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tiefer gelegenen Viertel schon bedroht sein. Die chi­nesischen Behörden sollen dort die Deiche erhöhen lassen. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß die Flüsse Yin und T schlau, die schon jetzt südlich von Kaifeng einen großen Teil der Wasser­massen des Gelben Flusses aufnehmen, bei einem stärker werdenden Druck die Ufer sprengen und damit die Ueberschwemmungskatastrophe in der> Ebene von Hvncm noch nie erlebte Ausmaße an­nimmt. Weiter befürchtet man auch noch Kata­strophen am Hwei-Fluß, der zwischen dem Gelben Fluß und dem Jangtse verläuft und in den Hunglee-See mündet. Vom oberen Hwei-Fluß wird schon jetzt ein wachsender Wasserspiegel gemeldet. Ueberschwemmungen im Hwsi-Tal müßten Millio­nen Menschen zwischen den beiden Riesenströmen Chinas in Lebensgefahr bringen.

Heber der Wasserwüste kreuzen japanische Militärflieger, die die Dormarschrichtung des Gelben Flusses feststellen. Am Damm der Lung- hai-Bahn drängen sich die chinesischen F l ü ch't- l i n g e und auch abgeschnittene japanische Soldaten, denen die Flieger Verpflegung zuwerfen. In vielen Dörfern und Städten sind auch die japanischen Be­satzungen von den Fluten eingeschlossen. An den nördlichen Fronten herrsche völlige Gefechts­ruhe. Von chinesischer Seite wird erklärt, daß diese Hvchwasserkatastrophe gewissermaßen nur ein Vorspiel sei, da das faisonmäßige Hochwasser erst im Juli und August zu erwarten sei.

Reue diplomatische Offensive Chamberlains.

London, 19. Juni (Europapreß.) Die Ge­spräche zwischen Vertretern der italienischen Regie­rung und dem englischen Botschafter Lord Perth haben in London erneut zu Mutmaßungen Anlaß gegeben, wonach schon in allernächster Zeit eine neue diplomatische Offensive" des Ministerpräsidenten Chamberlain be­vorstehe. Während ein Teil der Presse neue Ent- wicklunaen im englisch-italieniscken Verhältnis und in der spanischen Frage voraussagen, sprichtSun- day Dispatch" von einemneuen Friedens- p l a n für Europy" und will wissen, der .eng­lische Ministerpräsident habe bereits in den letzten Tagen mit fünf Botschafternvertrauliche Unter­redungen" gehabt. Auch habe Ministerpräsident Chamberlain es durchgesetzt, daß die Oppos- t i o n s p a r t e i e n sich im Unterhaus außenpoli­tisch möglichst z u r ü ck h i e l t e n , um die Arbeit der Regierung nicht unnötig zu erschweren. Die Leiter der Oppositionsparteien hätten darauf ihren Abge­ordneten entsprechendeGeheimanordnungen" zu­kommen lassen.

London und Rom eine neue Fühlungnahme im Gange sei mit dem Ziel, das Abkommen vom 16. April möglich st bald, in Kraft treten zu lassen und dazu eine der Vorbedingungen, die Zurücknahme de'r italienischen Frei- w i l l i g e n aus Spanien, abzuändern. In Lon­don heißt es Mussolini habe vorgeschlagen, die ita­lienischen Freiwilligen ausder Kampfzone zu­rückzuziehen, aber vorläufig noch aufspanifchem Boden zu belassen.Observer" sagt, jedermann weiß, daß feit dem 16. April die Roten unge­heure Verstärkungen an Krieasmate- r i a l und an deren Vorräten sowohl auf Dem Land- als auch auf dem Seewege bekommen haben. Der ita­lienische Vorschlag'würde von der englischen Regie­rung .mit Sympathie" geprüft, wobei allerdings in­nerpolitische Fragen von den Londoner Stellen nicht außer acht gelassen werden könnten.

Kieme politische Rachrichten.

Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehr­macht hat ernannt: Die Admirale Albrecht zum Marine-Gruppenbefehlshaber Oft, Saalwächter zum Kommandierenden Admiral der Marinestation der Nordsee, Carls zum Kommandierenden Admi­ral der Marinestation der Ostsee, Böhm zum Flottenchef.

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Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, wird in der zweiten Juni­hälfte eine Dienstreise durch die deutsche Ostmark unternehmen und dabei auch einige Standorte, u, a. Linz und Wien, besuchen.

In dem festlich geschmückten Ehrenraum der Altonaer Ausstellungshalle fand in Anwesenheit der Reichsfrauenführerin Frau Scholtz-Klink und des Reichsstatthalters und Gauleiters Kaufmann die Er­öffnung^ der unter der Schirmherrschaft der Reichs- frauenfuhrerin stehenden AusstellungFrauen schaffen für Deutschland" statt. «

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Der deutsche Botschafter in Paris, Graf Welczeck, gab zu Ehren des französischen Mini­sterpräsidenten und Landesverteidigungsministers Daladier ein Frühstück, an dem auch der stell­vertretende Ministerpräsident Chautemps und eine Reihe bekannter französischer Persönlichkeiten teilnahmen, die sich demnächst zur Tagung der Deutsch-Französischen Gesellschaft nach Baden- Baden begeben werden.

Der Leiter des Reichsverbandes der Deutschen Presse hat im Zusammenhang mit der Verordnung über bie Einführung des Schriftleiter­gesetzes im Lande Oe st erreich die Bil­dung des vorläufigen Landesverbandes Ostmark vorgenommen. Nach der organisatorischen Erfassung der Schriftleiter des Gebietes Oesterreich ist eine Neuaufgliederung des Gebietes in mehrere Landesverbände vorgesehen. Zum kommissarischen Leiter des Landesverbandes Ostmark wurde Hauptschriftleiter Walter P et­wa i d i c, Wien, ernannt.

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Die ägyptische Regierung hat in England zwei Torpedoboote, zwei Zerstörer, zwei Unterseeboote und zwei Minenleger bestellt.

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Bei den Wahlen in Irland hat die Partei des Ministerpräsidenten de V a l e r a bis­her 66 Sitze erhalten, die Cosgrave-Partei 39, die Unabhängigen? und die Labvur-Partei 5 Sitze Die Verteilung von 21 Sitzen steht noch nicht fest. Die Anhänger de Valeras rechnen mit einer Mehrheit der Regierungspartei von mindestens 8 Sitzen über alle anderen Parteien zusammen.

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König Carol von Rumänien, der sich mit seiner JachtLuceafarul" auf einem Wochenend­ausflug in Istanbul befindet, nahm abends an einem Esten des türkischen Staatspräsidenten Atatürk auf der JachtSavarona" teil und begab sich mit einem Motorboot des Staatspräsi­denten zum Palast von Dolma Bagtsche, der Resi­denz Atatürks wo er längere Zeit verweilte. Um

die Mittagszeit stattete Präsident Atattjrk auf der Jacht des rumänischen Königs einen Gegenbesuch ab.

Kunst und Wissenschaft.

Mainzer Gutenberg-Festwoche.

Alljährlich um Johamns begeht die Stadt Mainz eine Gutenberg - Festwoche. Sie soll im Hinblick auf die 1940 erfolgenden Feiern zur 500. Wiederkehr der Erfindung der Buchdruckerkunst den Gutenberg-Gedanken in der Bevölkerung pflegen. Als Beitrag zur Festwoche veranstaltet das Guten­berg-Museum eine AusstellungDeutsche K a - lend erd rucke" aus Beständen seines und aus der Kalender-Sammlung von Dr. Karl K l i n g s p o r (Offenbach). Im Kurfürstlichen Schloß wurde die Festwoche feierlich eröffnet. Der Kultur­dezernent der Stadf, Dr. Hallier, wies auf den Zweck der Gutenberg-Festwoche hin, den größten Sohn J)er Stadt und sein Werk zu ehren und den Mainzer Kulturwillen zu bekunden. Ihren größten Sohn ehre die Stadt in der Ehrung der Kultur­schaffenden der Gegenwart. In diesem Jahre sei Professor Dr. P f i tz n e r in den Mittelpunkt der Gutenberg-Festwoche gerückt, der Mann, der ein Leben lang für deutsche Kunst gestritten habe. Dann hielt Professor P f i tz n e r die Festrede über das ThemaWagner und Schumann, eine Sternen­freundschaft". Oberbürgermeister Dr. Barth er­klärte die Festwoche für eröffnet; er betonte, daß es die Stadt als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben ansehe, der Gutenberg-Grabstätte eine würdige Form zu geben. Der Oberbürgermeister gab die Künstler bekannt, die aus dem Wettbewerb für den Entwurf zur Gestaltung der Gutenberg-Grab­stätte als Preisträger hervorgegangen sind. ^Das Ergebnis lautet: 1. Preis, 1000 RM.: Bildhauer Albert Glenz (Frankfurt); 2. Preis, 750 RM.: Architekt Robert Krafft (Berlin); 3. Preis, 500 RM.: Dipl.-Ingenieur fians Wulff (Darm­stadt); zu je 250 RM. angekauft wurden Entwürfe des Bildhauers Hans L a x n e r und des Architek­ten Peter Dienstorf, beide Wiesbaden, sowie des Bildhauers Franz Fuhr (Bad Schmalbach).

Besuch im rheinisch-westfälischen Kohlenpott.

Oie Menschen über Tage und unter Tage.

Von unserem W.G.-Sonderberichterstaiier.*)

Die deutsche Steinkohlen s.örderung be­trug 1932 mehr als 91 Millionen Tonnen, 1937 hob jie sich um 6 3 Prozent auf fast 150 Millionen Tonnen. 360000 Bergmänner sind in allen deut­schen Steinkohlenrevieren Tag und Nacht damit be­schäftigt, dem Erdinnern die schwarzen Schätze zu entreißen. Der Hauptanteil der Forderung entfällt auf das Ruhrreoier, dessen Arbeitsintensität auf allen Gebieten der Werterzeugung unter dem Vierjahresplan ganz ungemein angewachsen ift. Das merkt man so recht beim Durchqueren des Reviers. Man kann vormittags, man kann nach­mittags mit dem Auto von einem Ort zum andern eilen, man kann sich auch die Mittagsstunden aus­suchen, nirgends wird man einen wirklich bedeuten­den Fußgängerverkehr entdecken. Zumeist sind es Schulkinder oder Frauen mit dem Einholenetz, die zu sehen find. Die Männer sind in den Werken, in den Hütten und in den Schächten. Standen sie in den Jahren der Krise mit den Händen ip den Ta­schen herum, loste damals ein Streik den anderen ab, so gibt es heute soviel Arbeit, daß man nicht mehr weiß, woher man die fehlenden Hände neh­men soll.

Ein Blick in die Runde.

Einen imposanten Eindruck vom arbeitenden Re­vier gewinnt man, wenn man von erhöhtem Punkte aus, etwa von dem Dach der hochragenden ZentralschachtanlageZollverein" einen Blick in die Runde wirft und zu seinen Füßen, in weiterer Ferne ober am Horizont, aber doch rings herum, nur ge­waltige Werke mit zahlreichen Schloten sieht, aus denen lange Rauchfahnen heraushängen. Namen weltbekannter Werke, Hütten und Zechenanlagen schwirren einem um den Kopf. Das Erklären reifet' nicht ab. Man sperrt Mund und Augen auf, hier ein Dutzend und mehr Anlagen allergrößten Formats mit vielen tausend Mann Belegschaft förmlich griff­bereit vor sich zu hpben. Ja, hier haben wir das arbeitende Revier, das froh und glücklich ist, wie­der Aufgaben vor sich zu sehen, die zu erfüllen sind. Da arbeitet alles Hand in Hand: die Bergarbeiter unter uns in den Schächten, die bis 600 Meter hin­unterreichen, mit den Arbeitern in den Uebertage- betrieben, diese mit der Reichsbahn, die die Kohlen zu den Kokereien und sonstigen Verbrauchern fah­ren. Kohle ist der Kraftspender, der die Schlote rauchen läßt und die Räder in Bewegung setzt, der die gewaltige Waffenschmiede Krupp befähigt, ihre Verpflichtungen der Landesverteidigung gegenüber zu erfüllen. Doch jetzt heißt es, sich mit dem Nächst­liegenden zu beschäftigen, mit den Uebertageanla- gen der ZecheZollverein", die die Kohle von vier Schachtanlagen fördert. Sie ist in ihrem äußeren Aufbau ein architektonisches Meisterwerk, für das der Architekt Schupp verantwortlich zeichnet, der auch an den Bauten der Volkswagenfabrik in Fal­lersleben beteiligt ist.. Denkbar einfach ist die Li­nienführung der Bauten, über die das mächtige stählerne Fördergerüst hinausragt. Aber gerade diese Einfachheit zieht die Blicke immer wieder an. Und drinnen, hinter den Klinkermauern, ist bei der An­ordnung der Förder- und Aufbereitungsanlagen nicht minder meisterhaft gearbeitet worden. Mit einer Geschwindigkeit von 17 Meter in der Sekunde schießen die Förderkörbe aus dem Schacht empor, jeder mit zwölf Wagen, zu je einer Tonne Kohle beladen. Mechanisch werden die vollen Wagen aus­gestoßen, mechanisch die leeren in den Forderkorb geschoben, mechanisch werden sie zu langen Zügen zusammengestellt, während in der Wipperhalle einige Männer von Stellwerken herab diese Züge dort­hin lenken, wohin sie bestimmt sind.

In einem anderen Stockwerk der mächttgen An­lage vollzieht sich die Arbeit am Lese band. Hier fällt die Kohle auf breite Bänder, von denen flinke Hände Abfall, also die Nichtkohle (Steine, Holz) herunterholen. In der Kohlenwäsche er­folgt eine weitere Säuberung, danach die Sortie­rung. Von hier aus fällt die Kohle langsam und vorsichtig in bereitstehende Eisenbahnwagen. Aber damit sind die Aufgaben der Aufbereitung noch nicht erfüllt. Die zwei Millionen Kubikmeter Ruhr­wasser, die in breitem Bach durch die Anlage rau­schen, spülen erhebliche Mengen Kohlenstaub aus der Förderung heraus, der nun wieder durch sinnreiche Vorrichtungen gesäubert und eingedickt

wird. Er wird der Kokskohle bei der Verkokung zugesetzt. Infolgedessen wandern lediglich Steine- auf die Schutthalde. Auch der letzte Rest des edlen schwarzen Stoffes ist für die Weiterverwertung ge­rettet.

Rationalisierung - richtig angewandt.

Die ZecheZollverein" gehört zu den neueren Anlagen des Reviers. Sie ist ein Rativnalisierungs- produkt. Denn als man sich entschloß, diese Förder­anlage zu bauen, da gab es keine Möglichkeit mehr, mitten gewaltig angestiegenen Unkosten fertig zu werden. Durch die Einnahmen konn!en sie nicht ab­gedeckt werden, weil sich der Kohlenpreis gegenüber dem Vorkriegsstand kaum verändert hatte. Man zog also die Förderung mehrerer Schächte zusammen, benutzte die alten Schächte nur noch für die Einfahrt der Bergleute. Gleichzeitig wurde unter Tage eine Vereinfachung des gesamten Betrie­bes Dorgeriommen. Als Höchstleistung dieser An­lage wurden 10 000 Tonnen festgesetzt, die heute be­reits um 2000 Tonnen überschritten iftZollver­ein" liegt damit an der Spitze im Ruhrrevier. Denkt man an die Aufgaben, die der Vierjahres­plan dem Ruhrbergbau stellt, dann entpuppt sich diese Rationalisierungsmaßnahme als ein Vorgang, bei dem das Richtige getroffen wurde. Das Werk kann wieder Höchstleistungen aus sich herausholen, es kann 6000 Mann Lohn und Brot geben.

Bergjungleute im Anlernwerk.

Gelernte Arbeitskräfte sind heute im Deutschen Reich besonders knapp. Das empfindet man täglich an der Ruhr aufs neue. AufZollverein" wollte man deshalb- 200 Bergjungleute in die Lehre neh­men. Vierzig waren nur zu haben. So ist es über­all. Wenn das fo weitergeht, dann kann man sich ausrechnen, wann der Nachwuchs nicht mehr aus­reicht, um die Förderung sicherzustellen. Zwar ist das Kohlenbrechen heute schon zum größten Teil a u f bie Maschine umgestellt, aber zum Be­dienen der Maschine gehören Menschen, vor allem Männer mit Kenntnissen und Erfahrungen. Und da hat der Bergbau überall die Anlernwerk st ät- t e n geschaffen, deren eine auf der ZecheFriedrich Ernestine" einen interessanten Einblick in die Pflege und Erziehung der Bergjungleute gewährte. Wie ge­sagt, Kenntnisse werden verlangt. Folglich wird der Lehrling in den ersten zwei Jahren über Tage zu­nächst einmal mit allem vertraut gemacht, was ein Schmied, ein Tischler, ein Schweißer, ein Dreher, ein Schlosser wissen muß. Da wird geschweißt und gehobelt, gefeilt und geschmiedet, mit einem Eifer und einer Geschicklichkeit, die dem ausgesuchten Lehr- personal stolze Freude bereitet. Denn hier formt sich unter ihren Händen ein Nachwuchs, der, nachdem er zwischendurch den Uebertagebetrieb kennengelernt hat, während der letzten zwei Jahre der Lehrzeit mit der rein bergmännischen Arbeit im Schacht vertraut gemacht wird. Daneben läuft der theoretische Unter­richt, für den die Zeche ein geradezu vorbild­liches Unterrichtsgebäude mit Sporthalle, Wafcheinrichtungen und Schwimmbad hingestellt hat. Die Jungens, die den ihnen zustehenden Schichtlohn erhalten, bekommen außerdem noch täglich einen halben Liter Milch und ein stark verbilligtes gutes Mittagessen. Schmuck sehen diese jungen Burschen aus, die eine eigne Bergmannsuniform tragen und selbstverständlich auch über eine Musikkapelle ver­fügen. So wird hier beim Nachwuchs eine bergmän­nische Gefolgschaft zusammengeschweißt, die arbeits­mäßig, wissenschaftlich und weltanschaulich geschult wird und die vor allem auch weiß, daß der Berg­mann den Vortrupp unserer gewaltigen Heere werk­tätiger Männer und Frauen bildet. Ohne ihn kann es keine Produktion, keine rauchenden Schornsteine geben, ohne ihn sprudeln nicht die immer zahlreicher werdenden Treibstoffquellen an der Ruhr. Auf ihm ruht auch eine große Verantwortung. Und das macht bereits den Bergjungmann stolz, der, wenn er feine Lehrzeit hinter sich hat, als ganzer Kerl und Diel-' fettig gebildeter Qualitätsarbeiter, nunmehr seine Pflichten vor Ort erfüllt.

*) Dgl. den ersten Teil dieser Reportage im Gie­ßener Anzeiger vom 17. Juni.

König von Dänemark das Protektorat übernommen hat, sind Verhandlungen im Gange.

Aus aller Welt.

28 Tote bei einem Eisenbahnunglück in Amerika.

Aus der Strecke SeattleChikago ereignete sich bei Tittles City im Staate Montana ein schwe­res Eisenbahnunglück, bei dem 28 Perso­nen getötet und 65 verletzt wurden. Mit einer Erhöhung der Verlustzahlen ist noch zu rech­nen. Es handelt sich um einen der schwersten Un­fälle in der Geschichte der amerikanischen Eisen­bahnen. Der verunglückte Zug war einer der neue­sten StromlinienLuxuszüge der Ehikago-Milwaukee- und Pacific-Eifenbahnlinie. Er bestand aus elf Wagen und war mit den modernsten technischen Neuerungen versehen. Er entwickelte eine Höchst­geschwindigkeit von 170 km/st und hatte eine D u r ch s ch n i t t s g e s ch w i n d i g k e i t von 100 km/st. In der Gegend des Unfalls waren schwere Wolkenbrüche niedergegangen, und der Bach, über den die Strecke führte,, war zu einem reißenden Strom geworden. Der^Lokomolivführer war jedoch nicht gewarnt und- Whr mit unver­minderter Geschwindigkeit über die Brücke. Gerade in dem Augenblick, als der Zug die andere Seite erreicht hatte, brach die Brücke, deren Pfeiler von den Dassermassen unterspült worden waren, zusammen. Lokomotive, Tender und sieben Wagen st ü r z k e n in den Fluß. Nur der Speisewagen, zwei Schlafwagen und der am Schluß fahrende Ausfichtswagen blieben auf den Gleisen stehen. Als Rettungszüge eingetroffen waren, schlugen deren Mannschaften die Fenster der ins Wasser gestürzten Dagen ein, und es gelang ihnen, einen großen Teil der verwundeten Reisenden herauszuholen. Die Rettungsarbeiten sind jedoch noch nicht beendet, und es ist möglich, daß noch mehr Tote unter den Trümmern der durch den Sturz völlig zersplitterten Wagen begraben liegen. Unter den Verwundeten befinden sich zahlreiche Frauen und Kinder.

Oer Lütticher Sifimordprozeß.

Die Zeugenvernehmungen im L ü 11 i ch e r Gift­mordprozeß, welche bis jetzt nichts Greifbares gegen die Giftmischerin Becker erbrachten, fan­den mit der Vernehmung der Aerzte Deblock und Leroy ihren vorläufigen Abschluß. Beide Zeugen stimmten in der Auffassung überein, die Angeklagte sei geistig vollkommen normal und zu­rechnungsfähig. Beide Zeugen bezeichneten die An­geklagte als eine faule und gewissenlose Person, die geradezu krankhafte Neigungen zum Lügen an den Tag lege. Auch die wichtige Frage, ob die Becker Das m ihrem Besitz gefundene Gift für ihre eigene Behandlung gebraucht habe, wurde verneint.

Die Becker ist, wie der ärztliche Befund ergibt, Ulcht nur kerngesund, sondern hat sich trotz ihrer 60 Jahre bis vor kurzem noch einen Liebhaber ge- leiftet. Als die Angeklagte die Aussagen eines als Zeugen auftretenbe/i Apothekers anzweifelte, wurde sie vom Richter darauf aufmerksam gemacht, daß oer Zeuge vereidigt worden sei.Dann hat er ein schlechtes Gedächtnis!", war die erzürnte Antwort. Es ist zwecklos, mir Fragen zu stellen, man glaubt mir ja doch nichts

Dann wurde die Behandlung vertagt.

Admiral a. D. Günther von Krosigk f.

Aus der Burg Brurnby bei Magdeburg starb, im Alter von 77 Jahren Admiral a. D. Günther von Krosigk. Ein erfolgreicher Führer der alten Manne ist mit ihm dahingegangen. Admiral von Krosigk war 1906 bis 1909 Kommandant des Flot­tenflaggschiffesDeutschland", 1911 bis 1913 Chef Des Kreuzer-Geschwaders in Ostasien, 1914 bis 1919 Chef der Marinestation der Nordsee in Wilhelms- paoen unb Führer des Oberkommandos der deut­schen Ostseeküste während des Krieges.

Frau Emmy Goring spendet der NSV. 100 Säuglingsausstattungen. Berlin, 18. Juni. (DNB.) Die Gattin des Ge- neralfeldmarfchalls Goring hat aus Anlaß der G e- burt ihrer Tochter Edda 100 Säuglings» aU5lta£tn9en für ba5 HilfswerkMutter u n ° K i n d" gespendet. Diese Säuglingsausstattun- 9.en bestehen aus einem Säuglingskörbchen und einem Kinderwagen mit dazugehörender vollständi­ger Sauglingswäfche. Die Verteilung erfolgt von den Dienststellen der NSV. 50 Säuglingsausstattungen werden in der Ostmark, die restlichen in den übrigen deutschen Gauen an bedürftige Mütter aur Ausgabe gelangen.

Sechs Tote bei einem Bootsungtück in England.

Auf dem Mersiy-Fluß f enterte ein Segelboot infolge des starken Windes. Sechs von den Insassen, ein Mann und fünf Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren, ertranken.

Wetterbericht

Die rasche und traffige Wärmezunahme zum Wochenende hat sehr rasch einen Vorstoß kühlerer Meeresluft ausgelöst. Dabei brachte der Durchzug einer Störungsfront am Sonntagnachmittag und -abend in unserem Gebiet von West nach Ost fortschreitende gewittrige Erscheinungen, zum Teil von heftigen Böen begleitet. Bei überwiegend freundlichem Wetter läßt die Gesamtlage noch keine völlige Beständigkeit erwarten.

Vorhersage für Dienstag: Vielfach heiter, doch nicht durchaus beständig, und besonders nach Norden und Osten hin vereinzelt auftretende schauer. Mäßig warm, Winde aus West.

Vorhersage für Mittwoch: Neue Warmezunahme und zunächst vielfach heiter, später wieder Gewitterneigung.

Lufttemperaturen am 19. Juni: mittags 26,3 Grad Celsius, abends 20;0 Grad; am 20. Juni: morgens 16,8 Grad. Maximum 27,6 Grad, Minimum 14,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juni: abends 21,8 Grad; am 20. Juni: morgens 18,1 Grad. Sonnenscheindauer 11,2 Stunden.

Hauptschriftletter: Dr Friedrich Wilhelm Lange Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum» schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. tfr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- (eiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs» prew Ä 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit Der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufs» preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der

Illustrierten 5 Pf. mehr

Sur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

Ausklang der Reichstheaterfestwoche.

Am vorletzten Tage der Re i chsth e aterfe st ° wachs in Wien kam die heitere Muse zu Wort. In der OperetteDer Z i g e u n e r b a r o n" von Strauß kann sich das Theater nach Herzenslust ent­falten. Das Wiener Opernhaus bot eine Auffüh­rung, wie sie nur in Wien möglich ist. Das wunder­bare Orchester unter Dr. Karl Bohm nahm schon nach den ersten Takten die Zuhörer gefangen. Herr­liche Bühnenbilder, ein harmonisches Ballett mit dem unvergeßlichen Wiener Walzer' und phanta­stische Massenszenen mit mehreren hundert Mit­wirkenden gaben der Aufführung ihre Eigenart. Reichsminister Dr. Goebbels und Frau, Reichs­kommissar Bürckel, Reichsstatthalter Seyh- I n g u a r t und Frau und Reichsorganisationsletter Dr. Ley wohnten der Vorstellung bei. Rauschender Beifall dankte allen Künstlern.

Der sechste Abend brachte mit dem Ensemble des Deutschen Theaters, Berlin, ShakespearesSturm". Vor allem in den Rüpelszenen offenbarte sich die Aufführung als ein Meisterwerk von Jnszenierungs- und Darstellungskunst. Klar herausgearbeitet kam auch der Grundgedanke des Werkes, der Sieg der menschlichen Vernunft über die Gewalten der Natur zum Ausdruck. Neben Theodor Loos als Prospero müssen vor allem die Darsteller der Rüpelszenen, Wernicke, Seyfferth und Siedel, ge­nannt werden. Die Miranda des Fräulein Savio bewährte, sich mit einer der lieblichen Frauenge­stalten Shakespeares, ebenbürtig erschienen in treff­lichen Leistungen Ferdinand Spalinger als Königssohn, Albin Scoda als Ariel und Ernst Karchow als Kosiig Alonso.

Unfall von Gustaf Gründgens.

Staatstheaterintendant Gustaf Gründgens er­litt bei den Aufnahmen zu feinem FilmTanz auf dem Vulkan" eine schwere Fußverletzung, die eine Unterbrechung feiner Filmarbeit notwendig macht. Staatsrat Gründgens kann daher auch an dem Gastspiel des Berliner Staatstheaters mit Emilia Galotti" in Danzig nicht teilnehmen und den Termin für fein dänischesHamlet"-Gastspiel im Schloß Kronborg nicht einhalten. Wegen einer Ver­schiebung diesesHamlet"-Gastspiels, für das der