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Nr. 118 Erstes vlatt

188. Zahrgang

Samstag, 2l./$onnfag, 22. Mai 1938

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Mit Schußwaffe und blankem Säbel gegen Sudelendeulsche.

Empörende Llebergriffe ffchechischer Gendarmen.Große Erregung in der sudeiendeuischen Bevölkerung über das völlige Versagen der tschechischen Gicherheitsorgane.

präg, 20. Mai. (DJIB.) In der sudeiendeuischen Industriestadt L h o d a u bei Karlsbad kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Gendar­men und der deutschen Bevölkerung. Tschechische Gendarmen aus Lhodau hatten gestern zwei junge deutsche Turner verhaf­tet, weil sie deutsche Heimatlieder ge­sungen hatten. Eine Abordnung der deutschen Einwohnerschaft von Lhodau erschien heute morgen beim Gendarmeriekommando, um die Freilas­sung der beiden Turner zu erwirken. Die Abord­nung wurde von dem Gendarmen in brüsker Art zurückgewiesen.bedroht und zum Ver­lassen des Gebäudes gezwungen. Der Bevölkerung von Lhodau bemächtigte sich daraufhin eine un­geheure Erregung. Die tschechische Gendar­merie, die die Nerven völlig verloren hatte, ging mit Schußwaffe und gezogenem Sa­bel gegen deutsche S lraßenpassanten vor. Als ein Gendarm auf die Straßenpassanten zu schießen begann und auch die anderen Gendar­men ihre Gewehre und Revolver schußbereit mach­ten, erreichte die Erregung ihren Höhepunkt. Die Kaufleute von Lhodau schlossen entsetzt ihre Geschäfte und liehen die Rolläden her­unter. In den Betrieben wurde die Arbeit rin­ge stellt und es sammelten sich große Gruppen empörter Einwohner in den Straßen der rein deut­schen Stadt.

Die Terrorisierung der Einwohner von Lhodau durch tschechische Gendarmen löste auch in den Nachbarorten Neusattel und Falken- a u große Empörung aus. Die Bevölkerung schloß sich der Aktion der deutschen Einwohnerschaft von Lhodau an und legte die Arbeit nieder. Den Amtswaltern und Ordnern der Sudetendeut­schen Partei gelang es schließlich, durch Appell an die Disziplin der Sudetendeutschen die Menge zu beruhigen und zur Räumung der Straßen zu ver­anlassen. auf denen in den späten Abendstunden immer noch tschechische Gendarmen mit schußberei­ten Gewehren patrouillieren.

Brutaler Leberfall tschechischen Militärs.

Skandalöse Vorgänge in Komotau.

Prag, 21. Mai. (DNB.) Am Freitagnachmittag berief der Bezirkshauptmann von Komotau in Nordwestböhmen die Spitzen der Sicherheits­behörden und den Abgeordneten Nemetz der Sude- tendeutschen Partei in fein Amt, um angesichts der kritischen Stimmung unter der Bevölkerung alle Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu treffen. Bis 20.30 Uhr war alles voll­kommen ruhig. Plötzlich bemerkte man, wie aus den Seitengassen zahlreiches dienst- freies Militär auf den Marktplatz strömte. Wie auf ein Kommando stürzten sich plötzlich die Soldaten, ohne daß jemand von der deutschen Be­völkerung auch nur den geringsten Anlaß gegeben hätte, auf die Ahnungslosen und hieben mit den Fäusten und Bajonetten auf sie ein.

Abg. Nemetz ersuchte die Staatspolizei um Fest­stellung des Zugführers und seiner Komplicen. Trotzdem sah die Polizei zu, ohne ein- z u s ch r e i t e n , als die Soldaten den Abgeorde- ten Nemetz tätlich angingen. Zahlreiche Personen wurden verletzt in das Krankenhaus gebracht. Schließlich erschien ein großes Gendarmerie­aufgebot, das unter dem Kommando eines energisch eingreifenden Majors die Soldaten in die Kaserne trieb, wo sie zurückgehalten werden. Abg. Nemetz hat an den Prager Innenminister eine Drahtung gerichtet, in der er die grundlosen lieber» fälle auf die Bevölkerung durch Militär schildert und die sofortige Kasernierung des Militärs fordert.

Auch in Prag

schwere Ausschreitungen.

Prag, 20. Mai. (DNB.) Im Deutschen Haus in Prag fand am Donnerstagabend die zweite große öffentliche Wahlkundgebung der Sude­tendeutschen Partei statt, an der mehr als 4000 Per­sonen teilnahmen. Der Abgeordnete S a n d n e r befaßte sich mit dem Besuch Konrad Henleins in London. Er erklärte, daß man dort die Karlsbader Forderungen als Grundlage für die Ver­handlungen zwischen den Sudetendeutschen und den Tschechen betrachte. Die Sudetendeutsche Partei werde das Nationalitäten st atut ablehnen, wenn es nicht die Selbstverwaltung de jure und de facto bringe. Das Sudetendeutsch­tum könne heute keine Konzessionen mehr machen. Ein Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen könne nur Zustandekommen, wenn die Karlsbader Forderungen Konrad Henleins und die von der Sudetendeutschen Partei ausgearbeiteten Dolksschutzgesetzanträge angenommen wür­den.

Im Anschluß an die Wahlkundgebung kam es um Mitternacht zu schweren tschechischen Aus­schreitungen gegen Sudetendeutsche. Verschie­dentlich ging der Mob, von jüdisch aussehenden Per­sonen aufgehetzt, gegen Deutsche tätlich vor. Die Abgeordneten der Sudetendeutschen Partei Kundt und Neuwirth versuchten wiederholt, die Polizei zum Einschreiten zu veranlassen. Dabei kamen die Abgeordneten selbst in ernste Ge­fahr, sie wurden aus der Menge heraus tätlich angegriffen. Dem Landesausschußbeisitzer Keil wurden bei der Abfahrt die Fenster seines Kraft­wagens zertrümmert. Erst nach Eintreffen einer Polizeiverstärkung konnte der Moft abgedrängt wer­den. Gegen 2 Uhr nachts zogen 200 Anhänger der Tschechisch-Nationalen Vereinigung über den Araben zum Wenzelsplatz, wo sie aufreizende Sprechchöre, wieHenlein gehört nach Pan- kraz" (Prager Gefängnis) ausstießen. Beim Wen­zelsplatz stellte sich Polizei den Kundgebern entgegen und zerstreute sie zum Teil unter Anwendung des Gummiknüppels.

Prag, 20. Mai. (DNB.) Das Presseamt der Sudetendeutschen Partei teilt mit:Auf Grund der heute eingelaufenen Nachrichten über die antideut­schen Ausschreitungen in Prag, Brünn und einer Reihe sudetenoeut scher Städte ist heute vormittag der politische Ausschuß der Hauptleitung der Sudeten­deutschen Partei zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten. Die Vertreter der Organisations­gliederungen der Sudetendeutschen Partei berich­teten über die Lage im sudetendeutschen Siedlungs­gebiet. Die Zusammenfassung der Berichte ergibt, daß Sozial! st en. Kommuni st en und tschechische Elemente sich verbünden haben und das Sudetendeutschtum auf das Uner­hörteste provozieren und an greifen, so daß selbst Sicherheit und Leben des einzelnen Sudetendeutschen gefährdet sind. Im besonderen wurde Bericht erstattet über die Vorfälle nach den Wählerversammlungen der Sudetendeutschen Partei in Prag und Brünn. Es wurden Protokolle vorge­legt, die beweisen, daß eine aufgehetzte Menge in Prag und Brünn geradezu eine Menschenjagd auf Deutsche veranstaltet, daß die Sicherheitsorgane ihre Pflicht nicht erfüllt haben und es selbst parla­mentarischen Vertretern unmöglich gemacht wurde, sich der Angefallenen anzuneh­men. Ungehindert kann die Wahlpropaganda der Tschechen, Marxisten und der Kommunistischen Partei mit Hetzparolen gegen das Deutschtum, gegen die Sudetendeutsche Partei und Konrad Henlein agitieren. Unter st ützt wird diese Agita­tion nahezu von der gesamten tschechi­schen Presse, während es sudetendeutschen Zeitungen von der Zensur unmöglich ge­macht wird, Darstellungen über die Vorfälle und das Vorgehen der Sicherheitsorgane zu veröffent­lichen und den wahren Sachverhalt aufzuzeigen.

Der politische Ausschuß stellt fest, daß bereits nach den ersten Vorfällen der Ministerpräsident Dr. h o d z a von einer parlamentarischen Ab­ordnung der Sudetendeutschen Partei schriftlich und mündlich auf den Ern st der Lage und die gefährlichen Folgen einer plan­mäßigen Wühlarbeit gegen das Sude- tendeutschtum aufmerksam gemacht wurde, lleberdies sind die vor Monaten mit Ministerpräsident Dr. hodza geführten Be­sprechungen unter der Voraussetzung eingeteitd worden, daß seitens der Regierung und der staatlichen Behörden Maßnahmen ergriffen werden, die 1. die volle ftaafsburger- tiche Freiheit des Sudetendeutschtumes garantieren und 2. einen Zustand herbei führen, der es ermöglicht, daß die sudetendeutsche Ab­ordnung als Gleiche unter Gleichen die Verhandlungen beginnen. Demgegenüber stellt der polittsche Ausschuß fest, daß Regie­rung und Behörden diese Voraussetzungen nicht geschaffen haben. Er hat daher be­schlossen, dem Ministerpräsidenten Dr. hodza mitzuteilen, daß die Sudentendeutsche Partei nichtin der Lage wäre, die Besprechungen über das Nationalitätenstatut der Regierung aufzunehmen, solange die Ruhe und Ordnung im sudetendeutschen Gebiet und überall die primitivsten verfassungsmäßigen Rechte der Meinungs-, presse-, Versamm- tungs- und Koalitionsfreiheit des Sudeten- deutfchtums nicht garantiert find.

Alle Organisationsstellen, Amtswalter und Mit­glieder der Sudetendeutschen Partei werden noch­mals nachdrücklichst aufgefordert, unbedingt Kalt­blütigkeit zu bewahren. Der politische Ausschuß hält sich für verpflichtet, die verantwort­lichen Stellen darauf aufmerksam zu machen, daß

Oer Pittsburger Vertrag nacb der Tschechoslowakei unterwegs.

Warschau, 20. Mai. (Europapreß.) In War­schau weilt der tschechoslowakische Abgeordnete und Chefredakteur desSlovak", S i d o r , als Gast des polnischen Senators Gwizdz. Der Aufenthalt steht im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Empfang der slowakischen Delega­tion aus Nordamerika, die am 26. Mai i n Gdingen eintreffen wird und das Original des Pittsburger Vertrages mit sich führt. Der Pittsburger Vertrag, der im Mai 1918 zwischen Tschechen und Slowaken geschlossen wurde und den Slowaken die Auto no mie zusichert, wird von den Tschechen in seiner Gültigkeit hinsichtlich der slo­wakischen Autonomie angezweifelt. Die Slowaken sahen sich daher veranlaßt, das Original des Vertrages aus Amerika bdzubringen. Sidor wurde vom Außenminister Oberst Beck empfangen und stattete verschiedenen Parlamentariern Be­suche ab.

die Parteiführung nicht in der Lage ist, den ein­zelnen deutschen Volksgenossen abzuhalten, von dem Recht auf Notwehr Gebrauch zu machen, falls den gegen das Sudetendeutschtum gerichteten Provokationen kein Ende gesetzt wird."

Tschechische Hochschüler hetzen in Brünn.

Gendarmerie mutz mit aufgepflanztem Seitengewehr das Deutsche Haus schützen.

Prag, 20. Mai. (Europapreß.) Die Sudeten­deutsche Partei hatte Donnerstag in das Deutsche Haus in Brünn eine Versammlung aus Anlaß der bevorstehenden Gemeindewahlen einberufen, an der rund 3000 Personen teilnahmen. Während der Versammlung zog eine mehrtausendköpfige tschechische Menge vor das Gebäude und be­lagerte es. Als nach Schluß der Versammlung die Teilnehmer das Deutsche Haus verlassen wollten, durchbrachen die Tschechen die Poli­zeiabsperrung. Es kam zu Zusammenstößen, bei denen nach einer Mitteilung der Sudetendeut­schen Partei acht Personen deutscher Na­tion al i t ä t verletzt wurden. Auch wurde das Deutsche Haus mit Steinen beworfen. Erst nach Mitternacht konnte die Polizei, der eine Kom­panie Gendarmerie Hilfe leistete, die Straßen räu­men und den Versammlungsteilnehmern das ge­fahrlose Verlassen des Gebäudes ermöglichen.

Die Demonstrationen wurden auch am Freitag fortgesetzt. In den Mittagsstunden demon­strierten tschechische Hochschüler vor dem Deutschen Haus, wurden jedoch von der Polizei abgedrängt. Bei Fabrikschluß am Nachmit­tag kam es^zu weiteren Kundgebungen. Ein großes Polizeiaufgebot hatte das Deutsche Haus in wei­tem Bogen abgesperrt, auch die Zugänge zur inneren Stadt wurden durch berittene Polizei und patrouillierende Truppen verriegelt. Den Ton bei den Demonstrationen gaben die tschechischen nationalistischen Studenten an. Die tschechischen De­monstranten versuchten dann nach 20 Uhr neuer­dings gegen das Deutsche Haus anzustürmen, wur­den aber von der Polizei zurückgeworfen. In den wichtigsten Verkehrsstraßen steht Gendarmerie mit aufgepslanztem Seitengewehr.

Aktivität der bretonischen Autonomisten

Paris, 20. Mai. (Europapreß.) In Rennes, der alten bretonischen Hauptstadt, haben in der ver­gangenen Nacht, wieParis Soir" undJournal" melden, neuerdings bretonische Autonomisten die Aufmerksamkeit dadurch auf sich gelenkt, daß sie un­ter den Fenstern des Polizeikommissariats, das im Rathaus untergebracht ist, einen Sprengkörper zur Explosion brachten, jedoch weder Personen- noch Sachschaden verursachten. DerParis Soir" gibt der Vermutung Ausdruck, es handle sich um eine Warnungsbomb e", der vielleicht ernsthafte Kundgebungen folgen könnten. DasJournal" macht darauf aufmerksam, daß in Rennes, wo man zu­nächst glaubte, es handle sich um einen ernsthaften Bombenanschlag, die Erinnerung an den vor eini­gen Jahren erfolgten Sprengstoffanschlag gegen das zu Verherrlichung der Vereinigung der Bretagne mit Frankreich errichtete Denkmal noch sehr lebendig ist. DasJournal" bringt den Anschlag in Ver­bindung mit der neuen Aktivität bretonischer Auto- nornisten, die sich gegen den Präsidenten­besuch in St. Brielle richten soll, und die vor einigen Tagen zur Verhaftung von sechs Autono mi ft en führte.

Hsütschau.

Mehrere Monate hindurch sind die Nachrichten vorn ostasiatischen Kriegsschauplatz überaus spärlich und ungenau gewesen. Die Japaner hatten nach der Eroberung Schanghais und dem überraschenden Fall Nankings nicht, wie erwartet, den Vormarsch den Jangtsekiang aufwärts ins Innere Chinas fort­gesetzt, sondern sich das Ziel gesteckt, zunächst ihre südlich von Peking operierende Nordarmee mit der nordwestlich von Nanking stehengebliebenen Süd­armee zu vereinigen. Das bedeutete vorerst die Eroberung der Provinz Schantung, die zum größten Teil überraschend schnell gelang. Damit war eines der wirtschaftlich wertvollsten Gebiete Nordchinas mit der bedeutenden Hafenstadt Tsingtau in die Hände der Japaner gefallen. Die Chinesen hatten anscheinend mit einem längeren Widerstand ihrer Truppen gerechnet, jedenfalls wurde der Oberkom­mandierende von Schantung hingerichtet und der südchinesische General Li Tsungjen mit der Führung der chinesischen Truppen an der Nordftont betraut mit dem Erfolg, daß nun eine längere Gefechts- pause im Stellungskrieg den Chinesen erlaubte, ihre Provinzialtruppen, auf die sie sich nach Vernich­tung ihrer Elitearmeen bei Schanghai und Nan­king im wesentlichen stützen müssen, für den moder­nen Krieg notdürftig auszurüsten und auszubilden. Der chinesische Oberkommandierende Marschall Tschiangkaischek hat in dieser Zeit einen regel­rechten Bandenkrieg größerer chinesischer Frei- scharen entfesselt, die den japanischen Truppen durch überraschende Angriffe in Flanken und Rücken, durch Brückensprengungen und Bedrohung der Etappenstraßen schwer zu schaffen gemacht haben und den Marschall Zeit gewinnen ließen, während­dessen aus den Resten seiner bei Schanghai und Nanking schwer dezimierten Elitearmeen und den aus dem Innern Chinas und vor allem auch von Süden her herangezogenen Provinzialtruppen neue kampffähige Einheiten zu bilden. Mit diesen gelang es ihm denn auch, den von Norden her nach Überschreiten des Hoangho bei Tsinan wieder aufgenommenen Vormarsch der Japaner, der die Bereinigung der japanischen Nord- und Südfront an der Lunghai-Bahn zum Ziel hatte, vorerst zum Stehen zu bringen. Diese Vereinigung so lange wie möglich zu verhindern, mußte die strategische Auf­gabe Tschiangkaischeks sein.

In einem so weiträumigen, an modernen Ver­kehrswegen und -Mitteln so^ armen Gebiet wie Ost- asien ist der Besitz der wenigen Eisenbahnlinien für die Kriegführung von entscheidender Bedeutung. Daraus erklärt es sich, welche überragende Rolle die beiden großen von Norden nach Süden laufen­den Strecken PekingHasikau und TientsinNan­king in den operativen Plänen der Heerführer des chinesischen Krieges spielen, noch wichtiger ist die Lunghai-Bahn, die von dem schon in der Gebirgs­provinz Schensi am Weiho liegenden Singan über Honan und Kaifeng, zwischen denen sie die Nord- Südbahn PekingHankau schneidet, und dann wei­ter über Hsütschau, dem Kreuzungspunkt mit der anderen Nord-Südbahn TientsinNanking, dem alten Flußlauf des Hoangho folgend in der Pro­vinz Kiangsu an das Meer stößt. Von einem Eisen­bahnnetz im europäischen Sinne kann ja in Ost- afien keine Rede fein. Die Lunghaibahn ist tatsächlich in Mittelchina die einzige Strecke, die von der Küste ms Innere führt und daher als wichtigste Etappenstraße der chinesischen Truppen von aus­schlaggebender Bedeutung für die Kriegführung, die bei den ohnehin mit europäischen Maßstäben kaum vorstellbaren Schwierigkeiten bei der Beförderung des Nachschubs an Truppen, Kriegsmaterial und Verpflegung auf den Besitz dieser einzigen Schienen- ftrajje von Osten nach Westen und umgekehrt be» greulichen Wert legt. So mußte fast naturnotroenbig der Eisenbahnknotenpunkt Hsütschau das Ziel der japanischen Anstrengungen sein, Nord- und Süd­armee zu vereinigen, dadurch ganz Schantung von Mittelchina abzuriegeln und von der so hergestellten neuen zusammenhängenden Front als Basis aus den Vormarsch nach Westen und Südwesten aus auf Kaifeng und Hankau fortzusetzen. Tschiangkaischek an­derseits, dem nach dem weiteren Vorrücken der japa­nischen Nordarmee von Tsinan auf Ientsau an der TientsinNanking-Bahn und auf Tsining am Kai* serkanal alles darangelegen fein mußte, diese Ver­einigung der beiden japanischen Armeen, wenn er sie schon auf die Dauer nicht verhindern konnte, doch so lange wie möglich hinauszuzögern, hatte Hsütschau zum Hauptbollwerk seines Widerstandes gemacht, wobei er allerdings Gefahr lief, durch eine japanische Umfassungsbewegung westlich Hsütschaus von seiner natürlichen Rückzugsstraße abgeschnitten, womöglich sogar mit einem mehr ober minder gro­ßen Teil seines Heeres im Kessel von Hsütschau eingeschlossen zu werden. Zunächst bedrohte ein überraschend kräftig geführter chinesischer Gegenstoß die über Lintscheng, Hanschuang und Taiertschuang nach Süden vorrückende japanische Nordarmee in ihrer Flanke bei Tsining am Kaiserkanal. Wenn den Chinesen auch der Durchbruch nicht gelang, so haben sie sich doch länger als drei Monate hindurch in den Stellungen nördlich von Hsütschau halten können und damit eine Widerstandskraft entfaltet, die man den neu aufgestellten und wenn auch nicht zahlenmäßig, so doch an modernem Kriegsmaterial weit unterlegenen chinesischen Formationen nicht zu» getraut hatte.

Die Lage wurde allerdings für Tschiangkaischek kritisch, als die japanische Südarmee immer näher rückte und Hsütschau von Süden und Osten zu um­fassen drohte, während motorisierte Truppen der japanischen Nordarmee mit Hilfe von schnellen Panzerwagen, die in dem flachen Schwemmland des alten Hoangho-Bettes das ihnen gemäße Ge­lände fanden, in weitem Bogen nach Westen auf

Feststellungen der Sudetendeutschen Partei.

Ohne Garantieder nutze und Ordnung keine Diskussion des Nationalitätenstatuts