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Wie sieht es in derWittschastaus?

Die Ankündigung des* Generalfeldmarschalls Göring, daß im Zuge des großen Arbeitsbeschaf­fungsprogrammes für Oesterreich auch ein großer Donauhafen in Wien gebaut werde, ist so­fort in die Tat umgesetzt worden. Die Stadt Wien hat bereits die Planung des Hafens begonnen. Der Ausbau des Wiener Hafens würde aber nur eine unvollständige Maßnahme darstellen, wenn nicht gleichzeitig auch der gewaltige Plan des Rhein- Main-Donau-Kanals für den sich schon Goethe interessierte mit noch größerem Nach­druck als bisher gefördert würde. Die Bauplanung geht denn auch dahin, daß schon in den nächsten fünf Jahren der Donaulauf auf österreichischem Boden, und zwar zwischen Linz und Wien, voll­ständig reguliert und sür den Äerkehr von 1500- Tonnen-Schlffen befahrbar gemacht werden soll. Der beschleunigte Ausbau dieses Großschiffahrts­weges wird dann die Verbindung zwischen den Häfen an der Rheinmündung und dem Schwarzen Meer herstellen. Mit einer Gesamtlänge von 3300 Kilometer dürfte diese Wasserstraße der größte Bin­nenschiffahrtsweg der Wett sein.

Deutschlands handelspolitische Tätig­keit war auch im Jahre 1937 wieder recht um­fangreich. Eine Reihe von bestehenden Abkommen wurde verlängert, mehrere abgelaufene Abkommen durch neue ersetzt. Daneben war es vor allem das Ziel der deutschen Handelspolitik, mit den Ländern, mit denen noch keine vertragliche Regelung bestand, Abkommen abzuschließen. Am bedeutsamsten ist da­bei das am 1. Juli 1937 mit Frankreich ab­geschlossene Vertragswert. Damit wurde ein seit zwei Jahren bestehender vertragsloser Zustand be­endet. Außerdem kam am 30. September 1937 ein Handelsabkommen mit Neu-Seeland zu­stande, durch das eine vertragliche Regelung der Wirtschaftsbeziehungen auch mit diesem Staat er­reicht ist. Dagegen war es nicht möglich, mit dem australischen Bund zu einem Abschluß zu kommen. Wie auch mit den Vereinigten Staaten von Amerika noch keine befriedigende Regelung besteht. Auf dcvisenpolitischem Gebiet wurde erstrebt, mit verschiedenen Ländern zu so­genannten Zahlungsabkommen zu kom­men, bei denen die beiderseitigen Zahlungen i n Aardevisen erfolgen: so sind mit Syrien-Li­banon, Frankreich und Neu-Seeland derartige Ab­kommen abgeschlossen worden. Außerdem ist mit einer Reihe von Ländern über Verbesserung der bestehenden Verrechnungsabkommen mit Erfolg verhandelt worden, die wertvolle Arbeit der Regierunasausschüsse war erfolgreich und hat in starkem Maße zur Festigung und Vertiefung der deutschen Handels- und devisenpolitischen Beziehun­gen zum Auslande beigetragen.

Die Geschäftslage der Eisen- und Stahl­industrie war auch im März weiter unverän­dert gut. Durch die Kontingentsstichtage fielen, wie auch schon in den vergangenen Monaten, der größere Teil der Bestellungen auf die erste Monats- Hälfte. Wenn auch noch nicht alle Schwierigkeiten behoben find, so hat sich das Kontingentsoerfahren doch jetzt so weit eingespielt, daß die Klagen der Kundschaft weitgehend abgenommen haben. Bei be­friedigendem Versand der Werke war die Versor­gungslage nicht mehr so gespannt wie in den ver­gangenen Monaten. Die Geschäfte können sich ruhi­ger abwickeln. Die Erzeugung hielt sich in dem vor­gesehenen Rahmen. Am Auslandsmarkt zeigte sich bei einigen Erzeugnissen eine leichte Ge­schäftsbelebung. Unter anderem bei Roheisen, Form- und Stabstahl und leichtem Oberbauzeug. Bei manchen anderen Erzeugnissen blieb jedoch das Ausfuhrgeschäft weiterhin ausgesprochen still. Die Anfang März auf der Brüsseler Tagung von der Internationalen Rohstoffgemeinschaft eingeführten strengen Strafmaßnahmen scheinen ihre gute Wir­kung nicht zu verfehlen: denn nach den vorliegen­den Berichten werden zur Zeit durchweg die offi­ziellen Kartellpreise anstandslos bezahlt.

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Während in den letzten Monaten bei der Al­pinen Montangesellschaft ein unaufhalt­samer Rückgang der Erzeugung und der Zahl der Arbeiter und Angestellten zu verzeichnen war, ist mit dem 12. März ein deutlicher Wandel im Be- fchäftigungsstand eingetreten. Die Zahl der Be­schäftigten erhöhte sich in den wenigen Tagen be­reits um nicht weniger als 900 Mann. Der Stahl­werksbetrieb in Donawitz, bei dem die Martinöfen Anfang März gedrosselt werden muß­ten, konnte jetzt schon wieder zehn Martinöfen an­blasen und wird in Kürze mit zwölf Oefen seine volle Leistungsfähigkeit erreicht haben. Anfang März schien es noch völlig ausgeschlossen, den Eisen­erzer Hochofen weiter in Betrieb zu halten, da das Roheisen trotz aller Bemühungen nicht mehr ab­gesetzt werden konnte. Nunmehr ist nicht nur der Weiterbetrieb des dritten Hochofens gesichert, son­dern es wird sogar am 14. April noch ein vierter Hochofen angeblasen. Damit ist auch in der Roh­eisenerzeugung die volle Kapazität der Oesterreichi- schen Alpinen Montangesellschaft ausgenutzt, was seit neun Jahren (mit einer sehr kurzen Unter­brechung 1929) nicht mehr der Fall wär.

Für die großen Bauaufgaben, die die Z eil­st o f f i n d u st r i e im Rahmen des Vierjahres­planes zu bewältigen hat, bietet der größte Zell­stoffkonzern, die Zellstoff-Fabrik Wald- h o f A G., ein bemerkenswertes Beispiel. Die Gruppe hat im letzten Jahre etwa 22 Millionen Mk. aufgewandt für den Neubau und die Modernisie­rung von Fabriken. Besonders wichtige Arbeit in der Ersetzung bisher eingeführter Rohstoffe leistet diese Industrie vor allem dadurch, daß sie die ge­samte Erzeugung von Kunstfaserzellstoff auf Buchen­holz umstellt. Das ist technisch sehr wohl möglich, bietet aber wirtschaftlich gewisse Probleme dadurch, daß hierbei nicht wie bei der Fichtenholzverarbei­tung Sprit anfällt, der in der Ertragsrechnung eine Rolle spielt. Deshalb müssen hier noch gewisse Preisfragen geklärt werden. Es ist aber nicht daran zu zweifeln, daß demnächst eine für alle Be- teiligten tragbare Lösung gefunden wird.

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Die in der Öffentlichkeit wenig bekannte Tätig­keit der Großindustrie auf dem Gebiet der Woh­nungspflege geht mit besonderer Deutlichkeit aus dem letzten Geschäftsbericht der Vereinig­ten Stahlwerke hervor, in dem der Woh- nungsbestand der ihnen nahestehenden Wohnunqs- Unternehmungen und der Werke mit rund 62 700 Wohnungen angegeben wird. Der weitaus größte Teil dieser Wohnungen, rund 53 000 Wohnungen, entfällt auf die drei großen gemeinnützigen Wohn- stättengesellschaften: die Rheinische Wohnstätten AG., die Rheinisch-Westfälische Wohnstätten AG. und die Westfälische Wohnstätten AG. Man hat dem auf eine fast hundertjährige Tradition zurück­

blickenden Werkwohnungsbau der Ruhrindustrie stets mit Recht nachgerühmt, daß er, wenn auch ge­bunden durch den Zeitgeschmack, doch im Kern Niederschlag einer gesunden und soliden Baugesin­nung war. Hand in Hand mit der erhaltenden Tä­tigkeit geht eine aktive Neubautätigkeit, in deren Rahmen die drei gemeinnützigen Gesellschaften im letzten Geschäftsjahre 597 Mietwohnungen und 120 Kleinsiedlungen fertiggestellt haben und in das laufende Geschäftsjahr mit einem Vorhaben von 31000 Wohnungen eingetreten sind.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoiehverteilungsmarkt) in der Viehverfteige- rungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 5 Ochsen, 7 Bullen, 21 Kühe, 23 Färsen, 105 Kälber, 195 Schweine aufgetrieben.

An Preisen wurden erzielt: Ochsen 35 bis 43, Bullen 40 bis 42, Kühe 23 bis 41, Färsen 33 bis 43, Kälber 30 bis 58 Pf. je xk kg. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,11, Klasse b 1 (135 bis 149,5 kg) 1,09, Klasse b2 (120 bis 134,5 kg) 1,07, Klasse c (100 bis 119,5 kg) 1,03, Klasse df (unter 100 kg) 0,97, Klasse gl (fette Specksauen und Altschneider) 1,05, Klasse g 2 (andere Sauen und Eber) 1,01 Mark.

Marktoerlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt; Kälber lebhaft. Alles ausoerkauft.

Aktivierung der Sparpolitik.

Eine der eindrucksvollsten Begleiterscheinungen des Wirtschaftsaufschwungs feit der Machtüber­nahme ist das starke Anwachsen des Volkseinkom­mens. Man kann annehmen, daß im Jahre 1937 insgesamt ein Volkseinkommen von 68 Milliarden Mark erzielt worden ist gegen etwa 45,2 Milliarden 1932. Eine unmittelbare Folgeerscheinung des ge­stiegenen Volkseinkommens war auch ein starkes Anwachsen der Spartätigkeit. Wie der soeben ver­öffentlichte Rechenschaftsbericht des Deutschen Spar­kassen- und Giroverbandes ersehen läßt, sind seit dem Jahre 1933 bis Ende 1937 rund 4,6 Milliarden Mark allein bei den Sparkassen angesammelt wor­den. Rund 80 v. H. aller deutschen Spareinlagen, d. h. über 16 Milliarden Mark, werden heute bei den deutschen Sparkassen verwaltet. In diesen ge­waltigen Betrag teilen sich heute rund 35 Millionen Sparbücher, hiervon sind allein 27 Millionen in den letzten 14 Jahren neu errichtet worden. Was von der Gesamtheit der deutschen Sparkassen gilt, trifft auch auf die Bezirkssparkasse zu. Hier werden zur Zeit 23 426 306 Mark Spareinlagen auf 50 088 Sparkonten betreut. Der erwähnte Jahresbericht der deutschen Sparkassen weist mit Recht daraus hin, daß der Sparer und die Sparleistung im Pflichtenkreis und in der Rangordnung der natio­nalen Aufgaben sowie in der Bewertung durch die Oeffentlichkeit mehr und mehr in den Vordergrund treten. Das abgelaufene Jahr, das erste volle Jahr des zweiten Vierjahresplans, stand daher folge­richtig unter dem LeitgedankenAktivierung der Spartätigkeit".

Mein-Mainische Börse. rNillagsbörse gut behauptet.

Frankfurt a. M., 20. April. Jnfolgp des frü­heren Börsenbeginns setzte das Geschäft still ein. Es lagen nur wenig Aufträge vor, auch die Kulisse be­tätigte sich kaum.

Bei unverändert freundlicher Tendenz lagen die Aktienkurse überwiegend gut behauptet und vielfach auch um Bruchteile eines Prozentes höher. Zeitweise etwas größeres Geschäft hatten Rhein­metall mit 144,75 bis 145,25 (144,50), vergleichs­weise lebhaft waren ferner Verein. Stahl mit un­verändert 113, AEG. mit 127,25 (127), BMW. mit 159,65 (159,50) und Deutsche Erdöl mit 144,25 (144). Holzmann kamen nach der gestrigen Streichung heute mit 171,75 (zuletzt 166,25) zur Notiz. Stärker erhöht auf die Ausführungen in der Hauptversamm­lung waren Zellstoff Waldhof mit 152,25 (150,75). Jrn einzelnen notierten u. a. Reichsbank mit 198,50 (198,25), Lcchrneyer mit 136,25 (135,90), Berger Tief­bau mit unverändert 159,50, Demag mit unverändert 157,50, Daimler mit 148 (148,50), Mannesmann mit 121,25 (121,75), IG. Farben mit 160 (160,13), Rhein­stahl mit 150,50 (150,25) und nach Pause Eßlinger Maschinen mit 115,25 (116).

Am Rentenmarkt lagen Altbesitzanleihe 10 Pf. höher mit 132,80. Kommunal-Umschuldung hat­ten bei .unverändert 96,30 und 4 v. H. Rentenbank- Ablösung zu 94,75 bis 94,90 etwas Geschäft. Gold­pfandbriefe wurden größtenteils gestrichen und so­weit notiert zugeteilt. Liquidationswerte bröckelten meist 0,13 v. H. ab. Stadtanleihen und Kammunal- Obligatianen lagen unverändert.

Im Verlaufe ergaben sich teilweise noch leichte Erhöhungen bis etwa 0,50 v. H., die Umsätze blie­ben aber im ganzen gesehen bescheiden. Höher waren Rheinmetall mit 145,50 nach 144,75, BMW. mit 160 nach 159,65, Scheideanstatt mit 250,50 nach 250, Ad­lerwerke Kleyer mit 124,50 nach 124,40, Mannes­mann mit 121,50 nach 121,25 und Hoesch mit 117,25 nach 116,75. Van später notierten Werten gewan­nen Conti Gummi 1 v. H. auf 214, Westdeutsche Kaufhof 0,50 v. H. auf 105,50, Salzdetfurth 1 v. H. auf 170, andererseits gingen Goldschmidt auf 152 (152,50) und Licht und Kraft auf 145,75 (146,25) zurück. Am Einheitsmarkt waren verschiedene Brauereiaktien höher gesucht.

Im Freiverkehr schwächten sich Rastatter Waggon auf 58 (60) und Ufa auf 68 (68,75) ab. FMA. nannte man mit 170 bis 173, Dingler mit unverändert 96.

Die Abendbörfe vom Mittwoch fiel aus. frankfurter Getreidedörfe.

Frankfurt a. M., 20. April. Es notierten ((Betreibe je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W 13 210, W 16 213, W 19 217, W 20 219, Roggen R 12 192, R 15 195, R 18 199 R 19 201 Großhandelspreise der Mühlen der ge­nannten Preisgebiete. Futtergerste, Futterhafer . Weizenmehl Type 812 W 13 29.50, W 16 29.60, W 19 29.60, W 20 29.95, Roggenmehl Type 1150 R 12 22.45, R 15 22.80, R 18 23.30, R 19 23.50 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Weizenfuttermehl 13.60. Weizenkleie W13 10.75, W16 10.90, W 19 11.10, W20 11.20, Roggenkleie R 12 9.95, R15 10.15, R 18 10.40, R 19 10.50 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Soyaschrot, Palmkuchen, Erd­nußkuchen, Treber getr. 14.00 Höchstpreis ab Erzeugerstation, Trockenschnitzel, Heu (lose) 5.50, gebündelt, Weizen- und Roggenftroh, draht- gepreßt 3.30, gebündelt 3.00 Erzeugerhöchstpreis frei Erzeugerverladestation. Tendenz: ruhig.

frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 20. April Auftrieb: Kälber 591 (in der Vorwoche zusammen 1326), Hammel und Schafe 44 (124), Schweine 3970 (5043). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebend-

Ich Habs gewagt mit Ginnen!" 3u ttlrich von Huttens 450. Geburtstage am 21. April.

Don Walther Schwerdtfeger.

Um Wahrheit ich ficht. Niemand mich abricht. Es brech oder gang, Gotts Geist mich bezwang.

Auf den Treppenwangen des Berliner Luther- Denkmals fitzen Hutten und Sickingen als Pa­ladine der Reformation: so sah das ganze 19. Jahr­hundert Hutten, die Gervinus, D. F. Strauß und Conrad Ferdinand Meyer. Erst in der Nachkriegs­zeit hat sich das geändert. Neben Luther tritt Hut­ten als politischer Mensch. Die beiden gemeinsame Forderung der Unabhängigkeit von Rom ist eigent­lich nur das Kraftfeld, in dem zwei verschieden ge­richtete Ströme sich überschneiden.Ich stehe in der Menscheswelt", schrieb Hutten 1521 an Luther,Du

(Scherl-Bilderdienst-M.)

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aber lebst ganz in den göttlichen Dingen." Diese Menschenwelt aber ist Deutschland, das Reich.Hut­ten ist der erste große deutsche Nationalist." So hat ihn sein jüngster Biograph, Flake, gesehen, so ge­winnt sein Leben und Kämpfen Bedeutung für un­sere Zeit.

Auf der Burg Steckelberg imBuchenland" zwi­schen Spessart und der Hohen Rhön wurde Hutten geboren.Do ich eylss iar gewesen, haben mich mein vater und muter in den stisst Fulda, mit dem sür- satz, ich solt darinn verharren und eyn münich seyn, gethan." Damit war ihm die Laufbahn zu hohen kirchlichen Würden eröffnet, denn die Fuldaer Bene­diktiner gehörten zu jenen feudalen Orden, von denen Erasmus sagte, sie würden selbst Christus nicht ohne Dispens ausgenommen haben. Aber mit siebzehn verläßt er das Kloster, ohne Profeß getan zu haben. Alsadelricus hotten" ist er 1505 in die Kölner Universitätsmatrikel eingetragen. Wir wis­sen wenig von den folgenden Jahren. Als wandern­der Scholar kommt er bis Greifswald: hungernd, zerlumpt,servilia carmina schreibend, den Körper voller Geschwüre. Dann wandert er über Böhmen und Wien nach Italien. Ein schmächtiger, kleiner Mann mit großer Nase und strähnig blondem Haar ist es, den wir in den lombardischen Städten frö­stelnd finden. Immer entschiedener wendet er sich weg von dem geruhsamen Leben der Humanisten. Wir treffen Begriffe wie: Kaiser, Papst und Reich in seinen Schriften. Er wird Politiker. Schon seine Mahnrede" an Maximilian wegen des bevor­stehenden Türkenkrieges zeigt, daß er das deutsche Grundübel deutlich erkannt hat: die Zersplitterung der Kräfte, der Mangel einer zentralen Gewalt, durch den der Kaiser zum Schemen wurde. Die deutsch-feindliche Politik der Kurie, die schamlose Ausbeutung mit Hilfe des Aemterschachers, machten Hutten zum Gegner des Pavstes. Aus nationalen und sozialen Gründen erwächst diese Gegnerschaft, nicht aus religiösen, dogmatischen.O Rom, du bist das gemein Schauhaus der ganzen Christenheit, darinnen mitten sitzt der unersättlich Geizwurm, der viel verschlingt, umgeben von seinen Mitfressern, die uns erstlich unser Blut ausgesogen, danach vom Fleisch gefressen, bis sie uns jetzo, ach Christi Herr, an das Mark kommen."

Die Bulle gegen Luther erwähnt unter feinen Gefährten auch Hutten. Aber Ketzer in dem Sinne, daß er Glaubenssätze der Kirche geleugnet hätte, ist .fiutten nie gewesen: auch später nicht, als er der Klerisei entgegenschleuderte:Brennen sollen die

Schurken, brennen, und wenn ich mitverbrennen müßte!" Wenn er alsAufwecker der Nation" Clag und vormanung gegen den übermäßigen, un­christlichen gemalt des Bapsts zu Rom und der ungeistlichen Geistlichen" führt, gilt das stets dem weltlichen Treiben.

1515 kehrt er nach Deutschland zurück, ohne Titel und akademische Würden, ein verlorener Sohn. An Pirkheimer, den Nürnberger Humanisten, schrieb er über diese Vagantenjahre:Viel sah ich in ihnen, viel lernte ich kennen, nichts tat ich, nichts vollbrachte ich: zu leben beginnen muß ich. Das Vorspiel nur waren sie." Es ist jener berühmte Brief, der mit dem Ausruf schließt:O Jahrhundert! O Wissenschast! E s i st eine Lust zu leben!"

Aus demNemo, dem Niemand, wurde ein Mann von Ruf, dem der Kaiser mit dem Iichter- lorbeer frönte. Als Mitarbeiter an denB r i e f^e n d e r Dunkelmänner" und Verfasser von R e u ch l i n s Triumph" steht er noch ganz im Banne des Humanismus. Bald aber wird aus dem Hutten der Polemiker, der Vorkämpfer deutscher Ein­heit.Wenn es einen gibt, der die deutsche Freiheit so vernichtet wünscht, daß wir gegen kein Unrecht, keine Schmach Einspruch erheben dürfen, möge er zusehen, daß die geknebelte und fast erwürgte Frei­heit nicht plötzlich ausbricht und sich zu ihrem Recht verhilft." Diese Freiheit besteht in Unab­hängigkeit. Es ist fein Zufall, daß sich in Huttens Hinterlassenschaft ein Arminius-Dialog be­fand.

Der Politiker, der tief ins Volk wirken will, kann sich nicht des Latains bedienen. Hutten beginnt deutsch zu schreiben.

Latein ich vor geschrieben hab. Das war eim jeden nit bekannt. Jetzt schrei ich an das Vaterland Teutsch Nation in ihrer Sprach. ' Es ist eine Sprache, die an volkstümlicher Kraft der Luthers nicht nachsteht; ein Geschenk der Wanderjahre mit ihren Landstraßen, Herbergen, Bursen, Wirtshäusern und Badstuben.

Als dann Karl V., der spanische Jüngling, Huttens nationale Hoffnungen enttäuscht, der Reichstag zu Worms Luthers Verfolgung beschließt, schickt Hutten dem Kaiser seine Absage. An Luther schreibt er: Rächen wir die gemeinsame Freiheit, befreien wir das lange unterdrückte Vcrterland!" Aber er geht nicht nach Kursachsen, reiht sich nicht in die Fronde ein. Er reitet zu Sickingen, von dem er die poli­tische Wiedergeburt Deutschlands erhofft.Er hat , den Luter gantz in sich getruntfen", schreibt er von diesem. Sickingen öffnet dem Gebannten seine Burgen,Herbergen der Gerechtigkeit". Hofdienst in Mainz und kaiserliche Gnaden hat er gelassen, um seiner Sache zu dienen.

Ich Habs gewagt mit sinnen Und trag des noch fain rew Mag ich nit dran gewinnen Noch muß man spüren trero ... Ein leidenschaftlicher Einzelgänger, nimmt Ulrich von Hutten mit den Mitteln einer versinkenden Epoche den Kampf gegen eine übermächtige Institu­tion auf. Der Pfaffenkrieg beginnt.

Auff, landsknecht gut, Und reutters mut, Last Hutten nit verderben!

Seine Knechte schlagen Fehdebriefe an die Kirchen­türen. Der Nuntius Aleander berichtet dem Papst, er müsse auf den deutschen Straßen einen Ueberfall des Miniaturräubers Hutten fürchten. Cajetan spricht von Huttensmohammedanischen An­schlägen".

Der Spuk geht zu Ende. An einem Tage stürzen die Quabermauern von Sickingens Feste unter dem Steinhagel der Belagerer zusammen. Der Kondot- tiere stirbt als Gefangener. Hutten flüchtet in die Schweiz.

Der Pfarrer von Groß-Münster in Zürich, Huld­seich Zwingli, verschafft dem Fünfunddreißig- lährigen eine Zuflucht auf der Ufnau im Züricher See, feine letzte.

Von warheit ich wil nyemer Ian, das sol mir bitten ab fein man, auch schafft zu stillen mich fein wer, fein bann, fein acht, wie vast und feer man mich barmit zu schrecken meynt, wiewol mein fromme Mutter meynt, do ich bie fach halt gfangen an.

Gott wäll sye trösten, es muß gan, unb sott es brechen auch norm end.

Ich Habs gewagt. Ulrich von Hutten.

gewicht in RM.: Kälber a) 62 bis 65 (60 bis 65), b) 53 bis 59 (52 bis 59), c) 41 bis 50 (44 bis 50), d) 35 bis 40 (34 bis 40). Hämmel b2) 46 bis 48 (46 bis 52), c) 42 bis 45 (43 bis 45), d) 35 bis 40 (38 bis 40). Schafe a) 34 bis 42 (), b) 31 bis 32 (). Schweine a) 56.50 (56.50), bl) 55.50 (55.50), b2) 54.50 (54.50), c) 52.50 (52.50), d) 49.50 (49.50). Sauen gl) 53.50 (53.50), g2) 51.50 (51.50). Markt­verlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittel.

Frankfurt a. M., 21. April. (Vvrbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 925 Rinder (170 Ochsen, 146 Bullen, 449 Kühe, 160 Färsen), 355 Kälber, 33 Hämmel, 23 Schafe, 186 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 34 bis 45 Mark, Bullen 30 bis 43, Kühe 20 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 35 bis 44, Kälber 35 bis 65, Hämmel 35 bis 50, Schafe 30 bis 42, Schweine 49,50 bis 56,50 Mark. Marktverkauf: Rinder, Kälber, Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittelmäßig.

Bücheriisch.

Hessen-Nassauisches Volkswor - terbuch. Bearb. v. L. Berthold. 10. Lieferung. Marburg, Elwert 1937. (591.) Die neue Lie­ferung des Hessen-Nassauischen Volkswörterbuchs führt von pfakhen bis pitteln. Sie enthält damit die wichtigen Sippen Pfanne, Pfarrer (mit Karte Pfarrer / Pärrner / Pastor), Pfeffer / Pfeife, Pferd (mit Karte Pferdestall / Gäulsstatt, wie die vorige für einen Teil des Wörterbuchgebiets), Pet­ter, petzen (mit Karte petzen / kneifen für das Ge­samtgebiet), Pfingsten, Pflug u. a. Der Grundsatz des Wörterbuchs, die Stichworte in verhochdeutsch­ter Form zu bringen, mußte sich hier so auswirten. daß abweichend von der Mundart viele Stichworte mit dem Anlaut pl- erscheinen; wenn diese Wörter zugleich der Hochsprache nicht geläufig sind, so er­scheinen etwas fremdartige Gebilde wie Pfärrner, pfetzen und Pfetzkuchen, Pfetter u. a. Aber im In­teresse der Einheitlichkeit muß sich der Benutzer an

diese Formen gewöhnen. Volkskundlich Wertvolles bieten vor allem die Pfingft-Artikel, also Pfingst- bäum, -born, -katze, -kuh, -mai, -männchen (mit Bild) und -ochse.

Friedrich Maurer, Freiburg i. Br.

Name und Sage vom Simsonsgrab bei Lauterbach und Maar. Eine alte Volks­erinnerung an den Wendenkönig Samo. Heimat­geschichtliche Monographie von Heinrich Zinn, emer. Pfarrer, Darmstadt. 161 Seiten. Gedruckt von Friedrich Ehrenklau, Lauterbach (Hessen), Selbstverlag des Verfassers, 1937. (1.) Wir haben vor kurzem in der »,Heimat im Bild" eine eingehende Darstellung des geheimnisreichen Sim- sonsarabes bei Lauterbach gebracht, wie sie sich aus den Ausgrabungen und Bodenfunden ergab. Pfar­rer Zinn faßt in der vorliegenden Monographie seine jahrelangen Bemühungen um eine geschicht­liche Erforschung des Grabes in der Erkenntnis zusammen,daß in dem sagenhaften König Simson sich eine Volkserinnerung an einen wirklichen König Samo lebendig erhalten hat und, daß dieser Samo kein geringerer ist als der in der Geschichte be­kannteWendenkönig" Samo, der im 2. Quartal des 7. Jahrhunderts nach Christus sich einen gro­ßen Namen machte durch die Befreiung der Winifi (Wenden") vom Joch der Awaren und durch sei­nen Sieg über den Frankenkönig Dagobert I...." Diese Erkenntnis historisch zu begründen, war die Ausgabe der Monographie: sie behandelt im ersten Teil alte Lauterbacher und Maarer Volkssagen vom Simsonsgrab, im zweiten das Rätsel des Namens Simsan", im weitaus umfangreichsten, letzten, die Beziehungen eines historischen Königs Samo zu Maar und Lauterbach, wobei sich der Verfasser u. a. scharf gegen die tschechische Auffassung wendet, die ohne historisch einleuchtende Begründung Samo als einen angeblichen Slawen für sich in Anspruch nahm. Die Darstellung wird im Nachwort durch einen Bericht über Grabungen am Simsonsgrab mit erfreulichem Ergebnis, ferner durch Aufnahmen vom Grab und etlichen Bodenfunden in wünschens­werter Weise ergänzt. Hans ThyrioL