Ausgabe 
21.12.1938
 
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Nr. 298 Erstes Matt

188. Jahrgang

Mittwoch. 2!. Dezember 1938

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Einig, aber selbständig.

Das Grundproblem der panamerikanischen Konferenz. Oie Atmosphäre von Lima. - Trotzabrazo" unverminderte sachliche Gegensätze.

Eigener Äericht des Gießener Anzeigers.

A.E. z. Z. Lima, Mitte Dezember 1938.

Panamerikanische Konferenzen- unterscheiden sich von solchen, die im alten Europa stattfinüen, auf den ersten Blick durch zwei Dinge: Durch größere Impulsivität der Delegierten und durch stärkeren Hang zur repräsentativen Prunkentfaltung. Dabei ist zu bedenken, daß mindestens die Hälfte der mehr als hundert Delegierten, die bei dieser Konferenz versammelt sind, aus tropischen oder subtropischen Ländern stammt, die meisten Mittelamerikaner, die Brasilianer, die Ekuadorianer, die Paraguayer, die Bolivianer, Peruaner, die Columbier und die Vene­zolaner. Man liebt in allen Ländern spanischer und portugiesischer Sprache, in diesen aber besonders, die gepflegte und durchgearbeitete Redekunst nach lateinischen Vorbild, dieforensische" Beredsamkeit mit dem zugehörigen Spiel der Gesten zu begleiten.

Delegierte, die sich von den früheren Konferenzen her kennen und sich bei solchen Gelegenheiten Wie­dersehen, pflegen sich zu umarmen und sich dabei, südamerikanisch freundschaftlich, auf die Schulter zu klopfen. Derabrazo", die Umarmung, gehört nun einmal zu einer panamerikanischen Konferenz. Die Nordamerikaner stehen dabei ein wenig steif, als wenn sie irgendwie- nicht dazu gehörten. Als aber der argentinische Außenminister C a n t i l o , von dem alle Welt weiß, daß er und seine Dele­gierten auf der Konferenz die Opposition gegen zu weitgehende nordamerikanische Wünsche anführen, nach der ersten Rede Cordell H u l l s ostentativ auf diesen zuging und ihn vor der Versammlung umarmte, da kannte die Begeisterung der Konferenz keine Grenzen.' Norden und Süden umarmten sich, die beiden größten Mächte Amerikas standen Hand in Hand vor der Versammlung... das war ein großer Moment.

mobil Platz, und ließ,sich darin rasch nach Hause fahren.

Die Konferenz merkte von diesem kleinen Zwi­schenfall nichts. Sie war eröffnet und konnte mit ihren Arbeiten beginnen. Diese Arbeit bestand zu­nächst darin, daß die Vertreter der beiden einander gegenüberstehenden Staatengruppen, die Außen- minister Argentiniens und Nordame­rikas, ihre, einander in fast allen Einzelheiten widersprechenden Ideen darlegten. Die Nordameri­kaner sagten, durch den Mund Cordell Hulks, daß Amerika von Europa, von gewissen europäischen Mächten, eine Gefahr drohe daß sich die Mächte des Kontinents auf diese Gefahr einstellen, daß sie für Freiheit, Fortschritt, Kultur und Demokratie zu kämpfen gerüstet sein müßten. Die Argentinier dagegen glauben nicht an eine solche Gefahr. Sie sagen: Wenn es wirklich zu einem Angriff auf un­seren Kontinent kommen sollte, so werden schon alle amerikanischen Nationen zusammenstehen, aber dazu braucht es keines Paktes. Pakte engen die Handlungsfreiheit einer Nation ein, wir brauchen keine Pakte, wir tnüsfen uns unsere Handlungsfreiheit bewahren: denn jede un­serer Nationen hat sich, seit der Befreiung von spa­nischer oder portugiesischer Herrschaft, anders ent­wickelt, jede hat ihre besonderen Bedürfnisse und jede muß ihre eigene Politik führen. Bleiben wir einig,-. aber felbständig ...

Nach Hulls Rede umarmte Cantilo, wie bereits erwähnt, den Amerikaner. Aber findet nicht, wer Cantilos Rede aufmerksam liest, in dieser immer wiederholten Versicherung der Selbständigkeit im Keime alle jene Befürchtungen ausgespro­chen, die Südamerika gegenüber dem Norden hegt, die jedenfalls zahlreiche südamerikanische Staaten,

an deren Spitze Argentinien steht, gegenüber den Nordamerikanern hegen? Einig, aber selbständig. Man will sich von Nordamerika nicht beschützen lassen, weil man fürchtet, daß ein solcher Schutz zu leicht in eine Schutzherrschaft ausarten könnte. Das ist das Problem des Panamerikanis­mus, das noch auf allen panamerikanischen Kon­ferenzen gestellt war, und das auch, trotz allen ge­genteiligen Versicherungen aus Washington, trotz Roosevelts Politik derguten Nachbarschaft", noch heute so gestellt ist. Nordamerika will die Südame­rikaner von der Notwendigkeit eines Schutzes über­zeugen und malt darum dieeuropäische Gefahr" an'die Wand, Argentinien will, als stärkster süd­amerikanischer Staat, einen solchenSchutz" nicht aufkommen lassen, und bestreiket deshalb das Vor­handensein einerGefahr". Das ist, in wenigen Worten, das Wesen des nordamerikanisch-argentini­schen Gegensatzes, der auch nach der Umarmung , Cantilo-Hull, nach dem öffentlichenAbrazo", nicht weniger stark ist als vorher.

Keine Fatima in Lima

Lima, 20. Dez. (DNB.) Es ist bisher nicht ge­lungen, für die geplante gemeinsame Erklärung, ! womit der panamerikanische Kongreß abgeschlossen i werden soll, eine befriedigende Formel zu finden. Der nordamerikanische und der argentinische Stand­punkt bleiben nach wie vor unvereinbar. Peru ist um eine Zwischenlösung bemüht, welche sich im allgemeinen mehr der argentinischen Linie anneh­men soll. Gleichzeitig wird eine zweite Formulie­rung von der Union ausgearbeitel. Da die eigent­lichen Probleme ungeklärt sind, werden jetzt allge­meine Fragen in den Vordergrund gestellt. So stellt Kuba die Forderung, die h i st o r i s ch e n Schätze und Baudenkmäler zu erforschen und ihre Erhaltung durchzuführen. Auch wird die Schaffung eines allgemeinen amerikanischen geographi­schen Institutes erwogen und schließlich er­hoben die Frauen die Forderung, hinsichtlich ihrer politischen Rechte gleichgestellt zu wer­den, indem sie auf das Beispiel der fortschrittlichen, Verhältnisse in Europa hinwiesen.

Aber auch diese wundervolle Geste konnte nie­manden darüber täuschen, daß die Gegensätze zwischen der nordamerikanischen und der argen­tinischen Delegation in unverminderter sachlicher Schärfe fortbestehen, wenn man davon in der Oes'entlichkeit auch nicht spricht. Einerlei, der abrazo" war ein Symbol, sollte bewußt eines sein und wurde auch so verstanden. Auf einer euro­päischen Konferenz wurde man es schwer begreiflich finden, wenn sich sachliche Gegner plötzlich vor ver­sammeltem Plenum in die Arme fielen. Hier aber gehört auch so etwas selbstverständlich dazu.

Freunde der Repräsentation und der Prachtent­faltung kommen bei dieser Konferenz auf ihre Ko­sten. Schon die Stadt Lima, die schönste und prächtigste "Stadt Südamerikas, was Zeugnisse der Vergangenheit und der spanischen Kolonialzeit an= geht, der ehemalige Sitz der Vizekönige des ge­samten spanisch-südamerikanifchen Kolonialreiches, die deshalb ja auchStadt der Könige" heißt, ist ein herrlicher Hintergrund für eine solche Kon­ferenz, zu der alles, was in beiden Amerika Rang und Namen hat, erschienen ist. Als die Konferenz im Kuppelsaal des peruanischen Abgeordneten­hauses, dessen Wände mit Bildern der Befreiungs­generale San Martin und Bolivar geschmückt sind, eröffnet wurde, waren alle Delegierten im feier­lichen Abenddreß erschienen. (Um das zu ermög­lichen, hatte man wahrscheinlich die Eröffnungs­sitzung auf die ungewöhnliche Zeit von sechs Uhr abends gelegt.) Die Zuschauertribünen waren eben­falls dicht besetzt mit Angehörigen des Diplomati­schen Korps, Begleitern und Damen der Delegier­ten, führende Persönlichkeiten der limenser Gesell­schaft. Die Damen waren in großer Abendtoilette, es funkelte nur so von Diamanten und Perlen, und die Herren hatten, wenn es ihnen aus irgend­welchem Grund möglich war, den einfachen Abend­anzug mit einer glänzenden Uniform vertauscht. Man sah überraschend viele Uniformen auf den Zuschauertribünen, so daß der Verdacht entstehen konnte, als hätten aus diesem Anlaß nicht nur die aktiven Offiziere der peruanischen Armee und die Militärattaches der Mächte, sondern auch alle die­jenigen eine Uniform angelegt, die nur je in ihrem Leben einmal ein solche getragen hatten, freilich nur, soweit sie Offiziersrang besaßen.

Der Präsident von Peru, der, wie so viele mittel- und südamerikanische Präsidenten, auch General ist, eröffnete die Konferenz. Auch das war ein feierlicher Akt. Er begnügte sich nicht damit, von feiner Wohnung aus rasch im Automobil zum Kon­ferenzgebäude zu fahren und zur festgesetzten Stunde die Eröffnungsrede zu halten, er fuhr, auf pur­purroten Kissen in einer prächtigen Staatskutsche sitzend, auf einem vorher bekanntgegebenen und protokollarisch vorgeschriebenen Wege durch die Stadt, vier herrlich aufgezäumte Rosse vor dem Wagen. Die Menschen jubelten ihm zu, Trom­petenstöße verkündeten der Konferenz sein Erschei­nen, die Mitglieder erhoben sich und empfingen den Präsidenten stehend, indes dieser, unter dem Klang der Trompeten, die acht Marmorstufen zum Konferenzsaal hinaufschritt ^und dann seine Eröff­nungsansprache las.

Auf dem Heimweg, der mit gleichem protokolla­risch vorgeschriebenem Zeremoniell vor sich ging, vassierte dem Präsidenten ein kleines Mißgeschick. Aus irgendeinem noch unaufgeklärten Anlaß scheu­ten die Pferde an seiner prächtigen Staatskutsche, und die Deichsel brach. Man brachte die Tiere rasch zum Stehen, der Präsident nahm die Angelegenheit mit Humor, er verließ fein purpurnes Kiffen und seine prächtige Karosse, nahm in einem weniger prächtigen, dafür aber erheblich schnelleren Auto-

Leistungssteigerung der deutschen Mrischast

Einheitliche Lenkung aller Maßnahmen durch Neichswirtschafisminister Funk

Eine Anordnung Görings.

Berlin, 20.Dez. (DNB.) Der durch den Vier- jahresplan herbeigeführte Aufschwung hat zu einer vollen Inanspruchnahme der deut­schen Wirtschaft geführt. Die zur Verfügung stehenden Betriebsanlagen und Produktionsmittel sowie die menschliche Arbeitskraft sind voll aus­genutzt. Daraus hat sich die Notwendigkeit er­geben, durch eine Verbesserung der Be­triebsanlagen und Betriebsmittel sowie durch eine Steigerung des Lei­stungsvermögens der Werktätigen die deutsche Wirtschaftskraft zu erhöhen. Die Größe dieser Aufgaben hat die v e rs ch i e ö e n ft f n Stel­len veranlaßt, Maßnahmen der Rationalisie­rung und Leistungsertüchtigung zu treffen. Neben den einzelnen Ministerien und ihren Beratungsstellen war eine große Zahl von Orga­nisationen wie auch die DÄF. auf diesem Gebiete tätig. Bei dem mangelnden Zusammenhang zwischen diesen Stellen weißte aber zwangsläufig eine Zer­splitterung der Kräfte eintreten, die dem gewünschten Erfolg Abbruch tat Um die zentrale Führung sicherzustellen, hat der Beauftragte für den Dierjahresplan, Generalfeldmarschall Göring, dem Reichswirtschaftsminister Funk mit Schreiben vom 14. Dezember 1938 folgenden Auftrag erteilt:

Die Durchführung des Vierjahresplanes hat zur vollen Inanspruchnahme der deutschen Wirtschaft und zum Volleinsah aller Werk­

tätigen geführt. Eine Erhöhung der deutschen Wirtschaftskraft kann noch durch Verbesserung der Betriebsantagen, Produktionsmittel und Produktionsmethoden sowie Steigerung des Leistungsvermögens der in der deutschen Wirt- schäft Tätigen erfolgen. Die zu diesem Zwecke durchzuführenden Maßnahmen bedürfen einer einheitlichen Lenkung. Aus diesem Grunde beauftrage ich Sie, alle Maßnahmen, die zur Leistungs­steigerung der deutschen Wirtschaft erfor­derlich sind, anzuordnen und durch- ; u f ü h r e n. Sie sind ermächtigt, die sich aus dieser Zielsetzung ergebenden Aufgaben auf die zur Durchführung geeigneten Stellen bei In­anspruchnahme von Dienststellen der Partei, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Ver­bände im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers zu verteilen und die Aufgaben­gebiete dieser Stellen untereinander abzu- grenzen. Ihrer Deisungsbefugnis unterstehen zur Erfüllung dieser Aufgaben alle in die Ge­samtplanung einzubeziehenden Organisationen

und Unternehmen."

Aus dieser Beauftragung ergibt sich, daß nun­mehr der Reichswirtschaftsmini st er allein befugt ist, Weisungen über die Durch­führung der notwendigen Maßnahmen zu erteilen und die Stellen und Mittel zu beftimmen, die hier­für zum Einsatz zu bringen sind.

GroS-arabische Lösung der Palästina-Mge?

(Sin Sohn Zbn Sanas als Thronkanaidat. - Großes Interesse in London für den neuesten plan.

(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

S. K. Kairo, 20. Dezember.

In Kulisfengesprächen zwischen den verschiedenen arabischen Kreisen also vornehmlich zwischen den Mitgliedern des arabischen Komitees und den Re­gierungen der eingeladenen arabischen Staaten, ist ein interessanter Plan aufgetaucht: Man will Emir Feisal, den zweiten Sohn Ibn Sauds des Königs von Saudi-Arabien und ge­genwärtigen Vizekönig des Hedschas, als König von Palästina proklamieren.

Wie aus zuverlässiger Quelle verlautbart, ist die­ser Plan nichts jüngsten Datums, sondern wurde schon im vergangenen Sommer in London dis­kutiert, wenngleich nicht in dieser scharf umrissenen Form. Damals weilte der Saudische Kronprinz in London und hat dort im Auftrage seines Vaters ein umfassendes Memorandum zur Lösung der Pa- lästmafrage üborreicht, das die besondere Aufmerk­samkeit der englischen Regierung gefunden hat und bis jetzt geheim geblieben ist. Offenbar sind darum für die Lösung der Palästinafrage weitgehende Saudische Ansprüche angemeldet, die sich, soweit sie die Kandidatur eines Saudischen Prinzen für den Thron von Palästina betreffen, englischen Wün- schen nicht unbedingt entgegen sein müßen. Denn

ldie ausgezeichneten Beziehungen, die London zu 1 Ibn Saud unterhält, und die noch dieses Jahr durch 1 den Besuch eines Mitglieds des englischen Königs- ! Hauses des Earl of Athlone in El Riad unterstrichen | wurden, sind bekannt. Ein Saudischer Prinz auf dem Thron in Jerusalem würde diese englisch-saudi- I scheu Bindungen und Beziehungen noch enger knüp­fen und bedeutsam sein für London hinsichtlich der Machtverhältnisse im Roten Meer. Die einzige Streitfrage zwischen London und El Riad der saudische Anspruch auf Akaba an der Sinai- Halbinsel wäre mit einer solchen Kandidatur er­ledigt, denn saudisches Machtbereich würde dann | wenngleich in der Form eines neuefi selbständigen Staates b i s zum Mittelmeer vorgescho­ben, Saudije würde also Mittelmeermacht, ein Ziel, auf das der Herr Arabiens feit den frühesten Tagen seines Aufstiegs hinstrebt.

Mit solcher Kandidatur würde die von England oft aufgeworfene Frage einer Vereinigung Transjordaniens mit Palästina erneut zur Debatte gestellt, da es unmöglich scheint, daß ein Saudischer Prinz in Palästina neben dem Emir Abdallah in Transjordanien residieren könnte. Dafür ist die Feindschaft zwischen beiden Dynastien zu tiefgehend, denn das Herrscherhaus der Hasche-

Gwenn Ha Du.

Die Farben der Bretagne, Weiß-Schwarz, lauten in der Landessprache Gwenn Ha Du. Das ist nicht jene Sprache, die die Stämme Galliens vor der Romanisierung besaßen und aus der, mit ger­manischen Bestandteilen gemischt, sich auf der Grundlage des Lateinischen das Französische ent­wickelte, sondern fast die gleiche Abart des Keltischen, die in Wales gesprochen wird. Denn die Bretagne, das frühere Ärmorika, wurde im 5. Jahrhundert Zufluchtsstätte der aus Britannien durch die Angel­sachsen vertriebenen Kelten. Die ehemalige Bre­tagne ist die äußerste Nordwestecke Frankreichs mit den Städten Rennes, Nantes, St. Malo, Dol> St. Brieuc, Vannes Quimper, St. Paul de Leon und Treguieur. In diesen rein kel­tischen Gebieten wird noch die bretonische Sprache und Literatur, das Brezonnek, gepflegt. Auch äußer­lich schon unterscheidet sich der Bretone von den Franzosen. Der Bretone ist sehr kirchlich, aber, im Volksglauben hat der Druidenglauben,, mit Geister­seherei und Aberglauben, noch tiefe, Wurzeln. Der Bretone ist konservativ und eigensinnig, ernst, me­lancholisch und dabei doch tief leidenschaftlich und freiheitsliebend sowie todesverachtend. Die Bre­tonen waren die besten Seeleute. Frankreichs, die eifrigsten Parteigänger, die Soldaten, die auch im, Weltkriege den höchsten Blutzoll für Frankreich gaben, denn es fiel jeder vierzehnte Bretone.

Jahrhundertelang ist die Bretagne verhältnis­mäßig selbständig gewesen. Im Mittelalter gab es zeitweilig sogar Könige der Bretagne, aber 1488 er­losch der Mannesstamm der einheimischen Herzöge, die während des hundertjährigen Krieges immer mit England und gegen Frankreichs Königshaus gefoch­ten hatten. Anna, die letzte aus dem alten Herzogs­geschlecht der Bretagne, war mit dem Habsburger Maximilian, "bem letzten Ritter, verlobt, aber durch sehr unschöne Weile wurde sie mit Karl VIII. von Frankreich und nach dessen Tode mit Ludwig XII. vermählt. Unter Franz I. von Frankreich wurde die Bretagne 1532 mit Frankreich vereint, allerdings unter Beibehaltung ihrer Sonderart. Den bretonischen Ständen wurden ihre Gerechtsamen belassen, die Sprache und der Kultus blieben unangetastet, und in Rennes tagte ein eige­nes Parlament. Für diese Liberalität erwiesen tsich die Bretonen insofern erkenntlich, als sie, wie auch die Vendee im Südwesten Frankreichs, sich in der französischen Revolution 1789 zugunsten Ludwigs XVI. erhoben. Die aufständischen Bauern der Bre­tagne haben drei Jahre lang mit List und Kühn­heit als Chouans einen greuelooüen Bürgerkrieg unter dottereau, Cadoual und dem Grafen Puifays gegen die Truppen des Convents geführt, bis Ge­neral Hoche sie schlug und die Tragödie auf der Halbinsel Ouiberon am 20. Juni 1795 der Chona- nerie ein Ende gemacht zu haben schien. Aber 1799 erhoben sie wieder ihr Haupt. Erst eine allgemeine

mitten verlor 1925 den Thron des Hedschas an Ibn Saud.

Eine Beseitigung Emir Abdallahs dessen Stel­lung im eigenen Lande äußerst fragwürdig ist dürfte, so dies in englische Pläne paßt, London nicht allzu viel Kopfzerbrechen bereiten. Denn der Emir lebte von Beginn an von Englands Gnaden und ausschließlich davon.

Auch auf die Neuordnung in Syrien dürfte die Kandidatur eines. Saudischen Prinzen in Palästina nicht ohne Folgen sein und dort dem Wunsch nach einer groß-arabischen Lösung der vorderasiatischen Verhältnisse neuen Auftrieb ver­

Der zweite Sohn Ibn Sauds, Emir Feisal. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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schaffen. Mitglieder des arabischen Komitees haben in der Frage der Kandidatur Emir Feisals auch schon Fühlung genommen mit den interessierten arabischen Regierungen und offenbar in Kairo Zustimmung gefunden, während die Situation in Bagdad schwieriger ist, da hier ein Haschemide König Ghazi den Thron innehat. Er ist der Neffe Emir Abdallahs in Transjordanien. Auch'der Mufti von Jerusalem dürfte möglicherweise Geg­ner ein solchen Saudischen Machtausweitung sein, da er offenbar feit Jahren in Palästina auch eigene persönliche Intentionen verfolgt. In jedem Fall würde die Proklamation eines Saudischen Prinzen zum König von Palästina eine grundleaende Um­wälzung der Ordnung im arabischen Vorderasien bedeuten, und die Pläne dazu sind darum besonderer Aufmerksamkeit wert.