Ausgabe 
22.9.1938
 
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Prag nimmt an

qLbracht. Die schärfste Sprache führte der Vertreter zur Unterstützung der gerechten Forderungen-der im- des ungarischen nationalen Studentenverbandes, Jo- garischen _ ^ronttompfer °^rderte, h lt P sef Arnbrus, der versicherte, daß Ungarn nicht Zadravecz die Schlußansprmhn de er Gottes mehr weiter warten könne und daß die ungarische negen erbat, auf daß die mächtige Kundgebung d Jugend sofort bereit sei, sich in Marsch zu setzen. ungarischen Volkes zum Erfolge fuhr«. D ie !v

Nach einer Botschaft des ungarischen Frontkämp- lammlung schloß mit dem Absmgen der ungarrsche

Chamberlains letzte Vorbereitungen

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Nach einer Botschaft des ungarischen v fer-Führers, Abgeordneten Martseteny, an die französischen und englischen Frontkämpfer, die er

Ser Mm mit den manschen Staatsmann«« Ws dem Sbersalzberg.

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Nationalhymne. Aehnliche Kundgebungen fanden auch in allen übrigen Städten Ungarns statt.

Um 19.20 Uhr verkündete derPragerRund- f u n k in tschechischer Sprache, daß die Prager Re­gierung die englisch-französischen Vorschläge ange­nommen W Der Sprecher betonte mit deutlich fühlbarer Niedergeschlagenheit, daß sich die Regie­rung zur Annahme gezwungen sah, nachdem ihr Vorschlag, das Problem einem internationa­len Schiedsgericht zu unterbreiten, abge- lehnt worden war und die englische und franzö­sische Regierung kategorisch erklärt hätten, sie könn­ten keinen Krieg führen. Der Regierungs­sprecher forderte dann die ganze Bevölkerung zur Ruhe und Ordnung auf, weil sie andernfalls den Staat bloß schwer schädigen würde. Die Regierung und der Präsident seien ^entschlossen, den Staat un­ter den neuen Lebensbedingungen zu führen.« Gleich nach der Bekanntgabe, daß die Prager Re­gierung den Vorschlag der britischen und der fran­zösischen Regierung angenommen hatte, wird fol­gender Textdes Kommuniques der tschecho­slowakischen Regierung bekannt.Die tschecho-slowa- kische Regierung hat sich unter dem unwiderstehlichen Druck der britischen und der französischen Regierung gezwungen gesehen, schmerzerfüllt die in London ausgearbeiteten Vorschläge anzunehmen."

Der Führer und Reichskanzler hatte am Dienstag eine Besprechung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten auf dem Berghof. Unser Bild zeigt Adolf Hitler im Gespräch nut feinen Gästen. In der Mitte Ministerpräsident von Irnredy und (links) Außenminister von K a n y a. (Presse-Illustrationen-Hoffmann-M.)

Die Prager Regierung hat durch die Verschlep­pung ihrer Antwort bis auf die letzte Minute und durch die gleichzeitig von ihr systematisch betriebene Steigerung des bolschewistischen Terrors bis zum Aeußersten die letzten Möglichkeiten für eine Rege­lung aus der Hand gegeben, zu der ihr der Weg fett -vollen vier Monaten durch das Uebermaß deut­scher Geduld offengestanden hat. Inzwischen ist eine völlig andere Lage entstanden, für die es völlig be­deutungslos geworden ist, daß Herr Benesch sich endlichschmerzerfüllt" entschlossen hat, die Londo­ner Vorschläge anzunehmen. Man glaubt in Prag vielleicht, durch solch sentimentale Worte Mitleid zu erwecken ohne zu spüren, daß die vom Tschechentum drangsalierten Volksgruppen den so gefühlvoll zum Ausdruck gebrachten Schmerz des Herrn Benesch und Konsorten als eine Verhöhnung ihres Kampfes um die primitivsten Lebensrechte empfinden müssen. Schmerz darüber, daß ein System maßloser Unter­drückung sein Ende findet, Trauer darüber, daß die von der tschechischen Tyrannenherrschaft befreiten Völker jetzt ihre Zukunft selbst bestimmen dürfen. Das ist ein jämmerlicher Grabgesang, den die bis­herigen Prager Machthaber anstimmen. Er ändert in seiner Würdelosigkeit nichts an der harten, aber gerechten Sprache der Tatsachen.

Siegen oder sterben!"

Bit allen zu Gebote stehenden Mitteln." Eine Erklärung Jmredhs.

Budapest, 21. Sept. (DNB.) Aus Berchtes­gaden zurückgekehrt, erklärte Ministerpräsident J.m - r e d y , er habe zusammen mit Außenminister von Kanya auf dem Obersalzberg eine eingehende Besprechung mit dem Führer und dem Reichsaußenminister von Ribbentrop geführt. Die Bedeutung dieser Besprechung werde noch gesteigert durch den Umstand, daß der deutsch-eng­lische Gedankenaustausch fortgesetzt werde.

Die ungarische Ration fordert einmütig Oberungarn zmülk

Massenkundgebung fordert Revision des Diktats von Trianon.

Die gestrigen Besprechungen hätten sich aus­schließlich um die tschecho-slvwakische Frage gedreht. Vor einigen Tagen hätten die ge­wählten und berufenen Vertreter des in der Tsche- cho-Slowakei lebenden Ungartums das Selbstbestim­mungsrecht für die Ungarn in der Tschecho-Slowakei gefordert. Dieser Ruf der ungarischen Stammes­brüder habe im ganzen Lande Ungarn orkanartigenWiderhall gefunden. Die un- garische Regierung kenne ihre Pflicht, die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen, sie zu fördern und ihr zum Triumphe zu verhelfen. In diesen geschichtlich bedeutsamen Stunden kenne jeder Ungar nur eine Pflicht: Einigkeit und Disziplin.

Aus dem Seldenplatz in Budapest.

Budapest, 21. Sept. (Europapreß.)Wir legen die Trauer ab, es lohnt sich wieder, Ungar zu sein , so leiten die Abendblätter die Riesenkundgebung der ungarischen Nation auf dem Budapester Heldenplatz für die Befreiung des Ungarischen Oberlandes ein. Auf dem Freiheitsplatz in Budapest, wo seit zwan- zig Jahren die Landesfahne auf Halbmast weht, wurde zu Beginn der Massenversammlung die Nationalflagge gehißt. Schon um 16 Uhr war in allen öffentlichen und privaten Betrieben die Arbeit eingestellt worden, damit die Arbeiter und Angestellten der Kundgebung beiwoh- nen können. Aus allen Städten und Dörfern Un­garns sind Abordnungen in der Hauptstadt erschienen. Unbeschreiblicher Jubel begeistert die mit Fahnen und Musik aufmarschierenüen Kolonnen der nationalen Verbände, an deren Spitze Bilder des ungarischen Reichsverwesers, des Füh­rers und Reichskanzlers und des italienischen Regie­rungschefs getragen werden. Andere Plakate ver­künden die'Parole der Massenversammlung: Zu- rück mit dem ungarischen Oberland! Wir fordern das Selbstbestimmungsrecht für unsere Waffenbrüder des Oberlandes! Wir fordern ge- meinsame Grenzen mit unseren pol­nischen Brüdern! Die größte Begeisterung unter den Hunderttausenden lösten die in der tschecho­slowakischen Uniform mitmarschierenden ungarischen, sudetendeutschen, slowakischen und ukrainischen Soldaten aus, die erst in den letzen Tagen ihre Frontstellungen an der slowakisch-ungavischen Grenze verlassen hatten und nach Ungarn geflüchtet waren.

Schätzungsweise waren mehr als 300 000 Men­schen auf dem Heldenplatz versammelt. Der erste Redner war der Vizepräsident des Spitzenverban­des der Nationalen Vereinigungen und frühere Feldbischof, Pater Zadravecz, der Gerechtig­keit für die ungarische Volksgruppe in der Slowakei auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes forderte. Seine Rede wurde häufig von Zwischenrufen wie Nieder mit den Tscheche n",Nieder mit Trianon" undW i r f o r b e*r n alles zurück' unterbrochen. Pater Zadravecz schloß seine Rede mit den Worten:Wir fordern entweder durch Volks­abstimmung oder auf einem anderen kürzeren Wege alles zurück. Nicht morgen, sondern noch heute. Wir glauben, daß wir auch mit friedlichen Metho­den das ungarische Oberland zurückerhalten können, Sollte das aber nicht gehen, so werden wir es mit festem Willen zurückverlangen." Die Tschecho-Slo­wakei müsse auf ihre Bestandteile zurückgeführt werden. Sodann schwor die Kundgebung den feier­lichen Eid, daß sie nicht ruhen werde, solange Un­garn nicht mit den abgetrennten Brüdern wieder vereinigt sei. Minutenlang hqrte man den RufNie­der mit Trianon".

Es sprach dann ein Redner des Verbandes der Ungarn aus der Slowakei, Adalbert Horvath, der der Hoffnung Ausdruck gab, daß-. England und Frankreich' nun Gerechtigkeit walten lassen werden. Bei der Erwähnung des Namens Chamberlain hörte man lebhafte Hochrufe auf den englischen Mi­nisterpräsidenten. Unmittelbar darauf wurden wie­der Heilrufe auf Horthy, Hitler und den Duce aus»

Prag, 21.Sept. (DNB.) Das Tschecho-Slowa- kische Preßbüro teilt mit: Heute um 17 Uhr emp­fing der Minister für auswärtige Mgelegenheiten, Dr. Krofta, den französischen und Den britischen Gesandten und erteilte ihnen im Namen der Re­gierung die Antwort auf deren gemeinsame heute um 2 Uhr früh beim Präsidenten der Repu­blik unternommene Demarche. Wie das Tschecho- Slowakische Preßbüro dieser Meldung beifügt, wer­den mit dieser Antwort die Verhandlungen über den formalen Vorgang l fachlichen Durchführung der sch l ä g e ausgenommen, welche die französische und die britische Regierung der tschecho-slowakischen Re­gierung am 19. September 1938 zu machen für notwendig befunden haben.

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Konrad Henlein bei den sudetendeutschen Flüchtlingen.

Annaberg (Erzgebirge), 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) Auf einer Besichtigungsfahrt durch sächsische Flüchtlingslager stattete Konrad Hen­lein in Begleitung von SA.-Obergruppenführer S ch e p m a n n und verschiedenen führenden Män­nern der sudetendeutschen Partei am Mittwochnach­mittag auch der Stadt Annaberg einen Besuch ab. Er besuchte erst auf dem Schillerplatz die dort auf­marschierten sudetendeutschen Flüchtlinge und unter­hielt sich mit ihnen herzlich. Dann begab er sich in das Annaberger Rathaus, wo er sich ins goldene Buch der Stadt Annaberg eintrug. Vom Balkon des Rat­hauses richtete Konrad Henlein an die etwa 10 000 Volksgenossen aus dem oberen Erzgebirge einige Worte, die mit großer Begeisterung aufgenommen wurden.

Im Namen der Männer 'bes sudetendeutschen Freikorps", so sagte er,und des gesamten Sudeten­deutschtums danke ich euch allen, daß hr uns jo herzlich und so gastlich aufgenom­men habt. Wir sind von drüben zu euch her- übergekommen, nicht weil wir Sorge um unser Leben hätten, sondern weil wir entschlossen sind, mit der Waffe in der Hand die Frei­heit unserer Heimat zu erkämpfen. Ihr wißt, daß ich steckbrieflich verfolgt werde. Ihr wißt, daß meine Partei aufgelöst ist. Aber ich habe als Antwort, auf die staxke Kraft des Su­detendeutschtums bauend, den Aufruf für das Sudetendeutjche Freikorps erlassen Die Freikorpsmänner kennen nur eins: S i e g e n oder sterben. Daß wir siegen werden, ist mein uner­schütterlicher Glaube."

Deutschenverfolgung auch in den Dolksiunisinseln.

I g l a u , 21. Sept. (DNB.) Di^tschechifche Staats- Polizei unter Führung des durch seinen Sadismus berüchtigten Polizeidirektors Wiedemann, eines Tschechen mit deutschem Namen, übt seit einigen Tagen allen Deutschen gegenüber ein furcht­bares Terrorregiment aus. Es werden Haussuchungen bei den deutschen Einwohnern vor- qenommen, wobei die Polizei wie Einbrecher haust. Alles, was den Beamten wertvoll scheint, wird be­schlagnahmt und mitgenommen. In erster Linie haben sie es auf Gold- und Silbergegsnstände und auf Kleidung abgesehen. Die Bezirksstelle der SDP. ist vollkommen demoliert worden. Das übriggeblie- bene Mobiliar wurde gestohlen. Ein Teil der Möbel­stücke wurde in die Privatwohnungen von Staats­polizeibeamten gebracht. Auch das Privateigentum des Personals, darunter Mäntel und Kleider, wurde mitgenommen. Eine ähnliche Meldung kommt aus Landskron, wo die tschechische Polizei sich i n denHäusernderDeutschen einquartiert hat. Die Polizeibeamten stoßen die Drohung aus, daß kein Deutscher die Volkstumsinsel von Iglau lebend verlassen werde, wenn erst einmal der Augenblick des Aufstandes gekommen sei.

London, 21. Sept. (Europapreß.) In den Abendstunden begab sich Ministerpräsident Cham­berlain zum König, um ihm über die Nach- Mittagssitzung des Kabinetts sowie über seine be­vorstehende zweite Begegnung mit Adolf Hitler Bericht zu erstatten. Beim Verlassen der Downing- Street wurde der Ministerpräsident, der sehr zuver­sichtlich aussah, von einer großen Menschenmenge b e g e i ft e r t begrüßt. Für d'en Flug des Mi­nisterpräsidenten nach Köln hat die britische Air- ways-Gesellschast eines ihrer neuesten Flugzeuge, eine amerikanische Lockheed-Super- Electra-Maschine, zur Verfügung gestellt. Die gleiche Maschine hatte am vergangenen Sonntag einen Re­kordflug von London nach Stockholm in viereinhalb Stunden durchgeführt. Die Maschine wird von den beiden Flugkapitänen Robinson und King ge­steuert: ein Funker bildet die Ergänzung der Be- satzung. Eine zweite Lockheed-Electra-Maschine mit einer Besatzung von vier Mann wird das Flugzeug des Ministerpräsidenten begleiten. Chamberlain wird den Flugplatz Hefton Donnerstag früh gegen 10 Uhr verlassen. Jin Falle schlechten Wetters sind kleine Abänderungen des Reiseprogramms möglich. Der Ministerpräsident wird von Sir Horace Wilson, Sir William Malkin, Berater des Foreign Office, und Mr. S t r a n g sowie Mr. H u m p h r e y - D a - Dies, seinem Privatsekretär, begleitet werden.

Chamberlain gehe nach Godesbera, so schreibt die Time s", mit den besten Wünschen des ganzen Landes für eine friedliche und ehrbare Bereinigung des tschechischen Problems. Die augenblicklichen Grenzen der Tschecho-Slowakei seien n i ch t i rn ge­ringsten heilig. Vor 20 Jahren habe man sie gezogen, und zwar habe man sie nach Ansicht vieler, die sich ein Urteil leisten formten, falsch g e zogen. Unter diesen Leuten hätten sich damals auch Vertreter der Labour-Partei befunden, deren Nach­folger heute genau das Gegenteil sagten. Chamber­lain verdiene den Dank Englands nicht nur dafür, daß er die eigentliche Kriegsgefahr beseitigt habe. Seine Mission umfasse mehr als das. Es handele sich nicht allein darum, den Frieden zu erhalten, sondern auch eine Lösuna zu finden und jedem Versuch, eine Bereinigung durch Gewalt herbeizuführen, sich zu widersetzen.

Daily Telegraph" bedauert zwar die Pra­ger Regierung, betont aber gleichzeitig,^daß der auf Prag von Paris und London ausgeübte Druck nicht aus Mangel für Sympathie für die Tschechen, sondern zur Rettung des Friedens ausge» übt worden fei.Daily Expreß" betont, daß mit nüchternem Auge gesehen dieses Ende unver­meidlich gewesen sei. Eden habe gestern ein Wehgeschrei ausgestoßen und Chamberlains Vor­gehen kritisiert. Seine Rede könne man nicht an­ders auslegen, als daß England in den Kampf ziehen solle, wenn andere Völker dieser Ansicht seien. Dieser Rat komme ausgerechnet von dem Mann, der die Engländer überredet habe, den Tei­lungsplan Abessiniens zurückzuweisen. Der­selbe Mann sei aber später nicht in der Lage ge­

wesen, die Abessinier gegen die traurigen Folgen dieser Zurückweisung zu schützen. Glücklicherweise aber sei das englische Volk entschlossen, nicht auf fremden Rat zu hören, sondern sein eigenes Schick- al selbst zu schmieden.

Daily Mai l" erklärt, was für Sympathien man immer auch für die Tschechen habe, es bleibe eine historische Tatsache, daß man von ihnen ledig­lich verlange, diejenigen Gebiete und Bevölkerungen abzugeben, die man von Rechts wegen niemals hätte unter ihre Herrschaft geben sollen. Die Nach­kriegsprobleme müßten in irgendeiner Weise gelöst

London, 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) In Stratford-on-Avon hat sich der frühere Außen­minister Eden zur Lage geäußert und dabei er­klärt: In Großbritannien wachse die Ueberzeu- gung, daß ein fortgesetzter Rückzug nur zu immer größerer VerSvirrung führen könne. Das britische Volk wisse, daß ein Halt geboten werden müsse. Die tiefe Besorgnis, mit der das britische Volk die gegenwärtige Entwicklung sehe, stünde außer Zwei­fel. Es gäbe Leute; die glaubten, wenn die gegen­wärtige Frage gelöst würde, daß bann der Ehrgeiz fast aller Mächte in Europa befriedigt und die Krise vorbei fei. Die Wahrheit fei, daß jede neue Krise den Krieg näher bringe. In den letzten Wochen habe man geradezu am Abgrund gestanden. Gegen­wärtig sei nichts wichtiger, als ein besseres Ver­stehen zwischen dem britischen und dem amerikani­schem Volk.

Unter der UeberfchriftSaboteur Eden" schreibt hierzu das Berliner12-Uhr-Blatt" u. a.:Mister Anthony Eden hielt gestern eine Rede, die eine verzweifelte Aehnlichkeit mit den politischen Sonn- tagsreben jener gestürzten Götter hat, die ba mei­nen, einzig und allein ihre Klugheit hielte bie Welt in ben Angeln. Daß Mister Eden in einem Augen­blick, in bem die britische Politik her Nachkriegszeit sich der Vollendung eines ihrer schönsten Frievens- werke nähert, bazu hergibt, zur Sabotage dieses Werkes aufzurufen, ist ein ein­maliger Vorgang nicht nur in der britischen, son­dern auch in der europäischen Politik. Wenn Mister Eden Darüber hinaus von der tiefen Besorgnis spricht, die bas britische Volk gegenwärtig erfülle, so können wir nur antworten, daß uns biefe Tat­sache völlig neu ist. Wir haben von der tiefen Be­sorgnis des britischen Volkes gewußt, bie vor­herrschte, als sich der englische Regierungschef noch nicht zu bem Schritt entschlossen hatte, ben er in der entscheidenden Stunde tat als ein Mann, der sich seiner Verantwortung bewußt ist und sie auch zu übernehmen gedenkt. Sind bie herzlichen Ovationen, die Chamberlain nach seiner Rückkehr

werden, und Chamberlains Weg sei der richtige. Wer aber versucht Chamberlain in ein falsches Licht zu setzen, spiele ein gefährliches Spiel. Wer ben Friebensplan zerstören und die Kriegs­gefahr wieder heraufbefchwören wolle, würde mehr als Verrat begehen. Es gäbe aber noch eine andere Gefahr, nämlich, daß die Tschechen auf die fin­steren Triebe hereinfallen: denn die Sowjets würden jetzt alle Tricks und Unterweltsmethoden einfetzen, um es zum Kriege zu bringen. Die Dfehe« fchen aber dürften auf diese Hetze nicht hören. Sie müßten auf der Seite des Friedens stehen.

vom Oberfalzberg zuteil wurden, etwa Ausdruck der Besorgnis des englischen Volkes gewesen? Das, was Mister Eden über die Rauschoelüste gewisser Völker zu sagen weiß, die beim Essen Appetit bekämen, wollen wir nicht als einen Zweifel an bem Wort bes Führers anfehen, sondern lediglich als die Dummheit eines Ewiggestrigen. Wenn Mister Eden jedoch glaubt, feine Meinung dahin formulieren zu müssen, England fei verpflichtet, der gerechten Neu­ordnung Europas ,ein Halt zu bieten, Dann müssen wir ihm unsererseits ein Halt zurufen."

Scharfe Abrechnung mit der Opposition.

London, 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) In einem bemerkenswerten Artikel wendet sichE v e ning News" gegen die Opposition, bie sich gegen Chamberlain zu rühren beginnt (Eben, die Arbeiter­partei unb bie Liberalen). Mit jebetn Schritt, den Chamberlain tue, um ben Frieden zu sichern, schreibt bas Blatt, würben diemoralischen I d e a l i st e n" in Englanb kriegerischer. Je mehr bie Gefahren bes Krieges verfchwinbe, um so lauter bestäuben sie Darauf, baß fie bereit g e - wesen feien, z u kämpfen. Sie wollten da­mit die britische Meinung gegen ben englisch-franzö­sischen Plan mobilisieren unb versuchten ben Ein­druck zu erwecken, daß mit dem Führer ein Handel auf Kosten der Tschecho-Slowakei gegen ben Willen bes britischen Volkes abgeschlossen worben sei wäh' renb ber Abwesenheit bes Parlaments. Gegenüber Siefen Kritikern an der britischen Regierung brauche man nur eine Frage zu stellen: Haben sie das Schicksal Abessiniens vergessen? Der Hoare- Laoal-Plan biete ein bewundernswertes Beispiel da­für, wie man eine Lösung auf bem Wege eines vom gesunden Menschenverstand getragenen Kompromiß ses hätte herbeiführen können. Die Empörung der Idealisten" habe ihn aber zerstört. Das Ergebnis sei das Verschwinden bes ab essinisch en Reiches gewesen. Die gleiche Gefahr folge

Quertreibereien Edens gegen Chamberlains Friedenswett.