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Wochenende und Ausflugsorte
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Landschaft im Hohen Vogelsberg
Blick von der Feldkrücker Höhe auf Hoherodskopf und Taufstein. — (Aufnahme: Archiv.)
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Hoherodskopf
Ilbeshausen — Hochwaldhausen
Aber wie das Volkslied dieser fruchtickerbreiten sich unterscheidet von dem des
Brunnental mit feinem Landgrafenschloß, Laubach, die gräfliche Residenz — Die Städte im Süden des Vogelsbergs, das verträumte Büdingen, das noch fast den vollen Ring seiner Mauern um die winkligen Gassen zieht, und das gewerbefleißige Nidda leiten schon allmählich zur Wetterau über.
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Gebirges, so ist es mit den Menschen. Sie sind lustiger, lebensbejahender, aber auch wohlhabender. Erde und Himmel machen es ihnen ja auch so viel leichter als im rauhen Vogelsberg. Und so ist es auch am schönsten, durch die Wetterau zu wandern, wenn das Bauernjahr seine hohe Zeit hat, wenn die ährenschweren Halme des Schnitters harren. Unvergeßlich ist, um diese Zeit auf einer tief eingeschnittenen Gasse zwischen den mannshohen Mauern des lebendigen Brotes zu schreiten, wenn noch der Tau der Nacht an den Gräsern des Feldwegs im Frühlicht glänzt. Weit hinten über den Feldern lagert auf flachem Rücken, breit und fest, wahrend und wachend, Burg Münzenberg mit ihren beiden mächtigen Rundtürmen als Schirmerin des Fruchtlandes. Di^ Felder der Wetterau find Zeugnis ewigen Bauerstfleißes, die Burgen und Schlösser, die Klöster und Städte wahren das Gedächtnis einer wechselvollen reichen Vergangenheit. In der Nähe Münzenbergs birgt sich im Waldtal der Wetter die efeuumrankte Ruine der Klosterkirche von Arnsburg, wieder einer der zahlreichen Beweise, daß die Zisterzienser sich immer die schönsten Erdenflecke zur Ansiedlung wählten. Weiter oberhalb im Wettertal ragt der alte schlanke Festungsturm von Lich heute als Herold des Gotteshauses hoch über das steile gotische Schiff der Stiftskirche und über die Dächer der Stadt. Drinnen im dämmerigen Innern der Kirche stehen im Chor die Grabmäler der Svlmser Grafen im Prunkpanzer der Renaissance, kräftig und stolz, wie sie tm Leben gewesen. Am adligsten aber wirkt das schlichte Bildwerk des Kuno von Falkenstein, verklärt von dem ganzen Zauber früher deutscher Gotik.
Der Schöppenstllhl der Freigrafen von Kaichen erinnert an die Zeit, als die Bauern der Wetterau sich noch selber das Recht sprachen, wie es ihnen von den Vorfahren überliefert' war. Der Limes aber, der „Pfahlgraben", der heute noch an den Rändern des Kornlandes sich hinzieht, auf große Strecken deutlich als Wall und Graben erkennbar, durch die Wälder und längs der Raine der Felder, mahnt, wie hart schon vor Jahrtausenden um dies Land gerungen wurde, das den Schlüssel bildet zum Rheinübergang bei Mainz.
Vom Turm der Burg Münzenberg schaut man hinab auf einen der gesegnetsten Gaue des Reiches. Dorf reiht sich an Dorf, von den Hainen der Obst- bäume umgeben, inmitten der unendlichen Acker- flgren. Im Nordosten wölbt sich der Vogelsberg am Horizont, im Süden aber blaut der Taunuskamm von Butzbach bis gen Frankfurt hin. Am Rande der „Höhe" lagern drei schmucke Städte \m Grünen, Butzbach mit seinem altertümlichen Marktplatz, das moderne Bad-Nauheim mit seinen weltbekannten geschmackvollen Kureinrichtungen und die mittelalterliche Turmsilhouette Friedbergs.
Wer Oberhessen wirklich kennen lernen will, muß aber auch dem Hüttenberg einmal einen Besuch abstatten, dem Land zwischen Gießen, Metzlar und Butzbach, wo die Bauersfrauen noch Tracht tragen, die kurzen weit abstehenden Faltenröcke, das Mieder, und den hessischen Haarknoten, den „Schnatz", mit der Hornnadel, die ihn zusammenhält.
1 Hier sind auch die schönsten Gehöfte Oberhessens. Mehrere hundert Jahre alt sind manchmal die Fachwerkhäuser mit den schön geschlitzten, oft bunt bemalten Balken. Die ganze Hofanlage ist von einer Geschlossenheit, die die Mitte hält zwischen der Verbundenheit mit der Dorfgemeinschaft und bäuerlichem Besitzerstolz. Die Giebelseite der Wohnhäuser ist meistens der Straße zugekehrt. Nach ihr zu
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Vom Vogelsberg weiß man noch viel zu wenig. Die Gießener kennen vom Wandern im Sommer und vom Schiläufen im Winter hauptsächlich das Gebiet in der nächsten Nähe des Hoherodskopfs. Sie sind von Schotten , her hinübergegangen über den Gackerstein mit seinen zerzausten Fichtenreihen, sie haben den Felsengipfel des Bilstein erstiegen und hinabgeschaut auf die blockübersäte Halde gen Busenborn hin, sie haben selbstverständlich wie die meisten Vogelsbergbesucher auf dem Taufsteinturm gestanden und über die Wipfel des Oberwaldes hinübergeblickt zu den fernen Höhen der Rhön und des Taunus, zur heimatlichen Kuppe des Düns- bergs am Horizont. Vielleicht sind sie auch einmal eingebrochen in die Domäne der Frankfurter, das Gebiet um die Herchenhainer Höhe und Hochwaldhausen.
Wer aber kennt den Geiselstein und das Hochmoor, die weite Hochfläche fy>r Breungeshainer Heide, den einsamen Landgrafenborn, die Nidda- guelle, wer die Feldkrücker Höhe und den Nesselberg? Wer hat schon an den weiten stillen Wasserflächen der Mooser Teiche gestanden? Wer hat Schloß Eisenbach aufgesucht, den Stammsitz der Riedesel, wer das Barockwunder des Vogelsbergs, Schloß Stockhausen, das sich hinter den Wäldern versteckt? — Manches davon ist nicht leicht zu erreichen von Gießen aus, vieles.aber in nächster Nähe des Hoherodskopfs.
Um den Vogelsberg herum liegen die kleinen malerischen oberhessischen Städte: Schotten mit seiner gotischen Liebfrauenkirche noch im innersten Kern des Gebirges wie die Bergstädte Herbstein und Ulrichstein. Das idyllische Niddertal mit dem Hillensbach-Strandbad in seiner Nähe, mit den Schlössern Ortenberg und Gedern.
Tiefer reiht sich um den Fuß des Berglandes eine weiter gespannte zweite Kette freundlicher Städtchen, von denen jedes auf feine eigene Weise landschaftliche Schönheit mit geschichtlicher Bedeutsamkeit vereint: das malerische Schlitz mit seinen zwei Burgen, das bürgerlich bedeutsame Lauterbach mit seinem kleinstädtischen Rokoko, Alsfeld mit einem Rathaus, das an Schönheit in Deutschland kaum seinesgleichen hat, Homberg am Hügel über der Ohm und Grünberg auf der Höhe über dem
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Das schöne Oberhessen.
Don Hermann Otto Danbel.
Mit der oberhessischen Landschaft geht es einem wie mit den Menschen, die in ihr wohnen. Man muß erst Fühlung mit ihr gewinnen, da einen ihrer Wesenszüge kennenlernen, dort einen andern, man muß sie durchwandern im Laufe der Jahreszeiten ... Unmerklich ist auf einmal eine warme Zuneigung da, aus der oft eine große Liebe wird. Sie ist einfach und klar, schlicht und gemütvoll wie ein Volkslied. Sie vereint die Weite des Landes am Meer und die lebendige Semecjung der Hügelkämme und freiragenben Kuppen in harmonischem Zusammenklang. Sie ist eine Landschaft des Maßes, des Ausgleichs zwischen Ebenenweite und Gebirgshöhe, zwischen Himmel und Erde. Der kräftige Ruch des Ackerbodens liegt über dem Land, der der Wiesen und Viehweiden und das ewige Rauschen der Bergwälder.
Ueberall ist die hessische Luft rauh und kräfttg, aber gesund. Zum Winter brauchen die Bauern den Schlitten nicht unbenutzt im Schuppen stehen zu lassen. Im Frühjahr schon stapeln sie überall die Buchenscheite vor den Fenstern als Brennstoff. Wer allerdings den milden Winter und den zeitigen Frühling des Rheingäues und des Mainlandes gewohnt ist, der findet sich nicht fo leicht mit der ober- hessischen Lust ab; aber der Oberhesse möchte auch nicht mit ihm tauschen.
Als ein flacher, olauer Schild steigt überall über dem leichtgewellten, mäßig bewegten Land Ober- Hessens der Vogelsberg mählich empor. Wenn man von Westen sich nähert, leiten langgezogene, tief eingeschnittene Wiesentäler zwischen den wald- bestandenen basaltischen Rücken tief ins Herz des Gebirges hinein bis an den Oberwald, bis an den Fuß des Hoherodskopfs und Tauffteins. Auf einmal liegt der höchste Teil des Gebirges vor einem, flach und langgestreckt, oft in Wolken oder Nebel gehüllt, mit kahlen, steilen Rändern. Als dunkle Streifen tasten sich die Ausläufer des großen Waldes von der Höhe wieder zu Tal.
Fast das ganze Jahr bläst der Wind über die Viehweiden mit den grasüberwucherten kleinen Basaltblöcken. Im Winter treibt er den Schneestaub vor sich her und hüllt alles in eine weiche Decke. Er ebnet die Raine und läßt die Blöcke verschwinden; er vermummt die jungen Fichten in den Schonungen zu abenteuerlichen Gestalten. Er läßt die weißen Flocken rieseln in die Dörfer und schüttet die Straßen zu in mannshohen Verwehungen.
Aber auch Den Frühling trägt er hinein ins Gebirge, später als anderswo, ungestümer noch als den Winter. Schnell werden die dunklen Grasflecken zwischen dem Weiß immer größer und zahlreicher, die Schmelzwasser gluckern von allen Seiten zu Tal und nehmen den letzten Rest des Schnees noch mit sich. Nun sind die schweren Holzfuhrwerke aus dem Oberwald verschwunden, mit den geduldigen Gäulen davor. Das Vieh zieht allmählich wieder hinaus aus den dumpfen Ställen auf die Hochweiden. Die Bauersfrauen legen die schweren Winterkopftücher wieder ab, die Löffelschnitzer, die Schindel- und Rechenmacher legen ihr Werkzeug beiseite, auf den Feldern beginnt das Eggen und Pflügen. Doch Mensch und Tier getrauen noch immer nicht recht, sich des Frühlings zu freuen, bis auf einmal über Nacht der Sommer da ist, blau und sonnig, und droben im Hochmoor die goldene Arnika blüht. Dann streichelt der Wind sanft das frische Grün der riesigen Heiden, aus denen da und dort das Braun der Herden leuchtet, und die Schatten der weißen Wolkenschiffe gleiten über das Land. Er streicht hinein in den Oberwald, wo noch vom Schneebruch des Winters her die abgebrochenen Zweige wirr übereinander liegen, wo die Baumstümpfe sich zackig emporrecken und die schwarzen Tümpel im Moos verborgen lauern.
Untrennbar gehört das alles zum Bilde des westlichen Dogelsberges: die steilen, großen Viehweiden, die Bergrücken zwischen den tief eingeschnittenen
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Tälern, der brausende Wind und der wehende Nebelschleier.
Schreitet man vom Hoherodskopf am blockübersäten Urwaldhügel des Taufsteins vorbei gen Osten, dann betritt man ein anderes Land. Ost, wenn am Hoherodskopf die grauen Wolkenfetzen hochwehen, wenn der Regensturm im Oberwald die Bäume schüttelt und biegt, wenn das graue Nebeltuch alles in seine Unwirklichkeit hüllt, dann strahlt dort die Sonne, dann leuchtet das Grün der Wiesen, dann erglüht das Rot der Ziegeldächer in den Dörfern. Nur hinten in der Ferne, der man entronnen ist, brauen düstere Massen um den wie eine Götterkuppe sich wölbenden Oberwald.
Wenn man das Hochmoor hinter sich hat und oorbeigeroanbert ist an der spitzen, im Wald verborgenen Basaltpyramide des Geiselsteins, beginnt eine Parklandschast. Ein breites, flaches Tal führt hinab, in derselben Richtung, in der oben am Himmel die Wolken ziehn. Eichkätzchen huschen über die Haselnußhecken, kleine Wäldchen mit Fichten, Eichen und Buchen wechseln mit großen Wiesenflächen, da und dort reicht ein Stück hochstämmigen Waldes bis an das klare Wasser des Baches.
Auf einmal ist der Wald zu Ende, die Felder beginnen, man kommt in ein breitgelagertes helles Fachwerkdorf, das nicht mit dem Raum zu sparen braucht wie die kleinen Dörfer im Westen, die sich in den schmalen Talgrund hineinschmiegen, oder die Höhendörfer, die sich mit langen Dächern zusammenducken vor dem ewigen Wind. Seitab am Wege steht ein einfaches Kreuz auf dem Felde, ein buntes Marienbild ist darin eingelassen.
Der Wanderer ist im katholischen Vogelsberg, in dem Landstrich, der einst dem Bistum Fulda gehörte. Ein Stück Mittelalter hat sich hier lebendig erhalten, ein Stück von der territorialen Zersplitterung, die einst im Vogelsberg herrschte. Sie sind alle protestantisch geworden, die Herren von Riedesel, deren Wappen mit dem Eselskopf bis hinauf in den Oberwald in den Grenzsteinen eingehauen ist, die Solmfer.Grafen, die Isenburgs in Büdingen, die Stolbergs in Gedern, die Landgrafen von Hessen, und mit ihnen die Länder und Ländchen. Nur Fulda, das geistliche Fürstentum, hat die Reformation siegreich überdauert.
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