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Zwiespalt zwischen völliger Verzweiflung und jäh entfachter Männlichkeit.

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Fräulein Garbe war die kleine Frau Wheeler und hatte ihre große Szene mit dem Stich­wortAdam und Emma im Wolkenkratzer". Ruth- Ines Eckermann rauschte als Frau Bartlett mit Empörung und einem phantastischen Hutgebäude durch die derangierten Gemächer. Die Herren Paschen und Weiland waren zwei ver­teufelte Kavaliere aus der Vorvorkriegszeit, Helga R e t s ch y ein kokettes Kammerkätzchen.

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Das Haus war bemerkenswert stark besucht, die Stimmung großartig, der Beifall stürmisch.

Hans Thyriot.

Oie Geburt der Venus.

von Peter Bamm.

Nachdruck verboten.

In der großen Ausstellung der Royal Academy of Arts, die kürzlich in London eröffnet wurde, hängt ein Bild, das aus dem Rahmen fällt. Freilich fällt es nicht auf das Parkett, sondern in die Seele des Beschauers hinein, um sie in Erstaunen zu setzen. Allerdings ist das die Aufgabe, die Bilder auf der Welt haben. Aber wie selten aus dieser Welt erfüllt etwas die Aufgabe, die es hat.

Das Bild zeigt das Deck eines kleinen Herings- dampfer^ der vermutlich irgendwo zwischen Aran und den Lofoten herumschwimmt. Es ist gut, daß es keine Yacht ist, sondern ein Heringsdampfer. Von einer Yacht kann man träumen. Aber Yachten haben etwas Unsolides. Entweder sie gehören Mil­lionären, die man nicht kennt, oder sie kommen in jenen Romanen vor, die wir deshalb so gerne lesen, weil sie so schlecht sind, daß wir sie selber hätten geschrieben haben können. Keiner von. uns hat je­mals wirklich lustgekreuzt, aber einen Hering ißt man zuweilen zum Abendbrot, und zwar besonders dann, wenn man zufrieden ist und ein gutes Ge­wissen hat. So erregt der Anblick eines Herings­dampfers ein Gefühl von Vertrautheit, Menschlich­keit und Alltäglichkeit. Und der Chrostist glaubt, daß es die Absicht des Malers war, gerade diese Atmosphäre in uns wachzurufen, um dann jenes wunderbare Ereignis eintreten zu lassen, das auf dem Bilde dargestellt ist.

Dieses wunderbare Ereignis ist nämlich nicht mehr und nicht weniger als die Geburt der Venus. Die Heringsfischer haben das Netz an Deck gezogen,

und als sie es ausbreiten, enthüllr sich ihnen in unerhörter Reinheit und Keuschheit die Anadyo- mene, aus dem Schlamm der Nordsee geboren.

Mit dem Ausdruck verzauberten Erstaunens be­trachten sie ihren Fang. Auf ihren Gesichtern liegt ein Ausdruck vollständiger Unschuld, und nur der erste Steuermann, der wahrscheinlich ein Wes­leyaner ist, hält die Mütze vors Gesicht. Und mit dieser einen kleinen Geste puritanischer Verzagtheit ist alles in nuce angedeutet, was die Geburt dieser Göttin aus der Welt für Folgen haben wird.

Wir haben keinen Anlaß, auch nur einen Augen­blick daran zu zweifeln, daß sich das Ereignis mor­gen so abspielen kann, wie es heute gemalt worden ist. Fischer haben sich seit Jahrtausenden nicht ge­ändert, und dem Meer ist noch keine halbe Minute seiner Ewigkeit verflossen, seit es die erste Venus aus dem Schaume steigen ließ... Auch damals war »eine Zeit, da Venus noch nicht aeboren war. Frei­lich, die Menschen waren voll Unschuld und war­teten darauf, daß die Göttin der Liebe erscheinen solle. Und als sie emporstieg aus dem Schoß des Meeres, gehörte ihr die Welt, und es war wahr­haftig nicht das schlechteste Zeitalter der Vergangen­heit, da die Menschen der Venus dienten.

Die Venusfischer von dem Heringsdampfer der Königlichen Akademie freilich werden in arge Ver­legenheit geraten. Es ist anzunehmen, daß der wesleyanische Steuermann Venus alsbald in seinen Mantel hüllen wird, wodurch sie viel von ihrer königlichen Unschuld verlieren wird. Außerdem muß er. ben Vorgang ins Logbuch eintragen, und dabei wird er in arge stilistische Schwierigkeiten geraten. Ohnehin hat Poesie im Schiffsjournal nichts zu suchen. Zudem graut ihm ein wenig vor den Schwierigkeiten mit der Hafenbehörde. Es ist jedem Schiff erlaubt, mit einigen Leuten weniger aus­zukommen, denn daß Leute ins Meer fallen, ist eine anerkannte und erlaubte Sache. Aber daß irgendwelche Personen aus dem Meer aufsteigen, dafür fehlen alle gesetzlichen Unterlagen.

Die Immigrationsbehörde wird sich in die Sache einmischen, und da die Dame in dem wesleyanischen Steuermannsmantel keine Nationalität hat, wird Venus möglicherweise aus England ausgewiesen werden. Der wesleyanische Steuermann wird außer­ordentliche Schwierigkeiten mit seiner Gattin be­kommen, wenn sie Venus in seinem Mantel mit dem ihr so wohlbekannten Flicken am Aermel von Bord gehen sieht. Und da kein Strahl aus dem Auge der Göttin sie treffen wird, wird auch künftig die Liebe ihr Leben nicht beunruhigen.

Venus, die Schaumgeborene, aber wird etwas erleben, was ihr neu ist. Wenn sie nämlich vor den

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Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

25 Jahre Lupusheilstätte in Gießen.

Am heutigen Samstag, 21. Mai, begeht die Lu p u s h e i l st ä t t e in Gießen die Feier ihres 25jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß findet in der Mittagsstunde im Hörsaal der Universitäts-Hautklinik eine schlichte Feier statt. Als Vertreter des Eigentümers und Trägers der Lupus­heilstätte, des Hessischen Landesverbandes zur Be­kämpfung der Tuberkulose, wird dessen Vorsitzender, Oberregierungsrat Dr. R e y l, bei dieser Feier sprechen. Die Gedenkrede wird der ehrenamtliche Leiter der Lupusheilstätte, Universitäts-Professor Dr. Walther Schultze, halten. Ferner werden in Verbindung mit diesem Jubiläum eine Tagung her gesamten Lupusbeauftragten aus dem ganzen Reich unter dem Vorsitz von Obermedizinalrat Dr. Seiffert vom Reichs-Tuberkuloseausschuß und die 64. Tagung der Vereinigung südwestdeutscher Dermatologen stattfinden. Die Tagungsteilnehmer werden neben Besichtigungen der Hautklinik und her Lupusheilstätte eine Reihe von Fachvorträgen im Hörsaal des Physiologischen Instituts entgegen­nehmen.

Die Lupusheilstätte in Gießen nimmt im Kreise her medizinischen Einrichtungen unserer Ludwigs- Universität eine besondere Stellung ein. Sie ist durch Personalunion in ihrer obersten ärztlichen Leitung mit der medizinischen Fakultät verbunden; ihr Wirken vollzieht sich in enger Arbeitsgemein­schaft mit der Universitäts-Hautklinik, als deren unabtrennbaren Bestandteil man sie bezeichnen kann; aber als Eigentum und in wirtschaftlicher Hinsicht ist sie dem Hessischen Heilstätten-Verein zu­gehörig. Diese Stellung der Lupusheilstätte ist auf chre Entstehung zurückzuführen. Im Jahre 1906 wurde.^Professor Dr. Albert I e s i o n e k an die Universität Gießen für das Fach der Dermatologie berufen. Er richtete bei seinem Amtsantritt eine Poliklinik für Haut- und Geschlechtskranke ein. Die Behandlung der zahlreichen Lupuskranken, die da­mals schon in Gießen ärztliche Hilfe suchten, konnte in jener Poliklinik nicht ausreichend entsprochen werden. Professor I e s i o n e k strebte deshalb als­bald nach feinem Amtsantritt die Schaffung einer Hautklinik an, wobei es von vornherein feststand, Laß in diese Klinik Hauttuberkulöse nicht aus­genommen werden könnten. Um der dringenden Notwendigkeit, für die Lupuskranken eine beson­dere Stätte der ärztlichen Betreuung zu schaffen, gerecht zu werden, versuchte Professor I e s i o n e k andere Geldquellen zu erschließen. Das gelang nach mehreren Jahren 'dadurch, daß der Vorsitzende der Landesoersicherungsanstalt Hessen und des Hessischen Heilstättenvereins, Geheimrat Dr. Dietz, für diesen Plan gewonnen wurde. Am 2. November 1911 kam tm Heilstättenverein ein Dorstandsbeschluß zustande, der die Errichtung einer Lupusheilstätte in Gießen

zum Gegenstand hatte. Am 21. März 1912 wurde dann in einer Gesamtsitzung des Heilstättenoerems beschlossen, diesen Bau zu beginnen. Von der Stadt Gießen wurde das gemeinnützige Werk durch ver­billigte Baulandhergabe und durch Entgegenkommen bei den Straßenbaukostenbeiträgen weitgehend ge­fördert. Die Landesversicherungsanstalt Hessen stellte zu sehr niedrigem Zinsfuß eine Baukostenhypothek bereit. Am 6. Mai 1912 konnte mit dem ersten Spatenstich der Bau begonnen werden. Nach den Entwürfen und unter der Leitung des. Gießener Architekten Hans Meyer wurde die Lupusheil­stätte gebaut, und das Werk ging so rasch voran, daß die neue Heilstätte am 19. Mai 1913 eröffnet werden konnte. Damit hatte Professor Dr. I e s i o - n e k, damals ao. Professor für Dermatologie, auf diesem Abschnitt seines Wirkens sein Ziel erreicht, noch ehe es ihm möglich war, an fein Hauptziel, die Errichtung einer Hautplinik, zu gelangen. Erst etwa ein Jayr später, am 3. März 1914, konnte er auch dieses Ziel erreichen. Die Lupusheilstätte besitzt also gegenüber ihrer großen Schwester, der Universitäts-Hautklinik, das Erstgeburtsrecht. Wie damals in den Gründungs- und Anfangsjahren, so ist die Personalunion im Amt des Direktors der Hautklinik und der Lupusheilstätte beibehalten wor­den, unbeschadet der verschiedenen Besitzrechte und der eignen Wirtschaftsführung, zum Besten der Kranken und nicht zuletzt auch zur Förderung der ärztlichen Wissenschaft.

Unter der Leitung von Professor I e s i o n e k, der bis zu seinem Tode am 8. Dezember 1935 an der Spitze der beiden Institute wirkte, konnte in der Lupusheilstätte vielen Hauttuberkulösen ärztlicher Beistand geleistet werden. Mancherlei Methoden und immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse wurden dabei nutzbar gemacht, um den Kranken Linderung und soweit wie irgend möglich Heilung ihres schwe­ren Leidens zu bringen. Damit allein sahen aber Professor Iesionek und seine ärztlichen Mit­arbeiter, ebenso der Heilstättenverein, ihre Aufgabe keineswegs als ausreichend erfüllt an. Es wurde von Professor I e s i o n e k auch stets darauf gesehen, daß der fachärztliche Nachwuchs im Rahmen dieser Heilstättenarbeit eine gute Fortbildung erfuhr. Ferner wurde immer wieder nach neuen und noch besseren Heilmöglichkeiten geforscht. So ist denn auch der jetzige ehrenamtliche Leiter der Lupusheil­stätte und Direktor der Universitäts-Hautklinik, Professor Dr. Walther Schultze, ein Schüler Je- sioneks, in dessen Geist ärztlich vorangekommen und entsprechend seiner wissenschaftlichen Schule unermüdlich bestrebt, immer wieder verbesserte Heilmethoden gegen die Hauttuberkulose in Anwen­dung zu bringen. Der Geist Jesioneks, von seinem Schüler und Amtsnachfolger pietätvoll gehütet, ist

in diesen beiden Anstalten lebendig und wirkt sich durch die Arbeiten der Schüler des nunmehr ver­ewigten Lehrer^ weiter im Dienste der Kranken segenbringend aus.

Welche große Bedeutung ditzses Werk im Laufe seines ersten Vierteljahrhundekts erlangen konnte, geht daraus hervor, daß die Lupusheilstätte, die auch zugleich die erste Lichtheilstätte in Deutschland war, anfänglich nur 30 Krankenbetten hatte. Pro­fessor Jesionek mit seinen erfolgreichen Heil­methoden wirkte aber auf die Hauttuberkulosen Kranken so anziehend aus, daß schon nach dem ersten Betriebsjahr der Heilstätte eine kleinere Er­weiterung im Hauptgebäude oorgenommen und dadurch Platz für weitere 10 Betten geschaffen wurde. Während des Krieges diente die Heilstätte als Lazarett, in der ersten Zeitfür Verwundete, später für Hauttuberkulose Soldaten. Unter man­cherlei Schwierigkeiten konnte die Heilstätte über die schwere Zeit der Inflation hinweggebracht werden. Dann setzte erneut ein großer Andrang von Kran­ken eint so daß oft mehr als 100 Patienten -vor- gemerkt waren. Durch die Errichtung eines zweiten Baues nach den Plänen und unter der. Leitung des Gießener Architekten Baurat Hans Meyer konnte von 1926 ab die Zahl der Patientenbetten auf 110 erhöht werden. Selbstverständlich wurden bei diesen Erweiterungen auch die erforderlichen Verbesserun­gen in klinischer Hinsicht vorgenommen. Im Jahre 1937 erwies sich eine nochmalige Erweiterung als notwendig, wodurch nunmehr die Bettenzahl sich auf 123 beläuft. Heute ist die Lupusheilstätte in drei Stationen gegliedert, nämlich in die Männer-, Frauen- und die Kinderstation, von denen jede in einem eigenen Hausbau untergebracht ist. Im Ver­laufe dieser 25 Jahre wurden in der Lupusheil­stätte 6835 Patienten behandelt, für die insgesamt 669 352 Verpflegungstage erforderlich waren. Die durchschnittliche Behandlungszeit jedes Patienten belief sich demnach auf 98 Tage.

Seit 1. Januar 1936 steht die Heilstätte unter der Leitung von Professor Dr. Walther Schultze. Der Geist des Schöpfers der Heilstätte, Professor Jesioneks, ist der gute Grund, auf dem weiter- gebaut werden kann. Jedoch hat auch hier die Wissenschaft niemals einen Stillstand erfahren. Die Gesundheitsführung im nationalsozialistischen Staat hat sich selbstverständlich in dankenswerter Weise auch die Unterstützung der Wissenschaft der Haut­tuberkulose angelegen sein lassen. So wurden durch einen Runderlaß des Reichsversicherungsamtes neue Grundsätze für die Bekämpfung der Hauttuberkulose aufgestellt und zur Durchführung dieser Richtlinien besondere Bevollmächtigte bestimmt. Auf diesem Gebiete wirkt der Leiter unserer Lupusheilstätte ehrenamtlich als Lupusbeauftragter für Hessen und

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Die beiden Hauptgebäude der Heilstätte.

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Gießener Gtadtiheater.

Avery Hopwood:Der Mustergatte."

Diele werden die erbauliche Geschichte des Muster­gatten Billie Bartlett aus dem Film kennen, der ein Dorspiel dazu gab und eine Reihe von Mottven, die im Stück nur gestreift werden, in amüsanter Weise ausbaute. Der Schwank von Hopwood, als das Urbild, konzentriert sich aus naheliegenden Gründen auf die biedere Häuslichkeit bei Hop- woods und würzt die Affäre mit Stilornamenten von 1910.

Billie, man erinnert sich, ist der musterhafte Mann, den es eigentlich gar nicht gibt. Er ist so sanft und tugendhaft, daß sich seine Frau von ihm scheiden lassen will, weil erzu gut" für sie ist; welch ein Scheidungsarund. Liebe Freunde nehmen sich Billies an und helfen ihm auf die Sprünge: Frau Wheeler vor allem glaubt ihrerseits Grund zu haben, sich von Billie kompromittteren zu lassen. Billie ahnt nicht, wie er das machen soll, und eben darauf beruht der Schwank, die mit kindlichen Mit­teln inszenierte nächtliche Cocktail-Orgie im zweiten Akt uyd die Schreckensszenen bei Bartletts am an­deren Morgen. Als die Verwirrung auf dem Gipfel angelangt ist, weiß Herr Wheeler, Billies fach­männischer Freund, sogar das Allheilmittel, die Bartlettsche Häuslichkeit wieder zu sanieren: Billie wird energisch, er schlägt mit der Faust auf den Tisch und brüllt, das imponiert Frau Bartlett so ungemein, daß sie ihren Zorn vergißt und sich flugs aufs neue in ihren Mann verliebt.

*

Intendant Schultze-Griesheim hatte sichs nicht verdrießen lassen, persönlich Regie zu führen und mit sorgfältigen Vorbereitungen und wohl- bedachten Steigerungen ein wahrhaft entfesseltes Theater zu inszenieren, dessen Situationskomik die Besucher nicht aus dem Lachen kommen ließ. Herr Löffler hatte sich mit genießerischer Genauigkeit m das traute Heim von 1910 zurückversetzt und eine gute Stube zusammengestellt, in der nichts fehlte, weder der Schaukelstuhl, noch derEdisonsche Musik- rpparat" mit Trichter, noch der Papagei, der übri­gens einen Sondererfolg davontrug.

Herr Lindt, sichtlich bestrebt, den Gießenern ben Absckied schwer zu machen, spielte die Rüh- mann-Rolle des Billie Bartlett: anfänglich mit ent­waffnender Schüchternheit und Hilflosigkeit, später unter dem Einfluß fürchterlicher Cocktail-Mischungen -usehends munterer, zuletzt in einem ergreifenden

Blick auf die Gartenfront. (Aufnahmen [21: Photo-Pfaff.)

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21/22. Mai 1938

Hessen-Nassau bei den vom Staate gestellten Aus, gaben mit. Das Ziel des Kampfes gegen diese Krankheit ist, die Lupuskranken mit kosmetisch gutem Ergebnis möglichst bald zu passendem Ar­beitseinsatz zu bringen,zfid) also nicht, wie, einst vor Jahren, wohl oder übel damit abzufinden, daß diese Krankheit zwar bestmöglich bekämpft würde, im übrigen aber der Kranke notgedrungen mehr ober minder im Schaffensleben beiseite stehen müßte. Welcher Weg der Krankenbehandlung der beste ist, kann immer nur von Fall zu Fall ent­schieden werden, oberste Richtlinie ist aber stets, die Behandlungsmethode so zu wählen, daß der Patient durch die Bekämpfungsmaßnahmen an sichtbaren Stellen so wenig wie möglich durch unschöne Narben oder dergleichen beeinträchtigt wird, um ihn eben an einer passenden Stelle in der Arbeit zu seinem und der Gesamtheit Nutzen wirken zu lassen. Dar­über sagt Professor Schultze in einer Abhand­lung zu dieser Jubiläumsfeier zutreffend folgendes: Es ist im Erfolg völlig gleichgültig, ob ein Lupus- kranker seine Stelle verliert, weil er einen häßlichen Lupusherd im Gesicht hat, oder weil er im Laufe der Behandlung so entstellt ist, daß er an seinem Arbeitsplatz unmöglich ist."

Um die Bekämpfungsmaßnahmen so umfassend wie möglich wirken zu lassen, wird größter Wert darauf gelegt,- daß die Lupuskranken schon mög­lichst früh an Jahren erfaßt werden, am besten schon vor dem 25. Lebensjahre, um bereits im

würzig mild - mit dem bekannten Schinkenbild!

jugendlichen Alter die Durchbehandlung möglichst weit voranzubringen. Ferner wird auch Wert dar­auf gelegt, regelmäßig immer wieder ärztliche Unter­suchungen und Ueberwachungen der Lupuskranken vorzunehmen und frie, gesamte Behandlung von Anfang an unter dein Gesichtswinkel der allge­meinen Tuberkulose auszuführen, weil sich durch die jahrelangen Erfahrungen ergeben hat, daß in den meisten Fällen die Hauttuberkulose nur eine tuber­kulöse Teilerkrankung ist. Diese Richtlinien und praktischen Maßnahmen stehen sämtlich unter der Forderung, daß im nationalsozialistischen Reich jedem deutschen Menschen das Recht und die Ehre der Arbett gewährt werden muß, also auch die Hauttuberkulösen trotz ihrer Krankheit dieses Recht auf den Arbeitsplatz teilhaftig werden müssen, so­weit es durch die fachärztliche Kunst nur irgendwie zu ermöglichen ist. Mit dieser Zielsetzung handelt der Dermatologe nach den Forderungen des Natio­nalsozialismus und nach den ungeschriebenen Ge­setzen der Verpflichtung zur Hilfeleistung für jeden hilfsbedürftigen deutschen Menschen.

Die Rückschau des Zeitchronisten auf das erste Vierteljahrhundert des Wirkens der Lupusheilstätte Gießen führt zu der Feststellung, daß hier ein segensreiches Werk im Dienste leidender Menschen errichtet wurde, das täglich aufs neue fruchtbar ist. Man gewinnt auch die Ueberzeugung, daß dieses Werk sich in guter Obhut befindet, weil es nicht nur nach der modernen Fachwissenschaft, sondern auch in der innigen Verbundenheit mit seinem Schöpfer, in der pietätvollen Erinnerung an einen guten Lehrer betreut wird. Hierbei stehen dem Schüler Jesioneks, Professor Schultze, in ausge­zeichneter Mitarbeit sein Oberarzt Trv. Kreiner und ebenso die seit Bestehen der Heilstätte, also seit nunmehr 25 Jahren dort tätige technische Assistentin Hildegard^M i 11 e l b a ch tatfreudig zur Seite. Und dazu kommt, daß die von unserem Führer dem deut­schen Volke gestellte Aufgabe auch hier im Geiste des Nationalsozialismus in der richtigen Weife er­kannt ist und ihre Erfüllung nach bestem Vermögen erstrebt wird. Darum ist der heutige Jubiläumstag der Lupusheilstätte Gießen, ebenso wie seinerzeit der Tag ihrer Gründung durch einen warmherzigen

strengen Herren der Hafenbehörde steht, wird sie sich das erstemal genieren. Und dabei wird sie noch nicht einmal wissen, was das eigentlich ist. Und dann werden die Reporter kommen und sie für die Londoner Abendblätter interviewen.

Die Reporter, die gewahrst sind, Radschas aus Singapore und Negerkönige von der Goldküste zu interviewen, werden nicht in Verlegenheit geraten. Mit einem alten Homer bewaffnet, werden sie so antik fein, wie Reporter sein können. Und schließ­lich werden sie noch irgendwo einen levantinischen Schiffskoch auftreiben, der außer Armenisch, Ara­bisch und Aegypttsch auch noch ein paar Brocken Griechisch spricht.

Dann wird Venus für die neue Revue am Oxford-Zirkus ein glänzendes Angebot bekommen. Aber die Tillergirls werden sich über ihre voll­schlanke Linie ziemlich mokieren. Einige Lords werden ihr schließlich einen Heiratsantrag machen, und das rvird dann dem Faß die Krone auf­setzen. Eines Tages wird Venus verschwunden sein. Bei Sonnenuntergang ist sie hinter Fal- mouth aufs Meer hinausgeschwebt und in den feurigen Wagen Apolls eingestiegen und hinter dem Horizont untergetaucht. Die wesleyanische Ordnung ist bann wiederhergestellt, und das aus dem Rahmen gefallene Bild in der königlichen Akademie ist wieder an seinen Platz zurückgekehrt.

Nur der Schiffsjunge auf dem Heringsdampfer wird niemals mehr aufhören können, von der schaumgeborenen Göttin zu träumen. Sein Knaben­herz war der einzige Zufluchtsort, den Venus in England hätte finden können. Und sie wußte doch, daß dieses Herz ihr nicht gehören sollte. So ließ.» sie ihm nur die Sehnsucht. Und. dieser Schiffsjunge wird als alter Mann feinen Enkelkindern die Ge­burt der Venus erzählen. Und so- wird, wenn Venus schon lange wieder verschwunden ist, die Wahrheit zu einem Märchen werden, das un­schuldige Herzen erfreut.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Franz Z i z e k, Ordinarius für Sta­tistik an der Universität Frankfurt, ist infolge eines Schlaganfalles im Alter von 62 Jahren g e - ftorben. Die Frankfurter Universität verliert in ihm einen bedeutenden Gelehrten und einen ihrer beliebtesten Lehrer. Zizek, am 15. Januar 1876 in Graz geboren, habilitierte sich 1909 in Wien und wirkte seit 191tz in Frankfurt. Don seinen Büchern nennen wirSoziologie und Statistik",Grundriß der Statistik" undFünf Hauptprobleme der stati­stischen Methodenlehre".