sonders die gegen Japan und Blandschukuo gerichtete Einstellung aufgibt Japan wünscht, daß China aus freien Stücken die diplomatischen Beziehungen mit Mandschu- tu o aufnimmt. Da ein kommunistischer Ein- fluß in Ostasien nicht geduldet werden kann, jo hält Japan es für eine wichtige Voraus- jehung der chinesisch-japanischen Beziehungen, daß ein Antikominternpakt zwischen China und Japan in Uebereinstimmung mit dem japanisch-deutsch-italienischen Pakt zu- standekommt. Am zu einer vollen Auswirkung dieses Paktes zu gelangen, fordert Japan angesichts der augenblicklichen Lage und der Verhältnisse in China, dah an besonderen Plätzen Truppen stationiert werden. Dies ist eine anttkommunistische Maßnahme während der Laufzeit des Abkommens. Japan fordert ferner, daß die Innere Mongolei als eine besondere antikommunistische Zone eingerichtet und bezeichnet wird.
Was die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Japan betrifft, so beabsich - l i g t Japan nicht, ein W i r t s ch a f t s m o » r o p o l in China aufzurichten. Auch will es nicht Ion China fordern, die Interessen jener iritten Mächte zu begrenzen, die den Sinn des neuen Ostasien verstehen und entspre- yend handeln wollen. Japan will nur die Zusam- nenarbeit und Gemeinschaft beider Länder effektiv cestalten. Japan fordert von China im Sinne er Gleichberechtigung der beiden Länder ie Freiheit der Niederlassung und des Handels ja- anischer Staatsbürger im Innern Chinas zur För- erung der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder und Gelegenheiten und Erleichterungen für >apan zur Entwicklung der Naturschätze Lchinas, besonders in Nordchina und in । e r Inneren Mongolei. Japan fordert w e - ler territorialen Besitz, noch eine Kkiegs- ntschädigung, Japan verlangt nur eine Mindest- arantie dafür, daß China feine Aufgaben als Teilhaber an der Einrichtung einer neuen Ordnung urchführt. Japan achtet nicht nur die Souveränität Chinas, sondern ist auch darauf vorbe» eifet, eine positive Berücksichtigung allen Fragen zu leben, die die Aufhebung der Exterrito» ialität und die Rückgabe von Konzes» ionen und Niederlassungen — was für He volle Unabhängigkeit Chinas un- rläßlich ist— betreffen.
Neichsminifter Or. Goebbels erkrankt.
f Berlin, 22. Dez. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels ist an einer akuten Darmgrippe irfrantt und infolgedessen für einige Tage bettlägerig. Er kann deshalb die für Freitagabend zum olksweihnachtsfest vom Saalbau Fried» lichshain aus geplante Ansprache leider nicht halten. Un seiner Stelle wird der Reichsbeauftragte jür das Winterhilfswerk, Reichshauptamtsleiter Hilgenfeld, sprechen. Diese Rede wird über alle deutschen Sender übertragen.
Eine einheitliche Deutsche Reichslotterie
t Berlin, 22. Dez. (DNB.) Die Reichsregierung hat ein Gesetz beschlossen, durch das an Stelle der verschiedenen Staatslotterien eine einheitliche deutsche Reichslotterie errichtet wird. Es (jibt also in Zukunft keine Preußisch-Süddeutsche, Sächsische oder Hamburger Staatslotterie mehr, sondern nur noch eine einzige große Klas - ienlotterie, die Deutsche Reichslotterie. Sie wird etwa im Mai 1939 mit ihren Ausspielungen nach neuem Spiel- und Gewinnplan -beginnen. Die bereits eingeleiteten Staatslotterien werden planmäßig zu Ende geführt. Die Spieler werden besonders darauf hingewiesen, daß keinerlei Anlaß besteht, etwa das Spielen in den noch lau- ' enden Staatslotterien abzubrechen. Damit würden 'ie nur ihre Anwartschaft auf Teilnahme an der Haupt- und Schlußkasse und damit die weitaus größten Gewinnaussichten aufgeben.
Neuer Lehrgang der Kommission für Wirtschaftspolitik. •
Berlin, 22. Dez. (DNB.) Der Lehrgang der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP, vom 23. bis 28.Januar 1939 in München steht unter dem Leitgedanken: Europäisches Wirtschaf t s z e n t r u m. Auf dem Lehrgang sprechen Staatsrat B o e r g e r, Gauleiter Bürckel, Reichs- [eiter Darr 6 , Reichsverkehrsminister Dr. Sorp» müller, Reichswirtschaftsminister Funk, Korpsführer Hühnlein, Gauleiter Kaufmann » der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik Köhler, Reichsleiter Rosenberg, der Chef des Mehrwirtschaftsstabes Generalmajor Thomas und Generalinspektor Dr. Todt. An den Nachmittagen werden die Teilnehmer in Arbeitsgemeinschaften zu- ssammengefaßt zur Vertiefung und Nutzanwendung der Hauptvorträge.
Kunst und Wissenschaft.
Steuer Intendant
des „Theaters des Volkes" In Berlin.
Reichsminister Dr. G o e b b e l s hat im Einver- nehmen mit Reichsleiter Dr. Ley den Oberfpiel- lerter und Leiter des künstlerischen Detriebsbüros der Hamburgischen Staatsoper Rudolf Z i n d l e r für die kommende Spielzeit zum Intendanten des Theaters des Volkes in Berlin berufen. Zindler Hat an dieser ersten KdF.-Bühns des Reiches so- «ben die italienische Operette „Rnnpicollo" inszeniert, die gegenwärtig Mit großem Erfolg aufgeführt wird.
„Deutsche antarktische Expedition 1938/39.“
Am 17. Dezember verließ an Bord des Dampfers „Schwabenland" eine Gruppe deutscher Wissenschaftler Hamburg, um sich zum Zwecke ozeanographischer, meteorologischer, erdmagnetischer, glazio- logischer, geographischer und biologischer Untersuchungen ins Südliche Eismeer zu begeben. Die „Schwabenland" führt zwei Flugzeuge mit sich, die gegebenenfalls zur Unterstützung der wissenschaftlichen Arbeit eingesetzt werden. Das Unternehmen, das von der Deutschen Forschungsgesell- fchaft durchgeführt wird, untersteht der Leitung von Kapitän Ritscher und führt den Namen „Deutsche antarktische Expedition 19 3 8/39".
Rohrbruch in der Prager Universitätsbibliothek.
In der Universitätsbibliothek in Prag ereignete sich eine schwerer Rohrbruch. Das Wasser über- schwemmte ein Zimmer, in dem wertvolle Pergamente aus dem 17. und 18. Jahrhundert aufbewahrt merben. Ein Teil dieser Pergamente ist schwer be- schädigt werden. ■ - "
Die Reichghaupistadt feiert 2
'XV
eihnachten
Gin Tannenbaum erlebt Berlin. — Eine Million Iahrtgenoffen. Ein Weihnachtsspiegel. — Gänsebraten nach Germanen Art.
23on unserer Berliner Schriftleitung.
und reichte Martin die Hand. „Also haben Sie mich doch nach Hause gebracht", sagte sie vorwurfsvoll, aber freundlich.
„Ja", sagte Martin. „Und nun zu den sünfzia Mark, die Hnen heute gefehlt haben. Hier sind sie. Er holte feinen Lohnbeutel wieder aus der Tasche und reichte ihr den Schein.
„Aber nein", sagte das Mädchen. „Was soll ich damit?"
Berlin, 22. Dezember 1938.
Das war eine Freude für den kleinen Hannen« bäum gewesen, als eines Tages eine Männer- stlmme neben ihm gesagt hatte: „Der kommt auch mit nach Berlin!" Hoch im Norden des Reiches, m den Wäldern von Schleswig-Holstein war der -tannenbaum ausgewachsen und nun sollte es nach der Reichshauptstadt gehen. Bereits die weite Fahrt war aufregend genug. Was gab es da nicht alles zu sehen. Aber was war das alles gegenüber Ber- lin. Staunend hatte der kleine Tannenbaum seinen Einzug in die größte Stadt Deutschlands erlebt. Staunend hatte er auch vernommen, daß mit ihm eine Million Tannen und Fichten nach Berlin gekommen waren. Aus Schlesien und Bayern und aus manchen anderen Gebieten waren sie nach und nach angerollt. Jetzt standen sie auf den drei Großmärkten im Norden, im Osten und Süden Berlins und warteten darauf, verteilt zu werden. Weit über 700 000 Weihnachtsbäume gingen an die Einzelhändler. Und fast an 250 000 Tannen und Fichten nahm das Winterhilfswerk in feine Obhut. Zu ihnen gehörte auch der kleine Tannenbaum. Geheimnisvoll flüsterten sich die Tannenbäume zu: „Wo ich wohl hinkomme?" Eine besonders hohe und schöne Tanne sagte: ,Hch werde wohl in den Saalbau Friedrichshain kommen, wo 600 Berliner Jungen und Mädel beschert werden!" Und so kam es denn auch. Der kleine Tannenbaum aber kam nach der Brunnenstraße mit 2000 anderen Tannen- bäumen zugleich. Dort war die Verteilungsstelle der NSV., wo nicht nur jeder der Betreuten für feine Weihnachtsstube einen Tannenbaum empfing, sondern ihn sich sogar aussuchen konnte, damit es auch ja der rechte sei. Ein betagtes Mütterchen sah den kleinen Tannenbaum wohlgefällig an und sagte: „Den möchte ich wohl haben!" Freundlich erwiderte man ihr: „Iewiß doch, Mutter, den nehmen Sie sich man mit!" Und so sah der kleinen Tannenbaum wiederum ein Stück von dem großen Berlin, bis er auf dem Tisch der kleinen, aber sauberen und warm geheizten Stube stand. Das Mütterchen putzte den Tannenbaum mit den Lichtern und dem glitzernden Weihnachtsschmuck auf, den ihr eine stinke Helferin des Winterhilfswerks gebracht hatte, und legte auch die übrigen reichen Gaben und Pakete der Winterhilfe rings um den Fuß des Tannenbaums, steckte bann die Lichte an und feierte zusammen mit dem Tannenbaum ein glückseliges Weihnachtsfest ...
Glückseliges Weihnachtsfeft! Ja, das feiern wohl alle die 12 000 Kinder Berlins, die mit Kleidungsstücken, Eßwaren, Naschwerk, aber auch mit Spielzeug beschenkt wurden. Ungeheure Berge von Spielzeugen wurden verteilt. Sie kamen alle aus der Mauerstraße, wo das Sammellager des Gaues Berlin der NSV. errichtet war. Unter jedem deutschen Tannenbaum liegen stets auch Bücher. Deshalb erscheinen gerade zum Weihnachtsfest viele neue Bücher, über drs es allerlei zu berichten gäbe. Allein dazu ist hier nicht der Ort. Von einem der neu erschienenen Bücher aber soll und darf hier die Rede sein, weil sein Verfasser zu den populärsten Gestalten Berlins gehört. Es ist der jetzt im Ruhestand lebende Direktor des Berliner Zoologischen Gartens: Geheimrat Dr. Ludwig Heck, vom Ser»
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(Sie Weihnachisgeschichte vi
Martin, junger Angestellter eines Geschäftshauses, saß ziemlich traurig vor seinem Schreibtisch und starrte auf die leeren Plätze ringsum. Der Kalender zeigte den 24. Dezember, und die Zeiger der Uhr die vierte Nachmittagsstunde. Alles war schon fort, hatte Weihnachtsurlaub genommen, war verreist oder im Kreise der Familie, nur er war hier geblieben. Nach Hause fahren konnte er nicht, es war zu weit. Und Verwandte ober Bekannte hatte er in dieser Stadt auch nicht. Er fühlte sich schrecklich einsam, verlassen unb überflüssig. Sa blickte er auf, als der Personalchef das Büro betrat, ihm einen Lohnbeutel mit der Aufschrift „RM. 50,—" in die Hand drückte unb sagte: „Das Weihnachtsgeschenk des Hauses".
Ein Lächeln, ein Händedruck, Martin schrieb zwischendurch zweimal seinen Namen unter Quittungen, blickte in den Beutel aus Leberpapier, sah einen glatten neuen Fünfzig-Mark-Schein, bedankte sich, wünschte frohes Fest und gab auf die Frage, was er die Feiertage über mache, zur Antwort, er wisse es noch nicht.
Wieder war er allein. Die Uhr schlug vier. Er fuhr in seinen Mantel, verließ bas Haus und beschloß, von den fünfzig Mark für seine Mutter ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen und es gleich zur Post zu bringen. Eine halbe Stunde später stand er bereits Schlange vor der Kasse eines großen Geschäftes, bedauerte die gehetzten Verkäuferinnen, die vom Weihnachtstrubel geplagte Kassiererin, bedauerte auch ein wenig sich selbst, stand bann vor dem Schalter, überreichte den Kassenzettel, legte den Schein hin, bekam ein paar Silbermünzen zurück, ließ sie in den Lohnbeutel gleiten und ging gleich zur Post.
Als er hier den Lohnbeutel wieder herauszog, um die Paketgebühr zu bezahlen, stutzte er: neben ben Silbermünzen lag ein glatter neuer Fünfzig- Mark-Schein.
Martin lief zurück zum Geschäft. Wie war das? überlegte er. Ich zog doch im Gedränge vor der Kaffe ben Schein aus dem Deutel und legte ihn aufs Zahlbrett. Die Kassiererin gab mir Silber- münzen zurück. Ich ließ sie in den Beutel gleiten. Nahm ich den Schein auch wieder zurück, ohne daß sie es merkte? Nur so kann es doch gewesen sein!? Sie hatte alle Hände voll zu tun, unb ich war in Gedanken, nun fehlen ihr jetzt die fünfzig Mark, die sie vielleicht aus eigener Tasche ersetzen mJa5 Geschäft hatte gerade geschlossen, als Martin zurückkam. Er wartete. Er stapfte hin und her durch den Schnee, sah ben nach Hause eilenden Menschen nach unb beobachtete ben Hauseingang. Er verachte, sich das Gesicht des Mädchens ins Gedächtnis zurückzurufen unb wunderte sich darüber, daß er noch genau wußte, wie sie aussah.
Dann verließ jemand das Haus, bann kam noch jemanb, unb bann war sie ba. Martin stürzte auf sie zu, zog ben Hut, murmelte etwas unb blieb verblüfft stehen. Sie hatte ihn nur mit großen Augen anZchhur u!io war roeiterßegangen...
liner Volksmund kurzweg „Papa Heck" genannt. In feiner „Heiter-ernsten Lebensbeichte" beschäftigt sich Geheimrat Heck, der zwar gebürtiger Darmstädter ist, aber ein halbes Jahrhundert lang mit allen Volksschichten ber Reichshauptstabt eng verbunden gewesen ist, auch mit dem Berliner. Bekanntlich ist es sehr schwer, ein treffendes Urteil über den Berliner zu fällen, weil er sich aus Millionen im Laufe ber Jahrhunberte Eingewanbecter „zufam- mensetzt". Was schreibt nun Geheimrat Heck über den Berliner? Auf Seite 116 seines reizvollen unb fesselnden Buches kennzeichnet er bas Wesen des Berliners zufammenfassenb mit wenigen Strichen: „Der Berliner hat eine gute Seele unb einen Hellen, leistungsfähigen Geist; im täglichen Leben neigt er zum Besserwissen, weil er von dem Drange besessen ist, zu imponieren, möglichst viel zu scheinen, möglichst mehr, als er ist. Dieses Bestreben schwindet aber naturgemäß immer mehr, je mehr er wirklich wirb unb ist. Unb bazu wirb er durch den nationalsozialistischen Staat erzogen." Mit diesem Urteil eines geistig hochstehenden und mit einem warmen Herzen bejehenften Mannes kann Berlin wohl zufrieden sein. Wer aber mit diesem Spiegel, ben „Papa Heck" ben Berlinern zu Weihnachten vorhält, nicht zufrieben sein sollte, ber bedenke, daß bas Spieglein an ber Wanb bas Konterfei besten, ber in ihn hineinschaut, unbarmherzig zurückwirft unb baß das Erwecken eines besseren Eindrucks ober Bilbes immer Sache bes vor dem Spiegel Stehenden ist.
«
Aber nicht nur Bücher gehören zum deutschen Weihnachtsfest. Zum Weihnachtsfest, jedenfalls zum Berliner Weihnachtsfest, gehört auch etwas für den Magen. Und so beschäftigten sich in den Tagen vor dem Fest die Berliner Hausfrauen auch eingehend mit dem traditionellen Berliner Weihnachts- fchmaus: mit dem Karpfen und mit ber (Sa n s. Auf welch ehrwürdiges Alter sich die Gans berufen kann, wissen wohl die wenigsten; vor allem nicht, daß die Römer erst von ben Germanen die Schmackhaftigkeit der gebratenen (Sans zu schätzen lernten. So, wie nun die alten Germanen vor 2000 Jahren schon ihre Gänse füllten, füllen die Berlinerinnen heute noch ihre Weihnachtsgans: mit Beifuß und kleinen Aepfeln. Berlin bereitet sich also seine Weihnachtsgans „nach Germanen Art". Wenn aber ein Rechtsgelehrter bes Mittelalters sich einmal umständlich barüber ausgelassen hat, ob dem Ehemann beide Gänsekeulen zustehen ober ob der Ehefrau eine der Keulen zusteht, so zerbricht sich die Berlinerin darüber nicht ben Kopf, sondern teilt die knusprige Weihnachtsgans, da die Berlinerin (nach Papa Heck) eine gute Seele hat, so auf, daß alle Familienmitglieder zufrieden sein können. Ja, so ist die Berlinerin. Daß Goethe übrigens auch ein Verehrer bes Gänsebratens war unb zwölf verschiedene Zubereitungen kannte, — bas zu wissen ist nicht ohne Reiz. Ob Goethe auch die Gans „nach Berliner Hausfrauen Art" gekannt hat, ist nicht erforscht. Sicherlich aber hätte Goethe sein von Geheimrat Heck sehr abweichendes, nämlich wenig schmeichelhaftes Urteil über die Berliner einer Korrektur unterzogen, wenn er einmal zur Weihnachts- zeit „eine jut jebratene Jans" in Berlin „jejesten" hätte...
n Hans-Horst Brachvogel.
Teufel, Teufel! dachte Martin und ging hinterher. „Ich möchte Sie doch nur zwei Minuten sprechen", sagte er. „Bitte, belästigen Sie mich nicht , antwortete bas Mädchen.
„Doch nur geschäftlich", entschuldigte sich Marttn. Sie ging weiter.
„Aber hören Sie doch", meinte er verzweifelt.
„Ich finde Ihr Benehmen unerhört!" sagte sie, blieb stehen, stampfte zornig mit bem Fuß auf, und ihre Augen blitzten ihn wütend an. Er stand starr; bann lächelte er. Sie gefiel ihm immer mehr.
„Jetzt lachen Sie auch noch!" sagte sie wütend.
„Unb Sie", antwortete er und würbe ganz ernst, „Sie meinen ja."
„Na ja", sagte sie nur, zog ein Spitzentuchlein aus ihrer Tasche und tupfte damit in ben Augenwinkeln.
„Das dürfen Sie nicht, Fräulein, das macht häßlich."
„Davon verstehen Sie doch nichts!"
Sie ging weiter. Er trottete nebenher. Er war gar nicht mehr mißmutig ober ttaurig.
„Wie weit wollen Sie eigentlich noch mit- kommen?" fragte das Mädchen.
„Bis wir zu Hause sind."
Sie blieb wieder stehen und sah ihn an. „Wissen Sie", sagte sie, „so etwas von Frechheit habe ich überhaupt noch nicht erlebt."
„Wird Zeit, daß Sie es erleben. Aber darum handelt es sich nicht. Es handelt sich um ben Grund Ihrer Tränen. Ich möchte nicht, daß Sie meinetwegen meinen, wirklich nicht, unb nun lasten Sie sich endlich erzählen..."
„Bilden Sie sich etwa ein, ich meine Dhrettoegen? ,WeineM ist überhaupt übertrieben, bas war nur so eine vorübergehende Stimmung — heute, am Weihnachtsabend, ist man so allein —, aber davon verstehen Sie ja nichts, ich sagte es schon. Hier ist meine Straßenbahn."
„Hm", machte Martin und ftieg ebenfalls auf die Straßenbahn.
„Ich werde mich beim Schaffner über diese Belästigung beklagen", sagte bas Mädchen.
„Bitte nicht", bat Martin.
Sie starrten bann beibe burch die befrorenen Fensterscheiben. Auf den Plätzen draußen standen große Weihnachtsbäume mit vielen Kerzen. Die Menschen, die noch auf den Straßen waren, eilten hastig dahin. Marttn unb das Mädchen waren ganz still geworben. Manchmal sah sie ihtz von der Seite an, sah aber gleich wieder fort und gestand sich schließlich ein, daß er eigentlich doch ganz nett aus- sähe. Dann dachte sie wieder an den einsamen Abend, der vor ihr lag, und an bem alle Menschen sich freuten und glücklich waren. Nur sie würde allein fein in ihrem kleinen Zimmer. Marttn saß neben ihr und dachte fast dasselbe.
Die Straßenbahn hielt. Sie ftiegen aus und gingen durch Straßen, die immer stiller wurden. In der Nähe läuteten Kirchenglocken. Der Schnee knirschte leise unter ben Füßen. Alles war still und feierlich.
Dann Wb das MÄchcn W. chM ÄM W»
„Ich kaufte doch in Ihrem Geschäft, zahlte mit diesem Schein und nahm ihn dann versehentlich, wirklich ganz versehentlich, wieder mit. Er muß Ihnen doch beim Kassenabschluß gefehlt haben."
„Nein. Mir hat noch nie etwas gefehlt."
„Wie?" fragte Martin und blickte ratlos auf die Banknote, auf das Mädchen und dann in den Beutel. „Er gehört Ihnen nicht?" Er unterzog den Lohnbeutel einer genaueren Untersuchung. Aus dem Umschlag stand „RM. 50,—"; plötzlich entdeckte er aber in seinem Inneren ein weißes Platt. Er entfaltete es unb las... Gehaltserhöhung infolge guter Leistungen ab 1. Dezember um RM. 50,—, ausgezahlt zu Weihnachten ...
Er machte ein so dummes Gesicht, daß das Mädchen laut lachen mußte. Sein Gesicht wurde immer dümmer, denn jetzt fiel ihm ein, daß er bas eigentlich längst hätte merken müssen: er hatte doch zwei Quittungen über fünfzig Mark unterschrieben! Er muhte wohl geschlafen ober geträumt haben.
Dann lachte auch er, das Lachen des Mädchens steckte ihn an. Er hatte ja auch allen Grund zur Fröhlichkeit. Und da ein gutes gemeinsames Lachen immer ber beste Beginn einer guten Freundschaft ist, konnte Martin feiner Mutter ein paar Tage später schreiben, baß er das Weihnachtsfest so schön wie noch nie verbracht habe — unb das Mädchen schrieb so ähnlich.
Aus aller Wett.
Der Kommandant
des Truppenübungsplatzes Wildflecken gestorben.
Der Kommandant bes Truppenübungsplatzes Wildflecken in ber Rhön, Oberstleutnant Fleisch» h a u e r, ist am 17. Dezember unerwartet verstorben. Er wurde am 22. Dezember in Kastel, seiner früheren Garnison, unter militärischen Ehren zu Grabe getragen. Zu ber Trauerfeier in ber Friebhofshalle waren ber Kommanbierenbe General bes IX. Armeekorps, General der Artillerie D o l l m a n n , Gauleiter Staatsrat Weinrich, SA.-Brigabeführer Schmidt, sowie Offiziersabordnungen des Infanterie-Regiments Nr. 15 und viele ehemalige 83er erschienen. Zuvor hatte in Wildflecken eine Trauerfeier ftattgefunben, zu der auch Gau» leiter Dr. Hellmuth (Würzburg) erschienen war. Hauptmann Fiegweil, ber Abjutant des Verstorbenen, gebuchte in seinen Absckiedsworten bet hervorragenden soldatischen Eigenschaften Fleischhauers und feiner Tätigkeit bei ber Wiederaufrichtung der beutschen Wehrmacht. Die letzten Grüße ber Gefolgschaft bes Stanborts überbrachte Stand- ortobmann Fischer. Gauleiter Dr. Hellmuth, ber am Sarg einen Lorbeerkranz niederlegte, sprach im Namen ber NSDAP, des Gaues Mainftanken Worte bes Dankes für all das, was Oberstleutnant Fleischhauer für ben GauMainfranken geleistet hat. Wenn eine Straße in Mainfranken bald feinen Namen tragen wird, dann soll das der Beweis dafür fein, daß Mainfranken immer an den Verstorbenen denken wird.
Ehrung für den Arzk und für den Blutspender des Gesandtschaftsrates vom Rath.
Der Präsident des deutschen Roten Kreu«s, Herzog von Coburg, hat mit Zustimmung oe£ Führers und Reichskanzlers dem Vertrauens- arzt ber deutschen Botschaft in Paris Dr. Albert El aß, der dem ermordeten Gesanbtschaftsrat vom Rath bie erste ärztliche Hilfe geleistet hat, das Derbienstkreuz bes Ehrenzeichens bes Deutschen Roten Kreuzes, und dem ftanzösischen Staatsangehörigen Armand Thomas, ber in anderthalb Tagen dreimal sich als Blutspender für den Ge- sandfchaftsrat vom Rath zur Verfügung gestellt hat, das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes II. Klasse verliehen.
Acht Todesopfer der Kälte in Belgien.
In Belgien sind seit Mittwoch starke Schneefälle zu verzeichnen.'In ben Arbennen und in ber Fagnes in Ostbelgien hat bie Schneebecke eine Höhe von 40 Zentimeter erreicht. In Brüssel und Mittelbelgien liegen etwa 10 Zentimeter Schnee. Die Temperaturen sind leicht gestiegen, jedock werden immer noch 9 bis 15 Grad unter Null gernelbet. Die Kälte hat am Donnerstag wieber acht Todesopfer gefordert. Die Schiffahrt auf ber Maas ist infolge ber Vereisung völlig lahmgelegt. Mehrere Bergwerke in der Nähe von Lüttich und in ber Borinage mußten vorübergehend stillgelegt werben, ba bie Maschinen burch bie Kälte zum Teil unbrauchbar geworden sind.
Aulofallenverbrecher hingerichtet.
Berlin, 22. Dez. (DNB.) Am 22. Dezember 1938 ist der am 12. Dezember 1915 geborene Heinrich Janys h i n g e r i ch t e t worben, der am 20. Dezember 1938 wegen zweier Verbrechen gegen bas Gesetz gegen Straßenraub mittels Autofallen vom Sondergericht in Hamburg zweimal zum Tode und dauernbem Verlust ber bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worben ist. Die Sicherungsverwahrung würbe angeorbnet. Janys, ber in bem« selben Urteil wegen versuchten Mordes und einer Reihe schwerer Diebstähle bestraft worben ist, hat sich in zwei Fällen in ber Dunkelheit durch Ttiefr kraftwagen bie einsamen Straßen fahren lasten, um bie Kraftwagenführer zu berauben. Am Ziel überfiel er bie Fahrer, wobei er den einen nieberschoß und schwer verletzte, ben anderen Pfeffer in bie Augen streute; er würbe aber im letzten Augenblick durch Passanten an der Ausführung ber Räubereien gehindert.
Sich selbst ein Auge ausgeslochen.
Vier Jahre Zuchthaus für Versicherungsbetrug.
Vor der Großen Strafkammer Köln ging ein Prozeß um einen Versicherungsbetrug besonderer Art zu Ende. Der 47 Jahre alte Ph. Köl« l e r aus Köln war beschuldigt, an mehreren in- unb auslänbischen Versicherungsgesellschaften einen Betrugsversuch dadurch begangen zu haben, daß er s i ch selb st ein Auge ausge stochen habe und dafür Versicherungssummen von etwa 760 000 Reichsmark beanspruchte. — Außer zwei deutschen Versicherungsverträgen hatte er auch bei Lloyds in England eine Versicherung gegen ben Verlust verschiedener Körperteile abgeschlossen. Auf bas Zeugnis des jüdischen Kölner Arztes, ber ihm das Auge entfernt hat, bekam er als Anzahlung auf 59 000 Pfund auch bereits 30 000 Pfund ausbezahlt. Das Gericht kam auf Grund ber Zeugenaussagen ander Gutachten zweier Sachverständiger zu ber lieber« zeugung, daß sich K. das Auge durch Kokain uns -mvMIich ö-M-ht uni d-M iM M e‘!W


