Hand, streichelte sie — sie lieft es willenlos geschehen, schien es gar nicht zu bemerken. „Du hast ja gar kein Fieber , sagte er, und sein „Du" hatte sie eigentlich in Harnisch bringen müssen, „du bist nur gekränkt und spielst Theater. Ich will dich aber nicht meinetwegen nach Hause bringen, ich bleibe gern; es ist deinetwegen. Denke doch, wie deine Mutter sich ängstigt, was sie alle denken werden. Steh auf, Lisbeth, es paftt gar nicht zu dir, daß du Theater spielst..
„Nun hör sich einer den groben Klotz an!" polterte plötzlich der Alte, der lautlos durch die Tür getreten war. „Wirst du das Mädel gleich in Ruhe lassen? Marsch! mach Platz!" Er nahm Lisbeth wie ein leichtes Bündel auf den Arm und bettete sie auf das riesige Wachstuchsofa, das Prunkstück seiner guten Stube. Nun strich er ihr begütigend durchs Haar. „Du bleibst, bis dir wieder out ist. Meinetwegen bis nächstes Jahr. Der Mutter werden wir einfach telegraphieren. Los, Karl! Bring mich nach Kastorf, mein Brauner ist zu bequem, um abends aus dem Stall zu gehen."
Viereck protestierte. „Das Telegraphieren macht die Sache nicht besser. Dahinter wittert man erst recht eine Ausrede. Bester ist, ich fahre jetzt allein und spreche sofort selbst mit Mutter Lenz."
„Hm —", meinte Onkel Peetz.
Aber Lisbeth erhob sich halb von ihrem Lager. „Nicht allein lassen", hauchte sie. Ihr Kopf fiel wieder zurück.
„Da hast du's, du Holzknecht!" sagte der Alte. „Mädel allein lassen, wenn es krank ist und nicht mehr so lieb lächeln kann. Pfui Deibel! Also damit hast du bei mir kein Glück. Vorwärts jetzt, zum Postamt!"
Als die Maschine davongebraust war, erhob sich Lisbeth von ihrem Krankenlager, schlich in die Küche und schnitt sich von Onkel Peetzens einzigartigem Bauernschinken eine ordentliche Scheibe ab. Kranksein macht nämlich Hunger wie jede andere Anstrengung. Dann steckte sie den Kopf aus dem Fenster und trank in vollen Zügen die abendliche Waldluft. Der Dackel Lumpi erschien, grub seinen struppigen^ Bart ins Erdreich unterm Fenster, svrang plötzlich mit allen vieren hoch und lachte Lisbeth herausfordernd an/Lisbeth drohte ihm mit dem Finger. „Verrat mich nicht?" Der Dackel versprach es. (Fortsetzung folgt.)
Salat 20 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 10 Pf.
(Siebener lvochenmarktpreije
* © i e ft e n , 24. Febr. Äuf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 12>5, Klasse D 10^, Wirsing, % kg 12, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat, Vio 9 bis 10, Tomaten 40 bis 45, Zwiebeln 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarz- wurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, XA kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,25 bis 3,75 Mark, Aepfel, N kg 10 bis 25 Pf., Birnen 20 bis 25, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,10 Mark, Blumenkohl, das Stück 50 bis 60 Pf-,
** Dom Stadttheater Gieften wurden verpflichtet: Else Monnard als erste Salondame und Liebhaberin an das Landestheater
Film-Volkstag in Gießener Lichtsp elcheatern.
Aus den Gießener Gerichtssälen
und erste Solotänzerin an das Stadttheater in Erfurt, Liesel Gönner als Tänzerin an das Stadt- theater in Erfurt. ..., . o,
" Eine Fünfundsiebzig lahnge. Am kommenden Samstag, 26. Februar, wird Frau Marie Gehrke, geb. Laudon, Marktplatz 17 wohnhaft, m geistiger und körperlicher Frische 75 Jahre alt. Die Jubilarin, eine langjährige treue Bezieherin des Gle- ftener Anzeigers, geht heute noch ihrem Beruf als Büglerin nach. Unseren herzlichen Glückwunsch zum
Geburtstag. .
* * Keine Polizei stunde für Fasching. Das Kreisamt Gießen hat für die Zeit von Samstag 26. Februar, bis Dienstag, 1. Marz (Fastnacht), für'alle Gemeinden des Kreises Gießen die Polizei- stunde aufgehoben.
* ♦ ©ine Kreisvers ammluna des NSLB. für den Gießener Teil des Kreises Wetterau findet am kommenden Montag, 28. Februar, 15 30 Uhr, im Großen Hörfaal der Universität statt. Um 15 Uhr geht eine Bezirks- und Schulgruppen- walter-Besprechung voraus.
Aus Anlaß der Jahrestagung der Reichs-Film-
tamrner findet vm Sonntag, 27. f^ebtuar, in bei» öaiDnuanie uuu 4j1cuyuvd.n1 uu »u- —. den ©teftener Lichtspieltheatern em Film-Dolkstag in Darmstadt, Irmgard Z e n n e r als Tanzme.sterm statt. Der Beginn einer Sondervorstellung aus die- < ...n. t» «Fr»
fern Anlaß ist auf 11 Uhr festgesetzt. Der Besuch die-, ser Vorstellungen ist auf allen Plätzen beim Erwerb der „Film-Fibel" (10 Pf.) jedermann mög- lich. Im Gloria-Palast gelangt der Film „Der Jäger von Fall", im Lichstpielhaus, Bahnhofstraße, der Film „Land der Liebe" zur Aufführung.
Schwurgericht Gießen.
Am dritten Tage der lausenden Schwurgerichts- Periode hatte sich der Heinrich Repp aus Bingenheim wegen Meineides zu verantworten. Der Anklage ging folgender Vorgang voraus:
Dor einigen Jahren schwebte vor dem Amtsgericht Friedberg gegen einen gewissen Koch ein Prozeß wegen Unterhalts. Koch ist vor etwa einem halben Jahre in dieser Sache vom Schwurgericht zu 1)2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Der Angeklagte Repp sollte damals mit abaeurteilt werden, war jedoch nicht aufzufinden, so oaft das Verfahren gegen iyn abgetrennt wurde und erst gestern zur Durchführung kommen konnte. Es wurde jedoch festgestellt, daß er sich dem Verfahren nicht durch die Flucht entzogen hatte, sondern inzwischen seinem Berus, der ihn viel aus Reisen führt, nachgegangen ist. Er hat sich insbesondere überall vorschriftsmäßig gemeldet und konnte dadurch (in Bad Wildungen) alsbald ermittelt werden.
In dem genannten Zivilprozeft trat der Angeklagte als Zeuge über die Frage auf, ob er mit dem fraglichen Mädchen Beziehungen gehabt habe, oder nicht. Er verschwieg bei einer damaligen eidlichen Vernehmung, daß der Beklagte Koch mit ihm in einer Wirtschaft eine Unterredung gehabt hatte, in der dieser ihm erklärte, er wünschte endlich aus dem Schlamassel herauszukommen, da ihn seine Frau und seine Kinder dauerten. Diese Bekundung wäre als Indiz für eine mögliche Vaterschaft des Koch immerhin von gewisser Bedeutung gewesen, wenn es sich auch nachher herausstellte, daß Koch aus anderen Gründen als Vater nicht in Frage kam. Der Angeklagte wurde in dem Verfahren gegen Koch vom Amtsgericht Friedberg in dieser Angelegenheit auch vom Untersuchungsrichter gehört und gestand bei dieser Gelegenheit, obwohl gegen ihn ein Verfahren damals noch gar nicht kies, daß er in seiner Zeugenaussage diesen Punkt wissentlich verschwiegen habe, um die Angehörigen des Koch zu schonen. Dieses Geständnis hielt er in der gestrigen Haupt- verhandlung nicht mehr aufrecht, sondern er behauptete, daß er in dem ersten Termin nicht daran gedacht und diese Aeußerung lediglich vergessen habe. Er berief sich dabei auf eine Zeugin, der er unmittelbar nach dem Termin mitgeteilt haben will, daß er diesen Punkt, vergessen habe. Diese erklärte jedoch auf das Bestimmteste, daß der Angeklagte ihr gegenüber eine derartige Andeutung nie gemacht habe.
Der Vertreter der Anklagebehörde betonte in seinen Ausführungen, daß im Interesse einer'einwandfreien Rechtsfindung dem Meineidsverbrechen mit aller Schärfe entgegengetreten werden müsse. Er gab zu bedenken, daß im vorliegenden Falle aus einem Zivilprozeß drei Verfahren wegen Meineides entstanden seien, und daß immer wieder der größte Teil gjler Verhandlungen, mit denen das Schwurgericht befaßt werde, einen Meineid zum
Gegenstand hätten. Da der Angeklagte feine Tat schon zu einem Zettpunkt eingestanden hat, in welchem eine Anzeige oder ein Verfahren, gegen ihn noch nicht lief, und auch für die Beteiligten kein Vermögens- oder Rechtsnachtett entstanden ist, mußte gesetzlicher Bestimmung gemäß die Strafe nach den Grundsätzen des Versuchs ermäßigt werden. Der Stabtsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von 6 Monaten, die in eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten umgewandelt werden könne.
Der Verteidiger beantragte in erster Linie Freispruch, da seiner Auffassung nach der Nachweis da- flfr, daß der Angeklagte diesen Punkt bewußt verschwiegen habe, nicht erbracht sei. In zweiter Lime beantragte er eine milde Strafe.
Das Gericht kam zp folgendem Ergebnis: Der AngeklaAe wird wegen Meineides an Stelle einer Puchthausstrafe von 5 Monaten zu einer Gefängnisstrafe von 7% Monaten verurteilt. Drei< Monate der Untersuchungshaft kamen zur Anrechnung. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, das Gericht sei einmütig der Auffassung, daß das frühere Geständnis gerade in Verbindung mit der heutigen Aussage der Zeugin richtig und seine in der Verhandlung geltend gemachte Einlassung unglaubwürdig sei. Da der Angeklagte durch seine Aussage niemand geschädigt und auch nicht aus unehrenhaften Motiven gehandelt habe, habe ihm das Gericht in weitestem Maße mildernde Umstände zugebilligt und auch die Untersuchungshaft angerechnet. Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an. Da der Staatsanwalt alerchfalls auf Rechtsmittel verzichtete, wurde das Urteil rechtskräftig.
Amtsgericht Gießen.
Der H. V. aus Gießen hatte wegen Tierquälerei einen Strafbefehl über 30 M/l r k erhalten. Auf feinen Einspruch hin kam die Sache gestern zur Hauptoerhandlung. Der Angeklagte fuhr im Oktober v. I. mit einem einspännigen Pferdefuhrwerk vom Horst-Wesfel-Wall nach der Frankfurter Strafte. Er hatte auf seinen an sich schon 16 Zentner schweren Wagen 30 Zentner Kies geladen. Diese Belastung war für das Pferd viel zu hoch, so daß es oftmals nicht weiterkonnte und in die Knie sank. Trotz Vorhaltungen seitens Passanten feuerte er das Pferd an und rift es immer wieder mit dem Zügel vorne hoch. Zur Begründung feines Einspruchs wandte der Angeklagte ein, das Pferd fei nicht überlastet gewesen. Im,übrigen sei er sorgfältig gefahren. Ein Sachverständigengutachten ergab jedoch einwandfrei, daß ein Pferd, wie das des ,Angeklagten, eine solche Last nicht bewältigen kann. Der Angeklagte hatte es nur der Tatsache, daß er das Tier nicht mit der Peitsche traktierte, sondern nur mit Worten anfeuerte, zu verdanken, daß die Strafe nicht erhöht wurde. Es blieb daher bei 30 Mark.
Wenig Erfolg hatte auch der K. S. aus Lang-
Göns mtt feinem Einspruch gegen einen Strafbefehl über 5 Mark, wegen llebertretung, ber Reichs- straßenverkehrsordnung. Der Angeklagte wurde vor einiger Zett bei Anbruch der Dunkelheit mit seinem Personenkraftwagen von der Straftenpolizei^kontrolliert, wobei festgestellt wurde, daft das Fernlicht seines Scheinwerfers nicht funktionierte. Der
Angeklagte behauptete gestern, er prüfe vor jeder Fahrt seinen Wagen nach und habe dies auch im vorliegenden Falle getan. Das Gericht vermochte jedoch diesen Ausführungen keinen Glauben zu dienten, sondern erhöhte die Strafe mit Rücksicht darauf, daß S. sich den Polizeibeamten gegenüber ungehörig benommen hatte, auf 10 Mark.
Seefisch als Nahrungsmittel.
In einer gemeinsamen Sitzung der naturmiffeib ’ schaftlichen und der veterinärmedizinischen Abteilung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde sprach am gestrigen Mittwochabend Professor Dr. S t a n d s u ß über das Thema „See- fische a 13 Nahrungsmittel" vor zahl- reichen Mitgliedern und Gästen.
Der Vortragende behandelte zunächst die Krankheiten, die beim Menschen im Gefolge von Fisch- genuft und an Fischen selbst auftreten können und zeigte, daß Uebertragungen von Parasiten und Vergiftungen durch Stoffe des lebenden Fischkör- pers (Haut des Neunauges, Aalblut) möglich Jinb, aber praktisch nur eine geringe Rolle spielen. Sehr viel bedeutsamer ist die Frage der Frischhaltung des Speisefisches auf dem Wege vom Fangort bis zum Tisch des Verbrauchers. Die möglichen Gefahren und die Wege zu ihrer Ueberroinbung wurden daher vom Redner auf ©rund seiner vielfältigen wissenschaftlichen Erfahrungen eingehend an Hand von Tabellen und bildlichen Darstellungen geschildert. Eine Reihe von Merkmalen und Proben gestattet die Feststellung, ob ein Fisch dem menschlichen Genuß ohne Bedenken zuaeführt werden kann. Sodann wurden diejenigen Seefischarten besprochen, die in unserer Fischnahrung die erste Rolle spielen.
Eine Ausstellung von etwa 20 verschiedenen Arten, die von der Seefisch-AG. Wesermünde zum Vortrag zur Verfügung gestellt worden waren, war besonders eindrucksvoll und ließ die Hörer auch selteneres und im Binnenlande wenig bekannte Formen von Fischen durch eigenen Augenschein kennen lernen. »
Den Abschluß des Vortrages bildete ein von ber Deutschen Reichsbahn aufgenommener Film, der in wirkungsvollen Aufnahmen den Fang der Fische guf.den Fischgründen der Nordsee, ihre Behandlung an Bord, das Löschen der Ladung, die Gesundheitskontrolle im Hasen, den Verkauf und den Transport in Spezialwagen bis in die Städte des Binnenlandes zeigte. Lebhafter Beifall dankte dem Redner, und eine längere Aussprache lieft erkennen, wie vielseitig und wichtig die Wissenschaft- lichen Fragen sind, die mit ber Zuführung des <
hochwertigen Nahrungsmittels „Seefisch" an den Verbraucher zusammenhängen.
xzipzley' gang im Fifchkochen.
In der Lehrküche ber Abteilung Volkswirtschaft- Hauswirtschaft im „Einhorn" herrscht wieder großer Betrieb. Die von der NSV. betreuten Frauen ber vier Gießener Ortsgruppen werden hier über die Zubereitung des Seefifchs unterrichtet. Die Frauen sind gern gekommen und sind dankbar für diele praktische Unterweisung; Wie manche von ihnen stehen oft den Forderungen, die der Haushalt an sie stellt, ratlos gegenüber. Sie möchten auch etwas ausprobieren, möchten wohl auch gern ihrer Familie einmal etwas anderes vorsetzen, als dasselbe Einerlei, aber es fehlt ihnen an Anleitung zu einem abwechslungsreichen Speisezettel.
Fräulein Christ versteht es gut, die Aufmerksamkeit jeder Teilnehmerin zu wecken und fte mit einzureihen in die gemeinsame Arbeit. Die Lehrgänge umfassen zwei Abende und sind so eingeteilt, daß zuerst die verschiedenen Gerichte durchgesprochen werden, wobei der Nährwert der Fischmahlzeit und der ergänzenden Beikost erklärt wird. Danach zeigt Fraulein Christ die einzelnen Fischarten und säubert und entgrätet die Fische. Dann erhält an jedem Tische eine Gruppe von Frauen ein Rezept, das sie herstellt. Jede Teilnehmerin wird beschäftigt; die einen lesen Feldsalat oder bereiten den 3um Gericht gehörenden Kartoffelsalat, andere drehen die Fischstücke durch die Maschine, um Fischklößchen daraus zu machen, während an einem dritten Tisch ein schöner Auflauf mit Fisch und Sauerkraut entsteht. Und zum Schluß wird alles gekostet. Da sind die Tische sauber geputzt und gedeckt, di^ fertigen Gerichte erfreuen schon durch ihre geschmackvolle Aufmachung. Fräulein Christ erklärt noch einmal kurz jedes Gericht, das gereicht wird, wiederholt die Zubereitung und fordert die Frauen auf, ihr Urteil darüber abzugeben.
Es wird nun geprobt und gelobt, und alle Frauen find einig vorüber, daß der Fisch von jetzt ab auch in ihrer Familie zum mindesten einmal wöchentlich auf dem Mittags- oder Abendbrotttfch erscheinen soll. F«K.
Lahrestagung des Haus- und Grundbesitzer-Vereins.
Eingangs des Jahresberichtes, den Dereinsleiter Adolf Schmidt der gestrigen 31. Jahres-Hauptversammlung des Haus- und Grundbesitzer-Vereins Gießen im „Burghof" vortrug, widmete er dem verstorbenen langjährigen Vereinsleiter Launspach und dem Kassierer Reichsbankobergeldzähler a. D. Jegust einen herzlichen Nachruf. Auf die Dereins- tatigfeit eingehend, wies er die Zusammenhänge zwilchen Hausbesitz und dem Bau- und Wohnungswesen auf und kennzeichnete die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt. Er führte u. a. aus, daß die Abkehr von den 6- und 7-Zimmerwohnungen und die Nachfrage nach 2- bis 5-Zimmerwohnungen unvermindert anhält. Der Vereinsleiter stellte dann die Notwendigkeit heraus, eine Senkung der Unkosten, insbesondere durch eine Zinsverbilligung, herbeizuführen. Weiter sprach er dem bisherigen Vereinsleiter, Oberingenieur Adolf Kurz, der sich nach dem Tode des früheren Dereinsleiters Launspach mit großem Geschick der Dereinsleitung gewidmet hatte, sowie dem Beirat Dank und Anerkennung aus. Als neuer Dereinsleiter ist jetzt Adolf Schmidt bestimmt worden. Den Kassenbericht erstattete der Rechner Baumeister Matheis, dem Entlastung erteilt wurde. — Hierauf besprach Verb-ndSsyndikuS Dr. Koch, Frankfurt die wichttgsten Steuerfragen des Hausbesitzes. Der Vortragende befaßte sich zunächst mit der Preisstoppverordnung und den damit eingetretenen Verboten der Mietpreiserhöhungen und führte eine
Reihe von Milderungen an, die eine Kündigung ermöglichen und eine Mietpreisfestsetzung oon. der Genehmigung der Preisbildungsstelle abhängig, machen. Er legte diese Ergänzungen und Abänderungen dahin aus, daß ihr Zweck das Auffinden einer volkswirtschaftlich gerechtfertigten Miete sei. Zur Erweiterung des Mieterschutzgesetzes kennzeick- nete er die unter diese Verordnung fallenden Wohnungen wie folgt: sämtliche Altbauwohnungen bi£ zu einer Friedensmiete von 1200 Mark und sämtliche Neubauwohnungen ohne Rücksicht auf die Höhe der Miete. Als nicht unter den Mieterschutz fallende Räume bezeichnete Dr. Koch sämtliche Altbauwohnungen mit einer Friedensmiete über 1200 Mark und sämtliche gewerblich genutzten Räume. Als Kündigungsgründe auf dem Wege der Klage nannte er den Mietrückstand von einem Monat, eine über das Maß hinaus eintretende Belästigung durch den Mieter und schließlich die dringende Anforderung der Wohnräume für persönliche Zwecke. In eingehender Weise erläuterte er bann die Grundsteuerreform und gab an Hand von Zahlenunterlagen wertvolle praktische Anregungen. — In einem zweiten Vortrag stellte
Verbandsleiter Or. Äauß-Darmstadt die Bedeutung des Hausbesitzes im Rahmen ber Volkswirtschaft heraus. Dabei wandte er sich gegen die überlebten Vorstellungen vom Hausbesitzer als „Kapitalisten" usw. Das Eigentum der rund 4 Millionen deutscher Hausbesitzer in Höhe von rund
Dis Mädchen
aus der Burgsiraße.
Vornan von Hilde K Lest.
25 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Als Lisbeth und Viereck später einen Spaziergang durch den Wald machten, blieb Lisbeth hundert Schritte hinterm Försterhaus plötzlich stehen und sagte: „Es ist wundervoll hier, uiiö ich bin Ihnen sehr dankbar für diesen Ausflug. Sie dürfen mir aber nicht böse sein, wenn ich Ihnen grundsätzlich eines sage —"
„Wie kann man in dieser herrlichen Landschaft von Grundsätzen sprechen?" unterbrach sie Viereck.
Sie überhörte seinen Einwand. „Ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich mich nicht überrumpeln laste. Ich hoffe, Sie verstehen mich, und wir bleiben gute Freunde." Sie hatte die Brauen hochgezogen und machte abweisende Augen.
„Bravo, Lisbeth!" war Vierecks überraschende Antwort. „Sie bleiben stets, wie Sie sind, und so, wie Sie sind, muß man Sie liebhaben."
„Wie kann man, in dieser herrlichen Landschaft Phrasen dreschen?" sagte Lisbeth streitlustig.
„Ach", entgegnete Viereck im gleichen Ton, „was meinen Sie, was so eine Landschaft alles verträgt. Grundsätze und Phrasen... es kommt ihr gar nickst darauf an. Die Vögel zwitschern ruhig weiter, die Sonnenstrahlen malen weiterhin die gleichen Kringel in die Lichtung. Nur einfältige Leute bilden sich ein, es müßte unbedingt ein Liebespaar da sein, das mit dem Frieden im Walde harmoniert. Weit gefehlt. Hören Sie die schimpfenden Enten drüben im Luch? Jetzt antwortet der Erpel genau so unhöflich. Wie kommen wir dazu, uns hier besser auf» zuführen als die Eingeborenen, die für die Stimmung der Landschaft gewissermaßen verantwortlich sind?"
„Es ist wahrlich schwer, sich mit Ihnen zu streiten", seufzte Lisbeth.
„Dann wollen wir uns nicht länger damit abquälen."
„Sie sind sehr verwöhnt, mein Lieber?"
„Wieso?"
„Sie können es gewiß nicht vertragen, wenn Ihnen jemand böse ist, oder wenn er sich Jhn^n gegenüber auch nur gleichgültig verhält."
„Bin ich Ihnen denn gar so gleichgültig, daß Sie das noch extra betonen müssen?"
„Von mir ist nicht die Rede. Aber Carla haben Sie beispielsweise so lange Blicke zugeworfen, bis sie wieder anfing, mit Ihnen zu kokettieren. Das ist auch der Grund, weshalb Sie uns einreden wollten, Carla könne den Professor Mollwitz nicht leiden. Sagen Sie es doch offen heraus, daß Ihnen Carla sehr gut gefällt!"
„Es dürfte nur wenige Männer geben, bflhen Carla nicht gefällt."
„Ich danke Ihnen für diese Aufklärung, Herr Viereck. Ich habe Ihr diplomatisches Geschick bei Ihren Verhandlungen mit Machers Peinigern ehrlich bewundert. Sie verstehen es großartig, die Leute gegeneinander auszuspielen. Kommen Sie sich aber in der Rolle, die Sie heute spielen, durchaus ehrenhaft vor?"
„Ich verstehe Sie nicht."
„Nun, Herr Viereck, ich habe Ihnen doch keinen Anlaß geboten, mich für dumm zu hatten. Sie haben heute diesen Ausflug inszeniert, um Carlas Eifersucht aufzustacheln. So wie Carla den Professor benutzt, um Sie zu beruhigen, wollten Sie mich benutzen, um Carla zu zeigen, daß Sie ja nur zu wählen brauchen."
^Nickst übel ausgedacht", sagte Viereck gleichmütig.
öeine Ruhe steigerte ihren Grimm. „Sie haben sich aber die Falsche ausgesucht. Ich werde Ihnen die Suppe versalzen. Sv — und nun können wir ja umkehren."
„Ja, wir können umkehren. Was aber die Suppe betrifft, so glaube ich, daß Sie Ihr Salz sparen können." Er sah auf die Uhr. „Sehen Sie — wir haben jetzt sechs. In einer halben Stunde 'können wir fahren. Um Viertel nach acht setze ich Sie in der Burgstraße ab. Das ist ein außerordentlich anständiger Zeitpunkt, der niemand ein Recht gibt, mißtrauisch oder gar eifersüchtig zu sein..."
Lisbeth ging mit schnellen Schritten voraus, er sah ihr Gesicht nicht, er sah nur, wie sie im Vorübergehen mit einem Stecken Distelköpfe abhieb. Plötzlich blieb sie stehen. „Ihre Regie verdient jedes Kompliment. Sie haben es sich auf die Minute
ausgerechnet, wie weit Sie bei Carla den Bogen spannen dürfen. Sie soll eifersüchtig fein, aber es darf nicht zum Bruch kommen. Dafür ist ein Viertel nach acht in Ihrer Berechnung der richtige Zett- punkt."
„Noch schneller läuft meine Maschine leider nicht."
Lisbeth ging weiter, und bei jedem Wort mußte eine Distel daran glauben: „Nein — noch — schneller — läuft — sie — nicht!"
Der Förster erwartete sie in der Tur. „War s schön, Kinder? Ihr habt euch auch den prächtigsten Abend ausgesucht, den ich auf Lager hatte."
„Leider können wir ihn nicht bis zur Neige aus» kosten, lieber Onkel Peetz", sagte Viereck, „mir müssen um Viertel nach acht in Berlin sein."
Der Alte schüttelte ungläubig den Kopf. „Genau um Viertel nach acht?"
„Haargenau um Viertel nach acht. Man darf nämlich den Bogen nicht überspannen..."
„Und ich dachte schon, Lisbeth würde meine Legende ausprobieren", jammerte Onkel Peetz. „Wer was ist dir, Mädel?" sagte er plötzlich.
„Es ist nichts", erwiderte Lisbeth mit schwacher Stimme, „aber wenn ich vielleicht ein Glas Wasser haben könnte —"
„Ich laufe ja schon!" Man hörte ihn vor dem Hause die Pumpe bedienen, dann kam er mit einem großen Humpen zurück. „Schuld ist natürlich der Karl!" meinte Onkel Peetz, „fährt wie ein Wahnsinniger und glaubt, so ein Mädel hätte auch Pferdeknochen im Leib wie er. Nun streck dich ruhig aus, Mädel, auf ein Viertelftündchen wird's wohl nicht ankommen. Du kriegst auch einen Wacholder und bist dann wieder fest auf den Beinen. Komm, Karl, laß sie allein. Du verdienst es nicht, bei ihr zu sitzen."
Die Männer gingen in die Küche, aber Lisbeth horte durch die Küche jedes Wort, das gesprochen wurde.
„Wir müssen unbedingt zurück" sagte Viereck, „was denkt ihre Familie, wenn sie über Nacht fortbleibt?"
Aber man kann schließlich auf dem Soziussitz eines Motorrades kaum ein Mädchen befördery, das vor Schwäche nicht einmal die Augenlider heben kann und nur flüsternd antwortet. In diesem Zustand fand Viereck Lisbeth wieder, als er die Stube betrat. Er fetzte sich neben sie, nahm ihre


