I * ..... kii WT.
Mittwoch, 20. Juli M8
HrJ67 Erstes vlatt
188. Jahrgang
Oie Krifis im deutsch
brasilianischen Handel
Die Gründe, aus denen die Regierung in Washington und die maßgebenden Finanzkreise der Union eine Wirtschaftsfront gegen Deutschland aufzurichten suchen, liegen zum Teil auf politischem Gebiet. Das in den Vereinigten Staaten so einflußreiche Judentum benutzt jede Möglichkeit, Deutschland wirtschaft- lich zu schädigen. Es ist Träger jener Boykottbewegung, die wir beim Absatz unserer Produkte in Amerika, aber auch bei der Unterbringung des Frachtraums und der Passagierplätze unserer Uebersee- dampfer zu spüren bekommen haben. Daß aber auch hier Qualität sich durchzusetzen vermag, zeigt die kürzlich aus Bremen ergangene Meldung, daß der Norddeutsche Lloyd für die drei nächsten aus amerikanischen Häfen nach Europa abgehenden Dampfer die Passagierplätze flott absetzen konnte. Aber allgemein kann man sagen, daß die amerikanische Union überall dort zu finden ist, wo Deutschland ein Schaden zugefügt werden kann.
In den Bereinigten Staaten, wo man in den Jahren 1918 und 1919 vom Wilson-Frieden abrückte und sich bemühte, Deutschland Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, setzte sich nach dem nationalsozialistischen Umschwung Anfang 1933 ein Stimmungswandel durch. Als Mitte des nächsten Jahres (im Juni 1934) Deutschland nach Erschöpfung seiner Gold- und Devisenbestände ein Ueberweisungsmoratorium für Schuldbeträge verfügen mußte, zeigte man sich in den Vereinigten Staaten besonders empört. Man hat es bis heute nicht verstanden, daß ein Gläubigerland seinem
Sturmtruppabteilungen und nahm als solcher an den wichtigsten Schlachten der Fronten von Tolmein und Görz, an der Karstfront und der Front von Bainsizza und auf dem Montello teil. Nach seiner Ernennung zum Offizier des Generalstabes und nach Absolvierung eines besonderen Kurses wurde er mit Aufgaben bei Kommandos höherer Einheiten und im besonderen beim Kommando der 51. Division während der Piaveschlacht beauftragt. Er ist kriegsverwundet und ausgezeichnet mit zwei silbernen Verdienstmedaillen und dem Mauriciusorden.
Das faschistische Ideal fand ihn als einen der ersten in den vordersten Reihen; er ist ausgezeichnet mit dem Orden des „Marsches auf Rom". Er organisierte di" erste Legion der MVSN. „Taglia- mento"; war Parlamentsabgeordneter und Bürgermeister von Udine. Als Präfekt leitete er die Provinzen von Cieti, La Spezia und Forli. 1935 wurde er zum Chef des Stabes der Freiwilligen Miliz der nationalen Sicherheit ernannt, ein Amt, das er mit dem Range eines Generalleutnants bekleidet. Die Miliz hat im Kampfe ihre Lebenskraft und ihre wirkungsvolle Organisation gezeigt.
Haden amtliche amerikanische Stellen sich durch Agenten unkontrollierbare Auskünfte über ein angebliches deutsches „Dumping" verschafft und auf Grund der so gewonnenen höchst zweifelhaften Erkenntnisse Zollzuschläge auf deutsche Waren dekretiert, die es Deutschland erheblich erschwert haben, das Amerika-Geschäft weiter zu pflegen. Als dann um die Wende Juni-Juli dieses Jahres Großbritannien und die Schweiz einwilligten, den Zinssatz für deutsche und frühere österreichische Auslandsschulden herabzusetzen, hat man in Washington diese „unzulässige Verquickung von Schulden und Geschäft" getadelt und erklärt, daß Amerika dem Beispiel der beiden europäischen Länder nicht folgen werde. Wenn man in den Vereinigten Staaten etwa hoffen sollte, durch Lahmlegung des deutsch-brasilianischen Handels selbst das Erbe etwa auf dem Gebiet der Baumwoll- Lieferungen antreten zu können, so könnte sich das als Irrtum erweisen. Die Welt hat, wie dje hohen Erntezahlen und der niedrige Preisstand zeigen, keinen Mangel an Baumwolle. Außerhalb Amerikas gibt es leistungsfähige Baumwoll-Lieferanten in Asien (Indien) und Afrika (Aegypten). Der Eingriff der amerikanischen Union in die deutsch-brasilla- Nischen Wirtschaftsbeziehungen charakterisiert sich als ein unorganischer Eingriff in den internationalen Warenaustausch zu einer Zeit, wo man nirgendwo stärker als gerade in Amerika das Fortschreiten der Weltwirtschaftskrise am eigenen Leibe verspürt.
Prag, 19. Juli. (Europapreß.) Von halbamtlicher tschecho-slowakischer Seite war erklärt worden, die Verhandlungen über die Neuregelung der nationalitätenrechtlichen Fragen seien nach Einzelerörterungen in ihre Schlußphase getreten, und keine politische Gruppe werde vor vollendete Tatsachen gestellt. Die zur Führung der Gespräche mit der tschecho-slowakischen Regierung bevollmächtigte sudetendeutsche Abordnung sieht sich nunmehr zu der Feststellung gezwungen, daß die Verhandlungen überhaupt noch nicht begonnen haben. Bisher sei es lediglich zu informativen Besprechungen gekommen, m denen die Regierung niemals ihre Stellungnahme zu den Vorschlägen der Sudeten- deuischen Partei bekanntgegeben habe. Auch die Vorschläge der Regierung seien der sudetendeutschen 'Abordnung bisher n o ch n i ch t bekanntgegeben worden. Ein offizieller Meinungsaustausch sei weder über die Vorschläge der Sudetendeutschen Partei vom 7. Juni, noch über die Pläne der Regierung erfolgt, noch weniger könne von einer Einzelausfprache über die bevorstehenden parlamentarischen Arbeiten berichtet werden.
Die sudetendeutsche Abordnung habe vielmehr mit Rücksicht auf die in Umlauf befindlichen Gerüchte wiederholt vor einer Festsetzung parlamentarischer Termine gewarnt, da die Gespräche noch nicht einmal bis zu einer Aussprache
Schuldner Gelegenheit geben muß, Devisen z u verdienen, wenn die Zins- und Tilgungsraten pünktlich überwiesen werden sollen. Amerika will aber Schulden kassieren und gleichzeitig Außenhandelsgewinne erzielen. Während eine Reihe europäischer Gläubigerländer die Möglichkeit hatte, aus dem Ueberschuß, den Deutschland im Außenhandel mit ihnen erzielte, Mittel für den Schuldendienst verfügbar zu machen, bestand für die Vereinigten Staaten von Amerika eine solche Möglichkeit nicht. Der Ueberschuß, den die Union im Warenaustausch mit Deutschland erzielte, ist zwar gesunken, aber nicht verschwunden. Er betrug im Jahre 1934: 225 Millionen, im Jahre 1935: 71 Millionen, im Jahre 1936: 60 Millionen und im Jahre 1937: 73 Millionen. Wenn jetzt Amerika nicht nur seinen eigenen Markt der deutschen Ausfuhr versagt, sondern auch andere Abnehmerländer zwingt, die Bestellungen auf deutsche Jndustrieerzeugnisse einzustellen, so verschiebt es damit die Wiederherstellung eines regulären Schuldendienstes für die von Deutschland aufgenommenen Anleihen auf unabsehbare Zeit.
Da die amerikanische Union der Generalgläubiger der Welt und der größte Gläubiger Deutschlands ist, kommt ihr die Rolle eines Vorkämpfers in der internationalen Krisenbekämpfung und Wirkschaftsverständigung zu. Bisher ist nichts davon zu spüren, daß man in Washington für eine solche Mission Verständnis hat. Im Streben, Waffen gegen den deutschen Außenhandel zu schmieden,
Annahme oon Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8' /,Ut)r des Vormittags
(Brunöprette für l mm höhe für Anzeigen oon 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen oon70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach oorh. Vereinbq.25"/o mehr.
Lrmähtgie Grundpreise: Stellen-., Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige löelegenheitsanzer» gen 5 Rpf., Familienanzeigen. Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzelgen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
über die gesamten Fragen auf der Grundlage der beiderseitigen Vorschläge vorgeschritten seien. Die Sudetendeutsche Partei sei mit Rücksicht auf diese Lage verpflichtet, die Oeffentlichkeit davor zu warnen, Nachrichten über eine angebliche Schlußphase zu glauben, denn es sei noch nicht einmal t> i e § rste Phase der Verhandlungen beendet.
Das Tschecho-Slowakische Preßbüro veröffentlichte einen Bericht über die Verhandlungen um das Nationalitätenstatut. Danach fand beim Präsidenten der Republik eine Beratung des politischen Kabinetts statt. Weiter wird berichtet, daß Ministerpräsident H o d z a die Vertreter der Slowakischen Volksportei zu längeren Beratungen empfangen habe. Der tschecho-flowakische Gesandte in Berlin, Dr. Mastny, habe ihm Bericht erstattet. Er wird, wie es weiter heißt, nunmehr die Delegierten der Vereinigten Ungarischen Nationalpa r- t e i empfangen und gleichzeitig seine Konferenzen mit den bevollmächtigen Unterhändlern der Sudetendeutschen Partei fortsetzen. Der sechsgliedrige parlamentarische Koalitionsausschuß wird an die Behandlung der Entwürfe der Regierung zur Regelung der Na- tionalitäten-Selbstverwaltung schreiten. Das Preß- büro erklärt, daß die Regierung bemüht sei, die legislativen Vorbereitungsarbeiten möglichst zu beschleunigen.
sönlichkeiten der ihnen van Natur aus gegebene territoriale Wirkungsbereich überlasten bleiben. Das einheitliche Staatsgebiet muß daher in das tschechische, deutsche, slowakische usw. Volksgebiet untergliedert werden. Dies bedeutet: Neuabgrenzung aller Sprengel nach den Volksgrenzen in allen öffentlich-rechtlichen Bereichen einschl. denen der staatlichen Unternehmungen und Einrichtungen aller Art. Enklaven sind ebenso abzugrenzen, daß sie eigene Verwaltungssprengel bilden. Für andersnationale Staatsbürger in den Volksgebieten sind
eines jeden Volkes und einer jeden Volksgruppe;
b) der angemessene Anteil jedes Volkes und jeder Volksgruppe, an Führung, Gestaltung und Leistungen des Staates;
c) Schutz gegen Entnationalisierung;
d) Gewährleistung für ungehindertes völkisches Bekenntnis und des Rechtes auf Pflege der nationalen Zusammengehörigkeit.
3. Die national-regionale 3t eu- Ordnung.
Wie zum Staate neben der Staatsbevölkerung ein Staatsgebiet gehört, muß auch den Dalksper-
23on Dr. Gart Weltthor.
In einer offenbar auf amtlichen Berichten fußenden Mitteilung heißt es, daß die deutschen Warenbezüge aus Brasilien zum Stillstand gekommen seien. Dies sei die Folge der von der Banco do Brasil Ende Juni getroffenen Entscheidung, den Ankauf von B e rr e ch n u n g s m a r k ein- zustellen. Damit ist den brasilianischen Lieferanten die Möglichkeit genommen, die ihnen als Zahlung übergebenen Verechnungsmark einzuwechseln. Hinter dieser Entscheidung steht offenbar die nordamerikanische Finanzwelt, die alles aufbietet, um Deutschland aus dem südamerikanischen Geschäft zu verdrängen. Dabei ist erst kürzlich in einem in Amerika weitverbreiteten Buch bargelegt worden,
NSG. Am Mittwoch und Donnerstag weilt der Generalstabschef der faschistischen Miliz, General Russo, im Gau Hessen-Nassau. In seiner Begleitung befindet sich auch Stabschef Lutze. General Russo trifft am Mittwoch um 20.30 Uhr mit einem Sonderzug in Wiesbaden ein. Bei der Ankunft werden die Gäste von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger begrüßt. Im „Nassauer Hof" wird am Abend ein zwangloses Zusammensein mit Gauleiker Sprenger und führenden Männern des Gaugebietes stattfinden. Am Donnerstagvarmittag fährt General Ruffo zur Besichtigung des Opelbades auf dem Neroberg und begibt sich dann nach Biebrich, wo er in einem Sonder- dampfer die Fahrt n ach Godesberg antritt.
Generalleutnant Luigi Ruffo, der Chef des Stabes der Freiwilligen Miliz der Nationalen Sicherheit (Milizia Volontaria Sicurezza Nationale), kommt aus den Reihen der Kämpfer um Italiens Einheit an den Fronten des Weltkrieges. Als Berfaglieri-Leutnant, dann als Hauptmann und schließlich auf Grund feiner Verdienste im Kriege als Major und Oberstleutnant war er Führer von
General Russo besucht Hessen-Tiassau
Empfang durch Gauleiter Sprenger in Wiesbaden.
1
Angebot 1* 1 ^anotierunDMiija »5! K h. Verein-H Island unb; I rleMum te j
o10H5 "°-h i
Uenverke r ! Ult 215 nachz I '5_bl5123 (132| j I Deutsche MM I „§en zeigten fe I ahnten Durchs I
,Qr ebenfalls |t ge Bewertung I 0 (83), Ufa Lj,
77 (79) und L (88). Tagesgch I
’ beruhigt.
ch den starken ine leichte Bern! Angebot herain mfang und stii. nähme, zumeist 'r Kundschaft sei j haben. Wähn 1
'en Frankfurter | ig und teilwF I Vergleich zum S I esserungen um fr | lagen M. Fartr' I (in 147,40). W Mannesmann ans ben mit 100 Wr einstahl sich drin, 11 (112,13) bM l ml mit 123 (M M auf 1-11 rnieMl auf 124 M.131 twM .
MAI Wo | üt 123.40 (in 1). Sonst wbr Pauie 104.75 d’ 3 (911 Wen 46). VW W > (unverändert)' nd Kraft 133 (r ändert). MW zwar Deutsche r
rechnet mit 1O9.<; Mage nach wr iniaen M*. nmunal-UmschiM .
Verhandlungen überhaupt nochl nicht begonnen
Eine sudetendeutsche Feststellung.
Die Sudetendeutsche Partei veröffentlicht ihre Denkschrist
Notwendige Richtigstellung von irreführenden Indiskretionen.
wolle. „
Nicht viel anders steht es mit den übrigen Produkten, die Deutschland aus Brasilien vornehmlich bezieht. Tabak gibt es in einer großen Zahl anderer Länder. In Kautschuk bauert die internationale Überproduktion an. Jedes Erzeugerland muß es sich daher dreimal überlegen, ob es einen Zuverlässigen Abnehmer vor den Kopf stoßen soll. Äehnlich steht es mit Fellen und Häuten, an denen die übrigen südamerikanischen Länder, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Chile ein großes Angebot bereitstellen. Es ist auch nicht so, daß unterbrochene Rohstoffbezüge ohne weiteres wieder angenommen werden, wenn es der Regierung und der Notenbank des Landes einfällt, den Ankauf deutscher Verrechnungsmark wieder aufzunehmen. Deutschland befindet sich in einer Ü m ft e 11 u n g iunb bereitet sich auf Stetigkeit im Bezug ausländischer Rohstoffe vor, um seine eigenen neuen Werk- htoffe richtig in die nationale Wirtschaftsbilanz ein- \ gliedern zu können. Dies gilt vornehmlich f ü r Baumwolle und Kautschuk, die zugunsten der deutschen Rohstoffe Zellwolle und Buna I an Boden verlieren. Es ist daher für Länder, die I Erzeuger van Masfenrohstoffen sind, in diesen Ueber- gangsjahren besonders riskant, einen Abnehmer wie Deutschland zu verprellen.
iefrcibebotk.
-iuli Es votierte Z je WO M 3 ® 11 19-1-
18 M «1« * (19 180. $14 t
ter «ttani»" .
UZ-
' ystiolenheu,
-proaran""
. 20.s f V $uf in6ÄaeV^ streut
d ^U'ylr eit^ 13-
AsK w *;>* ■
V*
Prag, 19. Juli. (DNB.) Das Presseamt der SDP. teilt mit: Die SDP. hat seit Beginn der Vorbesprechungen über den künftigen nationalitätsrechtlichen Aufbau der Tschecho-Slowakei dem Wunsche der Regierung Rechnung getragen und die Besprechungen mit ihr absolut vertraulich behandelt. Wenn das van der SDP. der Regierung am 7. Juli überreichte Memorandum, das eine Konkretisierung der acht Karlsbader Forderungen Henleins enthält, nunmehr durch die Indiskretion einer französischen Presseagentur der Oeffentlichkeit in seinen wesentlichsten Zügen bekanntge- geben worden ist, so stellt die SDP. demgegenüber fest, daß sie mit dieser Veröffentlichung weder direkt noch indirekt etwas zu tun hat.
Wie erinnerlich, hat die Regierung das Memorandum der SDP. als Verhandlungsgrundlage angenommen. Daraus geht hervor, daß keine der dort aufgestellten Forderungen der Regierung von vornherein unannehmbar erschien. Trotzdem durste die tschechische Presse die öffentliche Meinung erzeugen, daß die in Karlsbad' aufgestellten Forderungen — die Grundlagen des Memorandums — für die tschechische Seite unannehmbar seien. Die SDP. übergibt den vollständigen Wortlaut des Memorandums der Oeffentlichkeit, um sie in die Lage zu versetzen, sich darüber ein Urteil zu bilden, ob die Vorschläge der SDP. geeignet sind, die auch im Auslande als unhaltbar erkannten nationalpolitischen Verhältnisse im Interesse der Ordnung und des Friedens zu regeln. Das Memorandum enthält u. a. folgende Punkte:
1. Herstellung der Gleichberechtigung.
Als Fundament jeder demokratischen Verfassung gilt der Grundsatz der vollen Gleichberechtigung. Die 20jährige Entwicklung im Staate hat ergeben, daß diese Gleichberechtigung weder individuell noch für die die Staatsbevölkerung bildenden Völker und Volksgruppen hergestellt wurde. Unausbleiblich ist daher eine Neuordnung des Staates. Eine solche Neuordnung muß zwangsläufig bei den Grundelementen des Staates (Bevölkerung, Staatsgebiet) einsetzen.
2. Gewährleistung des demokratischen Prinzips der Volkssouveränitäl.'
Die einzige Quelle aller Macht im Staate ist das souveräne Volk. Unter Volk können nach der konkreten politischen Lage nur die im Staat siedelnden Völker und Volksgruppen verstanden werden, so daß der Gesamtwille des „souveränen Volkes" nur aus dem Zusammenwirken dieser Völker und Volksgruppen entstehen kann. Das tschechische Volk, die deutsche Volksgruppe u. a. sind die Grundelemente des „souveränen Volkes". Sie können als solche Grundelemente nur durch Konstituierung ihrer Rechtspersönlichkeit erfaßt werden. Sie müssen daher auch Organe erhalten, die sie repräsentieren, für sie ihre Angelegenheiten selbst bestimmen und durch die sie an der gemeinsamen Staatsgewalt teilnehmen können.
Die juristische Staatspersönlichkeit bedarf daher im Staatsaufbau und in der Bildung der Staatsbevölkerung der Rechtspersönlichkeit der Völker und Volksgruppen. Nur dadurch kayn auch die Gleichberechtigung, die gleiche Rechtsstellung und Handlungsfähigkeit der Völker und Volksgruppen herae- ftellt werden. Sonst würde es Herrschende und Beherrschte geben, was dem Derfassungssystem widerspricht, für welches sich die Staatsgründer aus Eigenem entschieden haben. Die rechtlichen Volkspersönlichkeiten müssen naturnotwendig alle im Staate lebenden Volksgenossen erfassen. Den bürgerlichen Rechten und Freiheiten müssen auch Rechte und Freiheiten der Volkspersönlichkeit an sich, untereinander und gegenüber dem Staate als dem gemeinsamen Rechtsbewahrer entsprechen. Diese Grundrechte der Völker und Volksgruppen müssen sein:
a) Freiheit und Sicherung der eigenen Bestimmung der gleichberechtigten Entwicklungsmöglichkeiten aller Leistungen, Kräfte und Fähigkeiten
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Fwnilienblatter Heimat im Bild • Die Scholle DlonatsiBesugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr , -.25
daß es kein natürliches wirtschaftliches Uebergewicht Nordamerikas auf südamerikanischen Märkten gebe, da die Entfernung von Rio de Janeiro nach Neu- york kaum geringer sei als die von Rio nach Hamburg und London. Anläßlich des jüngsten brasilianischen Putsches ist behauptet worden, daß deutsche Kreise die Hand im Spiele gehabt hätten. Obwohl diese Behauptung von amtlicher brasilianischer Seite widerlegt und damit als Lüge entlarvt worden ist, hat sich eine Abkehr einflußreicher brasilianischer Kreise von Deutschland vollzogen, als deren äußeres Symptom der erwähnte Beschluß der Banco do Brasil anzusprechen ist.
Brasilien wird vom Einschrumpfen des Warenverkehrs mit dem Reiche mehr Nachteil haben als wir. Dies ergibt sich zunächst bereits aus der Höhe der Ein- und Ausfuhr. Im Jahre 1935 war die deutsche Einfuhr aus Brasilien um fast $60 Millionen Mark größer als die deutsche Ausfuhr nach Brasilien. Im Jahre 1936 gab es einen geringfügigen Außenhandelsüberschuß für Deutschland (2 Millionen Mark), aber bereits rm Jahre 1937 entstand ein neuer Ueberschuß für Brasilien in Höhe von 9 Millionen Mark. Brasilien handelt Lllso gegen feinen eigenen Vorteil, wenn es dem Warenaustaufch mit dem Reich den Todeskeim einimpft. Dazu kommt noch die Zusammen- ietzunq der brasilianischen Ausfuhr nach Deutschland. Sie besteht überwiegend aus Kaffee, Baumwolle, Tabak, Kautschuk, Wolle sowie Fellen und Hauten. Alles dies sind Waren, die Deutschland anderwärts in mindestens gleicher, mitunter sogar besserer Qualität und sicherlich nid)2 teurer beziehen kann. Es lohnt sich schon, die brasilianischen Lieferungen nach Deutschland aufzugliedern und gründlicher zu betrachten.
Der klassische Ausfuhrartikel von Brastlien ist Kaffee. Wie groß der Produktionsüberschuß und damit das Ausfuhrinteresse Brasiliens an Kaffee ist, Ergibt sich aus der Tatsache, daß das Land in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als 60 Millionen Sack Kaffee ins Meer versenkt und damit vernichtet hat, um das Überangebot zu verringern. Die große Masse des in Brasilien erzeugten Kaffees besteht aus den geringeren Sorten, die nur schwer einen Markt finden. Neben einigen besseren Sorten Sanlos-Kaffee bezieht Deutschland mittelamerikanische und ostindische Sorten. Es ist jedenfalls ein besonde- , res Entgegenkommen, das Deutschland dem befreundeten Brasilien erwies, wenn es die Kaffeebezüge aus Brasilien aufrechterhielt. Ebenso umfangreich waren die brasilianischen Baumwoll-Lieferungen für den deutschen Markt. Hier hat der Anstieg bis in die jüngste Zeit angehalten. Es scheint gerade die Baumwolle gewesen zu sein, die für das Verhalten der Vereinigten Staaten gegenüber Brasilien eine besondere Rolle spielte und die Washingtoner Regierung und die Dollarmagnaten weranlaßte, Brasilien zu einer unfreundlichen Wirtschaftspolitik gegenüber Deutschland anzustiften. Im Äahre 1936 überstieg der Wert der deutschen Ein- suhr an brasilianischer Baumwolle mit mehr als 38 Millionen Mark sogar den der Einfuhr des brasilianischen Kaffees. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres bezog Deutschland für etwa 10 Millionen Mark brasilianische Baumwolle und stand damit an erster Stelle unter den Ab- Ivehmern dieses brasilianischen Produkts. Dabei bedurfte es beträchtlicher Umstellungen in der deutschen Textilindustrie, um die brasilianische Baumwolle in gleicher Weise verarbeitungsfähig zu machen wie die bisher bezogenen anderes Provenienzen, besonders die nordamerikanische Baum-
Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße« Poftschrcktonto:
Sranffurt -am Main 11688
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühische Uniperfitätsdruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung »nd Seschästsftelle: Schuiftrahr 7


