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Blümers aus Süd-West-Afrika einen Dortrag über die Kolonie „Deutsch-Südwestafrika". In einleitenden Worten betonte der Redner die Wichtigkeit und den Wert der Kolonien für Deutschland und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dem Führer möge es gelingen, sie wieder zurückzugewinnen. Dann ließ er in zahlreichen Lichtbildern Landschaft und Bewohner der Kolonie an den Augen der Anwesenden vorüber- ziehen. Der Leiter der Kulturwissenschaftlichen Fachgruppe, cand. phil. Blank, dankte dem Redner für seine Ausführungen.
Vor dem Hessischen Gausängerfest in Gießen.
Aus der Sitzung des vorbereitenden Ausschusses.
Der vorbereitende Ausschuß fand sich mit dem Gauführerrat am 18. Juni nochmals zusammen, um die letzten Vorbereitungen für die Festtage in Gießen zu treffen. Nach einem einleitenden Bericht des stelloertretenden Sängergauführers, Pg^B o r n , über den Deutschen Sängertag in Saarbrücken, an dem die neuesten Richtlinien für die Jahresarbeit der Vereine des Deutschen Sängerbundes verkündet wurden, wurden eingehend die Frage der S o n - derkonzerte, die Gaufeier st unde und die Aufführung der „Jahreszeiten", die Platz- Singen, wie die ganze Feftfosge nochmals überprüft. Dem Bericht des Beauftragten, Müller (Gießen), war zu entnehmen, daß die Vorbereitungen technischer Art ziemlich abgeschlossen sind. Die Anmeldungen mehren sich täglich; die Unterkunftsund Quartierfrage ist mit Hilfe der Wehrmacht und mit Hilfe der Schulen gelöst; das Gastwirtsgewerbe stellt sich freudig zur Verfügung. Es ist, wenn das Wetter sich günstig gestaltet, mit einem reibungslosen Ablauf des groß angelegten Festes zu rechnen.
Besonders eingehend befaßte man sich mit den 20 Sonderkonzerten, die im Laufe des Samstagnachmittags in neun Sälen stattfinden, und in denen die Spitzenvereine, des 12. Sängergaues ihre Leistungen beweisen. Es ist zu erwarten, daß der Besuch dieser Veranstaltungen sehr groß \ sein wird.
Ebenso sorgfältig wurde die Gaufeier st unde durchgesprochen. Eine Veranstaltung, der man allenchalben mit größtem Interesse entgegensieht, und in der die Wehrmacht urtö die Gliederungen der Partei mit der Sängerschaft des Deutschen Sängerbundes zusammen in einheitlicher Feier die Volksgemeinschaft in idealster Weise im Liede verkörpern. Alle Gliederungen haben sich freudig in den Dienst dieser einzigartigen Veranstaltung gestellt.
Bei den P l a tz s i n g e n, die an vielen Plätzen der Feststadt erfolgen, werden große Klangkörper, ost ganze Sängerkreise, mit ihren Liederfolgen auf» treten und kunstvolles und volkstümliches Liedgut darbieten. Dabei-ist auch der Kranken, die im Klinikviertel liegen, gedacht; auch dort wird ein Sängerkreis fingen, um auch die Kranken zu ihrem Teil an dem Fest zu beteiligen.
Mit großen Erwartungen sieht man der Aufführung der „Jahreszeiten" in der Volkshalle mit einem Chor von über 400 Sängern und namhaften Solisten unter Leitung des Kreischorleiters Schmitten (Langen) entgegen. Die gesamte musikalische Leitung des Gaufestes liegt in den Händen des Gauchorleiters, Professor Dr. T e m e s - vary (Gießen). »
Für die Tausende der'Festbesucher aus dem gesamten Gaugebiet sind Sonderzüge vorgesehen.
„Zirkus Europa^ in Gießen.
Zum kommenden Wochenende wird wieder einmal auf Oswaldsgarten ein -Zirkus, der „Zirkus Europa", feine Zelte aufschlagen. Wieder einmal wird man in unserer Stadt deutsche artistische und zirzensische Kunst erleben können. Der Zirkus Europa, der einen umfangreichen Tierpark mit sich führt, wird ein Programm zeigen, das anzusehen sich lohnt. Akrobaten der Luft werden ihre Kunst zeigen, ein Musikalclown die Zuschauer unterhalten, Tscherkessen werden ihre Reiterkunststücke vorführen, ein Teufelsmensch wird den Todessprung aus der Zirkuskuppel wagen und noch vieles andere wird geboten werden. Der Zirkus wird bereits am Freitag feine erste Vorstellung geben.
„DasMeniuni in der deutschen Geistesgeschichte"
Vortragsabend im NSO.-Oozentenbund.
Für den gestrigen Dienstag abend hatte der NSD. - Doz^ntenbund an unserer Universität in der Gemeinschaft mit dem Deutschen Volks- bildungswerk in der NSG. „Kraft durch Freude" zu einer Versammlung in die Neue Aula der Universität eingeladen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Prof. Dr. Günther Franz (Jena) über das Thema „Das Judentum in der deutschen Geistesgeschichte". Prof. Dr. H u m- m e l begrüßte die Zuhörer, die dem von hoher Warte aus gehaltenem Vortrag mit größter Aufmerksamkeit folgten. Prof. Dr. Hummel eröffnete den Abend mit Grußworten.
Prof. Dr. Franz gab zunächst vom Geschichtlichen her einen Ueberblick zum Thema, wies darauf hin, daß bis in das beginnende 18. Jahrhundert der Jude unter Fremdenrecht gestanden habe, in Ghettos wohnte und es bestenfalls zu einiger wirtschaftlicher Bedeutung gebracht habe. Exst verhältnismäßig spät sei der Jude in das deutsche Geistesleben eingedrungen. Im Mittelalter und noch in der Zeit der Reformation sei er ohne wesentlichen Einfluß auf das deutsche Geistesleben gewesen und selbst Luther habe anfänglich den Juden nicht unfreundlich aegenübergeftanben — allerdings habe sich später sein Urteil gründlich gewandelt. Luthers Reformation sei im Letzten volksbewußt und deshalb von Natur und unserem deutschen Standpunkt aus gesehen, judenfeindlich gewesen. Demgegenüber seien Luthers Feinde stark jüdisch beeinflußt gewesen, insbesondere der Jesuitenorden habe geraume Zeit unter jüdischer Initiative gestanden.
Zu einer wirklichen Problemstellung fei die Judenfrage erst im 18. Jahrhundert gemöröen. Mit den sog. „Hofjuden" sei der Einflußbereich der Juden gewachsen, da sie mit ihrem (Selbe in Bedrängnis geratenen Fürsten halfen und versuchten, den Staat zu kapitalisieren (z. B. Jud Süß Oppenheimer am württembergischen Hof). Als den Ausgangspunkt einer verstärkten Einflußnahme jüdischen Geistes auf das abendländische Geistesleben bezeichnete der Vortragende die sog. „Juden-Eman- zipation" zu Beginn des 19. Jahrhunderts, durch die der Jude zum Staatsbürger wurde, jene Emanzipation, die ausgelöst wurde durch Idealisten, die glaubten, daß der Jude nur aus feiner Umgebung gelöst werden müsse, um anders werden zu tpnnen — und durch jene, die vermeinten, daß das Chri
stentum den Juden in seiner charakterlichen Anlage zu wandeln vermöchte. Auf der Grundlage der Emanzipation (der Taufe und der Toleranz in Fragen der Rasse) habe sich im 19. Jahrhundert ein breiter Strom jüdischen Einflusses auf das deutsche Geistesleben ausbreiten können sowohl in der Literatur, wie in der Kunst, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik. Der Jude habe sich insbesondere zum Mittler deutschen Geistes aufgeworfen. Die Biographien großer deutscher Männer seien mit nur wenigen Ausnahmen von Juden geschrieben worden. In feinen weiteren Darlegungen wies der Redner darauf hin, wie besonders dem Juden die Geschichtswissenschaft liege, ohne daß ihm die eigentliche Anschauung zu eigen sei. Die reine Darstellung sei ihm versagt. Vielmehr verwandle sich unter seinem Geiste alles zu einem philosophischen Extrakt, zu einer Abstraktion, die den Wirklichkeiten durchaus nicht gerecht werde. Dem Juden mangle auch das wahrhaft Schöpferische! Nach weiteren Darlegungen über den politischen Einfluß, den Juden insbesondere im 19. Jahrhundert in Deutschland nehmen konnten, wandte sich der Redner der Unwandelbarkeit jüdischen Wesens und Charakters zu, indem er Vertreter dieser Rasse schilderte, die deutsch zu fühlen und zu denken glaubten und doch niemals ihre rassische Eigenart zu verleugnen vermochten. Dies bewies der Redner am Beispiel Rathenau mit untrüglichen Argumenten.
Schließlich ging der Redner noch den Quellen jüdischen Reichtums nach und schilderte den Juden als den Kriegsgewinnler, der schon seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis zur Gegenwart zwischen den Fronten stand und die heroischen Blut- opier der Völker zum Geschäft für sich ummünzte.
Abschließend wies Prof. Dr. Franz die Wege, die dazu führen können, den jüdischen Einfluß immer mehr auszuschalten. Er mies darauf hin, daß es der Arierparagraph alleine nicht vollbringen könne — vielmehr sei notwendig, sich auf eigene Art zu besinnen, in arteigenem Sinne zu denken, und gesunden Instinkt zu beweisen. Dann werde die Judenfrage bald kein Gegenwartsproblem mehr sein, sondern nur noch eine historische Entwicklung bedeuten.' (Lebhafter Beifall!)
Prof. Dr. Hummel dankte dem Redner für seine aus reichem Wissen geschöpften Darlegungen und schloß den Abend mit dem Gedenken des Führers.
Bekenntnis zu Brauchtum und Führer.
Oie Bewegung feiert das Fest der Sommersonnwende.
Herrlicher Abendhimmel wölbt sich über dem Schiffenberg, als die Hitler-Jugend und BDM., die SA., Politische Leiter, Polizei und die ff sich auf dem Schiffenberg versammelten, um gemeinsam das Fest der Sommersonnwende zu begehen. Im offenen Viereck waren die Formationen um den hoch aufgeschichteten Holzstoß angetreten, als einige ff- Männer und Führer der HI. mit brennenden Holzfackeln durch das Haupttor des SchiffenberHs ein» marschierten, um um den Holzstoß Aufstellung zu nehmen.
Ein Marsch, gespielt vom Spielmannszug der Marine-HI., eröffnete die Feier. Gemeinsam wurde von der Hitler-Jugend und dem BDM. das Lied „Lasset im Winde die Fahnen wehn" gesungen. Dumpfer Trommelwirbel erklang dann im nächtlichen Hof. Führerworte weckten in den Kameraden der Bewegung und in den vielen Hunderten von Volksgenossen, die teilnahmen, die Besinnung, den Glauben an die Idee und die Liebe zum Volk. Hellauf prasselte dann das Feuer, das durch die Fackelträger zu hoher Flamme entfacht wurde. Das alte Feuerlied „Flamme empor" wurde mit starker innerer Anteilnahme von jedermann mitgesungen.
Stammführer Dr. Schneider
wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung dieser Feier hin, durch die alte Sitte unserer Vorfahren erhalten und weitergetragen werden soll. Er ge
dachte auch in dieser Feierstunde der Gefallenen des Weltkrieges und der Bewegung und forderte feine jungen Kameraden auf zur Weiterführung des Kampfes, zur Leistung im Lebenskampf und vor allem im Beruf. Denn „Niemals wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu!", waren feine Worte, die ausklangen in dem Gelöbnis der unwandelbaren Treue zum Führer.
Dann übergab der Sprecher der HI., Stammführer Dr. Schneider, eine brennende Fackel symbolhaft dem Führer des Sturmbannes 1/83. ff-Stand arte,
^-Untersturmführer Stastny-Hain, der versprach, das Feuer bis zu der Wintersonnwende, dem 21. Dezember, zu wahren. Er führte in seiner Ansprache die Zuhörer im Geiste zurück in die Zeiten der Entstehung dieser Feier, die schon vor 2000 Jahren unseren Vorfahren als ein Aufruf zum Kampf für alles Edle und gegen alles Feindliche galt. So solle die Feier äuch für uns ein Aufruf zum Kampf für hie Idee unseres Führers und für die Ziele und Aufgaben unserer herrlichen Bewegung sein. In unseren Herzen solle die reine Flamme unserer Idee brennen, so wie die reine Flamme dieses Sonnwendfeuers. Freie deutsche Menschen wollen wir sein, so wie es unsere Ahnen waren.
Dann brachte der Sprecher der ff folgenden Feuerspruch zum Vortrag:
Mein erster Spruch heißt: Heil dem Manne, der nicht dem Wind vertraut wie diese Glut! Der aus sich selber wächst, grab wie die Tanne, der weiß, was Wasser ist und weiß, was Blut!
Mein zweiter Spruch heißt: Heil der Treue, die nicht in Asche fällt, wie dieser Stoß!
Die, wie die Flamme, immerzu aufs neue
sich selbst erzeuge und wärmt und lebt ihr Los!
Mein dritter Spruch heißt: Heil dem Feuer, das durch den Qualm zur reinen Hohe bricht! Das durch die Winde wächst und immer freier, schlank wie die Tanne, Odem wird und Licht!
So sag ich Heil! Heil allem Offenbaren, das aus des Lebens reiner Tiefe stammt!
Heil jedem Brand, der durch die Not zum Klaren, aus Qualm und Asche in den Himmel flammt!
Stammführer Dr. Schneider ließ die nächtliche Feierstunde ausklingen mit dem „Sieg-Heil!" auf den Führer, dem die Volksgenossen das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied folgen ließen.
Während der brennende Holzstoß langsam in sich zusammensank, fanden sich die Formationen der Be- roegung in den Räumen des Schiffenbergs ein, um bei gemeinsam gesungenen Liedern, noch einige frohe Stunden zu verleben. Sto.
Sonnwendfeier
des SA.-SturmeS 43/116.
Denen, die daran teilnehmen dursten, wird die Sonnwendfeier des SA.-Sturmes 43/116 in schöner Erinnerung bleiben, nicht nur wegen des schönen LandschaftÄnldes, das sich dabei bot, sondern weil dabei Wunsch und Wirklichkeit in schönster Vollendung von einsatzbereitem SA.-Geist zeugten. Auf dem Gelände unterhalb der Liebigshöhe hatten die Sturmmänner die Baugrube für das Haus eines
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Kameraden geschaufelt, und hier fand nun auch diese Sonnwendfeier statt. Beim Sturm waren auch drei Kameraden aus der Ostmark, aus Linz, die Feriengäste des Sturmes, die dabei gleich den besten Anschluß fanden. Als nun die Dunkelheit hereingebrochen war und das Landschaftsbild von ©lerberg; und Vetzberg wie eine Silhouette vor dem Abend-' Himmel stand, traten die Sturmmänner um den Holzstoß zur Sonnwendfeier an. In ihren Kreis wurde die Sturmfahne hineina^traaen, ein Lied erklang, und dann züngelten die Flammen in die Höhe, die weithin ins Wiefecktal leuchteten.
Sturmführer Sch wend er gab den Gedanken Ausdruck, die in solchen Augenblicken, da die Sonne ihren Kreislauf wendet, deutsche, von Freiheit be- • seelte Menschen erfüllen. Zum ersten Male begehe der Sturm allein hier draußen seine Sonnwendfeier, und dies solle symbolisch die unvergängliche Treue der Kameraden untereinander im Glauben an ihren Führer unter Beweis stellen. Die Kameraden traten dann an die lodernden Flammen und sprachen von dem Zusammenstehen, auf daß die Heimat frei bleibe, und vom Volke, das zum Volke dränge. Dann gelobten sie unter diesen Eindrücken erneut dem Führer ihre Treue. Ein Kampflied ließ diese Feierstunde ausklingen.
Innungsversammlung des Krastfahrzeughandwerks.
Die Innung des Krastfahrzeughandwerks hielt dieser Tage ihre Jahreshauptversammlung ab. Be- zirksinnungsmeister und Obermeister A ß m a n n (Gießen) begrüßte die Berufskameraden und erstattete den Rechenschaftsbericht, dem zu entnehmen war, daß auch das vberhessifche Kraftfahrzeuahand- werk sich restlos in den Dienst der Motorisierung gestellt hat und sich tatkräftig für den Vierjahres- plan einsetzt. Die Mitgliederzahl ist im Steigen begriffen und umfaßte zu Beginn des Jahres 94 Berufskameraden. In einer Reihe von Jnnungs-
Vornan von Hans von Hülsen.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.
8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Und — haben Sie das so ganz aus sich selbst? Ich meine,' sind Sie Autodidakt? Um so größer dann Ihr Verdienst!"
Bartold schüttelte den grauen Kopf, in dem die Augen tief eingesunken lagen.
„Keine Rede von Verdienst. Wirklich nicht. Wenn etwas daran ist — wenn etwas darin zum Menschenherzen spricht, dann ist das Gnade, Gottesgeschenk. Und ich bin auch gar kein Autodidakt —"
„Ich dachte es mir. Wer so etwas hervorbringen kann, der muß gewisse Dinge studiert haben. Gewisse rein technische Dinge, möchte ich sagen."
„Ja. Das muß wohl sein. Und das habe ich auch getan. Vor unendlich langer Zeit — wenigstens kommt es mir vor, wie eine unendlich lange Zeit —, da habe ich Musik studiert. Aber", fügte er hinzu, und Ottenrieth war es, als geistere dabei.ein kleines Lächeln über fein derbknochiges Gesicht, „das ljabe ich alles vergessen —"
„Vergessen?"
"Za, vergessen", sagte die Stimme, und es klang fast geheimnisvoll. „Mein ganzes Leben von damals habe ich vergessen. Er hat nicht Stich gehalten — wenn Sie mich recht verstehen wollen. Vor allem, was nachher kam, hat es nicht Stich gehalten. Sie sind Musiker?" fragte Bartold plötzlich.
Jählings schoß es Ottenrieth durch den Kopf, daß er sich vor Bartold unmöglich als Komponist des „Hellblauen Engels" zu erkennen geben könnte; gleich einem Vorhang rollte große Scham zwischen ihnen beiden herunter; und geläufig, wie in der Auskunfsstunde in Torbole, sagte er:
■ „Nein — ja und nein, wie man es nehmen will. Eigentlich bin ich Industrieller, aber mein besseres Ich, wen», ich so sagen darf —, das darf ich vielleicht einen Musiker nennen. Und darum war es mir ein so befonderes Erlebnis, als ich neulich hier in diesem weltverlorenen Dorf — ja, wirklich, ich mache keine Phrasen, es war mir. wie eine Offenbarung! Und ich bin heute gekommen, weil ich hoffe, es wird mir beschieden s^in, bas Ganze zu hören — die ganze Fuge —, wenn Sie mir die Freude machen wollen."
Bartold sagte: „Wenn es Ihnen Freude macht, dann kommen Sie heute abend in die Kirche, so um neun Uhr, dann spiele ich noch einmal das Ganze. Wissen Sie", fügte er unmittelbar hinzu: „ich spiele es eigentlich um meinetwillen, weil es mir immer noch nicht genügt, weil ich noch immer daran arbeite — so vieles wird einem erst klar, wenn man immer wieder das Ganze hört." —
Als Ottenrieth, die äußerste Kraft seines Motors entfesselnd, die nachtdunkle Uferstraße entlangschoß und nach Hause kam, trat ihm der Baron entgegen, der in der Halle mit einem Rudel bunt gekleideter Frauen Schnäpse gefrunfen hatte
„Schonen Gruß vom Fräulein Rührmichnichtan — die Todesco sind heute abend abgereift."
*
„Was meinst du, Francesco? Ob er Mort hält und wiederkommt?"
Der alte Pfarrer Majslli sagte so, aus langem Sinnen heraus. Sie. saßen in der Dunkelheit in Bartolds Stübchen, um die späte Abendstunde. Der Blinde hielt die Hände über den schwarzweißen Tasten des kleinen Harmoniums und phantasierte leise darauf, dann und wann einen Akkord greifend, ein Register ziehend.
„Ich weiß nicht", sagte er, ohne den Kopf zu heben, und spielte ruhig weiter.
^Es war am Abend nach Ottenrieths Abreise von Sant Ambrogio, an einem der letzten Augusttage. Zum ersten Male seit vier Tagen waren die beiden wieder jo allein wie sie d/irch fast zwei Jahrzehnte immer gewesen.
Ja, vier volle Tage hatte Ottenrieth in Sant Ambrogio verbracht. Und dann war er unmittelbar nach Wien zurückgefahren.
Nachdem er die Nachricht von der plötzlichen Abreise Renatas und ihrer Eltern empfangen, war ihm die „Casa Rossa" und das ganze loroole verleidet gewesen — nur noch Schauplatz einer Erinnerung, oon der er nicht zu sagen wußte, ob sie ihn mehr beglückte ober quälte. So nahm er, rasch entschlossen, ein gleichgültiges Telegramm seines Agenten zum Anlaß, bem Baron zu eröffnen, er müsse leider vorzeitig reisen. Aber er fuhr nicht die gewundene Straße nach Nago hinaus, sondern steuerte den Wagen die Gardesana auf bem östlichen Ufer entlang — sehr zur Verwunderung Leutstettens, und stoppte erst vor dem Gasthof „Ire spade" in Sant Ambrogio.
Wie einen alten Bekannten begrüßte ihn der hemdärmelige Wirt, höchlichst erstaunt, daß der elegante Fremde die Absicht äußerte, nicht nur diese Nacht, sondern einige Tage im Dors und in seinem
Albergo zu verweilen — derlei war ihm noch nie passiert, seit er die „Ire spade" von den Schwiegereltern übernommen!
Der Steyr wurde in den Hof gebracht, wo er unter dem riesigen Schirmdach einer uralten Kastanie genau so gut stand wie in einer Garage, und Ottenrieth selber richtete sich mit seinen Sachen in einem einfachen, weiß gekalkten Zimmer des Oberstockes häuslich ein, bas zwar weder fließendes Wasser noch sonst irgendeine Bequemlichkeit, dafür aber über die gewölbten Wipfelmassen der Oelbäume hinweg eine Aussicht auf den See besaß, die feiner anderen nachstand. Drüben, jenseits der gleißenden Fläche, lag, im Licht flimmernd, Gardone, vom Schneegebirge malerisch überragt.
Und von nun an war Ottenrieth täglich viele Stunden lang im Pfarrhause. Saß bei dem blinden Bartold, ließ sich von ihm auf dem Harmonium Vorspielen. Und Abend für Abend lauschte er im Kirchengestühl bem Orgelspiel, das ihn wie Zauberspruch an diesen Ort bannte.
„Ich glaube ganz bestimmt, er kommt wieder", sagte der alte Pfarrer durch die Dunkelheit, als das Harmonium einmal schwieg. „Er war ja ganz wie besessen von deiner Musik, Francesco! Mich hat es jo froh gemacht, daß einmal auch außer mir noch jemand ■ war, dem du etwas geben konntest. Warst du nicht auch froh?"
„Ja — schon", antwortete Bartold, ein wenig Zögernd. „Gewiß freute es mich. Obgleich ich ja bei meiner Musik nie an Zuhörer gedacht habe, sondern nur daran, bas auszudrücken und darzustellen, was sich in mir regt und ans Licht will. Sieh, Freund, du weißt es ja, daß ich die Musik als etwas ansehe, was dem Gebet verwandt ist. Dem »Gespräch des Herzens mit Gott. Und denkt der Beter an ein Publikum oder an Beifall?"
„Gewiß nicht. Aber ich meine, die Musik ist eine priesterliche Kunst. Und einem Menschen etwas zu geben — und du hast diesem Menschen etwas gegeben, Francesco, das weiß ich wohl, das sah ich an seinem Gesicht, wenn er bir lauschte! Das muß dich boch auch froh mad)en und mit Dank erfüllen. Und darum hoffe ich, er macht sein Wort wahr und kommt wieder."
Bartold schwieg eine Welle, während er eine kleine Melodie unter seinen Fingern entließ.
„Ader mir war es doch immer so fremd, wenn er hier bei mir in der Stube saß", sagte er bann. „Ich fühlte immer, es war ein fremdes Etwas in unsere alte Gemeinschaft getreten Denn, auch wenn bu recht hast, auch wenn ich ihm wirklich »twas gegeben habe mit meinem Spiel, bas eine habe ich!
doch immerfort gespürt, daß er ein ganz anderer Mensch ist als ich und du. Ein weltlicher Mensch, möchte ich sagen, und es soll kein Vorwurf für ihn sein. Er lebt ja in der Welt und mit ihr und für sie. Mir war es immer ein wenig leid um unsere stillen Abende, die seine ©egepmart zerstörte. Und darum wünschte ich beinahe, er käme nicht wieder."
„Dürfen wir so eigensüchtig denken, Freund?"
„Ich weiß, ich weiß. Aber — schau, ich bin doch hier in den langen Jahren zu einer Art Einsiedler geworden. Und diesen Frieden, den störte er mir. Ich fyabe in jeder Sekunde gefühlt, daß er von da drüben kommt. Vom anderen Ufer! Von dem Ufer, das ich verließ, als ich in den ewig schwarzen Nachen stieg. Als er mich nach all dem Schrecklichen hierher trug und ans Land setzte. Und er, der Fremde, der brachte so vieles mit, was mich erregte — was mich an das Einst erinnerte, das ich längst abgetan gewähnt! Sieh, er rührte eben so viele Dinge in mir auf, die längst weggesackt waren, die ich längst vergessen geglaubt — vergessen und überwunden —" Xy
„Dunkel redest du, wie noch nie", sagte Majelli.
„Dunkel. Ja. So dunkel, Giuseppe, wie es heute in mir ist. Ach, ich wünschte, er käme nie, nie wieder! Glaube mir, Freund — ich übertreibe nicht, es ging mir immer durch und durch, wenn er hier bei mir saß und zu mir sprach. Wenn er plötzlich Dinge — Orte — Namen nannte, die mir einmal viel bedeutet haben. So viel, daß ich damals glaubte, sie wären der ganze Inhalt meines Lebens — damals, als ich noch selber am anderen Ufer war und nichts von dem schwarzen Fährmann ahnte — als das Leben noch licht vor mir auf- geschlagen war wie ein großes Buch, das ich unablässig studieren mußte! Alles erinnerte mich, alles quälte mich. Obwohl er mir gewiß eine Freude machen wollte. Ich kann dir das nicht so erklären. Es war ein großer Aufstand in meinem Herzen. Die loten standen wieder auf!"
d „Die loten — Francesco, wie sonderbar redest
„Du mußt doch gemerkt haben, Giuseppe — du mußt doch gemerkt haben, wie aufgeregt ich immer war, wie ich ganz anders spielte als sonst?"
,Lch habe es gemerkt." Der Pfarrer nickte. „Aber ich habe mir immer gedacht, daß dich das Gefühl eines aufmerksamen Zuhörers, eines verständnisvollen Zuhörers aufregt und befeuert, daß cs dir gewissermaßen neuen, starken Wind unter die Schwingen gibt."
(Fortsetzung folgt!)


