Ausgabe 
21.12.1938
 
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30 Milliarden für das Leben.

Wer kennt Caspar Reumann? Oie Breslauer Totenregister. Leibniz plante eine Volksversicherung.

Don der riesigen Weitlebensversiche­rungssumme von 700 Milliarden Mark ent» fallen auf das Altreich allein dreißig Milliarden. Wer aber kennt den Mann, der durch seine Ueberlegungen und wissenschaftlich statistischen Vorarbeiten die theoretischen Grundlagen zu einer sicheren Organisation der Lebensversicherung schuf?

Dor etwa 250 Jahren, als ix Breslau der Pfar­rer Caspar Neumann amtierte, war in Breslau und anderswo in deutschen und anderen Landen gute Zeit für allerlei Aberglauben, daß man durch magische Mittel sein Schicksal beeinflussen

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und womöglich das Leben verlängern könne. Aber der Pfarrer Neumann zog gegen solche Teufelsmagie zu Feld. Dem frommen Mann war es klar, daß die göttliche Weltordnung auch für das Leben und Sterben der Menschen Gesetze verordnet habe und daß es dem menschlichen Geist wohl möglich fei, diese Gesetze, so wie andere Naturgesetze, zu ergründen. So ging er hin und stellte seine berühmt gewordenen Breslauer T o te n r e gi ft e r auf. Er führte Buch über Leben uijb Tod in feiner Heimatstadt. Bei einigen tausend Breslauer Bürgern hatte er eine genaue Statistik über ihre Lebensdauer angestellt.

Der große Philosoph Leibniz hatte von dieser Arbeit des Breslauer Pfarrers erfahren. Und als Halley, dessen Namen wir aus der Astronomie kennen, für einige Engländer, die den Gedanken einer Lebensversicherung gefaßt hatten, die dazu notwendigen Tarife berechnen wollte, dafür aber keine Unterlagen hatte, nahm er durch die Vermittlung von Leibniz mit Caspar Neumann Verbindung auf. Dessen Statistiken boten bann

Hailey die Grundlagen für seine Berechnungen. In einer Schrift des Astronomen kann man z. B. fol­gendes lesen:Der Unterschied zwischen dem Preise der Versicherung beispielsweise eines Zwanzigjäh­rigen und eines Fünfzigjährigen wird so gesunden werden: Es ist 100 gegen 1 zu wetten, daß ein Zwanzigjähriger, und nur 38 gegen 1 zu wetten, daß ein Fünfzigjähriger im nächsten Jahre nicht sterbe."

Gewiß ist das nicht die wissenschaftliche Sprache moderner Versicherungsmathemattk. Allein solche Erwägungen boten damals eine zeitgemäße ver­sicherungstechnische Grundlage für die Berechnung des Risikos und der Bedingungen einer Lebensver­sicherung. Caspar Neumann war der Vater dieser Wissenschaft. Leibniz aber, der an ihrem Zustande­kommen Anteil hatte, lehrte in seiner deutschen Philosophie, daß es kein Frevel gegen die Weltord­nung sei, wenn der Mensch sein Schicksal selbst in die Hand nehme und wenn sich auf einer ratio­nellen Basis Menschen zusammenschlossen, um sich gegen die Zufälligkeiten des Schicksals zu rüsten. Der große Philosoph, Staatsmann und Volks­erzieher hat selbst einen großartigen Plan einer deutschen Volksversicherung entworfen. Inzwischen war die DersicherungsmatheMatik des Neumann und des Halley durch Pascal und F e r m a t weiter entwickelt worden. In seinenPolitischen Aufsätzen" forderte Leibniz eine allgemeine Ver­sicherung, die das ganze deutsche Volk erfassen sollte. Jeder sollte sparen, jeder sollte vorsorgen. Und jeder sollte gesichert sein. Alle für einen, und einer für alle.

Allerdings stieß dieser Plan nicht auf das Ver­ständnis seiner Zeit. Leibniz eilte auch mit feinem Vorschlag, daß die zusammenfließenden Kapitalien volkswirtschaftlich genutzt werden soll- ten, um Straßen zu bauen, Böden zu kultivieren und aus Moor fruchtbares Ackerland zu gewinnen, seiner Zeit weit voraus. Einige Jahrhunderte muß­

ten vergehen, bis sich die Sozialgesetzgebung ent­wickelte, bis der Arbeitsdienst gewaltige gemein­nützige Arbeiten anpackte, bis Deutschland zu dem bestoersichertsten Volke wurde und große Versiche- rungsgesellschaften entstanden, deren Spargelder' nach einem Wort des Beauftragten für den Vier- jahresplangerade heute einen unentbehrlichen Faktor in der Volkswirtschaft ergeben". Es sind rund 700 Millionen Mark, die die Lebensversicherungen im letzten Jahr dem lang­fristigen Kapitalmarkt zur' Verfügung gestellt haben.

Das aber ist eine Summe, die sich aus Mil­lionen kleiner und kleinster Beträge zusammensetzt, die gespart und geleistet wurden, um durch Voraussicht dem Zufall zu entreißen, was immer man kann.

Die moderne Lebensversicherung faßt nun nicht nur den Tod ins Auge, sondern auch den Fall, daß der Versicherte zu einem bestimmten Zeitpunkt sein Kapital ausgezahlt erhält. Und auf Grund dieser sogenannten Versicherung für den Er­lebensfall hat man eine recht merkwürdige statistische Feststellung gemacht. Aus den Sterbetafeln der großen Versicherungsgesellschaften geht nämlich her­vor, daß Personen, die sich nur auf den Todesfall versichern, durchschnittlich nicht so lange leben wie solche, die in einem bestimmten Lebensabschnitt die Versicherungssumme ausgezahlt haben wollen. Es stimmt dieseSelbstauslese der Rentner" mit der Beobachtung der modernen Aerzte zusammen, nach denen Hoffnung und ein gesunder Opti­mismus und der Wille, vorsichtig zu leben, lebensverlängernd wirkt. H. Sch.

tfnferfunnelung der Korea Straße.

Das japanische Eisenbahnministerium hat einen größeren Betrag für die Vorbereitungsarbeiten aus- geroorfen, durch die der Bau eines unter­seeischen Tunnels zwischen Japan und Korea in Gang gebracht werden soll. Der Tunnel soll unterhalb der Straße von Korea führen und eine Gesamtlänge von 197 Kilometer haben. Man rechnet mit einer vierjährigen Bauzeit, nach der Japan über Korea mit dem asiatischen Festland ver­bunden wäre. Unsere Karte veranschaulicht den Verlauf der geplanten Tunnelstraße von Fusan auf Korea nach der Insel T s u s ch i m a (106,7 Kilo-

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IKI

100

STRASSE VON KOREA

Meter), von Tsuschima nach der Jki-Jnsel (49,6 Kilometer) und von Jki nach Karatsu auf der japanischen Insel Kyushu (41,2 Kilometer). Der Tunnel wird aus historischem Boden entstehen, denn hier bei der Insel Tsuschima vernichtete der japa­nische Admiral Togo am 18. Mai 1905 die russsiche Flotte. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Hauptschriftleiter vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschristleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. XI. 38: 10718. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Ps. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

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