v.K der Kunde - fünf Minuten vor 19 Uhr.
Seitens der DAF. wird im Einzelhandel demnächst eine sogenannte Feierabendschallplatte eingeführt, die den säumigen Käufer kurz vor Geschäftsschluß darauf hinweist, daß Feierabend ist und die kaufmänischen Angestellten nicht durch die „Käufer im letzten Augenblick in ihrer Freizeit benachteiligt werden sollen.
Es bedarf wohl keiner Ueberlegung, daß der Angestellte im Einzelhandel und in den Kaufhäusern bei seinem „Dienst am Kunden" eine körperliche Arbeit zu leisten hat, die ihm in erster Linie auch ein Recht auf ungestörte Freizeit einräumt. Es will etwas heißen, den ganzen Tag hinter dem Ladentisch zu stehen, immer und immer wieder dem Kunden mit Ratschlägen und Diensten zur Verfügung zu sein. Es kommt ja nicht nur darauf an, zu verkaufen, sondern der Kunde verlangt von einem leistungsfähigen Geschäft auch eine fachliche Beratung und geschmackliche Führung seitens des Verkäufers, die nicht mit bloßen Handreichungen abgetan ist, vielmehr ein ganz besonderes Können und Spezialwissen erfordert. Aber auch der Verkäufer und die Verkäuferin in einem kleineren Einzelhandelsgeschäft, sei es in der Konfektion oder im Lebensmittelhandel' haben einen Posten auszufüllen, der keine Ruhe kennt, dessen vielseitige Anforderungen zwar von dem routinierten Verkäufer scheinbar leicht erfüllt werden, in Wirklichkeit aber doch eine starke Beanspruchung des Menschen bedeuten. Wir wollen nicht davon reden, daß sehr viele Käufer offenbar nicht begriffen haben, daß der Mensch hinter dem Ladentisch auch nur ein Mensch ist, der seine Schwächen, Fehler und müden Augenblicke besitzt und daher jene menschliche Rücksichtnahme verdient, die der Käufer in seinem Leben selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt. Die wichtigen wirtschaftlichen Interessen, die der Einzelhandel verkörpert, verlangen von den Angestellten mehr Opfer als von den meisten ähnlichen Berufen. Sie kennen kaum einen freien Nachmittag, viele Sonntage im Jahr verlangen einen besonderen Einsatz, und dann dauert der Dienst — soweit nicht durchgehend gearbeitet werden kann — bis in die Abendstunden, bis 18 oder 19 Uhr.
Gewiß, der Dienst dauert bis 19 Uhr, und das Geschäft ist auch für die Kunden und Käufer bis 19 Uhr geöffnet. Das bedeutet aber nicht, daß der Käufer damit das Recht erhält, drei Minuten vor Geschäftsschluß einzutreten und seine Einkäufe tätigen zu wollen. Man sollte meinen, daß das natürliche Gefühl für Interessen und Wüpsche anderer Menschen ausreichte, solche besondere Beanspruchung
eil ^"ZElhandelsangestellten kurz vor Geschäfts-
Jju Dermeiben. Leider ist es nicht so. Der Pro- zen satz der Käufer, dem erst in letzter Minute ein- sallt, was in der Küche noch fehlt, ist unverhältnis- 9£D6; das geht schon daraus hervor, daß die höchste Frequenz der Kauftätigkeit erst zwischen 18 und 19 Uhr eintritt.. Bedauerlich ist namentlich aber die Tatsache, daß jene Menschen, die sich eines freien Mittwoch- oder Samstagnachmittags erfreuen — wir wollen damit gar nichts gegen den freien Sladjmittag sagen —, bis zur letzten Minute fröhliche Spaziergänge und Kaffeekränzchen durchfuhren, um dann, fünf Minuten vor 19, höchst aufgeregt bei „ihrem" Kaufmann zu erscheinen. Der Kaufmann wird es kaum wagen, seine Kunden auf die späte Stunde aufmerksam zu machen^ auch die Verkäufer werden selbstverständlich ihre Pflicht tun und den Kunden genau so gut bedienen, als wäre er nachmittags gekommen. Aber daß diese späten Einkäufe manchmal erheblich über 19 Uhr, über den offiziellen Ladenschluß hinaus dauern und somit dem schaffenden Menschen dieser Branche kost- bare Minuten der abendlich verdienten Freizeit buchstäblich stehlen, entspricht wenig dem sozialen Empfinden unserer Zeit. Schließlich ist für die meisten kaufmännischen Angestellten des Einzelhandels mit dem reinen Verkaufsgeschäft die Arbeit noch nicht beendet, es gilt aufzuräumen, abzurechnen. Dinge, die auch noch ihre Zeit beanspruchen. Währenddessen sitzt der Käufer schon bequem cvm Abendtisch und verzehrt in Ruhe sein Mal.
Es heißt durchaus nicht mit Kanonen nach Spatzen schießen, wenn mir den Käufer auf das Ungebührliche seiner Gewohnheiten aufmerksam machen. Freizeit ist das kostbarste Gut des schaffenden Menschen. Freizeit ist der Kraftquell für die weiteren Aufgaben und muß darum geachtet werden. Wenn die DAF. jetzt auf einem sehr höflichen und überzeugenden Wege versucht, „S. M. den Käufer" zu erziehen, so ist das ein sehr schätzenswertes Beginnen. Wir wollen hoffen, daß auch die hartgesottensten Käufer, die „Diktatoren vor dem Ladentisch", allmählich aus den mahnenden Worten der „Feierabendschallplatte", die in diesem Winter um 18.45 Uhr und kurz vor 19 Uhr in jedem Einzelhandelsgeschäft uNd in den Kaufhäusern ertönen wird, eine Lehre ziehen, die eigentlich nur auf Anstand und Höflichkeit gegenüber den Mitmenschen hinausläuft. Es heißt von einem Sprichwort, daß Pünklichkeit die Höflichkeit der Könige sei. Warum sollte diese Pünktlichkeit auch nicht für S. M. den Kunden die gleiche Selbstverständlichkeit bedeuten?
Aus der engeren Heimat.
Gängerbesuch in Lich.
t Lich, 20. Sept. Die Freundschaft, die die hiesige Sängeroereinigung „Cacilia" seit Jahren mit den Sängervereinigungen von Rüdesheim und Johannesberg im Rheingau verbindet, fand in einem Besuch der beiden rheinischen Vereine in unserer Stadt erneut ihre Bestätigung. Fast vollzählig trafen die beiden Vereine am Samstagabend hier ein, herzlich empfangen von den Sangesbrüdern der „Cäcilia". Bei hiesigen Sangesfreunden fanden die Gäste herzliche Aufnahme.
Am Samstagabend konnte die Turnhalle die Gäste kaum fassen, die mit der „Cacilia" ein schönes Bekenntnis zum 'deutschen Lied ablegten. Nach dem Sängergruß der „Cäcilia" und einem Chorvortrag begrüßte Dereinsführer Karl Lotz die Freunde vom Rhein und erinnerte an die ersten Freundschaftsstunden, die gemeinsam anläßlich der 90-Iahrfeier der „Cäcilia" im Jahr 1928 verleb! wurden. Den größten Teil der reichlichen Vortragsfolge bestritten die Gaste vom Rhein. Mit ihrem ausgeglichenen Stimmenmaterial, den glockenhellen Tenören und den wuchtigen Bässen, boten sie Chöre Z'-m Teil recht schwieriger Art, die von den vielen San^esfreun- den mit kaum endenwollendem Beifall ausgenommen wurden. Der Sprecher der Sängtzroereinigung Johannisberg überreichte als äußeres Zeichen der Freundschaft eine Riesenflasche, gefüllt mit dem Köstlichsten, was Johannisberger Auslese bieten kann. Er teilte ferner mit, daß alle kranken Sangesfreunde von der „Cäcila" ebenfalls mit einer Stärkung bedacht werden sollen. Die Sängeroereinigung Rüdesheim stiftete der „Cäcilia" als neuen Freundschaftsbeweis ein handgemaltes Bild der Weinstadt Rüdesheim. Vereinsführer Lotz von der „Cäcilia" nahm die Geschenke mit herzlichen Worten des Dankes in Empfang.
Am Sonntagvormittag wurden in Stadtrundgängen die Sehenswürdigkeiten von Lich besichtigt. Am Nachmittag unternahmen Gäste und Gastgeber bei schönem Wetter einen Familienausflug nach Kloster Arnsburg. Am Sonntagabend fand noch, im „Holländischen Hof" ein stimmungsvoller Kameradschaftsabend der „Cäcilia" mit der Sängervereinigung Johannisberg statt, während die Sänger von Rüdesheim sich zur Heimkehr anschickten.
Am Montagvormittag verließen auch die Sänger- freunde von Johannisberg das schöne Lich. Alle Teilnehmer hatten frohe Stunden verlebt.
Lehrertreffen in Homberg.
—.— Homberg, 18. Sept. Schon seit dem 5. d. M. sind über 90 Lehrerstudenten und »innen auf die Kreise Gießen und Alsfeld an die einzelnen Schulen verteilt, um in den Klassen in einigen Fächern praktische Unterweisungen zu erhalten bzw. selbst zu unterrichten. Diese praktischen Hebungen erstrecken sich auf die Dauer von drei Wochen und werden von den Kreisschulraten Walter (Alsfeld) und Nebeling (Gießen), auch von den Dozenten des Pädagogischen Instituts Darmstadt durch praktische Winke und Dorunterrichten gefördert. _ .
Am Samstagnachmittag war eine Zusammenkunft dieser Lehrkräfte in Homberg, als dem passenden Mittelpunkt, und zwar zunächst in der gefüllten Stadthalle. Dieser Feier lag eine gutoorbereltete Vortragsfolge zugrunde, die auf den Grundgedanken Heimat" eingestellt wax. Schulrat Walter (Alsfeld) war Leiter dieser Veranstaltung. Sie wurde eröffnet mit einem Trio für Klavier, Dio- line und Cello von Jos. Haydn. Danach hielt ratWalterdie Eröffnungsansprache, bei der er alle Anwesenden herzlich begrüßte, besonders den Kreis- leiter, die Dozenten und den Kreisdirektor. Er entwickelte in seiner Ansprache den Heimatgedanken und sprach eingehend über das Wesen der Heimat, /Ille weiteren Ansprachen und die musikalischen Darbietungen, einerlei ob Vokal- ober Instrumentalmusik, waren auf denselben Grunbton abgestimmt. Die
Feier ließ erkennen, daß ohne die gründliche Mitarbeit des deutschen Erziehers kein Staatsaufbau möglich ist. Schulrat Walter schloß die Feier mit dem Sieg-Heil auf den Führer, dem das Deutschland- und das Horst-Weffel-Lied folgten.
Anschließend folgte ein Familienabend im „Frankfurter Hof", in dem die Lehrerstudenten und -ftu- dentinnen gastlich bewirtet wurden. An diesem Abend wurde das Tanzbein fleißig geschwungen, auch kam der Humor gebührend zu seinem Recht, während zwischendurch gemeinsame Gesänge folgten.
Lustschiff „Graf Zeppelin" kann wieder besichtigt werden.
LPD. Frankfurt«. M., 19. Sept. Wie die Deutsche Zeppelin-Reederei mitteilt, kann das Luftschiff „Graf Zeppelin" ab 20. September in der neuen Luftschiffhalle 2 im Flug- und Luftfchiff- hafen Rhein-Main wieder besichtigt werden. Der Besuch ist von 8 bis 17 Hhr freigegeben.
Oie fpinaleKinderlähmunginFranksurt
Lpd. Frankfurt a. M., 19. Sept. Wie das Stadtgesundheitsamt mitteilt, sind in der Woche vom 11. dis 17. September 2 2 n e u e Erkrankung s- f ä l It hinzugekommen. Sie verteilen sich auf folgende Altersklassen: 1 bis 5 Jahre acht erkrankte Kinder, 6 bis 14 Jahre sechs, 15 bis 19 Jahre sieben Erkrankte, 20 und mehr Jahre ein Erkrankungsfall. Mit den schon früher gemeldeten 58 Fällen sind demnach bisher 80 Personen seit dem 1. Januar 1938 im Gebiete der Stadt Frankfurt a. M. an spinaler Kinderlähmung erkrankt. Unter den 22 neugemeldeten Fällen befindet sich leider auch ein neuer Todesfall.
Landkreis Gießen.
00 Klein-Linden, 17. Sept. Aus Anlaß ihrer Goldenen Hochzeit wurden den Eheleuten Heinrich Wahl und Frau Marie, geb. Jung, von vielen Seiten Glückwünsche entgegengebracht. Das Landeskirchenamt und die örtliche Kirchengemeinde ließen unter Überreichung von künstlerisch ausgestatteten Ehrenurkunden durch den Drtsgeift- lichen, Pfarrer König, ihre Glückwünsche übermitteln. Am Abend brachte der Männergesangverein „Harmonie" unter der stellvertretenden Leitung seines Ehrenchormeisters, Lehrer Möller, seinem langjährigen Mitglied und Ehrenvorsitzenden ein Ständchen. Dereinsführer Fritz Jung VIII. würdigte in feiner Ansprache die Verdienste des Jubilars um das deutsche Lied und besonders um die Entwicklung des Männergesangvereins „Harmonie". Herr und Frau Wahl dankten für die vielen Ehrungen.
Leihgestern, 19. Sept. An den letzten Sonntagen hielt die hiesige Kriegerkameradschaft ein We11schießen innerhalb des Kameradenkreises ab. Bester Schütze blieb Kamerad Wilhelm I a f o b i mit 35 Ringen, dem der ausgesetzte Preis, ein großes Hindenburgbild, zufiel. Trotz guter Schießleistungen und guter ^Beteiligung war es feinem Schützen vergönnt, die volle Ringzahl (36) zu erreichen. Don den ausgesetzten Ehrenscheiben erschossen die Kameraden Wilhelm Schmitt, Wilh. Krämer und Georg Reitz je eine.
<£ Leihgestern , 19. Sept. Der hier zu Besuch weilende, im Jahre 1890 nach Amerika ausgewanderte Karl Schaum von hier, trat am Sonntagabend die Rückreise nach Trenton, Nordamerika, an. Der Gesangverein „Liederkranz", dessen Ehrenmitglied er ist, veranstaltete ihm zu Ehren eine Abschiedsfeier.
# Mainzlar, 20. Sept. Am Samstagabend fand bei Gastwirt Hrch. Dogel, hier, die Schaf- pferch-Dersteigerung statt. Es kostete der Pferch für zwei Nächte = 6.— Mark.
ß a ngsdorf, 20. Sept. Unsere Gemeinde hat aus dem Rathausdach eine elektrisch angetriebene Sirene für Fälle der Not und Gefahr anbringen taffen, wie das in anderen Gemeinden auch ge
schehen ist. — Nachdem der Getreideausdrusch in vollem Gange ist, läßt sich eine vorläufige Schätzung des Ergebnisses vornehmen. Die vorjährige G e - treibeernte wird bei weitem übertroffen. Besonders bei Weizen und Gerste ist ein durchschnittlicher Ertrag von 20 Zentner pro Normalmorgen überschritten. Diele Landwirte behaupten, daß ein Ergebnis wie das diesjährige feit vielen Jahren nicht mehr zu verzeichnen war.
(xd Bettenhausen, 20. Sept. Hier starb im 81. Lebensjahre der Invalide Johannes R u p- p e l III. Et war einer der letzten „Pariser", der kleinen Leute aus den .hessischen Dörfern, die vor dem deutsch-französischen Kriege von 1870/71 in Paris — meist als Straßenkehrer — ihr Brot suchten.
weil ihnen die sozialen Verhältnisse der Heimat kein Auskommen gewährten. So war es auch bei Johannes Ruppels Eltern, die nach Paris gingen, nm dort ihren Ehestand und ihre Existenz zu begründen. An feine Geburt in der „ville lumiere“ erinnerte die französische Form seines Rufnamens: Jean; er wurde übrigens getauft von Friedrich von Bodel- schwingh, der in jener Zeit Pfarrer fjir die evangelischen Deutschen in Paris war. Das tiefe Elend der hessischen Straßenkehrer in Paris erweckte in Bodelschwingh den Entschluß, fortan fein ganzes Leben den Elendesten unter den Armen zu widmen. Es ist bekannt, daß aus diesem Entschluß die in der ganzen Welt berühmten Anstalten von Bethel bei Bielefeld entstanden sind.
SJi.-tfport
„4. Hessen-Fahrt" des 71SKK.
NSG. Die Motorgruppe Hessen des NSKK. fuhrt am 15. und 16. Oktober als Gruppen- Veranstaltung' für Krafträder ohne und mit Seitenwagen und Personenkraftwagen die „4. Hessen- Fahrt" durch. Die Veranstaltung dient in erster Linie der Schulung der Fahrer, die die Aufgabe haben, unter größter Schonung der Fahrzeuge die Fahrt zu beenden. Der Zweck der „4. Hessen-Fahrt" ist ferner, Fahrer für die spätere Teilnahme an nationalen geländesportlichen Veranstaltungen auszusuchen. Die Veranstaltung besteht aus einer Orientierungsfahrt, einer Geländefahrt und einer Fahr- zeugzustandsprüfung. Der Start zur Orientierungsfahrt erfolgt am 15. Oktober um 15 Uhr nach freier Wahl in Frankfurt oder Kassel. Das Ziel der Orientierungsfahrt, die etwa 120 bis 150 Kilometer beträgt, ist Bad Salzschlirf. Die Geländefahrt führt am 16. Oktober ab Bad Salzschlirf über eine gekennzeichnete Strecke von etwa 120 Kilometer. Nach Ankunft am Ziel der Geländefahrt findet eine Zustandsprüfung statt.
Für die 4. Hessenfahrt hat die Motorgruppe Hessen jetzt die Ausschreibung veröffentlich. Teilnahme- berechtigt sind die Angehörigen aller Gliederungen der Partei und des Staates und des DDAC., soweit sie im Bereich der Motorgruppe Hessen ihren Wohnsitz haben und im Besitz des nationalen Fahrerausweises ober ber internationalen Lizenz der ONS. sind. JJlennungen [inb an die Motorgruppe Hessen zu richten. Schluß ber Anmeldungen ist der 3. Oktober.
SA.-Kampfspielgemeinschast Gießen.
Der am Sonntag von der SA.-Kampfspielgemeinschaft Gießen unternommene Versuch um die deutsche Leichtathletikvereinsmeisterschaft der Klasse B stand leider unter einem unglücklichen Stern. Durch zwei unvorhergesehene Absagen wurde die Mannschaft sehr geschwächt. Verschiedene Umstellungen wurden nötig, die nicht zum Vorteil für das Ergebnis waren, so daß bei weitem nicht die mögliche Punktzahl erreicht werden konnte. Dieser erste Derjuch, bei dem ungefähr 4500 Punkte erzielt wurden, kann daher nur als Probegalopp für einen an einem der nächsten Sonntage stattfindenden neuen Gang, bei dem voraussichtlich auch eine gegnerische Mannschaft habet sein wird, angesehen werden. Deshalb sollen hier nur die besten Leistungen aufgeführt werden:
Eines der besten Ergebnisse erzielte SA.-Mann Fr. Koch im 200-Meter-Lauf mit der Zeit von 23,8 Sek., während sein Bruder SA.-Mann W. K o ch in 24,5 Sek. einkam. lieber 800 Meter lief SA.-Mann V a u m ft i e g e r die gute Zeit von 2,08 Min. ohne gleichwertige Konkurrenz. Eine feine Leistung nach zweijährigem Aussetzen. SA.- Mann Stürmer gewann die 3000 Meter in 9,44 Min. in gutem Stil und schönem Endspurt. Im Hochsprung erreichte Baumstieger 1,52, Niemann im Weitsprung 5,69 Meter. Rottenführer Niemann warf außerdem den Diskus 33,45 Meter und SA.-Mann Jacob erreichte im Speerwerfen 47,66 Meter.
Das Fehlen von Rottenführer Mayer, des schnellstens Läufers der SA.-Kampfspielgemein- schaft, machte sich natürlich in der Staffel am nachteiligsten bemerkbar«. Trotzdem tief die Mannschaft in der Aufstellung Niemann, Koch I, Koch II, Baumstieger nach gutem Wechsel in 46 Sekunden eine seine Zeit. Mit Mayer wäre die Jahresbest
leistung der Staffel, die auf 45,7 steht, wahrscheinlich bedeutend verbessert worden. — Leider war von den eingeladenen Aktiven der anderen Gießener Vereine durch Start auf auswärtigen Veranstaltungen nur Polizeiwachtmeister Streu erschienen, der mit gutem Erfolg an verschiedenen Konkurrenzen teilnahm und vor allem über 3000 Meter dem SA.-Man« Stürmer einen schonen Kampf lieferte.
VfB.-Reichsbahn-Leichtachletik.
Otto Luh siöhl die kugel 15,12 Meter.
Der Sportverein Hähr-Grenzhausen hielt am Sonntag, wie alljährlich, seine Nationales Wettkämpfe ab. Gleichzeitig war in Höhr die Gaumannschaft zusammengezogen worden. Die Wettkämpfe wickelten sich unter Leitung von Gau- sportlehrer Brox reibungslos ab. In feiner Form befand sich diesmal Otto Luh. Er gewann das Äugel ft often mit der Leistung von 15,12 Meter. Diese Leistung ist Luhs persönlicher Rekord, gleichzeitig Gaurekord. Mit dieser Leistung hat sich Luh wieder seinen alten Platz in der Spitzenklasse Deutschlands erobert. Das Diskuswerfen gewann Luh ebenfalls mit 41,26 Meter.
Die Jugend startete in den reichsoffenen Junioren- und Jugendwettkämpfen des Sportvereins 1898 in Darmstadt. Diesmal waren die Jugendlichen des VfB.-R. der Konkurrenz aus Nürnberg, Mannheim und Berlin nicht ganz gewachsen. Obwohl die meisten der VfB.-R.-Jugendlichen persönliche und Vereinsrekorde erzielten, langte es meistens nur zu 4; ober 5. Plätzen. Leider konnte man bie Staffeln wegen Ausfall von 4 guten Jugendlichen nicht laufen. Nachstehend die Leistungen der Jugendlichen: Willi Schwarz erzielte im Hochsprung mit 1,70 Meter eine seine Leistung, wurde aber damit nur Fünfter, lieber 1500 Meter lief Kurt G e m m e r Vereinsrekord in 4:26,5 Minuten, 6. Platz; E. Oehler belegte im Stabhochsprung mit 3 Meter den 4. Platz; Karl Schäfer den 5. mit 2,90 Meter. Oehlers Leistung ebenfalls Bestleistung. H. Dietrich lief über 100 Meter 12 Sekunden bereits im Zwischenlauf. Im Endlauf wurde er nur Vierter. Den 1000-Meter-Lauf, Klasse B, bestritten H. C a w e i n und E. Kuhl. Beide liefen hervorragend, besonders Cawein kämpfte wie ein Löwe, aber er stand beim Start zu weit hinten, so daß auch hier wohl eine feine Zeit, aber nur der 6- Platz herauskam. Kuhl wurde Achter. Cawein lief 3:03,4 Minuten, Kuhl 3:05,2 Minuten. Die Ehre des Tages retteten die vier B-Jugendlichen Mootz, Döll, Herrmann und Dietrich, die in der 4X100-Meter-Staffel in 49,6 Sekunden den 3- Platz belegten. Ebenfalls den 3. Platz belegte die 4X400-Meter-Staffel, Kl. B, in 4:04,6 Minuten. Hier liefen Mootz, Herrmann, Dietrich und Kuh l.
Sportverein Steinbach - Spielvereinignng4900II. 0:4 (0:1).
Am Sonntag gastierte die Reserve der Spieloer- einigung 1900 in Steinbach und errang einen eindeutigen Sieg.- Obwohl die Blauweißen auf einige Stammspieler verzichten mußten, war ihr Sieg nie gefährdet. Steinbach stellte eine junge, entschlossene Mannschaft ins Feld. Die Gießener spielten mit Jäger II., Heuser, Schneider, Hain, Kirchner, Günther, Koch II., Kociok, Jäger I., Koch I., Schmidt. Das Spiel begann mit wuchtigen Angriffen der Platzbesitzer.
Erste Mannschastskämpfe der H1.-Mannschasten der Vereine.
MTV. Gießen, Turnverein Heuchelheim und Spielvereinigung Gießen 1900.
Neben den Deutschen Jugendmeisterschaften in der Leichtathletik trägt die Hitler-Jugend die Mannschaftskämpfe der HI. (früher Jugend-Ver- einsmeisterschaften) in diesem Jahre erstmalig aus. Zu diesen Kämpfen sind alle HJ.-Mannschaften der Vereine des DRL., sowie die Leichtathletikmannschaften der HI. an Orten, an denen sich kein Verein des DRL. befindet, startverechtigt. Die Leichtathletik der Jugend hat in Gießen bereits einen beachtenswerten Leistungsstand erreicht. Mit Ausnahme des Turnvereins Heuchelheim, der als guter Förderer ber Leichtathletik über die Grenzen unseres Kreises hinaus bekannt ist, ist ein völliger Aufbau biefer Sportart in ben übrigen länblichen Bezirken unseres Kreises bie Aufgabe für bie nächsten Jahre. Melbungen zu biefen HJ.-Mannschaftskämp- fen waren noch abgegeben worben von bem Turnverein Treis a. b. Lumda und dem Turnverein Daubringen. Während die Jugend von Treis durch ihre Teilnahme an hem Turnfest in Holzheim verhindert war, trat der Turnv. Daubringen aus unbekannten Gründen nicht an.
Am vergangenen Samstag und Sonntag waren vier HJ.-Mannschaften ber Vereine Mtv. Gießen. Tv. Heuchelheim unb Spielvgg. 1900 Gießen (btefe mit zwei Mannschaften) angetreten. Bereits der erste Tag zeigte, baß wir in diesem Jahr im weiteren Verlaus der HJ.-Mannschaftskämpfe mit recht guten Leistungen rechnen dürfen. Auch der Sonntag bestätigte dies. Wenn die Leistungen auch nicht als überragend bezeichnet werden könnten, so darf doch für die Zukunft die Hoffnung gehegt werden, daß die Jugend des Bannes 116 allmählich solche' Ergebnisse erzielen wird, die sich ben im Reich erzielten Leistungen mürbig anreihen.
Die Kämpfe wickelten sich unter Leitung des Bannfachwartes für Leichtathletik, Himmel- mann, unter Mitwirkung bes Fachamtes für Leichtathletik reibungslos ab. Nachstehend die Ergebnisse; die Bekanntgabe der erreichten Gesamtpunktzahl erfolgt später.
Ergebnisse: *
10 0 Meter: Mtv. Gießen: Berkenhofs, 11,6 Sek.; Becht 11,7, Göbel 12,2 Sek. Tv. Heuchelheim: E. Rinn, 11,6 Sek.; Lang 12,4; Freitag 12,5 Sek. 1900 Gießen: Adolph 11,8 Set.; Gilbert 11,9; Adam 12,3 Sekunden.
1200 Meter: Mtv. - Gießen: Engelbach 3:52,2 Minuten; Wagner 3:54,5; Geiser 3:57,1 Minuten. 1900 Gießen: Deibel, 3:31,3 Min.; Löhr 3:34,4; Volkert 3:39,6 Minuten. Tv. Heuchelheim: Bepler 3:39,5 Min.; Kreiling 3:5Q,8 Min. (bie übrigen auf- gegeben.
Kugel st oßen: Mtv. Gießen: Jugharb 10,93 Meter; Göbel 10,43; Rau 9,38 Meter. 1900 Gießen: Adolph 11,32 Meter; Adam 8,85; Wissner 8,47 Meter. Tv. Heuchelheim: C. Rinn 11,37 Meter; W. Rinn 10,31; Sack 9,77 Meter.
Weitsprung: Mtv. Gießen: Berkenhoff 6,02 Meter; Gödel 5,55; Rau 5,55 Meter. 1900 Gießen: Gilbert 5,59; Hengst 5,10; Wendel 5,09 Meter. Tv. Heuchelheim: E. Rinn 6,22 Meter; W. Rinn 5,46; Hahn 4,92 Meter.
Hochsprung: Mtv. Gießen: Berkenhoff 1,55 Meter; Rau 1,46; Möckel 1,40 Meter. 1900 Gießen: Adolph 1,60 Meter; Löhr 1,45; Gilbert 1,45 Meter. Tv. Heuchelheim: A. Rinn 1,45 Meter; Schmidt 1,40; Hofmann 1,35 Meter.
Diskuswerfen (1,75 kg): Mtv. Gießen: Jughard 31,48; Möckel 24,15; Huth 22,84 Meter. 1900 Gießen: Deibel 25,05; Wisfner 21,32; Adam 19,42 Meter. Turnv. Heuchelheim: W. Rinn 28,54 Meter; Sack 27,93; Lang 25,91 Meter.
Keulenweitwurf: Mtv. Gießen: Jughard 56,75 Meter; Möckel 47,20; Rau 45,90 Meter. 1900 Gießen: Löhr 55; Hallstein 51,30; Hengst 47,30 Meter. Tv. Heuchelheim: W. Rinn 53,80 Meter; Lang 54,80; Sack 48,10 Meter.
4 X 100 -Meter - Staffel: Mtv. Gießen 46,5 Set.; Tv. Heuchelheim 47,5; 1900 Gießen 48,2 Sekunden.


