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Die Vereidigungsfeier in Gießen.

Zu einer eindrucksvollen Feier gestaltete sich am gestrigen Abend die Vereidigung der Politischen Leiter, Walter und Warte, die für den alten Kreis Gießen im Cafe Leib stattfand. Schon lange vor Beginn der Feierstunde war der geschmückte Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit der Fahnen- abtellung, die Kreisausbilder Dr. Kopp anfuhrte, betrat zugleich Kreisleiter Backhaus den Saal. Nachdem Pg. Gräf dem Kreisleiter Meldung er­stattet hatte, machte

Kreisleiter Backhaus

die zu vereidiaenden Volksgenossen und Vol(sge- nossinnen auf die Bedeutung und den Ernst dieser Stunde, da sie den Treuschwur auf den Führer ab­zulegen haben, aufmerksam.

Wenn wir zurückschauen auf die Zeiten des Kampfes und nach der Machtübernahme, so führte der Kreisleiter weiter aus, dann erscheint es uns wie ein Wunder, daß wir seit einigen Wochen das Groß deutsche Reich haben. Es erscheint uns wie ein Wunder, daß der Führer die Arbeitslosig­keit beseitigt, den Versailler Vertrag vernichtet, die Wehrhoheit wieder eingeführt, das Rheinland in die Souveränität des Reiches zurückgeführt und nun auch das Großdeutfche Reich geschaffen hat. Alle, die mitgeholfen haben an dem großen Werk, kön­nen mit Stolz und Freude zurückblicken auf diese Zeit. Für sie bedeutet der Geburtstag des Führers einen besonderen Anlaß, zurückzuschauen auf eine Zeit, in der sie nicht untätig waren, in der sie durch ihre Mitarbeit und dadurch, daß sie hinter dem Führer standen, mktgeholfen haben, ein so großes Werk zu vollbringen.

NamenUich für die alten Parteigenosien ist es etwas Wundervolles, heute auf die Jahre des

Kampfes zurückzublicken. Sie wisien sich zu er­innern, daß es nicht so einfach war, vor der Macht­übernahme sich zum Führer zu bekennen. Gar man­cher hat damals seine Stellung verloren und hat Opfer materieller und ideeller Art bringen müssen. Diesen Kämpfern müssen wir Anerkennung zollen und ihnen danken für die Arbeit, die sie für uns geleistet haben.

In einem Rückblick auf die fünf Jcchre die nun seit der Machtübernahme verstrichen sind, schilderte der Kreisleiter, wie der Führer immer wieder vor das Volk getreten ist und was er für sein Volk alles geleistet hat. Dann wandte er sich an die zu Verpflichtenden, die diesem Manne jetzt ihr Treue­gelöbnis ablegen wollen. Er gedachte der Arbeit, die sie in der Partei oder in deren Gliederungen getan, und der materiellen und ideellen Opfer, die sie bereits für den Führer und die Bewegung ge­bracht haben. Dafür sowie für die Bereitschaft, mit­zuarbeiten für unseren Führer Adolf Hitler, dankte der Kreisleiter diesen Volksgenossen und Volks- genofsinnen besonders. Schließlich erinnerte er sie an die Heiligkeit dieses Eides.

Zum Schluß appellierte der Kreisleiter an die Bereitschaft jedes einzelnen, bis zum letzten Atem­zuge alles zu tun, um das Großdeutfche Reich zu stützen und seinem Volke zu helfen und mitzu- arbeiten, damit Deutschland ewig lebe!

Hierauf wurde die Münchener Feierstunde über­tragen, und als der Stellvertreter des Führers, Ruoolf Heß, die Eidesformel oorsprach, lag auch über der Versammlung im Cafe Leib feierlicher Ernst, und die Politischen Leiter, die Walter und Warte bekräftigten ihren Treueschwur durch den Gruß an den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Mit dem Kampflied der Bewegung klang die Feierstunde aus.

Kreisleiter Backhaus bei den Ortsgruppen.

Im Anschluß an die Vereidigungsfeier suchte Kreisleiter Backhaus die Ortsgruppe Gießen- Nord auf, die imAquarium" den Geburtstag des Führers beging. Musikalische Darbietungen ver­schönten den Abend.

Ortsgruppenleiter Thomas begrüßte den Kreisleiter. Hierauf sprach der Gauredner, Kreis­leiter z. b. V. Bull mann über die Bedeutung des Führers für unser Volk. Er machte verständlich, daß, so wie bei den alten Parteigenossen von früher, auch das deutsche Volk von heute keine Zeit zum Feiern habe, sondern daß im gleichen Geiste wie früher das Wort gelte:Bmdet den Helm fester!" So wie früher nach kleinen Kampf­abschnitten und ersten Erfolgen, so stehen auch heute dem deutschen Volke immer neue Aufgaben bevor. Nationalsozialisten seien Kämpfer. Pg. Bull- mann schilderte dann anschaulich, wie auch der Führer sich keine Ruhe gönne und auch an seinem Geburtstage für fein Volk tätig sei. In seinen Schilderungen aus der Kampfzeit machte er den fanatischen Willen und den tiefen Glauben der alten Kämpfer verständlich, die niemals fragten, sondern bedenkenlos dem Befehl des Führers gehorchten.

Kreisleiter Backhaus, der vor allem die, per­sönliche und kameradschaftliche Fühlung mit seinen Ortsgruppen und den Volksgenossen vertiefen will, führte aus, wie er im Winter erst einmal die Orts­gruppen des Landes besuchte und nun im Sommer sich denen der Städte zuwenden wolle. Er sprach dann von Erinnerungen aus seinem früheren Ar­beitsgebiet und betonte, daß alles Leben sich im Rahmen der Partei abzufpielen habe. Alle Glieds- rungen und angeschlossenen Verbände müßten sich nach den Anordnungen der Partei ausrichten, wenn wir zu Erfolgen kommen wollten. Dor diese Not­wendigkeit seien auch Wirtschaft und Behörden gestellt. Der Kreisleiter schilderte weiter die Not­wendigkeit der Arbeit der Partei, die nie erlahmen dürfe, damit das Volk im Dienste an der Allgemein- heit nicht erlahmt.

Im Anschluß an den Besuch bei der Ortsgruppe Nord nahm Kreisleiter Backhaus noch am Kameradschaftsabend der Ortsgruppe Süd

im ,Hopseld" teil, wo er von Ortsgruppenleiter Grahlmann herzlich willkommen geheißen wurde. In persönlicher Aussprache frischte der Kreisleiter Erinnerungen aus der Kampfzeit auf und besprach einige Fragen der Kleinarbeit in der Ortsgruppe mit dem Ziele, auch im Bereich der Ortsgruppe Süd alles Leben auf die Partei auszurichten. Auch hier kam der Wunsch zum Ausdruck, daß der Kreis- leiter bald einmal vor der Ortsgruppe Süd, die besonders stark angewachsen ist, sprechen möge.

Ernennungen im BDM.-Obergau.

Zum 20. April, dem Geburtstag des Führers, wur­den im Obergau Hessen-Nassau ernannt: die Führe- rih des Untergaues 253, Elise Daab, zur Gau- führerin; die Führerin des Untergaues 254, Edith Kreidel, zur Untergauführerin; die Führerin des Untergaues 116 Gießen, Käthe Pfeffer, zur Untergauführerin; die Führerin des Jungmädel- Untergaues 249, Odenwald, Hanna Keidel, zur Jungmädel-Untergauführerin; die Leiterin der Abtei- lung Kultur im Obergau, Annemarie K a p p e l, zur Jungmädel-Untergauführerin, und die Leiterin der Abteilung Wandern, Lydia Edelmann, zur Mä­del ringf uh rerin.

Beförderungen im 71SKK

NSG. Zum Geburtstag des Führers wurden im NSKK. mehrere Beförderungen vorgenommen. Im Stab der Motorobergruppe West wurde Staffelfüh­rer Fritz v. Falkenhayn zum Oberstaffelführer ernannt Ferner wurden im Bereich der Motor­gruppe Hessen befördert: Zum Oberstaffelführer Staffelführer Paul K r u t s ch II/M 49 Bad Hom­burg, zum Staffelführer Sturmhauptführer Robert S ch a e f e.r I/M 47 Kassel, zum Obersturmführer, Sturmführer Karl Anspach II/M 146 Offenbach und Sturmführer Oskar Weil 12/M 49 Frank­furt a. M., zum Sturmführer: Sportleiter der Mo­torgruppe Hessen, Obertruppführer Arthur Kies­ling, Stab Motorgruppe Hessen.

Aus der Stadt Gießen.

Gktmlonfang.

Der Tag des Eintritts in die Schule ist be­deutungsvoll für Eltern und Kinder, denn es be­ginnt nun ein neuer Abschnitt im Leben der Kleinen. Zu keiner Zeit wird soviel Interesse für die Schule gezeigt als in diesen Tagen, an/ denen die Kinder zum erstenmal mit dem Ranzen zur Schule wan­dern. Eltern und Kinder sind mit ganzem Herzen dabei, und die Schule steht im Mittelpunkt des Ge­spräches. Das ist ja auch Lanz natürlich.

Freilich tauchen auch bange Fragen auf, be­sonders wenn die Mutter besorgt ist um ihrEin­ziges". Wird es auch gern mit den andern Kindern zusammen sein, wird es lernen und dem Unterricht folgen können? Diese Besorgnisse sind unbegründet Die Schule von heute ist eine Fortsetzung des kind­lichen Lebens von zu Hause und von der Straße. Man spricht ja heute nicht mehr von den Pflichten des Kindes, sondern von seinen Rechten. Der Ar­beitsschulgedanke, der Gedanke der Selbstverant­wortung des Kindes, die Berücksichtigung der Be­gabung ufm.: dies alles ist ja heute selbstverständ­lich geworden. Das starre System der Abrichtung ist verschwunden, man verlangt nicht mehr, daß die Kleinen stundenlang stillesitzen müssen. Man ge­währt ihnen Freiheit. Sie können sich in vielen Spiel- und Turnstunden tummeln und empfinden kaum etwas von Zwang.

Ganz langsam, Schritt für Schritt, werden sie eingegliedert in die große Gemeinschaft, die die Schule umfaßt. Nach und nach lösen sich die Kinder von der sorglichen Hand der Mutter und kommen in die etwas strengere des Lehrers. Und dieser weiß genau, wie er die Kindlein anzufassen hat. Ihm sind ja 40 oder mehr Kinder unterstellt, und er wird mit Liebe über sie wachen, wenn auch die Mutter oft meint, das Regiment der Schule sei allzu streng. Aber es ist doch auch gut, wenn die kleinen Kerlchen schon frühzeitig spüren, daß außer ihnen noch andere Menschen auf der Welt (eben. Sie lernen sich einordnen in eine größere Gemein­schaft, und das ist wohl der sichtbarste und zugleich der erzieherischste Einfluß der Schule. Kamerad­schaft und Unterordnung verlangt das Leben von uns, und die Schule macht hier den Anfang.

Für das Leben soll die Schule vorbereiten. Und durchs Leben kommen am ersten die frohen Men­schen, wenn sie zugleich auch tüchttg sind. Darum vereinigen sich in diesen Tagen Elternhaus und Schule. Beide wünschen, daß die Kinder zu frohen und tüchttgen Menschen herangezogen werden.

Und wenn man in diesen ersten Frühlingstagen die kleinen Abcschützen ihren neuen Weg dahin­wandern sieht, stolz auf ihren Ranzen und ihre Bücher, dann lacht man ihnen noch einmal, so gern zu und wünscht ihnen alles Gute für ihren neuen Lebensabschnitt. v

Unsere Hoffnung gehört ja nun einmal der Jugend, und in diesen Tagen besonders den Schul- rekruten. Deshalb gilt ihnen dieser besondere Gruß.

H.

HMVMWWMM

VS.GemeinschaftKraft durch Freude-.

Montag, den 25. April, im Lass Leib:

Oeffentlicher Vortrag des Staatsministers Professor Dr. Schmitthenner

Wehrhaftigkeit und Weltanschauung-.

Eintritt 30 Pf. 2718D

Samstag, den 23. April, im Sladttheater Gießen: Clivia-

Operette in 3 Akten von Rico Dostal.

Eintrittspreise 1, und 1,20 RM. 26971)

Fußball-Länderkampf Deutschland Portugal. Omnibusfahrpreis einschließlich Eintritt zum Länder­kampf 5, RM. Kartenverkaufsstelle Sellersweg 60.

Vornotizea.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweo:Viktor und Viktoria"'. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Rätsel um Beate".

Ein Achtzigjähriger.

Am morgigen 22. April vollendet Herr Friedrich Wilhelm Heimer, Wilhelmstraße 7 dahier, in voller geistiger und körperlicher Frische sein acht­zigstes Lebensjahr. Er wurde im Jahre 1858 in Schwäbisch-Hall als Sohn eines Kauf­manns geboren, verlebte feine Schulzeit in Lud­wigsburg, kam dann in die kaufmännische Lehre in Heilbronn a. N. und bildete sich später in einer

Kaufmann Heimer. (Aufnahme: Uhl.)

Eisengroßhandelsfirma in Frankfurt a. M. aus, bis er im Jahre 1889 in Gießen die Eisengroß» Handelsfirma Fr. Heimer 8z Co. gründete, als de-' ren Seniorchef er somit im kommenden Jahre das 50jährige Geschäftsjubiläum begehen kann.

Herr Heimer ist ein Mann von aufrichtigem, freundlichem, zuverlässigem Charakter. Eigenschaf­ten, die neben seiner kaufmännischen und geschäft­lichen Tüchtigkeit die Justizverwaltung veranlaßten, ihn Aum Handelsrichter am Landgericht Gießen zu berufen. Dieses Amt bekleidet er bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Als eifriger Wanderer begründete er einst mit die Sektton Oberhessen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, jetzt Deutschen Alpenvereins, dessen Ehrenmitglied ter ist. Bei sei­ner Rüstigkeit nimmt der alte Herr, noch heute ein eifriger Besucher des Schiffenbergs und guter Ge­sellschafter, als guter Patriot an allen Geschehnissen des öffentlichen Lebens regen Anteil. Hängt er mit feinem Herzen auch noch ganz an feiner schönen schwäbischen Heimat, so ist er doch ein guter Gieße­ner Bürger und Oberhesse geworden, der sich hier besten Ansehens erfreut und zahlreiche gute Freunde erworben hat.

Beförderung

zum Gchutzpoiizejinspektor.

Der Polizei-Obermeister Heinrich Wolf vom Kommando der Schutzpolizei Gießen wurde gemäß Urkunde des Reichs- und preußischen Ministers des Innern vom 20. April 1938 zum Schutzpolizei­inspektor ernannt. Schutzpolizeiinspektor Wolf war über 25 Jahre bei der Polizeidirektton Gießen tätig und ist ab 1. April 1938 vom Herrn Reichs-

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Gestenberger.

Copyright by Carl Duncfer Verlag, ^Berlin W 35.

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Mach's gut, Marga! Amüsier dich gut, aber per- lieb dich nicht! Darunter würde das Geschäft nur leiden. Außerdem ist das keine Erholung. Und ... und ...

Ihre Hände ruhen noch ineinander.

Und ...?"

Bredas Augen gleiten an der gegenüberliegenden Häuserreihe entlang:

Ach, ich wollte nur sagen ... Na, laß es schon gut fein. Hau ab, Mädchen."

Aber Marga ist kindlich neugierig. Sie denkt gar nicht daran, abzufahren. Erst muß Jupp reden. Er hat doch was auf dem Herzen. Da farm sie doch unmöglich abfahren, ohne zu wissen, um was es sich handelt.

Na, Jupp, was denn? Na sag's schon!"

Breda wird immer verlegener, zumal, da ihre Hände immer noch ineinander liegen.

Ich wollte nur sagen, daß ich ... daß ich ... wenn du wiederkommst, daß du dich dann hoffent­lich 'n klein bißchen weniger unpersönlich zu mir einftellst. Ich bin nämlich ein Mann, veiftteyste."

Marga Montwill spielt ungeheures Erstaunen: Aaach, du bist 'n Mann? Teufel, Teufel! Na so was! Du, das ist mir vollständig entgangen. Wahr­haftig. Zwei Jahre lang ist mir das vollständig entgangen. Dumm, nicht? Tja, was machen wir denn da?"

Breda zieht ärgerlich und doch lachend seine Hand aus der ihren:Quatsch doch nicht so blöd, Marga. Was ich da sagen wollte, war ganz ernst gemeint. Und du bist ein elender Feigling. Ja. Weil du dich immer, wenn's brenzlig wird, hinter solche alberne Ironie verschanzt. Aber schön. Ich versteh' schon. Und also Schwamm drüber! Ich habe nichts gesagt. Ich wünsche der Gnädigen bloß herzlichst eine an­genehme Reife."

Danfe, guter Jupp. Danke." Sie lächelt, aber durch das glänzende Braun ihrer Augen schwebt wolkenhaft zart für Sekunden ein Schatten von Traurigkeit.

Breda tritt einen Schritt zurück, Marga nickt ihm noch einmal zu, bann macht sie sich im Wagen zu schäften. Er sieht nur noch ihr Profil, die gerade Nase unter dem schiefen Hütchen, die braune, nie

gebändigte Haarsträhne, das großgeformte Kinn unter der sparsamen Wölbung des Mundes. Leise beginnt der Wagen zu summen, jetzt schwingt der Winker heraus, und Breda macht ein Zeichen, daß die Bahn frei ist. Unter Margas Händen dreht sich leise das Steuer, Tapsy macht sich's befriebigt be­quem da, nun fahren sie. Noch ein Gruß mit der Hand, hinüber und herüber, noch ein Lächeln, ein Blick: Guter, alter Jupp... und bas nette schwarze Auto verschwindet imx vorbeischießenden Strom der anderen. Weg! Aus!

Langsam geht Breda ins Geschäft zurück. Lang­sam schließt er die Tür, langsam sieht er sich in dem großen, vollgestellten Raum um. So. Was nun als erstes?

Er bleibt stehen, reibt die Hände gegeneinander, bemüht sich um Sammlung. Aber so schnell geht bas nicht. Wie lang wirb sie denn wohl wegbleioen, die Marga? Und nicht einmal gefragt hat er, in welcher Richtung sie fährt. Aber famoses Wetter hat sie, das mutz man sagen. Und nett sah sie aus. So nett! Na, mehr als acht Tage wird sie kaum wegbleiben. Oder doch?

Er nimmt seine Hände auseinander und stopft sie ärgerlich in die Hosentaschen. Himmel noch mal, Schluß jetzt mit diesem alberner) ©eträume! Was ist denn los, auf einmal? Nach zwei Jahren Ar- bettsgemeinschaft schon so hilflos ins Garn ge­gangen? Aber, aber und schließlich: Acht Tage sind ja keine Ewigkeit. Und wer weiß, ob sie es überhaupt acfjt Tage draußen aushält. Vielleicht ist sie schon nach vieren wieder da. Herrgott, wenn sie nach vieren schon wiederkäme...

Er lacht wortlos, mit geschlossenen Lippen. Und noch lange, während er im Verkaufsraum herum­wirtschaftet, auf räumt und einrichtet, liegt auf seinem hageren Gesicht ein Ausdruck jungenhafter Freude: daß sie am Ende gar schon in vier Tagen wieder da sein könnte, die Marga.

3. Ein blondes Mädchen geht nicht um die Welt allein auf Fahrt.

Der Wagen surrt gemütlich, der Motor schickt eine behagliche Wärme bis zu den Knien hinauf, die Sonne scheint schräg zum Fenster hinein wie in ein Dachkämmerchen, Tapsy hat seinen Kopf auf Frauchens Schulter geschoben und läßt sich von der einftrömenben frischkühlen Morgenluft bie Ohren kraulen, unb Marga sitzt tief zurückgelegt hinter ihrem Steuer unb singt, was bie Lunge nur her­geben will.

Vorgestern um bie gleiche Zeit lag sie noch mit bleierner Müdigkeit daheim in den Federn, den Kopf voll geschäftlicher Sorgen unb beinah ärger­

lich darüber, daß sie sich von Breda zu diesem improvisierten Urlaub hatte überreden lassen. Und noch während der eiligen Fahri ins Geschäft hatte sie gedacht: Ach was, ich fahr' nicht! Was soll ich beim so allein? Wer weiß, wie verloren ich mir bann da draußen vorkomme, Abstecher in die Ein­samkeit sind manchmal verdammt gefährlich für unfereinen. Und überhaupt...

Aber nun: die beiden Nächte in dem großen bäuerlichen Gasthofbett, das ländliche Essen vor dem blanfgefeiften Holztisch, bie Unterhaltung mit der breithüftigen Frau Wiriin, bas Herumtollen mit Tapsy, ber Frauchen lange nicht mehr so ganz unb gar für sich gehabt hat, unb nicht zuletzt bas schwerelose Gefühl in Herz unb Gliedern Ewig­keiten liegen nun schon zwischen Marga Montwill und Berlm. Ewigkeiten.

Tapsy", sagt Marga unb bumst mit ihrem braunen Schopf, den längst kein Hut mehr bändigt, sanft gegen bie Hundeschnauze auf ihrer Schulter, Tapsy, paß auf: da vorn kommt wieder so ein großer dunkler Wald. Sollen wir aussteigen und ein bißchen waldeinwärts marschieren? Oder fahren wir durch? Fressen wir lieber Kllometer, hm?"

Aber Tapsy gähnt nur gelassen und läßt seine rote Zunge fauj aus dem Maul herausbaumeln. Frauchen könnte ja eigentlich wissen, daß er immer ür Durchfahren ist, wenn er erst mal im Auto itzt. Wird sie denn nie begreifen, wie gern er Auto ährt?

Du bist dumm, Tapsy", sagt Marga Montwill mit einem Seitenblick und entschließt sich zum Durch­fuhren.

Aber das ist nun so eine Sache Durchfuhren, das ist leicht gefugt Welche qottverlussene Gemeinde hat denn heutzutage noch solche Sunbwüsten von Fahrstraßen, wie? Das ist ja schlimmer hier als in des lieben Gottes Streusandbüchse, in der Mark! Da weiß man doch wenigstens, daß mun's mit Sand zu tun kriegt. Aber hier...

Marga Montwill setzt sich energisch auf unb nimmt bas Steuer fester in die Hand. Tapsy, Faultier, nimm gefälligst endlich mal bie Schnauze von meiner Schulter, hörst bu? Und du, verfluchter Kasten von einem Auto, zieh mal 'n bißchen mehr durch, unb der Lärm dabei ist ganz unnötig, ziehen sollst du, als wenn du dein eigener großer Bruder, ber mit ben acht Zylinbern, wärest. Was sagst du? Der bist bu nicht? Ja, ich merf's. Denn ber wäre schon längst durch. Aber bu hängst fest Natürlich. Unb raus jetzt?

Marga versuchte mit dem ersten Gang unb mit Rückwärisschallen. Vergeblich. Sie wartet ein Well

chen und schaut ergeben auf -ben leise zitternden Kühler. Dann versucht fie's noch einmal: erster Gang rückwärts ... wieder erster Gang... nichts.

Himmelherrgottkruzitürken.

Also aussteigen, nachsehen. J)opp, Tapsy! Ja, los! Was guckst du beim so bumm? Raus mit bir!" Tapsy springt beleidigt aus dem Wagen unb hebt elegisch fein Bein gegen ben erstbesten Baum. Dann setzt er sich mit eng nach hinten gelegten Ohren, stellt die Vorderpratzen so weit auseinander wie möglich und schaut die Straße entlang, als ginge ihn weder Frauchen noch ber Wagen etwas an.

Jnbessen ist Marga Montwill rund um ben klei­nen Wagen herumgegangen. Nette Bescherung: die Hinterräder sitzen so tief im Sand, als habe sie einer eingegraben. Und es ist klar: beim Anfahren bohren sie sich nur noch tiefer hinein. Hm.

Jetzt sitzen wir fest, Tapsy."

Tapsy läßt sein Maul auseinanberflaffen und atmet mit kurzen, heftigen Stößen man könnte sich einbilben, daß er lacht.

Marga wirft ihm einen kurzen, kopfschüttelnden Blick zu, bann befaßt sie sich wieber mit bem Wagen. Tja... da gibts nur noch eins: Holz- stücken suchen unb unterschieben.

Sie stellt den Motor ab, schlägt die Wagentüren zu, stopft ben Schlüssel in bie Rocktasche unb winkt bem Hund:Los, Holzklötze suchen."

Aber Tapsy wedelt nur erfreut mit feinem Stummelschwanz, schaut mit schiefgelegtem Kopf in bie Richtung, aus der sie gekommen sind, unb macht dann leise unb zufrieden: Bwu bwu. Wozu denn Holzklötze suchen, heißt bas, wenn da Zwei Leute kommen, die helfen können? Riecht Frauchen denn nicht, daß da zwei Leute kommen?

Nein, aber gleich darauf sieht sie es: Hand tn Hand stapfen Da zwei heran ein Bursch unb ein Mäbel, Rucksäcke auf bem Buckel, Wanderstiefei, Windjacken...

Na, Gott fei dank, denkt Marga Montwill und lächelt den beiden entgegen.

Sie stecken wohl fest?" ruft der Bursch schon von weitem unb zieht seine Hanb aus ber bes Mäbels.

Unb wie!" gibt Marga zurück Hunbsgemein, dieser Sand. Wer ahnt denn auch, daß ein Wald­weg so voll Sand fein kann!"

Dann stehen sie zu britt um ben Wagen herum. Das junge Mäbel hat straft nach rückwärts ge­kämmte Haare; ihre hellen grauen Augen roanbern mit einer leisen Bewunberung zwischen bem blank- schwarzen Auto unb seiner Besitzerin hin unb her, (Fortsetzung folgt)'