Münster.Kreuzhanges an der richtigen Stelle als einer unabweisbaren Dankespflicht zu erinnern? Kein Bewunderer Herrn Walthers von der Vogel- weide und der geliebten Stadt Würzburg, ja kein Deutscher überhaupt, der sich über einen solchen Akt der Pietät nicht von ganzem Herzen freuen würde.
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Daß Kunstwerke und Naturschönheiten g e s e tz - l i ch geschützt werden, ist uns nachgerade selbstverständlich geworden. Als nicht ganz so selbstverständlich berührt uns ein Fall, der aus England gemeldet wird und bei dem es sich um nicht mehr und nicht weniger als um öffentliche Maßnahmen zur Erhaltung weiblicher Schönheit handelt. Sie zu treffen, war dem Gemeinderat des Städtchens B r o o m f i e l d in der Grafschaft Essex vorbehalten, eines Ortes, der durch das goldblonde Haar und den blendend weißen Teint seiner Bewohnerinnen einen solchen Ruhm in ganz England genießt, daß man zum Preise einer besonders schönen Frau nichts Besseres zu sagen weiß als: „ihre Haut ist so zart und rein wie die einer Broomfielderin". Wer also kann es dem Bürgermeister von Broom- field verargen, daß er zur Verteidigung dieses alten und wahrscheinlich auch wohlbegründeten Ruhmes alles aufbietet und einer möglichen Schmälerung mit ernster Sorge entgegensieht? Wenn Schilda seit langem schon seinen guten Ruf, die Heimat der Schildbürgerstreiche zu sein, verloren hat, warum sollte sich Broomfield einer ähnlichen Gefahr aussetzen? Und diese Gefahr war kein leerer Wahn, nein, sie war eine Realität Sie nahte sich Broomfield in Gestalt einer Institution, die man in der zivilisierten Welt als eine Wohltat für die Menschheit zu bezeichnen pflegt und demgemäß normalerweise freudig begrüßt, nur nicht in Broomfield. Sie nahte sich, kurz gesagt, in der Form einer — Wasserleitung. Broomfield sollte nach einem Beschluß des Graftchaftsrates an das Wasserleitungsnetz von Essex angeschlossen werden, dasselbe Broomfield, daß sich so viel darauf zugute hielt, daß die natürliche Weichheit seines Brunnenwassers es sei, der die sprichwörtlich schönen Frauen iyr blondes Haar und ihre weiße Haut zu verdanken hätten. Dieses Brunnenwasser, so führte der Obmann aus, sei das wahre Schönheitselixier von Broomfield, unb_ gar nicht auszudenken sei es, was geschehen würde, wenn sich in Zukunft seine schönen Landmänninnen mit dem harten Leitungswasser waschen müßten. Wer kann solchen Argumenten widerstehen? Männer nicht, selbst wenn sie Gesetzgeber sind. Und so beschlossen denn auch die Männer von Essex, den Töchtern von Broomfield noch volle drei Jahre Zeit zu geben, über den Fall nachzudenken.
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Altes Brauchtum zu schützen, es nach Möglichkeit zu erhalten oder doch wenigstens den Erfordernissen der heutigen Zeit sinngemäß anzupassen, ist eine dankenswerte Tat. Schöner noch ist es vielleicht, wenn neue Sitten sich den alten hinzugesellen. Sie brauchen nicht „erfunden" zu werden, es gibt Fälle, wo sie ganz natürlich und organisch aus dem allgemeinen Empfinden spontan hervorgehen, und nur dann haben sie Aussicht, einmal selbst „Brauchtum" zu werden. Ein solcher Fall wird jetzt aus dem mitten im Trachtengebiet der Grafschaft Schaumburg am Fuße des Bückebergs gelegenen Ort R e h r e n berichtet. Anlaß dazu gab die Anschaffung einer neuen Kirchenglocke, bei deren Einweihung ein Beschluß gefaßt wurde, wonach in Zukünst jedes in Rehren neugeborene Kind von Glockengeläut begrüßt werden soll. „Ob Tag oder Nacht, das Ereignis wird gleich gemeldet und unsere neue Glocke soll es dann zehn Minuten lang laut durch die Gemeinde tönen lassen: uns ist ein Kind geboren, unsere Gemeinde lebt und röächst für unser deutsches Volk." Was den Toten recht ist, sollte auch denen, die ins Leben treten, billig sein, und wir könnten uns sehr wohl vorstellen, daß ein Mensch, der weiß, daß der Mund der Glocke ihn bei der Geburt w ll- kommen geheißen hat, das Wagnis des Daseins mit mehr Vertrauen auf sich nimmt als ein anderer, dem eine solche Begrüßung nicht zuteil wurde Gewiß, in großen Städten wird sich die schöne Sitte kaum einbürgern können, aber auf dem Lande verdient das Beispiel von Rehren doch nachgeahmt zu werden.
Talleyrand.
Von Walther Schwerdtfeger.
Der Fürst von Talleyrand-Pörigord spricht nur fürvben berühmten Literaten aus Paris, der als Gast auf Schloß Valen^ay weilt-, massig, bleich, aufgeschwemmt, sehr elegant: H o n o r £ be Balza c. Unb Balzac, ber Menschenjäger, ber dem großen Staatsmann schon in seinem Roman „Vater Goriot^ gehulbigt hatte, beobachtet ein- gehenb biesen achtzigjährigen Granbseigneur aus ben Tagen Lubwigs XV., dessen Bewegungen noch immer die unnachahmliche Grazie des Ancien Regime haben. Allerdings, so lange die Schöpfungen seines gefeierten Küchenchefs — der drolligerweise Careme (Fasten) heißt — aufgetragen werden spricht der alte Diplomat nur von Champignons und Orangeeis. Aber nachher, am Kamin, tut er die Schatzkammer feines Geistes auf. Erinnerungen, die von der Dubarry bis zum Bürgerkönig Louis Philippe reichen, in denen alle Berühmtheiten der letzten sechzig Jahre auftauchen: Franklin und Danton, Marie Antoinette und der Graf von Saint-Germain, Bonaparte und Frau von Stael, Metternich und Zar Alexander.
Es ist ein seltsam bewegtes Leben, das dieser Sproß aus dem Uradel Frankreichs geführt hat. Wegen seines Klumpfußes für die Priesterlaufbahn bestimmt, wird er bald Finanzsachverständiger^ des Klerus. Mit fünfunddreißig ist er in Paris berühmt durch seinen Witz, sein gewagtes Spiel und seine Liebesabenteuer. Im gleichen Jahr hat er das königliche Dekret in der Soutane, das ihn zum Bischof von Autun macht und in dem der König sich über die Frömmigkeit und die tugendsamen Eigenschatten des neuen Bischofs für wohlunterrichtet erklärt. Sein Amtsvorgänger in Autun war das Urbild des „Tartuife" geworden. „Wie schade", spottete ein zeitgenöisisches Epigramm, „daß Moliöre nicht auch den Nachfolger kennengelernt hat!"
Ein Jahr später sitzt der uradlige Bischof im Versailler Ballhaus in der Nationalversammlung, stimmt für den Anschluß der Geistlichkeit an ben Dritten Stanb: bas Bürger- unb Bauerntum, entwickelt ein vernünftiges Finanzprogramm unb schlägt bie Verstaatlichung ber Kirchengüter vor. Wieder ein Jahr später wird er vom Papst als Schismatiker exkommuniziert. Mit ber frivolen . Ironie des Voltaire-Anhängers bittet er einen Freund zum Abendessen: „Da jeder Christ mir F»uer und Wasser verweigern muß, so wollen mir
Fleisch offen und eisgekühlten Wein trinken." Nach dem Tuileriensturm wird ihm der Boden in
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die
Gtudenteniaqe im Gau Hessen-Nassau
sollen Daran schließen sich am Nachmittag Veranstaltungen auf den einzelnen Häusern und am Abend Kameradschaftsabende mit den Alten Herren an. Im Gau Hessen - Nassau finden folgende Studentage statt: Gießen 27. bis 29 Mai, Darmstadt 10. bis 12. Juni und Frankfurt 17. bis 19. Ium 1938.
NSG. Auf der letzten Studentenführertagung gab Reichsstudentenführer Dr. G. A. Scheel dis Durchführungsbestimmungen für die örtlichen Stu- dententage an allen deutschen Hoch- und Fachschulen bekannt. Den von nun ab jährlich int Juni stattfindenden Arbeitstagungen aller groß- deutschen Studentenführer sollen an allen deutschen Hoch- und Fachschulstädten die örtlichen Studententage vorausgehen Diese sollen in ber Regel brei Tage dauern unb sich gliebern in einen Tag ber Wissenschaft, einen Tag bes Sportes unb einen Tag ber Kamerabschaft Der Tag ber Wissenschaft ber abenbs mit einer politischen Kundgebung abgeschlossen wird, soll der Zusammenarbeit zwischen Dozenten- unb Stube n t e n s ch a s t bienen. Stubentenführer unb Rektor sollen gemeinsam über ihre Arbeit berichten Die einzelnen Wissenschaftstagungen, an benen bie feierliche Verleihung ber D o k t o r b i p l o m e vorgenommen werben soll, werben Lehrer unb Schüler zu, Wort kommen lassen Der Tag des Sportes soll in ben Mannschaftskämpfen ber Kamerabschaften bie stubentische Arbeit in ber Formung eines neuen Sportibeals, eben bes Mannschaftssportes, zeigen. Einzelmeisterschaften werben baneben wie bisher Spitzenleistungen zeigen. Ein Fest, bas bie Bevölkerung, bie Alten Herren unb bie Studentenschaft vereint, beschließt den Tag. Den Abschluß der' örtlichen Studententage bildet der'Tag der Kameradschaft. Nach einer gemeinsamen Morgenfeier sämtlicher Kameradschaften beginnen die Einzel- t a g u n g e n der Kameradschaftsführer und Altherrenführer, wobei gerade die Alten Herren erneut Einblick in das Leben der Kameradschaften erhalten
Korpsführer Hühnlein aus Tripolis zurückgekehrt.
München, 20. Mai. (DNB.) Korpsführer Hühnlein traf auf dem Luftwege aus Tripolis wieder in Deutschland ein. In den letzten beiden Tagen seines Aufenthaltes nahm Korpsführer Hühnlein auf Einladung des Generalgouverneurs, Marschall B a l b o , an einem Manöverdermoto- risierten italienischen Divisionen in Libyen teil. Hier waren für einen Kenner des Rach- schubwesens von besonderem Interesse die Maßnoh- men, die bei ber Marschbewegung dieser Trupv n. verbände auf einer Straße durch 800 k m Wüstengebiet getroffen werden mußten Da die Strecke ohne jegliches Wasser war, mußte auch die Versorgung mit Trink- und Kühlwofser sichergestellt werden. Daneben war noch für die Ergänzung von Betriebsstoff und Brennholz zu sorgen.
heitsrufer soll in ben Hutten-Festspielen ein Denkmal errichtet werben. Die Festspiele sollen durch die Gemeinschaftsarbeit der Partei und aller Gliederungen zu einem politischen Ereignis werden. Ihre Aufgabe ist es, Hutten im Volk lebendig werden zu lassen. Die Durchführung der Spiele liegt-in den Händen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" die besten Kräfte verpflichtet hat.
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goldene Sportabzeichen, das er sich „ganz beiläufig" bei einem Besuch in Deutschland in ein paar Tagen geholt hat! Eine Hauptunterhaltung für bie Europäer in Stan ist bas Schwirnmbab: hier zeigte auch bie jüngere Stütze der Firma viel sportliches Können.
Am Stromufer, dicht beim Hotel, liegen heute drei große Kongodampfer vertäut. Die Schiffe gehen, trotz ihrer mehrstöckigen Aufbauten, nur einen Meter tief, haben kaum einen Kiel unb werben durch ein riesiges Heckrad getrieben. Die Frachtdampfer laden, trotz flacher Bauart, bis zu 1000 Tonnen. Die Fahrt stromauf, von Leo bis Stan, beinahe 2000 Kilometer Flußweg, dauert zwei Wochen. Im ganzen ist es mit dem Verkehr auf dem Kongo eine mühsame unb kostspielige Sache. Die Seeschiffe kommen bis Matadi herauf, unweit ber Münbung. Dann folgen 300 Kilometer Eisenbahn bis Leopoldville. Auf biefer Strecke tobt der Kongo in wilden Katarakten durch eine Folge enger Schluchten und durchbricht so den westafrika- nischen Hochlanbsranb. Bei Stanleyville und noch einmal am Oberlauf müssen wieder Stromschnellen umgangen und die Güter mit der Bahn befördert werden. Das gibt im ganzen, bis Bukama, wo die Schiffbarkeit zu Ende ist, sechs Umladungen!, unb noch eine siebente, um bie Waren nach Elisabeth» ville, bem Mittelpunkt ber Mineninbustrie ber Provinz Katanga, zu bringen. Die belgische Verwaltung fudjt biesen Schwierigkeiten unb Kosten burch em anberes kombiniertes Bahn- unb Flußsystem mit Hilfe bes Kassai, bes großen linken Nebenflusses bes Kongo, zu begegnen, ist aber bamit noch nicht K fertig.
Die Kongokolonie gleicht in ihrer Gestalt einer gewaltigen Flasche mit einem ganz kurzen, dünnen Hals. Mit biesem reicht sie nur auf einer Strecke von kaum 40 Kilometer ans Meer. Ein großer Teil der Aus- unb Einfuhr wirb baher auf alle Fälle durch fremdes Gebiet gehen müssen: durch bas portugiesische Angola, wo englisches Kapital eine Bahn gebaut hat, im Westen, und über die ursprünglich deutsche, jetzt in englischem Mandatsbesitz befindliche o st afrikanische Zentralbahn im Osten. Auch bie zweite, gegenwärtig wichtigere Ostverbindung — nach Beira in Mozambique — ist in englischen Händen. England hat allerlei im Kongo zu sagen. Riesige Oelpalmenbestänbe sind z. B. ber englischen Firma Lever Brothers, ben größten Seifenfabrikanten der Welt, zur Ausbeutung konzessioniert.
Stan ist eine typische Kolonialstadt. Die europäische Gesellschaft zählt nur wenige Hundert Mit- glieber. Geistige Genüsse (außer einem Kino natür- lich!) fehlen. Zum Sunbown kommen einige der Herren auch wohl mit ihren Damen gefahren, und ehe man sich's versieht, ist die Terrasse sogar voll von Kinbem, armen, kleinen, blassen Geschöpfen, die mit ihren Rollern zwischen ben Tischen umher- fahren. Wer diese Kinder sieht, der begreift, daß Länder wie die Kongokolonie vom weißen Mann im Grunde den Verzicht auf die Familie fordern.
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In der Grusthalle auf dem Annaberg
dasselbe hören wir s ch e n Hause, das Mutter am Kongo,
Bis vor kurzem
und zwei Kinder in Berlin!
lebte in Stan überhaupt kein ein Bremer Haus eine Nieder-
unb der Verhängung ber Kontinentalsperre begann schon Las Ringen von Waterloo.
digung mit England, die stets im Mittelpunkt von Talleyrands politischer Tätigkeit gestanden hat. Der
Kunden in seiner Sprache verkehren, — es gelingt ihm, fast jede Unterhaltung mit einem Auftrag für seine Firma enden zu lassen, — auch ein flotter Tanz bient ihm als erfolgreiches Werbemittel — und außerdem besitzt er das
Paris zu heiß. Der Justtzminister Danton gibt dem Bürger Charles Maurice Talleyrand einen Auslandspaß. Jü Calais schifft er sich nach England ein. An diesem Tag beginnen in Paris die Sep- tembermorbe.
Aber bie Regierung Pitt, bie nicht recht glauben mag, daß biefer Emigrant auf bem Lanbsitz Juniper Hall nur angelt, Whist spielt unb sentimentale Romane lieft, weist ihn kurzerhand aus. Mit vierzig lanbet er in Amerika, wird beinah nach Kalkutta verschlagen, lebt bann eine Weile im Wilben Westen, ben er gar nicht romantisch finbet, macht Maklergeschäfte in Neuyork unb Philadelphia unb bemüht sich dabei um bie Aufhebung ber vom Konvent beschlossenen Acht Nach Robespierres Sturz kehrt er zurück. Ein halbes Jahr banach zieht er als Außenminister in das Hotel Gallifet ein. Er hat biesen Posten unter dem Direktorium, bem Konsulat, dem Kaiserreich und den beiden bourbonischen Restaurationen bekleidet.
Man hat Talleyrand deswegen den Vorwurf der Charakterlosigkeit gemacht und gern Mirabeaus Ausspruch angeführt: „Der Bischof von Autun würde für Geld seine Seele verkaufen — und er täte klug daran, denn das hieße Gold für Mist bekommen". Mit Recht hat Talleyrand sich dagegen verteidigt: noch in seinen letzten Jahren, als Botschafter in London, schrieb er: „Seit fünfzig Jahren diene ich Frankreich, und es ist immer Frankreich gewesen, dem es zu dienen galt. Das ist der Grund, weswegen man, wenn man fein Land liebt, unter allen Regierungen, die es sich wählt, ihm dienen soll."
Dem Napoleonischen Eroberungswillen hat er nur widerwillig als Werkzeug gedient. „Frankreich muß auf seine eignen Grenzen beschränkt bleiben", so hatte er schon 1792 verkündet, „bas ist es seinem Ruhm, der Gerechtigkeit, der Vernunft und seinem Interesse schuldig." Er kannte die Karte Europas und ihre geschichtliche Entstehung $u genau, um von dem Bestand der neuen, willkürlichen Grenzziehungen überzeugt zu fein. Seinen außenpolitischen Ziele waren von der rationalen Klarheit, die ein Erbe feines Jahrhunderts war: ein starkes, in sich geeintes Frankreich, das an der Spitze der lateinischen Staatengruppe stehen sollte, ein ausgedehntes koloniales Imperium mit dem Schwerpunkt in Nordafrika, als Kräftebasis für bas Mutterland. Dazu die lebensnotwendige Verstän-
Ein Blick in die Grufthalle des neuen Ehrenmals für die gefallenen deutschen Freikorpskämpfer, das am Sonntag auf dem Annaberg in Oberfchlefien feiner Bestimmung übergeben wird, nachdem bereits vor Wochen die sterblichen Ueberrefte der toten Helden dorthin übergeführt wurden. In 11 Nischen sind 50 gefallene Freikorpskämpfer beigesetzt, deren Namen auf einem Mosaik-Schriftband verzeichnet sind. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Deutscher. Jetzt hat lassung gegründet und mit einem Leiter besetzt, an dem wir vier hervorragende Eigenschaften kennen lernten: er kann mit jedem hier vorsprechenden
Frauen und Kinder, die aber nur bis etwa zum 6. Lebensjahre hierbleiben dürfen. Diese Regel gilt für alle tropischen Tiefländer. Die französischen Ehepaare, die wir im Tschadgebiet, am Schari unb Ubangi besuchten, hatten ihre Kinder in Frankreich: auch in dem einzigen beut- es in Stan gibt: Vater und
Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil Briefe von einer Afrika-Reise.
Von Dr. Paul Rohrbach.
______________ r__________ r3.l________ ___ diesem Jahre zum zweiten Male die Hutten- Friede von Amiens war sein Werk. Mit dem Bruch ! F e ft f p i e I e auf der Steckelburg bei Schlüchtern durckgefübrt. Gauleiter Sprenger hat die Scbirm- 1 Herrschaft übernommen. Dem großen deutschen Frei-
in die Halle oder auf die Terrasse. Gleichzeitig tritt ein Boy hinter der Bar in Funktion, der keine andere Aufgabe hat, als bis Mitternacht pausenlos eine Grammophonplatte nach der anderen aufzulegen. Es find lauter französische Schlager, je lärmvoller, desto beliebter, und für jemand, der nach dem Abendessen noch etwas lesen oder schreiben ober ein vernünftiges Wort reden möchte, wirb das öde Getöse zur Tortur.
Heute, am Ostersonntag, gab es morgens eine Parade mit Musik; danach einen großen Offiziersfrühschoppen hier im Hotel. Alle weißen Chargen eilten zum Bier, das übrigens aus Bremer und Hamburger Brauereien stammt, sehr gut und hier das beliebteste Getränk ist. Die fran- zösischen Aperitifs sind verschwunden, und nur der englische Whisky-Soda behauptet noch eine schwache Position neben dem deutschen Bier. Stan ist die Hauptstadt der „Province Orientale" des Belgischen Kongo. Lange Reihen von Beamtenhäusern deuten auf den starken Verwaltungsapparat, der hier arbeitet. Auffallend groß ist die Zahl der weißen
Das Programm Talleyrands enthält bereits die Erkenntnis, daß der Rhein „Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze" sei: eine Erkenntnis, die damals selbst in Deutschland noch nicht unumstritten war. Als Napoleon nach Rußland' aufbrach, sagte Talleyrand nur: „Das ist der Anfang vom Ende". Dann kam 1813 die Erhebung des ae- bemütigten Preußen, ber Augenblick, „wo Kaiser Napoleon König von Frankreich werben muß". Aber ein solcher Verzicht war Napoleon unmöglich. Sein bämonisches Schicksal trieb ihn auf ben Weg nach St. Helena. Inzwischen ebnete Talleyranb ber Restauration den Weg. Den Vorwurf des Verrates hat er zurückgewiesen: „Ich habe niemals konspiriert, außer wenn die Mehrheit in Frankreich mitverschworen war, und es sich um das Wohl des Vaterlandes handelte." Er vollbrachte das Wunder des Pariser Friedens. Frankreich, nachdem es die Welt ein Vierteljahrhundert hindurch in Kriege gestürzt hatte, das nun völlig entmachtet und innerlich zerrissen war, brauchte nicht einen Centime Reparationen zu zahlen, behielt die Kunstschätze, die es aus allen Schlössern und Galerien in dieser Zeit zusammengetragen hatte und erhielt noch als Zuwachs ein Gebiet von hundert Quadrat- me len mit einer Million Einwohner. Auf bem Wiener Kongreß reihte es sich burch Talleyranb roieber zu ben Großmächten ein. Der Dank vom Hause Bourbon beftanb barin, baß Lub- wig XVIII. bem Minister ironisch bie Anerkennung als fremben Souverän anbot — benn Napoleon hatte ihn zum Fürsten der kirchenstaatlichen Provinz Benevent gemacht. Die Ratschläge des Mannes, den Gveche den ersten Diplomaten des Jahrhunderts genannt hat, ließ er unbeachtet.
Vor hundert Jahren, am 17. Mai 1838, ist Talleyrand in seinem Pariser Palais - an der Place de la Concorde gestorben, nachdem die Kirche den exkommunizierten und verheirateten Priester wieder in ihren Schoß ausgenommen hatte. Als der Abbe, der ihm die Sterbesakramente reicht, mit dem geweihten Del das Kreuzzeichen in die Handflächen zeichnen will, kommt in das wunderbare Hirn des Dierundachtzigjährigen die (Erinnerung an das Vorrecht der Prälaten, dieses Zeichen auf den Handrücken zu erhalten. „Vergessen Sie nicht — ich bin Bischof!" sagt er zu dem Abb6 Dupanloup; und mit feinem Lächeln dreht er die Hände um.
Hutten-Aeftsbiele aus der Steckelburg.
NSG. Vom 5. Juni bis 7 August werden in
X. 43 Minuten vom Aequator.
Stan, April 1938.
Einen Ort „Stan" wird der Leser vergeblich auf seinem Atlas suchen. Die meisten Kongvstädte haben lange Namen: es ist aber, als ob die Tropenschwüle den Menschen unlustig macht, sich mit umfangreichen Anhäufungen von Silben abzugeben. Statt Leopold- ville, der Hauptstadt der Kongokolonie, sagt man Leo, statt Elifabethville nur. E'ville unb Stan ist Stanleyville.
Das Thermometer zeigt im Zimmer nur einige dreißig Grad, also zehn weniger als in Fort Lamy, aber die Feuchtigkeit der Luft ist so groß, daß man nach jeder Bewegung das Empfinden hat, in nasser Wäsche zu stecken Stan liegt dicht unter dem Aequator, nur 80 Kilometer oder 43 Gradminuten von ihm entfernt. Weiter kongoabwärts, in „Coq" (Coquihatville), haben die Leute die Genugtuung, unmittelbar unter ber Linie zu wohnen. Hunbert Schritte vom Hotel fließt ber Kongo. Als wir. ihn zuerst erblickten, waren wir erstaunt, ihn noch nicht einen vollen Kilometer * breit zu finden. Man bringt die Vorstellung einer unendlichen Wasfermasse mit, die sich hier durch Jnner- afrtfa wälzt, und fühlt sich enttäuscht, bis man erfährt, daß der Strom hier 2 0 Meter tief ist! Dicht oberhalb beginnen die „chutes", die allerdings keine Fälle sind, sondern nur Stromschnellen. Sie setzen sich eine lange Strecke stromaufwärts fort und haben eine Umgehungsbahn nötig gemacht, um den wiederum schiffbaren Teil vom Mittellauf des Kongo zu erreichen.
Unser „Hotel des Chutes" ist ein etwas geräuschvoller Aufenthalt. Zum Sunbown, ber Stunde gegen Sonnenuntergang, wenn die Luft anfängt, sich abzukühlen, kommt.ein Auto nach dem anderen gefahren, und die Leute von Stan, die es sich leisten können, eisgekühltes Bier zU 12 Francs die Flasche zu trinken, entsteigen ihren Wagen und setzen sich


