Kr.45 Drittes Blatt
Mittwoch 2^. §ebruar 1938
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Auf breiter Krönt im Reichsberufswettkampf.
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Die oberhessischen Brauer im Sudhaus bei Ihring-Melchior.
(Aufnahmen |3J: Neuner, Gießener Anzeiger.)
K öche und Kellner zeigen ihr Können.
Der Saal des Hotels Hindenburg im Seltersweg, (»e auch Küche, Vorratskammer und Keller waren stern der Schauplatz einer außerordentlichen Be- iebsamkeit. 35 Köche, Köchinnen, sowie Kellner vis den oberhessischen Kreisen, ferner von Wetzlar Id Dillenburg traten, alle tadellos gekleidet, zum ichsberufswettkampf an. Der Vormittag war der oretischen Arbeit gewidmet, für die ziemlich were Aufgaben gestellt waren. Die Aufgabenstel- igen waren dabei außerordentlich mannigfaltig d verlangten von vornherein sorgfältige Ueber- lUNg.
Der Nachmittag war ausgefüllt von fleißiger attischer Arbeit. Die geräumige Küche wurde zum beitsfeld der zahlreichen Köche in ihrer schmucken üßen Arbeitstracht. Auf allen Herden briet und t es in vielen Töpfen, an den Arbeitstischen tiirben die Zutaten hergerichtet und mit aller Sorgfalt wurde von den Teilnehmern des Wett
bewerbs der Koch- und Bratoorgang beobachtet. Bei der Herstellung der Gerichte lieh man es sich angelegen sein, zeitgemäße Speisen zuzubereiten. So lautete die Ausgabe auf Herstellung eines schmackhaften Eintopfgerichtes, ferner aber auch auf die Zubereitung der verschiedensten Fischarten. Auch einige Fleischgerichte wurden hergestellt, um den Prüflingen eine möglichst universelle Betätigung zu ermöglichen. Die gestellten Aufgaben wurden zum Teil sehr gut gelöst. Die Köche brachten ihre Gerichte in einer hervorragend schönen Form auf den Tisch. Während die Köche in der Küche bei der Arbeit waren, beschäftigten sich die Kellnerlehrlinge mit der Herrichtung der Tische für die verschiedenartigsten Speisefolgen, für Wein, Bier oder Kaffee usw. Es war dabei zu erkennen, daß eine ganze Anzahl der Prüflinge mit viel Geschick und gutem Geschmack zu Werke gingen und erfreuliche Leistungen zeigten.
Zum Abschluß der Prüfung saß man dann gemeinsam zu Tisch. Der Kreiswettkampfleiter für den Handel (dem das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe einaeordnet ist), Pg. Büttner, hielt eine kurze Ansprache, gab seiner Befriedigung Ausdruck über die gezeigte Arbeit, empfahl aber auch, alle Möglichkeiten der Weiterbildung, wie sie die DAF. biete, auszunützen. Der Wettkampf hat durch die Betriebsführer im Gaststättengewerbe eine erfreulich starke materielle Unterstützung erfahren.
Wettkampf her Gruppe Hanhel.
Die Oeffentliche Handelslehranstalt am Oswalds- garten stellt ihre Schulräume für die Wettkämpfe der 286 Teilnehmer der Gruppe „Der Deutsche Handel" zur Verfügung, die in die Untergruppen „Großhandel", „Einzelhandel" und „Industrie" aufgeteilt wurde.
Am Dienstag traten hier die Teilnehmer des 1. und des 3. Lehrjahres, sowie die schon länger im Berufsleben Stehenden zum Wettbewerb an, der mit einem kurzen Appell eröffnet wurde. Der Leiter dieser Wettkampfgruppe, Pg. Heydt von der DAF., sprach zu den im Hofe Versammelten Worte von Dr. Ley über „Aufgaben und Ziele des Reichsberufswettkampfes" und der stellvertretende Kreisbeauftragte, HI. - Unterbannführer Ungelenk widmete ihnen einige aufmunternde Worte zur Hergabe ihres besten Könnens. Er wünschte ihnen einen guten Erfolg und erklärte damit den Wettkampf für eröffnet.
Nach der Aufteilung in die entsprechenden Untergruppen begannen dann die Arbeiten, die in der Niederschrift eines Aufsatzes und einiger Rechenaufgaben sowie in der Beantwortung berufskund- licher und weltanschaulicher Fragen, weiterhin in
Buchführungsarbeiten, warenkundlichen Aufgaben, in Kurzschrift und Maschinenschreiben bestanden. Für die einzelnen Jahrgänge waren entsprechende Steigerungen der Ausgaben vorgesehen. Die weiblichen kaufmännischen Lehrlinge und Angestellten hatten am Nachmittag noch hauswirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Am heutigen Mittwoch kamen dann die Lehrlinge des 2. Lehrjahres und die Junggehilfen (Klasse 5) daran, die in der Kaufmännischen Berufsschule in der Liebigstraße ihren Wettkampfort haben.
Für die Durchführung und Ueberwachung dieser Arbeiten hatten sich die 14 Lehrkräfte der Oeffent- lichen Handelsschule sowie 20 Berufskameraden zur Verfügung gestellt.
Gleichzeitig waren auch die D r o g i st e n «m regen Wettbewerb, für die die Aufgaben der Eigenart ihres Berufes angepaßt waren.
Zum ersten Male Handelsschüler höbet
Der diesjährige Reichsberufswettkampf sieht zum erstenmal auch die Beteiligung der Handelsschüler vor. In Gießen nahmen über 300 Schüler und Schülernnen der Oeffentlichen Handelsschule an diesem Wettbewerb teil. Die Ausgaben für diese Teilnehmer wurden im theoretischen Teil durch Buchführungsarbeiten, im praktischen Teil durch Aufgaben in englischer Sprache, in Kurzschrift und Maschinenschreiben und praktische Handelsfragen erweitert. Die einzelnen Aufgaben waren entsprechend den Schuljahren und Altersklassen gesteigert. Die Leitung dieses Wettkampfabschnittes war dem Leiter der Oeffentlichen Handelslehranstalt Dr. Kruse übertragen.
Die oberhessischen Brauer bei Ihring-Melchior.
Für den Reichsberufswettkampf trafen sich die oberhessischen Brauer am gestrigen Dienstag in L l ch, um sich im Betrieb der Brauerei Ihring- Melchior zum Leistungskampf zu stellen. 28 oberhessische Brauer nahmen daran teil, und zwar 14 Lehrlinae und 14 ausgelernte Brauer, insbesondere Austausch-Brauer, die im Laufe von 6 Jahren nach ihrer Lehrzeit in immer wieder einem anderen Betrieb arbeiten sollen, um so ihr fachliches Können auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen.
Der Wetkampf der Brauer wurde in zwei Gruppen durchgeführt. Während sich ein Teil mit den theoretischen Aufgaben beschäftigte, hatten sich die anderen der praktischen Arbeit zu widmen. Die theoretischen Aufgaben stellten entsprechend den Leistungsklassen verschieden schwere Aufgaben und verlangten auch Rechnungen, die das ganze Können
Köche am Herd im Reichsberufswettkampf Gruppe „Handel" bei der Arbeit.
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der Teilnehmer herausforderten. Die Prüflings konnten schon hier beweisen, in welchem Ausmaß ihnen die Materie vertraut ist, mit der sie täglich zu arbeiten haben. Die praktische Arbeit führte zunächst in die Mälzerei, schließlich aber auch in den- Gärkeller und in die Lagerräume. Die Mitglieder der Prüfungskommission konnten sich dabei mit raschem Blick davon überzeugen, wie es mit der praktischen Arbeit der Prüflinge bestellt war. denn an vielen Einzelheiten erkennt der Fachmann, welche Auffassung ein junger Mann von seiner Arbeit hat, wie er an sie herangeht, ob er planmäßig vorgeht und ob es mit der nötigen Geschicklichkeit geschieht. Auch in der weltanschaulichen Prüfung hatten die Prüflinge nachzumeisen, daß sie dem Zeitgeschehen folgen und bewußt in der Volksgemeinschaft stehen.
Für die praktische Prüfung bot die Brauerei Ihring-Melchior günstige Bedingungen. Die umfangreiche Mälzerei bot viel Gelegenheit zu praktischer Arbeit. Die vorbildlichen Einrichtungen der
Besser abends - aber auch morgens
Chlorodont
Brauerei waren für die Prüflinge außerdem eine wertvolle Anschauung. Für die theoretischen Aufgaben fand man sich im alten „Trinkstübchen", wie auch in dem neugeschasfenen Gemeinschaftsraum der Brauerei ein und widmete sich mit allem Ernste der Arbeit. Die Leitung des gesamten Wettkampfes lag in den Händen des Gau-Fachfchaftsleiters Löffler (Frankfurt a. M.). Ihm standen bewährte Fachleute zur Seite.
Aus der Stadl Gießen.
Oer Zauber her Maskerahe.
Farbenreich wie die Palette eines Malers prangen die Schaufenster mit bunten Trachten- und Phantasiestoffen, mit künstlichen Blumen und Goldflitter, mit kindlichen Musik- und Lärminstrumenten, mit harmlos papiernen Waffen, wie Konfetti, Luftschlangen und Pritschen, zu neckisch-spielerischen Angriffen und ebensolcher Abwehr geschaffen und lockend, besonders wenn der Glanz abendlicher Licht- flut sie überschimmert, jung wie alt, zumal Mädchen und Frauen, die gerne mit großen, leuchtenden Augen verweilen und sich heimlich ein Kostüm zurechtdichten, das alle Männerblicke fesseln soll. Um ihnen Wahl und Entschluß zu erleichtern, zeigen lebensgroße Konfektionspuppen in mannigfacher Maskerade, was Blondinen. Brünetten und Schwarzen, was Schlanken und Vollschlanken am reizvollsten steht. Alle deutschen Landschaften, wo noch Trachten üblich sind, haben sich mit ihren farbenfrohen Eigenarten eingefunden, und die noch grellere Buntheit südlicher Zonen und ferner exotischer Länder gesellt sich hinzu. Für letztere werden sich mit Vorteil viele Schwarzhaarige entscheiden und, je nach Geschmack und Temperament, in das Kostüm einer spanischen „Carmen", einer mexikanischen „Farmerin", oder einer japanischen „(Äisha" schlüpfen. Typen wie „Postillon", „Rosen- kaoalier", „Tambourmajorin" oder „Till Eulenspiegel" geben Schlanken die erwünschte Gelegenheit, ihre Beine bewundern zu lassen.
Der Zauber der Maskerade: einmal, und sei es nur für wenige Nachtstunden, eine andere spielen zu können, eine andere zu scheinen, als man wirklich ist, nimmt das Frauenherz unwiderstehlich gefangen. Und die schelmische Faschingsfee lächelt, wie im Märchen, jeder leisen Wunschregung verher-
Oie „Ausstellung -es 3U>mcHum0//.
Don unterem H.H.-Äerichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Rom, im Februar 1938.
Das neue Italien hat vieles nachzuholen, was »cs alte versäumt hat. Im Jahre 1901 waren 2000 (Zrhre vergangen seit der Geburt des größten ronn- säen Feldherrn und Staatsmannes, Julius Lös ar. Aber niemand kam damals auf den Ge° Linken, dieses Jubiläum zu feiern. Heute denkt mn anders. Wenn am 23. September dieses Jahres W Geburtstag des ersten römischen Kaisers, Augu- ijtiis, des Großneffen jenes Cäsar, sich zum 2000. Dale jährt, wird das neue Imperium alles tun, un diesen Ehrentag des alten Imperiums festlich ji begehen. ~ ,
Rom denkt in großen Zeiträumen. Darum hat mnn diesem durch Augustus auf die Hohe des Welt- rc ches ae ührten Römertum eine gewaltige Aus- tslluna gewidmet, die ein ganzes Jahr lang die Erinnerung wachrufen soll an jene glanzvollen A iten, und die mit der eigentlichen Augustusseler an 23. September ihren glorreichen Abschluß finden ioib. Die „Mostra Augustea della Romamta seit bem Jahre 1932 von einer großen Anzahl jüngerer Fachmänner unter Leitung öe%'Pror^’i!iorrf dar Archäologie an ber Universität Rom, G i g l i o l i, Dcrbereitet, gibt, im Palast ber Via Nazionale beim K»niaspalast, bem Quirinal, untergebracht, in Der Iit einen Ueberblick über bie gesamten Leistungen b(5 Römischen Reiches, bes größten aller un Altertum bestehenben Weltreiche: Leistungen auf bem ©.•biet ber gesamten menschlichen Kultur. Man v-iß, was bas alte Rom in bieser Beziehung ge- säaffen hat: bie moberne Welt steht auf den Schul- te-n Roms. Nicht allein in ben meisten europäischen Zubern, sonbern auch in Norbafrika unb tief bis ncch Asien hinein zeugen gewaltige Denkmäler von der Größe unb Sebeutung bes römischen Kaiser-
Die Aufgabe war schwer und ungewöhnlich. Von de- aus sagenhaftem Dunkel auftauchenben Grundig ber Stabt Rom im 8. vorchristlichen Jahr- bimbert bis zur Aufzeichnung bes Römischen Rechts ui Beginn bes 6. Jahrhunberts unserer Zeitrech- nmg, also aus beinahe vierzehn Jahrhunderten, Duren bie Zeugnisse zu sammeln, bie in unzähligen ös entliehen Museen unb Privatsammlungen vermut liegen. Diese Zeugnisse sinb zu einem großen Kile monumentaler Art. Es war von vornherein
ausgeschlossen, Tausenbe von Tonnen Steine nach ber italienischen Hauptstabt zu schaffen. Man hat besroegen vernünftigerweise auf Driginalgegenftänbe ganz verzichtet unb ausschließlich Kopien ausgestellt. Das minbert ben Wert ber Ausstellung keineswegs herab, sonbern kommt nur ihrer Einheitlichkeit zugute. Im übrigen hat bie Reprobuktions- technik einen solchen Grab ber Vollkommenheit erreicht, baß bie Nachbilbungen nicht mehr von ben Originalen zu unterscheiben sinb. Wir haben anläßlich ber Ausstellung „Sport in ber Antike" in Berlin währenb ber letzten Olympiabe Gelegenheit gehabt, uns von bieser Vollkommenheit zu überzeugen. Mancher Museumsbirektor hat bem Professor Giglioli gestanben, er habe vor ber Abschickung bie Kopien nach Stücken seiner Sammlung betasten müssen, aus Furcht, man könne bie wirklichen Gegenstänbe eingepackt haben.
Mehr als 3000 Gipsabgüsse unb 300 Mobelle sinb auf biese Weise angefertigt worben, bie bie Denkmäler ber Architektur unb Plastik roiebergeben: Amphitheater, Tempel, Bäber, Paläste, Triumphbögen, Brücken, ferner Statuen, Büsten, Altäre, Sarkophage, Reliefs, Jnschrifttafeln — gar nicht zu reben von ben galvanoplastischen unb photographischen Reprobuktionen von Golbschmiebe- arbeiten, Münzen, Gemmen, Waffen unb Rüstungen, ber Nachbildung von Schlachtfeldern, Befestigungsarbeiten, Schiffen, Fahrzeugen, Möbeln, Hausgeräten, Musikinstrumenten, Mosaiken, Wandmalereien, Bildnisse sind in den Originalfarben täuschend wiedergegeben. Der Orientierung bient eine Menge geographischer Karten unb Panoramen. Dabei ist der ungeheure Stoff klar gegliedert: man hat auf bie Gruppierung nach Orten unb Provinzen verzichtet, bie boch nur ermübenbe Wieberholungen ergeben hätte, unb bafür nach ben einzelnen Lebensgebieten geordnet. Man hat also straff organisiert, wie es dem Wesen bes römischen Weltreichs entspricht, unb genießt babei ben Vorteil, Denkmäler ber verschiedensten Herkunft miteinander zu vergleichen: etwa einen südfranzöfischen mit einem nordafrikanischen Triumphbogen, eine Bäderanlage in Deutschland mit einer auf italienischem oder spanischem Boden.
Drei große Abteilungen sind unterscheidbar: Geschichte, Architektur und Privat- und G e s e 11 s ch a f t s l e b e n. Die erste ist die umfänglichste. In vielen Sälen, die man von einem gewölbten Dorraum aus betritt — er ist geziert mit den Figuren der Wölfin des Kapitols, die Romulus und Remus, die sagenhaften Begründer der „Ewigen Stadt", säugt, und der Viktoria von Brescia —, durchwandert man die Entwicklung Roms vom Hirten- und Kriegerborf über die an
fangs noch schlichte republikanische Periobe, in ber bie Etrusker, bie Gallier, bie Punier unb Griechen- lanb niebergeroorfen würben unb Roms militärische Tüchtigkeit am großartigsten sich entfalten konnte, in ber aber auch bie grimmigsten Bürgerkriege mehr als einmal ben Bestanb bes Staates gesährbeten, bis zu Cäsars Diktatur. Ein eigener Saal ist ihm allein geweiht. Seine Kriegstaten, namentlich bie in Gallien, führen ausgezeichnete Mobelle, bie bas historische Institut für bas Geniewesen unter Leitung bes Generals Clause11i geschaffen hat, vor Augen. Die Beschreibungen seiner Lager- unb Brückenbauten haben hier Gestalt gewonnen.
Aber nun gelangen wir erst zum Mittelpunkt der ganzen Schau: zu den acht Sälen des Augustus und feiner Familie, des „goldenen Zeitalters", das von den Schriftstellern, Dichtern und Künstlern verherrlicht worden ist, und in dem man den ersten Kaiser noch zu seinen Lebzeiten zur Gottheit erhob. Die überlebensgroße Statue, die ihn mit verschleiertem Antlitz, das Füllhorn des Segens in ber Hanb, barstellt, gibt nicht ben Menschen wieder, sondern die Idee bes Kaisertums. Der Vorraum bes Augustustempels von Angora, ben eine italienische Expebition 1910 ausgegraben hat, ist samt bem in seine Wänbe eingegrabenen „Testament bes Augustus" in natürlicher Größe hier ausgestellt. Jeber Kaiser bekommt nach Augustus seinen eigenen Raum; farbige Diapositive in ben Wänben zeigen bas allmähliche Anwachsen bes Imperiums, bas unter Trajan vom Atlantischen Ozean bis nach Persien reichte.
Mit gutem Grunb hat man bem römischen Heerwesen einen ganzen Saal eingeräumt, ber einer ber sehenswertesten geworben ist. Auf bem Militär ruht ber römische Staat. Der Name „Imperator", ben ber Kaiser führte, heißt „Befehlshaber", unb wer nicht eine bestimmte Zeit als Offizier bei ber Truppe gestanben hatte, bürste kein öffentliches Amt befleiben. Die Legionen unb ihre Felbzeichen, bie Belagerungsgeschütze, bie Angriffsmethoben, Be- tleibung unb Bewaffnung bes einzelnen Solbaten, seine Auszeichnungen, sein Gepäck, bas Transport- unb Scmitätswefen, zuletzt sein Grabmal, werben oorgesührt. Im Nachbarraum kann man bas römische Seewesen ftubieren: Hanbels- unb Kriegsschiffe, Organisation unb Taktik ber Flotte, bie Häfen unb bas alles überragt von einer Statue des Abmirals, ber bie für bie Begrünbung der Kaisermacht entscheidende Schlacht bei Actium gewonnen hat, Agrippa. Das Rechtswesen beleuchten alle erhaltenen Erlasse und Gesetze, zuletzt das Gesetzbuch des Justinian im 6. Jahrhundert, bas in ber Reformationszeit auch in Deutschland Geltung gewann. Das frühe Christen
tum hat sich nur durch feine enge Anlehnung an die Organisation des Weltreiches so schnell zu der beherrschenden Kirche entwickeln können; die Katakombe erinnert an die Verfolgungszeit, die Basilika an die Anerkennung durch den Staat.
Der Römischen Idee gehört der letzte Saal, ber bie Vergangenheit mit ber Gegenwart verknüpft. An ben Wänben bie Bilbnisse aller Männer, bie für biese Römische Jbee gewirkt haben. Neben einem Mobell bes letzten antiken Triumphbogens, bem bes Konstantin, bie Photographie des Triumphbogens von Bozen, und die des Bauwerks, das an bie Reise bes Duce nach Libyen erinnert. Eine Siegesgöttin aus bem Altertum wirb eingerahmt von ben Büsten Viktor Emanuels III. und Mussolinis. Darunter ist die Rede wiedergegeben, mit ber bieser am 10. Mai 1936 „bie Wiebererscheinung bes Kaiserreichs auf ben Schicksalshügeln Roms" ankünbigte. Immer roieber, im 14. Jahrhunbert mit ber Renaissance, im 19. mit bem „Risorgimento“, ber politischen (Einigung Italiens, hat bie Jbee bes Imperiums neues Leben gewonnen. Sie ist unsterblich — bas ist ber Sinn ber „Mostra Augustea della Romanitä“.
Der Doppelgänger.
Henrik Ibsen war währenb seines langjährigen Münchener Aufenthaltes Stammgast im Cafe Maximilian. Täglich zwischen zwei unb drei Uhr tränt er dort seinen Nachmittagskaffee, und als der Dichter weltberühmt geworden war, kamen viele Fremde, um den „Magus aus dem Norden" zu betrachten. Das Cafe war daher auch an diesen sonst stillen Stunden überfüllt. Als Ibsen eines Tages auf längere Zeit verreiste, blieben die enttäuschten Besucher bald wieder fort. Da verfiel man auf eine glänzende Idee. Nachmittags zwischen zwei und drei Uhr saß an Ibsens Platz ein Schauspieler mit bem weißen Backenbart, ber Goldbrille unb ber altmobischen Kleidung, trank seinen Kaffee, las norwegische Zeitungen — kurz, der ganze Ibsen. Bald war das Cafe wieder überfüllt. Eines Tages erschien der richtige Ibsen unvermutet wieder auf dem Schauplatz, und als er sich selber auf feinem alten Platze sah, erschrak er furchtbar und war schrecklich aufgeregt, während der Schauspieler sich würdevoll erhob und den Platz gemessen verließ... Damit war die Glanzrolle des Schauspielers natürlich erledigt; aber er ging später nach Amerika, wo er lange Zeit davon lebte, baß er sich bei Ibsen- Aufführungen als der „persönlich anwesende Autor" verbeugte. Dieses Geschäft, das seinen Mann ernährte, setzte er auch noch fort, als Ibsen bereits gestorben war.iM


