Der Führer beglückwünscht Leni Riesenstahl.
Die festliche Uraufführung des Olympia-Films hinterließ bei den Ehrengästen einen starken Eindruck. Als der erste Teil des Olympia-Films vorüber war, brach ein Sturm des Beifalls los, und der Führer beglückwünschte Leni R i e f e n st a h l zu ihrem Werk. — (Scherl-M.)
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Go entstanden 400 km Olympia-Film.
Von der Lestiuspyramide zum Qm'rinal.
Oie Einzugsstraße des Führers in ORom.
Bon unterer Sonderberichterstatterin Adelheid Oehio.
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Dieses Bild gewährt einen Ueberblick vom Stand der Bauarbeiten an der neuen Bia Triumphalis, die von dem ebenfalls neuen, im Süden Roms an Stelle des alten Ostia-Bahnhofs entstandenen Bahnhof zur Porta San Paolo, dem besterhaltenen Tor der alten Stadtmauer, führen wird, lieber sie wird der Führer in die Ewige Stadt einziehen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Zur Uraufführung des ersten Teiles in Berlin.
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Leni R i e f e n st a h l und Guzzi L a n t s ch n e r suchen Standpunkte für die Kamera. — (Mater Tobis-Olympia.)
schau kann man drei Minuten lang lautes Geschrei der Zuschauer aushalten, nach zwei Stunden aber würde man reif für ein Kopfschmerzenmittel sein."
Berlin, im April.
Man denke sich ein Band, in der Luftlinie von Berlin nach Nürnberg gespannt — dann hat man die Vorstellung von der Länge des Filmstreifens, der für den Olympia-Film gedreht wurde. Und nun denke man sich, welch eine Ausgabe es sein muß, diese Bildstreifen sorgsam zu prüfen, um einen „Extrakt" von ein paar tausend Filmmeter herauszufindenl
.«Das gesamte Material — rund 400000 Filmmeter — hat Leni R i e s e n st a h l selbst gesichtet", erzählt einer ihrer engsten Mitarbeiter, Lan» t i n. „Warum soviel Rohmaterial gebraucht wurde? Nun — zunächst einmal mußte natürlich alles gefilmt werden, was über- Snur irgendwie mit den pischen Spielen zusammenhing. Denn eine Szene, die einmal versäumt wurde, wiederholte sich niemals. Nur ein einziges Mal taten uns die Kämpfer den Gefallen, eine.Szene' noch einmal 3u spielen': das war der Stabhochsprung im Schein- w e r f e r l i ch t, von dem wir noch ein paar Tage nach der Entscheidung Ergänzungsaufnahmen machten Sparsame Leute brauchen übrigens nicht die Köpfe über vermeintliche Materialverschwendung zu schütteln. Es sei verraten, daß neben dem eigentlichen Olympia-Film Stofs für rund zwei Dutzend Sport- Lehrfilme gewonnen wurde. Aber die Hauptsache war selbstverständlich der Olympia-Film, der rund 6500 Meter lang ist
und aus zwei abenbfüHen»
den Teilen besteht. Er kommt zunächst in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und später vielleicht auch in Spanisch heraus."
Im Schneideraum trifft man Guzzi Lantsch - n e r Er wirkt etwas blaß, die Stuoenluft scheint ihm nicht zu bekommen. Kaum erkennt man den quicklebendigen, wetterbraunen „Skifloh", der bei den Olympischen Winterspielen die Silbermedaille im alpinen Wettkampf gewann. Lantschner ist aerobe damit beschäftigt, Ueberblenbungen zu bearbeiten; sorgfältig legt er zwei Bildstreifen übereinander, auf dem eiben das vollbesetzte Olympiastadion, auf dem anderen die hin und her schwingende Olympiaglocke.
„Niemals wird der Zuschauer ahnen, wieviel Kleinarbeit in diesem Film steckt", meint Guzzi Lantschner, „jeder Filmmeter, der in Sekundenschnelle abläuft, ist unzählige Male geprüft worden. Ader wir wissen wenigstens, wofür wir arbeiten Noch niemals konnte ich so mit Leib und Seele bei der Sache sein wie bei dieser Aufgabe. Ich kenne ja nun die Bildstreifen genug, ober immer wieder, wenn ich den Film auf der Leinwand sehe, ist es für mich als Sportsmann ein Erlebnis."
Im nächsten Schneideraum prüft Leni Riefen- fta 1)1 aerobe die Szenen des Diskuswerfens am Abhörtisch. Ein elektrischer Apparat läßt den Filmstreifen in einem buchgroßen Blickfenster im Zeitlupentempo abroUen, gleichzeitig hört man den Sprecher Namen und Weiten verkünden. Leni Riefen stahl geht auf Fragen ein;
„Sie meinen, ich müßte anfangs Alpdrücken gehabt haben, wenn ich an die 400 Kilometer Film dachte? Das war, genau genommen, nicht das Schwerste. Es hat natürlich Monate gedauert, bis das Gute, das Brauchbare und das Unbrauchbare voneinander gesondert und bis bann bei roieber- holtet Siebung immer roieber bas Wesentliche herausgesucht war. Aber am meisten Kopfzerbrechen hat mir bie Synchronisierung bereitet Stellen Sie sich vor: In einem normalen Spielfilm werben vielleicht ein paar hundert Meter nachsynchronisiert — hier sinb es fast 7000' Manchmal sind vier, fünf ober gar sechs Tonbänber überein- anber kopiert worben, um die Stimmung des olympischen Kampfes einzufangen Man muß G e • räusche mischen w i e einen Cocktail Unb da heißt es vorsichtig dosieren. In einer Wochen-
Von der technischen Meisterung des gewaltigen Stoffes kommen wir zur Linie der künstlerischen Gestaltung. Leni R i e f e n st a h l sagt:
„Genau so, wie der Sinn der Olympischen Spiele nicht nur darin liegt, daß der eine schneller ober stärker ist als ber andere — genau so kann der Sinn des Filmes nicht allein darin liegen, Ergebnisse unb Kampfszenen zu zeigen. Das war ja seinerzeit Aufgabe ber Wochenschauen. Schönheit, Rhythmus und lebensvoller Kampf — darin sehe ich die Hauptelemente der olympischen Idee. Und diese Idee, die über Aschenbahn ober Schwimmstadion hinaus gültig ist, bie eine Ibee unseres Zeitalters bedeutet — sie soll in diesem Film gestaltet sein. Natürlich hätte man den Film früher herausbringen können, aber bann wäre er nicht so geworben, wie er ist. Unb ich alaube: Es wäre eine nicht mehr gutzumachenbe Sünbe gewesen, ein einmaliges Ereignis wie bieses olympische Friedensfest im Herzen Deutschlands in Hast unb Atemlosigkeit behandeln zu wollen..."
Ein paar Minuten später sitzen wir mit Dr Paul Lavens dem bekannten Rundfunksprecher, der Hauptansager dieses Filmes ist, im Vorführraum. Man weiß nun genau, daß Woodruff den 800- Meter-Lauf gewann, vor L a n z i und Edwards. Doch seltsam: Plötzlich ist man im Bann dieses dramatischen Laufes, stärker noch als damals, als man die Läufer unten um das Rasenoval jagen sah: Die Kamera macht das Rennen mit. sie zeichnet jede Bewegung der Muskeln, jede' Regung des Gesichtsausdrucks wird deutlich Man erlebt Kampf von unheimlicher Konzentration Man vergißt, was man weiß, man sieht nur die federnde Kraft dieser Körper, sieht den plötzlich mit weiten Sätzen vorstoßenden Neger Woodruff und erlebt mit klopfendem Herzen das Ringen des tapferen Italieners Lanzi. Die Ansage des Sprechers Dr Laven reißt mit..
Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Olympia- Film Ihn sinngetreu schaffen konnte allein ein Mensch ber im Innersten künstlerisch unb sportlich zugleich empfindet Li
Rom, April 1938.
Vor Einführung der Eisenbahn pflegten die Besucher Roms, die von Norden kamen — und das war die überwiegende Mehrzahl —, über die Tiberbrücken Ponte Milvo oder Molle und durch die Porta del Popolo die Ewige Stabt zu betreten. Am Ponte Molle, der historischen Rörner- brücke, die selbst ber großen Überschwemmung bieses Winters standgehalten hat, pflegte die feierliche Begrüßung von Kaisern, Fürstlichkeiten und Botschaftern auswärtiger Mächte durch Abgesandte des regierenden Papstes stattzufinden Ein berühmter Einzug dieser Art war der der abgedankten Königin Christine von Schweden, ber Tochter Gustav Adolfs, die zum katholischen Glauben übergetreten war unb der zu Ehren die innere Fassade ber Porta bei Popolo von Bernini verschönt wurde.
Seit ber Einführung der Eisenbahn aber langt der Fremdling auf dem nüchternen Bahnhof Termini an. Wenn das Betreten der schönen Piazza del Popolo dem Einzug in die Ewige Stadt stets eine gewisse Weihe verlieh, so wirkt die Ankunst hn modernen Bahnhof auf die gehobene Stimmung des Besuchers meist recht ernüchternd. Auch der Weg durch die lange, gerade Via Nazi o n a l e, die vom Bahnhof zur Piazza Venezia hinabsührt und von allen Ehrengästen der letzten Jahrzehnte benutzt wurde, ist nicht gerade dazu angetan, Rom von seiner besten Seite zu zeigen. Hohe Wohn, und Geschäftshäuser aus dem architektonisch unbedeutenden Ende des vyrigen Jahrhunderts unterscheiden die Dia Nazionale in nichts von den modernen Straßen einer x-beliebigen mittelgroßen Stabt Europas, ganz abgesehen von ihrer Kürze unb Enge, die nur für eine sehr beschränkte Zuschauermenge Raum läßt. Das eignet sich tatfäcbl^ nicht für den festlichen Einzug des Führers in die Ewige Stadt! Hingegen besitzt Rom dank Mussolinis Tatkraft eine Prachtstraße, wie sie keine andere Stabt der Welt aufweist: die V i a d e l l' I m p e r o und ihre Fortsetzung, die 93 i a bei Trionfi, die beide mitten zwischen den bedeutendsten Denkmälern des römischen Altertums hin- durchführen. So war es ein naheliegender Gedanke, den Einzug des Führers durch diese herrlichen Strafen ftattflnben zu lassen.
Zwar gibt es bisher im Süden der Stabt noch keinen geeigneten Bahnhof, in den der von Norden kommende Sonderzug des Führers einlau- fen könnte, aber zwei Monate sind im faschistischen Italien Zeit genug, um einen solchen Bahnhof zu bauen. Da hier die Bahnlinie Rom —Civitavecchia verläuft, so macht ber" Anschluß des geplanten Bahnhofs an das italienische Bahnnetz keine Schwierigkeiten. Außerdem liegt der neue Bahnhof in der Richtung des Geländes für die Meltaus- ft e {l u n g von 1940, so daß er eine große Zukunst vor sich hat. Auch die Anlage de.r Derbindungs- straße mit dem Piazzale Dftienfe und dem antiken Stadttor Porta San Paolo ist verhältnismäßig einfach, da nur wenige Häuser abgerissen zu werden brauchen. Die Straßenarbeiten sind eben in vollem Gange, die neue Straße soll den Namen „Diale Hitler" erhalten.
Ein prachtvolles Architekturbild begrüßt den Ankömmling, sobald er den neuen Bahnhof verläßt: die antike Stadtmauer Roms aus der Zeit des Kaisers Aurelian, dem 3 nachchristlichen Jahrhundert, mit dem zinnengekrönten Stadttor, unb links davon bie berühmte Cestiuspyra- mibe, — ein Grabmal aus dem ersten Jahrhun- bert v. Chr. Im Schatten dieses antiken Gemäuers liegt unter dichten Zypressen unb Steineichen der stimmungsvolle protestantische Friedhof Roms, auf dem außer den englischen Dichtern Keats und Shelley auch die Gräber von Goethes Sohn August (gestorben in Rom 1830). von Wilhelm von Humboldts Kindern, von Malwida von Mensenbug, Waiblinger und vielen anderen deutschen Rompil- gern liegen lieber den Baumwipfeln des Friedhofs ragt in der Ferne bie prachtvolle Silhouette ber Peterskuppel auf
Das antike Stadttor besten wohlerhaltene Außenseite aus der Zeit des Kaisers Honorius (402) stammt, ist für bie Anforderungen des modernen Verkehrs natürlich viel zu eng. fo daß man in ihrer Nähe bereits eine breite Bresche in bie alte Stabt» mauer geschlagen hat Von hier führt ber baumbestandene Viale Aventino auf den Piazzale des Cir- cus Marimus Nachdem man den äußeren Mauer- ring durchschritten hat, kommt man bald an den Resten ber inneren, älteren Stabtmauern vorbei, bie noch aus ber Zeit des Königs Servius Tullius stammen Links erhebt sich der Hügel des A v e n ■ t' n einer der sieben Hügel Roms her ebenso wie ber Caelius (Monte Celia) durch seine uralten Kirchen berühmt ist. Auf dem Aventin hauste der
jugendliche deutsche Kaiser Otto III., der Enkel OttoS des Großen und der Kaiserin Adelheid.
Der Piazzale di Circo Massimo bildet den Eingang in die schönste unb bedeutenbste Zone besten, was vom antiken Rom erhalten ist. Rechts zweigt bie 93 i a 21 p p i a , die „Königin der Straßen" ab. Hier liegen im Grün ber sogenannten „Passeggiata Archeologica" die massigen Ruinen der Cara- calla-Thermen, bie im kornmenben Sommer als Schauplatz von Freilicht-Opernaufführungen fürs Volk bienen sollen . Zur Linken öffnet sich ein freier Platz, — einst ber Circus Maximus ber Antike, heute Ausstellungsgelänbe. Der Circus stammte noch aus ber Zeit der Könige, wurde von den Kaisern prächtig ausgestattet unb könnte etwa 200 000 Zuschauer fassen. Die letzten Wettspiele wurden hier in der bereits verödeten Stabt durch ben Gotenkönig Totila im Jahre 549 veranstaltet. Einzelne noch erhaltene Zypressen erinnern an ben tausend- jährigen Judenfriebhof, ber hier lag und vor einigen Jahren verschwunden ist. Dahinter erheben sich hoch und imponierend die gewaltigen Unterbauten der K a i s e r p a l ä ft e des Palatin, — beson-
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Unsere Luftaufnahme zeigt einen Teil der Feststraße, über die der Führer seinen Einzug in die italienische Hauptstadt halten wird. — (Associated-Preß-M.)
berg schon, wenn die untergehende Sonne das antike Backsteingemäuer in ihre Glut taucht Und hier beginnt auch die nach Rom hineinführende D i a bei Irionft, geweiht durch ben kürzlich errichteten Obelisken aus Axum in Abessinien Die Tnumphstraße führt nun am Fuß bes Palatinischen Hügels entlang gerade auf ben T r i u m p h b o g e n d e s Kaisers Konstantin zu, ber ihm zur Erinnerung an ben Sieg über Marentius bei Sara Rubra 312 nach Ehr. errichtet würbe. Der größte Teil der Schmuckstücke bes Bogens stammt jeboch von älteren Gebäuden Das dahinterlieaende K o - l o s s e u m steigt bei zunehmenber Annäherung wie ein Gebirge vor einem auf unb man begreift", baß es burch Jahrtausende bas Wahrzeichen ber Größe Roms war Es schaut herab auf bas Ruinenfeld bes Forum Romanum an besten Eingang ber schlanke Titusbogen schimmert errichtet zur Erinnerung an bie Siege bes Titus unb Des- pafian im Kriege gegen bie Juden ber mit ber Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 nach Chr. enbete Die schönen Marmorreliefs im Innern des Bogens zeigen ben Triumphzug bes Titus unb bie in Jerusalem gemachte Beute, die Bundeslabe und ben hebenarmigen Leuchter Von diesem Triumphbogen führte die Via Sacra über das Forum bis zum Septimius-Severus-Bogen und hinauf aufs Kapitol zum Iupitertempel.


