Besuch bei den Arbeitern im Westen.
LPD. Nach den Reden des Führers und, Hermann Görings in Nürnberg weiß die ganze Welt, daß im Westen des Reiches mit dem Einsatz Hunderttausender von Arbeitskameraden ein gigantisches Bollwerk alsSchutz und Wehr des Reiches errichtet wird. Dieses „Bauvorhaben West", wie es kurz genannt ist, H7lt vor allem auch in den Fragen der Unterbringung und Verpflegung und der kulturellen Betreuung des Heeres unserer schaffenden Volksgenossen Probleme aufbeworfen, die mit deutscher Gründlichkeit gelöst worden sind. Ein Besuch bei den Arbeitern im Westen, in den Lagern und Massenquartieren zeigte uns, welche Betreuung den Männern zuteil wird, die „zur Pflicht für die Sicherheit der Nation aufgerufen" wurden. Die Familien, deren Väter und Söhne an der Westgrenze den Hort -des Vaterlandes schmieden, dürfen den verantwortlichen Stellen voll vertrauen, sie, dürfen versichert sein, daß der aufopfernde Dienst in seinem ganzen Umfang gewürdigt und belohnt wird.
Alle Sorge für das Wohl des einzelnen Menschen ist der Deutschen Arbeitsfront übertragen worden. Sie ist mit jugendlicher Spannkraft und einer geradezu ungeheuren organisatorischen Leistung an die Probleme herangegangen. Zunächst brauchte die mächtige Arbeiterarmee Obdach. In den dicht besiedelten Bezirken halfen Privatquartiere und Mas- senquartiere in öffentlichen Gebäuden, vor allem in Schulen. Wo das Gebiet wenig Siedlungen aufwies, wurden Lager gebaut mit tadellosen Mann- schastshäusern auf massiven Sockeln? sauber gehaltenen Wegen, großen lichten Stuben mit viel Raum, mit Waschgelegenheiten und Duschräumen, Trockenräumen und Gemeinschaftshallen. Alles^ ist freundlich gestrichen und traulich eingerichtet. Köche und ihre Hilfskräfte sorgen an modernen Herden für abwechslungsreiches Essen, das im Lause der Woche dem Geschmack der verschiedensten in den Lagern untergebrachten Landsmannschaften gerecht wird.
Die Küchen wurden von der DAF. gestellt, die Köche und das übrige Personal, wie die Hilfskräfte zur Sauberhaltung der Stuben, stellt der Unternehmer. Im Auftrag der DAF. walten auch der Lagerführer, fein Stellvertreter und der Verwalter ihres Amtes. Die Feldküchen, aus denen die Einlieger der Massenquartiere verpflegt werden, beschafft und verwaltet ebenfalls die öAF. Hunderte sind es, und allein dieses Teilgebiet gibt einen Begriff von 6er Energieleistung der Amtsstellen.
Die „Pflicht"-Arbeiter fühlen sich gut aufge- hoben; das zeigte die Fahrt in die Westmark, das erwiesen zahlreiche Gespräche mit diesen Männern. Die Art der Entlohnung ermöglicht es jedem, der nur etwas Sinn für Sparsamkeit hat, schöne Summen nach Hause zu schicken. Der Stundenlohn beträgt 60 Pf. Wer als Facharbeiter einbesetzt wird, bekommt Taris. Sonst zahlt das zuständige Arbeitsamt die Differenz für 48 Wochenstunden, die zwischen dem 60-Pf.-Stundenlohn und der Entlohnung am zeitweise aufgegegebenen früheren Arbeitsplatz entstanden ist. Arbeiter aus einer Stadt unter 100 000 Einwohnern erhalten eine Zulage von 1,50 Mark täglich, über 100 000 Einwohner 2 Mark. Für Privatquartiere werden pro Nacht 50 Pf.' vergütet. Das Essen kostet täglich 1,20 Mark. Kaffee und Tee gibt es in beliebigen Mengen, ebenso Brot. 83 Gramm Butter werden^oerabfolgt. Die warmen Speisen könnten in keinem Gasthaus besser bereitet werden. Eine Zusatznahrung von warmer Suppe oder Keks oder Schokolade im Werte von 30 Pf. gibt die DAF. ohne Bezahlung an der Baustelle.
Die Organisation „Kraft durch Freude" übernahm die kulturelle Betreuung. Alle Tonfilmwagen des zuständigen Gaues sind ständig unterwegs. Varietes und Kabaretts wandern durch die Gemeinschaftsräume. Ein großes KdF.-Zelt, das 2000 Personen faßt, ist zur Verfügung. Das Landestheater Saarpfalz spielt seit einiger Zeit für die Arbeiter im Westen, und sogar die berühmte Exlbühne wurde engagiert. Zeitungen liegen auf, die der Heimatgaue besonders, und überall wurde für guten Rundfunkempfang gesorgt.
Wenn wir hier vor allem die Leistungen der Organisation schildert, so wollen wir die Leistungen des einzelnen Menschen an der Baustelle darüber nicht vergessen. In welchem Sinne sie geschieht, das drückte ein Arbeiter ^mit den Worten aus: „Wir schaffen ja nicht für den Unternehmer, sondern für die Sicherheit des Vaterlandes." Die Deutsche Arbeitsfront als Trägerin der Betreuung der Men
schen hat weitgehende Sicherungen eingeschaltet, nm jeglicher Ausnutzung vorzubeugen. Fünf Gau-Fach» abteilungsleiter mit den Befugnissen eines Reichstreuhänders wachen über die Einhaltung sämtlicher Rechte der Männer, von denen der Führer in feiner großen Nürnberger Rede gesagt hat, daß sie willig und freudig gefolgt sind, als es galt, int Westen eine unüberbrückbare Barriere aufzubauen.
Wozu Atteisensammelaktion der SA.?
NSG. Im Rahmen der seit 1936 betriebenen planmäßigen Altmaterialverwertung führt die SA. vom 24. September bis 1. Oktober d. I. eine Sammelaktion zur Erfassung von Alteisen aller Art auf dem flachen Lande, sowie in den Dörfern und Städten des Gaues Hessen-Nassau durch.
Die im März 1937 durchgeführte Erfassung des Alteisens durch die SA. hat gezeigt, daß durch intensive Erfassung des in den Städten und auf dem Lande anfallenden Alteisens erhebliche Schrottmengen aufgebracht werden können. Damals wurden etwa 100 000 Tannen als Ergebnis erzielt. Welche Bedeutung diese Aktionen und überhaupt die Schrottverwertung für die deutsche Eisen wirtschaft haben, mag auf Grund von Ausführungen gezeigt werden, die man in einem kürzlich erschienenen Heft „Die Bedeutung der Altmaterialwirtschaft in Deutschland", verfaßt von dem Referenten beim Reichs- kommissar für Altmaterialverwertung, Dr. Adolf Stöcker, findet.
Schrott ist neben Eisenerz der wichtigste Rohstoff der eisenerzeugenden Industrie, vor allem für die Siemens-Martin-Stahlwerke und für die Stahlerzeugung nicht zu ersetzen. Die augenblickliche Schrottbedarfsmenge beträgt jährlich etwa zehn Millionen Tonnen, was einem Geldwert von ungefähr 250 Millionen Mark entspricht.
Der Schrotteinsatz bei der Siemens-Martin-Stahl- gewinnung beträgt ungefähr 75 v. H. Da die Erzeugung von Siemens-Martin-Stahl ungefähr 55 o. H. der gesamten Stahlerzeugung beträgt, ist ersichtlich, daß die Verwendung von Schrott ein wichtiges Erfordernis der deutschen Eisen- und Stahlindustrie bildet, die ohne Schrott nicht bestehen ckann. Der Schrottverbrauch der deutschen eisenerzeugenhen Industrie stieg von 4,2 Millionen Tonnen im Jähre 1933 auf 9,4 Millionen Tonnen im Jahre 1936. Der Anteil des Schrottverbrauches bei der Siemens- Martin-Stahlerzeugunq stieg von 3,2 Millionen Tonnen im Jahre 1933 auf 7,5 Millionen Tonnen im Jahre 1936.
Die Schätzungen des Enquete-Ausschusses hinsichtlich der Sammelschrottmenqe der Nachkriegszeit schwanken zwischen 250 000 bis 1 Million Tonnen je Jahr. Die Sicherstellung einer ausreichenden Der-
Aus den Gießener Gerichtssäle«.
der Angeklagte insgesamt noch fünf Monate zu verbüßen hat.
Amtsgericht Gießen.
Unter der Anklage der Landstreicherei hatte sich der K. W. aus Wiesbaden-Sonnenberg zu verantworten. Der Angeklagte, der aus der Haft vorgeführt wurde, stammt aus guten Verhältnissen, ist jedoch bereits einschlägig, sogar mit zwei Jahren Arbeitshaus, vorbestraft. Er war in Wiesbaden bei einem Verwandten beschäftigt, von wo er aber wegen geringfügiger Lohndifferenzen spurlos verschwand und sich auf Wanderschaft begab. Er wurde schließlich in Gießen aufgegriffen. Der Angeklagte war geständig. Das Gericht billigte ihm noch einmal mildernde Umstände zu und sah insbesondere von einer nochmaligen Unterbringung im Arbeitshaus ab, da diese Maßnahme nach ben gesetzlichen Bestimmungen auf Lebenszeit hätte angeordnet werden müssen und anderseits seine Verwandten, die hierzu bereit und in der Lage sind, ihn in Zukunft betreuen werden. Das Urteil lautete auf
Schöffengericht Gießen.
Gestern hatte sich der W. W. aus Gießen vor dem Schöffengericht wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung zu verantworten. Der Angeklagte war im Juni d. I. vor dem Amtsgericht als Zeuge aufgetreten und legte bei dieser Gelegenheit dem Gericht eine gefälschte Bescheinigung seines Arbeitgebers für angeblich ausgefallenen Lohn vor, um sich auf diese Weise eine Zeugegebühr zu erschwindeln. Der zuständige Beamte entdeckte dieses Manöver jedoch sofort und verhinderte die Auszahlung des Geldes. Der Angeklagte war geständig. Ha nach der Beweisaufnahme immerhin noch eine Möglichkeit bestand, daß der Angeklagte tatsächlich eine Vergütung für Verdienstausfall zu beanspruchen hatte, wurde er von der Anklage des Betrugs frei- gesprochen. Für die Urkundenfälschung erhielt er unter Zubilligung mildernder Umstände zwei Monate Gefängnis. Gleichzeitig hob das Gericht eine dreijährige Bewährungsfrist auf, die ihm bei einer früher verwirkten Gefängnisstrafe von drei Monaten zugebilligt worden war, so daß
sorgung — der Schrottoerbrauch wird bereits zu 90 v. H. aus dem Inlande gedeckt — ist durch gründliche Sammlung und resllose Wiederverwertung aller aufkommenden Schrottmaterialien mog- lich.
Infolge der Cisenknappheit und des großen Schrottbedarfs ist es in den meisten schrottausführenden Ländern zur Einstellung bzw. Erschwerung der Schrottausfuhr gekommen. So in Norwegen, Frankreich, Belgien, England, Rumänien und Polen. Durch diese Maßnahmen erhält die restlose Erfassung des in Deutschland anfallenden Schrottes besondere Bedeutung. . v
Das in Venedig im Frühjahr 1937 gegründete Einkaufskartell für Schrott, an dem auch das Deutsche Reich beteiligt ist, sichert zwar DeutlchlaNÄ einen bestimmten Teil seines Schrottbedarfes im Ausland, trotzdem müssen wir weiterhin bestrebt sein, durch umfassende Wiederoerwertung aller ausgebrauchten Materialien die deutsche Wirtschaft weitestgehend vom Ausland unabhängig zu machen.
Die technische Durchführung der eingangs angex kündigten SA.-Sarnmlung gestaltet sich wie folgt: Das gesammelte Altmaterial wird von der SA. an bestimmte Verladebahnhöfe gebracht, von denen der Abtransport erfolgt. Für den Fall, daß die an einem Verladebahnhof zusammenkommende Menge nicht ausreicht, um einen Waggon voll zu beladen, ist vorgesehen, auf der betreffenden Strecke einen Waggon laufen zu lassen, der die einzelnen Der- ladebahnböfe der Reihe nach absährt und das Ma» terial auf nimmt, bis er voll beladen ist.
Da es sich um zusätzliche Schrottmengen handelt, die durch den Einsatz der SA. gewonnen werden, und um das gesammelte Material so schnell wie möglich der Wiederoerwertuna zuzuführen, kann, dieses nicht an den Schrotthändler abgegeben werden, sondern es wird von der sammelnden SA. in Waggons von den Derladebahnhöfen nach den Angaben und auf Abruf des Reichskommissars für Alt- materialnerwertung in Zusammenarbeit mit der Fachuntergruppe Schrott an die zunächst gelegenen Schrott-(Paketier-)Pressen und von diesen an die Verbraucherwerke gesandt.
Helfer war. Es wird eine Geschichte der Arbeitsgemeinschaft geschrieben werden, zu der die einzelnen Kameradschaften Beiträge hinzufügen können.
Kam. Reitz dankte vor allem dem Kameradschaftsführer Müller, der die Kameradschaften zusammenhielt und ihnen ein aufrichtiger und sicherer Leiter war, zu dem sie alle Vertrauen hatten und dem sie ihre Dankbarkeit anläßlich seines Familienfestes in schöner Weise zum Ausdruck brachten. . Der Kameradschaftsführer der 116er Hans Bill unterstrich diese Ausführungen und betonte, daß die alten Soldaten ihre besten Tugenden in schwerer Zeit bewiesen haben und daß sie nun ihre soldatische Pflicht nach dem Willen des Führers auch im neuen NS.-Reichskriegerbund voll und ganz erfüllen werden.
Der Arbeitsgemeinschaft gehörten bis zum Schluß an: Artilleristen-Kameradschaft 1895 Gießen, die Kameradschaft ehem. 116er, die der 116er Offiziere, der 116er Landwehr und der 116er Landwehr- Offiziere, ferner die der 118er und der 118er Offiziere, die der 390er, die Kavallerie-, die Garde- und die Pionier-Kameradschaft, die Kameradschaft ehem. 80er, der Reichsbund deutscher Offiziere, Ortsgruppe Gießen, der Offiziers-Verein Gießen von 1914, die Vereinigung ehem. 222er und die der ehem. 224er, die Kameradschaften ehem. Hessischer Leibdragoner, Hessischer Gardedragoner, der Angehörigen der 105. Inf.-Dioision, der 441er, der Nachrichtentruppen und der Flak-Truppen.
WHW. Ortsgruppe Gießen-Mitie.
Die Aufnahme von WHW.-Anträgen für das Winterhilfswerk 1938/39 erfolgt für den Bereich der Ortsgruppe.Gießen-Mitte nach folgendem Plan:
Donnerstag, 22. September, von 9 bis 12 Uhr: Alicestraße, Am Pfarrgarten, An der Iohanneskirche, Bahnhofstraße, Bismarckstraße, Bleichstraße, Bruchstraße, Erlengasse, Burggraben, Goethestraße, Grabenstraße, Hindenburgwall; von 15 bis 18 Uhr: Hinter der Westanlage, Horst- Wessel-Wall, In Löbershof, Iohannesstraße, Kap- lansgasse, Katharinengasse, Kleine Mühlgasse, Korn- blumengasse.
Freitag, 2 3. September, von 9 bis 12 Uhr: Kreuzplatz, Löberstraße, Löwengasse, Lonystraße, Ludwigstraße, Mäusburg, Maigasse, Marktplatz, Marktstraße; von 15 bis 18 Uhr: Mühlstraße, Neuenweg, Neustadt, Plockstraße, Rit- tergasse, Schanzenstraße, Seltersweg, Sandgasse. ,
Samstag, 24. September, von 9 bis 13 Uhr: Teufelslustgärtchen, Tiefenweg, Wagengasse, Weidengasse, Wolkengasse.
Vorzulegen sind Mietbuch und Beleg über Einkommen, Unterstützungen, Renten und sonstige Verdienste (Meldekarte des Arbeitsamtes).
Hitler-Jugend Bann 116.
Bekr.: Führecarbeiisabende.
Für die Stammführer, Gefolgschaftsführer, Führer der Sondereinheiten und Scharführer der Einheiten des Kreises Friedberg findet am Mittwoch, 21. September, um 20 Uhr in der Burg ein Führerarbeitsabend statt.
Für die Gefolgschaftsführer und Scharführer der Stämme II und' IV/116 iftnbet dieser Führerarbeitsabend am Donnerstag, 22. September, um 20.30 Uhr in Großen-Bus eck (HI.- Heim) statt.
Die Gefolgschaftsführer und Scharführer der Stämme III und V/116 haben am Freitag, 2 3. September, um 20.30 Uhr vor dem BDM.-Heim in L i ch zum Führerarbeitsabend anzutreten.
** Unfälle. Beim Ausschachten eines Grabens und durch den Bruch einer Strebe erlitt der 39jäh- rige Arbeiter Karl Behring eine schwere Brustquetschung und Rippenbrüche. — Durch den Sturz von einer Leiter erlitt der in einem hiesigen Betrieb beschäftigte Arbeiter Wilhelm R a u aus Großen-Linden Brustprellungen. — Mit einem Schlüsselbeinbruch und mit Rippenbrüchen wurde der Maschinist von der Breck kaus Elberfeld, der auf einer hiesigen Arbeitsstelle beschäftigt ist, in ärztliche Behandlung gebracht. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik ausgenommen.
Geheimniste des Vogelzuges.
Äon Ewald Schild.
Wieder jährt sich die Zeit, in der uns die meisten Zugvögel verlassen, um erst im Frühjahr wiederzukehren. Störche und Segler sind in Mitteleuropa die ersten; ihnen folgen bald der Kuckuck, der Gartenlaubvogel und seine Verwandten, der Wendehals, Nachtigall und Sprosser, die Rohrdommel h. a. Im September und Oktober machen sich Schwalben, Rotschwänzchen, Grasmücke, Schwarzplättchen, Regenpfeifer, Kiebitz, Drossel, Rotkehlchen, Bussarde auf den Weg. Als Nachzügler ziehen im November Girlitz, Saatkrähen, Dohlen, Willigänse und andere Vögel aus dem Norden durch, nördliche Enten, Wildgänse, Saatkrähen, Bussarde, Taucher rücken bei uns zur Ueberminterung ein.
Wenn man überlegt, welche gewaltige Veränderungen das Wandern für den Vogel, der bisher ruhig in feinem Brutgebiet gelebt hat, mit sich bringt, so ergibt sich von selbst, daß es sehr zwingende Gründe sein müssen, die den Zugvogel veranlassen, seine gewohnte Lebensweise aufzugeben/ sein Wohngebiet zu verlassen und die weite Wanderfahrt mit all ihren Gefahren anzutreten. Durch seine experimentelle Erforschung des Vogelzuges konnte F. von Lucanus für Europa hauptsächlich drei große Zuastraßen abgrenzen, die von zahlreichen Vögeln aller Gattungen und Arten durchflogen werden: Zunächst die westliche Küstenstraße, . die aus dem nordöstlichen Europa längs der Küste der Ost- und Nordsee und des Atlantischen Ozeans über Gibraltar nach Afrika führt. Dann die Adriatisch-Tunesische Zugstraße aus dem östlichen Europa über die Adria nach Tunis und endlich die Italienisch-Spanische Zugstraße, die aus dem östlichen Europa über Oberitalien, den Löwengolf nach Spanien führt.
Welches sind nun die Gründe, die den Zugvogel zum Wandern treiben? Hauptsächlich zwei Ansichten stehen sich da scharf gegenüber: Nach der einen soll ein angeborener Änstinkt dem Zugvogel eigen sein, der zu einer bestimmten Jahreszeit erwacht und ihn zur Wanderung treibt, auf der ihn ein scharf ausgeprägter Richtungssinn leitet. Die andere Anschauung geht davon aus, daß die im Jahreswechsel sich einstellenden Temperaturveränderungen und in derem Gefolge der Nahrungsmangel, sowie bestimmte meteorologische Faktoren als Wanderungsursachen anzusehen seien. Die modernen Vogelwarten, wie sie heute auf Helgo
land, auf Rossitten usw. bestehen, verfolgen den Einfluß der Witterung auf den Vogelzug tpit aller Aufmerksamkeit.
Nach Mareks Forschungen sollen es im Herbst die Vorstöße der nördlichen Hochdrucksgebiete und die in ihrem Gefolge auftretenden polaren Winde, sowie der mit dem Sinken der Temperatur sich einstellende Nahrungsmangel sein, was den Zuginstinkt im Wandervogel wachruft und ihn nach wärmeren Ländern aufdrechen läßt.
Zahlreiche Beobachter stimmen darin überein, daß die einzelnen Zugperioden innerhalb einer Zugzeit mit dem Auftreten barometrischer Hochdruckgebiete zusammenfallen. Man kann häufig beobachten, daß der Vogelzug stockt, sobald der beständige Witterungscharakter durch ein zyklonates Luftdruckgebilde gestört wird; der Zug setzt aber sofort wieder ein, wenn ein barometrisches Hochdruckgebiet wieder zur Geltung kommt. Nicht nur Luftdruckoerteilung und Winde, auch die Bewölkung beeinflussen den Vogelzug in hohem Maße. Zunehmende Bewölkung und auch Nebel drückenden wandernden Vogel gewissermaßen zur Erde herab. Verdichtet sich bei sinkender Temperatur der Nebel zu Eisregen, so kann dies für Zugvögel zur Katastrophe werden, denn es bildet sich dann auf den Federn eine Eiskruste, Schwingen und Atmungsorgane vereisen förmlich upd die Tiere fallen erstarrt zu Boden; nicht selten ist es auf diese Weise zu einem Massenuntergang von Zugvögeln gekommen.
Zwei weitere, besonders interessante Fragen und Probleme des Vogelzuges sind die Höhe und die Schnelligkeit des Wanderfluges. Hier konnte die moderne, experimentelle Erforschung des Vogelzuges mit Hilfe der Dogelberingung — deren Wesen bekanntlich darin besteht, daß man den Zugvögeln einen leichten Aluminiumring um den Fuß legt, der mit einer Anschrift, z. B. „Vogelwarte Rossitten, Germania" versehen ist, um die Rückgabe des Ringes nach Erbeutung seines Trägers sicherzustellen — eine ganze Reihe von Irrtümern und falschen Angaben, die bis in die jüngste Zeit hinein selbst von der Fachwissenschaft für wahr gehalten wurden, einwandfrei widerlegen. Nach diesen märchenhaft klingenden Angaben sollte beispielsweise die Schwalbe in der Stunde 200 bis 250 Kilometer zurücklegen und der Mauersegler gar eine Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometer erreichen. Prof. Thienemanns genaue Messungen der Eigengeschwindigkeit guter Flieger (Star, Wanderfalke, Sperber usw.) haben ergeben, daß sie nicht mehr als 60 bis höchstens 74 Kilometer in der Stunde beträgt. Durch die Beringung ist festgestellt worden, daß Stare zur Bewältigung einer Strecke von
680 Kilometer 20 Tage, also am Tage 34 Kilometer, gebraucht haben. Für den weißen Storch ist ferner festgestellt worden, daß er auf dem Herbstzuge nicht mehr als täglich 150 bis 200 Kilometer zurücklegt, sich also für seine im ganzen etwa 10 000 Kilometer lange Reise Zeit nimmt. Allerdings gibt es auch Ausnahmen mit ganz außerordentlichen Kraftproben, wie z. B. die des nordamerikanischen Gold- re g e n p f e i f e r 5 , der die gewaltige Strecke von den Meuten bis zu den Hawai-Jnseln über dem Stillen Ozean ohne Ruhepause durchfliegt und zur Bewältigung dieser rund 3000 Kilometer langen Strecke nur anderthalb bis zwei Tage benötigt.
Durch lange andauernde und eingehende Beobachtungen der Flieger konnten auch die bisher stark übertriebenen Angaben über die Höhen des Vogelzuges klargestellt werden. Danach wurden Vogelzüge nur ganz selten in Höhen von über 400 Meter beobachtet und es gehört zu den größten Ausnahmen, wenn in noch größeren Höhen Vögel angetroffen wurden. Wissenschaftlich belegt ist nur d'»e bisher größte Flughöhe von 2300 Meter. Damit fallen aber endgültig die früheren Annahmen bekannter Dogelforscher, die von einer Zughöhe von 10 000 bis 12 000 Meter Höhe sprachen. Ueberhaupt wird erst eine künftige genaue und planmäßige Erforschung des Zuges jeder einzelnen Dogelart das ganze große Rätsel des Vogelzuges entschleiern können.
Gin spätes Selbstbildnis von Hans Baldnng Grien.
In der Graphischen Sammlung der Hamburger Kunsthalle wurde ein Selbstbildnis von Hans Bal- dung Grien aus seiner letzten Zeit entdeckt, das bedeutender ist als die neuerdings gefundenen Selbstbildnisse des Künstlers Es ist eine Handzeichnung, die sich unter einer größeren Zahl von Bildniszeichnungen von Nikolaus Kremer, dem Schüler und Genüssen Hans Baldung Griens, der bei seinem Tod 1545 den künstlerischen Nachlaß übernahm, befindet. Wie Th. M u f p e r in feiner Veröffent- lichung des Fundes in der bei F. Bruckmann in München erscheinenden Monatsschrift „Pantheon" berichtet, fiel dieser frappierende Kopf unter den technisch andersartigen Kremerschen Blättern durch seine überragende Qualität ins Auge. Die Physiognomie des Künstlers in späten Jahren ist uns feit einiger Zeit durch einen in Straßburg gefundenen Holzschnitt und eine Louvre-Zeichnung vertraut; es ist unverkennbar dieselbe wie in der neuen Zeichnung, und besonders das Visierende in dem scharfen Blick
spricht dafür, daß es sich um ein Selbstporträt handelt. Während das Passer Blatt den Künstler im Alter von 49 Jahren darstellt, erscheint er hier älter, als habe er eine schwere Krankheit durchgemacht, die ihn zum erstenmal an den Tod denken ließ. Wenn es auch dieselben Augen und der. gleiche Ausdruck wie auf den früheren Bildern sind, so haben sie doch ihre frühere Spannung verloren. Der Bart ist schütter, und an der Stirn haben sich scharfe, von Leid zeugende Falten gebildet. Die Zeichnung muß also in den letzten Zeiten vor feinem Tode entstanden fein. Es kommt auch fein anderer Künstler dafür in Frage. Kremers Zeichnungen erheben sich nicht über ein gewisses Niveau, aber gerade die Herkunft aus feinem Besitz spricht auch dafür, daß es ein Blatt von Hans Baldung Grien ist. Die zeichnerische Art, tonig über die Flächen zu streichen, ist echt Baldung, selbst einige manieristische Züge wie die Kurvaturen an den Augenhöhlen und die flächige Behandlung von Mund und Bart, die dem Künstler eigen waren, finden sich wieder. C. K.
Zeitschriften.
— Der Verlag des „Danziger Vorvosten" gibt im Einvernehmen mit dem Reichsministerium für Dolksaufklärung und Propaganda und der Volksdeutschen Mittelstelle unter dem Titel „D e r Deutsche im Osten" eine Monatsschrift für Kultur, Politik und l^nterhaltung heraus, deren Aufgaben sich in erster Linie auf den deutschen Osten erstrecken. Die Zeitschrift soll den deutschen Standpunkt in diesem Raume vornehmlich auf kultureller Grundlage vertreten. Das vorliegende 6. Heft gibt einen Eindruck davon, wie die Arbeit gedacht ist und durchgeführt wird. Nach dem einleitenden „Ostspruch" von Kilian Koll gibt Carlo von Kügelgen ein durch umfangreiches Zahlenmaterial gestütztes Bild vom Rußland-Deutschtum. Karl Hans Fuchs beschreibt die Wanderung der Salzburger nach Ostpreußen vor 200 Jahren als ein entscheidendes Ereignis großdeutscher Volksgeschichte. Zu Bismarcks 40. Todestage behandelt Erich Lin- dow das Thema „Bismarck und der Osten". Von Gottfried Rothacker, der „Das Dorf an der Grenze" schrieb, liest man Gedichte und eine Szene aus dem deutschen Königsdrama „Konradin"; von dem ost- preußischen Erzähler Ottfried Graf Finckenstein, der in letzter Zeit recht bekannt wurde, erscheint ein Roman „Die Mutter" und eine Erzählung. Der Text wird durch gut ausgewähltes Bildmaterial bereichert; hervorzuheben sind hier die Wiedergaben nach Gemälden von Paul Gebauer.


