Oerdeutsche Außenhandel im Oktober
Fwd. Die Ergebnisse der deutschen Handelsstatistik, die bisher lediglich den Außenhandel des Altreichs darstellten, schließen vom Oktober ab auch den Warenverkehr der an das deutsche Zollgebiet angrenzenden sudetendeutsche Gebiete mit dem Ausland ein. Dagegen wird der Warenverkehr zwischen dem bisherigen deutschen Wirtschaftsgebiet und dem gesamten Sudetengebiet vom Oktober ab in der deutschen Handelsstatistik nicht mehr als Außenhandel nachgewiesen. In den Oktober-Ergebnissen sind allerdings noch gewisse Posten aus der Zeit vor der Eingliederung enthalten, die dem. Statistischen Reichsamt verspätet gemeldet wurden.'^Der Außenhandel der Ostmark wird bis zur Einführung des deutschen Zolltarifs in Oesterreich wie bisher vom Handelsstatistischen Dienst des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit in Wien erfaßt und besonders veröffentlicht. Dom Oktober ab schließen die Ergebnisse der österreichischen Handelsstatistik den Außenhandel der an das österreichische Zollgebiet angrenzenden sudetendeutschen Gebiete ein, während der Warenverkehr zwischen dem Lande Oesterreich einerseits und den sudetendeutschen Gebieten anderseits nicht mehr als Außenhandel nachgewiesen wird. — Bei einem Vergleich der Oktober-Ergebnisse mit den Zahlen für die vorangegangene Zeit sind diese Aen- derungen zu berücksichtigen.
Im Außenhandel Großdeutschlands betrug im Oktober die Einfuhr 526,3 Mill. RM., die Ausfuhr 490,2 Mill. RM. Gegenüber dem September ist die Einfuhr um 33,7 Mill. RM., die Ausfuhr um 48,4 Mill. RM. höher ausgewiesen. Die Handelsbilanz Großdeutschlands schließt mit einem Einfuhrüberschuß in Höhe von 36,1 Mill. RM. gegen 50,9 Mill. RM. im Vormonat ab.
Die Einfuhr des A l t r e i ch s zuzüglich der von der deutschen Handelsstatistik erfaßten sudetendeutschen Gebiete betrug im Oktober 475,3 Mill. RM. Gegenüber der Einfuhr des Altreichs im Vor- inonat ergibt sich somit eine Steigerung um 25,2 Mill. RM.
Die Ausfuhr des A l t r e i ch s , sowie der angrenzenden sudetendeutschen Gebiete betrug im Oktober 466,5 Mill. RM. Sie war damit um 50,6 Mill. RM., d. h. 12,2 v.H., höher als die Ausfuhr des alten Reichsgebiets im September, und zwar entfällt die Steigerung des Ausfuhrwerts fast ausschließlich auf das Ausfuhrvolumen.
Die Handelsbilanz des Altreichs einschließlich der von der deutschen Handelsstatistik erfaßten sudetendeutschen Gebiete schließt im Oktober mit einem Einfuhrüberschuß von 8,8 Mill. RM. ab, nachdem im Vormonat für das alte Reichsgebiet ein Passivsaldo von 34,2 Mill. RM. zu verzeichnen war.
Kunst und Wissenschaft.
Einsamkeit und Gemeinschaft im dichterischen Schaffen.
Mit einer Morgenfeier fand die 5. Reichsar- beitstagung des Amtes für Schrifttum s p f l e g e in Berlin ihren Abschluß. Rach dem ersten Satz der Jupiter-Symphonie von Mozart ergriff Professor Koch von der Universität Berlin das Wort zu einer Ansprache, die sich mit dem Motto auseinandersetzte, unter das die diesjährige Tagung gestellt worden ist: „Einsamkeit und Gemeinschaft". Wir dürfen Ursprung und Ziel der Dichtung nicht «mit ihrem Entstehen verwechseln. Sie kommt aus dem Herzen der Gemeinschaft, ist aber in der schöpferischen Stille der Einsamkeit entstan
den, die nicht mit einem gemeinschaftsabgewandten Individualismus verwechselt werden darf.
Anschließend sprach Hans Carossa von der „Beschaulichkeit des schöpferischen Schaffens": er ging davon aus, daß es Zeiten gegeben hgbe, in denen sich scheinbar die Einsamkeit des Schaffenden im Wirken für die Gemeinschaft völlig auflöste, wo die Werke gleichsam unter den Augen des ganzen Volkes geschaffen wurden. Es seien dies Zeiten gewesen, in denen alle Angehörigen eines Volkes den gleichen Glauben und das gleiche Weltbild in in der Seele getragen hätten. So seien Michelangelos und Dantes Werke entstanden, so habe Shakespeare geschaffen. Wenn wir uns aber heute in diese Werke vertiefen, so liegt ihre Wirkung auf uns doch in einem Unwägbaren, Seelenhaften, aus der Einsamkeit Kommenden. In jedem großen Künstler scheine etwas von jenem elbenhaften Wesen zu leben, das unter dem Namen Ariel durch Shakespeares letztes Schauspiel geistert.
Rach dem zweiten Satz der Jupjtersymphonie sprach der Dichter E. G. Kolben Heyer über das Thema der Tagung „Einsamkeit und Gemeinschaft". Die Spannungsweite zwischen Ich und Gemeinschaft werde durch keine Kunst tiefer erfaßt als durch die Dichtkunst. Die Dichtkunst stelle eine Lebenshilfe in diesem Spannungsverhältnis dar. Die tiefste Lyrik komme aus diesem Erlebnis. Die lebendige Tatkraft und das Leben zwischen Ich und Gemeinschaft haben heute im Nationalsozialismus ihren politischen Ausdruck gefunden, die dem biologischen Aufbau der Rassen entspricht.
Ausstellung des Hilfswerkes für deutsche bildende Kunst in Frankfurt.
NSG. Am 26. November wird im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt eine interessante Ausstellung eröffnet, deren Träger das Hilfswerk für deutsche bildende Kunst in der NS.- Volkswöhlfahrt ist. Zweck dieser Ausstellung ist eS, unbemittelten, Künstlern, die noch um die Formgebung ihrer Kunst ringen und häufig wirtschaftlichen Beschwerlichkeiten ausgesetzt sind, den Weg freizumachen. Ein Besuch dieser Ausstellung vermittelt einen Einblick in das Werden und Heran- reifen einer neuen Künstlerschaft. Reichsminister Dr. Goebbels hat 1936 das Hilfswerk für deutsche bildende Kunst, dessen organisatorische Durchführung dem Hauptamt für Volkswohlfahrt übertragen wurde, geschaffen. Diese Einrichtung dient nicht allein der Aufgabe, den Künstlern Mirtschaftlich zu helfen, sondern ist gegründet worden aus der Verpflichtung, allezeit einzutreten für die schöpferischen Kräfte unseres Volkes.
Fünfzig Jahre Pasteur-Jnstiluk.
Das Pasteur-Institut in Paris, das den Namen des Erfinders des Tollwutserums trägt, konnte dieser 'Tage sein fünfzigjähriges Bestehen feiern. Dos Institut, dessen Hauptaufgabe in der Erforschung der Keimträger ansteckender Krankheiten besteht, wurde am 14. November 1888 gegründet. Die Mittel wurden damals durch eine öffentliche Sammlung aufgebracht. Die amtliche Gedenkfeier, zu der auch zahlreiche ausländische Wissenschaftler erwartet werden, wird erst im Frbruar 1939 stattfinden.
Ausgrabung einer römischen Villa bei Graz.
Im Gebiet des Grazer Beckens, im sogenannten Kaiserwald, südlich von Graz, sind Reite einer großen römischen Villa aus dem'4. Jahrhundert nach Christo entdeckt worden. Oesüich des Kaiserwaldes führte eine alte Römerstraße von der größten römischen Siedlung auf steirischem Boden, Flavia Solva, durch das Dturtal nach Kärnten. Im September dieses Jahres begannen die Aus-
grabungsarbeiten, die jetzt zur Freilegung des Grundrisses einer Villa führten. Das Gebäude umfaßte eine Bodenfläche von rund 100X160 Meter. Damit stellte es die größte bisher aufgefundene Römervilla der Ostalpen dar. Man ninnnt an, daß es sich um den Verwaltungssitz eines römischen Beamten handelte. Wertvolle Funde, Badeeinrichtungen, Warmluftheizung, Malereien und Wandverkleidungen in pompejanischem Rot, geben bemerkenswerte Aufschlüsse über jene spätrömische Zeit.
Aus aller Wett.
Vegnadigungen durch den Führer.
. Der Führer und Reichskanzler hat die gegen die Eheleute Paul und.Martha Schröder vom Schmurgeericht in Swlp wegen gemeinschaftlichen Mordes ihres neugeborenen, Kindes erkannten Todesstrafen im Gnadenwege in Zuchthaus- strafen von je 15 Jahren umgewandelt, weil die Verurteilten in ernster Notlage aus schwerster Sorge um ihrer und ihrer drei Gebenden Kinder Fortkommen gehandelt haben. .Der Führer und Reichskanzler hyt ferner die vom Schwurgericht Hannover gegen Franz Heise wegen Mordes erkannte Todesstrafe im Gnadenwege in eine 15jährige Zuchthausstrafe umgewandelt. Der Verurteilte hatte ein uneheliches Kind seiner späteren Ehefrau gleich nach der Geburt getötet.
Ein Dolmelscherseminar in Kassel.
Die Beziehungen des Reiches zu anderen Ländern, die- sich immer mehr ausweiten, machen es erforderlich, Dolmetscher heranzubilden. Diesem Ziel dient die Einrichtung des Dolmetscherseminars in Kassel, das jetzt im Kulturhaus zugleich mit der Eröffnung des Berufsseminars der kurhej- sifchen Rechtswohrer, das aus einem Rechtsseminar, einem Wirtschaftsseminar und einem Dolmetscherseminar besteht, eröffnet wurde. Reichsgruppenwal- ter Prof. Dr. Noack (Berlin) sprach bei dieser Ge- legenheit über das Thema „Staat und Volk, Führerprinzip in der Rechtspflege". Gauamtsleiter Mesferschmidt wies darauf hin, daß eine Reihe von ausländischen Juristen, so aus der Schweiz, Dänemark, Bulgarien und Italien, für Vorträge verpflichtet sei. Er eröffnete dann das Berufsseminar und betonte, daß das Dolmetscherseminar das erste im Reiche sei.
Eine kugel aus dem Weltkriege nach 20 Jahren ausgehustet.
Im Reichsbahnausbesserungswerk Kassel ereignete sich ein eigenartiger Vorfall. Ein 46jähriger Schmied aus Elgershausen hätte im Weltkrieg einen Lungensteckschuß erhalten. Die Kugel konnte bisher nicht entfernt werden. Dieser Tage verspürte der Mann plötzlich Schmerzen und starken Hustenreiz. Er mußte husten, wobei ihm die seit über 20 Jahren im Körper befindliche Kugel aus dem Munde flog. Er fand Aufnahme im Diakonissenkrankenhaus.
Unfall oder verbrechen?
In Stolberg (Bezirk Aachen) kamen zwei kleine Kinder durch Rauchvergiftung ums Leben. Vorübergehende bemerkten, daß aus einer Wohnung starker Qualm hervordrang. Man öffnete gewaltsam die Tür der Wohnung und fand zwei Kinder im Alter von IV? Iah en und fünf Monaten tot vor. Brennvorräte in der Nähe des Küchenherdes standen in Brand und hatten die Zimmer völlig ver- qualmt. Da es zweifelhaft erscheint, ob ein Unglücksfall oder ein Verbrechen den Tod der Kinder herbeiführte, wurde die 22jährige Mutter, die die Wohnung schon Stunden vorher verlassen hatte, f e st g e n o m m e n. Es besteht der Verdacht, daß l'jie sich gewaltsam ihrer Kinder entledigen wollte.
Der Ehemann macht gegenwärtig eine Gefängnis« strafe wegen Kindesmißhandlung ab, die er an dem dreijährigen unehelichen Kind feiner Frau begangen hat. Auch die Frau soll nach der Rückkehr ihres Mannes aus dem gleichen Grunde eine Gefängnisstrafe verbüßen.
Großer Devisenschmuggel in Rumänien verhindert.
In einem der größten Textilwerke Rumäniens, in der Fabrik Isvroeanu in Bucau, wurde dieser Tage eine Haussuchung vorgenommen. In einem der Wagenlager wurde hinter einem Berge von Textilballen eine große Kiste aufgefunden. In ihr fanden die Polizeibeamten eine Million eng» lische Pfund in Banknoten, verschiedene andere fremde Banknoten im Werte von neuneinhalb Millionen Lei und achtzig Kilogramm Goldmünzen fremder Länder. Die Kiste sollte ins Ausland geschmuggelt werden. Der Direktor der Fabrik, mehrere führende Angestellte und Zwei Zoll- beamte der Stadt wurden verhaftet.
Bala wegen Devifenschmuggel verhaftet.
Wie das amtliche Organ der NSDAP, im Gau Sudetenland, „Die Zeit", aus Leitmeritz mel- bet, ist der bekannte Schuhindustnele Bata wegen versuchten Devisenschmuggels von Organen der deutschen Finanzgrenzwache verhaftet worden. Bata hatte zusammen mit seinem Neffen in Leitmeritz geweilt und fiel beim Grenzübertritt durch fein nervöses Gebaren auf. Eine, sofort vorgenommene Untersuchung führte zu der Feststellung, daß er 164 000 englische Pfund bei sich trug, die er in die Tschecho-Slowakei zu schmuggeln beabsichtigte. Die Devisen sollen bisher in einem Tresor des früheren Batahauses in Leitmeritz verborgen gehalten worden sein. Bata wurde in das Gefängnis des Landgerichts Leitmeritz eingeliefert.
Rundfunkprogramm
Mittwoch, 23. November.
6 Uhr: Morgenlied, Morgenspruch. Gymnastik, 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Maurermeister und Musiker zugleich. 11: Anläßlich der Badischen Gaukulturwoche: Eröffnung der 150 gemeindlichen Volksbüchereien. Es spricht Gauleiter und Reichsstatthalter Robert Wagner. 11.45: Ruf ins Land. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Kleine Melodie, dich vergess' ich nie ... 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Betriebsführer sorgen für ihre Gefolgschaft. 16: Kaffee verkehrt. Die Wiener Mittwoch-Jause bringt Gesang, Musik und Fröhlichkeit. 18: Ein Wort an alle. 18.10: Trainer und Spieler. 18.20: Freudenspender im Winter. 18.30: Klaviermusik. 19: Fliegendes Deutschland. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Großes Konzert. 22: Nachrichten. 22.30: Musik aus Wien. 24: Nachtkonzert I.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigen Teil: Ernst Blumfchein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. D. 21. X. 38: 10013. Druck unb Verlag: Brühlfche Universitätsbruckerei R.Lange, K.°G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.' 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
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