Vorsicht vor Kohlenoxydvergiftungen.
Die starke Kälte in den letzten Tagen hat dem Reichsarbeitsminister Veranlassung gegeben, vor ungeeigneter Beheizung der Arbeits- und Aufenthaltsräume, der Aborte und der Einstellräume von Kraftwagen zu warnen. Bei jeder Verbrennung von Kohlen, Leuchtaas und Motortreibstoffen kann Kohlenoxyd in gesundheitsschädlicher, ja selbst in tödlicher Menge entstehen. Es ist deshalb gefährlich und unzulässig, geschlossene Räume mit offenem Kohlenfeuer ohne Abzug der Verbrennungsgase zu Heizen. Auch sogenannte Glühsteine aus Kirhler- und Autoheizungen dürfen zum Beheizen geschlossener Räume nicht benutzt werden. Ihre mißbräuchliche Benutzung hat in dem kalten Winter 1928/29 tödliche Unfälle verursacht. Besonders gewarnt werden muß vor der Beheizung der Garagen durch Motorabgase. Das Laufenlassen des Motors in geschloffenen Einstellräumen für Kraftwaaen ist lebensgefährlich und deshalb unbedingt verboten.
Gießener Dochenmarktprelfe.
* Gießen, 22. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse S 15, Klasse A 14%, Klasse B 14, Klasse C 13%, Klasse D 12%, ausländische Kühl- haussier, Klasse B 10%, Wirsing, % kg 9 lns 10, Weißkraut 7, Rotkraut 9 bis 10, gelbe Rüben und Karotten 8 bis 10, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 15 bis 30, Feldsalat, Vw 8 bis 10, Tomaten, % kg 50, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 35 bis 55, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,50 Mark, Aepfel, % kg 40 bis 50 Pf., Nüsse 50 bis 60 Pf., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Gänse 1 bis 1,30, Enten 1,20 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 20 bis 50, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40 Pf.
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** Ein Dreiundachtzigjähriger. Am morgigen Freitag, 23. Dezember, kann der Rentner Christian Hau b ach in geistiger und körperlicher Frische seinen 83. Geburtstag feiern. Der hochbetatzte Mann, der seit 18 Jahren bei seiner Tochter im Hause Asterweg 31 wohnt, stund lange Zeit tm Dienste des Ortsgerichts Gießen und ist weit und breit in dieser Eigenschaft bekannt geworden. Wir beglückwünschen den alten Herrn herzlich zum Ge- burtstag. ...
** E i n Dreiundsiebzigiahrrger. Am heutigen Donnerstag vollendet der Ehrenobermei- ster der Herren-Schneider-Jnnung für den Kreis und die Stadt Gießen, Schneidermeister Robert Gärtner, Ludwigstraße 59, in aller geistigen und körperlichen Frische sein 73. Lebensjahr. Schneidermeister Gärtner war Mitbegründer der Schneiderinnung und deren langjähriger Obermeister. Außerdem ist er Ehrenmitglied des Bauerschen Gesangvereins, dem er seit über 40 Jahren als aktiver Sänger angehört. In der Kriegerkameradschaft ist er seit 30 Jahren Mitglied.
"DasStädtischeVolksbad gibt bekannt, daß während der Feiertage die Badezeiten geändert sind. An den Samstagen des 24. und des 31. Dezember wird das Bad jeweils um 15 Uhr geschlossen. Äm Mittwoch, 28. Dezember, und am Mittwoch, 4. Januar, ist die Schwimmhalle von 10 bis 13 und von 14.30 bis 19 Uhr geöffnet.
** Tödlicher Unfall. Der 24jährige Pferde- pfleger Ziegler wurde bei seiner Arbeit im Stall von einem Pferd so unglücklich getroffen, daß er einen Schädelbasisbruch erlitt und sofort in die Chirurgische Klinik gebracht werde mußte. Leider erlag der hoffnungsvolle junge Mann bald nach seiner Einlieferung den Folgen der erlittenen schweren Verletzung.
450000 Mark Steuerstrafe.
Lpd. F r a n k f u r t a. M., 21. Dez. Wieder mußte ein Jude wegen Steuerhinterziehung bestraft werden. Das Finanzamt Frankfurt-Ost hat gegen den Juden Benedikt Cahn., Frankfurt a. M., Gärtnerweg 5, wegen fortgesetzter, vorsätzlicher und zum eigenen Vorteil bewirkter Verkürzung der Einkommensteuer für die Jahre 1927 bis 1932 eine Geldstrafe von 150000 Mark festgesetzt.
Gießener Trachtragshaushalt für 4938.
Nach Beratung mit den Ratsherren in Krast getreten. - Jagd- und Fischereisteuer.
Oberbürgermeister Ritter hatte die Ratsherren der Stadt auf den gestrigen Mittwochnachmittag zu einer öffentlichen Sitzung eingeladen, in der einige Vorlagen, die noch vor dem 1. Januar 1939 bei der Landesregierung zur Genehmigung einzureichen sind, mit'den Natsherren zur Beratung kamen, damit der Oberbürgermeister fristgerecht seinen Entschluß über diese Angelegenheiten fassen konnte. Wichtigster Punkt war ein
7!ichtrags-HauShaltsp!an für 1938
als Ergänzung des diesjährigen außerordentlichen Haushaltsplans. Durch diesen Nachtrags-Haushalt wurden für den außerordentlichen Haushaltsplan in Einnahme und Ausgabe weitere 649536RM. festgesetzt, wodurch sich die Gesamteinnahmen und -ausgaben im außerordentlichen Haushaltsplan von 1 654 993 RM. auf 2 3 0 4 5 2 9 RM. erhöhen. Hinsichtlich der Darlehen, die zur Bestreitung von Ausgaben des außerordentlichen Haushaltsplans bestimmt sind, bleibt es bei dem in der ursprünglichen Haushaltssatzung bestimmten Gesamtbetrag von 1 228 337,85 RM.
Nach Beratung mit den Ratsherren erhob der Oberbürgermeister diesen Nachtrags-Haushaltsplan mit der entsprechenden Satzung zum Beschluß.
Aus dem Nachtrags-Haushaltsplan sind folgende Punkte von besonderem Interesse:
Für das Stadthaus Bergstraße ist noch eine Aufwertungshypothek in Höhe von 17 900 RM. zu tilgen, die durch die Verwendung eines entsprechenden Rechnungsrestes zurückgezahlt werden soll.
Der Umbau der unteren Kaiserallee und der L i ch e r Straße bis zur Stadtgrenze kostet, vom Hindenburgwall ab gerechnet, 330 000 RM. Davon sind im Haushaltsplan 1938 bereits 95 000 RM. vorgesehen. Von den verbleibenden 235 000 RM. werden 220 000 RM. durch ein von dem Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen gewährtes anteilmäßiges Darlehen gedeckt, die restlichen 15 000 RM. werden einem Rechnungsrest entnommen.
Von den Kosten des am Alten Friedhof errichteten Bedürfnis, und Verkaufshauses entfallen auf die Stadtoerwallung 5755 RM., die aus einem Rechnungsrest gedeckt werden. Die Kosten für die in diesem Bauwerk mit untergebrachte Transformatorenstation und für die Wartehalle der Straßenbahn sind zu Lasten dieser Betriebe gegangen.
Die Errichtung der B a u /r n s ch ä n k e bei der Viehversteigerungshalle Rhein- Main kostet insgesamt 41 000 RM. Davon sind 11000 RM. bereits im Nachtrags-Haushaltsplan für 1937 bereitgestellt. Die verbleibenden 30 000 RM. werden nunmehr aus einem Rechnungsrest ihre Deckung finden.
Für die Schweinemästerei des EHW. sind 1200 Mark Mehrkosten beim Bau des ersten Stalles noch zu decken, die jetzt aus einem Rechnungsrest gezahlt werden sollen. Die Hauptkosten dieses Bauwerks im Betrage von 60 000 Mark sind bereits im Nachtragshausyalt für 1937 eingestellt worden.
Oberbürgermeister Ritter machte bei dieser Gelegenheit die Mitteilung, daß im kommenden Früh- fahr ein zweites großes Stallgebäude fürdas EHW. errichtet werden soll, das von der Stadt der NSV. zur Förderung ihrer Arbeit zur Verfügung gestellt wird. Für dieses neue Stallgebäude werden 45 000 Mark vorgesehen. Nach der Errichtung dieses weiteren Stallbaues wird es der NSV. möglich sein, insgesamt rund vierhun- dertSchweine zur Ma st aufzustellen und damit alle in Gießen bereitstehenden Küchenabfälle zu verwerten.
Zur Erhöhung der Stammeinlage der Stadt bei der Gemeinnützigen Wohnungsbau -G. m. b. H. Gießen sind noch 42 781 Mark erforder
lich, die einem Rechnungsrest entnommen werden sollen. Die Erhöhung beziffert sich insgesamt auf 70 000 Mark. Der übrige Betrag zwischen dieser Gesamtsumme und der nunmehr vorgesehenen Ausgabe ist bereits im Nachtragshaushaltsplan für 1937 vorgesehen.
Im übrigen sind einige weitere Posten für Wohnungsbauten als Positionen in durchlaufender Rechnung in dem Nachtrags-Haushaltsplan enthalten. Es handelt sich dabei um die Finanzierung der Wohnhausbauten im Schwarzlachgebiet ufw.
Städtische Zagd- und Fischereisteuer.
Nach Beratung mit den Ratsherren beschließt der Oberbürgermeister folgendes: Die Stadt Gießen erhebt ab 1. April 1938 eine Jagd- und Fischers i st e u e r an »Stelle der bisher vom Lande Hessen erhobenen Steuer dieser Art. Die Steuersätze betragen, wie bereits bei der Landes-Jagd- und -Fischereisteuer, für Inländer 15 v. H., für Ausländer 60 v. H. des Jagdwertes.
Auf dem Trieb hielt gestern abend die Partei mit ihren Gliederungen die Feier der Wintersonnroende ab. Weit umstanden SA., HI., die übrigen Gliederungen der Partei und eine Vertretung der Wehrmacht den Holzstoß. In der Seitenfront der Volkshalle wurden die Sturmfahnen aufgestellt.
SA.-Sturmbannführer Adler erstattete dem Kreisleiter Meldung, der den Formationen den deutschen Gruß entbot. SA.-Mann Nieren entbot den Vorspruch: „Wo auch immer die Fahne steht, stehen auch wir!" Dann traten, einer nach dem anderen, vier Sprecher an den Holzstoß heran, die aus dem Osten, dem Süden, vom deutschen Strom im Westen und aus dem hohen Norden, um nach altem Brauch ihre Grüße an das kommende Licht zu überbringen.
Der Musikzug der SA.-Standarte 116 spielte das Flammenlied, die Sprecher traten an den Holzstoß heran und ließen die Flammen aufsteigen, die hell aufsprangen und weit in die Nacht hinaus leuchteten.
Kreisleiter Backhaus
hielt die Feuerrede. Er führte die Gedanken der Volksgenossen in dieser feierlichen Stunde, da die längste Nacht des Jahres sich zum Ende neigt, im Geiste in jene Zeiten, in denen die Vorfahren schon durch solche Feuer die Sonnwende draußen in der Natur erwarteten. Und so wie sie es taten, so sollen auch jetzt wieder jedes Jahr, in der Zeit, in der die Sonne sich wendet und das Licht zu uns kommt, auf allen Bergen die Flammen in die Nacht hinein lodern zum Zeichen, daß das Volk brüderlich zusammensteht im großen Deutschen Reich. Der Kreisleiter machte verständlich, daß unsere Vorfahren, die noch in dunklen Wohnungen hausen mußten und die noch keine Bücher besaßen, durch die sie über die letzten Ereignisse unterrichtet wurden, mit ganz anderen Empfindungen die Sonn- menbe feierten und das auskommende Licht begrüßten. Sie waren mit der Natur noch inniger verbunden und kamen auf den Bergen zusammen, um mündlich ihre Erlebnisse auszutauschen und sich gemeinsam des kommenden Frühlings zu freuen. Dieter alte Brauch war fast verlorengegangen. Andere Geisteshaltungen, die die alten Ueberlieferungen zerstörten, drängten ihn in den Hintergrund, aber die Grundhaltung des Volkes ist unverfälscht geblieben. Das danken wir der Reinheit des Blutes und dem Schöpfer, der unser Volk aus einer besonderen, der germanisch-deutschen Rasse schuf. Der Kreisleiter betonte in diesem Zusammenhang, daß Deutschland
Konzessionsabgabe der gemeindlichen Verkehrsbetriebe. Die städtischen Werke, die jetzt als „Stadt- werke Gießen" auch die Straßenbahn und den Omnibusbetrieb verwaltungsmäßig mit umschließen, haben für ihre Verkehrsbetriebe (Straßenbahn und Omnibus) an die Stadt alljährlich eine Konzessionsabgabe (Wegebenutzungsabgabe) in Höhe von 15 v.H. des Jahresumsatzes der jährlichen Betriebsroherträge abzuführen. Die Satzung für diese Zahlungspflicht tritt mit Rückwirkung vom 1. April 1937 in Kraft.
Oer Dusklang.
Nach einer kleinen Aenderung einer Polizeiverordnung für die Sicherheit in und vor dem Stadttheater und nach der feierlichen Vereidigung einiger Ratsherren schloß Oberbürgermeister Ritter die Sitzung mit herzlichen Wei'hnachts- und Neujahrswünschen für die Ratsherren und mit dem Gelöbnis zu weiterer, allezeit einsatzfreudiger Mitarbeit a™ Werk des Führers.
nur bestehen bleiben wird, wenn das Blut rein erhalten bleibt. So sollte auch dieser Abend die heilige Verpflichtung sein, zusammenzustehen in unverbrüchlicher Treue und immerzu bestrebt sein, das große Licht, das unter dem Führer aufgegangen ist, auch dem deutschen Volke zu erhalten. In diesem Sinne soll auch auf die Jugend eingewitkt werden, daß sie teil hat an diesen Feiern.
Der Kreisleiter wies auf die Bedeutung dieser Dintersonnwercke hin, die die erste ist im Groß- deutschen Reich, die die Feuer "auf den Höhen'des Böhmerwaldes, dem Erzgebirge und auf den schlesischen Bergen mit denen der deutschen Ostmark und des Altreiches zu einer einzigen großen Sonnwendfeier vereinigt. Und wie das deutsche Volk groß, einig und zukunftsgläubig an den Sonnwendfeuern zum Führer und zu Großdeutschland das Treuebekenntnis ablegt, so erneuerte der Kreisleiter auch in dieser feierlichen Stunde, in der die Flammen zum Himmel aufloderten, das Gelöbnis zu Führer und Volk mit dem Wahrspruch aus dem Rathaus in Eger:
„Das höchste Gut, des Mannes ist fein Volk / das höchste Gut des Volkes ist sein Recht / des Voltes Seele lebt in seiner Sprache / dem Volk, dem Recht und seiner Sprache treu soll uns der Tag, wird jeder Tag uns finden!"
Hierauf traten Sprecher aus den einzelnen Kampfformationen und aus den Gliederungen vor, die mit Feuersprüchen chre Kränze den Flammen übergaöen. Hierauf entzündeten vier Mann die Fackeln an dem Flammenstoß und trugen nach den vier Himmelsrichtungen schreitend das Feuer zu ihren Kameraden, und in kurzer Zeit schloß sich ein leuchtender Ring um das prasselnde Feuer. Kreisleiter Backhaus vereinte die Volksgenossen und Kameraden im Treugruß an den Führer, der hell über den weiten Platz hallte und ein vielfaches Echo fand. Die Lieder der Nation beschlossen die feierliche Stunde.
Die Leier brr ff.
Zu später abendlicher Stunde fanden sich gestern auf dem Gleiberg die Kameraden der ff, der Polizei und der Hitler-Jugend in verschworener Gemeinschaft zu einer Sonnwendfeier ein, die zu einem eindrucksvollen Erlebnis wurde. Die Burg Gleiberg war von einem Leben erfüllt, wie es sonst in dieser winterlichen Zeit dort oben .nicht alltäglich ist. Bald wurden Wachsfackeln entzündet, die Mannschaften der drei Formationen traten an, die Fackelträger gingen voraus und beleuchteten den Weg über Fels
Winter-Gonnwendfeuer leuchten —
Die Feier der Partei auf dem Trieb.
Will IWM Weill?
Roman von Hubert Rausse.
Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.
12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
7. Kapitel.
Im v-Zug nach Schwerin waren alle Fenster offen. Der Wind ließ nie Garbienen flattern unb brachte Kühlung nach den heißen Tagen. Der Atem der Kornfelder, die sich ringsum dehnten hügelauf, hügelab, war im ganzen Zug zu spüren, lieber den langen Reihen der Garben ging langsam der Mond auf. In den Tiefen der abendlichen Landschaft braute ein milchiger Nebel. Und darüber, von Horizont zu Horizont, stand die tiefblaue Sternenglocke des Himmels.
Ein gottgesegnetes Bauernland! dachte Jago Schmid.
Wann ist doch das Fest auf Losnitz?
Am Abend schaute er von seinem Hotelzimmer auf den morrdversilderten Pfaffenteich. Ueber den Anblick von soviel Wasser tröstete er sich mit einem weißen Bordeaux, blond wie Elisabeth.
Hier im „Stern" pflegen auch die Hellfahrs zu wohnen.
Er hat den Wirt so beiläufig nach den Treb- feinem gefragt. Der machte ein andächtiges Gesicht:
„Die alten Herrschaften! Prima, prima! Waren oft auch im Schloß geladen. Aber die haben viel Unglück gehabt: zwei Söhne blieben im Krieg, die Tochter wurde Schauspielerin, und der junge Herr, der Trebbin übernommen hat — er zuckte die Achseln —, es soll auch nicht weit her sein mit ihm."
Auch! Auch! Das geht auf die Schauspielerin!
Jago hatte seine gute Laune schon wieder. Wo Roggen und Kartoffeln gar so gut gedeihen, konnte man für die dramatischen Künste keine besondere Anteilnahme verlangen. Am folgenden Morgen ließ er sich den Leiter seiner Bankvertretung ins Hotel kommen. Der Kauf des Jagdgutes war bald ab» ?ieschlosfen. Die Unterlagen hatte er seit Monaten tudiert. Das Gut Plöhne mar zweifellos billig, wenn man in Peseten rechnen konnte; es hat sich in guten Jahren verzinst, erforderte aber unter den derzeitigen Verhältnissen Zuschüsse. Jago lehnte langwierige Erklärungen ab.
„Danke, ich bin im Bilde. Wie oft hat der Jäger den früheren Besitzer zu Gesicht bekommen?"
„Eigentlich nur, wenn er ein paar Böcke oder gelegentlich einen Hirsch schießen wollte!"
„Nun, so oft werde ich auch kommen können. Und dem Jäger wird es gleichgültig sein, ob er einem Schmid dient oder einem Lehmann. Und die an gebauten Stücke sind verpachtet? Und die Pächter sind gewohnt, bei Ihnen zu verrechnen?"
Der Bankbeamte nickte.
„Nun, bann wäre also alles klar. Die Abrechnungen gehen über Ihre Berliner Zentrale an mein Remscheider Büro."
„Jawohl! So lauten auch meine Anweisungen!"
Der junge Bankbeamte machte einen sympathischen Eindruck. Er beobachtete den blonden Riesen aus Spanien mit dem allergrößten Interesse. Die Zentrale hatte von Berlin extra angerufen und ihn auf die Wichtigkeit des Kunden aufmerksam gemacht. Das mar also der erste. Milliardär seines Lebens: denn das Familienkapital der Firma mit etlichen Millionen Peseten umgerechnet in Mark ... Er dachte nach, und aus diesem Nachdenken heraus jagte er:
„Der neue Dollarkurs ist 340."
Jago sah ihn ein rnenig erstaunt an. Aber er brauchte ihn ja noch und brauchte ihn sogar immer wieder, und deshalb sagte er sehr freundlich:
„Danke! Er wird auch weiter steigen! Wenn Ihnen mit dieser meiner privaten Meinung gedient sein sollte — es wird in Deutschland bald wieder Millionäre geben, arme Millionäre natürlich! Aber nun zu Dem Fall Trebbin! Was haben Sie feststellen können?"
Der Bankbeamte zeigte sich vorzüglich informiert. Er hatte die sachlichen Angaben über Größe, Nutzung, Ertragfähigkeit des Gutes, über frühere und neue Belastung feit der Umstellung in einem übersichtlichen Bericht geordnet.
„Sie scheinen gute Beziehungen zu haben!" lobte Jago, „Woher kennen Sie die neue Belastung mit der Goldklausel so genau? 18 500? Da ist also abgezahlt worden. Von einer anderen Seite ist mir 25 000 gemeldet worden."
„Stimmt, so hoch war die Leihsumme ursprünglich, im Januar 1919. Es sind also 6500 Mark zurückgezahlt!"
.Zn drei Jahren und außer der Verzinsung — das ist ganz anständig und läßt auf eine ordentliche Arbeit schließen."
Der Bankbeamte nickte. Jago sah ihn an.
„Es gibt Leute, die dem jungen Helliahr die Schuld geben!"
„Zu Unrecht", glaube ich. „Ich kenne ihn nicht, aber ich kenne die Zahlen. Wenn Trebbin verkauft werden muß, ist der Vertrag mit der Goldklausel schuld!" 1
„Auch nicht eigentlich", sagte Jago, „sondern die Inflation, die man Januar 1919 noch nicht ahnen konnte. Dieser Goldklauselvertrag ist eine Dummheit oder ein Peck, aber keine Schuld. Und was wissen Sie nun üver den Vertrag sonst noch?"
„Alles!" Der Bankbeamte machte ein stolzes Gesicht.
„Der Privatbankier, bei dem der junge Hellfahr das GeU> damals aufnahm, ist uns restlos verpflichtet. Wir können uns heute ruhig als die wahren Geldgeber betrachten. Wenn Trebbin also wirklich verkäuflich werden sollte, so werden wir als Erste unsere Hand im Spiel haben ..."
„Ja!" sagte Jago. Er dachte nach. Sollte er dem Mann die Wahrheit sagen? Wenn nein, wurde vielleicht ein unnötiger Druck ausgeübt, wenn ja. — ,2Iber das war einfach unmöglich! Denn hier handelte ja nicht der Kaufmann, sondern — er war ehrlich genug, sich das einzugestehen — der Liebhaber, und das konnte man dem sympathischen Bankbeamten doch schwerlich verständlich machen.
„Ich bin Ihnen für Ihre klare Auskunft dankbar. Ich werde Ihrem höchsten Chef gern persönlich sagen, wie genau und, darüber hinaus, roie verbindlich ich hier bedient worden bin. Und jetzt bitte ich, die folgenden Richtlinien in dem Fall Trebbin strickte einzuhalten: kein Druck! Die Verhältnisse sich ruhig entwickeln lassen! Monatlich genauer Bericht — ob Abzahlungen kommen, welche Rückstände usw. — an mein Remscheider Büro!"
Der Bankbeamte mar entlassen Er ging mit der Ueberzeugung, daß dieser deutsche Spanier zu seinem Jagdgut auch Trebbin sich aneignen wolle. Natürlich in aller Form und Ehrbarkeit, aber immerhin — so eine Art norddeutsche Sommerresidenz am Schweriner See für die heißen Monate, wo es in Madrid und am Manzanares nicht auszuhalten war.
Natürlich, mit Petersen ließ sich alles machen!
Schmid verließ am Abend Schwerin mit dem Bewußtsein, die notwendigsten Schritte getan zu haben.
„Passieren — von außen her, als Unglück oder Schicksalsschlag — was man so passieren nennt, kann jetzt in Trebbin nichts. Das müßte ich so rechtzeitig erfahren, daß ich es verhindern kann. Und sonst? Von innen her?"
Jago Schmid mar kein Philosoph. Aber er war ein Mensch, der sehr viel gesehen und erlebt hatte, der zwei Länder und vier Sprachen genau kannte, und der dem Schicksal in jenen Jahren nach dem Krieg in allen möglichen Gestalten begegnet war — so stark wie sein gesundes Mißtrauen war auch
sein Glaube an seinen Stern. Er war, wenn man so will, ein Phantast. Aber ein Phantast, der mit einem sehr wachen und klaren Verstand ins Reich der Träume marschierte r— bewußt und wissend, daß jedes echte Glück jeden großen Einsatz wert ist. Wer nichts wagt, kann nichts gewinnen.
Er kannte Elisabeth, und er glaubte an sie.
8. Kapitel
Die Herzogin kommt auch!
Wenige Tage vor dem Losnitzer Fest lief diese Kunde von Gut zu Gut durch die ganze Nachbar» schäft. Der Herzog hatte eine prachtvolle Besitzung am Schweriner See. Und da er selbst die meiste Zeit des Jahres auf Expeditionen und Jagden in Afrika weilte, lebte die junge Herzogin viel bei ihren Eltern im Süden.
Aber sie war im Lande und wollte kommen!
Auch Vater Hellfahr entschloß sich nun endgültig, in seinen alten Frack zu steigen und das Fest mitzufeiern.
„Nicht wegen dem Beeren, aber wegen der Herzogin!" sagte er zu Elisabeth, „sie ist eine scharmante Dame!"'
„Das macht das süddeutsche Wesen!" entgegnete Elisabeth.
„Das tut es", sagte der Alte. „Seit den alten Zimbern und Teutonen sind wir in das Südliche verliebt. Als ich vor einem halben Jahrhundert in Rostock mein Jahr ab diente, hab ich mich in die Frau eines jungen Professors verguckt, die eine Wienerin war. ,Verguckt* — düs war ihr Ausdruck; in Wirklichkeit war ich bis über alle Ohren verschossen!"
„Und jetzt mit deinen siebzig Jahren gehst du zum Losnitzer Fest nur deshalb, weil die scharmante Herzogin kommen wird!"
„Ganz recht! Sie ist als Prinzessin in einem kleinen Haus groß geworden — jedenfalls nichts Regierendes, und an eine Herzogin hat die Prinzessin damals nicht entfernt gedacht. Und bas gefällt mir, daß sie auch als Herzogin hier im Ndr« den die kleine Prinzessin aus dem Süden geblieben ist."
„Aus welchem Hanfe?"
„Ich weiß es nicht einmal! Hohenlohe, Hohenstein — so was ähnliches."
Elisabeths Neugier war geweckt, sie wollte alles wissen: rote alt, wie schön, rote man sie anrede?
„Mit Hoheit", sagte der Vater, „ein paar Jahre älter als du, dafür dreifache Mutter und eine kluge, bezaubernde Frau."
(Fortsetzung folgt!)


