen Akademie der Medizin in Brüs« jel ernannt.


