den Gegner zu verwirren suchte. In der 14. Minute fing Mattern einen Torabstoß ab, und dessen scharfer Schuß konnte von dem gegnerischen Torwart nur abgeschlagen werden, so daß Heß wenig Mühe hatte, im Nachschuß den ersten Treffer anzubringen. Zwei Minuten später gab Lutaschewski eine saubere Vorlage in den Strafraum und God- glück schoß zum zweiten Tore ein. Die Gäste kamen etwas mehr ins Spiel, konnten aber außer einigen Ecken, die nichts einbrachten, keine Erfolge erzielen.
Nach dem Wechsel hatte die Gießener Verteidigung einige gefährliche Minuten zu überstehen, da der Gegner auf Verbesserung des Ergebnisses drängte. Die Hintermannschaft war aber auf dem Posten. Bei einem Durchbruch von Szponick schoß dieser in der 55. Minute das dritte Tor und nun fielen die Gäste merklich ab. Doch dauerte es eine Weile, bis Heß auf Vorlage von Szponick zum vierten Tore einsenden konnte. Kurz darauf wurde Szponick, der einen Alleingang machte, im Strafraum gelegt. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kramer mit unheimlicher Wucht. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter das Spiel ab.
VfV.-R.II — Turnv. Wißmar I 6:0 (2:0).
Die Ueberraschunq des Tages bildete der hohe Sieg, den die Reserve über die spielstarken Miß- marer errang. Die Reserve, die wieder einmal mit kompletter Mannschaft antreten konnte, zeigte sich in bester Schußlaune und rang den tapferen (3eg= ji^r sicher nieder.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
1900 — Ockershaufen 4:3 (3:1).
Den ungünstigen Eindruck des Vorsonntags verwischten die Blauweißen mit dem Sieg gegen Ockershausen. Der schnelle Beginn wurde durch den Eifer der Gäste bestimmt, die sich dadurch auch eine gewisse Ueberlegenheit verschafften. In der zehnten Minute fiel auch der erste Treffer, der jedoch wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Trotzdem führte wenige Minuten später Ockershausen mit 1:0 durch seinen Mittelstürmer. Bei diesem Stande blieb es aber nicht lange. Löbsack, der in seiner gestrigen Spiellaune wieder an leine beste Form anknüpfte, schuf mit seinen energischen Vorstößen manche gefährliche Situation im Gästestrafraum. In der 15. Minute fiel auch schon der Ausgleich. Eine lange Vorlage von Erhard erkämpfte sich Löbsack gegen die Verteidigung, leitete zu Kociok^ der nur einzulenken brauchte.
Erhöhte Anstrengungen galten jetzt der Führung, die den Platzbesitzern in der 20. Minute durch eine Prachtleistung Löbsacks zufiel. Von Bergmann gut bedient, erspurtete er sich eine Vorlage, drang damit in den Strafraum ein und obwohl er durch einen Verteidiger stark bedrängt wurde, sauste lein unheimlicher Schuß ins Netz. Die Gäste reklamierten, da der Ball weit ins Feld zurücksprang, doch der Erfolg hatte seine Richtigkeit. Auf der anderen Seite mußte sich Fischer verschiedentlich mächtig strecken, um den Ausgleich zu verhindern. In der 35. Minute erhöhten die Blauweißen auf 3:1. Einem Ball setzte Löbsack nach, umspielte die Verteidigung und an dem herausstürzenden Tormann vorbei flog der Ball aufs Tor, wo ihn Heuser noch abfälschte und Günther vollends über die Linie bugsierte. Kurz nach dem Wechsel erhöhten die Platzbesitzer, die in der Pause eine Umstellung vorgenommen hatten, ihren Vorsprung auf 4:1. Eine gute Kombination schloß Zeller mit überlegtem Schuß ab. Mit diesem
Resultat glaubten sich die Blauweißen zufrieden^ geben zu können und so erging man sich in unnötiger Dribbelei, die den Gästen manchen Vorteil eintrug. Selbst als Ockershausen auf 4:2 verkürzte, fand man nicht die richtige Umstellung. Erst als es 4:3 lautete, besann man sich wieder. Doch jetzt war es zu spät, denn die Gäste verteidigten jetzt mit einer zähen Verbissenheit und so blieb ein knapper Torunterschied, der für die Gäste recht schrneichcl- haft ist. _ z_. _ .
Schiedsrichter war Böcher (Gießen).
Die Hauptstärke der Gäste lag in chrem Körpereinsatz. Ihr beste Mann war der jugendliche Torwächter. Bei den Blauweißen, die in der Aufstellung Fischer, Zeiler, Jäger Erhard, Renstng, Hain, Güncher, Bergmann, Löbsack, Heuser (Zeller), Kociok, antraten, wußten Löbsack, Erhard und Bergmann besonders zu gefallen.
Fußball-Freundschastskämpfe.
Ergebnisse.
Gau Hessen: SpV. Kassel — Reichsbahn Frankfurt 1:1; Borussia Fulda — Kurhessen Kassel 2:1; VfB. Heringen — SC. 03 Kassel 1:2; Melitta Roth — Dunlop SV. Hanau 4:0; Tuspo. Bettenhausen — BC. Sport Kassel. 3:4.
Gau Bayern: 1. FC. Nürnberg — Wiener Sportklub 2:1; SpVg. Fürth — Rapid Wien 1:1; SpDg. Fürth — Wiener Sportklub 3:3; BC. Augsburg — Union Augsburg 3:1; Bayern München gegen „Borussia" Neunkirchen 5:0.
Gau Südwest: Kickers Offenbach — VfL. Neckarau 3:2; Opel Rüsselsheim — FC. Hanau 93 1:0; Eintracht Frankfurt — Hannover 96 4:2; SV. Wiesbaden — Fontana Finthen 4:0; VfL. Rödel- heim/Frankfurt — Wormatia Worms 3:2; FV. Saarbrücken — Saar 05 Saarbrücken 2:1.
Der Meister besiegt.
Eintracht Frankfurt — Hannover 96 4:2 (2:1).
Im Frankfurter Sportfeld erlebten am Sonntag 20 000 Besucher einen feinen, verdienten Sieg des Südwestmeisters Eintracht Frankfurt über den Deutschen Meister Hannover 96. Die Frankfurter waren in prächtiger Spiellaune; sie zeigten ein Zusammenspiel wie in ihren besten Tagen, und der Sturm, in dem einmal mehr Adam Schmitt die Hauptrolle spielte, verstand es, die gebotenen Torgelegenheiten auch auszunutzen. Hannover 96 reichte rein spielerisch nicht an die Eintracht heran.
Die Eintracht kam schon in der fünften Minute durch M ö b s zum Führungstor, doch zehn Minuten später glich E. Meng aus, als Lindemann gestürzt war. Das Spiel war ausgeglichen, erst gegen Schluß der Halbzeit spielte die Eintracht im Feld überlegen, und in der 43 Minute gelang ihr auch nach einem verwirrenden Zusammenspiel durch Wirsching die erneute Führung.
Die zweite Halbzeit sah zunächst die Eintracht klar in Front. Wirsching erhöhte in der 12. Minute auf 3:1, und als in der 26. Minute der gleiche Spieler den vierten Treffer buchte, war der Kampf entschieden. Hannover drehte noch einmal auf, erzielte drei, vier Ecken, aber erst fünf Minuten vor Schluß gelang das zweite Gegentor.
Kurze Sportnotizen.
Italiens Schwimmer kämpften in Düsseldorf gegen eine westdeutsche Auswahl und erzielten im Gesamtergebnis ein Unentschieden von 8:8 Punkten. Das Wasserballspiel wurde von den Italienern mit 3:2 (0:1) gewonnen.
Am Rentenmarkt machte die Erholung bei merklich verringertem Angebot Fortschritte. Jedenfalls fand das herauskommende Angebot glatt Aufnahme. Größere Nachfrage bestand nach Reichsaltbesitz zu 129,80 bis 130 (129,50). Reichsbahn-VA. gewannen 0,50 v. H. auf 122,40. Kommunal-Um- schuldung nicht ganz behauptet mit 94,40 (94,45). Industrie-Obligationen lagen noch uneinheitlich.
Im weiteren Verlaufe blieb am Aktienmarkt die Umsatztätigkeit klein. Bei nicht ganz einheitlicher Entwicklung erhielt sich eine feste Tendenz. Farben schwankend mit 145,50 bis 145,25 bis 146,50 nach 145,25. Sonst zeigten u. a. zweite Notierungen Westdeutsche Kaufhof mit 92,50 nach 93, Conti Gummi mit 191 nach 190, Zement Heidelberg mit 143 nach 142,50, Adlerwerke mit 103 nach 101,50, Waldhof mit 130,50 nach 128,50, AEG. mit 106,75 nach 106,13, Stahlverein mit 100,25 nach 100, Reichsbank mit 177,50 nach 177, Gesfürel mit 128,50 nach 127,25 usw. Die später notierten Werte lagen zumeist bis 1 v. H. fester, niedriger jedoch Scheideanstalt mit 204 (205) und Rhein. Braunkohlen mit 199,75 (201). Nach Pause stellten sich Felten auf 127,50 (121) und Hanfwerke Füssen auf 124 (119).
Der Freiverkehr war etwas fester. Man nannte Elsäss. Bad. Wolle mit 78 bis 80 (76 bis 78), Verein. Fränk. Schuh mit 66 bis 68 (65 bis 67), Katz 6- Klumpp mit 89 bis 91 (88 bis 90), Rastatter Waggon mit 42 bis 44 (zuletzt 40 bis 42), Dingler mit unverändert 83 bis 85. — Tagesgeld unverändert 2,25 v. H.
Hygienische Unterlassungssünden im Sommer.
Im allgemeinen glauben wir, daß die kalte Jahreszeit, vornehmlich auch die Uebergangsmonate, besondere Gesundheitsgefahren mit sich bringen. Nun ist es richtig, daß Grippe und andere Erkältungskrankheiten in den kalten und regnerischen Monaten häufiger vorkommen als im Sommer. Das bedeutet aber nicht, daß nicht auch die heiße Jahreszeit ihre besonderen Gefahren hätte. Magen- und Darmerkrankungen sind z. B. im Sommer sehr häufig, wobei man nicht einmal gleich an Vergiftungen durch Pilze oder Beeren zu denken braucht. Aber wieviel bösartige und langwierige Magenverstimmungen entstehen durch den Genuß von unreifem Ost, von Obst mit Wasser oder auch dadurch, daß man erhitzt ist und zu kalte Getränke in sich hineinschüttet?
Auch viele rheumatische Erkrankungen sind Sorn- rnerkrankheiten. Menschen, die schweißgebadet sind, setzen sich gern in die kühle Zugluft, ohne sich ihrer schweißfeuchten Wäsche zu entledigen. Wenn diese nun am Körper trocknet, entsteht durch die Verdunstung Kälte, die häufig — und nicht nur bei älteren
Leuten — zu Rheumatismus und Hexenschuß führt.
Die meisten sommerlichen Erkrankungen sind aber auf unser hauptsächliches Sommeroergnügen zurückzuführen, nämlich auf die Wasser-, Luft- und Sonnenbäder, d. h. auf das Uebermaß ihres Genusses. Es ist falsch zu glauben, daß ein zwölfstündiger Aufenthalt im Strandbad, mit dem Wechsel zwischen Sonnen-. Luft- und Wasserbaden, gesundheitsfördernd sei. Das stärkt nicht den Körper, sondern schwächt ihn. Ein Bad im Freien soll mit An- und Ausziehen nicht länger als eine Stunde in Anspruch nehmen, Sonnen- und Luftbäder, selbst bei Gewöhnung, nicht über eine halbe bis dreiviertel Stunden ausgedehnt werden.
Die meisten Menschen glauben noch, daß das sommerliche Baden in Fluß oder See das heiße Bad in der Badewanne entbehrlich mache. Diese Außerdienststellung der Badewanne ist eine der bemerkenswertesten hygienischen Unterlassungssünden im Sommer. Allen, die verwundert fragen: „Wie, auch im Sommer sollen wir heiß baden?", ist daher zu antworten: „Gerade im Sommer soll und muß man heiß baden!"
Es ist doch so. daß durch die stärkere Staubentwicklung in der warmen Jahreszeit und die häufigere Schweißbildung unseres Körpers dieser besonders viel Schmutz aufnimmt, der die Hautporen verstopft. Kurzum, die Möglichkeiten, sich schmutzig zu machen, sind im Sommer größer als im Winter. Sollte es da nicht selbstverständlich sein, auch im Sommer warme Reinigungsbäder zu nehmen? Unser Brikettbadeofen steht ja auch jetzt zu unseren Diensten und gibt uns, nach wie vor, mit ein paar Braunkohlenbriketts zu jeder Tageszeit ein billiges heißes Bad oder Dusche.
Aus aller Wett.
360 000 Besucher auf der Rundfunkausstellung.
Die Große Deutsche Rundfunkausstellung hat am Sonntag ihren Abschluß gefunden. Insgesamt ergibt sich eine Besucherzahl von 360 000, d. h. rund 50 000 mehr als im letzten Jahre. Die Sensation in diesem Jahre war das Erscheinen des Deutschen Kleinempfängers, der zum Preise von 35.— RM. als Allstromgerät geliefert wird und als Zweitgerät gebührenfrei ist. Aber auch bei allen anderen Typen war das Geschäft ausgezeichnet.
Reuer Rekord des Deltfliegers Howard Hughes.
Der durch seinen Rekordflug um die Welt bekanntgewordene amerikanische Flieger Howard Hughes führte am Wochenende einen neuen Rekordflug durch. Es gelang ihm im Ohne- haltflug die Ueberquerung des amerikanischen Kontinents in 10 Stunden, 32 Minuten und 20 Sekunden. Hughes benutzte dieselbe zweimotorige Maschine, mit der ihm der Flug um die Welt gelang.
Der „Schah des Sobremonte".
Wahrheit oder Schwindel? - Eine Geschichte, die Argentinien in Atem hält.
Buenos Aires, Mitte August 1938.
Seit einer Woche hört man in dieser Stadt ungefähr von nichts anderem mehr sprechen, als vom „Schatz desSobremont e".
Die Zeitungen sind voll von der mysteriösen Ge- chichte, namentlich die etwas sensationell aufge- machtey. großen Abendblätter, die den Verkäufern vom Publikum buchstäblich aus den Händen gerissen werden. Man schließt Wetten ab, ob die abenteuerliche Geschichte, die Diernes S c a rd u l l a , der Held des Tages (vielleicht aber auch der künftige Held einer Tragikomödie) zum Besten gegeben hat, wahr ist oder nicht.
Dieser Viernes Scardulla — bereits der Name ist merkwürdig, denn „Diernes" heißt Freitag, und der Mann behauptet, diesen komischen Vornamen zu haben, weil er an einem „Viernes scmto", einem Karfreitag, zur Welt gekommen sei — also, ein angeblicher Landarbeiter aus Venado Tuerto, der sich später als ein vom Spiel und von der Kurpfuscherei lebender Müßiggänger entpuppte, kam in der vergangenen Woche zur Polizei und berichtete dort eine lange und recht aufregende Geschichte. Er will vor drei Jahren in einem Bach unweit Perga- minos, einem Ort in der Provinz Buenos Aires, einen in drei eiserne Kassetten eingeschlossenen kostbaren alten Schatz entdeckt haben. Da er gewußt habe, daß man einen solchen Schatz nicht ohne weiteres für sich behalten dürfe, sondern der Regierung von ihm Kenntnis geben müsse, sei er nach Buenos Aires gefahren und, anstatt ins Regierungsgebäude in den Kongreß, den Senat der Republik, gegangen. Dort sei er aber offenbar zwei Gaunern in die Hände geraten. Der eine habe sich für einen Senatsangestellten, der andere für einen Rechtsanwalt ausgegeben; sie hätten sich Dr. Monti und Dr. Gaston genannt, ihn mit dem Schatz in die Wohnung des einen von ihnen bestellt, ihn dort die drei Kassetten — die bisher fest verlötet gewesen seien — öffnen lassen, den Inhalt protokolliert und dann den ganzen Schatz behalten.
Scardulla, dessen Angaben durch seinen Schwager, Trucco, eidlich bekräftigt wurden, behauptete, der Inhalt der drei Kassetten habe in Goldbarren, Schmuck, Uhren, Ringen, Ketten, Armbändern, Juwelen und Diamanten bestanden. Der Wert des Ganzen sei mit einer Million Pesos sicherlich nicht zu hoch angegeben. Die beiden „Doktoren" hätten ihm, Scardulla, dann eine Quittung über den Schatz ausgehändigt und erklärt, sie wollten alles der Regierung mitteilen und dafür sorgen, daß er seinen Anteil erhalte. Dann habe man ihn immer wieder hingehalten; schließlich seien ihm einmal 16 000 und einmal 7500 Pesos ausgezahlt worden, während er doch auf mindestens 300 000 bis 400 000 Pesos Anspruch habe. Deshalb komme er zur Polizei und zeige die ganze Geschichte an.
Aus her engeren Heimat.
Iugendherbergsbau in Butzbach.
Lpd. Butzbach, 21. Aug. In den nächsten Tagen wird hier mit dem Bau einer Jugend- Herberge begonnen. Das Haus soll als Fachwerkbau in Anpassung an die oberhessische Fachwerkbauweise errichtet werden und insgesamt 100 Besuchern Platz bieten. Im Erdgeschoß werden sich die Tagesräume befinden, die auch zu Schulungs-- zwecken verwendet werden können. In den Obergeschossen sollen die Schlafräume eingerichtet werden, von denen jeder höchstens zehn Betten enthalten wird. Das Dachgeschoß wird für die Einrichtung von Notlagern ausgestattet. Im Keller werden sich die Dusch- und Baderäume befinden.
Landkreis Gießen.
D Watzenborn-Steinberg, 22. Aug. Am heutigen Montag begeht einer der ältesten Einwohner unserer Gemeinde, der Zimmermeister Balthasar S ch m a n d t, Schulstraße, in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 6. Geburtstag.
Oie Wildereraffäre im Oillkreis.
Auch ein Word aufgeklärt.
ßpb. Wetzlar, 20. Aug. Wie schon gemeldet, fand in der vergangenen Woche eine größere Aktion gegen Wilderer im Dillkreis siatt. Dabei wurde umfangreiches Material beschlagnahmt. 13 Personen wurden in Gewahrsam genommen und gegen sieben Haftbefehl erlassen. Neben umfangreichen Wilddiebereien konnte auch ein Mord aufgeklärt werden, der seinerzeit an einem Bergmann verübt worden war.
Schweres Einsturzunglück.
Ein Toter, drei Schwerverletzte.
DNB. L a a s p h e, 20. Aug. Am Donnerstagnach- imttag stürzte auf einem Sägewerkneubau in Feudingen eine etwa 15 Meter lange und sieben Meter hohe freistehende Mauer in zwei Drittel ihrer Länge ein und fiel auf ein Baugerüst. Don den auf diesem Gerüst tätigen Maurern wurde einer auf der Stelle getötet, drei weitere Personen, darunter der Bauunternehmer erlitten schwere Verletzungen. Einigen anderen Bauarbeitern gelang es, sich noch rechtzeitig durch Abspringen in Sicherheit zu bringen. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt.
Bestrafte Steuersünder.
Lpd. Frankfurt a. M., 20. Aug. Der Weißbinder- meister Karl Wolf in Frankfurt a. M., Hatters- heimer Straße 19, ist wegen fortgesetzter Hinterziehung der Einkommen-, Umsatz- und Gewerbeertragssteuer vom Finanzamt mit einer Geldstrafe von insgesamt 14 810 Mark bestraft worden.
Lpd. Wiesbaden, 20. Aug. Vom Finanzamt Wiesbaden wurde der Möbelhändler Franz Bauer, Wiesbaden, Emser Straße 57, wegen Hinterziehung von Vermögens-, Einkommen-, Umsatz-, Gewerbeertrags- und Kapitalsteuer zu einer Geldstrafe von 41 000 M «irk verurteilt.
Furchtbare Bluttat bei Mainz.
Siebenjähriges Mädchen einem Lustmörder zum Opfer gefallen.
LPD. Mainz, 20. Aug. Am Freitagnachmittag veranlaßte der 25jährige Heinrich Brabaender aus Mainz-Ginsheim ein 7 jähriges Ginsheimer Mädchen, mit ihm zusammen auf dem Rade nach Gustavsburg zu fahren, wobei er ihm ein Geldgeschenk versprach. Außerhalb des Ortes Ginsheim am Rheindamm ermordete er das Kind in einem Dickicht. Die Tat ist offenbar aus sexuellen Motiven begangen worden. Der Täter konnte im Laufe der Nacht zum Samstag verhaftet werden. Er hat die entsetzliche Tat eingestanden.
Das Verbrechen ist wieder eine furchtbare Mahnung an alle Eltern, ihre Kinder immer wieder davor zu warnen, sich der Gesellschaft unbekannter Personen anzuvertrauen.
Wirtschaft.
Frühkartoffel-Erzeugerpreise vom 22. bis 27. August.
Fwd. Für deutsche Speisefrühkartoffeln sind durch Anordnung der Hauptversammlung der deutschen Kartoffelwirtschaft folgende Erzeugerfestpreise je 50 Kilogramm netto ausschließlich Verpackung frachtfrei Empfangsstation festgesetzt für die Zeit vom 22. bis 27. August: für weiße, rote und blaue Sorten 2,75 Mark (in der Vorwoche 3,00), für runde gelbe Sorten 3,25 (3,50) und für lange gelbe Sorten 3,25 (3,50) Mark.
Rhein -Mainische Börse.
Jeff.
Frankfurt a. M., 20. Aug. Nach dem kräftigen Wiederanstiea am gestrigen Tage nahm die Börse zum Wochenschluß den vorbörslich erwarteten ruhigeren Verlauf. Die Grundstimmung blieb jedoch freundlich, da sich seitens der Kundschaft kleine Käufe fortsetzten, während aus der Börse heraus verschiedentlich mäßige Gewinnsicherungsverkäufe erfolgten.
Am Aktienmarkt war die weitere Befesti- guna der Kurse daher gemäßigter. Im Verlaufe wurden die anfangs etwa 0,50 bis 1,50 v. H. betragenden Erhöhungen teilweise leicht unterschritten. Von Montanwerten erreichten Verein. Stahl wieder den Paristand (99,75), Rheinstahl zogen auf 130 (129,50) und Hoesch auf 105 (104,25) an. Von chemischen Werten stiegen Farbenindustrie au 145,25 (144,25) und Rütgerswerke auf 139,25 (137,75). Elektrowerte lagen still, RWE. 1,40 v. H. fester mit 117, Gesfürel 127,25 (126,75), AEG. etwa 107 bis 106 (105). Maschinenaktien kamen bis 1 v. H. höher an, Adlerwerke jedoch 1 v. H. niedriger mit 101,50. Sonst notierten u. a. Westdeutsche Kaufhof mit 93 (92), Conti Gummi mit 190 (189), AG. für Verkehr mit 117 (116), Zellstoff Aschaffenburg mit 111 (110) und Demberg mit 125 (124,50).
Die Polizei begab sich in die Pension, die Scardulla als die Wohnung eines der beiden „Doktoren" bezeichnet hatte, und fand dort richtig einen Mann, den Scardulla als den „Dr. Monti" identifizierte, während er in Wirklichkeit Daldivieso hieß, Chilene war und behauptete, Scardulla nie gesehen zu haben. Auffällig war jedoch, daß die Frau des Valdivieso, die gesondert verhört wurde, zugab, daß Scardulla öfter in ihrer Wohnung gewesen sei und mit Valdivieso verhandelt habe. „Dr. Gaston" ist bisher nicht aufgetaucht, und vom Schatz hat man nichts gefunden. Lediglich bei Valdivieso fand man einen alten spanischen Siegelring, von dem Scardulla sofort behauptete, daß er aus jenem Schatz tamme. Und da es sich bei dem Ring um einen solchen mit dem königlichen Siegel handelt, da man außerdem in Argentinien weiß, daß der letzte spanische Vizekönig von Argentinien, Marquis S o ° bremonte, im Jahre 1806 bei seiner Flucht von Buenos Aires nach Cordoba unterwegs seinen kostbaren Schatz verstecken ließ, um durch dessen Gewicht nicht auf der Flucht behindert zu werden.
wurde aus dem Schatz, den Scardulla entdeckt zu haben vorgab, sofort für die Zeitungen, die Oeffent- lichkeit und den Mann auf der Straße jener Schatz des Sobremonte, nach dem man in Argentinien seit Jahrzehnten vergeblich gesucht hat.
Die Vermutung, daß es sich bei dem entdeckten und wieder verlorenen Schatz um eine sehr wichtige Angelegenheit handeln müsse, wurde zur Gewiß- heit, als Valdivieso, der angebliche „Dr. Monti" und Besitzer des Siegelringes, plötzlich im Gesang- nis Se lbstmo rd verübte, indem er sich aus dem zweiten Stockwerk auf die Straße stürzte.
Nun wurde die Schatzqeschichte zu einem „großen Fall". Warum hatte sich Valdivieso umgebracht? Der Fragen wurde kein Ende. Wie war es möglich, daß Valdivieso und sein Komplice, der verschwundene Dr. Gaston, zum Senat Zutritt hatten; daß sie, wie Scardulla das erzählte, vom Senat aus mehrfach Telegramme an ihn richteten und seine Antworten ebenfalls im Senat empfingen? (Im Kongreßgebäude will heute niemand mehr einen Dr. Monti oder Dr. Gaston kennen.) Wo ist der Schatz geblieben, wenn es sich wirklich um einen solchen handelte? Alle Nachforschungen nach Goldverkäufen blieben vorläufig erfolglos. Und warum hatte sich Valdivieso umgebracht? Hatte er mehr auf dem Gewissen als nur die Gaunerei mit dem Schatz?
Allmählich kamen der Polizei Zweifel an den Aussagen Scardullas. Diese Zweifel sind nicht unberechtigt, wenn man erführt, daß bei einer Besichtigung des „Fundortes" in Pergarnino, bei der Scardulla die Polizei führen sollte, ein Erdloch wiedergefunden wurde, dagegen die eigentliche „Höhle", in der Scardulla den Schatz entdeckt haben wollte, nicht mehr vorhanden war. (Scardulla behauptet, die „Verbrecher" hätten die Höhle später zerstört, um alle Spuren zu verwischen.) Der Verdacht, daß Scardulla ein Schwindler sei, verstärkte sich jedoch gewaltig, als sich eines Tages ein Schmied aus der Gegend des „Fundes" meldete und erklärte, daß er vor drei Jahren für Scardulla auf Bestellung eine schwere eiserne Kiste angefertigt und sie dann, nachdem Scardulla etwas hineingefüllt habe, von dessen Beschaffenheit er, der Schmied, nichts gewußt habe, verlöten mußte. Scardulla wiederum behauptet, daß er diese eiserne Kiste zu einem anderen Zweck gebraucht und sie mit der „Schatz"-Geschichte nichts zu tun habe.
Aber wenn man auch annehmen will, daß die „Schatz"-Erzählung ein mehr oder weniger fein angelegter Schwindel ist, so bleiben nun erst recht eine Menge von Fragezeichen übrig, welche die argentinische Polizei und die Oeffentlichkeit auf das lebhafteste beschäftigen. Warum, so lautet nach wie vor die wichtigste Frage, der Selbstmord Valdi- viesos? Woher' stammt der Ring, den er trug? Sollte wirklich ein Schatz vorhanden gewesen, aber nicht in der Erde gefunden worden fein, sondern aus Diebstählen stammen? Ist man einer großen Schatzräuberbande auf der Spur? Scardullas Vorleben selber ist durchaus nicht einwandfrei. Seine Kurpfuscherei, die man ihm inzwischen nachgewiesen hat, war nichts anderes als Betrug. Auch soll Scardulla eine Zeitlang einen berüchtigten Straßenräuber in feinem Hause versteckt gehalten haben. Was aber konnte Scardulla, wenn er wirklich mit der Unterwelt in Verbindung stand und vielleicht aus Verärgerung gegen seine Komplicen, von denen er sich betrogen fühlte, vorgehen wollte, dazu veranlassen, nun ausgerechnet die Polizei in Bewegung zu setzen und sich dadurch selbst zu gefährden?
Kurz, die Angelegenheit des „(Sobremonte"« Schatzes oder jedenfalls des „Schatzraubes", dem man auf der Spur zu fein scheint, ist vorläufig alles andere als klar. Sicher wird nun, da die Polizei mit allen Mitteln an ihrer Aufklärung arbeitet, noch allerlei Interessantes und Ueberraschen» bes ans Tageslicht kommen. *


