Bücher unter dem Weihnachisbaum.
Deutsche Erzähler.
— Gerhart Ellert: Mohammed, Roman. Verlag W. Scheuermann in Wien I. — (578) — Von Gerhart Ellert besprachen wir schon einen Kreuzritter-Roman, der das Morgenland zum Schauplatz hatte. In dem vorliegenden kommt nun zur Eigenart der Landschaft die Eigenart eines Volkes, dessen religiöse Besonderheit nur aus der eigentümlichen Natur der Landschaft zu begreifen ist. Es ist fast ein unvorstellbarer Gedanke, daß ein kleiner arabischer Scheich, der zur Erkenntnis der Ueberlegenheit des Glaubens an einen ewigen, der Vorstellungswelt entrückten Gott über den primitiven Dämonen- und Fetischdienst seiner Landsleute gekommen ist, nach erbittertem Kampf mit den mächtigen Häuptlingen seines eigenen Stammes zum Stifter einer Religion wirb, zu der sich, obwohl sie wesenttiche Grundauffassungen den damals bereits bestehenden monotheistischen Religionen entliehen und nicht über sie hinausgeführt hat, heute ein Achtel der Menschheit bekennt. Ellerts Roman versucht dies deutlich zu machen mit dem Hinweis auf das von Mohammed den im Kampf für die Lehren des Propheten gefallenen Gläubigen verheißene Paradies, das alle materiellen Kösttichkeiten des Diesseits in den Schatten stellt. Die Flucht nach Medina vor den Drohungen der in Mekka übermächtigen plutokratischen, dem alten Dämonenglauben anhängenden «Geschlechter zwingt den Propheten, in der Fremde Gläubige um sich zu sammeln. Von der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Stamm, von dem mit der Bekehrung zum Monotheismus Mohammeds eng verbundenen politischen Ziel der Einigung aller arabischen Stämme zu einem Volk im gleichen Glauben ist es nur ein kleiner Schritt zur Ausbreitung der neuen Religion durch das Schwert, womit der Islam unter den Nachfolgern Mohammeds dann seinen beispiellosen Siegeszug antrat. Ellert vermag in der Charakterschilderung Mohammeds diese in den einzelnen Phasen kaum spürbare Entwicklung des Propheten vom . Erweckten zum Prediger, zum Kämpfer und schließlich zum poli- ttschen Denker und Staatsmann überaus fesselnd und einleuchtend zu veranschaulichen in dem leidenschaftlichen Ringen Mohammeds mit seinem Gegenspieler Abu Sofyan, dem von Ellert höchst lebendig gezeichneten Führer der konservattven Geschlechter Mekkas, der einmal — seltsame Ironie der Geschichte — Stammvater der mächtigen Kalifen- tmnaftie der Omayaden werden soll.
Fr. W. Lange.
— HansFallada: Der eiserneGustav. Roman. 737 Seiten. Kart. RM. 6,50, Leinen RM. 7,50. Rowohlt, Berlin. — (554) — „Alle Gestalten dieses Buches ... sind Geschöpfe der freien Phantasie ..." Wer den Titel liest, wird sich vielleicht, zumal wenn sein Blick dann auf das ausgezeichnet und knapp charakterisierende Umschlagbild fällt, jenes verrückten Berliner Droschkenkutschers erinnern, der vor einer Reihe von Jahren auf den närrischen Einfall kam, als einer der letzten seines aussterbenden Berufes mit seinem Pferde Grasmus eine Fahrt von Berlin nach Paris und wieder nach Berlin zurück zu unternehmen, was seinerzeit ziemliches Aufsehen erregte und beträchtliche Volksaufläufe (nicht nur in der Reichshauptstadt) zur Folge hatte. Die kleine, halb lächerliche Sensation war natürlich schnell wieder vergessen. Dem Romancier Fallada, der sie hier wieder ausgegraben hat, kam es allerdings weniger auf die Sensation, auf Ulk und Geschäft an, die damit verbunden waren, als auf den Mann, der das ausheckte, den Utberliner Droschkenkutscher Hackendahl, mit Spitznamen genannt „Der eiserne Gustav". Dos klingt nach Groteske oder heiterem Idyll der Vergangenheit —: nichts von alledem: das Buch ist so wenig heiter wie die meisten Bücher Falladas, obwohl er über gefunden Humor verfügt. Sondern dieser eiserne Gustav wird ihm, wer hätte das gedacht, zum Sinnbild einer alten, abgelaufenen, überwundenen Zeit: zum
oinnbiti) aber auch eines unverwüstlichen Lebenswillens, der sich nicht unterkriegen läßt und sich in allem Elend des Dastms und gegen alle Nackenschläge des Schicksals zäh behauptet. Der eiserne Gustav ist der Mann, der seinen Kopf durchsetzt, und der am Ende immer recht behält: er ist der ruhende Mittelpunkt in der Erscheinungen Flucht. Es ist wahrhaftig ein bestürzendes Panorama, das sich da auftut, ein Chaos, ein Hexenkessel: dieser Mann erlebt mtt den Seinen die „gute, schöne Friedenszeit", und wie sie zu Ende geht, den Krieg, den scheinbaren Frieden, die rote Revolte, die Inflation, die Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger, Elend und Laster, ach, den völligen Zusammenbruch der Epoche, in der er groß geworden ist — aber zuletzt auch den langsamen Wiederaufstieg und den Anbruch einer neuen Zeit. Mehr als einmal wird man beim Lesen an den vorausgegangenen größeren Roman „Wolf unter Wölfen" erinnert, den wir früher besprochen haben: man hat den Eindruck, als ob Fallada von diesem Thema nicht los gekommen sei und sich nicht habe retten können vor der Fülle der Gesichte. (Wir haben das ja fast alle selbst mitgemacht und erleben es schaudernd noch einmal nach.) Wie man sich vorstellen kann, ist nicht gerade das daraus geworden, was man früher eine Lektüre „für die reifere Jungend" nannte. Es gibt Szenen in diesem Buche, die einfach schaurig und grausig sind, und es erhebt sich die Frage, ob derAeichen wirklich notwendig und künstlerisch unentbehrlich war im Gefüge der Gesamtkompdsitian. Wir bezweifeln es. Unbezweifelbar ist hingegen die immer aufs neue bewiesene virtuose Schilderungskraft Falladas, das Temperament und die zu- packende Realität feiner Erzählung. Auch dies ist wieder ein Buch von ungeheurer Spannung, die den Leser nicht losläßt, obwohl die letzten Kapitel nicht mehr ganz den Schwung haben wie die ersten und die mittleren. Das Wertvollste bleibt die Gestaltung derer, die sich behaupten und bewahren im Wirbel einer entfesselten Zeit, kraft der Güte des Herzens, dsr Stärke des Willens zum Leben und der Anständigkeit der Gesinnung.
Hans Thyriot
— Will Vesper: Kämpfer Gottes. Gesamtausgabe der historischen Erzählungen. Preis in Seinen 4,80 Mark. C. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh. Das Buch vereinigt sechs historische Bilder, in denen der Dichter leidenschaftliche Kämpfer um das Unsichtbare gestaltet. Die sechs Dichtungen, zu sehr verschiedenen Zeiten spielend, zu sehr verschiedenen Zeiten entstanden, sind doch eines Geistes und fügen sich zu einem einheitlichen großen Fresko. Es ist eine Heerschau jener Kämpfer, die einst berufen waren, im Namen Gottes Gerechtigkeit zu schaffen und eine gottlos gewordene Welt aus den Angeln zu heben. Mit gewaltiger Vollmacht kämpft Luther: mit Schwert und Feuer Hutten: mit Keule und Morgenstern die Bauernheere des Bundschuh, und ein „Einsiedlerpapst" versucht vergeblich seine Kirche zu reformieren. Alle sind sie Kämpfer Gottes, Stürmer und Dränger zwischen zwei Welten.
Horst Biernath: Pitt. Roman. Preis in Leinen gebunden RM. 4.—. Buchwarte-Verlag in Berlin. — (514) — Biernath, von dem kürzlich der Roman „Diamantenkomödie" bei den Lesern des Gießener Anzeigers besonderen Anklang gefunden hat, hat schon früher den Nachweis erbracht, daß er für den ausgesprochenen Lausbuben ein Herz hat. Dieser Pitt, ein richtiger Großstadtbengel, erzählt uns in diesem Roman auf pfiffig-komische Art das Erlebnis feiner I-ungenzeit. Aus der Enge des elterlichen Gemüsekellers Wirft ihn das Schicksal in die große Welt hinaus, in der er die tollsten Abenteuer erlebt, aber, wie das mit einem Jungen seines Schlages immer der Fall zu fein pflegt, immer wieder auf die Beine fällt und auch die schwierigsten Lagen meistert. So.ist dies ein richtiges/Jungenbuch für große Leute.
— Lili von Baumgarten: Der Zug der Unmündigen. Roman aus dem 13. Jahrhundert. Verlag I. I. Weber, Leipzig. Preis» drosch.
Weihnachten in den Tropen, V->n Hans Weiser.
Eine Kokospalme als Weihnachtsbaum sieht eigentlich nicht gut aus. Dennoch hat man schon Unmögliches möglich gemacht. Wer erinnert sich nicht jener Seefahrergeschichte, in der die Matrosen eines deutschen Schoners, der irgendwo in heißen südlichen Meeren treibt, sich am Heiligenabend andächtig um einen Besenstiel scharten, den sie auf dem Tisch aufgepflanzt und mit allerlei Weihnachtstand, wie Muscheln, Korallen, Fischknochen und Kolibrifedern, behängt haben. Oder jenes Reisenden in der afrikanischen Steppe, der am abendlichen Lagerfeuer daran denkt, daß jetzt, ungefähr um diese Zeit wohl, in der Heimat Weihnachten ist und der eine in Stückchen geschnittene Stearinkerze auf einen borstigen Kaktus aufsteckt, womit er sich nicht nur hie Illusion eines Christbaumes verschafft, sondern wobei er auch die Kerzenhalter spart. Heimatbräuche wurzeln nun einmal tief im Menschen. Und die ausgepichtesten Weltenbummler, die hartnäckigsten Ausreißer, die bas, ganze Jahr nicht an Europa denken, gerade die sind es, die dann auf einmal in einer vom Fremdenverkehr noch nicht entdeckten haitischen Negerkneipe „Stille Nacht, heilige Nacht" anstimmen. —
In Jquitos hatte ich den ersten Fieberanfall. Es war zwar ein Arzt da, denn Jquitos ist eine regelrechte Stadt und schon sechzig Jahre alt, und ich gewann den Eindruck, daß der Herr Doktor möglicherweise sogar einmal studiert hat — wahrscheinlich Nationalökonomie. Und ich wußte nur eines bestimmt: daß die feuchtbrütende Sumpfhitze des Amazonas-Tieflandes gefährlich ist und daß mich nur ein Klimawechsel retten kann. Ich mußte um jeden Preis weg und eine höher gelegene Gegend erreichen. Weder mein Begleiter noch ich, keiner hatte einen Cent Geld. Aber die Deutschen halfen uns, wir erhielten eine Freifahrt auf einem kleinen Maranon-Dampfer, in Purimaguas verklopste ich meine Schreibmaschine, der Präfekt verschaffte uns einen indianischen Führer, ein anderer Alkalde lieh uns ein Kanu, wieder ein anderer ein Pferd, mein Begleiter schleppte das halbe Gepäck und so kamen wir ganz gut weiter. Auch wenn man gesund ist, ist die Reise durch diese unwegsamen Gebiete Perus schon eine Anstrengung. Es geht flußabwärts und flußaufwärts, bergab und bergauf, durch Flüsse ohne Brücken und hitzebrütende Sümpfe und über eisige, viertausend Meter hohe Bergzüge. Jeden Tag wechselt die Jahreszeit. Und der Weg ist bald undurchdringlich verwachsen, bald tagelang ein
Flußbett, die nassen Stiefel werden zu Bleigewichten: in der Hitze trocken geworden, zerschinden sie die Füße, man probiert es barfuß und tritt sich Dornen ein, dann ist der Boden wieder steinig und man klemmt sich lieber wieder in die harten Stiefel. Oft blieb ich stundenweit zurück, die Indianer gehen schnell und ausdauernd und rasten nur selten. Wir kamen nach San Antonio. Die Bewohner, als sie meinen Zustand sahen, gaben mir eine Mula (Maultier). Sie redeten uns zu, einen Tag auszu- ruhen, aber wir hatten es eilig. Wir erreichten Ta- rapoto, eine kleine Stadt, in einer felsigen Oase mitten im Urwald gelegen: sonngedörrte Palm- strohdächer spitzen braun aus dem verfilzten Dickicht, überragt von den hohen Büscheln schlanker Kokospalmen. Eine regenarme, . ausgebrannte Gegend, die trockne Hitze unerträglich. In Tarapoto wohnt ein mit einer Chola verheirateter Deutscher. Als ich vor seinem Bambushaus aus dem Sattel glitt, hob er mich auf: „Mann Gottes, Sie retten ins Grab!"
Wir durften einige Tage in feinem Haus bleiben. Der Deutsche schlief in der Hängematte und überließ mir sein selbstgezimmertes Bett, gab uns Proviant, einen Führer und zwei Reittiere bis Juan Guerra.
Am deutlichsten in Erinnerung ist mir die Fahrt auf dem Huallaga. Wir schwammen den stillen, träge träumenden Rio Mayo hinunter bis zur Mündung und wurden dann von zwei Peones auf dem reißenden Huallaga mit langen Stangen stromaufwärts gestalt. Wir wollten Picota erreichen. Non den fernen Bergen zog sich düfteres Gewölk herunter, es regnete und wurde plötzlich kalt. Zuerst machte ich mir nichts daraus und wickelte mich in meine Wolldecke. Wie oft waren wir auf dem Ucayali und auf dem Amazonas durchnäßt worden und eine halbe Stunde darauf in her sieghaften Sonne wieder strohtrocken gewesen. Wir hatten es stets als ein angenehmes Bad empfunden. Aber hier schien ein anderes Klima zu herrschen. Der Regen, wie mit Kübeln geschüttet, dauerte den aan- zen Tag, ein eisiger Wind schlug uns die Wassermassen entgegen, die Welt zerfloß in Gischt und Nebel, das Boot war halb voll Wasser. Die Peones arbeiteten angestrengt, kein Wort wurde gesprochen. Und ich lag im Boot, apathisch, zähneklappernd, zer- weicht wie ein Schwamm. Der Sturm hatte uns aufgehalten, wir kamen nur bis Remopampa: ich wankte die steile Böschuna hinauf.
- Hier bleiben wir. Im Schulhaus."
Es war ein Bambushaus mit feftgeftampftem Lehmboden, auf dem wohl sonst die lernenden Kinder hocken. Denn weder ein Stuhl, noch Tisch oder Bank ober Schultafel waren zu sehen. Wahrscheinlich lernen sie das Zählen an Bananentrauben.
3,80 RM. In Leinen gebunden 4,50 RM. — (556) — Lili von Baumgarten läßt vor unserem geistigen Auge den Kinderkreuzzug aufleben, der im Jahre 1212 am Rhein zusammenströmte und in Italien zusammenbrach. Die ganze Besessenheit von einem Wahn, an dessen Verwirklichungsversuch ein Heer von Kindern scheitern mußte, aste Leiden und Enttäuschungen, alles Verderben, die der Zug mit sich brachte, erleben wir in diesem Buche mit. Die verhängnisvolle Fahrt ist als Stoff nicht aus ihrer Zeit herausgerissen, sondern wird in all ihrem Verhaftetsein mit ihrer Umwelt geschildert.
Vorläufige Anzeigen.
Generalleutnant Dr. h. c. von Rabenau, Chef der Heeresarchive, hat unter Verwendung des schriftlichen Nachlasses des Generalobersten von Seeckt ein umfangreiches Werk herausgegeben: „Seeckt: Aus meinem Leben 1867 bis 1917" (Verlag von Hase und Köhler in Leipzig C1, mit 24 Bildern und 10 Karten, Preis in Leinen gebunden 12,50 RM.), eine auf Grund der Briefe Seeckts an feine Frau verfaßte authentische Lebensbeschreibung des großen Soldaten, die bis zu feiner Ernennung zum Generalstabschef der türkischen Armee im Herbst 1917 führt.
Sucher der Kunst.
— P. Philippi: Die kleine Stadt und ihre Menschen. Bilder — Erlebnisse — Gedichte.. Mit 43 Kunstdrucktafeln, darunter 14 Vier- farben-Drucke und einer Einführung von Carl Meißner. Quartband. Leinen 5,50 Mark. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart-dl. — (506) — Philippi ist Maler-Humorist. Wer die Eröffnungsausstellungen im „Haus der deutschen Kunst" besuchte, erinnert sich, welche Anziehungskraft dort die ausgestellten Bilder des Künstlers auslösten. Sein Le- benswerk ist hier in einer so schönen Ausgabe vereinigt. Der Künstler sucht und findet noch immer
Originale und zeigt sie uns in ihrer oft sonderbaren Umwelt, die er liebevoll bis ins kleinste gestaltet. Mancherlei Vergnügtes weiß er von uns ihnen in den köstlichen Beiträgen: „Erlebnisse mit meinen Modellen" zu erzählen. Carl Meißner schrieb zu dem Buch eine von größtem Verständnis für das Werk des Künstlers zeugende Einführung.
Aus fernen Ländern.
— Land der Spannungen. Das unbekannte Norwegen. Von E. Berggrav. (Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg. Gebd. 4,— RM.) — 333. — Der Autor ist der Bischof von Nord- Norwegen. Er erzählt in diesem Buche, das Thabitg von Bonin aus dem Norwegischen übersetzt hat, in außerordentlich fesselnder Weise von seinen Reisen durch jenes weiträumige Gebiet, das unsere Vorstellungen von der Größe des Landes erheblich
BÜCHER
b« HOLDERER
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übertrifft. Die Reiseschilderungen machen den Leser mit Land und Leuten, mit Freud und Leid, mit Kampf und Verzicht dieses nordischen Volkstums eingehend bekannt. Es werden dabei Blickpunkte auf die Menschen und auf die Natur erschlossen, die sehr aufschlußreich und für die Urteilsbildung über dieses Land sehr wesentlich sind. Bis hinauf auf Spitzbergen im nördlichen Eismeer und bis zu dem weiten Bezirk an der Grenze Finnlands entlang gehen die Reisen, zum großen Teil im Renntierschlitten. Ein Erlebnisbuch voll eindrucksvoller Tatsachen, das dem Leser in hohem Maße bis zum Ende in feinen Bann schlägt und das sehr lehrreich ist. Ernst Blumschein.
Reue und alte Kinderbücher.
— Heinrich Schwambom : Fahrt ins Abenteuer. Eine Iungengeschichte. 115 Seiten. Mit 20 Federzeichnungen. Halbleinen RM. 2,20. Verlag Kösel-Pustet, München. — (336) — Für einen rechten Jungen gibts nichts Schöneres, als kühne, womöglich verbotene Abenteuer zu vollbringen. In vier Geschichten von großer Spannung erzählt Heinrich Schwamborn von einem tatenfrohen munteren Jungen und seinen Freunden, die große Schlachten ausfechten, Gefahren siegreich überwinden und in Wäldern und an Gewässern ein herrliches Leben voll wagelustiger Unternehmungen führen.
— Auf der Grundlage seines berühmtesten Buches, des „Struwwelpeters" von Dr. Heinrich Hoffmann, baut der Verlag Rütten und Loening in Potsdam feine Kinderbücher-Abteilung neu auf. Den Anfang macht eine Reihe von Einzelausgaben deutscher Volk- und Kunstmärchen, die liebevoll ausge- ftattet und von Künstlern bebildert sind, welche sich in der Buchillustratton bewährt haben und sich der Verantwortung ihrer Aufgabe bewußt find. Bis jetzt liegen drei der bekanntesten und schönsten Märchen der Brüder Grimm vor: „Das Rotkäppchen", mit farbigen Bildern von Karl Vollmer, „Die Br e m e.r St ad t mufi k an te n", mit farbigen Bildern von Karl Vollmer, und „T i s ch l e'i n deckdi ch", mit farbigen Bildern von Fritz Kredel. Gebunden je 1,50 Mark. — (552) — Die schlanken, handlichen Bände werden allen Kindern, vielleicht sogar vielen Erwachsenen Freude bereiten und als Geschenk auch da willkommen sein, wo eine Gesamtausgabe der Kinder- und Hausmärchen schon vorhanden ist. AIS viertes Bändchen der neuen Reihe soll nächstens eines der reizendsten deutschen Kunstmärchen, der „Zwerg Nase" von Hauff, erscheinen.
— Heiß war d e r Tag. Das Kolonial- buch für das junge Deutschland. Zweite, umge-
Die halbwilden Jnland-Peruaner kennen keine Empfindlichkeit. In der Canoa, als ich bis zur Nasenspitze im Wasser lag, glaubte ich an einem der Führer ein leises schadenfrohes Lächeln bemerkt zu haben. Als ich aber jetzt in der Hütte umfiel, hoben sie mich besorgt auf und warfen sich einen ernsten Blick zu.
„Ich bin krank", sagte ich.
„Si, Senat", sagten sie teilnahmsvoll. Hängten meine Sachen ans Feuer und brachten heißen Kaffee.
In dieser Zeit stand ich mit meinem Begleiter sehr schlecht. Das monatelange Zusammensein Tag und Nacht hatte uns verwildert, wir waren uns unausstehlich geworden und übten keinerlei Rücksicht mehr aufeinander. Tagelang sprachen wir kein Wort. Einmal, bei einem Wortwechsel, nahm ich ruhig meinen Revolver heraus und entsicherte ihn, und er schwieg. Es muß wohl Tropenkoller gewesen sein. Einige Wochen später verließ er mich und ging allein weiter. Und an diesem Tag, in Remopampa, bat ich ihn, mir seine Hängematte zu leihen. Seine Sachen waren trocken, weil er sie in unserem eisernen Koffer gehabt hatte, ich aber hatte keinen trockenen Lappen, weil ich mich in Decke und Hängematte eingewickelt hatte.
„Schlafen Sie in der nassen", sagte er. Damit war der Fall erledigt.
Von Frost und Fieber geschüttelt, konnte ich natürlich nicht schlafen, aber am Morgen glühte die Sonne, trocknete mich und brannte heiß bis ins Mark.
Am nächsten Tag erreichten wir Picota und von da an konnten wir reiten. Fast jeden Tag passierten wir ein Indianerdorf, die Hitze wurde immer größer und die Strecken erschienen uns endlos. Und doch kamen wir ganz gut vorwärts und erreichten schließlich doch unser Ziel: die Stadt Saposoa. Dort lebt ein Deutscher, wie man uns gesagt hatte, und die Gegend ist fieberfrei, dort konnte man also einige Zeit bleiben. Und außerdem wird von da an der Weg so schlecht, daß an ein Weiterreisen vorläufig nicht zu denken war.
Ich wußte wohl, daß es Dezember war, denn Ende November waren wir von Jquitos weggegangen. Aber welcher Tag ist, das weiß man da nie, weil die Abreißkalender in den Urwaldssiedlungen noch nicht eingeführt sind: und kümmert sich auch nicht darum.
Als wir vor dem aus Lehm erbauten Haus Don Arturos hielten (das trotzdem fast wie ein wirkliches Haus aussieht), sagte ich zu meinem Begleiter: „Kaninchen — Jaguar —" und ähnliche komische Worte. Ich wollte sagen, daß ich absteigen
arbettete Auflage. Unter Mitarbeit zahlreicher Kolonialkämpfer aus Krieg und Frieden heraus« gegeben von Hans Ernst Pfeiffer. Mit zahlreichen Bildern. Gebunden RM- 4,80. Verlag von Otto Janke, Leipzig. —(370)— Wie schwer und reich an Opfern Deutschlands Kampf um seine Kolonien war, davon berichtet dieses Buch. Von Kämpfern und Farmern geschrieben, bekennt es sich zu dem Weltgefühl jener, die den Rausch der abenteuerlichen Ferne im Blute spürten und zugleich dem Zwang einer Arbeit gehorchten, die dem Volk des Mutterlandes neuen Lebensraum schaffen wollte. Hier wurden Cl)araktere geprägt, die in hartem Kampf ihr Deutschtum bewähren mußten. Sie legten Z ugnis dafür ab, daß gerade der Deutsche durch seinen Fleiß, seine zähe Ausdauer unid durch die menschliche Behandlung der Eingeborenen in erster Linie dazu berufen ist, als Kolonisator zu wirken. So ist dieses Buch ein • ehrendes Zeugnis für den Geist, der die deutschen Kolonialpioniere beseelte, und ein Dokument gegen die Kolonialschuldlüge!
— Emil Holan, Manfreds große Erfindung. Ein Buck von Kameradschaft, Technik, Sport und anderen spannenden Dingen. 112 Seiten. Mit einem Titelbild und fünf Vollbildern von Willy Helwig. Ganzleinen 2,50 Mark. Herold-Verlag, Stuttgart. — (445) — Manfred Müller, der beste Schüler der Tertia, ist ein eifriger Sportler und treuer Kamerad. Er möchte gern Ingenieur werden, aber das Schicksal bedroht seine Pläne. Manfred muß sich sehr anstrengen und viel Mut und Geschicklichkeit an den Tag legen, bis er sein Ziel erreicht. Wie er aber alle Hindernisse mit Hilfe seiner Kameraden überwindet und welche Abenteuer sie gemeinsam erleben, das erzählt in frischer Weise dieses Buch, an dem jeder richtige Junge seine Freude haben wird.
will. Ich verstand wohl, was die anderen sagten, konnte aber selbst nicht mehr sprechen.
„Es geht nicht mehr weiter mit Ihnen", sagte mein Begleiter mürrisch. „Sie reden im Delirium. Heut sind Sie dreimal vom Pferd gefallen!"
Ein Indio führte die halb verhungerten Tiere in den Hof, und Don Arturo breitete sofort Strohmatten und Decken auf den Boden und bettete mich hin.
„ war der vierundzwanzigste Dezember, der Heilige Abend. —
Saposoa liegt ungefähr in der Mitte des nörd- lichen Peru, etwa auf dem sechsten Grad südlicher Breite. Es hat das ganze Jahr fünfundvierzig Grad im Schatten.
Zeitschriften.
— „D a s Innere Rei ch". Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deuffches Leben. (Herausgeber Paul Alverdes. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München.) — Das Dezember-Heft sammelt Dokumente zur Heimkehr der Sudetendeutschen ins Reick. Mit Prophetenstimme spricht der größte der deutschen Dichter im böhmischen Raum, -Adalbert Stifter, zu Beginn aus seinem „Böhmischen Testament", das Ernst Bertram aus seinem Hauptwerk, dem „Witiko" zusammenstellte. Drei Beiträge von dokumentarischem Gewicht lassen die entscheidenden Wochen noch einmal lebendig werden: Wilhelm Pleyers Tagebücher, Franz Tumlehs Erlebnisbericht vom Einsatz des sudetendeutschen Freikorps „Die Erkundung": und Willi Steinborns „Marsch über den Paß". In die Geschichte des Landes, die immer eine deutsche Geschichte war, führen Beiträge von Gertrud Fussenegger („Aus einem Prager Tagebuch" — die Schöpfungen der Parler-Schule in Prag beschwörend), und Oskar Schürer („Aus der Geschichte der Universität Prag"). Gedichte von Ernst Egermann, Heinrich Frank und Martin Simon, Beiträge zur Herkunft Kaiser Karls IV. und zum Gegenwartsschrifttum des Sudetendeutschtums vervollständigen das Heft.
— Aus Anlaß ihres fünfjährigen Bestehens bringt „Die Sirene", die große Luftschutz-Illustrierte, im neuesten Heft einen reich bebilderten Rückblick, der zeigt, wie schnell die Entwicklung des Selbstschutzes in dieser Zeit vor sich gegangen ist, und wieviel kühne Erwartungen sogar übertroffen wurden. Die neue „Sirene" bringt daneben noch andere aufschlußreiche Bildberichte und einen neuen spannenden Kriminalroman. Außerdem enthält das Heft die Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes.


