hätte auf rechtzeitige bauliche Erneuerung der Wohnungen drängen müssen, ob und inwieweit er das bereits getan und ob oder welche Widerstände er dabei gefunden habe, sei ihm (Dr. Engau) nicht bekannt. Der 5)of vor dem Hause sei vom Standpunkt der Gesundheitspflege aus ebenfalls als unordentlich und dringend verbesferungsbeüürftig zu bezeichnen.
Nach dieser Darstellung zweier berufener, an verantwortlicher Stelle wirkender Männer kann man an der bedauerlichen Tatsache nicht vorbeigehen, daß in jenem Hause ein für unsere Zeit durchaus unwürdiger und unmöglicher Zustand besteht. Man darf sicher sein, daß mit aller Tatkraft für eine gründliche Wendung zum Besseren auch an dieser Stelle gesorgt werden wird.
Gute Eportmöglichkeit im hohen Vogelsberg.
Bei einem telephonischen Anruf im Klubhaus Hoherodskopf hörten wir heute morgen, daß auf dem Hoherodskopf, wie überhaupt im hohen Vogelsberg, gute Sportmöglichkeiten vorhanden sind. Durch den Schneefall des gestrigen Tages hat die Schneedecke eine erhebliche Verstärkung erfahren. Es liegen 20 cm ausgezeichneter Pulverschnee. Die Temperatur betrug heute morgen 9 Grad Celsius unter Null. Sckneefall und Nauhreif haben die Bäume und den Wald in ein Winterkleid gehüllt, wie man es zu guter Winterzeit im hohen Vogelsberg zu sehen gewohnt ist.
Verkehrssirafen
nur durch uniformierte Polizei.
Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei hat verschärfte Maßnahmen zur Hebung der Verkehrsdisziplin angeordnet. Im Zuge dieser Maßnahmen führen Polizeibeamte in Zivil Verkehrskontrollen durch, und die Verkehrsteilnehmer müssen immer wieder damit rechnen, durch in Zivilkleidung befindliche Polizeibeamte angehalten und belehrt zu werden.
In diesem Zusammenhangs wird nochmals darauf
hingewiesen, daß Polizeibeamte in Zivil bei der Ausübung von Verkehrskontrollen sich durch den oor- geschriebenen, mit Dienststempel versehenen Anhaltestab mit dem bekannten Polizeihoheitszeichen und erforderlichenfalls durch ihren Dienstausweis auszu- weifen haben. Polizeibeamte in Zivil erteilen keine gebührenpflichtige Verwarnungen oder sonstige Strafmaßnahmen, sondern sie belehren die Verkehrs- teilnahmer an Ort und Stelle über die Verkehrsvorschriften und erstatten erforderlichenfalls Strafanzeige.
Anträge rechtzeitig gellen.
Entschädigung für die Ansprüche der früheren Arbeitgeber- und Arbeitnehmeroereinigungen.
Am 31. Dezember 1938 läuft die Frist ab, in der Anträge gestellt werden können, in denen eine Entschädigung für die Ansprüche gewährt wird, die sich gegen die früheren Arbeitgeber- und Ar- deitnehmero-ereinigungen einschließlich ihrer Pensionskassen usw., richten, und deren Vermögen in die Vermögensverwaltung der Deutschen Arbeits- frorrt ein gewiesen worden ist. Nur soweit diese Vereinigungen usw. erst nach dem 30. September 1938 im Deutschen Reichs anzeig er veröffentlicht worden sind oder bis zum 31. März 1939 noch veröffentlicht werden, läuft die Antragsfrist bis zum 30. Juni 1939.
Der Antrag muß schriftlich an die Neichsfcst- stellungsbehörde beim Reichsministerium des Innern in Berlin, Königsplatz 6, gerichtet werden. Die Anträge können auch bei den Geschäftsstellen der Amtsgerichte gestellt werden.
Mit Rücksicht darauf, daß am 31. Dezember der Dienstbetrieb der Behörden zeitlich beschränkt ist, empfiehlt es sich, mit der Stellung eines Antrages nicht bis zu diesem letzten Tage zu warten.
Wochen- und Familienwochenhiife für freiwillig Versicherte.
NSG. Für Versicherungsberechtigte, z. B. Gewerbetreibende, Familienangehörige des Unterneh
Werhnachtsdaumes beruhen, weil sich der Standort des Baumes in der Nähe von Gardinen, Vorhängen oder anderen leicht entzündbaren Gegenständen befand, oder weil die nötige Vorsicht außer Acht gelassen wurde. Ein geringer Luftzug genügt zur Feuerübertragung. Deshalb achte man darauf, daß die Kerzen am Baum eine senkrechte Lage erhalten, daß darüberliegende Zweige nicht vom Kerzenfeuer erfaßt und 'andere Kerzen nicht erwärmt werden können. Feuerzeug darf vor allem nicht in Kinderhand geduldet werden. Auch ist zu beachten, daß der Baum, besonders in stark durchwärmten Zimmern, sehr bald austrocknet und dadurch die Brandgefahr erheblich vergrößert wird. Bei elektrischer Vaumbeleuchtung. ist zur Verhütung von Kurzschlußgefahr fachmännischer Rat einzuholen. Auch bei gemeinsamen größeren Werhnachts- veranstaltungen, wo die Gefahr einer unvorsichtigen Behandlung des Weihnachtsbaumes gegeben sein kann, treffe man jede Vorsorge, um die Möglichkeit eines Unglücks auszuschalten.
„Ein unmöglicher Hausverwalters
Unter dieser Ueberschrift beschäftiat sich die „Oberhessische Tageszeitung" in ihrer Ausgabe Nr. 3$7 vom 21. Dezember mit der Tätigkeit des Hausverwalters August Becker und mit höchst anfechtbaren Wohnverhältnissen in dem von ihm verwalteten, der Israelitischen Kultusgemeinde gehörigen Hause Walltorstraße 48. Der Bericht ging aus von einem Besichtigungsgang des Kreisleiters Backhaus, des Ortsgruppenleiters Thomas und des Leiters des Staatlichen Gesundheitsamtes, Obermedizinalrat Dr. Engau, und enthielt schwere Vorwürfe gegen den Hausverwalter August Becker.
In einer Unterredung teilte uns Kreisleiter Backhaus seine Feststellungen und Eindrücke bei der Besichtigung des Hauses mit. Der Kreisleiter betonte, daß der Zustand dieses Hofgebäudes sowohl vom baupolizeilichen, als auch vom gesundheitlichen Standpunkt aus als geradezu katastrophal bezeichnet | werden müsse. Seit etwa 20 Jahren sei in dem Hause nichts gemacht worden; bei einer Treppe fehlte das Geländer vollkommen, auch der bauliche Zustand der Wohnungen sei furchtbar. In einer Wohnung, die von einer Witwe mit einem Kind bewohnt werde, mache der Haushalt den Eindruck einer guten Behandlung durch die Hausfrau, aber der bauliche Zustand auch dieser Wohnung sei sehr zu beanstanden; in einer anderen Wohnung müsse ebenfalls der bauliche Zustand, daneben leider auch die Pflege des Haushalts stark bemängelt werden. Als besonders unhygienisch sei die Tatsache anzusehen, daß in dem ganzen Hause für alle darin wohnenden Personen nur ein Klosett vorhanden sei. Auch der Hof vor diesem Hause befinde sich in einem schlimmen Zustande, da er als Lagerplatz für Kohlen, Torf usw. benutzt werde und sein Ablauf hinter das baufällige Wohnhaus gehe. Dem Hausverwalter Becker sei der Vorwurf zu machen, daß er diese gesundheitsschädlichen Zustände bisher nicht abgestellt und auch die Gesundheitsbehörde oder andere berufene Stellen nicht auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht habe. Es bestehe der Eindruck, daß Becker sich um diese Dinge wohl gar nicht kümmerte, sondern nur auf seinen Verdienst bedacht war, anstatt gesundheitsschädliche und asoziale Verhältnisse zu beseitigen bzw. wenigstens zu melden. Ein ordentlicher Hausverwalter mÄffe eben nicht nur das Interesse des Hausbesitzers wahren, sondern auch die berechtigten Interessen der Mieter in sorgsamer Weise berücksichtigen und ihnen Geltung verschaffen. Der Zustand in jenem Hause sei durchaus unbefriedigend. Die Beschwerden über diese Hausverwaltertätigkeit häuften sich.
Der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, Obermedizinalrat Dr. Engau, erklärte uns, das Haus fei baulich völlig verwahrlost und auch vom hygienischen Standpunkt aus durchaus unbefriedigend zu nennen. Vor allem komme hier auch die Baupolizei als zuständige Behörde in Betracht. Es würde am besten sein, dieses Haus überhaupt abzureißen. Die Zustände in den Wohnungen schilderte uns Obermedizinalrat Dr. Engau ebenfalls als völlig unzulänglich, wie der Kreisleiter mit Recht betont habe. Auch die Klosettverhältnisse entsprächen nicht den hygienischen Erfordernissen, dieses einzige Klosett im ganzen Hause werde von zu vielen Leuten benutzt. Hausverwalter Seifer,
Betriebssicherheit über alles:
Zugverspätungen im Weihnachtsverkehr. - Schwerer Dienst bei der Reichsbahn.
Die ungeheuren Anforderungen, die in diesen Tagen an die Deutsche Reichsbahn gestellt werden und die durch die Kälte und den Schnee besonders erschwert sind, haben im Fernverkehr zu teilweise erheblichen Verspätungen geführt. Die Reichsbahn tut zwar alles, um diese Verspätungen auf das geringste Maß zu beschränken, aber wenn die Heizungen in den Zügen und das Wasser in den Lokomotiven einfnert, wenn Signale und Weichen durch den Schnee unbrauchbar werden und, was noch schlimmer ist, vereisen, dann bleibt eben gar nichts anderes übrig, als die Züge anzuhalten und die Schäden in Ordnung zu bringen. Die Reichsbahn hat gegenüber den Reisenden eine ungeheure Verantwortung, und die Sicherheit des Betriebes geht über alles, auch wenn dabei Verspätungen eintreten. Dazu konrmt, daß der Weihnachtsverkehr in diesem Jahre einen ungebahnten Aufschwung genommen hat, daß weit höhere Lei st ungen von der Reichsbahn verlangt werden als früher.
24 Stunden im Dienst.
Immer wieder müssen die Arbeiterkolonnen ein- qesetzt werden, um die eingefrorenen Wagen wieder flott zu machen. Mit der Lötlampe taut man die Heizschläuche auf, und das gesamte Betriebspersonal muß Ueberstunden machen. Es gibt dabei Leute, die 24 Stunden im Dienst sind, ehe Ablösung erfolgen kann. Dieser Einsatz der wackeren Eisenbahner ist um so lobenswerter, als sie eifrig bemüht sind, durch Aufrechterhaltung des ungemein schwierig gewordenen Betriebes den vielen Reisenden zur Weihnachtsfreude daheim bei ihren Lieben zu verhelfen.
Auch der Nahverkehr leidet.
Durch die großen Verspätungen der Fernzüge wird auch der Nahverkehr in Mitleidenschaft ge
zogen. Die Fernzüge werden stets mit Vorrang abgefertigt. Kommen sie nun mit Verspätung, wer- den die Bahnsteige versperrt, und die Nahzüge können nicht einfahren oder auch zur Abfahrt nicht rechtzeitig beiaestellt werden. Verspätungen sind die Folge. Im allgemeinen haben die Reisenden auch für die Schwierigkeiten der Reichsbahn Verständnis. Allerdings haben die Bitten, die Fahrkarten rechtzeitig zu lösen, nicht viel genutzt. Immer wieder kommen Weihnachtsreisende fünf Minuten vor Abgang des Zuges und verlangen Fahrkarten, die ausgeschrieben werden müssen. Das geht bei dem weihnachtlichen Hochbetrieb nicht, und die Reisenden, die die Mahnung der Reichsbahn immer noch nicht befolgen, rechtzeitig, womöglich am Tage vorher, die Fahrkarten zu lösen, müssen es sich selbst zuschreiben, wenn sie ihre Züge nicht erreichen.
An alle Betriebsführer!
NSG. Der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront, der Reichstreuhänder der Arbeit und der Leiter der Wirtschaftskammer Hessen wenden sich mit folgendem Aufruf an die Betriebsführer des Gaues Hessen-Nassau.
Infolge des starken Kälteeinbruches und des ein- setzenden Schneefalles haben die Züge der Reichsbahn mitunter nicht unerhebliche Verspätungen. Hierdurch gelangen die Arbeiter zu spät an ihre Arbeitsplätze und haben einen Lohnausfall, der in vielen Fällen die für Weihnachten gewährten Anerkennungen aufhebt. Die Betriebsführer werden daher gebeten, Sorge zu tragen, daß auch für den Fall, daß die ausgefallenen Stunden nicht nachgeholt werden können, die Arbeiter einen Lohnausfall nicht erleiden.
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Roman von Hubert Nausse.
Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.
13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Um dieselbe Zeit sprach die Herzogin mit ihrer Hofdame, der Gräsin Barkhusen, über die Einladung.
„Ich bin so selten hier, ich treffe bei dieser Gelegenheit den gesamten Grundbesitz der Gegend — ich schlage also eine ganze Reihe von Fliegen mit einem einzigen Klaps. Und der Herzog wird mit der Ehrung des alten Beeren sehr einverstanden sein."
„Der Hofmarschall hat sogar darum gebeten." „Um so besser! Und was muß ich nun wissen?" „lieber die Familie von Beeren und die Verdienste des Jubilars wird der Hofmarschall selber mit Eurer Hoheit sprechen. Der Gras Dadewitz wird nach Hoheit der prominenteste Gast fein: Er hält als Führer der Adelsgenossenschaft eine Ansprache".
„Und bei ihm bin ich glänzend aufgehoben. Ich freue mich immer, wenn ich ihn treffe — klug, gut aussehend, vornehm, er erinnert mich an meinen Vater.
„Und sonst?"
Sie nahm die Liste der Eingeladenen in die Hand. Las die Namen, wiederholte sie... „von Themme, das ist doch der Dicke, bei dem der Herzog mal den Vierzehnender geschossen hat? Und Scharff? Was für Scharffs?"
Die Barkhusen erklärte. Im übrigen hatte die Herzogin ein fabelhaftes Gedächtnis. Sie erinnerte sich der seltsamsten Aeußerungen und wußte so jedem Gespräch etwas Persönliches zu geben. Sie brauchte wenig Hilfe.
„Komisch!" sagte die Herzogin. „Hier steht: Eli- sabech Hellsahr — die Hellfahrs sind die Trebbiner, nicht wahr? Das ist im übrigen ein berühmter Name, in München wenigstens!"
„Die Schauspielerin?" fragte die Barkhusen.
Die Herzogin nickte.
„Das ist die Schauspielerin!" sagte die Barkhusen.
„Wer?"
„Die Elisabeth Hellfahr, die Hoheit da in der Liste lesen, die Tochter der Trebbiner Hellfahrs — ein Sohn ist noch da, zwei Jungens sind im Krieg gefallen."
Die Herzogin machte ganz große Augen.
„Die ist...?" Sie wollte es gar nicht glauben.
„Doch, Hoheit, das ist die bekannte Schauspielerin!"
„Aber nein! Wirklich?"
Die Barkhusen war glücklich, ein so offensichtlich fesselndes Thema gefunden zu haben. Sie erzählte, was sie wußte. Die Elisabeth war natürlich fort« gelaufen, aber der unbezähmbare Künstlerdrang...
„Aber, Gräsin Barkhusen, das wird mir alles die Hellfahr viel lebendiger und dramatischer erzählen können!" — Sie legte die Hand an ihre Stirn. „Ich muß mal Nachdenken, als was habe ich sie alles gesehen, als Viola, als Hero — aber die modernen Stücke, man vergißt diese modernen Titel so schnell —. Nein, also das ist wirklich eine Ueberraschung!"
Die Barkhusen nannte die Nora, die Maada.
„Nein, das hat sie wohl auch gespielt. Aber sie ist ja noch sehr jung — ich suche diese Titel der letzten Jahre! Also gerade, wie ich sie das letztemal sah — keine Ahnung, daß die Hellfahr am Schweriner See zu Hause ist —, gerade da hat sie mir ganz besonders gefallen, eine elegante, eine sympathische, eine innerliche Künstlerin!"
Die Herzogin war sehr angeregt und freute sich nun doppelt auf den Abend. Und wie durch eine Gedankenverbindung landete das Gespräch bei dem Thema: Was ziehe ich an? Wenn schon niemandem anderen, der Elisabeth Hellfahr wollte die Herzogin gefallen.
*
Auch bei Elisabeth Hellfahr spielte die Kostümfrage eine große Rolle. Die Salondame — ihre Koffer waren mittlerweile gekommen — verfügte selbstverständlich über eine ganze Reihe schönster Abendkleider; aber die waren für die Bühne gut, für Losnitz jedoch reichlich auffallend. Was für die Schauspielerin recht gewesen war, war für das Mädel vom Lande, war für die junge Irebbinerin — wie die Wohlwollenden sie nannten — unmög- lich. Sie entschied sich schließlich für ein ganz einfaches kleines Abendkleid, aus einem edlen glänzenden Seidenkrepp. Der zarte helle Elfenbeinton wurde durch ein dunkleres Muster großer gelber Blumen gehoben. Ein goldener schmaler Gürtel und an einem goldenen Kettchen ein kleiner Anhänger mit Perlen waren ihr einziger Schmuck.
Die Mutter fand das Kleid denn auch wirklich bescheiden — sie liebäugelte mit einem phantastischen Gebilde aus Schwarz und Weiß mit einem goldenen Schulterkragen — aber Vater Hellfahr war begeistert. Er trug seine dicken Perlen im Frackhemd und umarmte feine Tochter mit einer feierlichen Fröhlichkeit. j
„Entzückend siehst du aus! Glaub der Mutter kein Wort, die ist ja schließlich nur hereingeheiratet. Wir Hellfahrs hüben es nicht nötig, uns groß herauszustaffieren. Der Kopf macht's, und deiner besonders!"
„Ich denke, die Figur macht's!" sagte die Mutter, ein wenig pikiert. Ihre Taillenweite war ihr viele Jahre ein großer Kummer gewesen.
„Eifersüchtig?" lachte der Alte. „Die Hellsahrsche schlanke Linie ist heute mal modern. Aber was die Elisabeth im Köpfchen drinnen hat, das hat sie ja doch alles von dir!"
Der Abend war so mann, daß Karl Hellfahr noch im letzten Augenblick statt der alten engen Kutsche den offenen Jagdwagen bestellte.
„Für die Heimfahrt natürlich die Kutsche!" Losnitz lag so nah, daß der Wagen zwischendurch wieder zurücksahren konnte. Auf dem Bock saß der alte grauhaarige Anton mit seinem etwas verschossenen, blauen Rock, neben ihm der junge Pferdebursche, dem die Stiefel und die blaue Mütze viel zu groß waren. Aber es war doch sehr feierlich.
In Losnitz waren die ganzen unteren Räume für das Fest hergerichtet Im Gartensaal, der die volle Breite des Hauses einnahm, war die Tür zur vorderen Terrasse geöffnet. Die ersten Gaste standen dort schon rauchend und plaudernd mit Fritz von Beeren herum, als der Wagen der Hellfahrs vorfuhr.
„Wie die gute alte Zeit", sagte im Hintergrund der dicke Bredow, „der alte Kutscher, der alte Wagen, die alten Herrschaften!"
In dem Augenblick legte Elisabeth ihren Mantel auf den Wagen zurück und stand da, halb im Dämmern, halb im Licht des kerzenhellen Saales Sie war die erste.
„Donnerwetter!" brummte Bredow.
"Guten Abend, Elisabeth!" rief Fritz von Beeren Der freuöige Ton tat Mutter Hellfahr gut Ihr Herz bekam einen fröhlichen Stoß. Vielleicht wurde doch alles gut, und vielleicht sah die Welt schon morgen ganz anders aus.
Die junge Welt saß während des Essens in einigen Nebenzimmern verteilt, Fritz zwischen Elisabeth und ferner Kusine Hanne von Derp.
„Magnus hat aus Naumburg telephoniert er hat eme Panne gehabt und kommt erst morgen’" Fritz schien von einer seltsamen Erregung. Er lachte und trank hastig und viel.
„Wer führt die Herzogin?" fragte Elisabeth.
,,©raf Badewitz. Sie sitzt als einziger junger Mensch an einer Ehrentafel, an der alle anderen mindestens fünfzig sind. Sie tut mir leid!" 1
mers usw., kann die Satzung der Krankenkasse ihre Leistungen auf Krankenpflege und Krankenhauspflege oder auf das Krankengeld beschränken. Nach der Rechtssprechung hat diese Beschränkung der Leistungspflicht für die freiwillig Versicherten bei entsprechender Beitraasermäßigung den Ausschluß von dem Bezug der sonstigen Kaffenleistungen zur Folge. Demgemäß steht einer durch die Satzung in ihren Ansprüchen beschränkten versicherungs- berechtiaten Wöchnerin auch fein Anspruch auf Wochenhilfe zu. In Anwendung dieses Grundsatzes können die freiwillig Versicherten auch keine Fami» lienwochenhilfe für ihre Angehörigen beanspruchen. Das Reichsarbeitsministerium führt in einem Erlaß aus, daß diese Ergebnisse nicht dem durch den Nationalsozialismus herbeigeführten völligen Wandel der bevölkerungspolitischen Auffassung entsprechen. Es hat deshalb keine Bedenken dagegen, wenn die Krankenkassen noch andere Leistungen, z. B. die Wochen- und Familienhilfe, als Mehrleistungen gewähren.
Weihnachts- und AeujahrSgrüße mit WHW.-Briefmarken.
NSG. Das Glückwünschen ist ein alter Brauch. Wir halten an ihm fest, ja, wir wollen ihm sogar einen erweiterten und damit einen neuen Sinn geben. In jedem Gruß, den wir an unsere Angehörigen, Freunde ober Bekannten schicken, wollen wir Dankbarkeit und Liebe für unser Volk mit hineinflechten, wollen den Rahmen des Persönlichen erweitern und dadurch wieder größere Freude für den einzelnen Empfänger schaffen. All das ist so einfach zu erreichen, indem man auf Weihnachts- oder Neujahrsgrüße WHW.-Briefmarken klebt. Sie bereiten nicht nur dem Absender die frohe Genugtuung, wieder ein wenig für das Winterhilfswerk getan zu haben, sie erfreuen auch den Empfänger als eine besondere Aufmerksamkeit seitens des Uebermittlers und helfen dem Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Darum klebt WHW.-Briefmarken auf Weihnachts- und Neujahrsglückwünsche!
Echneeschuhbeförderung bei der Reichsbahn.
LPD. Die in den Vorjahren versuchsweise getroffene Regelung der Mitnahme von Schneeschuhen in die Abteile wird nunmehr für die Dauer beibehalten. Danach ist die Mitnahme von Schneeschuhen in die Abteile 2. Klaffe der Personenzüge und in die 3. Wagenklasse aller Züge allgemein zu- gelassen. Soweit m den Seitengängen der O-Zug- wagen und in den Vorräumen der Eilzugwagen besondere Einrichtungen für die Unterbingung von Schneeschuhen eingebaut sind, können Schneeschuhe in diese Wagen auch von Reisenden der 1. und 2. Klaffe mitgenommen werden. Die Mitnahme von Schneeschuhen in Schlaf- und Liegewagen ist ausgeschlossen.
*
.** Silberhochzeit. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, können der Bergmann Karl L u h III. und Frau Anna, geb. Heß, aus Großen- Linden, wohnhaft Bergwerk Oberhof, das Fest der Silberhochzeit feiern. Am gleichen Tage kann der Jubilar auf eine 25jährige Tätigkeit im Bergwerk unter Tage zurückblicken. — Auch der Bahnarbeiter Friedrich W o r m und Frau, Eichweg 5, können am morgigen Samstag, 24. Dezember, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. (Wir beglückwünschen die Jubelpaare!)
** Jagd- und Fischerei st euer in Gießen. Der Oberbürgermeister gibt heute die Satzung über die Erhebung einer Jagd- und Fischereisteuer der Stadt Gießen bekannt. In unserem gestrigen Bericht über die Sitzung der Ratsherren hatten wir den Beschluß über die Einführung dieser Steuer bereits mitgeteitt.
** Konzessionsabgabe der Stadtwerke. Die Einführung einer Konzessionsabgabe (Wegebenutzungsabgabe) der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke an die Stadt in Höhe von 15 v. H. des Jahresumsatzes wird heute vom Oberbürgermeister bekanntgegeben.
** Polizei gegen Verkehrssünder. Die Polizei mußte in der vergangenen Woche gegen Kraftfahrer mit 13 Anzeigen und mit 5 gebühren- pflichtigen Verwarnungen einschreiten. Sonstige
„Ich finde das nicht so fürchterlich!" entgegnete Elisabeth. „Junge Gänse können unter Umständen viel peinlicher sein!"
Fritz lachte.
„Sie beneiden dich alle! Und mich um dich!"
Elisabeth empfand sich mit einigem Mißbehagen als Mittelpunkt der offen ober versteckt neugierigen Augen, die von der Jugend der benachbarten Gutswelt auf sie gerichtet waren. Sie wußte genau, was Bewunderung war — sie hatte sie zu ost erfahren. Hier sprach auch anderes mit.
Sie erzählte ihrem Dischherrn von ihrem Empfinden. Er stammte von einem Gut in der Nahe von Wismar und stand als Rittmeister in Schwerin. Er war als Junggeselle unter die Jugend geraten, und Fritz hatte ihn als ungefährlich zum Tischherrn Elisabeths bestimmt.
„Da haben Sie ganz recht mit ihrer Beobachtung. Ich erlebe als Offizier das sogar auch! Die heutige Jugend vom Land hat nicht mehr jene Hochachtung von dem ,Städters mit dem wir in meiner Knabenzeit groß geworden sind. Im Gegenteil: heute haben diese jungen Damen und Herren von den Gütern ein Gefühl der lieber- legenheit über uns „Entwurzelte!"
„Entwurzelt?" lachte Elisabeth.
„Ja, so ungefähr stellt sich in ihren Augen das Problem dar. Es liegt in dieser Zeit begründet: wir Offiziere, aber auch die Beamten und erst recht die freien Berufe in den Städten — mir sind doch alle arme Schlucker!"
"Aber dem Landwirt geht es doch auch nicht glänzend!"
„Einigen!" sagte der Rittmeister mit Vorsicht. Er war über Trebbin unterrichtet.
„Die Mehrzahl sitzt recht gut und fest in der Wolle. Schauen Sie nur um sich, und seien wir fröhlich mit den Fröhlichen!"
Man trank sich zu. Es saß viel selbbstsichere und derbe Gesundheit tn der Runde.
Die Wangen brannten, und in den blauen und grauen Augen lachte die Freude.
Fritz schob mit der Linken sein Glas zu Elisabeth hinüber.
„Auf dein Wohl!" sagte er leise.
Sie griff nach ihrem Römer.
„Nein!" sagte er, „den roten Wein!" Er schenkte aus der Karaffe in das bauchige Glas „Rot fft die Liebe!"
Seine Hand streifte die ihre. Sie spurte den Funken in seinem Blick.
„Auf dein Wohl, Fritz!"
(Fortsetzung folgt!)


