Ausgabe 
21.12.1938
 
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Amnestie machte dem Bürgerkrieg ein Ende, dessen letzte Zuckungen noch 1814 und 1815 verspürt wur­den. Die Bourbonen machten die Anführer dieser bretonischen Bauernhaufen zu Feldmarschällen und Pairs von Frankreich.

Die Plumpheit, mit der die Republik gegen die Bretonen vorging, ihre Sprache unterdrückte, ihre Religion verfolgte, in der Schule alles tat, um die Gefühle der Bretonen zu verletzen und sie reif für den genormten Franzosen zu machen, hat eine ge­wisse Gegenbewegung heroorgerufen, die zum ersten Male 1932 in Erscheinung trat, als der Freimaurer Herriot als Ministerpräsident in Nantes die Triumphdenkmäler der Vereinigung des Landes mit Frankreich einweihen wollte. Der reine Protest­charakter dieser Aktion ist schon dadurch sinnfällig, daß zwar die Schienen an der Grenze Frankreichs und der Bretagne gesprengt wurden, aber die Bre­tonen rote Laternen als Warnungssignale ange­bracht hatten. Jetzt sind ebenfalls Erinnerungsdenk­mäler in die Luft geflogen, aber die granitenen Sockel sind dabei unbeschädigt geblieben; sie wurden geschont, weil sie aus heimischem Gestein hergestellt sind. In Rennes wurden die bretonischen Autono­misten Debeauvais und Mordrel zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie für das Bretonische als Schulsprache und für eine regionale Verwaltung der Bretagne eingetreten waren. Es handelt sich hier nicht um Separatismus, sondern um eine Bewe­gung, die die Eigentümlichkeiten der Bretagne er­halten will. Doch in diesen Dingen versteht das Parifertum keinen Spaß. E. S.

Tunis.

Manöver an derMaginot-Linie". Entlassung von Italienern.

P ari 5, 20. Dez. (DRV.) Die französischen Blät­ter veröffentlichen in den letzten Tagen mehrfach Reportagen über die in aller Stille ErbauteM a - gi not-Li nie" von Tunis an der tunesisch­libyschen Grenze. Diese Befestigungsanlagen wer­dest als uneinnehmbar bezeichnet.Paris Soir" berichtet, daß 10 0 000 Mann längs der tu­nesisch-libyschen Grenze zusammen- gezogep seien. Auf dem Dach eines Hotels in der Oase von' Gabes sei eine militärische Beobach- tungsstelle eingerichtet, von der aus ununter­brochen Posten weithin die französischen Befesti­gungsanlagen bewachen können. Die dortigen fran­zösischen Befehlshaber stünden in unmittelbarer und ununterbrochener Verbindung mit den an der Mit- telmeerküste aufgestellten Flakbatterien. Augen­blicklich würden Manöver durchgeführt, um die Verteidigung aller strategischen Punkte zu prüfen und zu verbessern.

Wie der MailänderEorrieredellaSera" berichtet, werde» zur Zeit in Tunis die Italie­ner in den Büros und Fabriken ent­lassen. In unzähligen Fällen sind die Italiener vor die Wahl gestellt worden, sich nationali­sier e n zu lassen oder ihreStellungaufzu- geben. Die Peugeot-Werke hätten fünfzehn ita­lienische Mechaniker entlassen; ebenso würden die Werften Italiener entlassen, die sich nicht ein­bürgern lassen wollten. (£in italienisches Baunter- nehmen fei aufgefordert worden, die letzten auslän­dischen Arbeitskräfte zu entfernen. In der Gerichts­kanzlei von Tunis seien die letzten fünf italienischen Beamten entlassen worden, darunter zwei Damen mit Mehr als acht Dienstjahren. Seit einer Woche werde die italienische Kolonie von jeder Dienst­leistung in der Residenz ausgeschlossen. Täglich näh­men die Entlassungen zu und richteten sich beson­ders gegen mittellose Italiener. Ueberall erhielten die Franzosen eine Vorzugsstellung zugebilligt. Die ZeitungTun6sie Fran^aise" habe vor einiger Zeit geschrieben:Es ist unerläßlich, die italienische Ko­lonie mit der Zeit aufzusaugen und ihre Ver­größerung zu verhindern." -

Frankreichs Marxistengewerkschast bricht auseinander.

Paris, 21. Dez. (DRV. Funkspruch). Der Miß­erfolg, den der marxistisch-kommunistische Gewerk- schastsverband mit dem Generalstreikversuch am 30. November erlitten hat, hat zu einem wahren Zusammmenbruch der CGT-Gewerkschaft geführt. In den großen Metallindustrien, in denen" sie die Mehrzahl ihrer Mitglieder hatte, macht sich seit An- fang Dezember ein passiver Widerstand bemerkbar, der sich vorläufig noch in der Weigerung zur Beitragszahlung auswirkt, nach und nach yL« dazu übergeht, daß die meisten Mit­glieder ihren Austritt erklären. Der Matin will erfahren haben, daß die EGT., die noch vor nicht langer Zeit mit angeblich 5 Millionen Mit­gliedern protzte, im Jahre 1939 nur noch zwei Millionen Mitglieder zählen werde. Un­ter den Arbeitern mache sich eine Bewegung be­merkbar, die darauf hinausgehe, das Gewerkschafts­leben von allen politischen und wirtschaftlichen Ein­flüssen .zu befreien, die von den Kommunisten hineingetragen worden sind.

Mussolini dankt

den kinderreichen Familien.

Rom, 20. Dez. (Europapreß.) Mussolini emp­fing, wie alljährlich am 20. Dezember, im Palazzo Venezia die kinderreichsten Ehepaare Italiens und überreichte jedem Familienvater eine Geldspende von 5000 Lire und ein Sparkassen­buch mit 1000 Lire für das jüngste Kind. Während in früheren Jahren die kinderreichsten Eltern aus der ganzen Bevölkerung ausgewählt wurden, hat diesmal jede Provinz aus den Landarbei- tvrn und Kleinbauern das Ehepaar nach Rom enfiandt, das in den letzten zehn Jahren die meisten Nachkommen zu verzeichnen hat. Der Duce wies auf die Bedeutung des Bauernstandes hin, der die Kraft Italiens fei. Er forderte die Mütter auf, ihre Kinder für die Bearbeitung des Bodens zu erziehen und sie vor den trügerischen Lockungen der Städte zu bewahren.

Italien baut ein Dolksmotorrad.

Rom, 20. D^z. (DNB.) Bei Ausführungen über den.italienischen Motorsport kündigte General Vac­caro das italienische Volksmotorrad an, das durch tatkräftige Unterstützung der Industrie n i ch t m e h r als 2 0 0 0 bis 2500 Lire, alfo ca. 270 Mark, kosten wird. Die Zahlungsbedingungen werden so günstig gestellt, daß jeder italienische Arbeiter und Angestellte das Volksmotorrad, das eine Geschwin­digkeit von 70 bis 75 km/st entwickeln soll, erwerben kann.

Die Heimat grüßt die Ausländsdeutschen

Großdeutsches Reich und Auslandsdeutschtum eine unzerstörbare Einheit.

aus sind mir aber ungezählte Begebenheiten ein beredtes Zeugnis für den nationalsozialistischen Geist, der im Auslandsdeutschtum und in der See­fahrt herrscht. So wie das Dritte Reich immer und immer wieder unmißverständlich seine Entschlossen­heit zum Ausdruck gebracht hat, die im Ausland lebenden Reichsbürger in seinen starken Schutz zu nehmen, so weiß auch dcw Reich um die unverbrüch­liche Treue dieser Männer und Frauen. Das Reich und sein Auslandsdeutschtum bilden heute eine durch keine Not und durch keine Gefahr zu zerstörende Einheit.

In diesem stolzen Bewußtsein kann ich wiederum meinen auslandsdeutschen Volksgenossen und unse­ren Kameraden in der Seefahrt die herzlich­sten Grüße der Heimat zum Weih­nachtsfest und die besten Glückwünsche zum neuen Jahr übermitteln. Das erhebende Gefühl einer- in früheren Jahren nie gekannten Zusammengehörigkeit wird allen Deutschen, die fern der Heimat leben, die kommenden Festtage ver­schönen. Hierin werden alle Volksgenossen, die am Aufbau eines nationalsozialistischen Auslands­deutschtums und einer nationalsozialistischen See­fahrt mitgearbeitet haben, den Dank der Na- t i o n für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit finden. In erster Linie gilt unser Dank den Parteige­nossen in aller Welt und auf hoher See, die in unerschütterlicher Arbeit den Gleichklang zwischen Reich und Auslandsdeutsch­tum geschaffen haben. Ich weiß, daß sie alle im kommenden Jahre ihre Pflicht erfüllen werden und daß diese Pflichterfüllung ihren Niederschlag finden wird in dem Wunsch, sich immer und überall des großen Mannes würdig zu erweisen, der sein Volk in eine glanzvolle Zukunft führt.

Ein Weihnachlsaufrus Gauleiter Sohle?.

Berlin, 20. Dez. (DNB.) Gauleiter Bohle richtet an die Ausländsdeutschen und an die Ar­beitskameraden der Seefahrt folgenden Aufruf:

Hinter uns liegt ein Jahr von so gewaltiger ge­schichtlicher Größe, daß wir es alle stoch kaum in seiner weittragenden Bedeutung ermessen können. In einem Zeitraum von sieben Monaten ist der jahrtausendalte Traum der Deutschen durch Adolf Hitler zur Wirklichkeit geworden. Die deutsche O st m a r k und das Sudetenland sind ins Reich heimgekehrt. Großdeutschland ist erstanden. Aste deutschen Menschen, die das Glück haben, Zeu­gen dieser weltgeschichtlichen Epoche zu sein, sind von einem unbändigen Stolz erfüllt, der Nation anzugehören, die von Adolf Hitler aus Unter­drückung und Versklavung zum Siege und damit zur Freiheit geführt wurde. Die Geschlechter, die nach uns kommen, werden uns darum beneiden, daß wir in einer solchen Zeit leben durften. Wenn ich auf die Ereignisse dieses Jahres zurückschaue, dann erfüllt es mich mit Stolz und Freude, zu wissen, daß die Ausländsdeutschen und unsere See- ahrer stets in vorderster Linie standen, wenn es ;alt, vor der Welt die Gefolgschaftstreue der Deut- chen zu ihrem Führer zu bekunden.

Die Wahlen zum Großdeutschen Reichstag und die Ersatzwahl der Sude­tendeutschen haben wiederum eindeutig bewie­sen, daß unsere Männer und Frauen außerhalb der Reichsgrenzen trotz Haß und Verleumdung uner­schütterlich zum Reich stehen. Darüber hin-

Die plötzlich hereingebrochene Kälte hat auf vielen deutschen Strömen schweren Eisgang heroorgerufen und die Schiffahrt zum Teil stillgelegt. Unsere Aufnahme aus Frankfurt zeigt den vereisten Main. Im Hintergrund der Dom. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Allmählicher Rückgang der Kälte.

Lieber 1500 Meter bereits Wärmegrade!

München, 20. Dez. (DNB.) Das alte Sprich- wirtGestrenge Herrep regieren nickt lange" scheint sich auch diesmal wieder zu bewahrheiten. Nach der grimmigen Kälte, die ganz unvermittelt einsetzte und Bayern Kältegrade bis zu minus 15 Grad brachte^ war am Dienstagmorgen ein leichter Temperaturanstieg festzustellen. Zwar zeigte, das Thermometer in den tieferen Lagen immer noch unter 10 Grad Füssen und Berchtesgaden mel­deten sogar 13 Grad und der Peißenberg minus 14 Gradin der Höhe machte jedoch der Warm- luftvorstoß von Westen her ganz erhebliche Fort­schritte. In Höhen über 1500 Meter war am Diens­tagfrüh bereits eine Temperaturumkehr zu beob­achten. So meldete der Predigtstuhl plus 2 Grad, das Nebelhorn nur 0 Grad und die Zugspitze minus 8 Grad. Da nach dem Wetterbericht des Reichswet­terdienstes München die Warmluftzufuhr in der Höhe bestehen bleibt, ist damit zu rechnen, datz die Warmluftmassen nach und nach auch in die tie­feren Lagen einfließen und der Frost eine weitere Milderung erfährt.

Schneefall im Schwarzwolb.

Im Schwarzwald ist über Nacht Schnee­fall bis hinunter ins Rheintal eingetreten, der zur Zeit bei starker Bewölkung und Temperaturen zwi­schen minus 5 und minus 12 Grad anhält. In den Höhenlagen hat die Pulverschneedecke jetzt die besten Möglichkeiten für den Wintersport geschaffen.

Treibeis auf den Flüssen.

Das Treibeis auf dem Main hat sich über Nacht so verstärkt, daß der Schiffsverkehr auf dem ganzen Main ab sofort gesperrt wurde. In der freien Strecke noch liegende Fahrzeuge haben sich sofort in Sicherheit zu bringen. In Lohr hat sich das Eis auf dem Main gestellt.

Vom Rhein wird starkes Treibeis gemeldet aus Köln, Koblenz und Trier, schwaches Treibeis aus Kaub und Biebrich. Nur einzelne stärkere Motor­schiffe passieren noch die Koblenzer Reede. Die mei­sten Schiffe haben in den Wintersicherheitshäfen Zuflucht genommen, deren Einfahrt ständig von Eisbrechern aufgehalten werben, muß. Da das Treibeis sich verstärkte, mußte auf Veranlassung der Wasserbauoerwaltung auch die Fähre Koblenz- Ehrenbreitstein stillgelegt werden.

Die Mosel zeigt bereits Grundeisbildung. Im Moselsicherheitshafen befinden sich mehrere Holz­kahne in Eisnot. An der Koblenzer Moselwerft mußten die Schiffe im höchsten Arbeitstempo ihre Be. und Entladungen durchführen. Die Moselschiff­fahrt ist durch den Eisgang stillgelegt.

Die Nahe ist bereits völlig zugefroren? Bei Koblenz weisen der Moselfloßhafen, der Ehrenbreit- steiner Hafen und der Sicherheitshafen der Lache eine vollkommene Eisdecke auf.

Flugzeuge im Nordseeinselverkehr.

Auf die Bitte von Hauptamtsleiter Hilgen- feldt entsandte, wie die NSK. meldet, am Diens­tag Generaloberst Milch mehrere Maschinen der Lufthansa nach den Nordseeinseln Juist und Wan­gerooge. Sie werden die dort in Erholungsheimen der NSV. befindlichen Mütter und Kinder, die durch Eisbarrieren vom Festlande getrennt sind, nach Berlin holen, damit sie das Äeihnachtsfest in ihrer Fami­lie feiern können.

Drei Todesopfer

in der Tschechoslowakei.

Die Kältewelle hat auch in der Tschecho- Slowakei eine Reihe von Todesopfern ge­fordert. Insgesamt liegen bisher Meldungen über drei Fälle von Tod durch Erfrieren vor. In König- grätz wurde ein aus der Besserungsanstalt entsprun­gener 18jähriger Zögling erfroren aufgefunden, der unter einem Brückenbogen zu übernachten.versucht hatte. Bei Olmütz war das Opfer ein Gemüsehänd­ler, der bei der nächtlichen Fahrt zum Markt ohn­mächtig und so vom Kältetod ereilt wurde. Bei Pre- louc wurde »in Eisenbahner von einem vorbeifah­renden Zug leicht verletzt; unfähig, sich fortzube­wegen, erlitt auch er den Tod durch Erfrieren.

3m Nördlichen Eismeer ein Grad über Null!

Die Wetterlage in Sowjetrußland zeigt ein außer­gewöhnliches Bild. In Moskau und Umgebung herrschte bis vor kurzem außergewöhnlich strenger Frost bis minus 30 Grad Celsius. Am Dienstag wurden in Moskau noch 18 Grad Kälte verzeichnet, in den Wolgagebieten bis zu 24 und in Nowo­sibirsk 48 Grad. Gleichzeitig zeigt das Thermo­meter im Nördlichen Eismeer ein Grad über Null.

Auch in Frankreich Haies stark geschneit.

In Paris hat es am Dienstag geschneit, und zwar in einem Ausmaß, wie tnan es hier seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Alle Versuche, die Straßen vom Schnee freizuhalten, blieben er­folglos. In der Innenstadt liegt der Schnee gegen 20 Zentimeter hoch. In den weniger belebten Stadt­teilen und den Vorstädten erreicht der Schnee

stellenweise eine Höhe von 40 bis 50 Zentimeter. Ueberall blicken erstaunte Gesichter aus den Fen­stern, um dieses ungewöhnliche Bild zu bewun­dern. Auch in der Provinz ist allgemein starker Schneefall zu verzeichnen. Aus allen Teilen des Landes werden infolge verschneiter ober ver­eister Straßen V e r k e h r s u n f ä l l e gemeldet. Auf zahlreichen Ueberlanbstraßen mußte der Ver­kehr eingestellt werden. Besonders im Südwesten stehen stellenweise ganze Reihen großer Lastwagen, die die Pariser Markthallen mit Lebensrnitteln ver­sorgen sollten.

Ministerwechsel in England?

Vorstotz gegen Höre Belisha und Jnskip.

ßonbon, 19. Dez. (DNB.) Seit Montag be­schäftigt sich bie englische Öffentlichkeit unb die Presse in verstärktem Maße mit einem wie man sagt Verstoß jüngerer Kabinettsmitglieder gegen den Kriegsminister Höre Belisha und den Ver­teidigungsminister Jnskip. Dabei sind die An­griffe gegen Höre Belisha ausgesprochen persön­lichen Charakters, während bei Jnskip mehr sachlich die Geschäftsführung kritisiert wird. Vor allem sollen diePersonalveränderungen, die Höre Belisha vor einiger Zeit in höheren militärischen Posten vorgenommen hat, Anlaß zu den Angriffen gegeben haben. Man betont, daß sich die Aktion nicht gegen den Ministerpräsidenten Chamberlain richte, 'auch nicht gegen seine Außenpolitik. Reuter meint, daß sehr wohl einige Aenderungen in der Regierung während der Weihnachtstage möglich seien. Die Times" meint, es sei irreführend, von einerRe­volte" zu sprechen. Die Maßnahmen, die Chamber­lain kürzlich zur Stärkung des Kabinetts ergriffen habe, feien niemals als endgültig angesehen wor­den, und es sei nie ein Geheimnis gewesen, daß er bei der richtigen Gelegenheit versuchen würde, die Schlagkraft der Regierung zu stärken.

DaUy Telegraph" schreibt, daß zur Zett mit Rücktritten nicht zu rechnen sei. Der Staatssekretär im Handelsministerium Hudson, von dem die Bewegung ausgeht, habe einen beträchtlichen Teil der konservativen Partei hinter sich. Die lieber» nähme des Lordkanzleramtes durch Jnskip sei schon vor den Vorstellungen Hudsons beim Premiermini­ster beabsichtigt gewesen, und das Ausscheiden Höre Belishas aus dem Kabinett fei nicht ausgeschlossen. Gerüchte, daß er das Landwirtschaftsministerium übernehmen werde, würden in unterrichteten Kreisen dementiert. Daily Heralb behauptet, die kritisierten Minister würden bleiben, dagegen sei es sehr wahrscheinlich, daß Hudson und die auf feiner Seite steh end en Unterftaatsfetretäre aus - scheiden würden. Daily Mail sagt, daß Cham­berlain einen genauen Bericht über bie Fortschritte der Aufrüstung angefordert habe, nach dessen Stu­dium er sich über die zu ergreifenden Maßnahmen schlüssig werden wolle. Eine größere Kabinettsum­bildung sei nicht ausgeschlossen.

Die Kommuna'wahlen in polen.

Warschau, 20. Dez. (DNB.) Bei den Kommu­nalwahlen in mehr als 50 polnischen Groß- unb Kleinstädten haben insgesamt erhalten: Natio­nale Partei (Nationaldemokraten) 407 Mandate, Lager der Nationalen Einigung 383 Mandate, Pol­nische Sozialistische Partei 174 Mandate, Arbeiter­partei General Hallers 53 Mandate, Jüdische Par­teien 56 Mandate, Deutsche Einheitsliste 16 Mandate, verschiedene kleinere Gruppen 77 Man­date.

Berücksichtigt man allein die rein polnischen Par­teien, so ergibt sich, daß den 383 Mandaten des Lagers der Nationalen Einigung 639 Mandate der polnischen Opposition spar-, t e i e n gegenüberstehen. Der große Erfolg der rechtsoppositionellen Nationalen Partei erklärt sich aus dem Umstand, daß 41 von den Städten, in denen am Sonntag gewählt wurde, inPosenund Pommerellen liegen, in denen sich bie Nationale Partei als stärkste politische Organisation erneut durchgesetzt hat. Sie hat beispielsweise in Pofen selbst von 72 Manbaten 52 unb damit die abso­lute Mehrheit erhalten. Während sich in Vosen die Marxisten nur mit einem Mandat durchsetzen kannten, erhielten sie in Bromberg, wo sie bisher im Stabtnm-lament überhaupt nicht vertreten waren, sechs Plätze.

Tschiangkasschek ändert seine Taktik.

Tschungkinq, 20. Dez. (DNB.) Ein Mit- alieb des nationalen Militärrates der Tschiangkai- schek-Regierunq, General Tschentfcheng, er­klärte, daß einegrundlegende Aende- r u n a der chinesischen Strategie" bevorstehe. Die chinesischen Truppen würden nunmehr versuchen, aegen bie in dem schwierigen Gebirgsgelände der südwestlichen chinesischen Provinzen vorrückenden Javaner zum Angriff überzugehen und anderseits den Bandenkrieg hinter der feinb= lichen Front zu verschärfen. Während der augen­blicklichen Kampfesruhe seien die beiden Gegner damit beschäftigt, ihre Streitkräfte neu zu ordnen und die weiteren Unternehmungen vorzubereiten. Die Japaner würden wahrscheinlich daraus aus- neben, die nordwestliche Verbindung mit Sowsetrußland zu unterbinden unb außer­dem die südchinefilche Küste zu blockieren.

Kleine politische Nachrichten.

Der Stellvertreter des Führers emp­fing den Leiter des Rassen politischen Amtes im italienischen Ministerium für Volkskultur Professor Guido L a n d r a. 1

Aus den Hohwaldtswerken in Kiel lief das U-Boot-BegleitschiffW ' lhelm Bau- e r" al alt vom Stapel. Das Schiff bat den Namen des Mannes erhalten, der das erste Unterseeboot erfunden hat.

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Nach einer Anordnung des Reichsministers des Innern fällt die bisher übliche Beflaggung her Dienstgebäude am Neujahrstage künftighin fort.

Zwischen einer deutschen und einer niederlän­dischen Delegation sind Verhandlungen über Fra­gen des Arbeitseinsatzes von Arbeitern und Angestellten beider Länder beendet worden mit einer Vereinbarung, die den beiderseitigen Staats­angehörigen die Aufnahme von Arbeit im anderen Lande auch weiterhin ermögstcht.

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Vor hundert Jahren wurde das erste Teilstück der ersten westdeutschen Eisenbahn­linie Düffeldorf-Elberfeld, die Strecke Düsseldorf-Erkrath, dem Verkehr übergeben. Dieses