Ausgabe 
23.6.1938
 
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Nr. 144 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Donnerstag, 23. Juni 1938

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Eichener Anzeiger

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Teil der Transsibirischen Eisenbahn (Amur- und Ussuribahn) zweigleisig ausgebaut. Man scheute sich nicht, ohne Rücksicht auf Opfer von Menschenleben, selbst Frauenbrigaden einzusetzen, um auch bei 40 Grad Frost die schwierige Arbeit zu fördern. Unzählige Brücken mußten erneuert und verbreitert werden. Derewig gefrorene Boden" (wötschnaja merslota), der im Sommer teilweise zu Sumpf auftaut, bot technisch ernste Probleme. Die Leistungsfähigkeit der Bahn mußte sich aber verfiel- fachen, sobald ein zweigleisiger Durchgangsverkehr möglich gemacht war. Einzelne Brücken sind auch heute noch nicht sertiggestellt, so daß dieser Effekt durch notwendig werdende Schleusung vorläufig in Frage gestellt ist. Zugleich aber erfolgte eine groß­zügige Erneuerung der stationären Anlagen an der Strecke, der Wasserversorgung, der Depots und Reparaturwerkstätten, die teilweise das Ausmaß von richtigen Maschinenbaufabriken angenommen haben.

DasB A M"» (Baikal-Arnur-Magistrale) Bau­projekt unter der Leitung der GPU. als Herr über die Millionen politischer Strafgefangener bestand aber nur zu einem Teil aus dieser Reorganisation der alten Transsibirischen Bahn. Parallel dazu ging die Inangriffnahme des Baus einer zweiten neuen Linie, die in großen Zügen etwa 400 Kilometer nördlich verlaufen soll. Einzelheiten sind nicht bekannt. Die Abzweigung vom westlichen Teil der transsibirischen Strecke setzt bei der Station Taischet zwischen Krasnojarsk und Irkutsk ein. Sie führt etwa zur Nordspitze des Baikalsees und von da in die reichen Goldfelder des Aldangebietes und zieht sich bis zum Amur, den sie bei der vor sechs Jahren gegründeten Stadk

Komssomolsk erreicht. Diese sagenhafte Neu­gründung, die noch kein nichtkommunistischer Aus­länder gesehen hat, soll heute schon annähernd eine Einwohnerschaft von 100 000 Menschen aufweisen. Sie liegt, durch eine 1937 fertig gewordene Eisen­bahn mit Chabarowsk verbunden, 400 Kilometer nördlich von dieser Hauptstadt des sowjetischen Fern­ostens, die von der Landesgrenze nur durch den Fluhlauf des Amur getrennt ist. Das Südufer ist bereits Gebiet von Mandfchukuo. Es kann keine Rede davon fein, daß diese nördliche Trasse, wie japanische Meldungen hin und wieder behaupten, bereits befahrbar ist. Erst nachdem die Bahn nach Komssomolsk fertig wurde, konnte der Bau von zwei Seiten energisch betrieben werden. Günstigsten­falls wird eine Lastwagenstraße entlang der zu­künftigen Eisenbahnstrecke benutzbar sein. Mit dieser neuen Querverbindung durch das nördliche Sibirien ist jedoch der Anfang für eine ausbaufähige rück­wärtige Verbindung der fernöstlichen Armee ge­schaffen, die jedenfalls die Strategie der sowjetischen Kriegsführung für den Fall eines Zusammenstoßes in sehr viel günstigere Bedingungen versetzt, als sie 1904/05 für die Zarenarmee vorlagen

Komssomolsk am Amur ist zugleich die Basis für die Küstenverteidigungskräfte der sow­jetischen Flotte im Pazifik. Die Werstanlagen bewerkstelligen zumindesten die Montage von Unter­seebooten und anderen kleineren Fahrzeugen. Was sonst nach an Rüstungsbetrieben vorhanden ist, ent­zieht sich genauerer Kenntnis. Seit 1932 ist Ost­sibirien und die fernöstliche Küstenprooinz mobiles Gebiet, das von niemandem bereist werden darf. Unter dem Diktat strategischer Forderungen hat für dos Gebiet zwischen Baikal und dem Pazifik eine

Epoche der militärischen Kolonisierung eingesetzt. Die Außenmaße sind so, daß sie geeignet erscheinen, die geschichtliche Entwicklung in Ostasien beeinflussen zu können. (Schluß folgt!)

Schmeling überrumpelt.

In der ersten Runde unterlegen.

Nachdem die erste Begegnung zwischen Max Schmeling und 3oe Louis vor zwei Iahren für Schmeling siegreich verlausen war damals siegle der Deutsche in der 12. Runde durch fto. nahm jetzt das zweite Zusammentreffen der beiden ein noch überraschenderes Ende. Louis über, rumpelte Schmeling in der er st en Runde, überfiel ihn mit einem gewaltigen Schlag­hagel, und noch ehe Schmeling die Gefahr in ihrer ganzen Gröhe erfaßte, fing er eine beachtliche Linke ein, die ihn zu Boden warf. Schmeling kam bei sechs" hoch, muhte jedoch erneut unter dem Schlag­hagel Louis zu Boden. Er erhob sich zwar noch einmal, war aber verteidigungsunfähig, und fein Betreuer Mac Machon warf, um ihn zu schonen, das Handtuch in den Ring. Unter dem Beifall der 80 000 Zuschauer, unter denen sich auch die beiden Söhne Roosevelts befanden, wurde Louis zum Weltmeister aller Kategorien ausgerufen. Rur zwei Minuten vier Sekunden halte der Kampf gedauert.

(Ausführlicher Bericht im heutigen Sportteil!)

Asien und deklachendeDnüe.

Don Willy Ostling.

Wer bezahlt die tschechische Mobilisierung?

Oie Sudetendeuischen lehnen erneut eine Beteiligung an derFreiheitsspende" entschieden ab

Prag sucht die Mobilisierung zu rechtfertigen

Zehn Pflichten für Dich!

Abschluß geführt werden kann. Unseren bisherigen

hätte das herausfordernde Verhalten des tschechischen Militärs zu ernsten Zwischenfällen geführt, wenn dies nicht durch die besonnene Haltung der sudetendeutschen Bevölke­rung verhindert worden wäre. Auch hier war ein geschlossener Aufmarsch zur Sonnwend­feier verboten. Als sich die Teilnehmer einzeln oder in kleinen Gruppen zur Feier begeben woll­ten, versuchten tschechische Soldaten, sie daran zu

der Präsident werde zu rücktreten, um dem Staat die Umschisfimg all dieser gefährlichen Klippen zu ermöglichen.

hindern. Die Soldaten, die zu dieser Zeit vorschrifts­mäßig in der Kaserne sein mußten, gingen gegen die Bevölkerung mit Lederriemen und Seitengewehren vor. Die Staatspolizei mußte erst von Teilnehmern herbeigerufen werden, ihr gelang es dann, die Soldaten in die Kaserne ab­zudrängen, so daß ein blutiger Zusammenstoß, der unabwendbar schien, verhindert wurde.

Prag, 23. Juni. (DNB.) Auf Einwände, die vom Parlamentarischen Klub der Sudetendeut­schen Partei in einem Brief an den Gouverneur der tschechischen Nationalbank, Dr. Englisch, wegen der von diesem vorgeschlagenenI u b i l ä - umsspende" zur Bezahlung der tsche­chischen Mobilisierung erhoben wurden, hat Dr. Englisch in einem längeren Schreiben ge­antwortet. Darin unterstreicht er zwar die volle Freiwilligkeit der Beitragsleistung, versucht aber die deutschen Einwände nach Möglichkeit zu entkräften. Auf Grund dieses Antwortschreibens brachte der Klub in einem zweiten Brief an den Gouverneur noch einmal seine ablehnende Stellungnahme zum Ausdruck. In dem Bries heißt es u. a.:

Wer in den Grenzgebieten Zeuge der Ereignisse seit 21. Mai d. 2. sein konnte, wird nicht zwei­feln, daß die Ko st en der militärischen Maßnahmen sehr hoch sind und daher die Steuergrundlage wesentlich berühren werden. Durch eine Spendensammlung können diese hohen Kosten nicht gedeckt werden, was schon aus den verschie­denen Nachrichten über geplante Steuermaßnahmen ersichtlich wird. Ferner bezweifeln wir nach wie vor, daß bei solchen Sammlungen der Charakter der vollen Freiwilligkeit aufrechterhalten bleibt. Wir glauben vielmehr, daß die sehr ver­breitete Methode der Nötigung durch Organe des Staates und der Finanzverwaltung zur vollen Anwendung kommen wird, so daß sich dieSpen­den" letzten Endes als eine Zusatzanforde­rung in einer wirtschaftlich und finanziell kriti­schen Zeit auswirken werden. Trotzdem heißt es in dem Aufruf der Nationalbank, daßnach dem Ausmaß der Ergebenheit der Bür­ger zur Republik" Opfer am Altar des Va­terlandes dargebracht werden sollen, was eine Klassifikation der Spender und Nichtspender beinhaltet, die jedes obiektive wirtschaftliche Maß von vornherein außer Acht läßt. Das Sudeten­deutschtum ist dadurch, daß es in allererster Linie in Mitleidenschaft gezogen wurde, in den letzten drei Wochen neuerdings viel ärmer geworden. So­lange in der tschechischen Öffentlichkeit nicht ein­gesehen wird, daß die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der sudetendeutschen Gebiete ganz wesentlich verschieden ist von der der tschechischen, scheint uns wenig Aussicht zu bestehen, daß in Zukunft ein Briefwechsel, wie der zwischen Ihnen und uns, vermieden oder zu einem positiven

II.

Es gab eine Zeit, die gar nicht so ferne liegt, wo die sowjetischen Bemühungen um die r ü ft u n g 5 = industrielle Erneuerung etwa am Bai­kalsee aufhörten. 1929 erst wurden die Sowjetleute sich klar, daß in W e st s i b i r i e n auf der Basis der Erze des Ural und der Kohle des Kusnetzker Beckens, beide voneinander 2000 Kilometer entfernt, ein neues Industriezentrum geschaffen werden sollte. Ausschlaggebend hierfür war die Erkenntnis, daß dieses Gebiet durch seine Lage vor jedem feindlichen Angriff gesichert schien. Hinter Irkutsk oder allen­falls Werchne-Udinsk (jetzt Ulan-Ude) hörte jede Neubautätigkeit auf. Erst im Jahre 1931, nach der Besetzung der Mandschurei durch die Japaner, ging die Sowjetunion daran, Ostsibirien und die fern­östliche Küstenprovinz in aktiven Verteidigungs-

Zusammensetzung der Prager Regie- r u n g auswirken könne. Das Blatt behauptet fer­ner, von feinem Gewährsmann gehört zu haben, daß der Staatspräsident Dr. Benesch entschlossen sei, eher zurückzutreten, als gewissen Ver­fassungsänderungen feine Zustimmung zu geben. Seine Haltung habe die Lage noch weiter kompliziert, weil bestimmte Verfassungsänderungen unvermeidli ' r ' * ......

, . um die Sudetendeutschen

und die anderen Volksgruppen der Tschechoslowakei zufriedenzustellen. Dr. Benefch sei auch der Ur­heber des tschechisch-sowjetrussischen Vertrages, der von deutscher Seite mit größter Entschiedenheit verurteilt werde. Auch dies sei ein Grund, daß man vielleicht verfrüht annehme,

Sie, unsere Ausführungen zur Kenntnis zu neh­men.

Tschechische probofotioncn.

Bei Sonnwendfeiern der Sudetendeutschen.

Prag, 22. Juni. (Europapreß.) Am Dienstag­abend fanden im gesamten sudetendeutschen Gebiet Sonnwendfeiern statt. In der Nähe der Ortschaft Turas bei Brünn kam es zu einem Ueberfall auf Sudetendeutsche. Eine Gruppe von Studenten, die von Brünn zur Sonnwendfeier nach dem Sprachinseldorf Maxdorf marschierte, wurde offensichtlich deshalb, weil die Studenten als Su- detendeutfche kenntlich waren, von 50 Tschechen an­gegriffen. Ein Student wurde verletzt. Ein amtlicher Bericht stellt die Schuld der tschechischen Angreifer einwandfrei fest, weshalb die Täter in Polizeihaft genommen worden seien. WievielTäter" verhaf­tet worden sind und wie sie heißen, wird allerdings nicht gesagt.

Bei der Sonnwendfeier in G r u l i ch (Ostböhmen)

Von amtlicher tschechischer Seite hat man endlich dem Bedürfnis entsprochen, eine Erklärung über die Ursachen und Gründe der Mobilisierung des tschechischen Heeres abzugeben. Um es vorab zu sagen: diese Prager Begründung ist mehr als dürf­tig zu nennen. Selbstverständlich liegt in den tsche­chischen Augen die Ursache zu jenem gefährlichen Schritt nur bei den Sudetendeutschen, die man jahrelang ihrer Rechte beraubt hat, die sich schweigend von Polizisten und tschechischen Soldaten niederknüppeln lassen sollen. Diese Sudetendeutschen haben also das Verbrechen begangen, sich in einer geschlossenen Gemeinschaft zu organisieren, statt sich weiterhin den Luxus der Zersplitterung und gegen­seitigen Bekämpfung zu leisten oder sich die Un­fähigkeit marxistischer Funktionäre gefallen zu las­sen. Das allein ist schon eineSchuld". Dazu habe auch, wie gejagt wird, di e deutsche Presse im Reich beigetragen, auch manche Worte reichsdeut­scher Stellen haben in Prag keinen Beifall gefun­den. Darauf wäre zu antworten, daß vor nicht all­zu langer Zeit Ministerpräsident H 0 d z a selbst er­klärt hat, es sei verständlich, daß Deutschland ein Interesse an dem Ergehen der Deutschen in der Tschechoslowakei habe. Die deutsche Presse hat da­her in rein sachlicher Weise die dortigen Vorgänge geschildert und erst dann die notwendige Schärfe entfaltet, als der blutige Terror gegen das Deutsch­tum von den tschechischen Nationalisten losgelassen wurde. Dasselbe ist von der Stellungnahme amt­licher Stellen zu sagen.

Die Sudetendeutschen standen vor den Gemeinde­wahlen und hatten sicherlich keinen Anlaß, den hussitischen" Terror wachzurufen, der ihr Bekennt­nis zum Deutschtum erschweren mußte. Wenn die Flüsterpropaganda" der Deutschen ausreichen konnte, den Grund zur Mobilisierung der tschechi­schen Wehrmacht zu liefern, so ist das gewiß kein ehrendes Zeichen für dieStärke" des tschechischen Staates. Man mußte in Prag wissen, daß eine solche leichtfertige Maßnahme die stärksten Ge­fahren für den Bestand des europäischen Frie­dens heraufbeschwor. Oder will man behaupten, daß die Mobilisierung und die militärische Besetzung des sudetendeutschen Gebietes keine Erregung erzeugt habe! Alle Beobachter sind sich darin einig, daß erst d i e Militärmaßnahmen die Auf­regung in die deutschen Gemeinden hineingetragen haben. Die Untaten der Soldateska in Eger und anderen Orten haben denn auch gezeigt, daß diese Unruhe nicht grundlos war. Der Versuch, jetzt die Zwischenfälle" zu bagatellisieren, beweist wenig Einsicht und Augenmaß, denn es ist klar, daß ein einziger schwerer Zusammenstoß zu den schlimmsten Folgen führen konnte. Nur der festen Disziplin der Sudetendeutschen und ihrer Organisa­tion ist es zu verdanken, daß die Bevölkerung die harte Nervenprobe der Gewalttaten und Unter­drückungen bestanden hat.

Nichts zeigt deutlicher die Schwäche der tschechi­schen Position und die Gefährlichkeit der Prager

Politik, als dieser Versuch einer Rechtfertigung, der die Verantwortung auf die Verfolgten und Miß­handelten und damit auf ihre Blutzeugen abschieben möchte.

Heue Verhandlungen angelündigt.

Prag, 22. Juni. (Europapreß.) Um eine 23 er« Handlungsgrundlage zwischen der Sudeten­deutschen Partei und der Prager Regierung zu finden, werden, wie dieZeit", das Hauptorgan der Sudetendeutschen Partei, berichtet, am Don­nerstag auf erweiterter Grundlage die Gespräche stattfinden. Der von der Regierung ernannte 23 e r - handlungsausschuß, der aus den Ministern Dr. Cerny, Dr. Derer, Dr. Franke und Schrämet besteht, wird mit der Abordnung der Sudeten- i) e u t f d) e ,n Partei, die aus den Abgeordneten Kundt, Dr. Rosche, Dr. Peters, Dr. Sebekowski und Dr. Schicketanz besteht, auf Einladung des Minister­präsidenten Dr. Hodza zu einer informativen Aussprache Zusammentreffen. Hierbei werden die linksstehenden Regierungsmitglieder zum ersten- mal Gelegenheit haben, den grundsätzlichen Stand­punkt der Sudetendeutschen Partei mündlich aus berufenem Munde kennenzulernen. Es sei nicht zu erwarten, so erklärt dieZeit", daß es bei dieser Besprechungen zu konkreten Verhandlungen kommen werde, da die Regierung bisher ifjren Standpunkt noch nicht klar zum Ausdruck gebracht habe.

Ist Senefch amlsmiide?

Paris, 22. Juni. (DNB.) DerMalin" be­saßt sich mit der Frage, ob die äußere Krise der Tschechoslowakei in der nächsten Zeit auch von einer innenpolitischen Krise begleitet sein werde. Das Blatt erklärt, daß die Entwicklung in den letzten Wochen im Lande eine Stimmung gereizter Un­gewißheit erzeugt habe, was sich auch auf die

Sachverständiger, wo er unter dem Namen Galen austauchte. Nach einer abenteuerlichen Flucht durch die Wüste, die notwendig wurde, als die Kuomin­tang 1927 mit den Kommunisten brach, erschien er bei dem Feldzug, den die Rote Armee 1929 gegen den mandschurischen Diktator Ttschangtsolin unter­nahm, als der geeignete Führer, schon aus politischen Gründen. Blücher gehört, wie der geistig noch sehr viel harmlosere Reitergeneral Budjonny (jetzt Kavallerieinspekteur der Roten Armee) durchaus zu dem Partisanenführertyp, im Gegensatz zu den jüngeren roten Generalstäblern intellektualistischer Prägung, welchem Kreise fast alle am 11. Juni 1937 erschossenen hohen Offiziere wie Tuchatschewski Ubo- rewitfch, Putna, Eidemann zuzuzählen waren. Er hat offenbar weder das geistige Maß noch den Ehr­geiz, die Rolle eines politisch selbständigen Diktators zu spielen. Vermutungen, Die nach dieser Richtung hin gehen, haben wenig Wahrscheinlichkeit für sich.

Die militärische Aufgabe einer Kriegsführung öst­lich vom Baikalsee steht vor allem vor dem Problem einer Sicherung der Verbindungswege mit dem Westen. Die einzige leistungsfähige Verkehrsader ist die leicht verletzliche Transsibirische Bahn. Um die Durchführung von Operationen zu Verteidigungs- oder Angriffsplänen zu gewähr­leisten, mußte eine größtmögliche Selbständigkeit dieserBesonderen fernöstlichen Armee" angestrebt werden, die es ihr ermöglichte, wenigstens zeitweilig auch dann durchzuhalten, wenn keine ungestörte rückwärtige Verbindung da war. Wie einfach diese Lage auch im Prinzip zu sein scheint, bot sie doch um so größere Schwierigkeiten, je sorgfältiger ihre Gestaltung wurde. Die Gebiete, die dort im Osten Sibiriens zu verteidigen sind, erweisen sich als fast menschenleer. Sie sind auf ständige Nahrungszuiuhr angewiesen. Jeder Nagel mußte über Tausende von Kilometern herangeholt werden. Aus feldmäßigen Unterkünften mußten im Laufe der Jahre solide militärische Siedlungen entstehen. Im Dezember 1933 veyfügte die Sowietregierung die Befreiung aller bäuerlichen Wirtschaften im Fernostgebiet von jeglichen Getreideablieferungs- pftichten, mit dem Ziel, möglichst viele wehrfähige Männer in Militärkolvnien anzusiedeln. Ueber die Erfolge dieser Bestrebungen fehlen jeg­liche Angaben. Es ist möglich, daß die bisher noch nicht veröffentlichten Ergebnisse der letzten sow­jetischen Volkszählung vom Januar 1937 gewisse Einblicke in die Bevölkerungszunahme jener Gebiete gewährt. Wahrscheinlich ist, daß eine beträchtliche Mannschaftsreserve der Besonderen fernöstlichen Armee in ihrem Hinterland wohnt und im Kriegs­fälle zur Verfügung steht.

Die Bolschewisten haben ihr Möglichstes getan, um aus dem Engpaß der Verkehrsschwierigkeiten mit dem Fernostgebiet herauszukommen. Unter Ein­satz von vielen Hunderttausenden politischer Straf­gefangener wurde von 1933 bis 1936 der ö st l i ch e

Partisanenführsr gerade auf dem ostasiatischen Ge-, Abschluß uciüyii lu...,. Unfein bi-ch^chcu

biet und erschien dem kommunistischen Berater, Standpunkt können wir nicht aufgeben und bitten Sunyatsens, Borodin, als geeigneter militärischer

zustand zu setzen und so der niemals demobilisierten Besonderen fernöstlichen Armee" des Generals Blücher eine Basis zur selbständigen Kriegsführung zu schaffen.

Die Persönlichkeit Blüchers ist sicher nicht so geheimnisvoll wie oft gemutmaßt wird. Der Wag- gonschlosser Medwedjew, ein dunkelhäutiger, schwarzhaariger Typ südrussischen Gepräges, ar­beitete während des Krieges auf einem Werk in Mytifchtfchy nahe Moskau, ohne in einer der revo­lutionären Parteien eine besondere Rolle zu spie­len. Den Namen Blücher verdankt er wahrscheinlich irgendwelchen falschen Ausweispapieren, die ihm der Zufall in die Hände spielte. Er führte ihn jedenfalls schon zu Anfang des Bürgerkrieges, wo jer noch nicht träumen konnte, einmal eine große militärische Rolle übernehmen zu müssen Es konnte für ihn folglich auch keinen Sinn haben, mit diesem Pseudonym irgendeine symbolische Bedeutung zu verknüpfen. Von Marschall Vorwärts wußte er sicher nichts! Jedenfalls findet man feine Unterschrift schon 1919, als er die unwichtige Stellung eines Ortskommandanten von Nowo-Nikolajewsk (Nowo­sibirsk) bekleidete. Im weiteren Vormarsch der bol­schewistischen Kräfte nach Ostsibirien ist er dann auf- gerückt. AlsKriegskommissar" der fernöstlichen Republik, einer schnell vorübergehenden bolsche­wistischen Gründung, konnte er seine militärischen Talente beweisen. Er sammelte Erfahrungen als