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Montag, 22. August 1938

188. Jahrgang

Nr. 195 Erstes Blatt

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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I^eichsverweser von Horthy in Kiel.

Herzlicher Empfang durch den Führer und Reichskanzler. - Jubelnde Begrüßung durch Hunderttausende.

zur

22.8, 1938

Der

W

bis auf den letzten Platz füllen, vereinen sich mif den klängen des Präsentiermarsches und der unga­rischen Nationalhymne zu einer Sinfonie der Freude und des Stolzes, als der R e i ch s v e r w es e r an der Seite des Führers und Reichskanz­lers die Front der Ehrenkompanie der kriegs-

Mit dem Führer waren der Reichsauhen- minifter. der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, der Oberbefehlshaber des Heeres, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht und der Stellver­treter des Oberbefehlshabers der Luftwaffe sowie zahlreiche Reichsminister und Reichsleiter erschienen.

Richt endenwollende Heil!-Rufe der Zehntausende, die den zu einem eindrucksvollen Ehrenhof gestalte­ten Dahnhofsplah und alle anliegenden Straßen

Die Feier des Slapellauss.

Kiel, 22.Aug. (DNB.-Funkspruch.) Der Sta- pellauf des Kreuzers1" der deutschen Kriegsmarine am Montagvormittag auf der Ger­mania-Werft ist ein Ereignis von g r o ß er ge­schichtlicher Bedeutung, ist doch mit der Feier dieses Stapellaufes die vor aller Welt sicht­bare Bekundung einer großen und aufrich­tigen Freundschaft verbunden. Der Ret­ter und Führer der ungarischen Na­tion ist nach Kiel gekommen. So ist dieser Tag ein Festtag nicht nur für die Stadt und ihre Be­völkerung, sondern darüber hinaus für unsere vom Führer neu geschaffene deutsche Kriegsmarine und für das ganze deut- s ch e B o l k. r

Schon viele Stunden vor dem Stapellauf füllt sich das Gelände der Werft mit einer erwartungs­frohen Menge. Zu beiden Seiten des stolzen Neu­baues, dessen schnittiger Bug von Girlanden um­wunden ist, haben Offiziersabordnungen der Kriegs­marine, Ehrenformationen der Partei, Kriegsopfer und Opfer der Arbeit Aufstellung genommen. Da­hinter drängen sich viele Tausende, unter denen man vor allem auch die Gefolgschaftsmitglieder der Bauwerft sieht. Bon einem der hohen Hellinggerüste leuchtet das Hoheitszeichen des Reiches. 40 Meter weit breitet der goldene Reichsadler feine Schwin­gen. Biel zu klein ist das Werftgelände, um die un­zähligen Massen aufzunehmen. So sind denn auch die Uferstraßen gegenüber der Bauwerft dicht ge­füllt. Eine Ehrenkompanie der 3. Marine-Lehrabtei­lung mit dem Musikkorps und den Spielleuten ist am' Bug des Neubaues aufmarschiert. Längs der Backbordseite haben je eine Kompanie der 1. Ma­rine-Artillerie-Abteilung, der 1. Schiffs-Stamm- Abteilung und der 3. Schiffs-Stamm-Abteilung und des LuftkommandosSee", dah.inter eine Kompanie des Sperrversuchkommandos und zwei Kompanien der Schiffs-Artillerie-Schule Aufstellung genommen. Ehrenformationen aller Gliederungen oer Bewe­gung füllen den Raum längs der Steuerbortzeite.

Glatt vom Stavel gelaufen.

klel, 22. Aug. (DRV. Funkspruch.) Auf der Germania-Werft in Kiel-Gaarden erfolgte am heutigen Wontagvormittag in Gegenwart des Führers und des Reichsverwesers des König­reiches Ungarn, Admiral von horthy, der Stapellauf des neuen KreuzersI der deutschen Kriegsmarine. Die Taufrede hielt

Reichsstatthalter £>r. Seyß-Znquart:

Als im März dieses Jahres durch Ihren Ent­schluß und durch den von Ihnen aufgerufenen einigen Willen der Nation das tausendjährige Wol­len des deutschen Volkes zur Wirklichkeit wurde und das größere Deutschland geschaffen war, beschlossen Sie, dem heute von Stapel laufen­den Kreuzer einen Namen aus der gesamtdeutschen Geschichte zu geben. Ihre Wahl traf Prinz Eugen.

Mein Führer, mit diesem Namen des Reichsfeld­marschalls rufen Sie jene deutsche Vergangenheit als Zeugen für das Werk der Gegenwart auf, in der es Deutschland in seiner Gesamt- heit war, das den Vernichtung bedeutenden An- sturm des Ostens gegen das Abendland endgültig abwehrte, zugleich aber seine die christliche Kultur schützende Existenz gegen die Angriffe eines aller-

klel, 22. Aug. (DRV. Funkspruch.) Der große Tag der kriegsmarinesladt kiel ist gekommen. Pünktlich um 9 Uhr traf der Führer und Reichskanzler im Sonderzug auf dem Kieler Hauptbahnhof ein, um kurz danach, um 9.08 Uhr, eine hohen Gäste, das Staatsoberhaupt des be- reuudeteu ungarischen Volkes Reichsverweser von horthy und seine Gemahlin, auf das herz­lichste willkommen zu heißen.

marine abschreitet.

Unter dem Jubelsturm der begeisterten Massen treten Admiral vonhorthy mit seiner Gemahlin und der Führer und Reichskanzler dann durch die in überwältigendem Festschmuck prangen­den Strahen den Weg zur Vellevue-Vrücke an, um sich, vorbei an den auf der Förde liegenden Ein­heiten der neüerstandenen deutschen Kriegsflotte, Germania-Werft zu begeben.

Der Ehrentag der deutschen Kriegsmarine

Giapellauf des PanzerkreuzersPrinz Eugen".

Reichsverweser von Horthy hat seinen Wagen ' verlassen und läßt sich nach der Begrüßung durch den Reichsstatthalter Dr. S e y ß - I n q u a r t (lmks : in ---Uniform) die führenden Männer des Staates, der Partei und der Wehrmacht vorstellen. Hier be­grüßt er gerade den Wiener Bürgermeister Dr. N e u b a ch e r. Im Hintergrund links von Admiral Hokkhy Minister Generalmajor G l a l s e - H o r st e - nau und der Wiener Gauleiter G l o b o cn i k.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

schen Boden statt. Um 10.58 Uhr fuhr der Zug des Reichsverwesers langsam in die Halle ein.

Admiral v. Horthy verließ seinen Wagen und wurde von Reichsstatthalter Dr. S e y ß - I n q uar1 mit folgenden Worten begrüßt:Ich habe die Ehre, E. D. imNamendes Führers und R e i ch s- kanzlers auf dem Boden des Deutschen Reiches begrüßen zu dürfen. Es ist für mich eine be­sondere Genugtuung, Euere Durchlaucht aus dielsem Anlaß im Lande Oesterreich willkommen heißen zu können. Das Land Oesterreich verbindet mit dem Königreich Ungarn der Weg gemeinsamer Geschichte. Diese Geschichte ist eine g emeins ame stolze Erinnerung, soweit sie die Erfüllung der deutschen Aufgabe dieses Landes und das Wohl der ungarischen Nation bedeutet hat. Der Reichs- statthalter überreichte darauf der Gemahlin des Reichsverwesers einen Blumenstrauß.

Nikolaus v. H o r t h y dankte mit herzlichen Wor­ten für die Begrüßung und ließ sich dann die suy- renden Männer des Staates, der Wehrmacht uns der Partei vorstellen.

Frau Seyß-Jnquart begrüßte die Gemah­lin des Reichsverwesers, während die Ehrenkompa­nie der Luftwaffe unter den Klängen des Prajen- tiermarsches die militärische Ehrenbezeugung erwies. Während die ungarische Nationalhymne ertönte, schritt der Reichsverweser die Front der Ehren­kompanie ab.

Nach kurzer Unterhaltung verließ der aus vier­zehn Wagen bestehende Sonderzug, unter den Klan­gen der ungarischen Nationalhymne und unter N brausenden Heil-Rufen den Bahnhof.

In Linz.

Linz, 21. Aug. (DNB.) Der Sonderzug mit dem Reichsverweser Admiral von Horthy und den ungarischen Gästen traf um 14.16 Uhr in Linz ein. Während der Fahrt hatten auf den reichgejchmückten Stationen viele, taujend Volks-

Die Abreise von Budapest.

Budapest, 20. Aug. (DNB.) Der ungarische Reichsverweser S. D. Admiral Nikolaus Horthy von Nagybanya und Frau von Horthy sowie Ministerpräsidenten vonJmredy, Außenminister von Kanya und Honvedminister General Ratz sind Samstag um 22 Uhr auf Einladung des Führers und Reichskanzlers zu einem mehrtägigen offiziellen Besuch nach Deutschland a b ge­reist. In ihrer Begleitung befinden sich der Ches der Kabinettskanzlei Geheimer Rat von Uray, der Chef der Militärkanzlei Feldmarschalleutnant von Ja ny und die drei Flügeladjutanten des Reichsverwesers, ferner der Kabinettschef des Außen­ministers Graf Csaky, der Flügeladjutant des Honvedministers G h i m e s y , der Chef der Presse­abteilung des Außenministeriums Ministerialrat von Szent-Jstvany, der Chef der Politischen Abteilung Legationsrat Kuhl.

Erste Begrüßung in Wien.

Wien, 21. Aug. (DNB.) In eindrucksvollem Rahmen fand am Sonntagmittag in Wien die erste Begrüßung des ungarischen Reichsverwesers, Niko­laus v. Horthy, und seiner Begleitung auf deut-

genossen dem Sonderzuge zugewinkt. Als der Zug hielt, wurden unter brausenden Heil!-Rufen Tau- i sende von rot-weiß-grünen und Hakenkreuzfähnchen i geschwenkt. Der Reichsoerweser zeigte sich am Fenster seines Wagens und winkte den Linzern , reundlich zu. Dann begrüßte Oberbürgermeister ; Waltersdorfer die ungarischen Gäste im : Namen der Gauhauptstadt und stellte die Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht vor. Der Reichs- Verweser unterhielt sich längere Zeit mit ihnen und besonders auch mit ehemaligen Kameraden der österreich-ungarischen Kriegsmarine, die sich zur Be­grüßung eingefunden hatten. Um 14.24 Uhr setzte der Zug programmgemäß unter stürmischen Heil!- Rufen und unter Fahnenschwenken seine Fahrt fort. Kiel in festlicher Hochstimmung.

Das Stratzenbild am frühen Montagmorgen

Kiel, 22. Aug. (DNB. Funkspruch.) War schon die Freude über die Nachricht von dem Besuch des ungarischen Staatsoberhauptes groß, so mobilisierte der Ruf, daß auch der Führer und Reichskanzler an der Seite seines hohen Gastes in der Kriegsmarinestadt weilen wird, die Kieler Bevölkerung bis auf den letzten Mann.

Seit den frühen Morgenstunden sind die Straßen überfüllt von brausendem erwartungsfrohem Leben. Ungeaynte Menschenmassen stehen in den Straßen­zügen, durch die der Reichsoerweser und der Füh­rer ihren Weg nehmen werden. Am Hauptbahnhof ist der Andrang schon Stunden vor der Ankunft der hohen Gäste beängstigend stark. Stolz wehen die Banner der in herzlicher Freundschaft verbundenen Nationen von den langen Fahnenmasten. Strahlende Morgensonne überflutet das große, von der Ste- phanskrone gekrönten ungarische Staatswappen und wirft goldenen Schein auf die flankierenden Riesen­adler der Hoheitszeichen des Reiches, die über der Mitte der den Ehrenhof nach der Hafenseite zu um­rahmenden Arkaden emporragen.

Kiel hat ein Festgewand angelegt, das in seiner Geschichte einzigartig ist. Männer der Schutzstaffeln umsäumen den Ehrenhof. Die Absperrungen haben alle Hände voll zu tun, um dem Andrang der Hun­derttausende standzuhalten. Jubel begrüßt die Ehrenkompanie der Marineschule Kiel, die mit klin­gendem Spiel aufmarschiert und auf dem Ehren­hofe Aufstellung nimmt.

^t£59Ä!eS L°°hr. - (Sch°rl-Bild°rdi°nst.M.)

Im Festraum vor dem Bahnhof sammeln sich zahl- l reiche führende Männer der Wehrmacht, insbeson- r dere Kriegsmarine, des Staates und der Partei. i

Während vor dem Hauptbahnhof die Erwartung i von Stunde zu Stunde steigt, haben sich auch die ; Stratzenzüge, die der Reichsverweser und der Fuh- ] rer durchfahren werden, um sich von der Bellevue­brücke an Bord der StationsjachtNixe" zu begeben, mit lebenden Mauern der Freude und Erwartung gefüllt. Unter den Massen sieht man nicht nur die Kieler Bevölkerung selbst; auch unzählige Tausende aus den die Förde umgebenden Ortschaften, aus den Schifferdörfern des Ostseestrandes und den Bauern­höfen der Nordmark haben sich eingefunden, um die­sen Ehrentag ihrer Gaustadt mitzuerleben.

Innerhalb des Kieler Hauptbahnhofes ist für das Zusammentreffen der beiden Staatsoberhäupter der so eng befreundeten Völker ein würdiger der Be­deutung dieser geschichtlichen Stunde gebührender Rahmen geschaffen worden. Ueber dem gesamten Bahnsteig bauscht sich ein einziges Flaggenmeer. Das Rot-Weiß-Grün der ungarischen Reichsslagge. ver­mählt sich mit den leuchtenden Farben des Haken­kreuzbanners zu harmonischer Gemeinschaft.

Die Kieler Förde bietet am Montagmorgen im strahlenden Licht der vom wolkenlos blauen Him­mel leuchtenden Sonne ein stolzes Bild:

Fast die gesamte deutsche Kriegsflotte liegt im Kriegshafen vor Anker, verkörpertes Sinnbild deutschen Wehrwillens zur See.

Sämtliche Schiffe haben großen Flaggenschmuck an­gelegt und führen die ungarische Dienstslagge im Topp. Don den großen Einheiten sind vertreten das SchlachtschiffGneisenau", die PanzerschiffeDeutsch­land",Admiral Graf Spee" undAdmiral Scheer , ferner ' die KadettenschulschiffeSchlesien" und Schleswig-Holstein", die KreuzerNürnberg .Leip­zig"Königsberg". Man sieht weiter die schlanken Schiffskörper zahlreicher Zerstörer, Torpedoboote und Schulschiffe; auch dec FernlenkverbandBlitz undHessen" ist zu sehen. Strahlend weiß hebt sich l der AvisoGrille" von dem Grau der Großkamps- i schiffe, der Zerstörer und Torpedoboote ab. Malerisch - ist der Anblick der drei Segelschulschisfe der Kriegs- ; marine,Horst Wessel",Gorch Fock" undAlbert : Leo Schlageter". Räumboote, Schnellboote, ^lotten- - begleiter vervollständigen das eindrucksvolle Bild

deutscher Wehrkraft zur See.

Sonderstempel der Deutschen Reichspost anläß­lich des Aufenthalts des ungarischen Staatsober­hauptes, Reichsverwesers Nikolaus von Horthy, m Kiel. (Scherl-Bilderdienst-M.)