ltr.92 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (Genergl-Anzeiger für Oberhesfen)
vonnerztag,2l.AprilM8
Oer Geburtstag des Führers in Gießen.
Eindrucksvolle Feierstunden.
Oberst Herrlein bei seiner Ansprache in der Verdun-Kaserne.
Nachdem die Universität mit ihrem Gesamtappell den von uns gestern bereits berichteten Austakt gegeben hatte, fanden in den späteren Vormittagsstunden die militärischen Feiern des (3e- buvtstages des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht in den Kasernen der Gießener Wehrmachtsteile statt. Bei dem strahlenden Sonnenschein hatten sich viele Volksgenossen, insbesondere zu der Feier in der Verdun- (Wald-) Kaserne, eingefunden.
Die Feier des Zns.-Regts. 116
begann, nachdem die Fahnenkompanie die Fahnen vom Dioisionsgebäude zur Verdun-Kaserne gebracht hatte, pünktlich um 11 Uhr. Zu dieser Feier hatten sich, mit dem Kreisleiter Backhaus an der Spitze, die führenden Männer der Partei und ihrer Gliederungen, ferner Ehrenabordnungen
der Politischen Liter, der SA. und der ff, der Kriegsopfer, der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften und der Studentenschaft eingefunden. Die Garnisonstadt Gießen war durch ihren Oberbürgermeister Ritter, der Kreis Gießen durch Kreisdirektor Dr. Lotz, die Universität durch den Rektor, Professor Dr. (Seifer, vertreten.
Das auf dem weiten Kasernenhofe im offenen Viereck angetretene Regiment wurde dem Regimentskommandeur Oberst Herr! ein von Oberstleutnant Maack gemeldet. Danach schritt der Regimentskommandeur unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der Truppen ab. Anschließend begrüßte er die große Zahl der Ehrengäste, dabei auch die mit ihren Fahnen angetretenen Formationen bzw. Ehrenabordnungen. Hierauf hielt
der Regimentskommandeur Oberst Herrlein
folgende Ansprache an die Truppen und an die große Gemeinschaft der Volksgenossen im Zivilkleid:
Kameraden! Deutsche Männer und Frauen!
Wir stehen hier, um den 4 9. Geburtstag unseres Führers zu feiern, der wohl auch als der glücklichste seines Lebens betrachtet werden kann, denn die Sehnsucht seines Lebens ist, wie er selbst gesagt hat, erfült: Durch die Schaffung des Großdeutschen Reiches uiiö die Einverleibung seiner Heimat Oesterreich in dieses Reich. Hiermit ist aber auch die alte Hoffnung und der Wunsch des gesamten deutschen Volkes verwirklicht worden.
Das schönste und augenfälligste Geburtstagsgeschenk des ganzen deutschen Volkes war das f a st lOOprozentige Ja bei der Volksabstim- m u n g vor wenigen Tagen.
Wir Soldaten konnten nur in Gedanken mit abstimmen, aber auch unser Ja gilt ihm, denn wir sind durch einen heiligen Schwur der Treue und des Gehorsams mit ihm verbunden.
Wir Soldaten stehen hinter ihm, nicht nur weil er ein vorzüglicher, tapferer und bewährter Frontsoldat des Weltkrieges war, uns das Volksheer gab, das Heer und die ganze Wehrmacht mächtig und stark machte, sondern aüch weil er der Retter des Vaterlandes ist und die Ehre des Volkes wiederher- stellte, das Volk einigte, die^Ketten des Versailler Vertrages sprengte, dem Volk Arbeit und Brot
und einen neuen Glauben gab, der es wieder befähigt, die größten Leistungen, die von einem Volk verlangt werden können, zu vollbringen.
Mit einem solchen Führer können wir Soldaten und das ganze deutsche Volk mit größtem Vertrauen in die Zukunft schauen. Seine Größe und fein Vorbild sind Wertmesser für jeden Deutschen und besonders für uns Soldaten. Ihm mit größter Hingabe und heißem Wollen nachzueifern und unsere Pflicht zu tun, ist unser Gelöbnis am heutigen Tage.
Gott möge unfern Führer noch viele Jahre dem dankbaren deutschen Volke erhalten und ihm weiter Kraft geben, sein schweres Amt bei bester Gesundheit und größter Schaffensfreude auszufüllen.
Während nun die Truppen präsentierten, schloß der Oberst feine Ansprache mit folgenden Worten: Unsere Hingabe und Treue zu unserem Führer wollen wir bekräftigen, indem wir rufen:
Dem Schöpfer Großdeutschlands, unserem Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht ein dreifaches Sieg-Heil!
Der Vorbeimarsch.
Rach der Ansprache folgte der Vorbeimarsch der Truppen vor ihrem Kommandeur. In strammem Paradeschritt Marschierten die Bataillone an dem Regimentskommandeur Oberst H e r r l e i n vorbei, der bei dieser Truppenschau den Kreisleiter Backhaus als Hoheitsträger des Kreises Wetterau an seiner Seite hatte. Mit dem Vorbeimarsch fand die Feier ihren Abschluß.
Anschließend brachte die Fahnenkompanie, mit der Regimentsmusik an der Spitze, die Fahnen wieder zum Divisionsgebäude zurück.
Der Avpell im Fliegerhorst.
Um 9.30 Uhr fand im Fliegerhorst Gießen ein kurzer Appell statt, in dessen Mittelpunkt die Ansprache von
Major Behrend
stand, der die hohe Bedeutung des Führers und seines Werkes für Volk und Vaterland umriß und 'm kurzen Zügen die überragende Persönlichkeit des Führers charakterisierte. Mit einem Gelöbnis der Treue zum Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht klang die Ansprache aus.
Im Anschluß daran fand auf dem Rollfeld ein
Der Regimentskommandeur Oberst Herrlein schreitet die Front Vorbeimarsch der III.Abteilung Art.-Regts.9 vor ihrem Kommandeur,
des Jnf.-Regts. 116 ab. Major Süden, in der Bleidorn-Kaserne.
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Vorbeimarsch statt. Der militärische Aufmarsch, die Maschinen, die auf der weiten Fläche vor den Hal* len standen, die bevorzugte landschaftliche Lage unseres Fliegerhorstes, die schönen Bauten des Horstes, das schneidige Auftreten der Truppe — das alles schmolz zu einem großartigen Bilde zusammen. Singend zogen die Flieger wieder in ihre Unterkünfte ein.
Die Feier der lll. Abt. Art.-Regt. 9
Auf dem Kasernenhof der Pleidorn-Kaserne fand um 11.30 Uhr der feierliche Appell der Hl. Abt. Art.-Rgt. 9 statt. Hauptmann Dr. B r e ch t e l meldete dem Abteilungs-Kommandeur Major Süden die Aufstellung der Abteilung, der dann die Fronten obschritt. Mit den Gefolgschaftsmitgliedern der Werkstätten der Artillerie hatten sich auch viele weitere Volksgenossen, vor allem die Jugend, auf dem weiten Platze eingefunden, um Zeuge dieses militärischen Ereignisses zu sein.
Der Abteilungskommandeur Major Süden
wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung dieses 20. April hin, an dem in ganz Deutschland, und nun auch in dem hinzugekommenen Oesterreich, die Truppen der neuen Wehrmacht, die der Führer mit äußerster Energie im Lause der Jahre geschaffen hat, in Paradeausstellung des Tages gedenken. Er erinnerte daran, daß, nachdem die roiebererftanbene Wehrmacht hinter ber Politik bes Führers stehe, biese einen ganz anberen Hintergrunb erhalten hat.
Durch diese Politik und diese Wehrmacht find wir wieder ein Volk geworden, mit dffm die Well und unsere Gegner rechnen müssen.
Wenn auch die Wehrmacht ber Erhaltung deS Friebens dient, so werben es sich die Gegner und
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die Welt dreimal überlegen müssen; denn sie würden in einen schweren Kampf ziehen. So dient die Wehrmacht neben der Erhaltung des Friedens auch dem Schutze des Werkes, das der Führer aufgebaut hat.
Weiter wies Major Süden darauf hin, daß der Sinn der Wehrmacht nicht allein der Kampf ist, sondern ihre Arbeit in gleichem Maße der Erziehung der jungen Männer dient, die in die Armee eintreten, um Soldaten und Männer zu werden. So steht die junge Wehrmacht allzeit bereit zum Schutze der Heimat gegen jeden, der unser Volk anfallen will. Diese Aufgabe ist nicht leicht, aber groß und schön. Wir alle müssen uns dieser Aufgabe würdig erweisen; denn bei dieser Arbeit im Dienste des Volkes kommt es auf jeden einzelnen Mann an.
Daß wir diese Pflicht freudig erfüllen und allezeit einsatzbereit für Heimat und Volk stehen wollen in Treue zum Führer, so schloß Major Süden feine Ansprache, das geloben wir an diesem Tage um so freudiger, indem wir rufen: Unser Führer und Oberster Befehlshaber: Sieg-Heil!
Anschließend nahm Major Süden den Vorbeimarsch der Batterien ab. Damit war die Feier beendet.
(Ausnahmen [3]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Die Feier in den hessischen Schulen.
LPD. Da der Geburtstag des Führers in diesem Jahre in Hessen in die Osterferien fällt, ordnete der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — an, dieses Tages zu Beginn des neuen Schuljahres in würdiger Weise zu gedenken.
Oie Sache
mit den Briefmarken.
Von Christian Bock.
Immer wenn ich abends einen Brief geschrieben habe und den Brief noch in den Nachtbriefkasten stecken will, und natürlich keine einzige Briefmarke mehr im Haus ist, dann ereignet sich das Folgende:
„Ich gehe eben einen Brief einstecken", sage ich zu meiner Frau.
„Ja", sagt sie, „bist du bald wieder da?
„Natürlich", sage ich, „natürlich bin ich gleich wieder da."
Aber der nächste Briefmarkenautomat ist weit. Es ist viel praktischer, in der nächsten Kneipe eine Briefmarke zu holen. Jeder Mann wird das ein- fehen. Aber er wird auch einsehen, daß man nicht gut, ohne irgendetwas zu genießen, gleich nach einer Briefmarke schreib kann.
Ich bestelle also ein Bier und trinke. Wie ich halb ausgetrunken habe, frage ich so nebenbei, ob vielleicht eine Achtpfennigmarke da ist — ich brauche eine. v .
„Mal sehn!" sagt der Wirt und kramt eine Weile in einem Pappkarton herum.
„Leider" sagt er dann, „es ist keine mehr da.
Dumm? — Ich trinke mein Bier aus und gehe. Dann überlege ich schnell, ob ich vielleicht doch lieber zum Briefmarkenautomaten —? Aber Kneipen sind immer näher als Briefmarkenautomaten. Und wer garantiert mir, daß die Achtpfennigmarken im Automaten nicht auch ausoerkauft {mb?
Ich gehe in die nächste Kneipe drüben. Es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn sie "ba auch gerade keine Briefmarken mehr hätten!
Gleich nach einer Briefmarke schreien, kann man, wie gesagt, nicht — ich bestelle ein Bier. Wie ich das Bier halb ausgetrunken habe, und so weiter wie oben — _.
„Also eben vor zehn Minuten , sagt der Wirt, „habe ich die letzte Marke weggegeben."
Dumm! Aber da kann man nichts machen. Ich trinke mein Bier aus und gehe, und die Geschichte geht so weiter wie bisher — aber spätestens doch in der vierten Kneipe pflege ich dann wirklich noch eine Marke zu bekommen.
Eines Abends liegt auf meinem Schreibtisch ein schmales rotes Etwas: ein Briefmarkenheft. Doll von allerlei verschiedenen Briefmarken.
.Hast du das gekauft?" frage ich meine Frau.
„Ja", sagt sie, „für dich. Damit du nicht immer und ewig nach Briefmarken herumlaufev' mußt."
Mmhmmm! Ob das wegen der Biere ist, denke ich. Aber das sage ich nicht, ich sage statt dessen schlicht: „Oh, das ist nett von dir."
Und den Verdacht, es könnte wegen der Biere sein, diesen Verdacht verwerfe ich gleich wieder. Nein, so ist sie ja gar nicht, sie will mir wirklich nur das Leben bequemer machen, weiter nichts. Oder? — Aber ich glaube das nicht.
*
So ein Briefmarkenheft, obwohl es allerlei Briefmarken in sich hat, geht auch einmal zu Ende. Aber, siehe da, ehe es noch ganz aufgebraucht ist, liegt eines Abends wieder so ein schmales rotes Etwas ba: ein neues Briefmarkenheft.
Najaja!, benke ich. Aber bas mit biefen Briefmarkenheften muß mal roieber aufhören, man kommt zu keinem Glas Bier mehr, llnb wen es ernstlich nach Bier verlangt, bem schenkt ber Himmel auch bestimmt noch eine gute Jbee,
Me bas Briefmarkenheft gut halbwegs aufgebraucht ist, muß ich eines Abends vier Briefe mit Achtpfennigmarken bekleben.
„Dumm!" sage ich so vor mich hin.
„Was ist dumm?"
„Es sind keine Achtpfennigmarken mehr im Heft."
„Aber du kannst doch verschiedene Marken zu- sammensetzen", fällt meiner Frau ein, „nimm doch Dreipfennig- und Fünfpfennigmarken."
Wer nun glaubt, ich wäre jetzt reingefallen, der irrt sich. Gerade auf diese Antwort hatte ich gewartet.
„Ja, „sage ich, „das ist leicht gesagt — es sind Fünfpfennigmarken da, aber keine Dreipfennig —"
Eine Weile sage ich nichts. Aber dann, wie mit plötzlichem Entschluß, fange ich an, meine Briefe mit Marken zu bekleben
„Geht es doch noch?" fragt meine Frau.
Und auch auf diese Frage habe ich nur gewartet.
„Gehen", sage ich, „nein — aber ich klebe eben zwei Fünfpfennigmarken auf die Briefe."
„Zwei Fünfpfennigmarken?" fragt sie entrüstet, „da schenkst du ja der Post bei jedem Brief zwei Pfennig." ,
„Naja", tue ich großzügig, „zwei ganze Pfennige!
„Das sind bei vier Briefen", rechnet sie mir vor, „acht Pfennige! Einfach so mir nichts dir nichts der Post ’n die Tasche gefüllt!"
Siss ist kein Geizhals, aber daß sic der Post nichts schenken würde, das wußte ich.
„;)ann geh doch lieber hinunter und kauf bir irgendwo Marken. Die Briefe mußt du ja sowieso einztecken."
„Naja, schön!" sage ich. — Der Plan war gut, denke ich.
„Und trink ein Glas Bier in ber Kneipe", sagt sie, ehe ich gehe, „es sieht boch schlecht aus, wenn bu immer nur nach Briefmarken kommt!"
Das stanb nun allerdings nicht in meinem Plan. Damit hatte ich nicht gerechnet.
„Ach", nörgle ich, „beswegen Bier trinken? Wegen ein paar Briefmarken?"
„Dochboch", sagt sie, „trink lieber ein Glas Bier dazu."
Erinnerungen eines englischen Jockeys.
Der erfolgreiche unb berühmteste Jockey Englands, Steve Donoghue, eine ber volkstümlichsten Erscheinungen des englischen Sportlebens, der in dem Farbenfilm „Zigeunerprinzessin" unter seinem Namen als Jockey aufgetreten und auch bei uns bekannt geworden ist, hat sich jetzt ins Privatleben zurückgezogen. Er beabsichtigt, seine Erinnerungen zu schreiben, und leitet diese mit einer kurzen rückschauenden Plauderei in der „Daily Mail" ein.
„Noch kann ich es kaum glauben", schreibt er unter anderem, „daß ich aus eigenem freien Willen die Laufbahn von Steve Donoghue, dem Jokey, beendet habe ... Das Leben hat mich, ein kleines zwölfjähriges Bürschchen, der aus Angst vor dem Vater und feinem hitzigen irischen Temperament von einem unglücklichen armen Zuhause in Warrington weglief, zu der außerordentlichften Laufbahn geführt, die je ein Jockey gehabt hat. Seitdem ich von zu Haufe weglief unb. meinen Namen änberte, um Entbeckungen zu verhüten, aber bei bem Anblick von jebem Polizisten zu zittern anfing, habe ich sechs Derbys gewonnen. Als Erster habe ich es breimal nacheinanber gewonnen. Sechsmal habe ich bas Irische Derby gewonnen, zweimal den Grand Prix und jedes andere klassische Rennen, das es gibt. Ich habe für drei Könige geritten, und ich bin der einzige Jockey auf der Welt, dem König Georg V. eine Reitpeitsche mit goldenem Knopf geschenkt hat. Aber ich bq.be es abgelehnt, königlicher Jockey zu werden — zur großen Erheiterung des verstorbenen Königs — wegen der Armseligkeit ber Pferbe in ben königlichen Ställen.
Zum Gegengewicht gegen mein fabelhaftes Glück habe ich das schlimmste Pech zu kosten bekommen. Ich habe ungefähr jeden Knochen in meinem Leibe gebrochen. Zu einer Zeit, wo mein Leben wegen persönlichen Kummers in Stücke zu gehen drohte
und ich jeden Sieg brauchte, den ich nur gewinnen konnte, brach ich Arm und Schlüsselbein. Innerhalb elf Monate brach ich meine beiden Beine. Oester als einmal hohe ich gehört, wie die Leute sagten: „Armer kleiner Steve! Es ist aus mit ihm!" Aber mein Glück wandte sich mir wieder zu mit Hilfe von ein wenig Rückgrat, und in meiner letzten Saison konnte ich vier klassische Rennen für den Mann gewinnen, der durch dick und dünn zu mir stand. Warum ich mich zurückziehe, während ich noch besser reite denn je? Nun, ich habe meine Gründe. Ich glaube nicht, daß ich einen Feind auf der Welt habe, aber wir sind alle Menschen, unb unser Gebächtnis ist kurz. Ich habe Rennen gewonnen, bei benen ich einen bestimmten Plan verfolgt, ben einen Jockey getäuscht unb gegen ben anderen einen Trick ausgespielt habe, List und Verstellung gebraucht habe, dis ich die Nase meines Pferdes an die Spitze brachte. Die Männer, für die ich solche Rennen gewann, haben mir die Welt versprochen. Beim ersten Male, das ich nicht gewann, haben sie sich meiner entledigt wie eines alten Sattels.
Eine Tages werde ich die Geschichte von „Humorist" erzählen, dem bravsten Pferd, das je unter Zügeln ging. Ich liebte dieses kleine Tier, ich glaube, ich war der einzige, der es je geliebt hat, und „Humorist" liebte mich. Er starb ein paar Tage nachdem er das Derby für mich und für mich allein gewonnen hatte. Ich werde einmal die ganze herzbrechende Geschichte seines Ledens und Todes erzählen. Aber ich wurde öffentlich beschuldigt unb werbe es bis heute noch, baß ich ihn zu Tobe gepeitscht unb ihm bas Herz gebrochen habe, um bas Rennen zu gewinnen. Dabei würde ich mir eher ben rechten Arm abgeschnitten als ihm bie Peitsche gegeben haben. Und dann der alte „Brown Jack" mein bester Freund' Ich habe ihn in 40 Rennen geritten, und er endete mit zehn Jahren, kräftiger als im Anfang. Er hatte einen kleinen Trick, von dem ich ihn nie heilen konnte. Wenn er gegen Ende des Rennens alle anderen überholt und sich an die Spitze gesetzt hatte, verlangsamte er sich sofort, als sagte er: „Da sind wir, Herr, sie sind alle hinten", unb ich mußte ihm immer bie Peitsche zeigen unb ihn heißen, seine Ausgabe zu vollenben.
Aus Armut unb Angst zu allem, was bas Leben einem Manne bieten kann, an Reichtümern, Vergnügen, Ruhm unb guten Freunden, fjat der Sattel mich getragen. Das alles hinter mir zu lassen, ist die schwerste -Aufgabe, die ich je zu bewältigen hatte, aber von allen diesen fröhlichen, ereignisreichen Jahren zu erzählen, wird 'vielleicht dazu helfen, es leichter zu machen." ß.


