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M.118 viertes Vlatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

21/22. mail938

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Der Katze wird die gequetschte Pfote verbunden.

Das kranke Huhn

viel aus dem Leben

(Aufn.: [21 Neuner, [4] Archiv Welt und Wissen.)

Der Drahthaarterrier sollte wegen Krankheit getötet werden, sein Pfleger hat ihn gesund gemacht.

sind eigentlich schön; wenn wir Zeit hätten, sie herauszupflegen, würden wir gewiß Leute finden, die sie haben möchten. Wir bringen sie einstweilen ins Tierheim. Ein jammervoll vernachlässigter Laubenhund ist seinem Besitzer fortgenommen worden; für einen anderen kann niemand die Steuer bezahlen. Das Tierheim nimmt sie auf. Es sind schon andere be­schlagnahmte Tiere da: Hühner, Kaninchen, aus winzigen, schmutzigen Gelassen endlich befreit. Aber das Heim nimmt noch ganz andere Gäste! Ein Mäusebussard kam, weiß der Himmel, wo man den her hatte! ein Igel wurde abgegeben, ein Waldkauz, eine Schildkröte, ein Rabe, eine junge

in Behandlung: überfahrene Hunde, aus dem Fen­ster gestürzte Katzen, oder solche, denen jemand, in­dem er sie scheuchte, ein Auge ausgeworfen hat. Vielleicht ist sogar.ein Hund mit einer der mensch­lichen ähnlichen Neurose da. Und wahrscheinlich kommt fast täglich ein Bewohner in die kleine Leichenkammer. Operationen sind in der Tierklinik sehr häufig; picht selten werden auch Tiere gebracht, die Junge erwarten, wenn oorauszusehen ist, daß der Wurf schwer sein wird. Und so gibt es gelegent­lich eine Kinderstube in einem behaglichen Winkel.

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Selbstverständlich ist der Beruf eines Tierarztes gefährlich; denn größere Hunde und ungebärdige Katzen lassen sich nicht ohne Gegenwehr untersuchen. Aber erstaunlich, was alles Tiere sich gefallen lassen,

sobald sie den Menschen, der es ihnen antut, als .Freund kennen! Und rotmn er furchtfrei, ruhig und gütig ist. Am meisten erreichen wird bei ihnen allen der, der am meisten von ihrem seelischen Leben versteht und es immer und bei ällem in Betracht zieht. Er muß ja auch so viel aus dem Leben

Der Tierhort ist die große Sammelstelle für heimatlose Tiere einer Stadt, verbunden mit einer Auskunft und einem Heim. Jeder größere Tierschutzverein sucht ei­nen derartigen Hort einzurichten, weil ohne ihn ein wirklicher Tier­schutz unmöglich ist. Ein Besuch in einem Tierhort oder -heim ist ein ergreifendes Erlebnis. Wenn man an den Katzenkäfigen ent­langgeht, strecken sich einem lauter kleine Pfoten durch die Gitter entgegen, die einladen, daß man streicheln soll oder gar ein Spiel­chen machen. Und die Hunde in der anderen Abteilung sie stehen an die Stäbe gedrängt, wedeln, wollen heraus und mit­gehen, heraus, heraus! Ein überwältigendes Angebot von Be­reitschaft zur Liebe! Aber einige liegen finster in der Ecke, zu traurig und verstört, um sich zu bemühen..

Wer für Tiere in Not zu sorgen hat, weiß, was für ein Segen ein gutes Tierheim ist! Auf unseren Hof kommt schreiend vor Hunger eine.Katze. Sie wird verjagt, sie darf keinesfalls bleiben. Oder je­mand hat uns, buchstäblich, auf der Straße ein Kätzchenin die Hand gedrückt".Machen Sie da­mit, was Sie wollen!" Die Tiere

seiner Kranken abzulesen wissen; seine Patienten können ihm nicht erzählen, wie sie sich fühlen nach dieser oder jener Arznei oder wie schrecklich der Fieberdurst ist oder die Atemnot. Eine einzigartige Beziehung kann zwischen dem be­rufenen Arzt und dem kranken Tier entstehen. Unzählige Male kann der Arzt aber auch nichts anderes tun, als ein Leben aus­löschen, das nur noch Leiden sein würde oder das niemand mehr pflegen will. Immer wieder be­gegnet ihm das überzählige, ver­stoßene, verlassene Tier.

*

Eine Katze mit einer inneren Geschwulst streicht leise klagend am Gitter ihres Käfigs entlang; ein fieberndes Aeffchen hockt zusammengeduckt da, den Kopf fast auf den Knien. In einem großen Vogel­haus wartet eine Taube auf Heilung ihres verletzten Beinchens; ein riesiger Hund mit einer Furunkulose liegt still am Ofen, ein kleiner, mit einem dicken Brustwickel, trippelt ganz munter im Raum umher und sucht Unterhaltung. Im Jsolierzirmner liegen die Staupekranken oder die Diphtheriepatienten oder die mit Typhus. Fast immer sind auch Verunglückte

Tiere in Krankheit und Not.

Begegnungen mit Tieren in der Gießener Beterinärklinik und im Hort.

Höhensonne für dem kranken Hund in der Gießener Veterinär-Klinik

Als die Menschen in uralten Zeiten Tiere der Wildnis zu Haustieren machten, machten sie sich selber dabei zum allmächtigen Schicksal von zahl­losen Wesen in allen kommenden Jahrtausenden. Diese zu Haustieren gewordenen Geschöpfe der Freiheit konnten ja fortan nicht mehr selbst ihr Leben gestalten und sich auch nicht mehr selber Helsen; sie waren auf Gedeih und Verderb einer fremden Macht ausgeliefert, die alles von ihnen nahm und sich mit ihrer Hilfe eine Kultur auf­baute Darum ist es nur billig, wenn Menschen versuchen, Tieren etwas zuliebe zu tun und ihnen zu helfen. Solche Hilfe ist an jausend Stellen nötig; am meisten braucht sie das krstnke und das heimat­los gewordene Tier, das ja doch nie wieder Tier der Wildnis werden kann.

Ein krankes Haustier kann oft nicht zu Haufe behandelt werden, deshalb sind nicht nur Tierärzte, sondern auch Tierkliniken notwendig. Wenige Men­schen wissen, was sie bedeuten, denn wenige ver­stehen etwas von kranken Tieren. Eine Tierklinik ist ein Ort der ernstesten und oft erschütternden Erlebnisse. Welcher Schmerz und welche Angst wird dort durchlitten, meist lautloses, manchmal in Qual aufschreiendes Leiden und oft ein schweres und« rührendes Sterben!

wird in der Gießener Veterinär-Klinik behandelt.

Füchsin. Und einmal war große Freude, als.ein armes, mißhandeltes Pferd in das Heim einzog. Nach drei Wochen guter Pflege war es so weit, daß es zu leichter Arbeit auf das Gütchen eines Siedlers gegeben werden konnte, der es im Heim gesehen und liebgewonnen hatte. Es war eins der vielen edlen, zarten Pferde, die im Alter verelenden und in immer schlechtere Hände kommen. Ueberraschend schnell war es wieder schön und glänzend geworden.

*

Damit bedürftigen Tieren das Heim offenstehen kann, braucht es daneben zahlende Pensionäre. Es ist ja auch dringend notwendig, daß es ein paar gute Tierpensionen in jeder Stadt gibt, in denen verreisende oder erkrankte Tierbesitzer ihre Freunde gut aufgehoben wissen. Und so erscheinen denn dort mancherlei Luxustiere: Hunde, die im Auto vorge­fahren kommen, Edelkatzen, Aeffchen, Papageien. Manche von ihnen sind schon Stammgäste und ge^en sicheren Schrittes aus den Eingang zu. Manche wieder leiden so sehr an. Heimweh, daß sie trotz ihres behaglichen Lagers, ihres hübschen Auslaufs und der Spielstunden im Freien, trotz liebevoller und aufmerksamer Betreuung nicht einen Tag lang glücklich scheinen.

Es ist unendlich schwer, ein Tierheim zu leiten, daß es ein Segen wird für die, denen es helfen soll! Tierschutz verlangt viel Wissen und Können und nüchterne Urteilskraft ganz ebenso wie Unerschrocken­heit und ein heißes Herz. Wo das aber einmal ver­eint ist, kann etwas Wunderschönes entstehen, ein Ort, an dem der Mensch gegenüber dem Tier ein­mal nicht der Nehmende, sondern gütiger Geber ist, und darum ein Ort, an dem man trotz alles Mit­leidens auch froh werden kann!

Das Pferd war ein Klepper geworden drei Wochen sorgfältiger Pflege haben es wieder gut auf den Damm gebracht^

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Lenzsch zwingt sich mit letzter Energie zu einer höflichen Verbeugung:Jawohl, danke, wir stehen auch auf."

Und was wird jetzt?

In der Diele schlagen Kahl und Monika unter Lachen und Schwatzen den Pingpongtisch auf. Aus des Doktors Studio, in das Margaverschleppt worden ist, hört man gar nichts . .

Monika und Kahl reden sich übrigens auf einmal mit dem Vornamen an. Seit wann denn? Seit wann denn?

Und er, Lenzsch?

Mein Schwager hat gewiß etwas mit Fräulein Montwill zu besprechen", tröstet Tante Martha und klingelt dem Mädchen zum Abräumenund inzwischen hätte ich eine große Bitte, liebster Doktor."

Bitte sehr?"

Tante Martha legt flehend die kleinen Hände ineinander.Ließen Sie wohl, bitte, die Hunde aus dem Garten herein? Ich kann nämlich nur ganz leise pfeifen, und unserem Seppi muß man energisch pfeifen. Wenn es dunkel wird, haben wir doch unseren Seppl lieber im Haus, damit er Nicht etwa das Herums-trolchen lernt, vers-tehen Sie?

Die Hunde hereinlassen. Nach den Hunden pfeifen. Vielleicht auch die Kaffeedecke draußen ausschutteln, wie? Während die anderen... ! Ja, es ist nicht zu leugnen, im Moment sitzt er zwischen zwei Stühlen.

Walter Lenzsch hat schon die Klinke zur Garten­tür in der Hand, da rasselt in der Diele das Tele­phon. Es rasselt so anhaltend und scharf, daß unwillkürlich alle die Köpfe heben. Auch deralte Doktor kommt aus seinem Studio, und Lenzsch kann

s^hen, wie Marga drinnen im Klubsessel sitzt und als einzige uninteressiert an diesem nervenzerrüt- tenden Läuten in einem Buch blättert.

Monika springt als erste zum Hörer. Alle an­deren stehen um sie herum. Monika lauscht eine Weile, dann hört man eine dünne Stimme am Apparat, und Monika sagt halblaut zu den anderen: Berlin. Marga Montwill wird gewünscht."

Marga Montwill kommt zögernd, mit gerunzelter Stirn, während der Doktor langsam in sein Studio zurückkehrt und die ^Tür hinter sich zuzieht. Die anderen bleiben unwillkürlich um den Apparat herum stehen. Irgendwie interessiert es sie doch alle, was man in Berlin von Marga will.

Hallo hier Montwill." Das klingt kurz und äußerst unlustig. Monika zieht zu Kahl hinüber eine kleine Fratze.

Aber bei dem ersten Laut aus dem Hörer heraus ändert sich plötzlich Marga Montwills Haltung. Es ist, als erschrecke sie ein klein bißchen, wenigstens lehnt sie sich auf einmal gegen die Wand und seufzt leise auf. Lenzsch, der es deutlich sieht, geht deshalb auf Zehenspitzen zu Marga hin, gleichsam, als wolle er sagen: Sieh mich an, ich stehe auf alle Falle zu dir.

Aber Marga schiebt ihn nur sichtlich nervös von sich ab und spricht dann hastig in die Muschel hin­ein:Joseph, du bist es? Guten Albend, Jupp. Was ist denn los? Woher hast du denn meine Telephonnummer so schnell bekommen, und ist viel­leicht etwas passiert?... So, nichts passiert. Na, Gott sei Dank! Also rufst du nur an, um mich zu fragen, wie es mir geht? (Rundblick über die Diele und alle-Zuhörer.) Glänzend geht es mir, lieber Jupp idyllisch geradezu. Wie? Abholen? Ob du mich abholen sollst? Aber, Jupp, ich bitte dich! Das ist jo an und für sich reizend von dir, nur (erneuter Rundblick) weißt du. Lieber ich fahre ja noch gar nicht. Mein Wägelchen steht hier sehr hübsch untergebracht, und überhaupt bin ich doch erst vier Tage weg! Oder ist doch was im Geschäft? Brauchst du mich vielleicht doch?"

Nein, es ist nichts im Geschäft , ruft Joseph Breda verzweifelt,ich muß schon beinahe sagen:

Leider ist nichts im Geschäft. Aber fonst ich meine: privat brauche ich dich. Es ist zum Wahn­sinnigwerden so allein. Ich esse schon gar nichts mehr. Ueberhaupt..."

Marga lächelt ein halb zärtliches, halb trauriges Lächeln.Ach, Jupp, das geht allen Leuten so. Alleinsein ist immer zum Wahnsinnigwerden. Aber gerade darum fühle ich mich ja hier so wohl. Ver­stehst du das denn nicht? Und einmal muß ich doch egoistisch sein dürfen und mehr an mich als an andere denken dürfen, Jupp. Wie? Ach, Jupp, hör auf, solche Sachen sagt man nicht durchs Telephon, und du hast doch sooo viele Bekannte in Berlin. Warum muß ich es denn gerade sein. Wie? Wie lange ich noch ausbleibe? Tja, Lieber (erneuter Rundblick), das weiß ich noch nicht. Vielleicht noch zwei Tage, vielleicht auch acht."

Acht Tage!" schreit Joseph Breda empört. ,Hst das dein Ernst, Marga?"

Ja,"

Eine lange Pause. Der Apparat summt. Im Hintergrund flüstert Monika mit Robert von Kahl.

Dann meldet sich wieder Joseph Bredas Stimme: Und warum bleibst du so lange?"

Das kann ich dir hier unmöglich auseinander­setzen, guter Jupp. Genügt es dir denn nicht zu wissen, 'daß ich mich hier unglaublich wohl fühle, und daß ich mich sicher wunderbar erhole?"

Nein, das genügt mir, nicht. Wenn eine Ftau sich in einer Umgebung, die ihr noch vor vier Tagen, nein, sogar vor zwei Tagen, völlig ftemd war, so unglaublich wohl fühlt, dann ist bestimmt ein Mann im Spiel."

Na, und wenn es so wäre, Jupp?"

Schweigen. Marga steht wie ein Storch auf einem Bein, lächelt und betrachtet dabei die vorge­streckte Fußspitze ihres zweiten Beins Dann wird ihr das Schweigen auf der anderen Seite zu lange. Ist Jupp verrückt geworden? Jede Minute, die sie beide hier am Apparat hängen, kostet doch!Hallo, Jupp?"

Joseph Bredas Stimme ist tief und merkwürdig eingerostet:Jaaa, ich bin noch da."

Na, so rede doch!"

Es gibt nichts mehr zu reden. Oder, das heißt ... Hör zu, Marga, hör sehr gut zu. Wenn also da drüben bei dir eine Mannsperson im Spiele ist, werde ich daraus einige Konsequenzen ziehen müs­sen. Hast du verstanden?"

Marga horcht auf und stellt sich verblüfft auf beide Beine.So? Wieso? Willst du mir das mal näher auseinandersetzen?"

Nein, das-will ich nicht. Entweder du fühlst und weißt, wer ich bin, und wie ich bin, und wie ich zu dir stehe oder ... Nur eins möchte ich noch wissen, Marga: Bleibst du auch dann in deinem Kaff sitzen, wenn ich mit aller Energie fordere, daß du zurückkommst?"

Du hast höchstens zu bitten!"

Von drüben kommt ein lautes höhnisches Lachen. Marga beißt sich auf die Lippen und schaut sich scheu nach den anderen um. Ob man das Lachen womöglich gehört hat? Aber die anderen tun, als interessiere sie das Telephongespräch nicht mehr. Nur Lenzsch nicht. Lenzsch spitzt noch immer die Ohren.

Ich habe also zu bitten", wiederholt indes Jo­seph Breda,zu bitten .. Also schön, den Fall werde ich mir überlegen. Aber ich glaube, ich werde mich nicht dazu entschließen können, zu bitten. Du wirst also in deinem Kaff bei deinen deinen neuen Freunden bleiben, solange es dir Spaß macht, und ich werde auf meine Weise die Folgerungen daraus ziehen müssen. Privat natürlich, versteht sich. Inzwischen wünsche ich dir also viel Vergnü­gen und du kannst ganz unbesorgt sein, ich tele­phoniere jetzt nicht mehr."

Aber, Jupp, davon habe ich doch kein Wort ge­sagt!"

Nein, allerdings, davon hast du nichts gesagt. Aber leider fühle ich bis in die Fingerspitzen, wie unsympathisch dir mein Anruf ist, und daß mir durch den Draht hindurch gar keinen Kontakt mehr miteinander haben. Lassen wir's also. Nochmals, viel Vergnügen, und bitte, benachrichtige mich, wenn du zurückkommst. Wiedersehen." Knacks. Weg ist er.

(Fortsetzung folgt.)