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Donnerstag, 24. $ebruarl938
Kr.46 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus »er Stadl Stehen. Schöne Werkpause bei Heyligenstaedt
Don Fasching und der Fasenachi.
pause bereitet. DasStädti-
ftarfer Besetzung ein, der
Werkskonzert vor vielen aufmerksamen Zuhörern.
Ereignis empfunden und begeistert ge-
Don
bunden Professor Dr. Albert Goedeckemeyer,
Ordinarius für Philosophie und Pädagogik an der
A-dur ihre innerliche geistige Annäherung. Bor Ordinarius für Philosophie i Eintritt der Coda erscheint das trotzige erste Thema 1 Universität Königsberg.
tionales feiert.
Vor dem EinseWen die Haut mit NIVEA geschmeidig machen, dann ist das Rasieren ebenso schmerzlos wie ein Haarschnitt
Hochschulnachrichien.
d-m amtlichen Berpflichtunaen wurde ent»
Bald geht auch dieser lange Fasching — er dauert 54 Tage — und damit die Herrschaft des närrischen
Deutsche und italienische Quartettmusik.
Zum bevorstehenden Konzert des Quartetto di Roma.
symbolhafter Form die Freude über das Ende der Winterszeit zum Inhalt. Sie begrüßten das Herannahen des vom Bauern herbeigewünschten Frühjahres Zu den Fasenachtssitten und -gebräuchen gehören auch die verschiedenen besonders zu dieser Zeit üblichen Backwerke. Dor allem sind dies die Faschingskrapfen und Faschinqsbrezeln. In der Wetterau hieß es: „Wer zur Fasenacht keine Krüppel (Krapfen) backt, kann das ganze Jahr nicht froh sein." Ebenso hieß es: „Zur Weiberfasenacht muß man Krapfen backen und so oft davon essen, als der Hund den Schwanz bewegt." In Braunschweig werden an Fasenacht die „Prilleken" gebacken, und in der Rhön nennt man den Faschingssonntag „Kräppelsunntig" (Krapfensonntag).
Don den drei Fästnachtstagen ist der Fastnachtsdienstag der Haupttag. Der Dolksmund hat diesen Tag mit zahlreichen Bauernsprüchen und Wetterregeln, die von den Altvorderen übernommen worden sind, umrahmt. Der Bauer begrüßt vor allem schönes Wetter an Fastnacht, denn Fastnacht hell und klar, bringt ein gutes Jahr", oder „Fastnacht
Dielen Zuhörern vermittelt werde, und schilderte dann in wenigen Worten den Ausstieg im Dritten Reich, an dem auch dieses Werk stärksten Anteil habe nehmen dürfen.
Mit großer Aufmerksamkeit hörte dann der große Kreis der Zuhörer die ausgezeichneten musikalischen Darbietungen des Städtischen Orchesters (Leitung: Kapellmeister Paul Walter), das den Volksgenossen im blauen Arbeitsanzug eine besondere Freude bereitete. Das Orchester fand denn auch überaus /dankbare Zuhörer. Man hörte Lortzings Ouvertüre zu „Undine", die „Ländliche <sjuite" von
an, dessen vornehmlichste Veröffentlichungen Anfang des 17. Jahrhunderts erschienen sind. Die Schluß- Passacaglia folgt einem Vorbild von Conte L. Ron- calli aus dem Jahre 1692, der erste Satz („Jta- liana") und der dritte („Siziliana") greisen Vorlagen von unbekannten Verfassern auf.
den in der W e r k z e u g- maschinen - Fabrik Heyligenstaedt in
zu vergessen. Das Werkskonzert wurde in der Verbindung mit der NS.» Gemeinschaft „Kraft durch Freude" durchgeführt.
Betriebsobmann C h r i st l hielt eine kurze Ansprache, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß aus den Werkräumen dieses Betriebes ein Konzert
Sonnenschein, druckt's Korn ins Viertel hinein". Allgemein verbreitet sind auch die Bauernregeln? „Wenn an Fastnacht die Sonne scheint, ist's für Korn und Erbsen gut gemeint" und „An Fastnacht Sonnenschein, bringt viel Weizenxxind Wein her-.
E. F. Buder, das stimmungsvolle „Fest in Aranjuez" (Demerssemann) und schließlich die beschwingten Melodien des Walzers „Gold und Silber" (Lehar), und aus der Operette „Die Fledermaus". Mit dem Gasparone-Marsch klang das Konzert aus.
Zum Abschluß der schönen Werkpause hkßlt der Kreiswart der NSG. „Kraft durch Freude" M ü l - l e r eine kurze Ansprache, in der er von dem Recht des deutschen Menschen auf Arbeit, aber auch auf Freude sprach. Schließlich wies er auch auf die Notwendigkeit der Führung in kleiner, größerer und größter Gemeinschaft hin. und schloß mit dem Gruß an den Führer. Eine Minute später erfüllte dann wieher der Lärm der Maschinen und Motoren die Halle.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
künden. .
Die beiden Themen im Finale (allegro non assai), das eine mit schä.rfster rhythmischer Gespanntheit (Synkopen!), das andere fast ländlerisch wiegend, finden zuletzt in der Hinwendung nach
nun in dem sanft verklärenden Licht leiser harmonischer Klänge in gedehnten gleichen Notenwerten. Dr. Hermann Hering.
nacht" sagte.
Der heutige Karneval ist erst etwas über hundert Jahre alt. In der Fastnachtszeit spielten sich einst viele alte Bräuche ab, die alle dem steigenden . Jahre Fruchtbarkeit und Segen schaffen, sowie alle winterlichen Mächte unschädlich machen sollten. Die bevorstehende Fastenzeit bewirkte, daß sich einst in
Gestern um die Mittagsstunde wurde den etwa 400 Arbeitskamera-
Tageskalender für Donnerstag.
NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Nord: 20.30' Uhr „Frankfurter Hof" Zellenabende für Zelle 5, 7, 8.— Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr Gastspiel Paul Wegener „Kollege Krampton". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Musik für Dich". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebling der Matrosen". Handels- und Gewerbebank: 20.15 Uhr Restaurant „Hindenburg" 79. ordentliche Generalversammlung. — Deutsche Jägerschaft: 17.15 bis 18 Uhr Veterinär-Pathologisches Institut, Frankfurter Straße 94, Vortrag Professor Dr. Krause „Wildkrankheiten". — Oberhessischer Kunstverein: Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Einmaliges Gastspiel Slaatsschauspieler Paul Wegener.
Heute um 20 Uhr findet ein einmaliges Gastspiel des bekannten Staatsschauspielers Paul Wegener mit seinem Berliner Ensemble in „Kollege Crampton", Komödie in 5 Akten von Gerhart Hauptmann,
großen Mengen in den Haushalten umkamen, ober auf den Müllabladeplätzen landeten. Da gab es schönes Briefpapier, bunte Tapeten, Bucher unb viele anbere Dinge. Diese Schau hätte wohl auch ben letzten Zweifler baoon überzeugt, baß es für ein Volk, bas sich große wirtschaftliche Ziele, wie den Vierjahresplan, gesteckt hat, keine wertlosen Abfälle mehr geben darf. Flaschenkapseln, Silberpapier, alte Tuben, Zinn- unb Zinkgegenstänbe, überhaupt alles was aus Metall unb im Haushalt überflüssig unb entbehrlich geworben ist, auch Zeitungen, Zeitschriften, alte Bücher unb Hefte werben wegen ihres Rohstoffwertes gesammelt. Daß unsere Pimpfe und Jungmädel bei jeder Sammlung mit großen Säcken beladen in ihr Heim zurückkehren, ist der beste Beweis dafür, daß es sich lohnt, Tube zu Tube und Zeitung zu Zeitung zu häufen. Welche kleine M ihe ist es doch, in einen bereitgestellten Behälter jedes Abfallftück zu tun, unb bann ben Jungen ober Mädeln, bie so stolz auf ihren gefüllten Sack sind, am Sammeltage auszuhändigen. Wir erfreuen bamit bie sammelnbe Jugend unb feilten gleichzeitig ber Volkswirtschaft einen großen Dienst.
Beiratssihung der Industrie- und Handelskammer Gießen.
Arn Montag sand — wie man uns berichtet — eine Sitzung bes Beirates der Industrie- und Handelskammer zu Gießen statt. Nach Eröffnung durch den Präsidenten der Kammer Dr. Pauly sprach der Geschäftsführer Dr. Fröhlich zu den organisatorischen Veränderungen der letzten Zeit und zu aktuellen Fragen der Wirtschaftspolitik. Er behan-
ftatt. Paul Wegeners künstlerische Leistungen wurden bei seinem letzten Gastspiel in Gießen mit großer Begeisterung ausgenommen. Die Spielleitung hat Paul Wegener. Es wirken mit: Staatsschauspieler Paul Wegener, Nora Brand, Elisabeth Roh- roer, Maria Meißner, Paul Bledschun, Walter Doerry, Fritz Ley, Fritz Linn, Gustav Mahncke, Kay Möller, Karl Rödemeyer, Henry Dahl. Bühnenbilder: Karl Löffler. Das Gastspiel findet, außer Miete statt und endet 22.30 Uhr.
NG.-Mchiswahrerbund.
Am kommenden Freitag, 25. Februar, 20 Uhr, findet in Gießen im Hotel „Hindenburg" die nächste Versammlung des NS.-Nechtswahrerbundes, Kreis- gruppe Gießen, statt. Es spricht Gauhauptstellenleiter Pg. Dr. K r a u s von der Gauschulungsburg in Kronberg über „Der deutsche Osten in seiner Bedeutung für das nationalsozialistische Reich". EF wird erwartet, daß alle Bundeskameraden erscheinen.
\ IM.-llntergau 116, Gießen.
velr.: Besprechung
der Iungmabelführerinnen des Standortes Gießen.
Die Besprechung der Schar- und Schattsführe- rinnen der Jungmädelgruppen 1 dis 4/116 muß auf Freitag, 25. Febr., 18 Uhr, vorverlegt werden.
Die Besprechung der IM-Gruppenführerinnen 1, 2 und 4/116 findet ebenfalls am Freitag um 17.30 Ühr statt.
7i chis ist wertlos!
Auf einer Ausstellung sah man kürzlich Gegenstände, die aus alten Lumpen, Altpapier, Altmetall ufw. hergestellt waren, Dinge, die bisher leider in
beite ferner bie Auswirkungen der neuen Gewerbesteuer, die Aenderung des Einkommensteuergesetzes, das erweiterte Mitwirkungsrecht der Industrie- und Handelskammern in Handelsregister- und Firmenführungs-Sachen und Etatsfragen.
Im Anschluß hieran berichtete Dr. Kirchner, der stellvertretende Geschäftsführer der Kammer, über die Ausgaben, die den Industrie- unb Handelskammern auf dem gerade im Hinblick auf den Vier-. jahresplan äußerst wichtigen Gebiet der Berufsausbildung zugewiesen wurden, und die Maßnahmen, die zur Erfüllung dieser Aufgaben bereits getroffen wurden bzw. in Vorbereitung sind. Außerdem wurde den Beiratsmitgliedern eine Uebersicht über das zur Anwendung kommende Prüfungsverfahren gegeben. Die beiden Berichte lösten eine lebhafte Aussprache aus.
Der Präsident Dr. Pauly wies in seinem Schlußwort darauf hin, daß es bie Aufgabe der Kammer auch im kommenden Geschäftsjahre fei, nicht nur Verwaltungsstelle zu sein, sondern, in stetiger Fühlungnahme mit der Praxis Industrie und'Handel auch von sich aus in dem ihr möglichen Rahmen weitgehendst zu fördern.
Das WHW.-Wunschkonzert der Wehrmacht.
NSG. Das WHW.-Wunschkonzert im Wehrkreis IX., das am 14. März veranstaltet und v -m Reichssender Frankfurt und seinen angeschlosienen Sendern übertragen wird, wird ausgeführt von dem Musikkorps des IR. 15 (Stabsmusikmeister S tein- ko p f f) und dem Musikkorps des Fliegerhorst Kas- sel-Rothwesten (Obermusikmeister Fischer), sowie einem Soldatenchor. Spenden werden bis zum 7. M^irz an folgende Anschrift erbeten: Generalkommando IX. ÄK., Abt. Ic Kassel, Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4820.
Oie Schicksale der Manneffeschen Handschrift
Die abenteuerlichen Schicksale der Mannesseschen Liederhandschrift, der berühmten, mit prächtigen bunten Bildern ausgestatteten Sammlung der Gedichte unserer Minnesänger, schildert im Märzheft von Velhagen & Klasings Monatshefte n Professor Dr. K. Preise ndanz, der Direktor der Universitäts-Bibliothek in Heidelberg. Die kostbare Sammlung kam aus der Schweiz im Jahre 1554 in die Pfälzische Landbibliothek nach Heidelberg und auf seltsamen und gefährlichen Umwegen im Jahre 1657 nach Paris in den Besitz Ludwigs XIV. Bemühungen,, den nationalen Schatz 1815 ober 1871 auf kriegsrechtlichem ober diplorna- tifchem Weg wieberzuerlangen, blieben vergeblich, da der Uebergang ber Handschrift an Frankreich durch regelrechten Kauf erfolgt war. Und doch sand sich schließlich die Gelegenheit, die mittelhochdeutschen Lieder für Deutschland wiederzugewinnen. Der Straßburger Buchhändler Karl I. Trübner, ein geborener Heidelberger, erzielte durch persönliche Gewandtheit und ausgedehnte internationale Beziehungen eine deutsch-sranzösisch-enqlische Einigung, nach der wertvolle, aus französischen Bibliotheken gestohlene unb nach Englanb verbrachte Handschriften von ihrem bamaligen Besitzer, Lord Ash- burnham, an Frankreich zurückkommen konnten. Trübner kaufte sie mit einer nicht geringen, vom Deutschen Reich bewilligten Summe, an und gab sie an Frankreich weiter, das als Gegenwert für einen Teil dieser Manuskripte die Manessesche Liedersammlung in Tausch gab. So konnte nach Abschluß aller Förmlichkeiten die lang umworbene Handschrift am 23. Februar 1888 der Deutschen Botschaft in Paris übergeben werden, und am 10. April, morgens 11 Uhr, lieferte sie ein preußischer Kurier den Spitzen der Heidelberaer Universität und Universitätsbibliothek unbeschädigt ab. Ihre Rückkehr wurde in ganz Deutschland als na-
Reichssender Frankfurt erschien mit seinem Rundfunkwagen, um das Konzert auf den Sender zu übertragen, und als das Pausensignal durch alle Werkstätten ertönte, zog sich die Betriebsgefolgschaft in der geschmückten Montagehalle 2 zusammen, um für eine Stunde den Lärm der Maschinen
Annähernd ZU gleicher Zeit mit dem Quartett van Verdi ist das Quartett a-moll o p. 51, 2, von Johannes Brahms entstanden. War das Quartett von Verdi mehr einer gelegentlichen Betätigung auf dem Gebiete der Kammermusik zu verdanken, so bedeutete für Brahms das Streichquartettschaffen ein intensives Sichauseinandersetzen und Ringen mit der Problematik der Form. Ehe er die beiden Quartette op. 51 (1873) veröffentlichte, hatte er schon über zwanzig Streichquartette vernichtet, weil sie vor seiner Selbstkritik nicht bestehen konnten. „Es ist nicht schwer, zu komponieren, aber es ist fabelhaft schwer, die überslüsii- gen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." Hier schwingt der ganze Mensch mit jeder Faser mit, und so wird bei Brahms das Streichquartett zum persönlichen Bekenntnis. Das Ganze zeigt äußerste Straffheit und innere Zügelung in dem Ausgleich zwischen dem beabsichtigten Inhalt unb ber formalen Durchgestaltung.
Das ins Elegische weisenbe erste Thema trägt die zeugenden Kräfte zu seiner Weiterentwicklung in sich. Die Solovioline führt hinüber zur gewinnenden Anmut des zweiten Themas, das in feiner Fortführung durch die Auswechslung der gesanglichen Träger besondere Reize entfaltet. Die verhältnismäßig kurze Durchführung ist von bannendem Impuls erfüllt, sie führt mit einer Unisono= Steigerung zu einer Aufnahme des Hauptthemas durch das Cello.
Mit hoher Ausdruckskraft führt sich bas Andante moderato ein; fein Zwischensatz ist einmal voll starker rhythmischer Akzente, bann aber voll klanglicher Versonnenheit. Dem Menuett geben bie liegenden Quintbälle des^ello ein eigenartiges Gepräge An Stelle des üblichey Trios erscheint em Alle<rretto vivace, dem sechs Menuett-Takte emge- schattet sind, die mit der kanonischen Überschneidung der Themen äußerste, gedrungenste Konzentration
Narren und Masken nach Hause schickt.
Vielgestaltig sind bie Sitten und Gebräuche, mit denen man da und dort die Faschingszeit beschließt. So darf nach alter Ueberlieferung* am Tage vor Fastnacht nicht gesponnen werden. Mit Vorliebe stehen die Scherze ber Fasenachtszeit in Verbindung mit dem Masken- und Mummenschanz. Die mehlbestäubten Müller machen ben„ßeuten gern etwas „weis", die berußten Kaminkehrer haschen die Mädchen und 'Frauen, schwingen sich mit ihnen im Tanz und streichen sie dann im Gesicht schwarz an. Die Fasenacht bringt auch gewisse Vorrechte für die Evas-Töchter, insbesondere für die verheirateten Frauen. In Süddeutschland war früher die ,,Wei- ber-Faftnacht" beliebt, bei der die Frauen das Regiment führten und die Wirtshäuser besuchten. Im Elsaß durften in einigen Gegenden sogar am Fastnachtssonntag nur die Frauen die Wirtshäuser besuchen. In ber Fastnachtswoche hatte jeber Tag unb hat es zum Teil heute noch feinen befonberen Namen. Am Sonntag Estomihi war „Herrn-Fast- nacht"; mit ber „Herrnfastnacht" begann früher eigentlich erst die „Fastnacht", die Zeit vorher nannte mag „Fasching". Der Fastnachtsmontag hieß „Bauernfastnacht", ber Dienstag „Narren- Fastnacht"; ber Dienstag war ber Hauptfesttag, die eigentliche „Fastnacht" — wie auch jetzt noch — zu der man auch „Fastelabend" ober „Fase-
ein".
Wichtig ist nach bäuerlicher lleberlieferung ber n, (Sonnenaufgang an Fastnacht: „Geht an Fast- nacht bie Sonye morgens schön auf, dann giht's r । auch einen schönen Frühling". Bekannt als Ansager einer reichen Getreideernte, eines Eier- und Flachs-
lichen Kontrastwirkungen hinführt. Das Gebunden- sein an die Erlebenseinheiten verleiht dem Ganzen einen Zug ins Episodische. Das Explosive des Impulses führt zu einer mehr flächigen Wirkung. Die feinsinnige Führung der einzelnen Stimmen m charakteristischer Ausprägung ordnet sich diesem Gesichtspunkt unter, und selbst da, wo kontrapunktische Mittel bestimmend werden, bleibt doch der allgemeine musikalische Ausdruck die entscheidende Instanz. „ _
Das Eingangsallegro des e-moII-Quartettes nähert sich ber üblichen Form für diesen Satz. Die Aufstellung der beiden Themen ist in ihren Einzel- entwicklungen überaus reizvoll, mit feinen imitatorischen Zwischensätzen und starken unisono-Wir- kungen. Die Durchführung gewinnt durch klangliche Farbigkeit und feinsinnige thematiiche Verwobenheit. Dem Andantino sind intime gesangliche Reize eigen; die Mittelstimmen entwickeln Eigenleben, und kurze Zwischensätze heben den klanglichen Kontrast. Das prestissimo ist mit Temperament beschwingt; ein kurzer Zwilchensatz (dreifaches Piano) ist harmonisch tlanggebunben; im Trio wird das Cello zu überwiegendem pizzicato ber übrigen Streicher ausdrucksstarker Trager der Kantabilitat. Das Finale gestaltet Verdi als „Scherzo tfuga mit klangschönen wirkungsvollen Momenten bet kontrastreicher Führung der ©hmmen. Aus der Vielfältigkeit der polyphonen M'ttel kristallisieren sich Augenblicke klanglicher Besinnlichkeit, dabei mündet bie kunstreiche Satztechnik immer in bas Rein-Musikalische.
f)atte V-rdi schon des öfteren auf eine Befchasti- gunq mit der älteren italienischen Musik hmge- miclen, |o wurde dieses Moment oon besonderem Einfluß aus Ottorino Refpigh'. Sein Schaden Ist stark in der oorklassischen Musik oerantert. Daraus konnte an dieser Stelle fdjon gclegentlid) einer Morgenoeranstaltung des Äadtkheaters, die für neue italienische Musik warb, nertmefen merben. Die Melodik des gregorianischen Gesanges war bei- spielsweise ebenso für seine, Klavier-Pra ud.en w.e für fein „Concerto gregoriano für Dwl ne und Orchester bestimmend gewesen wie auch für bas „Dorische" Quartett, bas mir vor einer Reihe von Iahretz hier in Gießen hören konnten.
Das Römische Streichquartett setzt suhi für ein Werk ein, bem ebenfalls Themen °us älterer Z zugrunbe liegen. Hier knüpft Respighi an alten Gesängen unb Lautentanzen an, die er in freier Weise ber Ausbruckskraft unb Ausdruckswelt des Streichquartetts überträgt. Im ^ten Sah (Arie de corte) schließt er sich an Jean Baptiste Besardo
Die große musikalische Tradition Italiens in ber zweiten Hälfte bes 19. Jahrhunderts nur noch in dem vokalen Zweig ber Oper weiter während die instrumentale Führung schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts an ^ Scha senden nördlich der Alpen übergegangen war. ^el Giuseppe Verdi, dem großen Zujammenfasser der Opern- entwicklunq, stand die Bindung an das Gesanglich^ als Grundlage der Musik im Dorbergrunde. Als ihm einstmals die Präsidentschaft einer Konzertgesellschaft angetragen wurde, lehnte er ab m der Frage: „Warum gründet ihrnicht e ne ©efelb schäft für Gesangsmusik? Die lebt tn Italien, das andere ist eine Kunst für Deutsche.
Die nationale Bedingtheit 'M Schassen st für chn bestimmend. „Wir können nicht komponieren w e bie Deutschen, oder sollten bas, doch nicht so tun, bie Deutschen nicht so wie "Wen n auf das Eigene in unserer Kunst Berjijt lemci Sicherheit^
ben, und es ist privatim m memem Haitz ciufg^ führt worden. Es ist auch richtig, 6 , t chiebsne Gefellfchost-n um d--s^ ^uort-tt b°
, Ich Hobe es verfogt, west ich d>°!°m Stuck keiner^ Bebeutung zufxrechen wollte unk west. ch glaubte unb noch heute glaube DJcI'e'^nmlLmU red)t), daß Kammermusik kein tn Italien y sches Gewächs ist." . . , ha9 nach ber S“m 3* Im “ "Ml 'S
Zwisten, Kt?ng!lnnlichkest u d pl uni)
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neuer Lite her «schließt unb damit zu emdrmg-
den meisten Bräuchen bewußtes Austoben aussprach. Am Aschermittwoch wurde das Ende ber Fastnachtsfreuben sinnfällig daburch zum Ausbruck - • •. - - - - - - , - - , , x
gebracht, daß man oft eine Puppe ober sonst einen jahres sind bie Fastnachtsverse. „Hat s in^ber JJJl- Gegenstand, der die Fastnacht verkörperte, nach ko- nacht viel Sterne.dann legen die ^nnen g c, Mischern Gerichtsverfahren begrub ober auch ver- bann geratet das Werg und dann gerat das Korn brannte. Die meisten Fastnachtsbräuche hatten in gerne".
Prinzen Karneval mit den eigentlichen Fasenachis- tagen zu Ende. In wenigen Tagen ist alles vorbei. Noch einmal drängt sich gesteigerte Faschingsfreude 9 11 g e n p a e o i m am Wochenende zusammen, noch einmal schwingt Gießen eine schöne Werk- Prinz Karneval das Szepter und gießt Tanz- St-dtt
melodien über Narren und Närrinnen, noch perlt Orchester sand sich in die Lebenslust In den Gläsern und jeder sucht zum ftnrP°** 'Kor Schluß noch ein Zipfelchen des Mummenschanzes zu erwischen. Die Zahl ber Faschingsveranstaltun- gen aller Art hat ihren Höhepunkt erreicht. Der überquellenbe Uebermut der Narrenfreiheit und der unbekümmerten Fröhlichkeit wird sich auswir- ken, bis der graue Aschermittwoch nüchtern und mit gebieterischem Ernst heraufdämmert und alle


