am So sich die der
Westerwald-Verein fährt ins Blaue.
Dom Westerwald-Derein, Ortsgruppe Gießen,
wi(d uns berichtet: In Wort und Tat fand Soruztag eine Autobusfahrt ins Blaue statt, tarn es auch, bei klarblauem Fimmel traf man am Amtsgericht, bestieg mit etwa 70 Personen Autobusse, und nach einigen Irrfahrten in
Stadt ging es die Frankfurter Straße entlang nach Klein-Linden, Dutenhofen, Richtung Wetzlar. Dort wieder Zweifelsfragen „wohin", da hier viele Mög-
25 Tage Haft. 13 Tage gelten als durch die Untersuchungshaft als verbüßt.
Ohne Erfolg blieb der Einspruch des K. B. aus Gießen, der wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung einen Strafbefehl über 2 Mark erhalten hatte. Der Angeklagte war im Mai mit seinem Fahrrad über den Kirchenplatz gefahren, obwohl dieser damals wegen der bekannten UmbaiA arbeiten gesperrt war. Die Einlassung des Angeklagten ging dahin, er habe die fragliche Stelle passieren müssen, um eine dringende geschäftliche Besorgung bei einem Anlieger Der gesperrten Stelle erledigen zu können. Das Gericht bedeutete ihm jedoch, daß er dann eben einen Heinen Umweg über den Brandplatz hätte in Kauf nehmen müssen. Mit Rücksicht darauf, daß sich der Angeklagte bei der Feststellung seiner Personalien ziemlich renitent benommen hatte, erhöhte das Gericht die Strafe auf 4 Mark.
lichkeiten aufeinander stießen. Die Spannung stieg/ als es in Richtung Herborn ging. Alt und jung war von Neugierde geplagt, als es über Katzenfurt beraauf ging. In halber Höhe hieß es, wer gut bei x“ l'/:3*usft£l9ßn- Die Wagen fuhren bann mit Den restlichen Teilnehmern weiter, 'während wir es vorzogen, zu Fuß durch unbekannten Wald zu tippeln. Herrlicher Sonnenschein und dadurch gute oummung bei allen brachten uns schnell vom Platz. So ging es durch das schöne Waldhof-Elgers-'
.na($ Greifenstein. Das hätte niemand gedacht, da man auf die Beilsteiner Heide tippte. Oben angekommen, hatten wir herrlichen Blick bis zu den Ausläufern des Vogelsbergs, im Süden die Ketten des Taunus, Vetzberg, Gleiberg, Hohensolms, das Dilltal mit Herborn. Dann besichtigten wir die sehenswerte Kirche mit ihren wertvollen Stuckarbeiten und die.Burgruine. Rach dem Mittagessen fuhren wir bald weiter. Es ging über Waldhof-Elgershausen, Greifenthal, das schöne Ulmbachtal nach Holzhausen, dann ins Lahntal nach Biskirchen, Stockhausen, von Leun über die Brücke nach Station Braunfels. Die Freude steigerte sich immer mef)r, nachdem man gemerkt hatte, daß man nun bald an der Schloßbrauerei Halt machen würde. Hier Aufstieg zum Schloß Braunfels, wo wir an einer interessanten Besichtigung teilnahmen. Auch der Marktplatz mit seinen schönen Fachwerkbauten fand, besonderes Interesse. Gegen 19 Uhr traten wir die Heimfahrt an und fuhren über Oberdorf— Wetzlar—Gießen zurück.
Aus der engeren Heimat.
Dreijähriges Kind tödlich verunglückt.
"* Alten-Bufeck, 21. Sept. Am gestrigen Dienstagnachmittag ereignete sich hier ein Unfall, dem leider ein Kind zum Opfer fiel. Das drei Jahre alte Töchterchen Luzia des Schreiners Heinrich Faul st ich stand auf -der Straße an einer Hauswand, als in langsamem Tempo ein Kraftwagen herankam. Das Kind hatte in diesem Augenblick offenbar die Absicht, noch schnell vor dem Auto auf die andere Straßenseite herüberzulaufen. Dabei rannte es leider direkt vor den Kraftwagen, von bem1 es anscheinend mit der Stoßstange zur Seite geworfen wurde. Hierbei schlug das bedauernswerte Kind so heftig mit dem Stopfe auf die Fahrbahn auf, daß es durch eine schwere Schädelverletzung auf der Stelle den Tod fand. Die Ermittlungen wurden alsbald ausgenommen.
Unfälle auf dem Lande.
Der 23 Jahre alte Betriebsarbeiter Fritz Textor aus Garbenteich erlitt bei der Arbeit einen schweren Unfall mit starker Beckenprellung. — Der 36 Jahre- alte Arbeiter Heinrich Forster aus Heuchelheim stürzte mit dem Fahrrad so unglücklich, daß er einen Bruch des linken Armes davontrug. — Durch Sturz von einer Strohpresse erlitt auch der 28 Jahre alte Arbeiter Albert Jung aus Hochelheim einen linksseitigen Armbruch. — Der 21 Jahre alte Landwirt Gustav Z im m e r aus Groß-Eichen (Kreis Schotten) stolperte beim Ausweichen vor einem Radfahrer über einen Stein und stürzte so unglücklich, daß er einen Oberschenkelbruch erlitt. — Auf der Reichsautobahn-Baustelle stürzte der 43 Jahre alts Arbeiter Albert P e r r a t aus Rieder-Ohmen (Kreis Alsfeld) von einem Materialwagen der Baubahn. Der Mann erlitt dabei schwere Prellungen im Rücken.
Herbstpferdemarkt 1938 in Friedberg.
Der Herbstpferdemarkt am 11. Oktober in Friedberg ist mit einer Prämiierung von Zuchtpferden verbunden. Die diesjährige Schau ersetzt, im Hinblick auf die bevorstehende Landespferdeausstellung in Frankfurt a. M., die seitherige Bezirksprämiie- rung in Berstadt. Somit ist die diesjährige Friedberger Prämiierung als Vorschau für die Frankfurter Landespferdeausstellung anzusehen. Der Prämiierungsplan ist bereits durch die Stadtverwaltung im Benehmen mit der Pferdezüchtervereinigung Oberhessen herausgegeben worden. Es wird erwartet, daß alle guten Zuchtpferde aus dem westlichen Oberhessen in Friedberg in Wettbewerb
treten werden. Die bedeutendsten Klassen sind diejenigen für zweijährige Stuten, für dreijährige Stuten und für vier- bis zehnjährige Stuten.
Unmittelbar an die Prämiierung schließt sich eine Hufbeschlagprämiierung an. Gewertet werden hierbei a) Pflege und Bearbeitung des Hufes, b) Machart des Eisens, c) Lage des Eisens und Nagelung, d) der plane Auftritt. Von demselben Schmied darf jeweils nur ein Beschlag vorgestellt werden.
Außerdem ist der diesjährige Herbstpferdemarkt mit zwei Zugleistungsprüfungen für Kaltblut- und Warmblutpferde verbunden. Die Prüfung der Kaltblutpferde erfolgt, wie im Frühjahr, am Krastmeß- wagen, während für die Warmblutpferde eine Dauerzugleistungsprüfung über 60 Kilometer durch- geführt wird.
Sandkreis Giehen.
ch Treis (Lumda), 21. Sept. Ein Liefer- kraftwagen, der Petroleum geladen hatte und dessen Fahrer vom Feldweg bei der Hühnerfarm Krause auf die Hauptstraße nach Allendorf zu einbiegen wollte, geriet beim Wenden rückwärts in den Straßengraben und in einen angrenzenden Garten. Der Wagen mußte von zwei Kraftwagen mit vereinten Kräften aus der unangenehmen Lage befreit werden.
Kreis Friedberg.
> Münzenberg, 19. Sept. Dieser Tage weilte die Führerin des BDM.-Untergaues Wet- terau (254), Hertha Diehl, in Münzenberg. Bei dieser Gelegenheit fanden zwei Appelle des BDM- und der Jungmädel statt. Bei fröhlichen Spielen und Volkstänzen verbrachte die Untergauführerin einige Stunden bei den Mädeln der Gruppe Münzenberg. Die Untergauführung wird am 1. Oktober nach Büdingen verlegt und der Kreis Friedberg an den Unter« gau Gießen angeschlossen. — Die hiesige Möbelwerkstätte Metzger & Schlecht erhielt vor einigen Tagen einen ehrenvollen Auftrag. Sie verfertigte für den Ministerpräsidenten Generalfeldmarschall Göring 22 Bauernstühle, sogenannte „Hessische B r a u t st ü h l e". Es handelt sich bei diesen Stücken um altertümliche hessische Möbelstücke.
Kreis Alsfeld.
—.— Homberg, 20. Sept. Die hiesige SchÜtze n g i l d e , ein Kleinkaliber-Schützenverein, veranstaltete am Sonntagoormittag auf ihren Schießständen das 15. König- und 'Ritterschießen. Hierbei wurde zum'erstenmal in.zwei Klassen geschossen. Der ersten Klasse gehörten alle Schützen an, die schon bei früheren Schießen eine Auszeichnung als König
ober Ritter erworben hatten: zur zweiten Klaffe zählten diejenigen, die noch keine Auszeichnung errungen haben. Mit dieser Einteilung wollte man der Jungmannschaft einen Ansporn geben; aus diesem Grunde wurde ihr auch der 3. Platz (2. Ritter) vorbehalten. Es wurden in den drei Anschlagsarten 15 Schuß abgegeben: liegend, kniend und stehend. Von der ersten Klasse wurde Daniel Becker mit 155 Ringen König. Aus der 2. Klasse wurde Bert- hold Wilhelm mit 145 Ringen 1. Ritter und Karl Ramge mit 132 Ringen 2. Ritter. Anschließend errangen die nachstehenden Schützenkameraden Ehrenscheiben: Karl Habicht, Friedrich G o ß - seid er, Daniel Becker, Karl Scholl jun., >G. O e st r e i ch, Adam O b e r I e und Berthold W i l- h e l m. Am Abend versammelten sich die Schützen mit ihren Familien im „Frankfurter Hof", wo ein gutbesuchter Kameradschaftsabend stattfand. Hier hielt Dietwart Geißer eine Ansprache über die Bedeutung des Schießens, das von den Schützenvereinen sorgfältig gepflegt werde und somit der Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes diene. Dann nahm Schießmeister Goß selber die Siegerehrung vor. Bester Jungschütze wurde Heinrich G e i b e l mit 124 Ringen; ihm wurde eine Gedenkmünze überreicht. Schützenkamerad Rudolf Seipp überreichte dann noch Friedrich Gohfeld er, der beiifi diesjährigen Vereinsschießen als Vereinsmeister mit 154 Ringen hervorgegckngen war, eine Gedenkmünze.
Wilddiebsmuseum im Gerichtssaal.
Lpd. Ma r b u r g, 20. Sept. Zu Beginn ber Strafverhandlung gegen den 63jährigen Heinrich H. aus Rennertehausen a. d. Eder, der seit 4. Juni wegen Verdachts der Wilddieberei in Untersuchungshaft sitzt, verwandelte sich der Verhandlungsraum des Schöffengerichts in ein Wilddiebsmuseum. Aus Säcken und Kisten kamen etwa ein halbes Dutzend Jagdgewehre verschiedener Kaliber, teilweise aus Militärgewehren umgearbeitet, Gewehrläufe, Gewehrschäfte, Reinigungsstöcke in allen Größen, Pistolen verschiedenster Art, Seitengewehre, eine Jltisfalle, ein aufgespanntes Marderfell, Draht- schlingen, Fischernetze, Sprengkapseln mit Zündschnüren, Fischräubergabeln, Munition zu Militär- und Jagdgewehren in großen Mengen, teilweise mit abgeztüickter Geschoßspitze, Kabeldrahtrollen, Werkzeuge und Material zum Selbstherstellen von Munition usw. zum Vorschein, so daß die Gerichtstische zum Ausbreiten der Gegenstände nicht ausreichten. Sie wurden gelegentlich einer bei dem Angeklagten vorgenommenen Haussuchung im Rahmen der Aktion gegen Wilddiebe vorgefunden.
Der Angeklagte, der nach seiner Angabe vor etwa zehn Jahren einmal Mitbesitzer einer Jagd war, konnte über die Herkunft der meisten bei ihm Vorgefundenen Sachen keine genügende Auskunft geben. Die Militärsachen sind angeblich beim Durchzug der Truppen Ende 1918 im Anwesen liegengeblieben, oder von seinen Kindern herbeigebracht worden. Nach Angabe des zuständigen Forstbeamten ist in dem Bezirk Rennertehausen in früheren Jahren
öfters, in letzter Zeit verschiedentlich gewildert war« den. Ein Wilderer konnte nicht ermittelt werden, doch wurde dem Forstbeamten der Name des Angeklagten genannt. Der Angeklagte konnte die Her« funft verschiedener in den letzten Jahren erworbener Waffen nachweisen. Eine Wilddieberei war ihm jedoch trotz vieler Derdachtsgründe nicht nachzuweisen. Das Gericht erkannte wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz, das Schußwaffengesetz, jowie wegen Besitzes von Heeresgut auf insgesamt e l j Mo n a t e Gefängnis und Einziehung der beschlagnahmten Gegenstände.
Das Arbeitsbuch ist eine Urkunde und kein Legitimationspapier.
LPD. Frankfurt a. M., 20. Sept. Das Schöffengericht hatte einen Angeklagten, der in seinem Arbeitsbuch den Entlassungstag aus seiner letzten Stelle geändert hatte, wegen schwerer Urkundenfälschung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt Auf die Berufung des Angeklagten gelangte die Strafkammer zu der Annahme, daß im vorliegenden Falle im Hinblick auf die besonderen Umstände das Arbeitsbuch nur als Legitimationspapier im Sinne des § 363 StGB, anzusehen sei. Da es sich hierbei nur um eine Uebertretung drehte und die Strafverfolgung schon verjährt war, stellte die Sttaf- kammer das Verfahren ein. Die Staatsanwaltschaft legte gegen diese Entscheidung Revision ein. Sie vertrat die Auffassung, daß das Arbeitsbuch in jedem Falle eine Urkunde im Sinne des § 267 StGB, sei und derjenige, der in unzulässiger Weise eine Aenderung an dem Buch vornehme, sich der Urkundenfälschung schuldig mache. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt a. M. trat dieser Auffassung bei, hob das Urteil der Strafkammer auf und verwies den Fall zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer zurück.
Das eingezogene Hirschgeweih.
Eine wichtige Entscheidung für Iägerkreise.
Lpd. Frankfurt a. M., 20. Sept. Eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung fällte der Strafsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt a. M. in einem Jagd fall aus dem Limburger Bezirk. Im verflossenen Oktober hatte dort ein Jäger einen Zwölferkronenhirsch geschossen, der nach dem auf« gestellte/i Abschußplan nicht hätte geschossen werden dürfen. Wie sich herausstellte, traf den Jäger kein Verschulden, er handelte weder vorsätzlich, noch fahrlässig. Es lag ein Versehen vor. Die Frage entstand nun, ob in einem solchen Fall das Hirschgeweih eingezogen werden kann, oder nicht. Das Amtsgericht Camberg erkannte auf Einziehung, indem es sich auf den Standffünkt stellte, daß es sich bei dieser Maßnahme nicht um eine Nebenstrafe, sondern um eine polizeiliche Maßnahme handele. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts ist dieser Auffassung jetzt beigetreten und hat die gegen das Camberger Urteil eingelegte Revision verworfen.
Wirtschaft.
DudenrS'sche Eisenwerke, Wehlar.
Fwd. Durch Gesellschafterbeschluß vom 1.9.1938 ist das Vermögen der Hochofenschwemmsteinfabrik Oberscheld G. m. b. H., Oberscheld, Dillkreis, auf die Bu- derusschen Eisenwerke, Wetzlar, übertragen worden.
Gießener Gchlachtviehmarkt.
Zu dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteige- rungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 4 Ochsen, 5 Bullen, 40 Kühe, 28 Färsen, 148 Kälber, 125 Schweine, 22 Schafe aufgetrieben.
Preise: Ochsen 42 bis 44 Pf., Bullen 39 bis 42, Kühe 17 bis 42, Färsen 35 bis 43, Kälber 30 bis 65, Schafe 38 bis 45 Pf. je % kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,16 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) ,1,08, d bis f (unter 100 kg) 1,02, gl (fette Specksauen) und i (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen) und n (Eber) 1,06 RM.
Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe rege.
Rhein-Mainische Börse.
ANttagsbörse weiter fest.
Frankfurt a. M., 20. Sept. Seitens der Kundschaft setzten sich kleine Käufe fort, und da auch der Berufshandel weitere Meinungskäufe vornahm, blieb die Börse weiterhin sehr fest. Abgaben wurden kaum vorgenommen, daneben machte sich ein gewisser Mangel an höherstehenden Limiten bemerk- bar, so daß der Aktienmarkt erneut durchschnittliche Befestigungen von 1 bis 1,50 o. H. auf- wies und eine Reihe von Werten aus dem erwähnten Grunde darüber hinaus anftieg. Von Montan- werten standen Verein. Stahl mit 100,65 bis 101 (100), Mannesmann mit 107,50 bis 108 (105,50) und Hoesch mit 109,75 (108) im Vordergrund. Ilse Genuß stiegen auf 134,40 (131,50). Maschinenaktien zogen fast durchweg 1 bis 1,50 v. H. an, nur Demag 0,50 v. H. leichter mit 142. In der chemischen Gruppe waren die Befestigungen klein, IG.-
Kannst du zurück,Sore?
Roman von Hedda Lindner.
Copyright by Earl Duncker Verlag, Berlin W 35.
20 Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
Der nächste Tag verlief ohne besondere Zwischenfalle, nur das Meer wurde etwas unruhiger und zeigte weiße Schaumköpfe. Df. Kesten begegnete er außer bei Tisch verschiedentlich auf der Deck- promenade, aber sie tauschten nur ein paar flüchtige Bemerkungen über bas Wetter aus; auf die Unterhaltung des Vorabends kam er mit keinem Wort zurück.
Für die nötige Zerstreuung sorgte die kleine Frau Murdock. Sie stöberte Gerald in seinem Liegestütz! auf und begann eindringlich mit ihm zu stirten, in einer so entwaffnend selbstverständlichen Art, baß er gutmütig Darauf einging. Die Frau wollte sich lediglich die lange Seereise etwas unterhaltender gestalten, ohne wirkliche Abenteuer zu suchen; sie machte keinerlei Hehl daraus, daß sie sehr glücklich verheiratet war, und kannte ihre Grenzen. Da war es ganz gut, wenn seine Schwerfälligkeit durch diesen harmlosen Flirt etwas aufgerüttelt wurde, außerdem lenkte er ihn wohltuend von feinen Gedanken ab. r
Die freundlichen Nachbarinnen mußten darum bald voller Enttüstung feststellen, daß auch der gut ausgehende Deutsche,' ber einen so gelegenen Eindruck machte, in bas Netz biefer „Person" gegangen war.
Es war am britten Abenb — nach seiner Unter-- rebung mit Dr. Kesten. In ber Nacht vorher hatte ber Kapitän ihn zu einem Drink eingelaben, und es war eine sehr ausgebehnte Sitzung geworden, barum hatte Gerald beschlossen, heute zeitig w^fen iu gehen, und er lag tatsächlich schon um elf Uhr m bem schmalen Bett seiner Kabine. Er hatte bas Acht gelöscht, konnte aber boch nicht gleich ein» chlafen unb sah — auf bem Rücken liegenb — zu "em kleinen Bullauge auf, bas als Oberlicht in Die Decke eingelassen war. Es schimmerte ziemlich hell, tur ab unb zu huschte ein bunkler Schatten darüber hin, vielleicht bie Schiffskatze, bie auf Wanbe- iung ging.
Die Dünung mar stärker geworden, und bie ,Kenya" stampfte jetzt ganz gehörig. Geralb paßte sich rhythmisch ben Bewegungen bes Schiffes an Jinb kam allmählich in bas halbwache Dösen, bas d;m endgültigen Einschlafen vorangeht.
Plötzlich schreckte er auf. Irgend etwas war an fein Ohr gedrungen, ein dumpfer Laut, den er sich
nicht erklären konnte, ber aber boch anbers war als bie üblichen Geräusche bes Schisses. An biefe war er gewöhnt, unb sie yätten ihn nicht aufgestört, aber bies hier — was konnte bas gewesen sein?
Schon saß er — hellwach — aufrecht im Bett unb horchte. Nichts. Oder boch? — Er vernahm ben leise tappenben Laut von Schritten über sich. Unwillkürlich sah er nach bem kleinen Oberlicht hinauf. Jetzt glitt ein schmaler Schatten darüber hin — bas könnte ein Fuß fein — ging es halb unbewußt burch ihn, bann wurde es vollkommen bun- fel, wie wenn eine schwere, breite Masse es bedeckte, und bann glitt wieder ein schmaler Schatten wie ber erste barüber. Dazu dieser merkwürdige, halb tappende, halb schleifende Laut.
Gerald hätte niemals sagen können, was ihn trieb, aus bem Bett zu springen, feinen Babemantel über den Schlafanzug zu werfen und an Deck zu eilen. Er war noch nicht oben, da hörte er Alarm! Pfeifen schrillten, laute Rufen tönten, unb Schritte, biesmal nicht gebämpft, rannten hin und her.
Nun war er oben. Der Wind faßte seinen Bademantel, daß er sich wie ein Segel blähte, er zog hastig Die Schnur zusammen. „Was ist geschehen?' fragte er einen Matrosen, Der vorüberlief.
„Mann über Bord", antwortete dieser kurz und rannte weiter.
Gerald trat an die Reling und beugte sich weit hinüber. Das Meer war ein schwarzes, kochendes, brodelndes Etwas geworden, schon zuckten die großen Scheinwerfer in grellem Strahl darüber hin. Die Maschinen hatten gestoppt, Die Vorwärtsbewegung des Schiffes verlangsamte sich von Sekunde zu Sekunde. Die leuchtenden Rettungsringe flogen ins Wasser, eins — zwei — drei — unb tanzten auf ben Wellen. Mattosen jagten herbei, und die Davits kreischten, als bas Boot ausgeschwenkt wurde.
Gerald starrte in Das Wasser. Jetzt — ganz deutlich erkannte er den Körper, ber ba trieb. Ein Rettungsring war neben ihm, warum griff der Many nicht zu? — Jrn gleichen Augenblick hob eine Welle ihn hoch, der Scheinwerfer traf bas blasse Gesicht nur für ben Bruchteil einer Sekunde. Für Geralds scharfe Augen genügte es. Er hatte Dr. Kesten erkannt unb auch festgestellt, daß er bewußtlos war.
Was nun tarn, ging so schnell, baß keine Schilderung Der Zeit nur annähernD folgen kann. Die Unterhaltung an jenem Abend, das Geräusch, die beiden Füße über bem Oberlicht, der Breite Schatten dazwischen, ber bewußtlose Mann, Der Den Rettungsring nicht greifen konnte — alles bas verschmolz zu einem geschlossenen Bild.
Für den Mann, der da draußen trieb, gab es wohl keine Rettung mehr. Aber wenn er nun nicht
tot, sondern nur verwundet, betäubt war. Dann war er trotzdem verloren; Denn bis das Boot herankam, war es auf alle Fälle zu spät. Da half auch die rasende Schnelligkeit nichts, mit der Die Manöver ausgeführt wurden.
Gerald fühlte eine irrsinnige Wut gegen diese feige Mordbande. Sollte er es geschehen lassen, daß ein Mann, mit Dem er am Tisch gesessen, Der ihm vertraut hatte, obwohl er ihn kaum kannte, vor seinen Augen ersäuft wurde wie ein Stück Vieh?
Freilich, da hinunter — und das in diesen Gewässern! Neben ihm beugte sich ber schwarze Ali vor, sein Messer wie stets im Gürtel. Plötzlich fühlte er, wie ihm bas Messer entrissen wurde, ein weicher Gegenstand flog halb über sein Gesicht, und er hatte sich noch nicht Davon befreit. Da schoß eine Gestalt neben ihm über bie Reeling, und der weiche Gegenstand erwies sich nachher als Bademantel.
Alles schrie auf, als Gerald in Der schwarzen schäumenden Flut verschwand. Es Drängte sich eine Menge Fahrgäste an Deck zusammen. Trotz aller Bemühungen Der Schifsleitung, sie zurückzuhalten. Das Abstoppen Der Maschinen hatte sie alle nach oben gebracht. Ein paar Frauen begannen laut zu schreien.
„Ruhe!" brüllte Merzmann, der die Gefahr einer Panik erkannte. „Oder ich lasse das Deck mit Der Feuerspritze räumen."
Das hals, zumal einige besonnene Fahrgäste Die hysterisch roeinenben Frauen mit sanfter Gewalt nach unten brachten, wo sie von Der Schwester unb ben Stewarbessen mit Beruhigungsmitteln empfangen wurden. Merzmann jagte, als er bie Gefahr gebannt hatte, zur Brücke hinauf, um besseren lieber» blick zu haben.
Der Kapitän stand mit zusammengebissenen Zähnen und verfolgte mit seinem Glas den waghalsigen Schwimmer, der sich in großen Stößen vorwärts- schnellte, geschickt bie Dünung ausnützenb. Als er Merzmann neben sich sah, ließ er bas Glas sinken. „Wenn da Der Herrgott kein Einsehen hat — weiß der Mann eigentlich, was er wagt?"
„Er weiß es", antwortete Merzmann leise. „Er hat Alis Messer mitgenommen."
„Donnerwetter!" sagte der Kapitän. Dann schwiegen bie Männer und folgten in sorgenvoller Spannung dem Schwimmer, Der sich langsam immer weiter vorarbeitete. Die Scheinwerfer hatten sich auf ihn eingestellt und leuchteten vor und hinter ihm das Messer ab, ohne daß bei Dem Wellengang viel zu erkennen war. Auch das Boot war inzwischen heruntergefiehrt und kam gut ab; der Zweite Offizier hielt sich schwankend auftecht und wies Die Richtung.
Gerald hatte inzwischen bie Stelle erreicht, an der er zuletzt Den treibenden Körper gesehen, er schwamm noch ein Stück weiter, ließ sich von einer hohen Welle heben unb versuchte abermals, seine Umgebung zu überblicken. Er fühlte sich nicht sonber- lich erschöpft; er war ein hervorragender Schwimmer, und das Wasser trug gut, aber er wußte auch. Daß nur ein glülicher Zufall ihn hier draußen den treibenden Körper finden ließ. Der Zufall — ober die Vorsehung.
Wie man es nennen will, bleibt sich gleich. Jedenfalls, was ba in einem Wirbel nochmals an die Oberfläche kam, vielleicht zum letzten Male vor Dem Versinken, war ein menschlicher Körper, Hilger packte zu, er hatte keine Ahnung, ob er einen Toten hielt, versuchte aber vor allem, den Kopf über Wasser zu bringen. Als es ihm gelungen war, den Rettungsgürtel über Den Bewußtlosen zu streifen, ging es leichter.
Er konnte ihn nur mit; einer Hand halten und das Messer aus den Zähnen in Die andere nehmen, das ermöglichte ihm freiere Atmung. Er machte keinen Versuch, mit Dem Geretteten zurückzuschwimmen, sondern hielt sich auf der Stelle, scharf um«' herspähend. Die Scheinwerfer erreichten ihn, sie zuckten grell über die unruhige Wasserfläche, und endlich, endlich war auch das Boot heran.
Das Bergen war eine Angelegenheit von Sekunden. Der ^Gerettete wurde sofort in bas Schiffshospital gebracht, wo Arzt und Schwester sich um ihn bemühten. Gerald entledigte sich sofort seines nassen Schlafanzuges und hüllte sich in seinen Bademantel, den Ali ihm grinsend hinhielt. Er gab ihm sein Messer zurück.
Der Kapitän sah es. „Ob es Ihnen viel genützt hätte, da unten?" meinte er zweifelnd.
Hilger zuckte die Achseln. „Wenigstens hatte ich nicht Das Gefühl, wehrlos zu sein."
Der Kapitän drückte ihm warm die Hand. „Wenn Sie nicht zu erschöpft sind, möchte ich Sie in meine Kabine bitten."
„Ich komme sofort, ich will mich nur anziehen."
Es lag eine tiefernste Stimmung über ber kleinen Gruppe, bie sich nachher beim Kapitän zusammen- fanb. Der Arzt war auch babei, nachdem er seinen Patienten der Obhut der Schwester überlassen hatte. Außerdem stand ein Matrose als Wache vor Der Tür. Der Befund hatte ergeben, daß Der Doktor, durch einen Schlag auf Den Hinterkopf betäubt worden war, ehe man ihn in bie See geschleudert hatte. Er wäre verloren gewesen, hätte Gerald das merkwürdige Geräusch an Deck und Die Schatten über seinem Oberlicht nicht so blitzschnell Damit in Verbindung gebracht. LFortfetzung folgt.)


