Nr.22« Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 21 September 1958
Flieger, Soldat und Schauspieler
Bon der Arbeit an Karl Ritters neuem Film
„Pour le merite".
Auf der spärlichen Grasnarbe, die den Uebungs- hügel des Segelfliegerlagers Trebbin ziert, sitzen sie: der Regisseur und die Männer des Stabes des neuen Ufa-Films „Pour le m er i t e", und blinzeln ebenso sorgenvoll wie regelmäßig zum abendlichen Himmel hinauf, an dem lautlos bizarr geformte Wölkchen schwimmen.'„Wenn er heute nicht wiederkommt ..." sagt einer halblaut in das Schweigen hinein. Und die anderen nicken: „...dann wird es morgen nichts mit den Aufnahmen..." ergänzen sie still für sich, und ihre Gesichter werden noch sorgenvoller ...
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Er: das ist Herbert A. E. Böhme, Schauspieler, Flieger und Soldat in einem. Ein Mann, der nicht nur selbst im Weltkrieg Kampfflieger gewesen ist, sondern der auch sämtliche „Luft-Führerscheine", angefangen beim Ballon- bis zum Motor- und Kunftflug sowie das (immerhin recht seltene) „internationale Leistungsaozeichen für Segelflug" besitzt. Er hat im vergangenen Jahre eine Expedition nach Island unternommen, um den Isländern das Segelfliegen beizubringen, er hat mit feiner braven „Erla" und einem nur 19 PS starken DKW.-Motor den Kanalflugrekord mit dem kleinsten Motor auf- gestellt. Und nebenbei ist er — dies allerdings im Hauptberuf — Schauspieler! Dieser Herbert A. E. Böhme also hat heut einen drehfreien Tag gehabt. Aber anstatt sich ins Gras zu hauen und mit angenehm-leiser Schadenfreude zuzusehen, wie die Kollegen des neuen Karl- Ritter -Films sich im märkischen Sand und unter glühender Sonne vor der Kamera quälen müssen, was tut dieser Mann stattdessen . .? Er klettert trotz der sorgenvollen Gesichter des gesamten Stabes in eine der Trebbiner Hochleistungsmaschinen, hell und klar hallen seine Kommandos über das Feld: „Ausziehen! — Laufen! — Los!" Und dann hebt der riesige Vogel sich lautlos in die sommerliche Lust und verschwindet mit ruhigem Gleiten nach Südosten...
Kurz vor elf Uhr abends, die Dämmerung fällt bereits- über das märkische Land, erhebt sich im Haus der Flugleitung ein riesiges Freudengeheul. Ein Melder kommt gelaufen und berichtet atemlos: „Er muß gleich hier fein...!" Und ehe die Filmleute noch Zeit haben, erleichtert aufzuatmen, rauscht eine einmotorige Sportmaschine über den Platz, den „Bussard" im Schlepp!
„Erst mal eine Zigarette!" lacht der große, breitschultrige Mann, der mit den sicheren Bewegungen des erfahrenen Fliegers aus der Maschine klettert. Und dann berichtet er: „Von Trebbin nach Neuhammer am Queiß in Schlesien.'Luftlinie 180 Kilometer? Flugdauer 3 Stunden»45 Minuten! Dys soll mir mal erst einer nachmachen!" Die Freude über die eigene Leistung leuchtet aus seinen Augen.
Der unbeteiligte Zuschauer, der gekommen ist, diesen Mann mit den hellen Seemannsaugen zu interviewen, wundert sich: so also sehen deutsche Schauspieler anno 1938 aus! Da gibt es keine Luxusautos und keine verräucherten Tanzbars, sondern da gibt es Kerle wie diesen Böhme, der in einer sehr knapp bemessenen Freizeit hingeht und eine sportliche Leistung vollbringt, die durchaus überdurchschnittlich ist! Es muß eine Freude fein, mit solchen Kerlen zu arbeiten, denkt man, und schickt einen kleinen, neidischen Blick hinüber zu dem Regisseur Karl Ritter, der sich die „Bussard" aufmerksam ansieht und sachlich-interessiert (er ist ja ebenfalls selbst einmal Kampfflieger gewesen) bem, Flugbericht zuhört.
„Gut haben's die Jungen hier!" sagt Herbert Böhme, während wir über den Platz zu den Wagen schlendern, und deutet mit dem Daumen
Aus der Wett des Films.
seiner breiten, zerarbeiteten Hand auf die sauberen Häuschen des Lagers. Wenn ich daran denke, wie wir einmal angefangen, unter welchen Bedingungen wir einmal geschult haben...! Wissen Sie: daß ich Schauspieler würde, stand bei mir fest, solange ich denken kann. Aber dann habe ich zunächst einmal fliegen gelernt! Es war eine schöne und wilde Zeit damals! Eine Viertelstunde Fliegen kostete fift uns Schüler 2,10 Mark. Tausendmal haben wir dagesessen und an den Knöpfen abgezählt: „Sollen wir essen oder fliegen?" Immer mit dem gleichen Ergebnis, daß wir mit knurrendem Magen, aber sehr glücklich in die Maschine kletterten und bann, nach fünfzehn viel zu kurzen, herrlichen Minuten, zur Erde zurückgekehrt die letzte Zigarette „auf Kippe" rauchten und den letzten Kanten harten Brotes miteinander teilten. In der Erinnerung an jene Zeit lacht Böhme fröhlich auf: „Dabei macht Fliegen so hungrig; aber", fetzt er, ernst werdend, hinzu: „Essen war uns nicht wichtig! Fliegen war wichtig!"
Ja, und dann kam eine Zeit, in der Fliegen noch wichtiger wurde: der Weltkrieg. „Es ist eih ganz seltsames Gefühl", erzählt Böhme, „alles das, was ich damals als Kampfflieger erlebte, jetzt in dem Ritter-Film ,Pour le merite' noch einmal zu er
leben und darftellen zu müssen. Aber es ist eine Rolle, wie ich sie liebe, dieser Oberleutnant Gerdes!" — „Und was für Rollen lieben Sie?" fragt der Besucher.
Böhme lacht, und statt zu antworten, erzählt er eine kleine Anekdote von seinem amerikanischen Kollegen Herbert Marshall, der einem Reporter einmal auf die gleiche Frage antwortete: „Einmal möchte ich auf der Bühne Kaugummi spucken dürfen wie Wallace Beery!" Ich weiß nicht, ob auch Böhme spucken möchte; aber die sogenannten „guten Helden" haben ihm nie gelegen. Sondern als Anfänger hat er immer schon mit Vorliebe den Macbeth, den Claudius oder \,bie Kanaille" Franz Moor gesprochen.
In ben nächsten Tagen wirb bieser Mann, ber so ganz anbers ist unb so ganz anbers aussieht, als man sich Schauspieler gewöhnlich vorzustellen pflegt, roieber in bie „Kiste" steigen. Aber bann wirb er ein Kampfflugzeug und er selbst wird der Oberleutnant Gerdes sein und Jamworski wird mit seiner Kamera die Flugaufnahmen machen. „Eigentlich eine ideale Rolle für einen Mann, der mit gleicher Leidenschaft Flieger und Schauspieler ist!"
w. h.-f.
Curl Goetz, Napoleon, Film und Msik.
Eindrücke während einer Drehpause im Atelier.
Curt Goetz dreht feinen Film „Napoleon ist an allem schuld". Goetz, ist um einige Ecken mit G. B. Shaw und mit dem arabischen Lawrence verwandt. Shaw liegt ihm mehr. Sie gehören beide dem modernen Theater und lieben gemeinsam das Drechseln an spöttischen Pointen. Lawrence dagegen war ein wortkarger Mann, ein verschwiegener und einsamer Abenteurer. Curt Goetz ist neu im Tonfilmatelier. Das ist augenblicklich fein — wenn auch künstlerisches — Abenteuer. So hat er ron seinem Vetter Lawrence einiges übernommen, um es als Autor, Hauptdarsteller unb Regisseur gut zu überstehen.
Goetz raucht erfreut eine Brasil nach der anderen.
Goetz absolviert mit weltmännischem Lächeln die Shakehands mit Berichterstattern. Aber er sagt nichts. Er behält bie Bonmots für sich. Den Inhalt feines Films behandelt er als Staatsgeheimnis. Er macht ein Gesicht wie Lawrence vor bem Thron- fturz Amanullahs. Gewiß, er spiele nicht ben Napoleon, fonbern nur einen etwas schrulligen Napoleonforscher. Ganz recht, seine Frau Valerie von Martens spiele habe! seine Frau. Stimmt, stimmt, Else von Moellenborf ist bas Pariser Revuegirl mit bem netten Namen „Pünktchen"; sie hatte gestern, wie selbst bie Damen zugestehen, von allen Girls bie rassigsten Beine. (Auf diesem verführeri
Curt Goetz unb seine Frau Valerie von Martens in ejjier Szene des Tobis-Films „Napoleon ist an allem schuld". — (M. Foto: Tobis.)
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scheu Ruhm ruhte sie einstweilen aus; si§ war nicht ha.) Und von diesem Pünktchen des Gespräches an schwieg Goetz sich aus.
Die Drehpause dauerte an. Behn-Grund, der Kameramann, dirigierte die Scheinwerfer. Die Lichtkegel tanzten violett von der Decke herunter. Sie überkreuzten einander in ber Luft. Unb wenn sie sich weiter senkten, zersprangen sie auf ben Dauerwellen unb ben glatten Oelscheiteln ber Zuschauer in diesem hier aufgebauten Revuetheater zu kleinen glitzernden Sprühnebeln.- Die Bühne lag im Halbdunkel. Vorhin hatte eine tiefe Frauenstimme gesungen. Die junge Schwedin Kirsten Heiger war mit langen Beinen über bie Rampe vorgewippt, stelzenb, frech und scharmant, wie ihr Chanson ev verlangte. (Kirsten Heiberg würbe vor einigen Wochen von bem Komponisten Franz Grothe für Deutschland) entbeckt: im allgemeinen für ben Film unb im befonberen als junge Frau Grothe. Die Tobis bemerkte es zuerst.) Die Schwedin ging zum Spiegelhorizont ber Bühne. Ihr Körper steckte im schmiegsamen schwarzei^ Schlangenhaut-Trikot, unb von ben Schultern schwebte ein Umhang aus durchsichtigem Tüll. Sie sah in ben Spiegel unb sah sich fest. Wie Frauen so sinb.
Sie machte eine kleine lächelnde Verbeugung. Das Spiegelbilb lächelte zurück. Sie ließ die Schleier hin unb wieder wehen. Ganz leicht. Nur eben so. Wie man sich ein bißchen in ben Hüsten wiegt. Unb bas Spiegelbild spielte mit. Sie vertieften sich in ihre zarte Liebelei, sie unb ihr Zwilling. Sie summte ihr Chanson.
Da aber schwieg bas Spiegelbilb. Sie erschrak. Ihre hohe Schlangenhautbeine gingen unmutig ein paar halbe Schritte zurück. Winzige, zerbrechliche Pointe zwischen Wirklichkeit und Schein, ungewolltes Kammerspiel.
Zum Schluß, um nicht zu stören, blieb bie Möglichkeit, ber quicken Valerie von Martens ein paar Fallen hinsichtlich dieses Filmgeheimnisses zu stellen. Sie ging nicht hinein. Die kluge Frau eines so gescheiten Mannes? Das wäre gelacht. Immerhin berichtete sie, ein wenig und sehr nett verliebt, drei Privatissima aus dem Leben des berühmten Curt Goetz.
Wenn er morgens aufsteht, legt er eine Grammophonplatte auf, holt sich ein dünnes Stöckchen f aus dem Schreibtafchfach — unb birigiert die Stimmen feiner jeweiligen Herren. Grammophonplatten zu birigieren, ist feine Leibenfchaft. Das tut er jeden Morgen. Er kennt in den berühmtesten Sinfonien die Einsätze so genau wie Furtwängler. Er tut nicht nur so. Curt Goetz ist auch musikalisch. Er spielt ausgezeichnet Cello. Seine Hauskonzerte haben in der Schweiz, in Berlin und in ßonbon gleichermaßen viele Liebhaber. (In „Napoleon ist an allem schuld" muß er einmal die Trompete blasen. So wirb also auch bie Öffentlichkeit ihn noch als Musikanten kennenlernen.)
Zum dritten wäre über ben weitaus berühmten Schriftsteller Curt Goetz zu bemerken, baß er an einem einzigen Satz in einem seiner Lustspiele bisweilen vier bis sechs Wochen tüftelt, ehe er ihn niederschreibt. Was geschrieben ist, wirb allerdings um kein Häkchen mehr korrigiert. Darin ist er pedantisch. Heber die Qualität seiner ^Pointen braucht nicht gesprochen zu werben.
Das Boschhorn brüllt wie auf der Alm. Kommandos quirlen durcheinander. Die Abendkleider und die Fräcke nehmen Haltung an. Das Spiel der Wirklichkeit ist aus. Der Ernst des Scheins beginnt. Bitte Ruhe, es wird gedreht: Curt-Goetz-Film ber K Tobis „Napoleon ist an allem schuld". Einstellung 146.
Was es mit bem Film auf sich hat, wirb feiner erfahren, ehe er ins Kino geht. Kirsten Heiberg hat ben Spiegeln ben Rücken gekehrt. Curt Goetz legt bie Lawrence-Miene ab; er setzt sich neben Gülstorfs vor die Kamera. In seinen Augen spielt ein letzter fünfer Shawscher Spott. Dann macht er eines seiner besten Curt-Goetz-Gesichter. Gerhart Weise.
zum mindesten also Spielleiter, Darsteller,
Mitarbeiter, eine Reise zu bem betreffenben Schau
echte Atmosphäre eines Schauplatzes auf bas Film- bilb unb auf ben Tonstreifen gebannt, unb erst, wo bas aus irgenbwelchen Gründen nicht möglich ist, hilft bas Atelier unb helfen Ersatzleuten bie Lücke ausfüllen. Der verantwortungsvolle unb begabte Filmkünstler — ob Spielleiter, ob Architekt, ob
allen Einzelheiten burchzufprechen und sich ihren Zusammenhang mit bem Gesamtverlauf bes Films ins Gebächtnis zu rufen, da ja bie Aufnahmen nicht in zeitlicher Reihenfolge vor sich gehen können, fonbern z, B. bie zu einer bestimmten Dekoration gehörigen Aufnahmen hintereinanber ge- breht werben müssen. Da viele Gesichtspunkte her stärkeren bilbhaften ober akustischen Wirkung sich erst währenb ber praktischen Dreharbeit ergeben, ist es fast nie möglich, bie einzelnen Aufnahmen nur ein einziges Mal zu brehen. Vier bis fünf Aufnahmen find bas wenigste, oft werben es zehn, zwölf unb noch mehr. Die gelungenste wirb später, bei ber schwierigen Arbeit bes Bilbschnitts, in bie Filme eingefügt. Aus zehn bis zwanzig Kilometer Rohfilmmaterial wirb so ber Spielfilm her- auskristallifiert, ber gewöhnlich zwei bis zweieinhalb Kilometer beträgt.
Befonbere Schwierigkeiten bieten bie Außenaufnahmen, bie zu jebem Film notroenbig find, oft in sehr erheblichem Umfang. Spielt ein Film in Ostpreußen, am Meere, in ben Alpen — immer muß bas gleiche Heer ber an bem Werke Schaffen
platz antreten, unb es bebarf oft langen, gebulöigen Wartens, bis bas zu ben Freiaufnahmen benötigte Wetter unb alle sonstigen Bebingungen bie Dreh- arbeit ermöglichen. Oft sinb, wie beispielsweise zu ben Filmen „La Habanera" unb „Anbalusische Nächte" Reisen ins Ausland notroenbig; bei bem erstgenannten Film nach Teneriffa, beim zweiten, bem Carmen-Film, nach Sevilla. Solche Reisen sinb richtige Expebitionen von abenteuerlichem Reiz, aber auch mit großen Strapazen unb härtester Arbeit verbunden. Immer wirb'in erster Linie bie
Von der ZdeeM Leinwand
Von Max Zngols
gewährleistet. , , _
Das Drehbuch enthält also bie gesamte Szenenfolge bes Films m allen ihren Einzelheiten. Die Besetzung ber Rollen liegt bereits fest, wenn es geschrieben wirb. Ein Blick hinein laßt Die Vorgänge einer Szene vor bem geistigen Auge erstehen. Da steht auf ber linken Seite bes Blattes die Veränberung im beroßgten Bild — her optische Vorgang — auf ber rechten Seite der bazu geoorige akustische: bie gesprochenen Worte, bie Musik, bie gleichfalls wenigstens im Plan vorliegen mutz, xW diese Arbeit getan, so kann an bie Dreharbeit ge= Sangen werden. 3m 211 ei i “ “"V",Darsteller"- wird 'auch chnen das Antlitz derWahr- kund.gen Filmarchitekten d.e notwendigen Lauten 1 in5 Kleinste sind auch die
emchtet, bie Jnnenraume werden mit auer ^org » 21imnl hiftorifdien Stören
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Scharse und Große des Umb ldes wurde leden si. . ine5roeq5 „eMmffen. Nun erst beginnt die Fehler ans Licht bringen Die Aufnahmei auch des ' n d) t « Kopieranstalt, beginnt der Bild- kleinsten Vorganges er ordert vom Spielleiter, von swusmahV ber Szenen unb bie rechte
den Darstellern und vom Kameramann aufierf e । ‘ ' ^aU5™a1?1 £ fx to^b 2on Der Vor-
Konzentration, Immer ist es nötig, die Szene m I Zusammen,ugung von Bild und Bon. ater -uor
Wenn wir im Lichtspielhaus einen Film an uns vorüberziehen lassen, henken wir wohl nur selten daran, welch langen Weg das Werk von der Idee ber Autoren bis 'zur vorführbereiten Kopie zurückgelegt hat. Es ist reizvoll, diesen Weg — ober besser: bie wichtigsten Stationen dieses Weges: einmal zu verfolgen. Der Film entsteht zunächst im Kopfe eines ober mehrerer Verfasser. Ist die Handlung in ihren Grunbzügen festgelegt, so wird nach einem knappen Expose bas Drehbuch geschrieben, bas bereits im wesentlichen ben ganzen Verlauf bes Films in jeher geplanten Einzelszene enthält. Kann die Filmibee von Autoren außerhalb bes Kreises ber Filmschaffenden stammen, so ist das Schreiben bes Drehbuchs bereits bie Arbeit eines erfahrenen Filmfachmannes, ber mit ben Gesetzen ber Filmaufnahme, ber Atelierarbeit, ber Außenaufnahme, ber optischen Wirkung eines bestimmten Szenenaufbaus usw. bester Bescheib weiß. Manuskript- .. Verfasser, Drehbuchautor unb Regisseur sinb häufig den, z -in und dieselbe Person, wie wir das von Curl Kameramann, Tonmecher, cm Teil der technischen Goetz Willi Forst, Karl Ritter u. a kennen Reil, dem betrekkenden
Ost sind diese Spielleiter gleichzeitig große Dar- fteUer unb spielen in ihren Filmen bie Hauptrolle In all solchen Fällen ist die stilistische Einheit und Harmonie bes Filmes in besonbers hohem Maße
führraum schließlich kann noch manche Schwächen unb Fehler aufbecken, bie ausgemerzt werben müssen, bis schließlich bas fertige Filmkunstwerk vom Vorführapparat bes Lichtspielhauses aus auf ber Leinwanb das flimmernde Leben hervorzaubert, das uns Entspannung, Frohsinn ober besinnlichen Ernst schenken will.
Witz, Satire, Zronie...
Bon der moralischen Sendung des komischen Films.
Aus ben mannigfachen Disharmonien bes Lebens, •bie nur ein Dummkopf leugnen kann, unb bie zu überrohiben eine der wesentlichen Schicksalsaufgaben des Menschen auf dieser Erbe ist, flieht ber Mensch in jene fraftfpenbenben Bezirke, aus benen ihm bie hinter ben Erscheinungen verborgenen geistigen Ur- bilber aller Wesen unb Dinge entgegenleuchten. In ber Religion, in ber Liebe, in ber Natur, in her Kunst wirken Kräfte, bie ben Menschen mit bem Urwesen aller Lebenserscheinungen roieber verbin- ben. Alle Antriebe zur befreienben Tat, bie bas Schicksal wandelt, kommen aus bieten Regionen.
Es ist bas Eigentümliche an ber Kunsts baß sie teil hat an ber Religion, an ber Liebe, an ber Natur. Ihre Gestaltungen kommen alle aus ber Erkenntnis ber inneren Zusammenhänge zwischen bem Wesen bes Menschen, ber Natur unb bes Schicksals. Das roar so seit den Tagen Homers, Platos unb Zophokles' bis zu Shakespeare unb Goethe ... unb bis auf ben heutigen Tag. Die eigentümlich hei- lenbe Wirkung' ber Kunst beruht auf ber Freube bes Menschen an ber Erkenntnis geistiger Zusammenhänge unb an ber vollendeten Harmonie alles Lebendigen, jener Harmonie, in ber z. B. im Drama auch bas tragische Geschehen schließlich mündet.
Der Film macht von diesem Gesetz keine Ausnahme. Gewiß wirb er, als ausgesprochene Bilb- kunst (wobei zum Begriff bes Bilbes auch ber in feinen Schwingungen festgehaltene Ton gehört) stets im besonderen Maße in ben Bezirken ber sinnfälligen Erscheinungen weilen unb nicht zu jenen tiefsten Deutungen bes Daseins gelangen, wie sie etwa in ber reinen Dichtung ober in ber Musik möglich sinb. Dennoch wirb er gerabe baburch immer wieher Freube zu fpenben wissen, haß er die positiven Kräfte im menschlichen Schicksal burch ben Gang ber Ereignisse erkennen läßt unb immerhin soweit in bie Tiefe ber Dinge einzubringen vermag, wie man
bas etwa von einem guten Roman erwarten kann. Wobei ber Film bie bilhhaste Fülle bes Geschehens, ber Roman bie Überzeugungskraft bes bichterifchen Wortes zur Verfügung hat.
Eines her wirksamsten künstlerischen Mittel bes Films, der sich im wesentlichen an Menschen aller Stände nach des Tages mancherlei Lasten wendet, ist der Humor. Er ist eine der stärksten Kräfte des Lichtspiels, er trägt in seinem lustigen bunten Gewände manch feine Perle stiller Weisheit, gleich den Narren Shakespeares. Der filmische Dialog ist heute 77 man denke nur an Curt Goetz, der nun auch für ben Film zu entscheidender Mitarbeit gewonnen ist — auf eine so hohe Stufe technischer, ästhetischer und geistiger Formung gelangt, daß Witz, Ironie, Satire unb Humor im Filmspiel der Gegenwart eine schlechthin ausschlaggebende Rolle spielen.
Es ist einer ber stärksten Beweise für ein wahrhaft künstlerisches Spiel, wenn Darsteller trotz ber trennenben Sprache auch in fremben Ländern zu überzeugen verstehen. Ein schönes Beispiel hierfür ist ber außervrbentliche Erfolg, ben Heinz Rüh - mann mit feinem „Mustergatten" in Venebig erringen konnte. Hier ist bas gleiche echte Komödiantentum lebendig, das in feiner tiefsten Wirkung über die Grenzen ber Völker hinweggreift, wie beim tragischen gleichfall oft von einem hell aufleuchten- ben Humor burchstrahlten Spiel etwa eines Emil Iannings. Denn Komik unb Tragik, beibe vermögen sie bie verborgensten Saiten unserer Seele zum tönenden Schwingen zu bringen.
Nicht nur bie Lustspiele unb Operetten, auch ernste, ja selbst bie tragischen Filmspiele haben humorvolle Szenen, an benen Auge unb Gemüt bes Filmbesuchers sich erfreut, um bann um so williger wieder bem ernsteren Spiel zu folgen. Jeber, ber, um ein Beispiel zu nennen, ben Film „Patrioten" gesehen hat, weiß, wie ungemein wirkungsvoll eine humorvolle Nebenhanblung, bie aber bem Ganzen organisch eingefügt ist, auf bem Hintergrund schweren Geschehens sein kann.
Humorvoll sein heißt nicht alberne Mätzchen machen. Gerabe bes finben wir häufig in ben Erzeugnissen Hollywoobs, auch in solchen, bie mit Schwung unb künstlerischem Teperament gemacht sinb. Das ist bas Geheimnis -ber echten komischen Künstler: baß sie ihren Humor bitter ernst nehmen. Denn er ist eine ber wesentlichen geistigen Waffen bes Menschen gegen bie Dunkelheiten her Welt. Wer Öie Menschen das Lachen lehrt, wanbelt bas Gemüt bes Menschen, indem er es erleuchtet unb wärmt.
Bü.


