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Ur. 91 Drittes Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 20. April (938

Aus -er Stadt Gießen.

Das (Soldfischglas.

Die beiden Jungen zogen strahlend über die Straße. Sie waren etwa zehn Jahre alt, bar­häuptig und hatten ein frisches Aussehen. Ihre Augen hingen unverwandt an dem kleinen Glas, das der eine von ihnen trug, worin einsam ein Goldfisch schwamm. Wer die Vorliebe der.männ­lichen Schuljugend kennt für alles, was da 'fleucht und kreucht, kann die Gefühle ermessen, die hier triumphierten. Ein lebender Fisch ist auf jeden Fall für einen richtigen Jungen ein höchst interessantes Studienobjekt. Er ist ebenso wertvoll wie ein hüb­scher Kanarienvogel oder wie eine zierliche Eidechse.

Und in der Freude der Betrachtung entging den beiden Beschützern des Goldfisches alles, was auf der Straße vorging. Es entging ihnen leider auch, daß sie geradeswegs auf einen Laternenpfahl zu- steuerten. Erst in'dem Augenblick, als das Glas mit leisem Klingen an dem Widerstand zerbrach und zur Erde fiel, merkten sie mit tödlichem Erschrecken das Unglück. Für eine Weile standen sie starr, wie völlig vernichtet. Kein Schicksalsschlag konnte größer sein. Doch dann suchten sie jammernd nach den Scherben und dem Fisch. Und genau wie die Er­wachsenen begannen sie zugleich, einer den anderen zu beschuldigen.

Aber gottlob! vom unteren Teil des Glases war noch ein Stück erhalten, und in dem weniges Wasser zappelte der Goldfisch. Immerhin, seine Lage war verhängnisvoll, auch ein Fisch braucht ein Mindestmaß von feinem Lebenselement. Mit vor­gestreckten Händen hielt einer der beiden Flachs­köpfe die Glasscherbe und machte ein hilfeflehendes Gesicht, während dem anderen die Tränen über die Backen rannen. Für einen Mann mit Logik war die Sache sonnenklar: die Tragödie mußte sich gesetz­mäßig vollenden, zu retten gab es nichts. Und doch erwies sich wieder einmal, daß die vielgepriesene Logik unterlag. Denn obwohl es angeblich keine Wunder und auch keine Fabelwesen mehr gibt, trat plötzlich eine gütige Fee in Erscheinung.

Die gütige- Fee war eine junge Frau, die am Steuer ihres Wagens faß und im langsamen Vor­beifahren den Jammer am Laternenpfahl sah. Rasch entschlossen bremste sie, sprang aus dem Wagen, nahm dem Jungen die Glasscherbe aus der Hand und verschwand damit im nächsten Hausein­gang. Es dauerte nur eine ganz kurze Zeit, bis sie wieder erschien und den verdutzten, aber zweifellos hochbeglückten Zehnjährigen ein neues Glas über­reichte, in dem wieder friedlich der Goldfisch plät­scherte. Die Situation war gerettet, der Jammer gelöst. Dem zufälligen Zuschauer blieb nur noch übrig, nachdenkliche Betrachtungen darüber anzu­stellen, was menschenfreundliche Hilfsbereitschaft im Verein mit ein bißchen Entschlußkraft im rechten Augenblick vermag. H. W. Sch.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr:Scharnhorst". Gloria-Palast, Seltersweg:Musketier Meier III". - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der unmögliche Herr Pitt".

FestaufführungScharnhorst" im Stadttheater.

Heute um 19.30 Uhr findet im Stadttheater zum Geburtstag des Führers eine Fefta.ufführung von Scharnhorst, Schauspiel in drei Akten von Ger­hard Menzel, statt. Spielleitung Dr. Erich Schu­macher. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als.28. Vorstellung der Mittwoch- Miete statt. Es ist dies die letzte Aufführung des Schauspiels. Ende 21.45 Uhr.

BDM. rNädelgruppe 1/116.

Die gesamte Gruppe tritt zur Jungmädel-Ueber- weisung in den BDM. um 8 Uhr pünktlich am.^Hes­sischen Hof" an.

Gießen feiert den Geburtstag des Führers.

Reicher Flaggenschmuck bei strahlender Sonne.Oie Feier der Llniversität bildet den Auftakt.

Am heutigen Mittwoch, 2 0. April, begehen auch die Volksgenossen in Gießen mit freudigem Herzen und in treuer Gefolgschaft den Geburts­tag unseres Führers Adolf Hitler. Die dankbare und unlösliche Verbundenheit aller Volks­genossen mit dem Führer kommt auch am heutigen Tage wieder durch reichen Flaggenschmuck in allen Straßen sichtbar zum Ausdruck. Schon am frühen Morgen konnte man in weitern Ausmaß diesen fest­lichen Schmuck des Straßenbildes bemerken und daran auch erkennen, mit welch freudiger Bereit­schaft allenthalben aus eigenstem Entschluß jedes Volksgenossen dieser Tag zu einem Festtag für ihn selbst gemacht wurde. Strahlender Sonnenschein, der nach den unfrtzundlichen Tagen besonders an­genehm empfunden wurde, erhöht das festlich-frohe Bild dieses Tages.

Die Feiern des heutigen Tages wurden am frühen Vormittag um 8.30,Uhr in der Aula mit einem Gesamtappell der Universität eingeleitet, der Rektor, Dozenten- und Studenten­schaft zu einem feierlichen Gedenken der Persönlich­keit des Führers vereinigte. Im Blickpunkt des Saales sah man die Büste des Führers, umgeben von frischem Grün und Blumen. Die Fahne des Dritten Reiches schmückte den Raum.

Das collegium musicum eröffnete unter Leitung von Universitäts-Musikdirektor Dr. Temesvary mit einem Musikvortrag den Appell. Der Führer der Gießener Studentenschaft, Franck, brachte so­dann in sehr eindrucksvoller Weise ein Gedicht (von Herbert Böhme) zum Vortrag, das als ein Bekenntnis des Glaubens und der Treue zum Füh­rer in den Zuhörern ein .starkes Echo erweckt haben mag. Anschließend sprach

Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Geiser,

dessen Ansprache wir nachstehend im Wortlaut wiedergeben:

Vor einem Jahre läuteten zum Geburtstckg des Führers die Glocken von Braunau den Glückwunsch der Jugend ein. Jenseits der Grenze harrten die besten Deutschen der Erlösung. Auf der Nordkette der Alpen flammten riesige Hakenkreuzfeuer grü­ßend auf, die ihren Schein weithin über Innsbruck warfen und hinausleuchteten über das Tiroler Land. Inzwischen ist

durch die Tatkraft des Führers der grohdeutfche Traum in Erfüllung gegangen.

Wir alle stehen am heutigen Tage noch im Banne der jüngsten Vergangenheit. Wir waren Zeugen eines welthistorischen Geschehens, der feier­lichen Proklamation des Großdeut­schen Reiches und des einmütigen B e - kenntnisses aller Deutschen. Wir lausch­ten den Worten des Führers, mit denen er am stolzesten Tage feines Lebens die Meldung des Gauleiters Bürckel entgegennahm:

Diese nunmehr vom ganzen deutschen Volk vollzogene geschichtliche Bestätigung der Ver­einigung Oesterreichs mit dem Reiche bedeutet zugleich die höchste Rechtfertigung meines gan­zen bisherigen handelns."

Den Sinn dieser Worte vermögen nur deutsche Herzen, die die deutsche Volkswerdung selbst mit- erlebt, voll zu erfassen. Das Ausland stand in den vergangenen Jahren betroffen vor der Wucht der

Unser Bild zeigt den Rektor beim Gruß an den Führer. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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deutschen Erhebung, da es nur wirtschafts- und machtpolitisch in herkömmlicher Art zu denken ver­stand. Es folgte fassungslos und verlegen der Kühn­heit der deutschen Außenpolitik, die Zug um Zug die Fesseln des Versailler Diktats sprengte. Es hatte die Bedeutung jener inneren Wandlung un­terschätzt, die sich fortschreitend im deutschen Polte vollzog.

höchste Anspannung des einzelnen im Dienste der Gesamtheit war die Losung geworden. Der Führer hatte die Arbeit zum Ehrentitel der Ra­tion Erhoben und sie wurde in klingende Münze umgeprägt.

Nur langsam bricht sich auch im Ausland die Er­kenntnis Bahn, daß ÜAs Geheimnis der deutschen Erfolge auf weltanschaulichem Gebiet liegt. Der Machtübernahme ging der geistige Aufbruch der Nation, die »völkische Wiedergeburt der Befreiung aus der Knechtschaft voran. Als Künder einer neuen Weltanschauung war der Führer in letzter Stunde auf den Plan getreten, um die deutsche Kul­tur und den Träger dieser artgemäßen Kultur, das Volk, vor dem drohenden Versinken in das grundlose Chaos zu retten. In beispiellosem Kampfe warb er um die Seele des Volkes. Er schuf sich in der Partei und ihren Gliederungen eine Gefolg­schaft, die auf Gedeih und Verderb mit ihm ver­bunden war. Er schmiedete sich so ein machtpoliti­sches Instrument, das ihn ohne Blutvergießen an die Spitze des Staates führte.

Der kompromißlose Wille zur völkischen Zelbst- behaupkung bildet das Fundament des Dritten Reiches: die Erhaltung und Förderung des Volkes als einer blutmähig bedingten Einheit ist Ausgangspunkt und Endzweck der Staats­führung geworden. Darauf gründet sich der Vorrang der politischen Führung, der Sozialis­mus der deutfchen Volks- und Schicksalsgemein­schaft, aber auch die Einheit von Führer und

Volk. Wir leisten Gehorsam, doch mit dem Hochgefühl der Gefolgschaftstreue. Der Führer aber hat das Bedürfnis, feine Taten und Sor­gen vom Herzschlag der Ration begleitet zu wissen. Es ist fein heißester Wunsch, daß kein Volksgenosse abseits stehe, damit er Anteil nehme an den Geschicken des Gemeinschafts­lebens und den Stolz empfinde, ein Sohn die­ses Volkes zu fein.

An allen Wendepunkten des großen Geschehens unserer Zeit trat der Führer dor sein Volk, um Rechenschaft abzulegen und neue Kraft zu schöpfen aus der begeisterten Zustimmung der Nation. Am heutigen Tage tritt diese Nation im Geiste vor den Führer des Reiches. Wir neigen uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit. Möge den Führer heute die stolze Zuversicht beseelen, daß

der gesamte Heerbann des grohdeutschen Vol­kes sich gläubig zu endlosem Zuge formiert, um ihm geschlossen in die deutsche Zukunft zu folgen!

Wir bekräftigen dieses Gelöbnis mit einem be­geisterten dreifachen Sieg-Heil!

In üblicher würdiger Weife fand der feierliche Appell feinen Abschluß.

Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.

Theaterring der Hitler-Jugend.

Die nächste Vorstellung für den Theaterring der Hitler-Jugend findet am Montag, 25. April, 20 Uhr, statt. Es gelangt das neue Lustspiel von Friedrich

ForsterDie Weiber von Redditz" zur Aufführung. Die 14. Morgenoeranstaltung des Stadttheaters Esmoreit und Damiet" am Sonntag, 24. April, kann besucht werden. Karten zu 25 Pf. für die Mit­glieder des Theaterringes gegen Ausweis.

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RS. GemeinfchaflKraft durch Freude".

Samstag, den 23. April, im Stadttheater Gießen?

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Operette in 3 Akten von Nico Doftal.

Eintrittspreise 1, und 1,20 RM.

Fußball-Länderkampf Deutschland Portugal.

Omnibusfahrpreis einschließlich Eintritt zum Län­derkampf 5, RM. Kartenverkaufsstelle Seltersweg Nr. 60. 2697D

Kein Balkon ohne Blumen!

Mit dem Fortfchreiten des Frühlings erwacht auch wieder das Leben auf dem Balkon, der ja für viele Stadtbewohner die einzige Stätte ist, an der fie ihrer Liebe zur Natur praktisch Ausdruck geben

Oesterreichische Landschaften.

Von Rudolf Adrian Dietrich.

Betrachtet man die Landkarte des geeinten Deutschland, so erscheint die Flächenform ' des wiedergewonnenen Oesterreichs wie eine Woge, deren vordrängende Bewegung gen Oft-Südosten verebbt. Wie eine neue graphische Darstellung der schon frühgeschichtlich" bedingten Entwicklung prägt sich dieses Bild ein und zugleich schwindet das merk­würdige Zwittergefühl, das man früher immer hatte, wenn man nach Oesterreich insAusland" reifte, nach diesem Oesterreich, wo deutsch die Volks­sprache und aus deutscher Seele und deutschem Geiste alle großen kulturellen Werte, alle großen Leistungen der Musik und Dichtung geworden waren. Nun wendet sich der Blick des Reise- und Wanderfreudigen der Donau zu.

Wien. Es ist etwas Eigenes um diese große Und landschaftliche Stadt, deren Geschichte bei fast allen Entscheidungen des deutschen Schicksals eine Rolle spielte, und die doch immer gegenwartsfroh und gegenwartsbewußt blieb. Don den Randhöhen des Wiener Waldes, vom Kahlenberg aus gewinnt man in sonnenhellen Tagen oder wenn sie im abendlichen Lichtermeer drunten liegt, jenen unver­geßlichen Eindruck. Wenn Wien auch nicht so un­mittelbaran der schönen blauen Donau" liegt, wie sich öer Fremde das zunächst vorstellt, wenn auch nicht alles soWien, Wien, nur du allein" kinosüß ist, wie es die Operetten- und Filmkolpor- tage zu arrangieren pflegt, ein merkwürdiger viel großartigerer Zauber liegt über dieser weit gebauten Barockstadt, aus der mit dem Stephans- dom urtb anderen gotischen Baudenkmälern wie Spitzen einer untergegangenen Melodie der histo­rischen Frühschicht vielleicht Wiens innerste Schön­heit aufragt. Geht man ein paar Tage durch die Gassen" (auch ziemlich breite Straßen heißen in Wien Gassen), so spürt man bald wie die beiden Formprinzipien (das aufstrebende, mengenmäßig schwächer vertretene) der Gotik und der breit- gelagerte Palaststil des Barock Wiens Landfchaft- lichkeit noch betonen. Wie ein riesigesGehöft" lie­gen dazwischen mit ihren weiträumigen Trakten die Hofburg und Bauten der Renaissance. Dar­über schwingt mit breiten Baumalleen, dem Kärnt­ner-, dem Dpernring usw., das gegenwartsfreudige Wien. Mit ihren Kunstsammlungen ein Sammel­becken der deutschen Kultur, die schon lange vor Etzels und der Nibelungen Tagen vom Westen ins Ostreich getragen wurde, zeigt die vom öster­reichischen Hochbarock der Fischer v o n» E r l a'ch orcb Lukas von Hildebrand baukünstlerisch om offensichtlichsten geformte Stadt dem Gast den

inneren Reichtum deutscher Seele und deutschen Geistes im östlichsten Raum. Fährt man hinaus nach Laxenburg oder Mödling oder mit der Bahn auf die Höhen des Wiener Waldes, in die Som­merkolonien des Semmering, fühlt man, daß die Stadt einen begleitet, wie Stadt und Landschaft ineinander übergehen. Und kehrt man aus den Parken des ehemaligen Jagdschlosses (es find eigentlich drei Schlösser im Laxenburger Park) ober den Waldgebieten zurück, geleiten einen die Bäume noch bis in die großen Straßen und auf die Plätze der Innenstadt, spiegelt sich Oberösterreichs Land­schaft auch im Frühjahr und Sommer in Wien selbst und macht es zu einer der erholsamsten Hauptstädte Europas.

Man muß einmal an einem Sonntagvormittag durch eine der Villenstraßen der Außenviertel gegangen sein und gehört haben, wie bald da, bald dort aus einem Fenster eine singende Stimme, Klavier- ober Geigenspiel bringt, um zu wissen, wie hier Gluck unb Mozart, Haydn unb Beethoven, Schubert unb Strauß allgegenwärtig geblieben finb, wie ihre Musik hier roie" bie Barockbauten für bas Auge zum Bilbe Wiens gehört, biefer Stadt, deren letzte Schönheit vielleicht überhaupt erst musi­kalisch Ausdruck findet.

Man sitzt in einer Hotelhalle ober im Freien auf ber Terrasse einesKaffeehauses", trinkt feine SchaleNußschwarzen" mitSchlagober", bestellt sich ein Stück Sachertorte, einen Mohrenkops ober Jnbianerkrapfen" ober zünbet sich mit bem bazu verabreichten Strohhalm seine Virginiazigarre an und blickt in bie süblich warme Sonne, bie auf allem glitzert unb Kringel bilbet, plötzlich erklingt von irgenbroo ein Ton/ eine Melobie unb alles lauscht und es ist immer diese selbe so vielfach variierte.Melodie der österreichischen Landschaften, bie ringsum in ben Weingärten unb Wölbern unb weiter, wo nun wirklich bie Donau fließt, behei­matet ist, in ber Wachau mit ben kleinen Burgen- stäbtchen unb den verträumten Hügelwegen unb im ganzen so vielfältig abwechslungsreichen unb buch innerlich oerbunbenen Oesterreich.

Kommt man nach Salzburg, hat man bas Gefühl, alles, was in Wien am weitgelagerten Stabtbilb zu entbecfen war, nun hier gebrängt bei­sammen zu finben, unb vor allem ist es bas Barock, bas Salzburg in erhöhtem Maße sein Gesicht gibt. Denn hier klingt bas Barock zusammen mit ben geschwungenen unb abgebrochenen Linien ber um die Stadt aufwachsenden Höhenzüge und Fel^berge, wie jenem, ber die Festung Hohensalzburg tragt ober leichteren Erhebungen wie bem Kapuzinerberg, bem Mönchsberg. Klingt zusammen mit bem Rau­schen bes schäumenben Gebirgsflusses, ber Salzach, unb wanbelt sich in ber Stabt Mozarts zum Rokoko, wenn man hinüber wandert nach dem

kleinen zum Teil terrassenmäßig auffteigenben Park­garten um bas Schloß Mirabell ober zu bem eigen­artigen um bie Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Rokokoschlößchen Leopoldskron. Was aber groß­artiger unb schwerer im Innern ber Stabt, um bie Kuppeln ber Franziskanerkirche unb die Dache? ber alten Abelspalais schwingt, bas setzt sich amphi- theatralisch auffteigenb im Salzkammergut, um ben geheimnis- unb sagenreichen Untersberg unb ben zwischen steilen Felsenwänben zauberhaft still lie- genben Bergseen fort.

Unb roieber in einer anberen Tonart erklingt biefe Melobie ber österreichischen Lanbschaft in Kärnten, bas mit ber Steiermark mancherlei gemeinsam hat, wenn auch bort bas alles stiller unb sanfter ist. Zwischen bem Salzkammergut unb Kärnten schieben sich bie Riesenmassioe ber hohen lauern ein. Sübwestlich ber Lanbeshauptstabt Klagenfurt aber liegen bie reizvollen Kärtner Seen. Der berühmteste, der Wörther See, zeigt bie Grunb- ftimmung, bie in Kärnten zu Klang unb Rhythmus wirb: eine von melobischem Schmelz verklingenbe Romantik. Das österreichische Lieb unb fein Meister Thomas Kofchat finb hier zu Hause. Heiter klin- genb steigt es auf wie bie Wölber, die die Seen umsäumen, um sich in den klarblauen Himmel mit leuchtenden Schroffen zu erheben. Spiegelblank liegt ber Wörther See zwischen ben Ufersieblungen, wie Pörtschach, Krumenborf, Velben. Plötzlich kommt ber Winb auf, bas Wasser verfärbt sich, das Bild erfährt eine jähe Stimmungsoeränberung: was eben lieblich schien, wirb bizarr unb umbroht. Ein Riesen­panorama aus Himmelsfetzen, Bergfelsen unb ver­düsterten Walbhöhen. Ein Blitz zeichnet scharfe Kon­turen hinein. Dann stürzt bas Gewölk schwarz und donnernd nieder, von Osten unb Westen her begeg­nen sich bie Gewitter; stunbenlang rauscht ber Sturm über dem See. Aber ebenso plötzlich teilt sich, ber bunkle Vorhang wieder, unb mit bem Un= schulbszauber seiner Mörchenkerne erscheint bie sil­berne Scheibe bes Monbes. Nun erstrahlt ber See in Grün unb Silber. Schon gleitet ein Boot hin­aus, Uferlaternen umrahmen oas Wasser, von ben Höhen blinkt ba unb ba ein Licht. Aus einem Gar­ten erklingt gebämpft bie Musik einer Schrammel- Kapelle ...

Man kann nun wenn man durch Oesterreich wandert immer wieder bie Vielfalt biefer Lanb- schaftsstimmungen, bes Lanbschaftscharakters be- munbern: von ber Donaugegenb bis zur Mur unb Drau, von Wien bis Innsbruck, ber Hauptstadt von Tirol, finden sich immer neue überraschende Schönheiten. Jeder Ort unb jede Gegenb ist ein har­monischer Klang bes berauschenben Orchesters. Inns­bruck, eingehauen in bie Alpenlanbschaft, bie zum Brennerpaß, ber alten Straße zwischen Deutschland unb Italien, führt. Was im Kärntischen romantisch­

melodisch war, scheint hier unmittelbarer, oft primi­tiver Ausdruck der Naturseele. Man begreift, daß von hier, jene wie aus Kernholz geschnittenen Bild­werke stammen, die Werke Michael Pachers unb Jörg Kölderers. Neben ben ibyllischen Almen *"nb Berghängen lauern Abgrünbe, walbüberwuchert. Tiefe schluchtenreiche Wilbnis, bann roieber ein Tal, aus bem sich ein Kegelberg unb barauf bie Sil­houette einer Burg ober Burgruine vom Himmels- hintergrunb abhebt. Es ist bas Lanb ber lieblichsten Stimme deutscher Minnelyrik, bie Heimat Herrn Walthers von der Vogelroeibe. Freunblich unb still liegen Stäbtchen, Dörfer unb Hütten im Bergland verstreut. Darüber erhebt sich ber gewaltigste Glet­scherberg bes geeinten großen beutschen Reiches, ber Große Glöckner, zur Höhe von 3800 Meter empor.

Zeitschriften.

Jrmgarb Käthe behandelt in ihrem Aufsatz Herkunft und Schicksal einer Führerschicht" im Aprilheft ber MonatsschriftV o l-k unb Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 15) ben sozialen Abstieg zahlreicher führenber württembergischep Familien vom Schluß bes .Mittelalters an. Eine Reihe von guten Abbilbungen begleitet ben Text. Dr. Franz Schwanitz bringt einen Bericht über Polymerie unb bereu Bebeutung für Vererbung unb Auslefe. An Hanb von mehreren schematischen Darstellungen schilbert er bie verschiedenen Wir­kungen ber polymeren (vielseitigen)' Erbanlagen. Sehr interessant ist bie Abhanblung von Hans K. Zeck überNorbische Elemente in Zentral- und Oftafien".

Hochschulnachrichten.

Der orb. Professor bes Strafrechts an ber Univer­sität Heibelberg Dr. Karl E n g i s ch (früher in Gießen) hat einen Ruf an bie Universität Leipz ig abgelehnt.

In Wien st a r b im 64. Lebensjahre Professor Dr Karl von Ettmayer, Drbinarius für roma­nische Sprachen und Literatur an der Universität Wien unb Mitglieb ber Akabemie ber Wissenschaf­ten in Wien. Neben zahlreichen, grunblegenben Munbartforschungen ist seine große Analytische Syntax ber französischen Sprache" heroorzuheben.

In München ft a r b im 68. Lebensjahre ber frühere Direktor bes Instituts für Tierzüchtung und Haustiergenetik an ber Lanbwirtfchaftlichen Hoch­schule Berlin, Professor Dr. Dr. h. c. Karl Kronacher, ber im Dahlemer Institut für Tier- züchtutzg eine umfangreiche Tätigkeit auf bem Ge­biete der Vererbungslehre entfaltet hatte.