Ausgabe 
20.8.1938
 
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Nr. 194 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Samstag, 2O./$onntag,2L August 1938

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Nikolaus von Horthy.

Der Reichsverweser des Königreichs Ungarn, Admiral Nikolaus von Horthy, wird am morgigen Sonntag als freudig begrüßter Gast den Boden des Deutschen Reiches betreten. Der hohe Gast hat am 18. Juni dieses Jahres seinen 70. Ge­burtstag feiern' können. Er stammt aus den Ost- prooinzen des alten ungarischen Staates, die im ßqufe der Geschichte viele bedeutende Männer her- vorgebracht haben. Seine Vorfahren waren ßand- edctteute, die als Politiker und Beamte vielfach hervorgetreten sind.

Der junge Nikolaus von Horthy trat als See­kadett in die - österreichisch-ungarische Marine ein. Dort durchschritt er eine glänzende Laufbahn. Im

Reichsverweser Nikolaus von Horthy.

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Weltkriege hat er sich einen glänzenden Namen ge­macht, ais er zweimal mit dem KreuzerNovarra" die Blockade in der Adria durchbrach. Bei dem Vor­stoß im Mai 1917 kam er in ein schweres See­gefecht, wurde schwer verwundet, ließ sich aber auf Dem Deck des Schiffes festbinden, um das Kom­mando zu behalten und keinen Augenblick die Ueber- sicht zu verlieren. Seitdem führte er den Ehren­namen des Helden von Otranto. Als der Zerfall der alten Monarchie sich durch Matrosenaufstände ankündigte,, warf er den Aufruhr im Hafen von Cattaro mit starker Hand nieder. Zum Admiral ernannt, war Nikolaus von Horthy der letzte Kom­mandant der österreichisch-ungarischen Flotte- Das Schicksal mutete ihm die schwere Aufgabe zu, nach dem Waffenstillstand seine unbesiegten Schiffe aus­zuliefern. Er bewahrte auch hier die Würde und den Stolz des ungarischen Edelmannes. Erst als er oon Bord gegangen war, wurde die alte Fahne der k. u. k. Flotte eingezogen.

Horthy zog sich auf seine Besitzungen zurück. Ungarn wurde grausam zerschlagen, auf die links- . rad'ik<üe Revolution folgte die Herrschaft des bolsche­wistischen Terrors unter dem Juden Bela Khun. Da traten in der Stadt Szeged nationale Männer zusammen? um von hier aus den Vorstoß gegen die Herrschaft des jüdisch-kommunistischen Pöbels zu unternehmen. Als einfacher Kämpfer reihte sich Admiral von Horthy in diese Kolonnen. Bald aber zeigte sich, daß nur ein Mann oon starker Autorität in der Lage sein würde, das Land vom Chaos zu befreien. Wer anders war dazu berufen als der Held von Otranto, der im Juni 1919 Kriegsminister im Landesregierungsausschuß wurde! Die Schwie­rigkeiten waren riesengroß, denn die französischen Besatzungstruppen standen der nationalen Be­wegung mißtrauisch gegenüber, auch die Heimat des Admirals war von ihnen besetzt. Es gelang trotz alledem die Bildung einer ungarischen nationalen Armee, die kaum 7000 Mann stark war, und deren Führer Horthy der einzige politische Machtfaktor des zerrütteten Landes war. Als er in Budapest einziehen konnte, wurde er als der Held des Tages und als der Befreier von einer unertragltchen Schreckensherrschaft gefeiert.

Ungarn blieb der monarchischen Verfassung treu, auch wenn der Königsthron noch unbesetzt war. Am 1. März 1920 wählte die Nationalversammlung den Admiral von Horthy zum O b e r h a u p t des unga­rischen Staates, das den Titel eines Reichsverwesers führt. Eine schwere Belastung für den jungen Staat waren die Versuche der Habsburger Restauration. Im März und im Oktober 1921 erschien Karl von Habsburg heimlich in Ungarn, wurde aber durch militärische Machtmittel gezwungen, wieder umzu­kehren. Sein Weg führte ins Exil.

Die folgenden Jahre galten der inneren Be­friedung des Landes, wie auch der Auseinander­setzung mit den Nachbarstaaten. In der Innen­politik war besonders das Kabinett Gömbös der Träger von Reformen, wobei vielfach die Agrar­frage eine bestimmende Rolle spielte. Die Bedeutung des Amtes des Reichsverwesers wurde verstärkt und aus dem Parteigetriebe herausgehoben. Außen­politisch wurde der Gedanke der Revision des Friedens von Neuilly niemals preisgegeben. Die Beziehungen zwischen Ungarn und Italien sind im Laufe der Jahre vertieft worden, zu Polen bestehen ebenfalls freundliche Beziehungen, die durch einen Besuch des Reichsverwesers in Warschau zum Aus­druck gelangten. Unabhängig oon alledem war die Schicksalsgemeinschaft der ungarischen ''unö feir deutschen Nation allezeit so unbestritten, daß zwischen Berlin und Budapest stets das beste Ein­vernehmen bestanden hat. Diese Freundschaft knüpft an eine Geschichte an, die durch Jahrhunderte ge­meinsame Wege zeigte, und sie gründet sich auf das Heldentum deutscher und ungarischer Frontkämpfer,

Runciman schlägt autonome deutsche Gebiete vor?

Aufteilung der Tschecho-Glowakei in volksmäßig selbständige Kantone?

London, 20. Aug. (Europapreß.) Die englischen Blätter befassen sich am Samstagmorgen allgemein mit der Einsetzung mehrerer Sudetendeutscher als höhere Beamte im s u d e t e n d e u t s ch e n Gebiet, die am Freitagabend die lschechoslowa- kische Regierung Lord Runciman offensichtlich zu dem Zwecke mitteilte, sich bei dem englischen Ver­mittler in ein günstiges Licht zu sehen und den Be­ginn einer Entspannung vorzutäuschen. Die Lon­doner Presse verhehlt sich aber nicht, daß die Er­nennung einiger deutscher Beamter noch lange feinen Beitrag zur Lösung der Volksgruppen­frage im Sinne der SDP. darslelll.

Sichtlich größere Beachlyng schenkt man in Lon­don einem Plan, der alsR u n c i m a n - JJ l a n am heutigen Samstagmorgen zum erstenmal in den Berichten der Prager Korrespondenten darunter des Korrespondenten desRems Ehronicle", desDaily fjeralb, aber auch des amtlichen englischen Rach- richlenbüros auftaucht. Rach den Andeutungen der Korrespondenten dürfte dieser Plan sehr bald größte Bedeutung gewinnen. Rach den Berichten der Son­derkorrespondenten soll der noch in Ausarbeitung befindliche Runciman-Plan die Schaffung von drei autonomen deutschen Gebieten vorsehen. Diese Gebiete seien:

1. Der Böhmerwald bis Karlsbad;

2. das Bergwerks- und hüttengeblet an der Rordgrenze zwischen Gablonz und Komotau;

3. das Industriegebiet in Mähren und Schle­sien.

Diese drei Gebiete sollen nach dem Plan in ähn­licher Beziehung zum tschechischen Staat stehen, wie Rordirland zur englischen Regierung. Die in den drei Gebieten lebenden Tschechen würden ihre eigene Vertretung haben und die gleichen Rechte genießen wie die in den tschechischen und anderen Gebieten ansässigen Deutschen.

Analog hiermit soll auch das übrige tsche­chische Staatsgebiet in einheitliche tsche­chische, slowakische und ungarische Kantone aufgeteilt werden.

Der Prager Bericht:

Lord Runciman

macht Hodzagewisse Vorschläge".

Prag, 20. Aug. (DRB.) Lord Runciman hat eine Wochenendeinladung des Erbprinzen Adolf Schwarzenberg angenommen. Der Besuch gilt dem Iagdsih des Erbprinzen in Oberplan unweit von Böhmisch-Krummau. Mit Lord Runciman fahren seine Gemahlin und Mr. P e t o. Man erwartet, daß auch dieser Wochenendaufenthalt wie die bis­herigen keinen politischen Lharakter fragen wird. Lord Runciman will Erholung von seinen politi­schen Arbeiten suchen.

Ministerpräsident Dr. h o d z a empfing Freitag mittag Lord Runciman zu einer längeren Be­

sprechung. Die Unterredung dauerte ungefähr an­derthalb Stunden. Wie aus unterrichteter Quelle verlautet, hat die gestrige Zusammenkunft Lord Runcimans mit Konrad Henlein den hauptgegenstand der Unterhaltung gebildet. Lord Runciman soll auf Grund seiner gestrigen Besprechung mit Konrad Henlein dem Ministerpräsidenten gewisse Vorschläge un­terbreitet haben.

Wie eine der Regierung nahestehende Karre- spondenz meldet, ist eine Begegnung der sudeten­deutschen Parteiabordnung mit dem tschecho-slowa- fischen Ministerpräsidenten und den politischen Mi­nistern in Aussicht genommen. Die Regierung legt nach derselben Quelle größten Wert auf die Fortsetzung der Besprechungen.

Runcimans Mitarbeiter angepöbett.

Daily Mail" stellt fest:Von Tschechen niedergeschrieen und angegriffen".

Brüx, 19. Aug. (DNB.) Wie erst jetzt bekannt wird, begaben sich am Donnerstag nach der Be­gegnung HenleinRunciman in Rothenhaus Ab­geordneter Kundt, Mr. Ashton G w a t k i n und Mr P e t o nach Brüx, wo sie sich im Bürgermeister­amt und bei den Funktionären der Sudetendeutschen Partei, sowie bei der Staatspolizei über die Vor­fälle in Brüx informierten. Die Unterredungen dauerten fast zwei Stunden. Die englischen Herren betonten, daß ihre Informationen an Ll^rd Runciman weitergegeben werden, der durch die Ereignisse in Brüx beunruhigt sei. Auf dem Rückwege wurde die Abordnung von deut­scher Seite mit herzlichen Heil-Rufen begrüßt. Doy tschechischer Seite wurde ein schrilles Pfeif- konzert angestimmt. Es ertönten .Pfui- Rufe, peinliches Aussehen in England.

Englischer Augenzeugenbericht.

London, 20. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Tat­sache, daß die Beauftragten Lord Runci­mans, die sich am Donnerstag nach Brüx be­geben hatten, um sich dort persönlich über die schwe­

ren Ueberfälle auf die Sudetendeutschen zu infor­mieren, nun selbst Gegen st and einer feind« seligen tschechischen Demonstration geworden sind, hat in England peinliches Aufsehen erregt.

Mit kaum verhehlter Entrüstung gibt der Prager Korrespondent derDaily Mai I" folgende Schil­derung: Die Mitglieder des Stabes Lord Runci­mans, Geoffrey P e t o und Alfhon-Gwatkin, feien am Donnerstag in Brüx, wohin Lord Runci­man sie geschickt habe, um die Unruhen vom ver­gangenen Dienstag, bei denen 50. Sudetendeutsche durch Tschechen verletzt wurden, zu untersuchen, von Tschechen niedergeschrieen und ange­griffen worden. Die beiden Beauftragten Lord Runcimans. hätten Gelegenheit gehabt, sich an Hand von Dokumenten und Photographien sowie Zeugen­aussagen ein Bild von den Vorgängen zu «machen. Auf dem Weg zum Polizeiamt seien sie von den Deutschen mit Heilrufen und erhobe­nen Armen, von den Tschechen aber mit einer Art Katzenmusik empfangen worden. Vor den Augen der Engländer habe ein Tscheche, der gegen die Deutschen eine drohende Haltung einnahm, oon der Polizei festgestellt werden müssen.

Das nennt Prag eine Leistung!

Prag, 19. Aug. (DNB.) Wie oon dem Sekre­tariat Lord Runcimans mitgeteilt wird, hat der Vorsitzende der Regierung Dr. H o d z a er­klärt, daß in einiger Zeit innerhalb der P o st Ver­waltung eine Reihe Dpn Stellen Beamten deutscher Nationalität eingeräumt werden soll. Wie es in der Mitteilung heißt, handelt es sich um sechs Po st mei st er st eilen und die Stelle eines P o st m e i st e r st e 11 v e r t r e t e r s. Weiter wird in vager Form mitgeteilt, daß man die Absicht habe, auch in der politischen Ver­waltung deutsche Beamte mit verschiedenen Auf­gaben zu betrauen. So soll die Besetzung der Stelle des Vorsitzenden am Kreisgericht in Eger durch einen Sudetendeutschen in Erwägung gezogen wor­den fein..

Dazu schreibt derDeutsche Dienst" unter der ÜberschriftErfüllte Zusagen sind keine Zugeständnisse": Die dem englischen

Vermittler Lord Runciman vom Vorsitzenden der Prager Regierung mit der nicht zu übersehenden Absicht einer propagandistischen Wirkung gemachte Mitteilung, daß in einer eng begrenzten Anzahl oon Postoerwaltungen leitende deutsche Beamte ein­gesetzt werden sollen, ist keineswegs geeignet, das Problem der den Sudetendeutschen vor­enthaltenen Gleichberechtigung zu lösen. Diese Mitteilung stellt, zumal es sich bei ihr um eine läng ft fällige Konzession handelt, noch nicht einmal einen Beitrag zur Ab­stellung der viel grundsätzlicher gelagerten Be­schwerden der Sudetendeutschen dar. Mit der an« gekündigten Bestellung deutscher Beamter, die wohl unter dem Druck der allmählich immer klarer sehen­den öffentlichen Meinung des Auslandes beschlossen wurde, soll offensichtlich der Eindruck erweckt wer­den, als ob nun endlich von Prager Regierungs­seite etwas Entscheidendes zur Behebung der inner- politischen Schwierigkeiten geleistet worden sei.

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Zusammen mit dem ungarischen Reichsverweser von Horthy kommen (von links nach rechts) feine Gattin, Ministerpräsident von Jmredy, Außenminister von Kanya und Landesverteidigungsminister General Ratz nach Deutschland. (Scherl-Bilderdienft-M.)

die im Weltkriege Schulter an Schulter gestritten haben. Der Anschluß Oesterreichs hat daher in Ungarn keine unfreundlichen Gefühle hervorgerufen, wie es von mancher ausländischen Seite gewünscht wurde, im Gegenteil: Reichsverweser von Horthy und die ungarischen Staatsmänner haben dieses historische Ereignis mit herzlichen Glückwünschen für das geeinte deutsche Volk begleitet.

Wenn die Völker sich in tiefster Not befinden, so werden ihnen, wie die Geschichte lehrt, oftmals Männer geschenkt, die ihre Retter werden. In Ungarn war es der Soldat Nikolaus von Horthy. In Deutschland ist es der (Befreite des Weltkrieges, Adolf Hitler, gewesen, der feinen Namen in die Weltgeschichte eintrug, als er das deutsche Volk zur Freiheit, Einheit und neuen Wehr­haftigkeit zusammenfügte. Die nationalsozialistische

Bewegung erkennt das hohe Verdienst des natio­nalen Ungarns und seines Reichsverwesers an, das in der Niederwerfung des Bolschewismus besteht.. Damit war der Beweis gegeben, daß die europä­ische Kultur stark genug ist, um dem gefährlichen Gift des Kommunismus zu widerstehen, wenn die Männer vorhanden sind, Vie dagegen zu kämpfen wissen.

Der Reichsverweser Ungarns ist in feiner Heimat ein Mann von beispielloser Volkstümlichkeit. Als alter Soldat versteht er die Herzen seiner Lands­leute, seine Ritterlichkeit begeistert die ganze Nation. Seine zweite Muttersprache ist deutsch, daneben aber spricht er fast alle europäischen Sprachen. Der Sieger von Otranto" ist ein begeisterter Seemann geblieben, auch nachdem Ungarn keine Meeresküste mehr besitzt.

Ungarn ' und Deutschland, Adolf Hitler und Horthy das sind Faktoren, die sich ohne weiteres miteinander verstehen, die durch gegen­seitige Treue und Kameradschaft miteinander ver­bunden sind. Politisch gibt es hier keine Gegen­sätze, wirtschaftlich bestehen zwischen beiden Staaten die besten Beziehungen, international betrachtet bilden beide Bollwerke des Friedens in Europa. Wenn dazu noch die Sprache der Geschichte und die große Kraft gemeinsamer Traditionen redet, so ergibt sich von selber der volle Husammenklang der Gefühle, die den Deutschland-Besuch des Reichsver­wesers von Horthy begrüßen und begleiten!

Das deutsche Volk grüßt die ungarische Nation mit ihrem ritterlichen Führer, Soldaten und Staats­mann Horthy an der Spitze!